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Entomologiscbe Zeitung.
Herausgegeben
von dem
entomologischen Vereine
STETTIN.
Siebenunddreissio'.ster Jahroaug.
Stettin 1876.
]Jruck von li. ({rastiuiiin
Siitoiuolo^ifielie ZeUiiiig;
herausgegeben
von dem
eiitomologisclieu Vereine zu Stettin.
von dem
Redaction- ^^ Conimission bei den Buchhandl.
V. E. S. Mittlerin Berlin u. Fr. Fleischer
C. A. Dohrn, Vereins-Präsident. in Leipzig,
No. 1-3. 37. Jahrgang. Jauuar— März 1876.
Neujahrs -Note zum Reiclis-Text.
Leicht lässt sich's denken, wie die Mutter Isis
Gekichert hat, als zivr Kartoft'elkridis
Erging das drollig-knollige Vorbot;
Abdera schien mit Unrecht ausgestorben,
Wenn alle andern Streiche auch verdorben
— Prohibitive helfen aus der Noili!
Wir hätten, um nns Herzek'id zu sparen.
Vor „Greenhacks^^ sollen uns "re Taschen wahren,
Die Sorte G^lnzeug schul' uns Angst und Qual:
Harmlose Knollen grimm zu controlireu —
Leptinotarsa wird das divertiren.
Der sind sie ungeniessbar und l'atal.
Für Prinzengärten hinter Spiegelscheiben,
Auch l'iir botanische wird mau verschreiben
Von drüben manch' schöublühendes Gewächs:
Ja das, das böte die bequemste Weise
Für mögliche Leptinotarsen-Reise —
Doch davon schweigt die Delph'sche Weisheit-Lex.
Kartoffelkrieg wh-d's also schwerlich geben,
Jedocli viel ĂĽbler steht es um die Reben,
Stets nah und näher rückt die Lausepest:
Es gilt, sich mannhaft gegen Phjdloxeren
Und ihren „Mässigkeitsverein" zu wehren.
Der offenbar nicht mit sicli spassen lässl.
1*
Was (icn Grosssenior der Zoologen,
Den Archenbauer Noah, einst bewogen,
Dass er die schnöde Reblaus hat salvirt,
Begre" " «ich schwer — Er grade musste wissen,
Dass die Janaille mit erzgift'gen Bissen
Just seine Lieblingspflanze schlimm schimpfirt !
Auch möglich, dass die Laus in jenen Zeiten
(Die Darwinisten werden's kaum bestreiten)
Ganz anders aussah und ganz andres frass:
Wer ahnt, dass solch' ein winz'ger Parasite
Chäteau Lurose erstürmt, Chäteau Lafitte
Und ganz Burgund — — das arge Rabenaas!
Drum wird Collegeu Lichtenstein und Bollen
Man Dank und heisse SegenswĂĽnsche zollen
Zu dem pompösen Frosch- und Mäusekrieg:
Falls sie beseitigen das Lause wunder,
So stossen wii- in GaudiĂĽsarfs") Burgunder
Hoch an auf ihren Sack- und AschensieĂĽ!
C. A. D.
Kssa,s i., ,h.-a, ' 8-1' :"''•',.' "''"'IVV'""'-' '«' Oogenstand eine; monographiscl.en
l)ia nose iJr S^^^^^^^^ ''"'f- ,''"" '"" »'^l'"^«'-«» Seiten versichert wurde, die
m hX.r Ik .,11 hi^ .,'• ,"'",;.', ''^''' ^'«»"f>'C'-atben, und die unverliolVt grü-ssere. dass
lim hLsiar .he i.m1Ic. hi.si>ain.sclie Flici,'o unbelästigt gelassen hat. Persjat!
Rede zur Stiftungsfeier
am 17. October 1875.
M eine Herren!
Auf meinen, von den in Stettin lebenden Vereinsmitgliedern
genehmigten Vorschlag weichen wir heute von der Norm ab,
und begeben die Stil'tungsfeier unsere Vereins statt zu An-
fange Novembers bereits im October.*) Die heute theiloeh-
menden Genossen werden sich hoffentlich der hiedurch er-
wachsenden moralischen Verpflichtung nicht entziehen, den
eigentlichen Kalendertag (6. November) in bester Gesundheit
zu ĂĽberleben.
Was den Personalstatus unsrer Mitglieder betrifft, so
haben wir im verwichnen Jahre eins unsrer Ehrenmitglieder
verloren, den Director der zoologischen Abtheilung des British
Museum in London, John Edward Gray. Seinem achtungs-
werthen Willen, die reichen Schätze des Museums durch
systematische entomologische Cataloge (mit Beschreibungen der
neuen Arten) der Welt bekannt zu machen, entsprach leider
nicht immer die Auswahl der damit von ihm betrauten Per-
sonen, so dass einzelne Cataloge nach der Meinung von Sach-
verständigen das Chaos nur noch chaotischer gemacht haben.
Andre dieser Cataloge haben aber unzweifeUiaft der Wissen-
schaft erspriessliche Dienste gethan.
Bei der grossen Zahl unsrer Mitglieder ist es wahr-
scheinlich, dass wir ausser den als verstorben angezeigten
Entomologen Harer, Heuäcker, Kayser, Nicolai, Pal-
liardi, Reissig auch noch andre durch den Tod verloren
haben werden, aber es ist mir darĂĽber authentisch nichts be-
kannt geworden. Eine erfreuliche Reihe neuer Mitglieder ist
dem Verein beigetreten; eine kurze Uebersicht wird der
Zeitung beigefĂĽgt werden.
Mit den gelehrten Gesellschaften des In- und Auslandes
stehen wir nach wie vor in freundlichen Beziehungen, Es
'•') Meine Absicht hei dieser Vorausnahme, die Mitglieder auf
meinem Landsitze als Gäste zu bewirthen, ist leider durch anhaltendes
PfcCgenwetter bedauerlich vereitelt worden.
C. A. D.
6
entstellen deren rortwähiend neue mit mehr oder minder Be-
rechtigung und LebensCäliigkeit: sehr natürlich, dass jede den
^Kampf um das Dasein" mit löblichem Selbstgefühl beginnt,
und dass die Stiftungsmitglieder in dem Bewusstsein der
schweren Anfangsopfer an Zeit und MĂĽhe den ausreichenden
Grund zu haben vermeinen, dass alle altern Gesellschaften
und Vereine iiinen hĂĽlfreiche Hand bieten sollen, namentlich
durch Austausch der Schriften. Schon mehrfach habe ich
darauf aufmerksam machen mĂĽssen, dass gegen diese ideal
untadelige Ansicht die liausbackne Realität in mancher Be-
ziehung zwingenden Protest einlegt, und dass wir aus dem
Hauptgrunde des finanziellen Gleichgewichts und aus dem
Nebeugrunde der Räumlichkeit für unsre Bibliothek auf uns
telber RĂĽcksicht nehmen mĂĽssen, in Analogie desselben Irr-
tiiums, der einen grossen Theil der Socialdemokraten zu der
Forderung veranlasst, sie mĂĽssten aus der Staatskasse er-
nährt, gekleidet, geschult, wo möglich auch noch vergnügt
werden, ohne dass sie das Geringste zu besagter Kasse steuern,
ebenso fänden es manche Entomophilen ganz unbedenklich,
Vereinsvortheile zu geniessen, ohne die mindeste Vereioslast
tragen zu helfen. Und doch mĂĽssle ihnen deutlich sein, dass
Druck und Papier, Porto, Local, Bedienung und was sonst
noch sich geltend macht — von Zeit und Mühe ganz abge-
sehen — recht grobe Realien sind, deren ideale Unter-
schätzung über kurz oder lang den Lebensfaden jedes Vereins
durchschneidet.
Gegen unser, seit mehr als einem Menschenalter beste-
hendes, und deshalb nicht ohne vollwichtige GrĂĽnde aufzu-
gebendes System, unsre Zeitung nicht direct auszugeben,
sondern es unsem Lesern freizustellen, sie nach ihrer Wahl
durch den Buchhandel oder durch die Post zu beziehen, sind
mir vereinzelte Stimmen zu Ohren gekommen. Dieselben
betonen besonders, dass es durch die neuesten Portoherab-
setzungen möglich sein werde, den Preis zu ermässigen, falls
jedes Exemplar der Zeitung unter Band frankirt expedirt
werde. Vor der Hand scheint es mir doch gerathner, es
(wie bereits im vorigen Jahrgange S. 260 angedeutet) beim
Alten zu belassen, und von den mancherlei GrĂĽnden dafĂĽr
hebe ich folgende heraus. Die Expedition der Exemplare fĂĽr
die Post, für die Buchhändler, für die gelehrten Gesellschaften,
mit denen wir in Tauscliverkehr stehen, und fĂĽr diejenigen
Städte, in welchen sich einzelne geehrte Mitglieder der Mühe
unterzogen haben, eine Mehrzahl von Exemplaren an die Ab-
nehmer zu vertheilen, nimmt die Zeit und MĂĽhe unsers ver-
dienstlichen Herrn Gillet de Montmore, der ausserdem die
Last der KassenfĂĽhrung auf seine Schultern genommen hat,
dergestalt in Anspruch, dass ich es (bei meiner Kenntnies von
seinen anderweiten Berufsarbeiten) nicht verantworten möchte,
ihm das Expediren jedes einzelnen Exemplars unter Band
anzumuthen. Dazu mĂĽssten wir folglich einen besondern Ex-
pedienten anstellen und eventuell salariren. Auf die leidige
Consequenz jener andern Methode, im Laufe des Jahres ge-
schärfte Mandate zu erlassen an die säumigen Mitglieder,
ferner Ausschliessungsdecrete („ray6 de la liste"), Wieder-
aufnahme-Anzeigen nach erfolgter Zahlung u. s. w. will ich
nur vorĂĽbergehend deuten, aber noch auf den eigenthĂĽmlichen
Umstand mehr Accent legen, dass nach den Erfahrungen der
letzten Jahre der Absatz durch den Buchhandel, obwohl er
theurer und weit langsamer ist, sich von Jahr zu Jahr gegen
den schnelleren und billigeren durch die Post gehoben hat,
wahrscheinlich wegen der mehr säubern Behandlung der
Exemplare. Demnach scheint mir kein Grund vorzuliegen,
unsern durch die Erfahrung erprobten bisherigen Weg zu
verlassen, um so weniger, als wir im einzelnen Falle gern
bereit gewesen sind und fĂĽr die Folge auch sein werden,
unsern Mitgliedern bei Anschaffung früherer Jahrgänge unsrer
Zeitung billige Modalitäten zu gewähren.
Von dem bekannten Rechtsgrundsatze: „was nicht ver-
boten ist, ist erlaubt", machen seit geraumer Zeit die Spe-
cialisten aller naturgeschichtlichen Fächer Gebrauch, respeetive
Missbrauch. Dass in der Entomologie die Errichtung neuer
Gattungen in den letzten Jahren eine haarsträubende Aus-
dehnung gewonnen hat, und dass die Uebersichtlichkeit
namentlich der bevorzugteren Ordnungen, Coleoptera und
Lepidoptera, dadurch geradezu der menschlichen Leistungs-
fähigkeit mehr und mehr entrückt wird, darin sind nachgerade
alle besonnenen Entomologen einverstanden. Kein Sachkenner
wird behaupten, dass das ungeheure Material, welches wir
heute im Vergleiche gegen das besitzen, was Linn^- vor sich
hatte, in die von ihm vorgeechlagnen, damals ausreichenden
Gattungen eingezwängt werden kann: aber niemand wird sich
verhehlen können, dass wir jetzt auf dem besten Wege zu
Amyot's Mononjmie sind, nur mit dem unbequemen Unter-
schiede, dass für jede Art 3, jeweilen 4 Wörter auswendig
zu lernen wären, um über ihren Platz im Systeme Bescheid
zu wissen. Es ist aber weder zu erwarten noch zu verlangen,
dass alle Entomophilen Virtuosen in der Mnemotechnik sein
müssen — auch ohne die Sintflut neusten Gattungen - Unfugs
hatten sie schon genug und ĂĽbergenug zu lernen.
Wer oder was kann hier AbhĂĽlfe schaffen? Weder das
Zetern eines einzelnen Jeremias, noch die kalten Schläge
irgend eines abblitzenden Congresses — wohl aber sind Leute
6
in meiner Stellung moralisch verpflichtet, es hier zur öffent-
lichen Kenntnise zu bringen, dass mĂĽndlich und schriftlich die
allgemeine Meinung schon in hohem Grade gegen den
Leichteinn erbittert ist, mit welchem sonst ganz verdienstliche,
in diesem Punkte aber durch Mihisucht verblendete Entomo-
graphen auf die unerheblichsten Dinge verkehrten Accent
legen, um damit ihre leichtfertigen Aftergattungen elend zu
fundamentiren. Der allgemeine Unwille muss nur öffentlich
an allen berufenen Stellen ausgesprochen werden, vielleicht
bringt das diese blindverbissenen Generifexe zu heilsamer
Besinnung.
Aus der Correspondenz der letzten Wochen theile ich
nachstehendes mit. Es schrieben die Herren:
1. Prof. Zeller, BergĂĽn, 10. August, bedauert, dass
er sich statt mit erwünschten Motten mit höchst unerwünschten
Mixturen von Rhabarber, Oleum ricini und Carlsbader Salz
herumsciilagen, und deshalb die Heimreise noch vertagen muss.
2. Oberförster Eichhoff, Saarburg, 11. Aug., dankt
bestens für die übersendeten „Baum- und Borken-Schänder"
und gedenkt, die Mehrzahl davon mit legitimen Taufscheinen
baldigst zurĂĽckzusenden, wĂĽrde aber einige hocharistokratische
Bubeu, mit deren Bekanntschaft er frĂĽher noch nicht beehrt
worden, gerne noch behufs genauerer PrĂĽfung zurĂĽckbehalten.
Die ilim in Aussicht gestellte Beaugenscheinigung von Tomi-
ciden aus Neu-Guinea und Umgegend versetzt ihn in aufge-
regte Spannung.
3. E. Wehncke, Harburg, 11. Aug., sendet mir den
grössern Theil der bei seinem neulichen Besuche zu Determi-
nation und Vergleicliung mitgenommenen Hydrocantharen
zurück. Augenblicklich beschäftigt ihn die Beschreibung der
neuen, aus Australien von dem ausgezeichneten Sammler des
ĂĽodetfroy'schen Museums, Herrn Daemel, mitgebrachten Nova:
es würde ihm passen, wenn ich ihm auch meine neuhollän-
dischen Wasserräuber mittheilen wollte. [Ist gerne ge-
schehen. D.|
4. J. Lieh ten st ein, Montpellier, 12. Aug., will auf
meinen Br. v. 6. lieber gleich antworten, ehe er sich durch
die 8 Schachteln von Perez, 3 von Sclienck, 1 von Saussure,
l von 'lischbein, alle zugleich angekommen, ableiten und
zerstreuen lässt. Er bezweifelt nicht, dass es den Herren
Mayet und Marquet, mit denen er eine Razzia in den DĂĽnen
verabredete, sehr willkommen sein wird, dass sie mir ihre
„angestriclinen" Sammlungs-Cataloge einsenden sollen. Mit
der Classification seinor eignen Käfer kommt er auf keinen
sonderlich grünen Zweig, da die Beschäftigung mit den le-
benden Jnsecteu ihm wenig oder keine Müsse lässt, sich mit
9
den todteu abzugeben. [Nach der systematischen Seite ein
geringer Nachtheil, aber ein höchst schätzbarer Vortheil für
die biologische, da der heutigen Wissenschaft unendlich mehr
an zuverlässigen Beobaclitungen der Entwicklung gelegen ist,
als an relativ unverächtlichen synonymischen Noten und Be-
schreibung neuer Arten. D.] Er hat gegenwärtig an 2000
kleine Triungulinen der Cantharis vesicatoria in der Zucht,
und hofft, sie nach jahrelangen vergeblichen Versuchen doch
diesmal wenigstens bis zu einer oder zwei Häufungen durch-
zubriogen. Auch sind die Phylloxera gerade in der Flug-
Periode, und in den grossen Musselin-Zwingern, in welche er
sie eingeschlossen, muss er doch täglich wenigstens 3, 4 Mal
nachsehen. In Betreff der systematischen Stellung der Phyl-
loxera, ob als vierflĂĽgelig zu den Aphiden, ob als eierlegend
zu den Cocciden, wäre er nicht ungeneigt, mir beizupflichten,
dass die genaue Kenntniss der Lebensweise einer richtig fest-
gestellten Art mehr werth ist, als gelahrter Zank ĂĽber ihre
Stellung im System. Das fĂĽhrt ihn auf die Frage, ob ich
gleich ihm die Strepsiptera für Käfer halte oder nicht? [Bisher
haben mir die negativen Gründe von Siebold und Gerstäcker,
die Zeichnung von Fred. Smith in den London Transactions
mehr eingeleuchtet, als die Motivirung des GegentheĂĽs durch
Schaum, Lacordaire u. A.; aber ich fĂĽrchte, es ist ein Streit
de lana caprina, wenn man dem Creator mundi menschlich-
spanische Systemstiefel anzwängen will: die alte Zoologie
hatte ihre imperativischen Kategorieen und ging deshalb mit
dem kategorischen Imperativ viel sorgloser in's Zeug, als die
neuere, deren Thesaurus ungeheuerliche Vocabeln aufweist,
wie Parthenogenesis, Generationswechsel und ähnliches.] Von
den Larven der Canth. vesicatoria stellt er mir und begehr-
lustigen Freunden beliebig zur Disposition. Eine in Erde ein-
geschlossene Puppe von der Grösse eines Olivenkerns hat ihm
in diesen Tagen eine Bembex geliefert, die er fĂĽr B. oculata
Dahlb. hält; die -9 gelb, die ö^ aber mit weissem Ring ohne
Punkt, so dass vielleiclit B. Latreillei als o ^-u B. oculata
gehört. — Der früheren Entdeckung der Puppen von Celonites
apiformis (kleine Zellen von Mörtel längs einem Halm, mit
den Enden aneinanderhängend wie Würstchen) ist in der
letzten Zeit eine neue gefolgt (vielleicht des C. afer Lepell.),
dessen ähnlich geformte Puppen parallel nebeneinander an
einen Stein geklebt waren. Es dĂĽnkt ihm abnorm, dass die
Bewohner dieser Zellen die FlĂĽgel an den Bauch angedrĂĽckt
und die Beine darĂĽber liegend zeigen, was ihm bei keinem
andern Hymenopteron vorgekommen. Ammophila Heydeni
Dahlb. ist ihm aus einem hellkastanienbraunen Cocon mit
breiter weisser Binde ausgeschlĂĽpft, der in einem andern
10
CocoD schlaffen Gewebes eingeschlossen, im Sande gefunden
wurde. — Von 100 Raupen des Bombyx Yamamai erzog er
80 Puppen, aus denen 76 Falter ausschlĂĽpften, die er in sei-
nem Garten fliegen liess. Er erwartet den angekĂĽndigten
Besuch des Prof. Gerstäcker und der andern deutschen Na-
turforscher, welche im Auftrage des Reiclisministeriums die
Phylloxera beobachten sollen. Augenblicklich fliegt diese
Landplage so massenhaft umher, dass er ohne Uebertreibung
behaupten kann, auf jedem Blatt einer grossen Eiche in
seiner Nachbarschaft sitzen mindestens zehn Exemplare!
5. C, Blees, Sachsenhausen, 13. Aug., wĂĽrde gerne
europ. oder exot. Schmetterlinge durch Zucht aus befruchteten
Eiern gewinnen, und bittet um Auskunft, ob und wo der-
gleichen zu kaufen.
6. Dr. Katter, Putbus, 17. Aug., hat aus der Schweiz
Dichotrachelus Knechti Tourn. n. ep. heimgebracht und könnte
ein Paar Exemplare abtreten.
7. R. Friedländer & Sohn, Berlin, 20. Aug., wegen
der Revue Cuvierienne (und Magazin) von Guerin, welche sie
zur Ansicht einsenden werden.
8. E. Keitter, Paskau, 18. Aug., Nachträge zu seinem
Artikel ĂĽber Lathridier.
9. Graf Ferrari, Wien, 4. Aug., dankt verbindlich
fĂĽr die ihm zur Disposition gestellten Autographa von Ento-
mologen; die meisten davon fehlen ihm und werden will-
kommen sein.
10. Brischke, Danzig, 17. Aug., bedauert, dass er
dem aus SĂĽdfrankreich durch meine Vermittelung ihm mit-
getheilten Wunsche nach norddeutschen Goldwespen wegen
Schimmels seiner Dupla kaum wird entsprechen können. An
südlichen Chrysiden wäre ihm nichts gelegen, desto mehr an
Exemplaren der Phylloxera vastatrix und am Corpus delicti
ihres Schadens, Wurzel- und Blatt-Gallen u. s. w. Desgleichen
an andern Feinden des Weinstocks, Tortrix ambiguella, Pil-
leriana und wo möglich deren Raupen in ihren Gespinnsten.
Auch einige Exemplare von Leptinotarsa (Doryphora) decem-
lineata, und wenn thunlich, deren Eier und Larven, befressene
Kartoffelpflanzen u. s. w. wären pia desideria! [Es wird
schwer, wenn nicht unmöglich sein, diesen von vielen Seiten
gleichzeitig geäusserten Wünschen auch nur theilweise be-
friedigend zu entsprechen! D.]
11. Gerichtsrath Keferstein, Erfurt, 21. Aug., sendet '
lepidopterische Notizen fĂĽr die Zeitung.
12. P. Bargagli, Firenze, 22. Aug., konnte wegen
einer Reise nach der Schweiz meinen Brief vom 5. August
nicht eher beantworten, hat mit dem Tesoriere, Grafen
11
Vimercati gesprochen und wird die Beitragsangelegenheit aus-
gleichen. Die Aussicht, durch Dr. Anton D. bei seiner Heim-
kehr nach Napoli eine Sendung von Curculionen zu erhalten,
ist ihm erfreulich, und er hofft, sich im Laufe des Winters
durch toseanische Seltenheiten dafĂĽr dankbar zeigen zu
können. In Betreff des Amorphocephalus coronatus thut es
ihm leid, bei der fraglichen Excursion nicht mehr als zwei
Pärchen gefangen zu haben, von denen ihm nur eines ver-
blieben.
13. Hofrath Speyer, Rhoden, 24. Aug., ersucht um
die ihm verheissnen Separata.
14. Dr. Snellen van Vollenho ven, den Haag, 28. Aug.,
erzählt von einer Versammlung der niederländischen Ento-
mologen, welche kĂĽrzlich zu Amsterdam in einem Saale
der Gesellschaft ^Natura Artis Magistra'^ stattgefunden hat.
Sie war zahlreich besucht, die vorgetragnen Mittheilungen
interessant, die Stimmung heiter und das Festmahl vortrefflich,
V. macht mich im Voraus darauf aufmerksam, in dem zu
erwartenden Berichte die Mittheilungen des Herrn Piepers
ĂĽber Macassar (oder wie P. schreibt Mangkasar) nicht zu
übersehen. Den zoologischen Garten der „Natura A, M."
hält V. wo nicht für den besten des europäischen Continents,
so doch fĂĽr einen, der in erster Reihe steht. Der tĂĽchtige
Dipterolog van der Wulp ist im Begriff, ein dreibändiges
Werk über die niederländischen Zweiflügler mit vielen Tafeln
herauszugeben; ein vornehmer und reicher Gönner hat sich
zur Deckung der Kosten bereit erklärt. Hoffentlich geht es
damit rascher vorwärts, als mit V.'s Pinacographia, deren
zweite Lieferung schon seit längerer Zeit durch das Fehlen
eines guten Coloristeo sich verzögert; es ist noch fraglich,
ob in Bruxelles ein passender zu finden sein wird. Anfrage,
ob ich des berĂĽhmten Hymenopterologen Holmgr^n's genaue
Addresse weiss? V. hätte den dringenden Wunsch, einige
von H, beschriebne Ichneumoniden in typischen Exemplaren
zu sehen. V. bedauert, dass die Zalil der deutscheu Ab-
nehmer seiner ^Schetsen" sich verringert hat. [Der Grund
bei Zweien der Herren ist mir als triftig bekannt: sie sind
verstorben! D.]
15. J. D. E, Schmeltz, Hamburg, 28. Aug., sendet
das erbetne Duplicat des verlegten Verzeichnisses einer höchst
interessanten Sendung von einigen sechzig Paussiden aus
Nordost-Australien, welche mir mit dem Anheimstellen zuge-
gangen ist, darĂĽber einen Artikel fĂĽr das Journal Godeffroy
zu sehreiben.
Der Hamburger Verein fĂĽr naturwissenschaftliche Unter-
haltung zählt bereits über siebzig Mitglieder, die Versamm-
12
hingen werden fleissig besucht, die Veieiosbibliothek wächst,
mit 20 gelelirten Gesellscliaftea besteht Schriftentausch.
Zwei Vorschläge von Mitgliedern für den Stettiner Verein,
16. Dr. (). Niekerl, Prag, 4. Sept., wollte schon seit
acht Tagen antworten und die Holubianer Ostafrikaner
schicken, war aber durch unvorgesehne Hindernisse abge-
halten, zuletzt durch den Besuch des Herrn W., dem (als
Ausländer) es auch gelang, in das den Inländern versiegelte
Museum Helfer zu dringen und ĂĽber den trostlosen Kampf
der wenigen noch erhaltnen Reliquien mit den siegreichen
Anthrenen durch Augenschein zu berichten. — Mein Rath,
die fraglichen, rübenschänderischen Cleonu» punctiventris-
Larven in andrer als der bisherigen Weise transportiren zu
lassen, um die Beobachtung ihrer Verwandlung zu ermög-
lichen, ist befolgt worden, doch ohne Nutzen, denn sämmt-
liche Larven sind zu Grunde gegangen. — Die Käferausbeute
im Kiesengebirge war wenig erbaulich, vielerlei, aber nichts
rares. Frage nach dem Namen eines centralamer. Semiotus
( — nach den angegebnen Specialien ist es S. insignis Cand. — ).
Von den europ. Necrophoren und Silphen fehlen in seiner
Sammlung nur noch wenige.
17. D. V. Schlechtendal , Zwickau, 1. Sept., Notiz
für die Zeitung über die Präparation von Pflanzenläusen für
die Sammlung.
18. Dr. F. Rudow, Neustadt-Eberswalde, 2. Sept.,
sendet weniger Chrysiden, als er beabsichtigte, da eine hin-
einfallende Lupe starke VerwĂĽstung in den zum Abmarsch
designirten anrichtete. Er hofft im nächsten Jahre sein be-
sondres Augenmerk auf die Goldwespen richten und mehr
davon liefern zu können, südliche Arten werden ihm als
Aequivalent willkommen .sein. Auch mit andern Hymenop-
teren und mit Insecten andrer Ordnungen (^abgerechnet
Schmetterlinge, Käfer und die erst seit Kurzem in's Auge
gefassten Dipteren) würde er ausländischen Sammlern gerne
dienen. Neustadt-Eberswalde ist eine herrliche Fundgrube
fĂĽr Insecten, es kommen die seltensten Thiere aller Art vor.
I — Das bestätigt eine, mir vor Jahren seltsam dünkende
Behauptung des verewigten Ratzeburg, der auf Alex. Hum-
boldt's Frage nach der Proportion der bei Neustadt vorkom-
menden Insecten zu der Anzahl der dortigen Phanerogamen
U Insecten auf jede Pflanze angab, aber dies fĂĽr einen excep-
tionellen Reichthum der Localität hielt. — ] Eine genauere
Addresse des Scandinaven Holmgren kt R. nicht bekannt.
1». Schreiben des Kais, Ober-Postdirectors Grub er,
Stettin, G. Sept. — Da die meisten Staaten nur Brief- und
keine Paket-Post haben, woraus sich der tiscalische Imperativ
13
erklärt, den Sendungen durchaus nichts Schriftliches beifügen
zu dürfen, so hatte ich einer Käfersendung, die ich im April
d. J. an Herrn Lichtenstein in Montpellier fĂĽr zwei seiner
coleopterophilen Freunde abgehen Hess, kein Verzeichniss der
etwa 100 Arten beigefĂĽgt, sondern legte dasselbe in einen
separaten Brief. Ich war nicht eben augenehm ĂĽberrascht,
als mir Herr L, zwar den richtigen Eingang der Kiste, aber
nicht des unter genau derselben Addresse gleichzeitig abge-
sendeten Briefes meldete; und da ich es unterlassen hatte,
Abschrift des Verzeichnisses zurĂĽckzubehalten, so konnte ich
aus dem Gedächtnisse die Namen der gesandten Käfer nur
ziemlich lĂĽckenhaft angeben. Gegen Mitte August wurde ich
seltsam ĂĽberrascht, als mir der anscheinend verlorne Brief
von der hiesigen Post wieder mit dem Vermerk „zur Ermitt-
lung des Absenders amtlich eröffnet" zugestellt wurde. Nun
lag auch der Grund zu Tage, weshalb er nicht an seine
Addresse gelangt war. Dicht unter das von mir deutlichst
geschriebne und unterstrichne Montpellier hatte es irgend
einem albern inspirirten Genius postalis beliebt, mit grossen
deutschen Lettern yjNord-Amerika'' hinzuzuschmieren, und in
Folge dieser mehr aus der Luft, als aus dem Malte Brun,
Stieler oder Kiepert gegriffnen Directive hatte sich mein
armer Brief zwei Monate lang in den Vereinigten Staaten
unbestellbar umhergetrieben, bis das Postamt in Washington
die Geduld verloren und ihn mit dem Stempel „unclaimed"
nach Stettin zurĂĽckgeschleudert hatte.
Herr Gruber bedauert nun in seinem Schreiben den er-
folgten Missgriff, sagt, dass ein hiesiger Postbeamter als Autor
des Beisatzes „Nord-Amerika" ermittelt worden, der zu seiner
Entschuldigung anführe: „ihm sei die Lage von Montpellier
vollkommen bekannt, er mĂĽsse aber in dem Drange der Arbeit
den beabsichtigten Erläuterungsvermerk aus Versehen nicht
auf den beabsichtigten, sondern auf diesen Brief gesetzt ha-
ben." Uebrigens sei diese FlĂĽchtigkeit entsprechend gerĂĽgt
worden.
NatĂĽrlich hatte ich das vagabundirende Verzeichniss
(diesmal der Sicherheit wegen durch „Einschreiben" besserer
Behändigung empfohlen) von neuem abgesandt, und Herr
20. J. Lichtenstein, Montpellier, .5. Sept., Iiat es
richtig erhalten, und meint, es werde doch noch einen und
den andern Zweifel über die Namen der gesandten Käfer
zweckdienlicii beseitigen. — Ph3'lloxera (cum pertinentiis)
wird ihm von vielen Seiten abverlangt. — Herr C. V. Riley,
State entomologist, Saint Louis, Missouri, wĂĽnscht Mitglied
des Stettiner Vereins zu werden, und den laufenden Jahrg.
der Zeitung zu haben. — Die Herren Prof. Gerstäcker, Nord-
14
linger und Märker waren 8 Tage lang in Montpellier und
Bordeaux in Sachen Phjlloxerae. Für Prof. Gerstäcker schien
es sehr interessant, dass L. ihm die zweite Larvenform der
Cantharis vesicatoria zeigte, und es wĂĽrde ihm vielleicht nicht
weniger wichtig sein, die eben entwickelte dritte Form
(2V'2 Centim. lang) zu sehen.
L.'s Behauptung, die eine Art Phylloxera ĂĽberwintere
auf Quercus coccifera, wandere im Sommer auf Quereus
pubescens ĂĽber, kehre aber im Herbste auf Q. coccifera zu-
rĂĽck, war von der Pariser Academie als ganz unwahrscheinlich
und gewiss ungenau abgewiesen worden. Jetzt schreibt ihm
Prof. Targioni aus Firenze: „Vos observations sont excellentes,
ici les Phylloxera 6migrent aussi du Q. sessiliflora au Q. ilex."
L. fährt fort:
„Targioni schickt mir als Beweis Eichenblätter der zwei
Arten und siehe dal ich finde nicht nur die mir bekannte
Phylloxera, die auf coccifera ihre sexuirten PĂĽppchen bringt,
sondern auch die Püppchen selbst und 4 sexuirte Läuse
lebendig, 2 <^ und 2 $. Haben wir nicht da ein exotisches
Insect, das in seinem struggle for life sich bei uns mit Q.
pubescens und coccifera, in Italien, wo diese fehlen, mit ses-
siliflora und ilex arrangirt?^
21. Cand. phil. 0. Schmiedeknech t in Stadtilm
(ThĂĽringen), 10. Sept., wĂĽnscht Mitglied des Vereins zu 11
werden, sendet eine Schrift ĂĽber Flora und Fauna der Ort- |
Schaft Gumperda ein, und wĂĽrde gern mit Neuropterologen
in fĂĽr ihn belehrenden Verkehr treten, um dessen Vermittlung
er ersucht.
22. Dr. G. Rad de, Borshom bei Tiflis, 31. Aug., sendet
mir einen Bericht aus seiner Sommerreise, aus welchem ich
Folgendes wörtlich ausziehe:
^Es war eine grosse Cavalcade, die Mitte Juni von hier
aufbrach. ZwöU muthige Tatarenpl'erde, zwei gute, vier be-
denklich schlechte Reiter, leidliche Provision, ein vorwelt-
licher Weinschlauch, nach antiker Manier einem SĂĽnden-
(Ziegen-) bock ĂĽber sein eignes Maul gezogen, dann auf der
innern Seite reichlich mit schwarzer Naphta ausgeschmiert,
an den 4 Fussenden sorgsam unterbunden, am Nabel ver-
picht, am Maule und wo sonst nöthig ganz w-asser- und
wein-dicht gemacht, und straft* mit edlem Kachetiner-Gewächs
gefĂĽllt: er wurde allabendlich auf seinen Inhalt kritisch und
nachhaltig geprĂĽft. Wie Sie vielleicht schon wissen, reisten
mit mir Dr. Schneider, Dr. Fixsen, Lepidopterolog, der Bruder
des Cuetos des Petersb. Museums, H. Morawitz, der deutsche
Consul BrĂĽning und ein Sohn des Ihnen bekannt gewesenen
Lepidopterophilen Sievers.
15
Von hier ging es zunächst direct gegen Süden in's Rand-
gebirge von Armenien, weiches hier mit den herrlichsten
Wäldern bestanden ist. Sofort begann der liebenswürdigste
Regen und verhalt" uns zu den ĂĽberflĂĽssigsten Reminiscenzen
an die Sintflut, Noah, die Arche etc. Das half ausgezeichnet,
wir wurden nass und immer nässer, heute, morgen und jeg-
lichen folgenden Tag, selbst da, wo sonst in normalen Jahren
am Araxes nur 6 Zoll Regenwasser fallen, und wo sonst die
lulodis Faldermanni an den stachligen Alhagi-Stauden sitzen
und sich entzĂĽckt von den sengenden Sonnenstrahlen schmoren
lassen. Diesmal Regen und immer Regen; an Aussichten im
Hochgebirge nicht zu denken, und natĂĽrlich auch nur geringe
entomistische Ausbeute. Selbst der unermĂĽdlich rafflustige
Dr. Schneider, der vorgestern ĂĽber Stambul heimgekehrt ist,
hat zwar von Käfern multa, aber nicht multum zu seiner
Enttäuschung eingeheimst. Dem für Reitter hier reisenden
Leder ist es ähnlich ergangen, überdies soll ihm auf dem
Transport noch die Hälfte seiner Raff'beute schwer geschädigt
worden sein.
Wir hielten uns nur ein paar Tage am Tabizkur-See
(6000') auf, gingen dann ĂĽber Achalkalaki durch das Gebiet
der Duchoborzen-Secte entlang der tĂĽrkischen Grenze nach
Alexandropol, und bestiegen von der Nordseite den 12000'
hohen Alagös. Auch hier oben Hagel und Schnee, unten
Regen. Wohlthuend war das Ausruhen im Kloster Kiptschach,
wo uns eine Elite von Teufelsanbetern (Jesiden, einem Kur-
denstamm) die Ehre ihres Besuches erwies und den 93gradigen
Spiritus aus unsern Schlangengläsern weg&ofF, uns ihrer mass-
losesten Freundschaft versichernd. Man erzieht in diesem
alten Kloster eine Anzahl Seminaristen, höfliche und dienst-
fertige junge Leute, deren Kirchenlieder freilich unsern Ohren
nichts weniger als lieblich dĂĽnken wollten. [Eine gewisse
Isolirzelle, mit scharlachrothem Tuch malerisch ausgeschlagen,
veranlasst mich vielleicht später zu einer Monographie über
einseitige Sitzsamkeit, wobei ein Oelfarbendruck der Kipt-
schacher pensilvanischen Erleichterungs-Zelle durchschlagenden
Neid erwecken soll.]
In's mittlere Araxesthal triumphirten wir unter denselben
mistnassen Auspicien hinein, so dass unser liebenswĂĽrdiger
Bienenjäger Morawitz alle Augenblicke seinen Schutzpatron,
den heiligen Radoschkoff"sky, derzeit Präsidenten der Peters-
burger Molochgesellschaft invocirte! Nicht ohne Lebensgefahr
erkletterten wir in Sardarabad, einem grossen Dorfe von
persischem Typus, die hügeligen Erd-Dächer. Nachdem ich
den Freunden einen herrlichen Plov (europäisch bekannter
als Pilaw oder Pilau) hatte bereiten lassen, zogen sie es vor,
16
in einer pogenannten Stube zu nächtigen, während ich (als
l{u}^»ertu8 expertus) \vohi\vei.«lieh oben am Luftloch des Daches
verblieb. Himmel! wie sahen die Freunde am nächsten Morgen
aus! Elend, taumelnd, von Muskitostichen, Wanzenbissen,
Flohbosheiten verhindert, in der ganzen Nacht die Augen zu
schliessen — das war die reichste, aber höchst unerwünschte
entomische Fundgrube gewesen!
Am Goktschai-See gab es wieder viel Wasser auf den
Pelz, an den Mineralquellen von Abastuman, wo uns ein me-
dicinischer Freund bewirthete, mehr Nectar in den Magen.
Die Reitparlie in das Gurische Grenzgebirge brachte uns ein
splendides Mittagsmal im Walde ein, dazu Regimentsmusik,
und hinter die Ouvertüre zu Wilhelm Teil sogar ein militär-
l'rommes „Gott erhalte Franz den Kaiser!" Ich lasse unent-
schieden, was intensiver war, die Freude des Finders eines
Carabus Leforti nicht weit von der Lucullischen Tafel, oder
die Wehmulh der Nichtfinder.
Jedenfalls wurde uns am Fusse des Kasbek (10,000')
der Abschied von einander nicht nur durch sehr trinkbaren
Porter verbittert, sondern den verschiednen Molochen auch
durch Bienenbelastung, Schmetterlings - Centurien, Käfer-
milliarden etc.
Das dem Dr. Heinr. D. versprochne Rhododendron wird
in nächster Zeit erfolgen."
23. Dr. R. Gestro, Genova, 31. Aug. und IJ. Sept.,
erhielt meine Briefe erst nach der RĂĽckkehr von einer mehr-
wöchentlichen Ausflucht zur See in der Jacht eines Freundes,
wobei die sĂĽdliche und westliche KĂĽste Sardiniens und einige
toscanische Inseln bestreift wurden. Die zoologische Ausbeute
war nichts weniger als erheblich, das Beste vi^aren ein Paar
Falco Eleonorai und deren Eier. Dass in seiner letzten Sen-
dung doch einiges fĂĽr mich neu gewesen, war ihm lieb, und
nach den neusten Berichten Beccari's hofft er auf reicheren
Nachschub, von dessen Duplis ich in erster Linie bedacht
werden soll. Ueber die Differenz der von ihm aufgestellten
Lonriaptera xanthopyga von Boisduval's L. xanthopus sei er
völlig sicher durch eine Reihe von Exemplaren; da er von
L. Latreillei kein typisches Stück besitze, könne er über deren
Verschiedenheit von L. Wallacei nichts sagen: dass einige
der von Thom-son und Wallace aufgestellten Arten mit ein-
ander collidiren, sei ihm freilich wahrscheinlich. — Die
Gattung Gloeodema habe Wolla&ton in seinen Genera of the
Cossonidae Lond. Transact. 1873 errichtet. [Ich hatte sie,
durch oberflächliche Aehnlichkeit des ö" mit Brentiden ver-
leitet, vergeblich unter diesen gesucht.] — .Meinen Vorschlag,
die exotischen Tomiciden durch Oberförster Eichhoff, einen
17
der besten Kenner dieser schwierigen Gruppe, determiniren
zu lassen, wĂĽrde er dankbar acceptiren: nur sei zu befĂĽrchten,
dass die Eisenbahngesellschaft (es giebt keine Packetpost in
Italien) nach der kleinen Stadt Saarburg in Lothringen keine
Sendung annehme. — Mit dem Cureulionidenkenner Roelofs in
Bruxelles bestehe bereits ein freundlicher und erspriesslicher
"Verkehr. Das Befinden des Marchese Doria nach der schweren
ĂĽberstandnen Krankheit sei durchaus noch nicht zufrieden-
stellend: namentlich könne er sich aus anscheinender Apathie
nicht zu einem Luftwechsel entschiiessen, der ganz dringend
geboten sei. — In Beceari's letztem Schreiben vom 5. Juni
aus Dorei (N.-Guinea) seien höchst interessante geographische
und zoologische Notizen enthalten, B. sei mit den Resultaten
seiner bis dahin glĂĽcklich durchgefĂĽhrten Reise zufrieden,
wolle noch das Arfak-Gebirge besuchen und dann Neu-Guinea
verlassen: die Ausbeute sei ganz zu seiner Befriedigung aus-
gefallen. [Das lautet hocherfreulich, denn Dr. Beccari spannt
seine Erwartungen durchschnittlich sehr hoch und ist selten
mit seinen Resultaten zufrieden, auch wenn alle Andre es
sind. D-] - In dem zweiten Briefe theilt Dr. Gestro gute
Nachrichten ĂĽber Doria's Befinden mit, der sich endlich ent-
schlossen hat, in die Campagna und an den Apennin zu
gehen, und bereits in der frischen Bergluft sichtliche Fort-
schritte in der Besserung macht.
24. J. W. Douglas, London, 12. Sept., benachrichtigt
mich von einem Unwohlsein unsers Freundes Stainton; an
dessen Stelle werde er das Schreiben an Rev. Matthews
wegen der Emerj'schen Ptilien befördern und für deren
weiteres Fortkommen in der Welt sorgen, und zwar auf dem
Wasserwege, um ihnen die Eisenbahnstösse zu ersparen.
17. Sept. Anzeige, dass auf dem Schrauber ^Saxon'' nicht
nur die Emery-Ptilien, sondern auch noch einige mir gehö-
rige Micra eingeschifft sind, welche schon seit längerer Zeit
bei Herrn E. Janson in deposito waren. [Mir natĂĽrlich un-
bekannt, da ich kein Aviso erhalten. D.]
25. E. Mulsant, 25. Mai (Buchhandelweg), sendet die
Publicationen der Lyoner gel. Gesellschaften mit dem Er-
suchen, ein Paar verlorne ältere Jahrgänge der entom. Zeitung
für die Bibliothek der Soc. Linneenne der nächsten Sendung
beizulegen.
26. Friedländer & Sohn, Berlin, 18. Sept., senden
für die Vereinsbibliothek die Ergänzung der Revue Cuvi6rienne
und Cramer-StoU Pap. exotiques.
27. T. Knapp, Gotha, 22. Sept., bittet um RĂĽcksen-
dung des im vorigen Jahre gesandten „Verzeichnisses der
von ihm in ThĂĽringen beobachteten Schmetterlinge." [Ohne
2
18
dem Local-Patriotismus des Verf. zu nahe zu treten, und die
aufgewandte „viele Mühe'' und „4(ljährige Arbeif* zu unter-
schätzen, müspen wir docli bemerkhch machen, dass eine
blosse Nomenclatur der bei Gotha vorgekommenen Schmetter-
linge (einschliesplich der Geometriden, aber ohne die Microptern)
ohne Angabe der Futterpflanzen fĂĽr die Raupen, Erscheinungs-
zeit der Imago u. s. w. von verhältnissmässig zu geringer
Bedeutung fĂĽr die Wissenschaft ist, um deswegen andre Ar-
tikel zurĂĽckzulegen, die wir fĂĽr momentan wichtiger halten.
Den ĂĽblichen Raum fĂĽllen, wenn zu wenig Material vor-
handen, und wenn versprochne Artikel ausbleiben, ist fĂĽr die
Redaction eine schwere Aufgabe: aber sie ist auch nicht
leicht, wenn das Gegentheil, allzu reichlicher Segen an Ma-
nuscripten, eintritt, weil Keiner warten will.]
28. Gehrth. Dr. Suffrian, MĂĽnster, 22 Sept., hatte
zwar sich meines Briefes nach Bad Rehburg gefreut, aber die
dort angefangne Antwort bis jetzt unbeendet gelassen, und
es nun vorgezogen, den Rest durch Dictat zu erledigen. Von
den wenigen beiiolgenden Käfern verdient Crjptoeephalus
pusio aus Cuba allenfalls eine ehrenvolle Erwähnung, denn
es existiren davon nur etwa 5 bekannt gewordne Exem-
plare. Die vier Buprestiden stammen aus dem Nachlasse
eines kĂĽrzlich in Siegen verstorbnen Missionars, der sich vor
Jahren in Australien und um Neu-Guinea herumgetummelt
hat, von dort Naturalien aller Art mitgebracht, dieselben
aber unter Verschluss behalten hatte. Nach seinem Tode
wurden sie verkauft und aus einer Spiritusflasche voller
Insectentrümmer an Bäuchen, Flügeln und Beinen hat ein
ehemaliger SchĂĽler S.'s diese leidlich erhaltnen StĂĽcke ge-
rettet. (Drei der Buprestiden gehören zu Cyphogastra fovei-
collis Boisd. ; die vierte Art besitze ich gleichfalls aus der
Gegend des Sunda-Archipel«, aber ohne Namen. D.] Eine
Käfersendung von Dr. Gundlacli aus Cuba kam leider statt
auf dem gewöhnlichen, als gut erprobten Wege über Cassel
oder Marburg auf ungewöhnlicher Strasse über Hamburg und
Berlin nach MĂĽnster, und lieferte einen zerstossenen und ver-
btümmelten Betrag von Rüsselkäfern und Halticiden.
20. E. Daemel, Ham!)urg, 17. Sept., theilt mir einige
Data ĂĽber die von ihm in Australien fĂĽr das Museum Go-
deffroy gesammelten Pau&siden mit. Ich behalte mir vor,
darüber später zu berichten.
30. Max Korb, MĂĽnchen, 23. Sept., hat Beobachtungen
ĂĽber Insecten in der libyschen WĂĽste gemacht und fragt an,
ob dieselben in der Zeitung Platz finden können? 30. Sept.,
sendet sie ein.
19
31. Gustos Schmeltz (Museum Godeffroy), Hamburg,
23. Sept., war durch die grossartige AusrĂĽstung des Explo-
rators Kubary, der fĂĽr das Museum G. mehrere Inselgruppen
des stillen Oeeans erforschen soll, an frĂĽherer Beantwortung
meines Schreibens behindert, ist mit meinen Vorschlägen in
Betreff einiger Dupla der Paussen einverstanden und dankt
für den Nachweis von Determinatoren. Aufträge und An-
fragen für meine Söhne Dr. Heinrich und Dr. Anton.
32. Dr. G. Schweinfurth, Berlin, 17. Sept., spricht
seinen Dank aus fĂĽr das (hinsichtlich der in Cairo zu grĂĽn-
denden naturwissenschaftlichen Bibliothek) Erbieten des Ver-
eins. Die Buchhandlung F. A. Brockhaus in Leipzig wird die
Zusendungen vermitteln.
33. Baron Huene auf Lechts bei Reval, 23. Sept., kann
bei der nach dem fast tropischen Sommer jetzt eingetretnen
normalen Herbstkälte es nur für erlaubt halten, die Herren
V. Nolcken und Petersen zu beneiden, die in den nächsten
Tagen zu einem zweijährigen Exploriren Venezuela's auf-
brechen wollen. Ob die exotischen Lepidoptera nicht ihren
bisherigen Forschungen im Gebiete der einheimischen Eintrag
thun werden? [Erweiterung des Gesielitskreises ist gewiss
nicht notliweodig mit Indifferenz gegen das Einzelne ver-
bunden, während es bei jeder Systematik unbestritten auf
unhaltbare Einseitigkeiten fĂĽhren muss, wenn sie sich ohne
zwingende Noth auf Grenzen limitiren will, von welchen die
Natur nichts weiss. Gerade die Herren Lepidopterologen
könnten aus den in unsrer Zeitung gebrachten Artikeln der
letzten Zeit zu der unabweislichen Einsicht gelangt sein, dass
die nordamerikanische Fauna mit der europäischen eng genug
verschwistert ist, selbst abgesehen von der Identität der po-
larischen Arten] Vorschlag eines Mitgliedes. Anfrage nach
feüdeuropäischen Addressen für Schmetterlingstausch.
34. C. Kitsema, Leyden, 27. Sept., muss zu seinem
Bedauern eingestehen, dass er seit längerer Zeit im Cor-
respondenz-RĂĽckstande verblieben. Die beifolgende Beschrei-
bung eines neuen Paussus aus Congo war schon seit längerer
Zeit fĂĽr die entom. Zeitung bestimmt; ein paar Separata
werden erbeten. In Folge eines durch Dr. Snellen van
Vollenhoven ĂĽbermittelten Wunsches wird das Desideratum
in Begleit mehrerer Buprestiden und Cetoniden aus nieder-
ländisch Indien mir zugehen; es werden Species namhaft ge-
macht, welche dagegen als Aequivalent gewĂĽnscht werden.
Die von mir als Helota Bowringi in coli, versandte Art ist
inzwischen von Gorham als H. gemmata beschrieben worden;
Ausser derselben beschränken sich die bekannten Species auf
H. Vigorei, Servillei, Guerini, tibetana (welche R. mit Mellyi
2*
20
für bynonym hält); zwei andre Arten aus Java sollen näch-
etene beechrieben werden. Aus der Umgegend von Batavia
ibt ein kleiner Peeudomorpliide (Carabicin) nach Leyden ge-
langt, der in die bisherigen Gattungen nicht p;«8st, Cryptoce-
phalomorpha Gaverei Rits. zu Ehren des Finders Dr. C. de
Gavere. Auch eine neue Apatetica und ein prachtvoller neuer
Scotajus sollen ehstens publicirt werden. Der Bruder R.'s
ist jetzt nach dem östlichsten, bisher entomologisch nicht
explorirten Theile von Java an der Balistra&se versetzt, und
es sind von dort interessante Schätze zu erwarten. Anfrage
nach exotischen Hymenopteren.
35. L. Fairmaire, Paris, 27. Sept., hatte (wie ge-
wöhnlich) seit einem Monat den festen Vorsatz, mir zu
schreiben, und pflasterte (wie gewöhnlich) die Hölle damit.
Die bewussten Maroccaner sind beordert und deren Eintreffen
zu erwarten. Da es sich bei den Sendungen aus Monrovia
herausgestellt hat, dass der mit der ersten in einigen Exem-
plaren gekommene Glyptus sculptilis (Carab.) bei der zweiten
gänzlich ausblieb (— seine Seltenheit war inzwischen auch
dadurch indirect verbĂĽrgt, dass er in der grossen Carabicinen-
sammlung fehlte, welche Marchese Doria vom Grafen Castelnau
gekauft hat, obschon der Letztere an Guineakäfern sehr viel
besass — ), so ist F. ganz zufrieden, dass er von jenen ersten
Exemplaren eines profitirte. Er hoflft, von den mir zur Be-
sprechung vorliegenden Paussiden Australiens eine Vermeh-
rung Beines unpassend ärmlichen Bestandes von nur drei
exotischen Arten. Auch ihm wurde mitgetheilt, dass es sich
mit unsers Freundes Doria Gesundheitszustand bessert.
36. Gustos Schmeltz, Hamburg, 29. Sept., dankt fĂĽr
das erhaltne Manuscript, welches er der Redaction des
GodeflFroy-Museums- Journals bereits übergeben hat, schlägt
ein neues Mitglied vor, bittet um nachträgliche Exemplare
des laufenden Jahrgangs der Zeitung, und acceptirt das Er-
bieten wegen der Cryptocephaliden.
37. Dr. C. Berg, Prof. der Zoologie und Inspector des
Museo publico in Buenos-Aires, 8. Aug , war zu seinem Be-
dauern durch mehrfache Reisen und viele Berufsgeschäfte
seit Jahr und Tag am Schreiben verhindert. Er beklagt
namentlich die unverhältnissmässige Zeit, welche aufgewendet
werden muss, um die Insecten des Museums vor den ganz
unglaublichen VerwĂĽstungen zu schĂĽtzen, welche der Schimmel
darin anrichtet — alle bisher gebrauchten Gegenmittel haben
nichts gefruchtet, j Meines Erinnerns haben unsre niederlän-
dischen Collegen kürzlich eiu wirksames Präservativ in der
Tydskrift publicirt. D.j In diesem Uehelstande liege auch
ein Hauptgrund, weshalb das entom. Museum nicht daran
21
denken könne, sich über das inländische Material hinaus
auszudehnen. Die von mir in meinem letzten Briefe an Prof.
Burmeister gerichtete Frage, ^ob es denn nicht möglich sei,
junge LandeseiDgeborne auf Entomologie zu dressiren?" mĂĽsse
er verneinen; sie hätten nur Sinn für greiflich reale, oder
für politische Interessen, oder (noch schlimmer) „würden
sofort ĂĽber die Sache Abhandlungen schreiben wollen, um
des gelahrten Nimbus willen." Uebrigens solle ihn das nicht
abhalten, in seinen nächstens zu beginnenden Vorlesungen
den Zuhörern die Entoma an's Herz zu legen. — Augen-
blicklich ist er mit dem Ordnen der Noctuinen und Geome-
trinen des Museums beschäftigt. Gelegentlich sollen einige
der auf der patagonischen Reise erbeuteten Kerfe mitgetheilt
werden und die in Aussicht gestellten Lamellicornien werden
willkommen sein. Einlage an Prof. Zeller.
38. Dr. H. Hagen, Cambridge (Mass.), 14. Sept., er-
klärt sich sehr damit einverstanden, dass ich seine Briefe
zweimal beantworte. [Meine erste Antwort hatte ich von
meinem Landsitze aus geschrieben, ohne den H.'schen Brief
vor mir zu haben, fand aber nachher in der Stadt, dass ich
einiges Wesentliche nicht beachtet hatte und sehrieb darĂĽber
einen zweiten Brief. D,] Kurz vor Antritt seiner Sommer-
ferien-Reise trafen auch zwei längst erwartete Kisten ein,
die eine aus England mit sehr beschädigtem, die andre aus
Schwaben über Stettin mit ganz unbeschädigtem Inhalt. H.
hatte sich zur Erholung auf die Reise zwei Darwinistische
Schriften mitgenommen und verbrämt sie mit humoristischen
Randglossen. [Auf die Gefahr der Indiscretion hin theile ich
die eine davon mit: „Dass die Neger aus Sommer-Eiern ent-
standen sind, war mir nach Lesung der Schrift von W. bei-
nahe zweifellos.''] H. war in Woodshole an der See, wo
Prof. Baird mit einem Dutzend tĂĽchtiger junger Leute in
einem trefflich eingerichteten Laboratorium arbeitet. A. Agassiz
hat ein eben so zweckmässiges in Newport und leistet Ausge-
zeichnetes in Beobachtungen der postembrjonalen Zustände
der Crustaceen etc. In Woodshole ist auch eine botanische
Sommerschule fĂĽr Algen, in Cleveland eine zoologische Station
mit 23, in Kentucky eine geologisch-zoologisch-botanische mit
70 Schülern, eine andre in Paeoria (Illinois). — Von den
Longicornen des Museums sind 200') Arten bestimmt, 600
Arten nicht. Von Autocrates seneus Westw. ist das r^ vor-
handen. Eine neue Sendung ist von Carleton gesandt wor-
den; er hat mit persönlicher Gefahr in Thanassur (Indien)
einen heiligen Teich ausgefischt, Libellenlarven ein Quart,
Nepa, Ranatra zwei Quart, ebensoviel von einem kleinen
22
DjtiscideD, der auch mir nicht entgehen solle.*} - Eine
neue Synopsis der amerik. Odonaten wird eben gedruckt-,
im letzten Jahre kam mehr Neues und Interessantes als je
vorher. So z. B. lag H. bei Woodshoie auf einem HĂĽgel,
sich der weiten Rundschau erfreuend: plötzlich stösst eine
riesige Aesclma wie ein Habicht auf den herumflatternden
Papilio Asterias und setzt sieh damit an einen Strauch, um
ihm Kopf und Thorax abzubeissen. H. fängt sie und erkennt
io ihr Anax longipes, von ihm selber vor '20 Jahren aus
Escher ZoUikofer'tt Sammlung beschrieben nach einem vor
bO Jahren von Abbot in Georgien gefangnen Weibchen, seit-
dem verschollen, fast als opokrj'ph geltend. Und bald nachher
erhält H. von einem Knaben denselben Anax, in Florida ge-
fangen und zwar genau unter denselben Umständen, dass der
Anax eben einem andern Insect Kopl und Thorax abgebissen.
— Falls etwa Jemand sich an elegantem Latein den Magen
verderben will, kann ihm im Entom. monthly Magazine des
Rev. Eaton dipterische Abhandlung ĂĽber Kerguelen J. nach-
drĂĽcklich empfohlen werden. 23. Sept. Kurze Anzeige, dass
meine Sendung eben glücklich und unbeschädigt eingetroffen
ist, und dass der vorläufige Anblick ihn sehr befriedigt hat;
hoffentlich solle mir das Echo gefallen.
39. Dr. Eppelsheim, GrĂĽnstadt, 3, Oct., bittet um
Ansicht eines 5" von Glyptomerus etruscus Picc. und wird es
in Begleit eines fĂĽr die Zeitung neubeschriebnen, deutschen
Thinobius zurĂĽcksenden.
40. Gustos Schmeltz, Hamburg, 2., 5. und 10. Oct..
wird den Nachtrag zu dem Artikel ĂĽber australische Paussiden
gehörigen Orts einschalten und erklärt sich einverstanden
mit den vereinfachten Vorschlägen über die Bearbeitung der
Daemerschen Ausbeute.
41. Stud. Ad. Krause, Leipzig, 5. Oct., hat die Ab-
sicht, eine Reise von Tripolis durch die Sahara in der Rich-
tung auf Timbuktu zu machen und möchte neben dem Haupt-
zweck geographisclier und ethnologischer Studien auch ento-
mologische Interessen wahrnehmen. Ein halbjähriges Weilen
im Fezan (1869j hat ihm freilich keine lepidopterischen
Illusionen gelassen, denn er sah in den se^hs Monaten nur
zwei Schmetterlinge; aber Orthopteren, Neuropteren und na-
mentlich Käfer waren verhältnissmässig reich vertreten,
Rathschläge wegen der Ausrüstung und Addressen würden
ihm willkommen sein.
*) Mir schwant der schwer vermeidhche Hindu Hydaticus v
^«« *•!! C. A. D,
itta-
33
42. Gehrth. Suffrian, MĂĽnster, 4. Oct., giebt mir den
SchlĂĽssel zu einer mir in seinem letzten Briefe unentzifferbar
gewesenen Hieroglyphe, bezeichnet ihm Annehmbares unter
angebotnen Kerfen, möchte Näheres über Glyptus sculptilis
wissen, ist vor der Hand noch ausser Stande, die angefangnen
Artikel abzuschliessen.
43. H. T. Staiuton, Mountstield, 3. Oct., ist von seinem,
zuletzt bedenklich gewordenen Nervenleiden durch eine glĂĽck-
liche Krisis vollkommen genesen.
44. Circular der Kais. Ges. d. Naturforscher, Moskwa,
4. Oct. mit der Anzeige, dass das 50jährige Doctor-Jubiläum
des Geh. Staatsratii Alexander Fischer v. Waldheim am
15. October festlich begangen werden soll. 13. Oct. Dank
fĂĽr die eingelaufne Gratuktion.
45. Dr. F. Rudow, Neustadt-Eberswalde, 6. Oct., be-
darf zu einer wissenschaftlichen Arbeit die Jahrgänge 1873
und 1874 der Wiener Zool.-bot. Verhandlungen.
46. L. Fairmaire, Paris, 6. Oct., nimmt dankend den
ihm durch mich vermittelten Antrag des Museums Godeffroy
in Hamburg an, die durch Hrrn. Dämera australische Explo-
ration erbeuteten Coleoptera zu revidiren und die neuen Arten
im Journal Godeffroy zu beschreiben. Ausser Graf Mniszech
(dessen schwere Krankheit sich zu bessern scheint) und A,
Chevrolat (der seine Sammlung indessen familienweise ver-
kleinert), ist er nachgerade noch der einzige, der eine allge-
meine Käfersammlung hat. [Diese bedenkliche Consequenz
des Marseul'schen ^bassin de la m^diterran^e" liess sich
beinah voraussehen! D.j Der verheissene Tanyproctus per-
sicus wird ihm eine schmerzliche GattungslĂĽcke wohlthuend
stopfen, und wegen Canthidium wird er in Ergebenheit
warten.
47. Dr. Snellen van Vollenhoven, Haag, 6, Oct.,
kam sich beinah als laudator temporis acti vor, als er zu-
fällig bei einem Besuch in Leyden das kleine Schächtelchen
sah, welches diesmal Sendung und Gegensendung vermittelt
hatte, damit in Gedanken die grossen Kisten vergleichend,
welche frĂĽher unsern Tausch transportirten. Durch einen
Missionar, der nach Neuguinea gelit, wird das Museum lug-
dunense hoffentlich gutes Material erhalten. — V. wünscht
zu wissen, ob der Verein das I. Heft der Pinacographia er-
halten? [Bisher nicht.] Auch wie es um die No. von Sepp
steht? — Note zur vergleichenden Kritik der europäischen
zoologischen Gärten. — Wegen Nees van Esenbeck'scher
Typen von einigen Arten Codrus hatte sich V. an das Mu-
seum zu Bonn gewendet, erfuhr aber zu seinem Bedauern,
dass 6 von diesen Arten seit 1853 an Herrn A. F. in Aachen
24
zur Ansicht ausgeliehen sind. V, hatte bisher das ZurĂĽck-
halten entliehener Infecten von 1862 bis 1875 durch Herrn
M. in H. fĂĽr eine starke Geduldprobe gehalten, aber dies
Aachner Wunder ist doch entschieden grösser, und äusserst
ermuthigend zum Ausleihen von Unicaten! - 8. Oct. Ihm
ist kein andres epecificum wider den, allen niederländischen
Entomologen nur allzubekannten Schimmelpilz bekannt, als
das.' Herr van Albarda das Benzin als gutes Präservativ
empfohlen hat.
4S. C. Ritsema, Leyden, 7. Oct., zeigt an, dass meine
Sendung wohlbehalten eingetroflfen ist. Meine Voraussetzung,
der im dortigen Museum als Macleayi Westw. befindliche
Arthropterus werde wohl Arthr. angulatus W. Mc. Leay
sein, hat sich bestätigt; doch war das bereits vorhandne
Exemplar ein sehr lädirtes. R. giebt ein Verzeichniss der
dort repräsentirten 22 Arten und würde gerne fehlende Arten
gegen doppelt vertretene eintauschen. Der Besuch von
A. Costa war ihm besondere angenehm wegen der Perspective
auf südeuropäische Hymenoptera, die im Leydener Museum
nicht nach Wunsch vorhanden sind. Dass mir aus Buenos-
Aires Patagonier verheissen sind, wundert ihn, weil Prof. W.
von einem absoluten Export-Verbot verlauten lassen.
49. F. RĂĽhl, Ansbach, 12. Oct., bietet die vom dortigen
Pastor Heller hinterlassene Schmetterlingssammlung, die ca.
12,000 europäische nnd exotische Exemplare umfasst, für
8000 Reichsmark aus. Er sagt: ^Der Werth der von mir
genau nach Catalogen Staudinger's, Venus' etc. berechneten
vorhandnen Exemplare dürfte sich, die Unica und Varietäten
nicht geschätzt, gerne auf Reichsmark 20,000 belaufen."
[Ich weiss nicht, ob Herr R. in den vielen ausgezeichneten
Lepidopterensammlungen Deutschlands so bewandert ist, dass
er sich zu dem Ausspruche für berechtigt hält: „die Heller'sche
Sammlung suche an Tadellosigkeit und Seltenheit der Exem-
plare ihres Gleichen" — aber icli darf wohl vermuthen, dass
sie zu dem geforderten Preise noch recht lange einen Käufer
suchen wird, ohne ihn zu finden. Angehende Sammler, auch
wenn sie vermögend sind, stutzen doch vor solcher Summe,
und ältere haben vollends keine Neigung, eine grosse Zahl
Dupla mit Geld aufzuwiegen. D.J
50. Piero Bargagli, Firenze, 12. Oct., erhielt das ihm
durch Gelegenheit übersandte Kästchen und dankt für die
willkommnen Käfer. Er hat meinen rückständigen Beitrag
fĂĽr die dortige entom. Gesellschaft berichtigt, und wĂĽrde den
Ausgleich gern durch ihm brauchbare entom. BĂĽcher er-
halten. Anfrage, ob ich ihn im Laufe des Winters besuchen
wĂĽrde? [Dubito, AtticelJ
I
25
51, Oberlehrer F. Sintenis, Dorpat, 10. Oct., dankt
fĂĽr mein Erbieten, ihn in den Verein einfĂĽhren zu wollen,
und erwartet von dem eingeleiteten Briefwechsel mit den
verelirten Stettiner Professoren den grössten Nutzen. Er
werde (via Leipzig) ältere Jahrgänge der Zeitung bestellen
lassen.
52. Dr. Radde, Titlis, 10. Oct,, zeigt an, dass die
Kiste mit allerlei caucasischen Sämereien (conf, No. 22) be-
reits expedirt ist, und eine mit Glaphyrus micans, Böcken
und Buprestiden ihr auf dem Fusse folgen wird.
Es wurden als neue Mitglieder in den Verein aufge-
nommen die Herren:
H, Maack, Buchhalter in Hamburg,
C. Zimmermann, Kleidermacher in Hamburg,
C. V. Riley, Staats-Entomolog in S. Louis (Missouri).
0, Schmiedeknecht, Cand, phil, in Stadtilm (ThĂĽ-
ringen).
Pahnsch, Oberlehrer und Conservator am zool.
Mus. in Reval.
J, Kubary, Naturforscher, derzeit auf einer Explo-
rationsreise.
F. Sintenis, Oberlehrer in Dorpat,
V. von Boeder in Hoym (Anhalt).
Nach erfolgter Bestätigung der bisherigen Vereinsbeamten
wurde die Sitzung, welche die auf ihrer Durchreise nach
Columbien begriffenen auswärtigen Mitglieder Herren Baron
V. Nolcken und Stud. Petersen mit ihrer Gegenwart beehrt
hatten, geschlossen.
Dr. C, A. Dohrn,
36
Mitglieder - Verzeichniss.
Um Raum zu gewinnen, wird auf das Verzeichniss zu
Anfang des Jahrgangs 1875 verwiesen.
Die im Laufe des vorigen Jahres uns bekannt gewordnen
Todesfälle von Vereinsmitgliedern sind 8. 5 bereits auf-
gefĂĽhrt.
Dem Vereine hinzugetreten sind:
als Ehrenmitglied :
Exe. Baron van Lansberge, General-Gouverneur
von Niederländisch Indien in Batavia.
als Mitglieder die Herren:
Alpheraki in Taganrog.
H. Burmeister, Rentier in Arnstadt.
Crokisius., Kaufmann, derzeit nach der GoldkUste
in Westafrika unterwegs.
Gaiger, K. K. Rechuungs-OfĂźcial in Lissa (Dal-
matien).
Heydenheim, Lehrer an der h. Töchterschule
in Stettin.
Krieghoff, Pastor in Altenfeld (Schwarzb.-Sond.)-
Lichtenstein, Kaufmann in Montpellier.
Malm, Director des Museums in Göteborg.
A. Miller, Kaufmann in Stettin.
Muller, Gymnasiallehrer in Stettin.
Mundt, Ober-Postkassenrendant in Stettin.
Dr. A. Nicolai in Greussen bei Erfurt.
Dr. Pipitz in Graz.
P. Wa entig in Zittau.
Uns bekannt gewordne Veränderungen des Wohnorts,
der Addresse u. s. w. einzelner Mitglieder sind S. 260 des
vorigen Jahrgangs angegeben. Herr Pastor Schmidt wohnt
in ZiilzeĂźtz bei Labes in Pommern, nicht TĂĽlzefitz, wie es im
vorjährigen Verzeichnisse lautet.
Red.
i
27
Insecten-BeobacliturLgen in der Libyschen
WĂĽste.
Von
llax Kort» in München.
Das von der Rohlfs'schen Expedition in den Winter-
nnonaten 1873|74 durchreiste Gebiet kann man wohl mit
Recht den ödesten und trostlosesten Theil der Sahara nennen. —
Auf den eigentlichen WĂĽsten-Strecken traf ich nur wenige
Arten von Insecten. Auf dem Marsche von Siut nach Farafrah
bemerkte ich nur eine Termes-Art und eine flĂĽgellose
Sandschrecke, die mit ihren langen Beinen ungeheuer
schnell über die öden Sand- und Steinflächen dahineilt und
ganz dieselbe Farbe hat, wie die des Bodens, auf dem sie
angetroffen wird. So waren die, welche ich auf Sandboden
antraf, von derselben gelben Färbung wie jener, während die
auf dem sogenannten dunklen Serir - Boden erbeuteten eben
solche dunkle Färbung hatten.
Uebrigens waren Letztere viel grösser als die erstge-
nannte, und es sind wahrscheinlich zwei verschiedene Arten. —
Bei den WĂĽsten-Brunnen, die von einigen Palmen, Tama-
risken und GestrĂĽpp etc. umgeben sind, kann sich der Sammler
etwas mehr versprechen. Hier zeigen sich an den Gesträuchen
immer einige Libellen und Fliegen, und am Sand und
unter Steinen trifft man mehrere Arten Pimelien an. Auch
traf ich an einem dieser Brunnen (Bir Kerani) unter einem
Stein eine Scarites-Art an. Beim Bir Diker (zwischen
Farafrah und Dachel) fand ich in dem Cadaver eines Esels
einen Dermestes (ähnlich unserm deutschen murinus) in
Mehrzahl. Hie und da trifft man auch in der WĂĽste in ein-
zelnen Exemplaren die grosse Wanderheuschrecke
(Oedipoda migratoria), die sich auf den Carawanen-Wegen
herumtreibt und den Reisenden, wenn sie aufgescheucht wird,
durch ihr Geschnarre aufmerksam macht. Seltner sieht man
einen Schmetterling in diesen WĂĽstenstrichen, und nur einmal
bemerkte ich uneern bekannten Distelfalter (Vanessa
Cardui), einen ächten Cosmopoliten, auf der Strecke von
Dachel nach Farafrah.
So arm auch diese WĂĽstenstriciie fĂĽr den Entomologen
sein mögen, um so freudiger wird er überrascht, sobald sein
28
FuöB die Oasen betritt. Obwohl sich auch hier eine gewisse
Armutli an Inneoten fĂĽlilbar macht, so kann der fleissige
Sammler docli viel Gutes erbeuten. Allerdings fallen liieri
manche Sammel-JVJethoden, wie man sie in andern Gegenden
zum Erlangen von Insecten anzuwenden pflegt, ganz weg,
wie z. B, Abklopfen von BĂĽschen (denn die wenigen Aca-
zien-, Oliven-, Kicinun-Sträucher etc. lieferten mir nur einige
Arten von kleineren Insecten), Suchen und Graben unter!
Steinen oder im morschen Holz, da beide nicht vorhanden
sind. Der Boden in den Oasen ist nur mit Sand bedeckt,
sowohl in den Palmengärten als in den Feldern und in den
Stadt; steinigen Boden trifft man erst in der Nähe der die;
Oase umgebenden Bergketten. Das Holz der wenigen Baum-'
arten, als Palmen, Acazien, Oliven und Tamarisken, bildet'
den nĂĽtzlichsten Gegenstand der Bewohner zum Bauen ihren
Häuser etc. und als Brennmaterial.
Die ergiebigsten Fangplätze für Insecten sind die Sau-
bohnenfelder, auf denen sich verschiedene Arten von Insecten
in Mehrzahl einfinden. — Besonders sind es die Hymeno-
pteren und Dipteren, die hier an den BlĂĽten Honig sau-
gen. — Unter den ersteren ragt besonders durch Grösse und
Schönheit Xylocopa sestuans hervor, die auch häufig in
unsere Zimmer auf Besuch kam, mit starkem Gebrumme um
die Fenster- und Thürstöcke fliegend, in welche sie ihre
Wohnungen bohrte,
Scolien- und Polistes-Arten waren auf den blĂĽhenden
Linsen- und Saubohnenfeldern die häufigsten Erscheinungen.)
Besonders ist Polistes gallicus sehr gemein und ĂĽberall
anzutrefi"en.
Einige Arten traf ich nur in bestimmten Gegenden, z. B,
Eumenes tinctor (Christ.) erbeutete ich nur in einigen
Exemplaren in der Oase Farafrah. Sie flogen sehr gerne an
den Wassergräben und setzten sieh oft an die feuchten
Stellen an den Rändern derselben. Eumenes pomiformis
F. dagegen sah ich nur in Dachel auf Saubohnenfeldern.
Unter den Schmetterlingen bemerkte ich ein einziges
Mal in Farafraii in einem Olivengarten unsere Vanessa
Atalanta. — Professor Ascherson beobachtete auf seiner
Reise in Africa in einem Garten in Alexandrien die Futter-
pflanze (Urtica) dieses Falters, sonst nirgends, woraus mani|
mit Sicherheit annehmen kann, dass die Raupe dieses Falters
in den Oasen eine andere Futterpflanze hat. — Die Raupe
von der in den Oasen überall häufigen Vanessa Cardui
fand ich in Dachel auf Siljbum in zusammengesponnenem
Blättern. — Der schönste und grösste der Oasenbewohner
unter den Schmetterlingen ist Danais Chrysippus der,
29
häutig in den Gärten und Feldern in schwerfälligem Fluge
ßich zeigt. Seine Raupe fand ich häufig auf Calotropis pro-
cera, einem Giftbaum, der besonders in Dachel sich in Menge
findet. Auf einem Strauche waren meistens 10 — 12 Raupen
und in verschiedenen Häutungen. Auch die Puppe fand ich
zu gleicher Zeit mit den Raupen vor, nach Art unserer Li-
menitis-Arten an der Unterseite der Blätter und Stengel ge-
nannter Pflanze.
Die Raupe erreicht die Grösse von der unseres Machaon
und ist milchweiss mit 2 länglichen dunkelgelben, schwarz
eingefassten Flecken auf jedem Leibringe. — Am 1. Leibringe
hat sie zwei 4'" lange Fleischzapfen, am 4. sind wieder 2
kleinere und am vorletzten 2 desgleichen. Die Leibeinsclmitte
sind schwarz, ebenso die Fleischzapfen, welche an der Wurzel
roth sind. - Die stumpfe Puppe ist blaugrĂĽn" mit 2 Gold-
punkten am Kopfe, 2 an der Wurzel der FlĂĽgel, 4 auf dem
RĂĽckenschild und einem Goldstreifen mit erhabenen schwarzen
Punkten in der Mitte des Leibes. — Einige Tage vor der
Entwickelung wird dieselbe dunkel; es prägen sich die Far-
ben des Falters scharf aus.
Den Schmetterling traf ich Mitte Januar, Februar, März,
die Raupe Ende Januar und später noch bis Mitte Februar,"
zu gleicher Zeit traf ich oft junge Raupen und Puppen auf
einem Baume.
Bemerkenswerth ist noch die Futterpflanze der Raupe,
Calotropis procera, bei den Arabern „Oschar" genannt; die-
selbe erreicht in der Oase (Dachel) colossale Dimensionen,
und Professor Ascherson maass Exemplare von 5 m. Höhe
und 0,77 m, Stammumfäng. Sie hat breite, graugrüne Blätter.
Bei der geringsten "Verletzung eines Blattes oder Zweiges
entfliesst diesem eine Menge milchartiger Flüssigkeit, ähn-
lich wie bei unseren Wolfsmilcharten. — Die Blüten find
violett; es stehen immer mehrere in einem BĂĽschel beisammen.
— Am interessantesten sind die Früchte, welche die Gestalt
von Pfirsichen haben, blassgrĂĽn sind und innen ein faseriges
Gewebe haben, in dem auch dieser milchige Saft tröpfchen-
weise sitzt. — Die abgefallenen Früchte werden, wenn sie
vertrocknet, so leicht, dass sie ein Hauch wegblasen kann.
Auf den Saubohnenfeldern, die während unseres Aufent-
haltes in genannter Oase gerade in schönster Blüte standen,
zeigten sich mehrere Lycaenen- Arten in Unmasse, worunter
besonders eine grössere, geschwänzte, hervorragend ist. —
Hie und da sieht man in raschem Fluge eine Colias, ganz
ähnlich unserer Edusa, deren Raupe wahrscheinlich auf
Klee (Trifolium Aiexandrinum), welcher hier in Menge ge-
baut wird, vorkommt.
30
Ein einziges Mal sah ich in einem Garten am Boden i
eine 8y rieb Thus- Art, welclie ich nur in einem einzigen)
Exemplare erbeutete. — Vielleicht ist dieselbe in späterem
Monaten (April, Mai etc.) häufiger hier zu fioden. — Ebenso'
traf ich nur ein einziges Mal auf einem Kleefeld eine Pieiis
an. die walirsclieinlich die Ehrenbergtche Glauconome ist..
Von Dämmerungs- und Nachtfaltern sah ich nur wenige
Arten, und nur einige Male ting icli eine Agrotis und einige
kleine Spanner. - Am häufigsten zeigt sich ein hübscher
Crambus (silbergrau mit zwei Goldstreifen), welchen ich
niclit nur in den Oasen, sondern auch ĂĽberall in der WĂĽste
antraf. — Jeden Abend, auch in der vegetationslosesten Ge-
gend, umschwirrten einige Exemplare dieses Crambus die
Lichter in unsern Zelten. — Auf Kleefeldern ting ich öfter
eine Platypti lus- Art und eine Plutella, ganz ähnlich
unserer gemeinen Cruciferarum, die ich ĂĽbrigens schon im
Nilthale bei Siut sehr häufig bemerkte.
Ein reicher Fundort fĂĽr den Sammler sind die warmen
Quellen in den Oasen.
In Ain el Scheril bei Kasr in der Oase Dachel erbeutete
ich in der dortigen Quelle mehrere D vtiscus- A.ten (worunter
D. africanus der gewöhnlichere zu sein scheint), Hydro-
poren und Agabus- Arten. — In den Wassergräben, die
von diesen Quellen in die Felder abgeleitet werden, ist
ein Dineutes zu Tausenden vorhanden, ebenso in den Quellen
selbst. — Die Umgebung diesei- Quellen sind meistens Schilf-
gewächse (Phragmites und Juncus). Zwischen diesen treiben
sich mehrere Laufkäferarten umher, z. B. 1 Art Brach in us,
gross mit einem grossen ziegelrothen Flecken auf jeder FlĂĽ-
geldecke, 1 grosse C hlaenius - Art, mehrere Feronieu und
1 Calosoma mit vertieften goldgrünen Pünktchen. — Auch
Pimelien und Zophosis- Arten fehlen nicht und schlĂĽrfen
hier das kostbare Nass; manche Unvorsichtige findet ihren
Tod in dem feucliten Element. — Von Libellen trifft der
Sammler hier immer mehrere Arten an; besonders eine
hĂĽbsche mit purpurrothem Leib findet sich an solchen Stellen
häufig ein.
Auf den nahe liegenden Kleefeldern, auf denen auch
viele andere Pflanzen blĂĽhen, besonders Sinapis, Asphodelus
und Echium, giebt es fĂĽr den Entomologen noch viel zu thun.
Besonders häutig ist auf den genannten Pflanzen eine Tropi-
nota, ähnlich unserer hirtella, und eine Coccinella (ich
halte sie für 7 punctata). — Die beiden Arten sind wohl
die häufigsten nebst den Pimelien unter den Coleopteren in
diesen Oasen.
Auf solchen Feldern, auf denen oben genannte Pflanzen
sich vorfinden, stellen sich besonders viele Dipteren und
Hymenopteren ein. — Geht man in den Vormittagsstunden
au solche Stellen, da summt und brummt es. wie bei uns in
den Sommermonaten auf einer Wiese, auf der viele L'mbelli-
feren stellen — Aach treffen wir hier einige Bekannte aus
der Heimat an. Besonders ist Syrphus sutorius und eine
kleinere Art häufig. Lucilia Caesar, die sich auch auf we-
niger schönen Localitäten herumtreibt und besonders auf Ca-
davern sehr häufig i.-t. — Vanessa Cardui seheint diese
Stellen am meisten zu lieben.
Hie und da trifft man in den Gärten etc. die Excremente
von Schafen und Kameelen. Hier finden sich mehrere hĂĽbsche
kleine Aphodien. Staphjlinen und ein Onitice 11 us vor.
Letztere traf ich immer in Mehrzahl an.
Die einzige Art aus der Familie Buprestidae, eine
Lampetis, fand ich an blĂĽhenden AcazienbĂĽschen bei Ain
el Scherif, ^ 2 Stunde von der Stadt Kas»-. Abends sitzen
dieselben ruhig an den Zweigen und Stämmen dieses Strauches.
Sie ist hellbraun mit einem matten grĂĽnlichen Goldschimmer.
Ebenso fand ich von Elateren nur ein einziges Exemplar
unter einer Erdscholle in einem Garten. Derselbe ist ein-
farbig aschgrau und gehört wahrscheinlich der Gattung
Ser icosomus an.
Im Hause fing ich einmal 1 Exemplar von Blaps li-
neata und Akis refiexa.
Die schönste und grösste unter den Pimelien, die ich
erbeutete, ist Prionotheca eoronaia: merkwĂĽrdigerweise
fand ich in Dachel nur ein einsiges Exemplar, während sie
in der Oase Farafrah Dutzendweise in unserm Lager her-
umlief.
An den Lehmmaueru. die jeden Garten in der Oase um-
geben, traf ich mehrere hĂĽbsche Wespenarten an, die sich
nur hier aufhielten. Es sind dies Chrjsis pyrophana
(Klug) und Pompilus viaticus. Ferner traf ich folgende
Arten in den Gärten der Oasen selbst an, Campoplex,
Ammophila holosericea (F.), Bassus laetatorius, Pe-
lopDeus spirifex (L.) und eine Mutilla.
Was die Sc hr ecken - Arten betrifft, 50 sind besonders
die grossen Truxalis zu erwähnen, welche ich in den Oaseq
Dachel und Farafrah nur einzeln antraf, dagegen in der
grossen Oase Chargeh, die dem Nilthal am nächsten liegt,
in Mehr/.ahl. — Ferner fand ich in genannten 3 Oasen die
hĂĽbsche Mantis religiosa und in Dachel eine ande)e sehr
schöne Mantis -.4.rt (.grün, Flügel weiss gedeckt), auf einem
Calotropis-Strauche.
32
Id Farafiah fing ich auf eiDem Weizenfeld eine dritte
braune Mantis-Art, ungetlügelt. — Ausserdem bemerkte ich
eine Menge anderer kleinerer Schrecken-Arten, die beson-
ders auf den Weizen- und Saubohnenfeldern in grosser Zahl
eich vorfinden.
In der Gase Cliaigeh hatte Herr Dr. Schweinfurth, der
eich in den Wintermonaten 1872|73 dort aufhielt, die GĂĽte,
mir die von ihm während der Zeit (Dec. bis März) gesam-
melten Insecten zu ĂĽberlassen: darunter fanden vsich mehrere
neue Arten. Besonders verdient eine grosse Wasser wanze
erwähnt zu werden, die in einer Natron-Pfütze gefangen
wurde. Im Allgemeinen sind es jedoch dieselben Arten, wie
sie in den andern Oasen vorkommen.
Aus allem bisher Gesagten geht hervor, dass die libjschen
Oasen tehr wenige eigentlich africanische Formen besitzen,
sowie auch die botanischen Untersuchungen des Herrn Prof.
Ascherson nur einzelne speciell afrikanische Arten ergaben;
meistens sind es südeuropäische Formen.
Exotisches
von
H. B. IfloseUler in Kronförstchen bei Bautzen.
Synonymic List of the Buttertlies of North America,
North of Mexico.
By Samuel H. Seudder.
Part. I. Nymphales.
Diese neueste Arbeit ĂĽber nordamerikanische Tag
Schmetterlinge befindet sich in Bulletin of the Ăźuffalo Society
of Natural Sciences 1875.
Nach einer kurzen Einleitung wird zuerst eine arfaly-
tische Tabelle zum Bestimmen der Unterfamilien, Tribus und
Gattungen gegeben, an welche sich dann die systematische
Aufzählung reiht. Jeder Art sind Notizen über Futterpflanzen
der Raupe und Flugort gegeben, ebenso sind die Synonyme
beigefĂĽgt und ist in dieser Beziehung das Verzeichniss sehr
brauchbar. Dass die Falter von Nord-Mexiko mit aufge-
nommen sind, wird nicht ĂĽberflĂĽssig erscheinen, wenn man
bedtnkt, dufs das nordamerikanische Faunen -Gebiet nach
33
SĂĽden ebensowenig scharf begrenzt ist, wie es bei dem euro-
päischen der Fall ist; wie bei letzterem nach Osten schon
recht abweichende Formen sich einmengen, so bei jenem auch.
Zu bedauern ist meiner Ansicht nach, dass der Verfasser
gar so sehr dem Princip der Gattungsfabrication huldigt. In
dieser Beziehung hat er gewiss des Guten zu viel gethan,
wie z. B. die Trennung der Gattungen Limenitis, Vanessa,
Argynnis, Melitsea zeigen, von welchen, oft auf blosse Zeich-
nungsverschiedenheiten hin, einzelne Arten abgesondert und
auf sie nöue Gattungen begründet sind. Wohin man aber
schliesslich gelangt, wenn man jede unbedeutende Verschie-
denheit zur BegrĂĽndung neuer Gattungen benutzt, ist gar
nicht abzusehen; wer soll schliesslich im Stande sein, sich
alle diese Namen zu merken? Das Studium wird dadurch
nur ganz zwecklos erschwert und wie viel Lepidopterologen
nehmen denn diese neuen Gattungen an?
Ein zweiter Uebelstand des Verzeichnisses scheint mir
der zu sein, dass der Verfasser alte, gut begrĂĽndete Gattungs-
namen verwirft und dafĂĽr solche aus HĂĽbner's Tentamen
aufstellt.
Wie schon Speyer in dieser Zeitschrift anfĂĽhrt, haben
jene Namen gar keine wissenschaftliche Geltung, indem sie
ohne alle Charakteristik der dur<;h sie bezeichneten Gattung
hingeslellt sind. Das ganze System im Tentamen nimmt ein
Quartblatt ein !
Der Verfasser theilt die Familie der Nymphales L. in
vier [Jnterfamillen und 8 Tribus ein.
1. Subfamilie Praetor es Hbst.
1, Tribus 0 read es Bkh.
Oeneis Hb. mit 10 Arten:
Tarpeia Esp. Uhleri Heak. Iduna Edw, Gigas Bttl.
Nevadensis Feld. Cliryxus Wstw. Hew. Polixenes Fb.
Semidea Say. Ueno Ăźdv. Jutta Hb.
Dass Tarpeia in Nordamerika fliegt, ist mir sehr zweifel-
haft; sie ist ĂĽbrigens gar keine arktische Art.
Uhleri Reak. von den Rocky Mountains ist eine inter-
essante, Sculda Evm. nahestehende Art.
Iduna Edw., Gigas Bttl., erstere von Californien, letztere
von Vancouvers Island, kenne ich nicht, Nevadensis Feld, von
der Sierra Nevada nur nach der Abbildung. Chryxus Wstw.
Hew. = Calais Seudd. ist, wie ich frĂĽher bereits bemerkt,
sicher nur Taygete Hb. und wird fig, 3. 4. der betreffenden
HĂĽbner'schen Tafel auch citirt. Polixenes Fbr, = Bore Esp.,
zu welcher Taygete Hb. gehört. Semidea Say und Oeno Bdv.
3
34
ehĂĽicn zusammen, ebenso fĂĽllt, wie frĂĽher von mir mitge-
leiit, Also mit zu dieser Art; fĂĽr die von Seudder als Oeno
Bdv. aufgefĂĽlnte Art hat der von P'rejer gegebene Name
Crambis einzutreten und als Synonym Taygete H.-Sch. nee
Hb. zu gelten.
Jutta Hb. in der Varietät Balderi Hb.
Neominois Scudd. mit der einzigen Art Kidingsii Edw.
Edwards lässt diese Art bei Satyrus stehen und gewiss mit
Recht; ich kann wenigstens an meinem Exemplar von Kid-
ingsii in dem Längenverliältniss der Mittelschienen zu den
Schenkeln keinen irgend nennenswerthen Unterschied von den
Arten der Gattung Satyrus finden. Nach der analytischen
Tabelle liegt aber in diesem Merkmal der Trennungsgrund;
denn es heisst unter 15:
„Mittelschienen kaum mehr als halb so lang als die
Mitlelschenkel."
Ridingeii weicht in der Zeichnung allerdings von den
ĂĽbrigen nordamerikanischen Arten der Gattung Satyrus im
Sinne von Edwards ab, er nähert sich am meisten S. Geyeri
H.-Sch. und fliegt in Colorado und Nevada.
Gy rocheil US Bttl. mit Tritonia Edw. mir fremd, von
Arizona.
Enodia Hb. mit Portla'ndia Fb.
Cercyonis Speyer in litt, mit 12 Arten. Diese Gattung
ist auf die kaum bedornten Mittelschienen und die Einbuchtung
des Innenwinkels der HinterflĂĽgel begrĂĽndet, und es unter-
scheiden sich allerdings die amerikanischen Arten in beiden
StĂĽcken von Phredra und deren Verwandten.
Tegala Fb. Diese Art, welche ich bei Staudinger sah,
möchte ich nicht lür speciüsch verschieden von Alope Fb.
halten, mit welcher ich auch Nephele Kb. zusammenziehe,
da ich zu letzterer deutliche Uebergänge besitze. Die Unter-
seite aller drei Arten ist ganz gleich, Nephele zeigt auf den
VorderflĂĽgeln oben keine Spur einer gelben Binde, Alope be-
sitzt dieselbe, bei Pegala ist die Binde breiter und höher
gefärbt. Nun kommen aber von Alope Exemplare vor, bei
welchen diese Binde mehr oder weniger durch die braune
Grundfarbe verdunkelt wird, und ich kann mich von der
Ansicht nicht trennen, dass zwischen diesen 3 Arten ein
gleiches Verhältniss stattfindet, wie zwischen ActEea, Podaroe,
Cordula und den übrigen hierher geiiörenden Formen, wenn
sich auch bei diesen das Variiren mehr auf die Weiber be-
s-ch rankt.
Wheeleri Edw. = Hoffmanni (Strecker), mir nur aus
dessen Bild bekannt. Utah, Nevada.
Boopis Behr. Gabbii Edw. mir fremd.
35
Nepliele Kiib. Ariane Bdv. Caliibrnien, Nevada. Meadii
Edw., von Colorado, ist mir fremd. Sthenele Bdv. Califor-
nien. Oetiis Bdv. von Californien, Colorado, und Fiiocus Edw.
von Britt. Columbia kenne icli nicht, Silvestris Edw. von
Caliibrnien, Nevada.
Satyrodes Seudd. mit Eurydice Linn. = Cantims L. —
Edwards stellt diese Art zu Pararge Hbn., von welcher
Gattung sie aber durch die kürzeren Fühler, deren längere,
schlanke, nicht abgesetzte Kolbe, dĂĽnner behaarte Palpen,
kĂĽrzere JĂśttelschienen abweiclit. Der Bau der FĂĽhlerkolbe,
sowie die Zeichnung der Oberseite zeigen Aehnlichkeit mit
Dejanira L.
Erebia Dlm. mit 8 mir fremden Arten:
Epipsodea Bttl. — Mancinus Wstw. - Hew. — Vesagus
Wstw.-Hew. von den Rocky mountains. — Rossii Curtis. —
Faseiata Bttl. aus dem arktischen Amerika. — Callias Edw.
von Colorado. — Haydenii Edw. von Wyoming, — Diseoi-
dalis Kb,, Hudsonsbay bis Alaska.
Coenonympha Hb. 8 Arten:
Brenda Edw., Süd - Californien. — Pamphiloides Reak.,
Californien. — Ochracea Edw., Neufoundland, Kansas, Cali-
l'ornien, Colorado. — Ampelos Edw., Oregon. — Kodiak
Edw,, Kodiak. — Jnoruata Edw., Winnipeg. — Sie sind
mir in Natur sämintlich fremd. — California Wstw.-Hew.,
Californien. — Galactina Bdv. Wird als Varietät zu der vo-
rigen Alt gezogen.
Neonympha Hb. mit Cornelius Fb. = Gemma Hb. Ztrg.
— und Phocion Fb. = AreoJatus Smth,-Abb.
Megisto Hb. mit Acmenis Hb. Ztrg. fig. 233. 34, Balti-
more nacli HĂĽbner. Seudder sagt von dieser Art, dass die-
selbe den amerikanischen Lepidopterologen unbekannt und
von BlĂĽbner wahrscheinlich das Vaterland l'alsch angegeben
sei, wie es bei mehreren, in den Zuträgen abgebildeten Arten
geschehen ist.
Cissia Dbld. mit Sosybius Fb. — Eurytus Fbr. = Eury-
tris Fb. — und der mir unbekannten Rubricata Edw,
2. Siibfamilie Heliconidffi Swns.
2. Tribus Festivi Fb.
Danaida Ltr. mit Plexippus L. Var. Archippiis Fb.
Anosia Hb. Berenice Cr. und Strigosa Bates, erstere
Art aus den SĂĽdstaaten, letztere von Texas.
Mit welchem Recht diese Arten in zwei Gattungen ge-
stellt werden, ist mir nicht klar; in der analytischen Tabelle
sind nur die bei Anosia vorhandenen, bei Danaida fehlenden
36
weisflen Flecken in der Mitte der Medianzelle der Vorder-
flĂĽgel als Treunungsmerkmal angegeben.
3. Tribus Heliconii L,
Hymenitis Hb. mit Diaphana Dr. Florida, Louisiana,
Texas. — Pliono Hb. Ztg , Florida. Letztere Art nur auf die
Autorität von Geyer hin aufgenommen, nach Kirby Catal.
aus Neu-Granada.
Dynothea Rkt. Lycaste Fb. Los Angelos, Californien,
mit den Varietäten: Panamensis ßts, von Panama, und Ne-
greta Reak. von Californien, Los Angelos.
Mechanitis Fb. Californica Reak, Los Angelos, Cali-
fornien.
Apostraphia Hb. Charitlionia L, SĂĽdstaaten.
HĂĽbner's Gattungsname ist 1816 aufgestellt und kann
doch nicht Priorität vor Heliconius Latr. 1805 haben.
3. Subfamilie Najades Bkh.
4. Tribus Argonautse Cr.
Smyrna Hb. Karwinskii H.-G. Texas, Neu-Mexiko.
Coea Hb. Acheronta Fb. == Cadmus Cr., Pherecydes
Cr. — Texas, Neu-Mexiko.
Historis Hb. Orion Fb. Florida. .
Aneea Hb. Andria Scudd. Der Verfasser hält die nord-
amerikanisclie Art fĂĽr verschieden von Glyceriura Dbld.-Hew.
und ich möchte dieser Ansicht beistimmen. Mississippithal,
Texas. — Troglodyta Fb. = Astyanax Cr. aus Florida.
Chlorippe Bdv. Herse Fb. und Lycaon Fb.; letztere
=5 Celtis Bdv. und Alicia Edvv.
5. Tribus Archontes Hbst.
Basilarchia Scudd. mit Weidemeyeri Edvv. von den
Rocky Mountains und Colorado, mir fremd,
Arthemis Dr. mit der Varietät Hybrid? Proserpina
Edvv. Astyanax Fb. = Ursula Fb. Archippus Cr. =
Misippus Fb.
Die Trennung dieser in allen körperlichen Merkmalen
mit Limenitis ĂĽbereinstimmenden Gattung scheint der Ver-
fus.ser nur auf die Zeichnung hin vorgenommen zu haben; er
eagt in der Bestimmungstabelle unter 3.5: Upper surface of
bind vvings provided vvilh a distinct .«ubmarginal rovv of white
or blue spots . . . . Basilarchia. — — — with uo
distinct submarginal row of spots Limenitis.
Limenitis Fb. Californica Bttl. = Eulalia Bdv. und
Bredowii Hb, Ztrg. Letzterer Name hat wohl die Priorität.
Californien. — Lorquinii Bdv. Californien.
Eunica Hb. Monima Cr. Florida.
6. Tribus Prsefecti Hbst.
Hypanartia Hb. Lethe Fb. Texas, Neu-Mexiko.
Polygonia Hb. 1816. == Grapta Kb. 1837.
Interrogationis Fb. — Comma Harr. var. Dryas Edw, — Sa-
tyrus Edw. — Marsyas Edw. Californien, mir fremd. — Ze-
phyrus Edw. Rockymountaine, Colorado. — Faunus Edw. —
Silenus Edw, Oregon bis Vancouvers Island, mir fremd. —
Oreas Edw. Californien, mir fremd. — Progne Cr.
Interrogationis fliegt vom sĂĽdlichen Labrador (Packard)
bis Texas und erscheint in verschiedenen Varietäten: ümbrosa
Lintn. Crameri Scudd.
Comma Harr, scheint den Nordstaaten anzugehören,
Edwards zog sowohl Comma als Dryas aus den Eiern
einer Brut.
Satyrus und Marsyas gehören nach Scudder möglicher-
weise zusammen.
Faunus kann ich noch immer nicht von C. album unter-
scheiden.
Silenus und Oreas fallen möglicherweise zusammen.
Eugonia Hb,
J. album Boisd. wohl sicher nur unbedeutende Local-
varietät von V. album. Scheint nur dem Norden des Ge-
bietes anzugehören und geht nach des Verfassers Mittheilung
bis Labrador.
Californica Bdv., eine interessante, Polychloros nahe-
stehende, doch sicher verschiedene Art von Californien.
Aglais Dlm.
Milberti God. Diese Art vertritt Urticse und gehört
ebenfalls den nördlichen Staaten an.
Papilio L.
Antiopa L. fliegt von Labrador bis Mexiko. Die An-
sicht, dass fĂĽr Antioi)a der Gattungsname Papilio einzufĂĽhren
sei, weil Linne in der ersten Ausgabe der Fauna Suecica
(1746) diese Art zuerst unter Papilio aufgefĂĽhrt habe, hat
Scudder im Canadian Entomologist VL pag, 143 etc. ausge-
sprochen, ist in einer späteren Nummer derselben Zeitschrift
von Prof. Hagen widerlegt worden und dĂĽrfte wohl mit seiner
Ansicht ziemlich allein stehen.
Vanessa Fb, Atalanta L. Huntera Fb. Cardui L.
Carye Hb.
;j8
Gegen die Trennung der vorstehenden 5 Gattungen lässt
bicli verecliiedenes einwenden.
Polygonia (Grapta) dĂĽrfte beizubehalten sein; der starii
geschwungene Innenrand der VorderflĂĽgel trennt die hierher
gehörenden Arten gut von den übrigen Verwandten; dagegen
werden sich fĂĽr Trennung vou Eugonia, Aglais und Papilio
schwerlich genĂĽgende GrĂĽnde beibringen lassen, denn das light
band submarginal bei Aglais und das light band marginal
bei Papilio dĂĽrfte wohl ebensowenig als Gattungsmerkmal
anerkannt werden, wie „tail of upper median nervule of hind
wings broad and ijluntly rounded at tip" der Gattung Eugonia.
Weitere Unterschiede giebt aber die Bestimmungstabelle
nicht. Eher wird man Vanessa trennen können, wenn denn
einmal die frĂĽhere Gattung gleichen Namens zersplittert
werden soll, und die betreffenden Arten sind auch schon von
verschiedenen Autoren als Gattung Pjrameis aufgestellt
worden.
Junonia Hb. Coenia Hb.
Anartia Hb. Jatrophse L. Texas, SĂĽd-Florida.
Dieethria Billberg (1820). Clymena Cr. SĂĽd-Florida.
Warum ist hier nicht der ältere Name Callicore Hb.
1816 fĂĽr die Gattung beibehalten?
Mestra Hb. Amymone M6n. Texas, mir fremd.
Amphichlora Feld. Fornax Hb. Feronia L. Texas.
Felder in seiner Arbeit ĂĽber die Nymphaliden hat bei
Section III. der Gattung Ageronia in Parenthese Amphichlora
stehen, aber wohl nicht die betreffenden Arten als Gattung
trennen wollen.
Timetes Bdv. Coresia God. Texas, Neu-Mexiko.
Nach Kirby Cat. ist der berechtigte Gattungsname Me-
galura Blchd., da Ăźoisduval die Gattung nicht charak-
terisirt hat.
Athen a Hb. Peleus Sulz. Florida, — Pellenis Godt.
Texas, Neu-Mexiko.
Auch diese beiden Gattungen sind in der analytischen
Tabelle nur durcli die Zeichnungsanlage auseinandergehalten,
eher hätte \ielleicht der ziemlich verschiedene Flügelschnitt
zur Trennung benützt werden können.
Victorina Blchd. Stelenes L. Neu-Mexiko.
7. Tribus. Dryades Bkh.
Coltenis Hb. Julia Fb. Delila Fb. Beide von Texas.
Agraulis Bdv. Vanillee L. SĂĽdstaaten.
Euptoieta Dbld. Claudia Cr. SĂĽd-Ontario, Colorado,
Neu-Mexiko.
39
Speyeria Scudd. Idalia Dr. Die Trennuog dieser Art
von Argynnis ist lediglich auf die Zeichnung begrĂĽndet^ in
der analytischen Tabelle heisst es unter 53: Outer half of
upper surface of bind wings with two rows of pale markings
on a blackish ground, none of the spots confluent.
Semnopsjche Scudd. Diana Cr, Auch diese unzwei-
felhaft echte Argynnis wird von dem Verfasser wegen ihrer
Zeichnung als besondere Gattung aufgestellt, denn: „Basal
half of bind wings unspotted beneath or with . only one or
two faint light spots.^
Mit gleichem Recht könnten da auch Paphia und Pan-
dora als eigne Gattung aufgestellt werden!
Argynnis Fb. mit 26 Arten. Der Reichthum der ver-
einigten Staaten an grossen Arten dieser Gattung ist auf-
fallend. Es gehören hierher:
Nokomis Edw. von Idaho. Nitocris Edw. Arizona, beide
mir fremd.
Leto Behr, Californien, Oregon. Strecker'a Vermuthung,
dass Leto zu Cybele Fb. in dem gleichen Verhältniss stehe,
wie Alexandra zu Aglais hat manches fĂĽr sich, mir ist Indess
von Leto nur der Mann bekannt, das Weib soll weiss sein.
Cybele F'b. Aphrodite Fb. Halcyone Edw. mir fremd.
Edwardsii Reak. Nevadensis Edw. Nevada. Meadii
Edw. Colorado. Coronis Behr. Californien. BischofFii Edw.
Alaska, Britt. Columbia. Die vier letzten Arten sind mir
fremd. Eurynome Edw. Oregon, Californien, Colorado,
Wyoming, Utah. Atlantis Edw. nordöstliche Staaten; Canada
nördlich bis zur Hudsonsbai und westlich bis zu den Rocky
Mountains, Colorado.
Ich erhielt diese Art auch von Labrador, und somit wird
sie dem europäischen Faunengebiet zuzurechnen sein.
Behrensii Edw. Californien, mir fremd.
Bremnerii Edw. San Juan Island. Der Verfasser bemerkt
bei dieser Art: Is tliis distinct from Callippe? â– 'â– .-.^^'hi^-
Mit dieser Art möchte ich mein Exemplar von Brfemnerii
aber nicht vereinigen; Grundfarbe der Unterseite der Hinter-
flĂĽgel, sowie Form der Silberflecken weichen zu sehr ab.
Callippe Bdv. Californien. Rhodope Edw. Britt. Columbia,
mir fremd. Adiante Bdv. Californien. Zerene (pars) Bdv.
Californien. Monticola Behr. Californien.
Diese drei Arten haben keine Silbeiflecken; ob solche
die folgenden, mir fremden Arten fĂĽhren, weiss ich nicht, es
sind: Rupestris Behr. und Inornata Edw. von Californien.
40
Hesperis Edw. von Colorado. Moimonia Bdv, von Califor-
nien. Montivaga Belir., Irene Bdv. ebendaher.
Brenthis Hb. Obgleich auch Felder diese Gattung von
Argynnis trennt, glaube ich doch, dass unsre ĂĽbrigen Sjste-
maliker Recht daran thun, diese Trennung nicht vorzunehmen.
Myrina Cr. vertritt unsre Selene. Triclaris Hbst. ist
Localvarietät von Aphirape. Labrador, Colorado, Utah,
Wyoming.
Helena Edw. Colorado. Morrisii Reak. Californien, Ore-
gon, Nenoquie Reak., ebendaher, sind mir fremd.
Chariclea Schnd. mit var. Boisduvalii Somm. Grönland,
Labrador, Rocky Mountains.
Tarquinius Curt. Polar-Regionen. Der Verfasser wird
wohl Recht haben, wenu er in dieser Art eine Varietät von
Freya vermuthet; dafĂĽr sieht sie auch Kirby Catal. an.
Freya Thnbg. Rocky Mountains, Colorado, Labrador.
Montinus Scudd. White Mountains in New Hampshire,
ist die Vertreterin unsrer Pales.
Polaris Bdv. Grönland und Labrador.
f'rigga Thnbg. Labrador, Colorado. Die amerikanische
Form weicht nicht unbeträchtlich von der europäischen ab
und der Name Saga Kad. in litt, kann fĂĽr sie unbedenklich
als Varietätsbezeichnung angenommen werden.
Bellona Fb., am nächsten der vorigen Art stehend.
Epithore Bdv. Californien, mir fremd.
8. Tribus Hamadryades Bkh.
Euphydryas Scudd, Phaeton Dr. SĂĽd-Canada und
Nordstaaten. Nach der analytischen Tabelle ist diese Gat-
tung nur auf die Zeichnung begrĂĽndet: Basal half of hind
wings immaculate above.
Lemonias Hb. 1806. Dieser Gattungename ist von
HĂĽbner in seinem Tentamen determinationis digestionis etc.
aufgestellt und kann entschieden nicht den von Fabricius 1807
aufgestellten Namen Melitsea verdrängen, da, wie oben bereits
erwähnt, das Tentamen gar keine wissenschaftliche Geltung
haben kann.
Chalcedona Bdv. Californien, Oregon, Colorado.
Cooperi Behr. Californien, mir fremd.
Anicia Dbl.-Hew. = Editha Bdv,, Nubigena Behr. Cali-
fornien. Helvia Scudd. Alaska. Quino Behr. SĂĽd Californien,
mir fremd.
ĂĽoffmanii Behr. Californien, Nevada, Colorado. Helcita
Bdv. — var. von Palla? — mir fremd.
Palla Bdv. Californien.
41
Pola Bdv. SĂĽd-Californien. Whitneyi Behr., Gabbii Behr.,
ebendaher. Sterope Edw. Oregon. Acastus Edw. Nevada,
Utah, mir sämmtlich fremd.
Thessalia Scudd.
Leanira Bdv. Californien. Theona Men. Sud-Calitbrnien.
Thecla Edw. SĂĽd-Californien, mir fremd.
Schoenis Hb.
Minutus Edw. Texas. Araclme Edw, Colorado. Beide
mir fremd. Da der Verfasser als Type dieser Gattung Melit.
Cinxia L. hinstellt, so habe ich kaum Zweifel, dass beide
Arten echte Melitsea sind.
Cinclidia Hb. Hanissii Scudd. SĂĽd-Canada und Nord-
staaten. Meine Exemplare lassen mir eine Trennung von
Melitsea nicht gerechtfertigt erscheinen, Scudder nennt als
Type dieser Gattung Phoebe S. V.
Charidryas Scudd. Ismeria Bdv. mir fremd.
Nycteis Dbld. Canada und Nordstaaten, Colorado.
Phyciodes Hb. Vesta Edw. Texas. Pulchella Bdv. =3
Mylitta Edw. Texas, Kansas, Californien. Callina Bdv. So-
nora. Orseis Edw. Californien. Fris^ia Poey. SĂĽd-Florida.
Pallida Edw. Texas, Kansas, Colorado. Picta Edw. Nebraska,
Colorado. Canace Edw. Süd-Californien, mir sämmtlich, mit
Ausnahme von Pulchella, fremd.
Pratensis Behr. Californien, Colorado. Tharos Dr. Ca-
nada, Nordstaaten.
Batesii Reak. Virginien bis New-York. Gorgone Hb.
Georgia, Florida. Phaon Edw. Georgia und Golf-Staaten.
Hermas Hew. Süd-Californien, mir sämmtlich fremd.
Anthanassa Scudd, Texana Edw. Florida, Texas.
Punctata Edw. Arizona, Neu-Mexiko, mir fremd.
Chlosyne Bttl. Janais Dr. Texas. — Mediatrix Feld.
Texas. — Adjutrix Scudd. Texas. — Erodyle Bdv. - Texas.
Crocale Edw. Arizona, mir sämmtlich fremd.
4. Subfamilie Hypati Hbn.
Hypatuö Hb. Carinenta Cr. Neu-Mexiko und Arizona.
Bachmanii Kirkl. Vereinigte Staaten östlich vom Mississippi.
Warum der von HĂĽbner erst 1825 aufgestellte Gattungs-
name dem fichon 1^07 von Fabriciuf? angenommenen Namen
Libythea vorgezogen wird, ist nicht gesagt.
42
Paussus Woerdeni,
eine neue Art aus Congo (West -Afrika),
beschrieben von
C. R i t s e m a.
Diese Art, welche eine sehr längliche Geetalt besitzt,
gehört zu Westwood'a Section B. (prothorax subcontinuus)
und steht dem Paussus setosus des genannten Autors sehr
nahe. (Proceedings of the Linnean Society of Lon-
don, 19. June 1849, p. 60 und Thesaurus Entomolo-
gicus Oxoniensis, p. 95, pl. 19, fig. 4 und 4a.)
Die Länge beträgt 8 mm. Die Fühler, Kopf, Prothorax
und Beine sind dunkel rothbraun, das Meso- und Metaster-
num, so wie auch die ĂĽnterĂĽeite des Abdomens, hell gelb-
braun, während das Pygidium die Farbe der Beine besitzt.
Die FlĂĽgeldecken sind heller und weniger rothbraun
gefärbt, als Kopf und Prothorax.
Der Kopf ist ziemlich stark deprimirt und zeigt, ausser
einem feinen und unbehaarten Dörnchen zwischen den Augen,
nichts Besonderes; der Theil, welcher vor genanntem Dörn-
chen liegt, ist mit gemischten feineren und gröberen Pünktchen
überdeckt (sehr fein chagrinirtj; hinter diesem Dörnchen sind
nur feine PĂĽnktchen; die Augen sind gross und stark vor-
springend. Die FĂĽhler stehen auf der Stirn unmittelbar neben
einander. Sie stimmen beinahe genau ĂĽberein mit denen von
Paussus aetosus Westw.; die Keule, welche, wie bei ge-
nannter Art, von einer scharfen Leiste umgeben ist und pa-
rallel laufende Seiten hat, ist jedoch von etwas gedrungnerer
Form, und der kegelförmige Zahn, in welchen der scharfe
Hinterrand am Grunde endet, ist ein wenig gespalten;
das erste FĂĽhlerglied ist kurz und dick und sehr dicht mit
groben PĂĽnktchen ĂĽberdeckt; die Keule jedoch ist wohl sehr
dicht, aber äusserst fein punkdrt und trägt zerstreute kurze
weisse Härchen, welche man auch auf der ganzen Rücken-
seile des Thieres beobachtet; den scharfen Hinterrand der
Keule der FĂĽhler entlang liefindet sich eine Reihe grober,
goldgläuzender Härchen.
Der Prothorax ist schmäler als der Kopf mit den Augen,
und wie der Kopf durch die feine und dichte Punktirung
ohne Glanz; der vordere Theil ist von dem nach hinten aus-
gebogenen Quereindruck breit herzförmig, und durch einen
43
kaum melkbaren, vorn glatten und hinten eingedrĂĽckten
Längsstreif g'etheilt; der schmälere hintere Theil zeigt auf
der Mitte einen breiten Längseindruck, welcher am Grunde
onfängt, aber nicht vollkommen bis zum Hinterrande verläuft.
Die Beine sind lang und dünn, glänzend, aber mit zer-
streuten Pünktchen, in denen je ein Borstenhärchen entspringt,
überdeckt; von den Tarsen, welche ungefähr gleiche Breite
haben wie die Schienen, ist das erste Glied klein, das zweite,
dritte und vierte einander gleicli, das letzte beinahe so laug
als die drei vorhergehenden zusammen; die Schienen der
Hinterbeine sind mit zwei Enddornen versehen. Die FlĂĽgel-
decken sind glänzend und nehmen nach hinten nur sehr wenig
in Breite zu; sie sind ĂĽberdeckt mit feinen PĂĽnktchen, in
welchen je ein weisses Härchen steht.
Mesosternum und Metasternum sind glatt und glän-
zend und mit nur wenigen und feinen PĂĽnktchen versehen;
ĂĽber der Mitte des Metasternums befindet sich ein feiner
Längsstreif. Die Bauchseite des Hinterleibes ist glatt und
glänzend und mit feinen, zerstreuten Pünktchen überdeckt;
auf dem letzten Segment, welches länger ist als die beiden
vorgehenden zusammen, ist die Punktirung vorzĂĽglich an den
Seiten bedeutend dichter; das Pygidium ist ungeachtet der
groben Punktirung glänzend.
Ein einziges Exemplar dieser Art ist von dem leider
schon verstorbenen Sammler M. G. van W'oerden aus Congo
(SĂĽdwestkĂĽste von Afrika) ĂĽbersandt. Es betindet sich im
Lejdener Museum,
Eine neue Insectenquelle.
Vom
Oberlehrer Comcliui^ in Elberield.
Der Entomophile und besonders der Käfersarnmler macht
nicht selten die leidige Erfahrung, dass Cultur und Industrie
die grössten Feinde der Natur sind, ja, dass, wo jene an-
fangen, dies^e meist aufhört. Wo frülier unter Steinen, Moosen
und abgefallenem Laube schöne Caraben und seltene Staphy-
linen, oder auf mancherlei GestrĂĽpp und BlĂĽthen hĂĽbsche
Cetonien, Curculionen, Longicornen und Chry.'^^omelinen zii
finden waren, da ist all diese Herrlichkeit fĂĽr immer aus der
44
Gegend verschwunden, nachdem der Boden gesäubert wurde,
und der Pflug die Wildnise in „gesegnete Fluren" umwan-
delte, die an Coleopteren wenig mehr als massenhafte Meli-
gethes teneus und viridescens oder schlechte Erdflöhe darzu-
bieten haben. Dort an der Stelle der klassischen BrĂĽche bei
Dortmund, wo Suffrian Gyrinen und Donacien, und Char-
pentier Libellen studirten, übertönt heute der Pfiff der
Locomotive das GetĂĽmmel des Bahnhofes; es werden an
projectirten oder bereits angefangenen Strassen zu hohen
Preisen Bauplätze feilgeboten; die Namen der berühmten
Fangplätze existiren nur noch in alten Flurkarten und in den
Werken der Schriftsteller. „Du fragest nach den — Teichen?
Du findest sie nicht mehr."
Um so ĂĽberraschender und erfreulicher muss es erscheinen,
wenn gerade irgend ein Werk der Cultur — eine industrielle
Anlage — dem Insectenfreunde eine reiche bisher wohl un-
gekannte und ungealmte FĂĽlle von Sammelobjecten darbietet,
die nicht bloss den Besitz vermehrt und die Kenntniss der
Localfauna erweitert, sondern auch einen tiefern Blick in das
Leben der Insecten eröffnet, oder zum Nachdenken über Ur-
sache und Wirkung in demselben anregt.
Und von einem solchen Falle will ich hier Bericht
geben.
Im letztverflossenen Sommer 1874 wurde ich durch einen
unserer Schüler, einen Sohn des städtischen Gasdirectors
Schwarzer, darauf aufmerksam gemacht, dass in den Rinnen
der Gasometerbassins eine grosse Menge Käfer und
anderer Insecten schwimmend angetroffen wurden.
Der Gasanlagen sind in unserer Stadt zwei — eine im
südöstlichen Theile mit zwei, die andere im nordwestlichen
mit drei Gasometern. Die erstere ist dicht an einen felsigen
Berg gerückt und theilweise von hohen Häusern umgeben;
aus diesen GrĂĽnden vielleicht waren hier nur wenig Insecten
zu finden. Desto ergiebiger waren die Rinnen an der nord-
westlichen Anlage, die sich auf einem HĂĽgel etwas ausserhalb
der Stadt in freiem Felde und in der Nähe von gemischtem
Buschwerk befindet.
Ich wandte sofort nach der Mittheilung des Knaben
meinen Wasserschöpfer an und war erstaunt über die in's
Ungeheure gehende Anzahl von Insecten, vorzugsweise Kä-
fern, die in diesen Fallgruben sich zusammenfinden; in den
besten Junitagen kam es vor, dass aus einer einzigen von den
drei Rinnen nach massiger Schätzung mehrere Tausende von
Kerbthieren in Einem Zuge durch die ganze Rinne gefangen
wurden.
45
Ein grosser Tlieil der Thiere ist noch lebendig —
Wasserkäfer und aquatile Rhynchoten schwimmen munter
umher, Schmetterlinge, Ameisen und andere Hymenopteren,
Fliegen und OhrwĂĽrmer versuchen ohne Erfolg sich zu retten,
und wenn man die Beute zu Hause in Wasserbecken aus-
spĂĽlt, hat man seine liebe Noth, die FlĂĽchtigen in Sicherheit
zu bringen. Der Ertrunkenen findet man um so mehr, wenn
man des schlechten Wetters oder anderer Hindernisse wegen
den Fang länger als ein paar Tage lang hat unterbrechen
mĂĽssen.
Die vorkommenden Insecten sind bei Weitem nicht
alle geflĂĽgelt, denn es finden sich ausser einer grossen
Menge von Myrmicidenarbeitern auch Carabus-Arten, Phos-
phsenus, viel Larven und andere Thiere, die bekanntlich kein
Flugvermögen besitzen.
Nachdem ich nun den Fang ein Jahr lang betrieben
habe, bin ich im Stande, eine vorläufige Uebersicht der in
unsern Gasometerbassins vorkommenden Insecten zu geben.
Ich will dabei weniger eine Aufzählung von Seltenheiten, als
vielmehr die besondern Beziehungen gewisser Insecten zu
diesem Fundorte und daneben das faunistische Localinteresse
im Auge behalten. — Es fanden sich:
1. Coleopteren.
Gewöhnliche Notiophilus, Blethisa, gew, Carabus (be-
sonders nemoralis JH.), Nebria brevic, Leistus ferrug. L.,
Clivina foss. L., Dyschirius glob., beide viergefleckte Dromien,
Chleenius nigricorn,, Badister 2pust., Taphria (häufig), Stomis
puniic. (in Mehrzahl), gemeine Feronien, Amaren, Harpalus
(vorzugsw. ruficornis und seneus, beide hfg.), Stenolophus
meridianus L. und Trechus obtusus Er. — beide sehr hfg.,
endlich ein noch nicht sicher bestimmtes Bembidium von der
Grösse des nitidulum Mrsh. mit rothen Fühlern und Beinen.
— Haliplus ziemlich zahlreich und in mehreren der gew.
Arten, Hyphydriis, Hydroporus (u. a. flavipes Oliv.), Laccoph.
minut. Gyll., llybius, die gemeinsten Dytiscus, Acilius sulc.
L. — Gyrinus natat. Scop., Orectochilus villosus F. — Phil-
hydrus, Linmebius truncat. Thbg., Helophorus (vorz. nubilus
Fb.), einige Ochthebien und Hydrsenen, Cercyonen und Me-
gasternum. — Unter den Staphylinen Aleoch. rufipennis Er.,
AI. rufitarsis Heer, Myrmed. cognata und zahlr. canaliculata,
llyobates (drei Arten), Cajlicerus obscurus Grv. (im Anf. des
FrĂĽhl. hfg.), Oxypoden und Homaloten (bes. brunnea und
occulta), gew. Tachinus und Tachyporus, Mycetoporus und
Heterothops, Quedius fulgid. und fuliginosus, mehrere Phi-
46
lonlhus (ecybiilarius Nordm. im Aof. des Jahres hfg.), X.intltol.,
Latlirob. (bes. l'ulvipenne), Stilicus, Scopteus, l.ithochaiis,
Suniiifi, Euae.i-liietus, wenige Stenus, Platystet., Oxvtelus (l)es.
insectalus Grv.), Coprophilus (nicht selten), Piognatha qua-
dricoinis Kiiby, Lesteva bicolor Payk. (hfg.), Acidot. cienata
Fb. (Imal), ümalium, Micropeplus porc. — Pselaph. Heisei
Hbet. (hfg.), einige Biyaxis, Scydmsenus angulatue M. & K.
(nicht eeilen), und andre. - Ci!ole\a cisteloides Fröhl., Catops
sericeus Pz. (zieh, hfg.), sonst keine Silphidse. — Saprin. seneus
Fb., Gnathonc. rotund. 111. (beide nur Jmal), Ontliophilus
striat. — Olibrus (gem. Arten). — Carpophil. eexpust. —
Meligethes aneus (im FrĂĽhj. in grosser Menge), viridescens
(weniger hfg.) und wenige andere Arten, Omosita discoid. Fb.
— Ips, Rhizophagus (mehrere Arten, paralleloc. sehr hfg.) —
Monotoma (wenig). — Antherophagus (alle drei Arten),
Crjptopliagus und Atomaria (zahlr. in vielen Arten). — La-
thridius (die gemeinste Art lifg.), Corticaiia (in einigen nicht
seltenen Arten). — Attagenus und Anthrenus (wenig in gem.
Arten). — Byrrhus (bloss pilula L.), Cytiius varius Fb. (hfg.),
Simploc. semistriata III. (überaus hfg.). — Georyssus pygmfBus
Fb. — Parnus (mehrere Arten hfg.), Poniatinus (im Spät-
sommer nicht selten), Limnius tuberculatus, Elmis (nur Ger-
mari Er. Imal'. — Heterocerus lajvigat. Pzr. — Aphodius
(nur wenig timetariu?, etwas mehr poicatus). — Lacon, Elat.
balteatus L., Crypiohypn. minutissimus Grmr. (Imal), Mela-
notus brunnipes Gyll., Limonius Brueteri Fb., Athous niger,
hsemorrhoidalis, subfuscus und longicollis q und $, Agriotes
(vorzugsw. pilosus und im FrĂĽlij. sehr gemein sputator),
Adraetus (mehrere gem. Arten), Sericosom. brunneus L, -
Cyphon (einige gem. Arten). — Laniprorhiza splendidula L. j.
Phobphpenus hemipterus Geoffr. (an 20 Stck., nur oo"')). —
Cantharis (verschiedene gem. Arten nicht selten), Antho-
comus (die beiden gemeinsten Arten). — Laricobius Erich-
toni Rosenli., Hedobia imper. L. (einige StĂĽck), Ptinus rutipes
Fb. (2 cJö). — Anob. pertinax L., striatum (mehrmals), Oli-
gomerus brunneus Oliv. (imal). - Lyctus canalicul. (nur Imal).
— Cis. — Mycetochares barb. Ltr. (Imal). — Salpingus
ater Payk. und castaneus Pzr., Rhinosimus (alle 4 Arten). —
Serropalpus striat us Hellen, (nur Imal, fĂĽr die hiesige
Gegend neu). - Anthicus floralis Fb. — Anaspis (wenig).
— Oedemera (nur 1 Stck. virescens). - Von Curculioniden
hervorragend Barypeithes brunnipes Oliv. (hfg. im Juni),
*) Das in den meisten Suiiunluufjen fehlende $ fing ich 1862 in
liegatluug unter einem umgeötiilpten IJlum.'ntopfe in meinem Oärtclien
hinter dem Wohnhause.
47
mehrere gem. Phyllobius, Sitonee und Polydrusus, Liophl.
nubilus, Liosomus ovatulus Clairv. (hfg.), Hypera, Hylob.
Abietis L , Mecinus pyrast. (Imal), Hydronomus, Balaninus
(die grossen Arten), Anthonomup, Orebes-tes. Sibjnia priraita
Hbst. (mehrmals), Cionus Fraxini de Geer (Imal), Gymnetron,
Coeliodes rubicundus Payk. (hfg.), guttula Fb., Ceuthorhynchus.
bes. syrites Grm., sulcicollis Gyll., Amalus pumilio Gyll ,
Riiinoncu.e, Cossonus linearis L., Alagdaliniis und einige
Apionen. — Hylesininen, Scolytus Pruni Rtzbg., Bostrychinen.
— Rhynchites eeneovirens Mrsh., Platyrhinus latirostris Fb.,
Tropideres niveirostris Fb., Brachytars. varius Fb. (Imal).
— Callid. violaceum L., variabile L., Asemum striatum L.,
Clytu.s myi^ticus L., Liopus nebulosus L. — ßruehus Pisi L.
— Lema melanopa L., Cryptoceph. Morgei L., Adimonia
Capreae L. (im Anf. des FrĂĽhl. sehr hfg), Luperus (die ge-
meinste Art), Halticinen, bes. Longitarsus-Arten (im Spät-
sommer in vielen Arten zahlreich), Psylliodes chrysocephalus
L. (die vorzĂĽglichste Aetzung der Jungen von Cypselus apus,
ziemlich hfg.), Cassida obsoleta (2mal). — Engis humeralis
Fb. — Von Coccinellen wenig, Scymnus desgl., RiMzobius
litura Fb. (zieh hfg.), Orthoperus.
Es sind also unter den Coleopteren hauptsächlich
vertreten: Carabiden, Staphylinen, Pselaphiden, Scydmseniden,
Nitidularien, Ăźhizophagen, Lathridien, Cryptophagiden, Byr-
rliiden, Paruiden, Elateiiden, Lampyriden (Phospheenus), Tele-
phoriden (Cantharis), Ptiniden, Anobiiden, Pythiden, Curcu-
Honen und Scolytiden. — Wenig oder sehr wenig lieferte:
Silphiden, Histeriden, Dermestiden, Lamellicornen, Cisteliden,
Melandryiden, Anthiciden, Mordellonen, Oedemeriden. Longi-
cornen, Clirytomelinen und Coccinelliden. — Ohne Vertretung
sind: Trogositiden, Colydiiden, Rhy.^odiden, Cucujiden, Myce-
tophagiden, Buprestiden, Tenebrioniden, Lagriarien, Pediliden,
Meloiden. Attelal>iden und Endomvchiden.
2. Hy meuopter en.
Tenthrediuiden (wenig Arten), Ichneumoniden (u. a.
Pezomachus-Arten) nicht gerade zahlreich an Gattungen und
Arten, Formioiden (v\ enig Arten, aber llyrmica ruginodis Nyl.
in ĂĽberaus grosser Zahl), von Apiden hfg. Apis meilifica,
seltner einige Andreniden, noch seltener eine Vespa, nament-
lich V. germanica, aber im April mehrere der grössern
Cynips-Avten, und das Jahr hindurch verschiedene Ptero-
malinen.
•]8
3. Lepidopteren.
Rliopaloceren sind rnir bis jetzt nicht vorgekommen.
Von Heteroceien sind besondere die Noetuideu, und von den
Micros die Hypeniden, Pyraliden, Tineiden und Gelechiden
(Depresparia) vertreten. Die meisten dieser Thiere sind indess
durch Abwaschen unkenntlich und zu näherer Bestimmung
unbrauchbar geworden, so dass man nur selten ein aufbe-
wahrenswerthes StUck findet.
4. Dipteren.
Es fanden sich Tabaniden, Empiden, Asiliden, Syrphiden,
Museiden, Bibioniden, Tipuliden (meist unbrauchbar), und
sogar ein Hippoboscide: Oxypterum pallidum Leaeh.
5. Orthopteren.
Thripse, Poduren, Gryllus domesticus, sehr zahlreiche
Forficula auricularia L., im Juni noch unreif, neben Labidura
minor L., und Psocus-Arten.
6. Neuropteren.
Einige Ephemerinen (kleinere), Semblodeen, Phryga-
neodeen (Limnophilus-Arten), und von Hemerobiden die Gat-
tungen Chrysopa, Hemerobius und Drepanopteryx phalsenodes,
letztere in ziemlich zahlreichen schönen Exemplaren.
7. R h y n c h 0 1 a.
Aphidinen (nur wenig), Psyllodes, Cicadinen (Jassus in
zahlreichen Arten und StĂĽcken); Fulgorinen (besonders Del-
phax und Cixius), Noionectinen (Corixa in melireren Arten
und Noctonecta) Hy.irometra, Aradiden, Tingiden, Phylocoriden
(CapsuK), Macropeltiden, Cydniden.
An Soolopendern, Spinnen, Milben und Asseln lehlt es
auch nicht.
Ganz natürlich drängt sich uns die Frage nach der
Ursache der Erscheinung auf. Was fĂĽhrt diese verschieden-
artigsten Insecten in die Gasomelerbassins, und wie gelangen
sie, geflĂĽgelte und ungeflĂĽgelte, hinein?
In manchen Beziehungen mag hier der Zufall keine un-
wichtige KoUe spielen. Durch Wind und Wetter, in der
Hitze der Verfolgung oder auf der Flucht vor Feinden wird
manches Thier in das Wasser gerathen, ohne an den ziemlich
49
glatten Wänden hinaufsteigen und sich retten zu können.
Was speciell die Dytisciden und Hydrophilen betrifft, so wäre
es nach analogen Fällen wohl möglich, dass diese Käfer in
dĂĽrren Sommern das Wasser in den Rinnen als Ersatz auf-
suchten. Die Hauptsache wird aber wohl darin liegen, dass,
wie auch Freund Scriba annimmt, die Insecten durch die
in dem Wasser enthaltenen Stoffe angezogen wer-
den und dann, fliegend oder kriechend, hineingelangen.
Hr. Gasdirector Schwarzer erzählt mir, dass, als vor
Jahren solches Gaswasser zu Berlin in die Spree abgeleitet
wurde, sich zahlreiche kleine Fische und andere Wasserthiere
an der Abflussmündung einfanden und sich in dem einströ-
menden Wasser lustig tummelten und scheinbar berauschten.
Um der Sache mehr auf den Grund zu kommen, habe
ich mich an einen Freund, den Herrn Dr. W. von der Marck
zu Hamm a. d. Lippe, tĂĽchtigen Chemiker und Naturforscher,
gewandt, der mir folgende Analyse des betreffenden Wassers
nebst begleitenden Bemerkungen mittheilt:
„1. Das Wasser der Gasometerbassins enthält we-
„sentlich die Bestandtheile des sogenannten Am-
„moniakwassers, d. h. vorzugsweise: a. Theer-
^bestandtheile — sehr complicirter Natur; b. koh-
„lensaures Ammoniak; c. Schwefelcyan - Ammon
„und vielleicht auch Schwefel- Ammon; d. Phenol-
„verbindungen.
„2. Dasselbe riecht, ähnlich wie Gaswasser, vorwie-
„gend nach Ammoniak, aber es erinnert auch an
„Cloakengas, d. h. an Verwesungsproducte stick-
„stoffhaltiger Körper.
„3. üewisse Insecten, z. B. Stubenfliegen, lassen sich
„durch Ammoniakgeruch verlocken.
„Auch ich fand im hiesigen Gasometerbaesin
„zahlreiche, theils todte, theils noch lebendige
„Käfer, z. B. Maikäfer verschiedener Arten,
„Wasserkäfer — drei Dytiscus — Hydrophilus etc.,
„aber noch keine Aaskäfer, vielleicht nur zu-
„fällig. Künftig werde ich der Sache weitere
„Aufmerksamkeit schenken."
Ich schliesse mit dem Wunsche, dass dies auch von an-
dern Seiten geschehe und hoffe, später Weiteres berichten
zu können.
Elberfeld, Juli 1875.
60
1
Nachtrag zur Revision der europäischen
Lathridiidae
von
Edmund Keittei«. (Jahrg. 1875, S. 297.)
Unter Divisio II, vor Anommatus ist einzuschalten:
Genus Abroraus Reitter.
Antennse lO-articulatee, articulis duobus primis valde incras-
satis, clava magna, globosa, biarticulata. Oculi nuUi.
Scutellum haud perspicuum. Prosternum inter eoxas
anticae subproductum. Coxai antiese subdistantes.
Femora brevia robusta. Tarsorum articuli duo primi
minuti. Thorax subquadratus. Elj'tra seriatim grosse
punctata.
Eine neue, mit Anommatus nalie verwandte Gattung.
Die Körperform und das ganze Aussehen ist wie bei dieser,
und sie trennt f>ich von ihr durch die Bildung der FĂĽhler
und des Prosternums hauptsächlich ab.
Die Fühler sind sehr kräftig, ebenfalls am oberen Seiten-
rande der Stirn des ganz wie bei Anommatus geformten
Kopfes eingefĂĽgt, welch' letztere ebenso die bogenartige,
dunkle und schwache Vertiefung ĂĽber der FĂĽhlereinlenkungs-
stelle zeigt. Die beiden ersten Glieder der FĂĽhler sind viel
grösser und stärker verdickt, als bei der nächstverwandten
Gattung, die ferneren 6 ebenfalls sehr klein und rundlich,
die beiden letzten bilden eine sehr grosse, runde Keule. Die
Abgrenzungsnaht der beiden Keulenglieder ist sehr deutlicli
walirnehmbar, das letzte runde an der Basis fast etwas
schmäler als das vorhergehende an der Trennungsnaht. Kopf
nahezu von der Breite des Halsschildes, mehr oder minder
viereckig, vorgestreckt. Mundtheile ähnlich wie bei Anom-
matus. Halsschild last quadratisch, die Seiten gegen die
abgestumpften Hinterwinkel sehr schwach verengt, und mit
deutlichen Sj)uren von weitläufigen, kleinen Kerbzähnchen,
der Hinterrand ist weniger enge an die FlĂĽgeldecken ange-
fĂĽgt, als dies bei Anommatus der Fall ist, und sehr schwach
bogig gegen die letzteren erweitert. Schildchen nicht sicht-
bar. FlĂĽgeldecken von der Breite des Halsschildes, ĂĽiemlich
gleichbreit, an der Spitze gemeinschaftlich abgerundet, mit
-51
groben Punktreihen wie bei Anommatus und sehr kurzen,
schwer sichtbaren Börstchen in den Punkten. Das Prosternum
entsendet zwischen die VorderhĂĽften einen plattenartigen
kleinen Vorsprung, welcher jedoch nicht ĂĽber die Mitte der
HĂĽften hinausragt. Die VovderhĂĽftea sind wegen dieser kleinen
Prosternumplatte auch weiter von einander abstehend, als
bei Anommatus. Das Uebrige wie bei der letztern Gattung.
Abromus Bruckii: Parvulus, oblongus, subdepressus, testaceus,
nitidulus; thorace quadrato, basin versus subangus-
tato, lateribus parce minutissime subdenticulato, an-
gulis posticis obtusis, dorso crebre fortiter punetato;
elytris thorace fere duplo longioribus, dense sat for-
titer, apicem versus subtiliter seriatim punctatis,
angulo humerali acuto subprominulis. Long. ^(4 mm.
Bei Baujuls in SĂĽdfrankreich durch Michel Nou in eini-
gen StĂĽcken entdeckt, und im Besitze des Herrn vom BrĂĽck
befindlich.
Die Punktirung des Halsschildes ist auf der Scheibe ge-
drängter als an den Seiten, ohne irgend eine punktfreie Längs-
stelle in der Mitte; die Punktreihen der FlĂĽgeldecken sind
kaum, oder nur undeutlich vertieft.
Nach Enicmus brevicoUis Thoms. pag. 329 ist einzu-
schalten:
Enicmus (Conithassa Thoms.) Carpathicus:
Niger, subopacus, glaber, antennis pedibusque testaceis;
prothorace leviter transverso, coleopteris valde angustiore,
lateribus subtilissime crenulatis, prope medium parum rotun-
datis, angulis anticis obtusis, non productis, dorso foveolis
duabus longitudinalibus et hasi transversim impresso; elytris
subnitidis, brevibus, valde ampliatis, pone medium rotundato-
angustatis, couvexis, punctato-striatis, interstitiis sat an-
gustis, planis, interstitio 3 basi subelevato. Long. I.5 — l.g mm.
Var. b. Ferrugineo-brunneus, antennis pedibusque testaceis.
In Alpibus Hungarise bar. Orient.
Eine neue Art aus der Verwandtschaft des E. consimilis,
brevicollis Thoms. und parallelocollis, daher in die Unter-
gattung Conithassa Thoms. gehörend. Unterscheidet eich von
den beiden ersten durch die kurze, sehr aufgetriebene Form
der P'lügeldecken , verhältnissmässig schmäleres Halsschild
und die geringe Grösse; von parallelocollis sich durch das
kürzere Halsschild entfernend, welches ähnlich wie bei ru-
gosus und brevicollis geformt, aber etwas höher ist. Durch
die kurzen und breiten FlĂĽgeldecken erinnert diese Art sehr
an E. Mannerheimi Kolenati, aus dem Caucasus, welche Leder
bei Elisabethpol wieder auffand und mir zusendete; Manner-
heimi gehört jedoch zur Untergattung Enicmus in spec, die
4*
52
Punktßtreifen der Flügeldecken sind auch viel weitläufiger
und stärker auegeprägt, und das Halsschild ist wie bei testa-
ceu8 Steph. (cordaticoilis Aube) gebildet.
Im Gemülle alter, zerfressener Buchenschwämme auf der
Alp Howerla bei dem Dorfe Suhy im nordöstlichen Ungarn
in einigen vollkommen ĂĽbereinstimmenden Exemplaren auf-
gefunden.
Ein neuer Dytiscus,
beschrieben von
E, 1ÂĄ e h n e k e.
Djtiscus persicus m.
Oblongoovalis, nigro olivaceus, prothoracis margine luteo,
elytrorum castaneo-brunneorum margine lineisque tenuibus
longitudinalibus luteis, abdomine subtus luteo, lateribus nigro
maculato, coxarum posticarum laciniis obtusiusculis. Long.
30 mm.
Dem Djtiscus pisanus Casteln. am nächsten stehend,
durch eine länglichere, gewölbtere Form unterschieden; auch
sind die Spitzen der HinterhĂĽften nicht abgerundet, sondern
deutlicher zugespitzt.
Der Kopf ist fein punktirt, von dunkelolivengrĂĽner Farbe
mit gelber Vorderseite und zwei röthlichen Stirnflecken, die
Endglieder der gelben Fühler an der Spitze bräunlich.
Das Halsschild ist doppelt so breit als lang, nach vorne
etwas schmäler zulaufend, mit abgerundeten Vorderecken,
dunkelolivengrUn, breit gelb gesäumt, fein punktirt und durch
eine tiefe Längsfurche auf der Mitte ausgezeichnet.
Flügeldecken länglich, hinter der Mitte nur wenig ver-
breitert, kastanienbraun, die Seitenränder sowie eine ver-
wischte Schrägbinde vor der Spitze gelblich. Unterseite des
Körpers gelb, schwarz gefleckt.
Vaterland: Persien. Ein Weibchen in der Sammlung
des Herrn Dohrn.
53
Einige neue dalmatinisclie, griechische und
kleinasiatische Tenthredoniden.
Von
•r. P. E. Frdr. Stein in Berlin.
Cimfiex scapularis;
C. scapularis Mus. Berol.
(^. Kigra, opaca, pubescens, antennis tareisque luteis;
angulis prothoracis maculisque lateralibus segmentorum ab-
dominis 3 et 4 sulphureis.
?. PiceO'brunnea, opaca, pubescens, antennis, scutello
pedibusque luteis; angulis prothoracis et maculis lateralibus
segmentorum abdominis 3 et 4, fasciisque medio interruptis
6—8 sulphureis.
Der C. axillaris Jurine nahe verwandt, aber von mehr
schwarzer Färbung, und im Allgemeinen etwas grösser.
(^. FĂĽhler braungelb, das erste Glied ganz, das zweite
bis zur Mitte schwarz. Kopf schwarz, ziemlich dicht mit
grauen und schwarzen Haaren bedeckt; Kopfschild gelblich
weiss, unten seicht ausgerandet. Mandibeln schwarz mit
dunkelbraunen Spitzen; die inneren Mundtheile gelb. Die
Seiten des Prothorax (Schulterecken) mit einem gelblich-
weissen, viereckigen Flecke. Meso- und Metathorax, sowie
das Schildchen schwarz und dicht grauschwarz behaart. Die
Aussenhälfte der Vorderflügel ist der Länge nach gelbbraun;
die HinterflĂĽgel nur im Costalraume. An den mit ziemlich
langen Haaren bedeckten Beinen, sind HĂĽften und Schenkel
glänzend schwarz; erstere vor der Spitze mit einem ziemlich
scharfen Zahn versehen, letztere verdickt; die etwas ge-
krĂĽmmten, schwarzen Schienen sind auf dem Aussenrande mit
kurzen, seidenglänzenden, gelben Härchen bedeckt, was aber
nicht bei allen Individuen gleich deutlich hervortritt; die
Hintertibien sind zuweilen nach der Spitze hin mehr oder
weniger rothbraun; die Sporen an den Tibien sind gelbbraun,
wie sämmtliche Tarsenglieder.
Der schwarze Hinterleib ist oben kurz, an den Seiten
länger behaart; die blosse Stelle zwischen erstem und zweitem
Ringe, der dritte Ring oben und unten — mit Ausschluss
der Mitte oberhalb — , und der vierte Ring in den Aussen-
M'inkeln und unterhalb derselben, sind gelblichweiĂźs. Die
gelblichweisse Binde des dritten Ringes ist bei den meisten
51
Individuen oben sehr breit unterbrochen, ĂĽberhaupt aber nie
ganz zusamnienliänpiend. Auf der Mitte der vier letzten
Hinterleibsringe befindet sieh ein seichter Eindruck, der auf
dem letzten sich zu einer Grube vertieft.
$. FĂĽhler ganz gelb; der Kopf mit langer, schwarz-
grauer Pubescenz bedeckt, mit den Mandibeln rothbraun,
letztere mit pechschwarzen Spitzen; Kopl'schild schwefelgelb,
unten seicht ausgerandet; die ĂĽbrigen Mundtheile hellgelb.
Prothorax pechbraun; Oberrand und die breiten Schulter-
ecken schwefelgelb. Mesotliorax oben schwarz; Schildchen
und Metatliorax braun. Die Flügel wie beim Männchen.
HĂĽften und Beine gelbbraun; die Aussenseiten der HĂĽften und
Schenkel mit schwarzem Strich. Die Ringe des Hinterleibes
sind unten und an den Seiten oben mehr oder weniger
schwefelgelb; der Ite und 2te oben ganz, der 3te in der
Mitte, der 4te bis kurz vor den Seitenränderu, der 5te bis 7te
in der Mitte s^pitz dreieckig schwarz. Die Seitenecken dieser
schwarzen Dreiecke ziehen sich jeĂĽerseits als eine schmale,
fast verdeckte Linie auf dem Vorderrande hin. Die Lege-
röhre ist rothgelb.
rj$. Länge des Körpers 23 mm., eines Vorderflügels
21 mm.
In der Köuigl. Sammlung 2 (^ aus dem Balkan von
Frivaldszky und 3 (^ und 1 $ aus der Gegend um Smyrna;
3 ,^ in meiner Sammlung aus Griechenland von Dr. KrĂĽper.
Alliasi«4 Ii.rii|iei*i; nigra, opaca, glabra, tibiis
tarsieque stramineis.
Der A. obscura Fabr. sehr ähnlich, aber durch die Fär-
bung der Beine sofort zu unterscheiden; ausserdem haben die
FlĂĽgel keine rauchbraune Querbinde, sind vielmehr fast
wasserhell, mit dunkelbraunem Stigma und Costalraum. Die
Mandibeln sind vor der pechbraunen Spitze bräunlichgelb.
Die Schenkelspitzen und alle Tibien sind gelblichweisp, die
Innenseite der Mittel- und Vordertibien mit schwarzem Strich.
Die letzten Segmente des Hinterleibes sind mit einem schil-
lernden, seidenartigen Toment bedeckt.
Länge des Körpers 9 mm., eines Vorderflügels 8 mm.
Ein o aus Attika und ein $ aus der Gegend von Smyrna
von Dr. KrĂĽper, und ihm zu Ehren benannt; beide in meiner
Sammlung.
Alll»Ni!$ COncinna: nigra, opaca. glabra, sca-
pulis, abdominis segmentorum lateribus, tibii.sque citrinis.
Am. concinna Mus. Berol.
Der Am. jucunda Kl. älinlich, aber von gedrungenerem
Baue, und die gelben Binden des Hinterleibes derartig unter-
brochen, dass sie zumeist nur gelbe Seitenflecke bilden.
00
Der Kopf ist fein, der Hinterleib ziemlich grob punktirt;
der Thorax fein runzlig. Die FlĂĽgel sind wasserhell, mit
blassgelbem Stigma und Costalraume, der in der Nähe des
Stigma's eine längliche, braune Stelle hat. Die Schulterecken
sind breit dreieckig citronengelb; so sind auch die Seiten der
Hinterleibsringe, wenn auch ein wenig blasser, gefärbt; die
beiden vorletzten Ringe sind nur in der Mitte etwas ge-
schwärzt, der letzte ist ganz gelb, mit Ausnahme einer
schmalen, schwarzen Stelle in der Mitte der Basis. Die
Unterseite des Hinterleibes ist pechschwarz; die einzelnen
Ringe sind aber jederseits in den Vorderwinkeln gelb.
An den Beinen sind die Schenkelspitzen und die Schienen
blassgelb; die Hinterschienen an der Aussenseite der Spitze
mit einem schwarzen Flecke versehen. Die Tarsen sind
pechschwarz; die der Vorderbeine an der Basis blassgelb.
Die Sporen an den Vorderschienen sind hellgelb; an den
Mittel- und Hinterbeinen schwarzbraun.
Länge des Körpers 6 mm., eines Vorderflügels 6 mm.
Ein $ aus Rumelien von Frivaldszky in der Königl.
Sammlung.
Tar|ia albicllicta; nigra, nitida, pubescens, ca-
pitis thoracisque raaculis, abdominis fasciis flavescenti-albis.
Der T. flavicornis Kl. ähnlich und nahe verwandt, jedoch
von anderer Zeichnung und Punktirung.
Die FĂĽhler sind hier, nicht wie bei T. flavicornis, ganz
gelb, sondern das 2te kleine, kugelförmige Glied ist dunkel-
braun oder fast schwarz; auch die kammförmigen Zähne an
der Unterseite sind gebräunt. Der Kopf ist ziemlich dicht
schwarz behaart; die gelben Mandibeln haben dunkelbraune
Spitzen; der Clypeus, ein dreieckiger Fleck oberhalb des-
selben, ein länglich-viereckiger • neben dem Innern Augen-
rande, zwei parallellaufende, nach vorn abgekĂĽrzte Striche
des Scheitels, und ein jederseits am Hinterkopfe befindlicher,
hinter den Augen herabsteigender, stumpfwinkliger Strich —
sind gelblichweiss. Der Scheitel ist glänzend glatt, und nur
in der Umgebung der Ocellen unregelmässig punktirt; bei
T. flavicornis ist der ganze Kopf grob punktirt.
Der Prothorax hat oben jederseits einen nach innen
hakenförmigen, gelblich weissen Fleck; unterhalb der Flügel-
wurzel und daneben finden sich je drei gelbliche Flecke;
zwei ebenso gefärbte, kurze, schräg nach aussen gerichtete,
längliche, stehen vorn und hinten auf dem Mesothorax; auch
die blosse Stelle zwischen dem ersten und zweiten Hinter-
leibsringe ist gelblichweiss. Die FlĂĽgel, besonders die vor-
56
deren, find ähnlich, wie bei den meiBten Tarpen, bernstein-
gelb. Die Beine sind lebhaft gelb, aber Vorder- und Mittel-
echenkel bis fast zur Mitte echwarz.
Der Hinterleib zeigt auf dem Hinterrande des 4ten bis
6len Ringes ziemlich gleichbreite, jedoch nur schmale, Meisse
Binden; auf dem 2ten, oder auch zugleich auf dem -Uen
Ringe findet sich jedereeits nach aussen nur ein eckiger,
weisser Fleck. Die Unterseite ist entweder einfach glänzend
schwarz (cJ), oder trägt zwei weisse, schmale Binden auf
dem Hinterrande der beiden vorletzten Ringe (?), die vorn
in der Mitte mit einer kleinen Ausrandung versehen sind.
Länge des Körpers 11 mm,, eines Vorderflügels 10 mm.
Ein (^ aus Macedonien und ein ? vom Olymp, beide
von Dr. KrĂĽper, in meiner Sammlung.
Xarpa liOeivii; nigra, nitida, pubescens, capitis
thoracisque maculis, abdominis fasciis pedibusque citrinis.
Der T. Hiepanica Spin, sehr ähnlich, aber grösser und
von anderer Zeichnung auf Kopf und Brustschild.
Die FĂĽhler sind gelb, das 2te kleine, runde Glied roth-
braun; die Kammzähne blassbraun. Der Kopf ist mit kurzen,
schwarzen Haaren bedeckt; der Scheitel glatt, die Umgebung
der Ocellen und die Partieen in der Nähe der Augen dicht
punktirt. Auf dem Scheitel befinden sich zwei parallele,
vorn abgestutzte, nach hinten verschmälerte, gelbe Striche;
hinter den Augen ein stumpfwinkliger, vom Nacken aus her-
ablaufender, gelber Strich; innerhalb der Augen jederseits
ein gelber, dreieckiger, und oberhalb des gelben Clypeus
ebenfalls ein gelber Fleck. Die Mandibeln sind gelb mit
braunen Zahnspitzen; sämmtliche Palpen ebenfalls gelb, deren
letzte Glieder aber mit braunen Spitzen.
Der Prothorax hat jederseits einen mit der Spitze nach
innen gekehrten, dreieckigen, nach unten in einen stumpfen
Fortsatz verlaufenden, citronengelben Fleck; zwei ebenso
gefärbte, kleine, rundliche von ungleicher Grösse befinden
sich jederseits vor den FlĂĽgelwurzeln. Die FlĂĽgel sind von
der gewöhnlichen, bernsteingelben Färbung, insbesondere die
Vorderhälfte der Vorderflügel. Die Flecke auf dem stark
runzlig punktirten Mesothorax bilden, wie gewöhnlich, zwei
Paare; das vordere besteht aus zwei kleinen, am Grunde
genäherten, mit der Spitze nach aussen gerichteten, citronen-
gelben Flecken; das hintere Paar ist ebenso gefärbt, aber
von etwas anderer Form und Stellung, und mit sehr ent-
fernter Basis der einzelnen Flecke. Die Beine sind hellgelb;
die Vorder- und Mittelichenkel bis zur Hälfte schwarz; die
57
Sporen der Vorder- und Mittel-Tibien sind gelb, die der
Hinlertibien braun; die Spitzen der HinterhĂĽften haben innen
und aussen einen citronengelben Fleck.
Der Hinterleib ist oben glänzend schwarz, undeutlich
und seicht punktirt; hinter dem Iten Segmente befindet sich
jederseits eine längliche Makel, welche, wie alle folgenden
Ăźinden citronengelb ist; auf dem Hinterrande des 2ten Seg-
ments ist die Binde breit, auf dem des 3ten schmal unter-
brochen; auf dem 4ten ist sie in der Mitte ziemlich tief aus -
gerandet; auf dem 5ten bis 8ten Segmente sind die Binden
durchlaufend, alle von gleicher Breite.
Länge des Körpers 13 mm., eines Vorderflügels 13 mm.
Ein (^ bei Patara (Kleinasien) von dem berĂĽhmten Dip-
terologen Low gefunden und ihm zu Ehren benannt, in der
Königl. Sammlung.
liyda lliactllipeoiftls; nigra, nitida, glabra, ca-
pite abdomineque fulvescentibus, alis anticis maculis rotundis
tribus nigro-fuscis.
Ausgezeichnet durch zwei runde, dunkelbraune, mit dem
glänzend schwarzen Stigma im Dreieck stehende Flecke der
VorderflĂĽgel.
Die Fühler sind von massiger Länge, schwarz; das Ba-
salglied gelb; die nach aussen abgeschrägte Spitze des 2ten
Gliedes weiss. Der Kopf ist gelb; nur ein breiter Streifen
auf dem Scheitel, und die Umgebung der Ocellen, sowie die
Mandibeln sind schwarzbraun, letztere an der Basis gelb;
unterhalb jedes FĂĽhlers befindet sich ein schwarzer Punkt.
Der Prothorax bildet einen, oben gelblichweissen, schmalen
King; der schwarze Mesothorax ist in der Mitte hellbraun;
das Schildchen hat weissliche Vorderecken. Die FlĂĽgel sind
hell bernsteingelb; die Spitzen ziemlich dunkel rauchbraun,
was nach innen scharf abgegränzt erscheint. Jeder Vorder-
flĂĽgel hat an der Basis einen blassbraunen, in der Iten und
3ten Discoidalzelle je einen runden, dunkelbraunen Fleck und
ein glänzend schwarzes Stigma. Die Beine sind durchweg
schwarz, und nur die Tarsen dunkelbraun.
Der Hinterleib ist bräunlichgelb; der erste Ring und je
ein Seitenfleck des letzten dunkel pechbraun. Auf der Bauch-
seite trägt jeder Ring nach aussen je einen, der letzte aber
im Ganzen drei runde, braune Flecke.
Länge des Körpers 9— 10 mm., eines Vorderflügels
Zwei $ aus der Umgebung Smyrna's, von Dr. KrĂĽper
gefunden, in meiner Sammlung.
Xyela Grraeca; flavescens, fusco-variegata, glabra,
ovipositore testaceo, cultriformi.
58
Der X. pusilla Dalm. sehr ähnlicli und von gleicher
Grösse, von derselben hauptsächlich durch das nicht gefurchte
Gesicht, und die Form und Färbung der Legeröhre ver-
schieden.
Die Fühler sind gelb, das 4te, verlängerte und verdickte
bräunlich. Der Kopf ist hellgelb; auf den» Scheitel die Ge-
gend um die Ocellen, und zwischen den Augen jederseits ein
nach vorn abgekürzter Längstleck sind braun; von dem
braunen Ocellenflecke laufen jederseits zwei blassbräunliche,
schräge Striche nach den Fühlerwurzeln, und ein ähnliches
Strichelchen findet sich in der Mitte der Stirne; die beiden
ereteren haben dicht an der FĂĽhlerwurzel je ein sehr kleines,
undeutliches Grübchen. — (Bei X. pusilla Dalm. sind alle
drei Striche im Grunde zu einer feinen Furche der ganzen
Länge nach vertieft.) Mandibeln und Palpen sind ganz gelb.
Der Prothorax ist blassgelb; der Mesothorax braun mit
gelben Flecken, namentlich am Vorderrande. Die FlĂĽgel sind
wasserhell; das Stigma noch blassgelber, als bei X. pusilla
Dalm. Die Beine sind ganz gelb, auch die HĂĽften; an den
Tarsen der Hinterbeine ist der Metatarsus aussen, die ĂĽbrigen
Glieder an der äussersten Spitze braun.
Der Hinterleib igt bräunlich, die einzelnen Ringe am
Hinterrande gelb. Die Legeröhre des 2 ist gerade, kaum
von der Länge des Hinterleibes, durchsichtig gelb, und durch
die abgeschrägte Spitze messerförmig. (Bei X. pusilla Dalm.
ist die Legeröhre verhältnissmässig etwas länger, mehr zu-
gespitzt, und wenigstens bei den ausgefärbten Stücken von
dunkelbrauner Farbe.)
Länge des Körpers, einschliesslich der Legeröhre 4 mm.,
eines VorderflĂĽgels S^jo mm.
Zwei -? aus Griechenland von Dr. KrĂĽper, in meiner
Sammlung.
CepIlUS SllCCtabilii^: niger, nitidus, glaber, an-
tennarum apice, abdominis segmentis 3—5, tibiis tarsisque
rufie.
Eine der grössten Arten dieser Gattung; beide Ge-
schlechter in Grösse und Färbung ganz ähnlich, nur die
Weibchen etwas robuster, als die mehr schlanken Männchen.
An den schwarzen Fühlern sind die letzten 7 — 8 Glieder
roth. Der Kopf ist glänzend schwarz; die Mundtheile an den
Endgliedern roth; die Mandibeln mit rothbraunen Spitzen.
Der Thorax, namentlich der Prothorax, ist glänzend
schwarz. Die FlĂĽgel sind durchscheinend pechbraun; Stigma
und Costalraum rothgelb; in der äussern Radialzelle ein
länglicher, dunkler Schatten. An den Beinen sind die Schenkel
in der Mitte schwarz, an der Basis und der Spitze mehr oder
59
weniger, sowie die Schienbeine und Tarsen rotligelb; die
Hintertarsen nach aussen schwach gebräunt; sämmtliche
Sporen gelb, die an den Vordertibien etwas gebogen und
gleichsam bajonetartig zugespitzt.
Am Hinterleibe ist die blosse Stelle zwischen erstem und
zweitem Ringe schwefelgelb; der Ite Ring ganz, der 2te nur
oben, die 3 letzten Ringe ebenfalls ganz schwarz; der 3te
bis 5te Ring roth. Die Legeröhre des ^ ragt ungefähr l^/a
Linie hervor, ist massig zugespitzt, am Ende gerade abge-
stutzt und peehbraun.
Länge des Körpers 17 — 20 mm., eines Vorderflügels
13 mm.
Zwei o aus Attika von Dr. Krüper in der König]. Samm-
lung; drei ö^ und 2 $ von mir bei Spalato in Dalmatien im
Mai gefangen, in der meinigen.
CepEĂĽlBS alllO-lliacsslatiBS: niger, nitidus,glaber,
abdominis segmentis 3 — 6 lateribus albo-maculatis, tibiis tar-
sisque luteis.
Zu den grösseren Arten zählend, und dem C. Troglodyta
(Gmel.) Fabr. nahe verwandt.
Die Fühler sind rein schwarz. Der Kopf ist glänzend
schwarz. Die Mandibeln sind dunkelgelb mit brauner Spitze.
Der Thorax ist schwarz, der Prothorax ziemlich glänzend.
Die FlĂĽgel sind schwach rauchgrau getrĂĽbt, Stigma und
Costalraum gelbbraun. Schenkelspitzen, Schienbeine und
Tarsen sind röthlichgelb.
Am Hinterleibe ist die blosse Stelle zwischen erstem
und zweitem Ringe schwefelgelb; sämmtliche Ringe sind
glänzend schwarz; im Aussenwinkel jederseits des 3ten bis
6ten Ringes befinden sich gelblichweisse Flecke von verschie-
dener Form; der Ite und 3te ist klein und rund, der 2te
länglich, der 4te ist etwas grösser, als Iter und 3ter und
mehr oval. Die Legeröhre des $ ragt kaum eine halbe Linie
hervor.
Länge des Körpers einschliesslich der Legeröhre 15 mm.,
eines VorderflĂĽgels 11 mm.
Ein $ von mir bei Ragusa in Dalmatien im Mai ge-
fangen, in meiner Sammlung.
CcpIlllS variegatus; oiger, nitidus, glaber, ab-
domine pedibusque nigro citrinoque variis.
Dem C. Idolon Rossi recht ähnlich, aber kleiner und
die einzelnen Körpertheile anders gefärbt.
Die FĂĽhler sind sciiwarz, nach der Spitze hin etwas
gebräunt; bei C. Idolon R. ist die äusserste Spitze hellgelb.
Der Kopf ist glänzend schwarz; Clypeus und Mandibeln, sowie
alle Mundtheile sind blassgelb.
60
Der Thorax ist oben glänzend schwarz, unten gelb, bei
C, Idolon R. sind die Seiten des Prothorax gelb. Die FlĂĽgel
Bind fast glashell, Stigma und Costalfeld braungelb; der
äusserste Rand (costa) nach der Wurzel hin hellgelb. An
den Beinen sind die HĂĽften gelb mit schwarzem Punkte nach
aussen; die Aussenseiten sämmtlicher Schenkel schwarz;
Vorder- und Mittelschienen hellgelb ; Hinterschienen aussen
mit braunem Striche, der sich auch auf die Hintertarsen aus-
dehnt, während die übrigen Tarsen rein gelb sind; auch die
Sporen an sämmtlichen Schienbeinen sind hellgelb.
An dem Hinterleibe ist die blosse Stelle zwischen erstem
und zweitem Ringe schwefelgelb. Der erste Ring ist ganz
schwarz, der 2te nur oben, aber in den Hinterwinkeln gelb;
der 3te ist gelb, oben mit einer schwarzen Zeichnung, die
ein dreieckiges Fleckchen einschliesst, und ausserdem befindet
sich beiderseits an der Basis ein kleiner, schwarzer Punkt;
der 4te und 6te Ring ist ganz gelb, nur jederseits an der
Basis ein schwarzer Punkt; der 5te ist schwarz mit gelben
Hinterwinkeln; der 7te ist an der Basis schmal schwarz ; der
8te schwarz mit gelbem Seiten- und Hinterrande. Die Hinter-
leibsspitze ist gelb, am Grunde schwarz; die inneren Ge-
schlechtstheile sind ebenfalls gelb.
Länge des Körpers 8 mm., eines Vorderfltigels 6 mm.
Ein J bei Ragusa in Dalmatien im Mai von mir ge-
fangen, in meiner Sammlung.
Pacliycephii^s.
Antennse apicem versus paululum incrassatae, articulis
sedecim. Palpi maxillares 6-, labiales 4-articulati. Abdomen
cylindricum, subdepressum. •
Durch die sechszehngliedrigen FĂĽhler von Cephus, welcher
22gliedrige hat, zunächst verschieden.
An den sechsgliedrigen Kiefertastern ist das 3te Glied
dick, halb so lang, wie das 4te, welches sehr dĂĽnn ist. Das
Endglied ist ebenfalls dĂĽnn, und wie bei Cephus, vor der
Spitze des vorletzten, sehr kleinen, inserirt. An den vier-
gliedrigen Lippentastern ist das letzte Glied rübenförmig.
Das Flügelgeäder ist dem von Cephus ganz ähnlich. Die
Legeröhre des 2 ist kurz, gerade abgestutzt und unbedeutend
zusammengedrĂĽckt.
Pachyccpliiis ISiiiyrneiisU; niger, nitidus,
leviter griseo-pubescens, abdomine lateribus maeulis citrinis
pedihusque nigris.
Auf den ersten Blick gleicht das Thier einer Macrophya,
aber die Fühler, das Flügelgeäder und die ziemlich hervor-
61
ragende Legeröhre weisen ihm einen Platz zunächst bei
Cephus an.
Die FĂĽhler sind massig lang, dunkel schwarzbraun. Kopf
und Mundtheile sind schwarz, ersterer mit kurzer, greiser
Pubescenz.
Der Prothorax hat jederseits am Hinterrande ein gelbes,
fast viereckiges Fleckchen; auch unter der Basis jedes FlĂĽgel-
paares befindet sich ein gelblichweisser Punkt. Die FlĂĽgel
sind in der Spitzenhälfte schwach rauchbraun getrübt, nament-
lich die VorderflĂĽgel. Die Beine sind schwarz; die HĂĽften
der Hinterbeine haben aussen einen gelben Längsfleck. Die
Schienbeine sind schwarzbraun; alle Sporen bräunlich.
Der Hinterleib ist grösstentheils schwarz, wenig glän-
zend; die blosse Stelle zwischen erstem und zweitem Ringe;
ein Seitenfleck jederseits des 3ten Ringes; eine in der Mitte
unterbrochene Binde auf dem Hinterrande des 5ten, ein vier-
eckiger Fleck jederseits des 6ten, ein kleiner Punkt an den
Seiten des 7ten, und der obere Theil des 8ten ĂĽber der Lege-
röhre befindlichen — sind citronengelb.
Länge des Körpers, einschliesslich der Legeröhre 11 mm.,
eines VorderflĂĽgels 8 mm.
Ein $ aus der Umgegend von Smyrna, von Dr. KrĂĽper
an die Köuigl. Sammlung geliefert.
Bemerkung, In der Königl. Samml. befindet sich noch
ein StĂĽck, ebenfalls weiblich, welches bei Brusa von Thirk
gefangen wurde. Es ist etwas kleiner, als das beschriebene,
und glänzender, vielleicht weil es reinlicher gehalten ist;
ihm fehlen die gelben Schulterflecke, und die gelben Flecke
des Hinterleibes sind etwas begränzter, aber auf denselben
Ringen ; die beiden kleinen Flecke an den Seiten des 7ten
Ringes fehlen. Gleichwohl sclieint es mir nur als Varietät
des beschriebenen betrachtet werden zu mĂĽssen, da speci-
fische unterschiede mangeln.
62
Lepidopterologisches,
von
Gerichtsrath Kefersteio.
1. Es hat sich in OsnabrĂĽck ein naturwissenschaftlicher
Verein gebildet, dessen zweiter Jahresbericht (OsnabrĂĽck
1875) mir vorliegt. Er enthält unter andern S. 63 — 94 ein
Verzeichniss der in der Umgegend von OsnabrĂĽck vorkom-
menden Makrolepidopteren, aufgestellt von H, nach dem
eystematischen Verzeichniss der europäischen Schmetterlinge
von Heidenreich, Leipzig 1851.
In diesem Verzeichniss sind als OsnabrĂĽck'sche Schmet-
terlinge aufgefĂĽhrt: AnthocharisCallidice,Leucophasia
Luthyri, Lithosia flavicans. Da der erstere Schmetter-
ling die Alpen bewohnt, die zwei andern aber im sĂĽdlichen
Frankreich heimisch sind, so ist das Vorkommen bei Osna-
brĂĽck sehr befremdend. Der Verfasser des Verzeichnisses
hat sich nicht genannt, und so wandte ich mich um Auskunft
darĂĽber an den Vorstand des Vereins, bin aber bis jetzt mit
keiner Antwort erfreut worden. Es scheint ausser Zweifel
zu sein, dass bei Aufnahme obiger Schmetterlinge ein Irrthum
stattgefunden hat, und wahrscheinlich unerhebliche Abände-
rungen als wirkliche Arten aufgefĂĽhrt sind.
2. Ein vor mehreren Jahren verstorbener Freund von
mir, der Ăźanquier Herrmann, war zwar kein Entomolog,
hatte aber offenen Sinn fĂĽr die Natur. Das Bad Driburg in
Westphalen ist wiederholt von ihm besucht worden, und er
hat mir versichert, gar nicht sehr selten eine Argjnnis-Art
daselbst beobachtet zu haben, die seiner Beschreibung nach
sich von den europäischen Argynniden unterschied und höchst
wahrscheinlich eine nordamerikanische war. Leider hat er
ohne Fangwerkzeuge ihrer nicht habhaft werden können.
So unwahrscheinlich es daher auch erscheint, dass eine exo-
tische Argynnis sich bei Driburg angesiedelt haben sollte, so
ist dazu d6ch immer eine Möglichkeit vorhanden. Wenn
Entomologen das Bad Driburg besuchen, so mögen sie doch
diesem Gegenstand ihre Aufmerksamkeit schenken. Vielleicht
ist Herr Dr. Speyer am ersten im Stande, darüber Aufklä-
rung zu geben.
3. Staudinger fĂĽhrt in seinem Catalog von 1871 bei
den Rhopaloceren unter No. 373 als eine besondre Art
Pararge Xiphia F. auf und citirt dabei H. S., f. 86 und 87.
Als Varietät zieht er dazu, unter dem Namen Xiphioides,
63
Xiphia Bd. Icon. pl. 44 fig. 7 und rechnet hierzu Xiphia
H. 5, fig. 84. 85 T. Als Vaterland giebt er Madeira und
die Canarischen Inseln an. In Duponehel Hist. des L6pidop-
teres Suppl. I und II ist pl. 46 f. 5 und 6 Satyrus Xiphia
F. abgebildet und dabei bemerkt, dass sich dieser Schmetter-
ling in Portugal, dem mittägigen Spanien, Madeira und den
Canarischen Inseln finde. Der Duponchersche Schmetterling
stimmt mit dem Herrich-Schäffer'schen der Zeichnung nach
ĂĽberein; nur ist die Grundfarbe dunkler, fast schwarz. Kirby
in seinem Catalogue of Diurnal Lepidoptera (ed. 1871) zieht
Xiphia HS. Fabr. und Godt. Enc. meth. IX. p. 505 No. 90
als Var. zu Aegeria L. und glaubt, dass Xiphia Bdv. Icon.
pl. 44 f. 6 und 7 eine besondere Art bilde, die er neben
Tigelius Bon. (Paramegeera Hb.) stellt. Diese Xiphia Bdv.
findet sich nach demselben in Portugal, dem mittägigen
Spanien, Teneriffa und Madeira.
Boisduval in seinem Index methodicus von 1840 betrachtet
seine in den Icon. abgebildete Xiphia als Varietät von Aegeria.
Der Schmelterling bei HS. f. 84 — 87 ist ö'? derselben
Art und identisch mit dem Duponcherschen Bilde. Beide
Schmetterlinge sind offenbar eine südliche Varietät von
Aegeria. Ganz verschieden davon ist, namentlich auf der
Oberseite, die bei Bdv. in den Icon. abgebildete Xiphia F.
Aegeria und die dahin gehörigen Varietäten haben auf der
Oberseite der VorderflĂĽgel nur Flecken, aber keine Binde.
Die Boisduval'sche Xiphia hat aber wie der Mann von Par.
Megsera eine deutliche schwarze Binde, wie einen dicken
Strich. Auffällig ist es, dass Bdv. von diesem charak-
teristischen Merkmale nichts erwähnt und den Schmetterling
als Varietät von Aegeria betrachtet. Die Unterseite stimmt
auch ganz mit der Herrich-Schäffer'schen Xiphia. Ich kann
mir die Sache nicht anders erklären, als dass Bdv. entweder
eine Hybriden-Art vor sich hatte, welche auf der Oberseite
der FlĂĽgel die Zeichnung der Megsera var. Tigelius, auf
der Unterseite aber die der Herrich-Schäffer'schen Xiphia
trägt, oder dass die Unterseite von einem andern Schmetter-
ling genommen ist, als den die Oberseite darstellt.
Sollte sich der Boisduval'sclie Schmetterling mit der
Oberseite von fig. 6 und der Unterseite von fig. 7 in der
Natur finden, so wĂĽrde er wohl auf die Rechte einer beson-
dern Art Anspruch machen können.
Noch liat Pararge Xiphia Fb. = Xiphia HS. die Eigen-
thĂĽmlichkeit, dass sie sich nach Kolenati Meleteraata Ento-
mologica fasc. 5 auch im Caucasus bei Elisabethpol findet;
auch Kolenati hält sie für eine Varietät von Aegeria.
64
Zur Systematik von Phylloxera
von
•lule» JLicIitenstein.
Meine guten Freunde Riley aus St. Louis und Signoret
aus Paris haben sich in der letzten Sitzung der Soci6te entom,
de France (Paris, 28. Juli) gegen meine Classification der
Phylloxera als Cocciden erklärt und wollen durchaus,
dasö diese Insecten bei den Aphiden oder ächten Blatt-
läusen eingereihet bleiben. Worauf sich diese Freunde grün-
den, um ihre Meinung zu vertheidigen, haben sie niciit ge-
sagt. Wenn man die Homopteren nach der Anzahl und
Beschaffenheit der FlĂĽgel ordnet, ist es gewiss, dass die
Phylloxeriden und mit ihnen die Chermesiden und
Aleuroden bei den „Aphiden" bleiben müssen, da sie vier
Flügel besitzen. Ebenso ungefähr wie Forficula bei Lin-
nseus mit Staphylinus als Coleopteron einbegriffen ist
wegen der harten Beschaffenheit der FlĂĽgeldecken. FĂĽr mich
ist aber die Lebensweise und die Metamorphose der Insecten
viel entscheidender als die FlĂĽgelbildung, und ich theile diese
Section der Homoptera in zwei Familien wie folgt:
Mit einer oder mehreren Generationen
vivipara Aphidida.
immer ovipara Coccididu.
Die Cocciden mit vier FlĂĽgeln, wie: Phylloxera,
Aleurodes und Chermes bilden natĂĽrlich den Uebergang
von den Aphiden (Blattläusen) zu den Cocciden (Schild-
läusen); aber ihre Fortpflanzung durch Eier und nicht duroh
lebendige Junge (wie die Blattläuse im Sommer) scheint mir
hinreichend, um sie zu den Cocciden zu zählen,
Montpellier, 1. August.
65
liiteratur.
Thesaurus entomologicus oxoniensis
JT« O« li¥estvrooil.
Oxford 1874.
Dieser mit 40 vom Autor gezeichneten Tafeln ausge-
stattete Quartant entliält auf XXIV Seiten einen systema-
tischen Index, die Erltlärung der Tafeln, einen von Pettigrew
verfassten Necrolog des Rev. Hope, des GrĂĽnders des Ox-
ford-Museums, und ein von Westwood gearbeitetes chronolo-
gisches Verzeichniss der entom. Schriften Hope's.
Dann folgen von S. 1 — 202 von Westwood neuerrichtete
oder vergleichsweise besprochne Gattungen und Arten, 1 — 108
Coleoptera, 109—172 Hymenoptera, 173—176 Orthoptera,
177— 179 Neuroptera, 18U — 183 Lepidoptera, hierauf folgen
Monstrositäten, zumeist hermaphroditisch von Schmetterlingen,
auf S. 169 eine von Calepteryx (Libell.) virgo, demnächst
von 190 — 193 Hemiptera. Auf S. 194 wird ein parasitisches
Insect besprochen, Platypsyllus castorinus Weatw. [von Ritsema
einen Monat frĂĽher durch sonderbares Zusammentreffen als
Platypsyllus castoria beschrieben, von John Leconte fĂĽr einen
abnormen Käfer erklärt], als Repräsentant der neuerrichteten
Ordnung ? Achreioptera geschildert und auf Tafel 37 abge-
bildet. Dann folgen von S. 195—190 Thysanura, 197—199
Anoplura, 200—202 Arachnida, 203—205 Addenda et Errata.
Es wĂĽrde mir nicht ziemen, das vorliegende Opus ope-
ratum des wĂĽrdigen Veterans unsrer Wissenschaft kritisiren
zu wollen; selbst zu Bemerkungen ĂĽber den coleopterischen
Theil des Thesaurus habe icii nur beschränkten Anlass, so-
fern mir die Mehrzahl der besprochnen Käfer nicht in natura
vorliegt. Mit ganz besonderem Interesse habe ich die von
S. 72 — 96 tractirten Paussiden und die dazu gehörigen Ta-
feln 15 — 19 studirt, einmal, weil ich mit etwa 70 Arten in
meiner Sammlung versehen bin, sodann, weil ich gerade mit
einer Arbeit ĂĽber eine Anzahl australischer Paussiden aus
dem Museum GodefFroy betraut wurde, und mich deshalb mit
den Arbeiten des jungem Mc-Leay in den Sydney Trans-
actions näher beschäftigen musste. Ueber das Resultat habe
ich an einer andern Stelle berichtet.
66
Da Westwood bei jeder Art bemerkt, ob dieselbe im
Museo Hopeiano Oxon. vorhanden ist, oder nicht, so wird es
mir im Interesse derjenigen, welche um Determination eines
ihnen unbekannten Pauesiden verlegen find, vergönnt sein, hier
diejenigen Arten meiner Sammlung aufzufĂĽhren, welche nicht
als in dem Oxford-Museum vorhanden bezeichnet sind:
Pleuropterus alternans, hastatus; Arthropterus
subsulcatus, Westwoodi, Mastersi, angusticornis, var. ? Kingi,
PauBsus Humboldti, niloticus, sinicus, pacificus, hystrix,
DohrĂĽi, Germari, Schaumi, Ludekingi.
Als besondres Curiosum verdient die Art, wie Goliathus
albosignatus Boheman, d. h. das im British Museum befind-
liche Exemplar erlegt wurde, Erwähnung — er wurde im
Fluge mit einer Flinte geschossen, wobei sein Stimhom be-
schädigt wurde.
Bei dem gleich nachher (S. 3) erwähnten Goliathus
Fornasinii ist zu berichtigen, daes er nicht wie hier gedruckt
Fornassinii und sein Autor nicht Bertolini, sondern Bertoloni
heisst. Ein Weibchen dieser seltnen Art aus Mozambik be-
sitze ich; lange Zeit exi.'tirte nur im Museo di Bologna ein
(^ davon, meines Erinnerus gegen das aus dem Museum
Turner abgebildete etwas massiver.
Dass es in Westwood'schen Publicationen (Arcana, Ori-
ental Cabinet) nicht an prächtigen Schaustücken fehlt, wissen
die Entomologen; im Interesse der Umrisse ist es vielleicht
ein Vorzug, dass der mir vorliegende Thesaurus keine illumi-
nirten Tafeln hat: die englischen Coloristen gerathen bis-
weilen auf seltsame Abwege — ich kann ein Chalcosoma
Atlas in Donovan's Insects of India aufweisen, dessen Illumi-
nator sämmtliche Regenbogenfarben gemissbraucht hat. Dann
doch lieber wie hier die schwarzen Umrisse!
C. A, Dohrn.
67
Englisclie Notizen
von
^ÂĄ. Koltze.
Unter verschiedenen, mir von einem Freunde aus der
Umgegend von London eingesandten Käfern, fand sieh zu
meiner Ueberraschung auch ein Exemplar des Adelops
Wollastoni. Dieser Umstand veranlasste mich, bei meiner
Anwesenheit in London im vorigen Sommer, weitere Nach-
forschungen nach dem genannten Thiere anzustellen, und es
gelang mir, eine grössere Anzahl desselben aufzufinden. Das
Thier fand sich im Garten meines Freundes unter Laub und
faulenden Yegetabilien, doch immer erst einige Linien unter
der Erdoberfläche, ähnlich wie Anommatus 128triatus, von
dem gleichfalls einige Exemplare vorkamen.
Ueberhaupt scheint die Umgegend von London, wenig-
stens der hier in Frage kommende Theil Hammersmith, nicht
so arm an Insecten, als man bei der dichten Bevölkerung
und der ungeheuren Ausdehnung der Stadt annehmen sollte,
denn es fanden sich noch manche brauchbare Arten, z. B.:
Platyderus ruficollis, Steropus concinnus, madidus, Bradjcellus
verbasci, Homalota umbonata, trinotata, longicornis, niger-
rima, fusca, Cryptophagus acutangulus, distinguendus, hirtulus,
Atoraaria Zetterstedti, apicalis, atricapilla, Ephistemus glo-
bulus, Lathridius nodifer, Oxytelus Eppelsheimi etc.
Auch von Lepidopteren fing und zĂĽchtete mein Freund
manche seltene Art, so besonders die gesuchte Dasypolia
Tempil, welche er aus Eiern gewann. Die $? dieser Eule
ĂĽberwintern und legen erst zum FrĂĽhjahr ihre Eier ab.
FĂĽr die Herren Lepidopterologen, welche diese und an-
dere englische Arten einzutauschen wĂĽnschen, gebe ich hier
die Adresse meines Freundes: G. Hälssen, 38 Brookgreen,
Hammersmith, London.
68
Microlepidopterologisclie Notizen,
von
€i« Briläehke; Hauptlehrer in Danzig.
Seit einigen Jahren nehme ich auf meinen hjmenoptero-
logischen Excursionen auch die Raupen der Microlepidopteren
mit, welche mir zu Gesichte kommen. Die erzogenen Thier-
chen sendete ich an Herrn Professor Zeller mit der Bitte um
gefällige Bestimmung und hatte die doppelte Freude, meine
Sendungen nicht nur mit bekannter Bereitwilligkeit deter-
minirt zurĂĽckzuerhalten, sondern auch aus den beigefĂĽgten
Bemerkungen zu sehen, dass manches Interessante unter den
Thierchen sich befinde, was der Veröffentlichung werth sei.
So entstanden diese Notizen, welche ich, obgleich nicht Le-
pidopterologe, in Nachfolgendem der Oeffentlichkeit ĂĽbergebe.
Lobesia permixtana. Am 21. August 1871 fand icli
bei Oliva in den. Stengelspitzen der Solidago virgaurea eine
Tortrix-Raupe, etwa 8 mm. lang, hellbraungrĂĽn oder braun-
roth, Kopf und erstes Segment oben glänzend braun, dieses
mit hellem Längsstriche in der Mitte. Körper mit einzelnen
Haaren besetzt und auf jedem Segmente jederseits 2 schräg
hinter einander stehende, noch mehr seitlich 2 unter einander
stehende glänzende Wärzchen, auf dem 3. Segmente etwas
anders geordnet. Afterklappe glänzend braun. Zur Ver-
wandlung geht die Raupe in die Erde und spinnt ein läng-
liches Gehäuse. Am 11. April 1872 erschien der Wickler.
Sciaphila virgaureana. Am 29, Mai 1872 waren
im Königsthaler Wäldchen die Gipfelblätter des Sedura tele-
phium und der Solidago virgaurea welk, zusammengesponnen
und theilweise abgebissen; zwischen den Blättern fand ich
eine Raupe, welche jung grĂĽnlichgelb ist, mit schwarzem
Kopfe und Nackenschilde und 2 Querreihen schwarzer Punkte
auf jedem Segmente. Erwachsen ist sie 10 mm. lang, schwarz-
grĂĽn. Kopf rothbraun, Nackenschild und Afterklappe hornig,
schwarz. Körper sparsam behaart, jedes Segment trägt jeder-
seits ein Paar hintereinander stehende weissliche Warzen-
punkte. Zur Verwandlung spinnt sich die Raupe ein. Am
15. Juni erschien der erste Wickler; er ist wohl eigene Art
und nicht blos Varietät von Wahlbomiana.
Grapholitha ServiUana Dup. Im FrĂĽhjahre 1875
brachte mir ein Freund einige Zweigspitzen der Salix daph-
noides vom Seestrande, die mit Beulen besetzt waren. Diese
69
Zweigspitzen waren theilweise ausgefressen und in der hohlen
Markröhre lag in weisslichem Gespinnste eine etwa 4 — 6 mm.
lange, dicke, nackte, hellgrĂĽnlichgelbe Raupe mit dunkel-
braunem Kopfe und ebenso gefärbten Klauen der ßrustfUsse.
Jedes Segment hat jederseits des Rückengefässes 2 hinter
einander liegende, dunklere QuerwĂĽlste und ĂĽber der Fuss-
basis noch einen solchen Fleck. Aus der braunen, dĂĽnn-
schaligen Puppe entwickelte sich schon am 19. April der
erste Wickler.
Cleodora tanacetella Sehr. In den letzten Tagen
des August und später noch fand ich in der Nähe des See-
strandes auf der Westerplatte die Blüthenkörbchen des Ta-
naceturn vulgare zusammengesponnen und in dem Gespinnste
eine grĂĽnlichbraune, dicke Raupe. Ich nahm die zusammen-
gesponnenen Blüthenkörbchen mit, um die Raupen zu er-
ziehen; allein die Zucht missglĂĽckte. Aber in einigen BlĂĽthen
und Fruchtböden entdeckte ich andere, nur 4 mm. lange,
glänzende, ziemlich dicke, hellrothe Räupchen mit herzför-
migem Kopfe. Kopf und Nackenfleck braun, dieser in der
Mitte getheilt. Afteiklappe und Endrand des vorletzten Seg-
mentes ebenfalls braun. Auf jedem Segmente stehen etwa
4 dunklere, kleine Warzenflecke. Die Räupchen spannen sich
Hüllen von weissen Seidenfäden, lebten aber den Winter
hindurch, und wurden erst im FrĂĽhjahre zu hellbraunen
Püppchen, die ich auch in den Fruchtböden fand. Im Juni
erschien die erste Motte; aber auch Raupen waren noch
vorhanden.
Die Raupe der selir ähnlichen Cleodora striatella,
welche auch auf Tanacetum vulgare und Anthemis, und zwar
in den BlĂĽthenstielen leben soll, kenne ich nicht, finde auch
keine Beschreibung derselben.
Schreckensteinia festaliella. Die Raupe ist ganz
grĂĽn und gleicht einer Pterophoren-Raupe, sie hat weder
schwarze Dornen, noch schwarze Seitenpunkte, wie HĂĽhner
sie darstellt. Der Körper ist mit langen, weissen Haaren
besetzt, die aus grünen Wärzchen entspringen. Hier ist diese
Raupe auf Waldhimbeeren sehr häufig und von der grünen
Blattfläche nur bei genauem Hinsehen zu unterscheiden. Die
Blätter erscheinen durch das Abfressen der Epidermis, be-
sonders längs der Blattrippen, weissgestreift.
Gelechia cauligenella Schmd. Die angeschwollenen
Internodien der Silene nutans entdeckte ich zuerst am 23.
Juni lb70 auf einem HĂĽgel bei Ohra und dann auch im
Königsthaler Wäldchen. Am 1. August erschien die Motte.
Die Raupe wird etwa 5 mm. lang, ist grĂĽnlichgrau mit
schwarzbraunem Kopfe und Nackenschilde; dieses hat einen
70
weissen Längßstrich in der Mitte. Jedes Segment hat oben
4 kleine, schwarze Punkte und jederseits ĂĽber den kleinen
Stigmen noch einen. Die 3 ersten und 2 letzten Segmente
haben eine Querreihe solcher Punkte. Ausserdem trägt jedes
Segment einzelne Härchen.
Gelechia sp.? (vielleicht rhombella.) Am 14. Juni
1874 in Oliva an Populus pyramidalis gefunden. Die Raupe
spinnt die Blätter am Rande zusammen und lebt in der da-
durch entstehenden Höhlung. Sie ist hellgrüngelb, mit abge-
setzten Segmenten und langen Borstenhärchen, Rücken
graulich, Kopf jederseits mit einem schwarzen Längsstriche
und einem solchen Punkte vor demselben. Mandibeln braun.
Klauen der BrustlĂĽsse schwarz.
Gelechia? Am 21. Juni 1874 waren in Heiligenbrunn
die Blätter und Blüthen des Sarothamnus scoparius ganz
zerfressen, erstere zusammengezogen, weisswollig und da-
zwischen die Räupchen. 7 mm. lang, hellgelbgrün, öfter in's
Röthliche übergehend, Kopf und Nackenschild schwarz, glän-
zend ; letzterer mit weissem Mittelstriche. BruvStfĂĽsse schwarz,
jedes Segment mit etwa 6 feinen, schwarzen Punkten, welche
Längsreihen bilden. Afterklappe glänzend, hellrothbraun.
Auf jedem Segmente stehen einzelne Härchen. Später machten
die Räupchen ein langes, lockeres Gewebe, theils am Stengel,
theils im Sande. Im Juli erschienen die Motten, die leider
abgeflogen waren, als ich von einem Ferienausfluge zurĂĽck-
kehrte. Im folgenden Jahre misslang die Zucht. Da aber
bei NĂĽrnberg die G. mulinella Z. auch aus Raupen an
Sarothamnus erzogen M'orden ist, so gab ich die Beschreibung
der Raupe, aus der sicft vielleicht ersehen lässt, ob die
Danziger Gelechia mit der NĂĽrnberger identisch ist.
(Fortsetzung folgt.)
)
71
Ueber liypogaeisclie Ameisen,
von
Dr, C Emery in Neapel.
Auszug aus Annali del Museo Civico di Genova.
Seitdem die Entomologen begonnen haben, ihre Aufmerk-
samkeit nicht mehr ausschliesslich den an der freien Luft
lebenden Insecten zu schenken, sondern, durch die Hoffnung
einer erwĂĽnschten nova species angeregt, nach und nach
die entlegensten Schlupfwinkel fleissig zu untersuchen, hat
sich das Gebiet entomologischer Forschung ausserordentlich
erweitert : es wurden zunächst die Höhlen sorgfältig durch-
mustert; dann die engen, unter schweren Felsen gebliebenen
Spalten; ja sogar aus den Poren der Erde wurden die Thiere
mit grosser MĂĽhe herausgelockt, und so gelang es, die uner-
wartetsten Typen nach einander zum Vorschein zu bringen.
Ein ganzes Heer neuer Formen hatten wir endlich vor uns;
sonderbar gestaltete, meist blinde Zwerge, etwa ĂĽeberbleibsel
erloschener Gattungen, welche von kräftigeren Arten ver-
drängt, im Schooss der Erde ihre Zuflucht gefunden hatten
und daselbst durch Anpassung an neue Lebensverhältnisse
sich mannigfaltig modificirten.
Obsclion die meisten bekannt gewordenen hypogseischen
Insecten den Coleopteren angehören, fehlt es doch nicht an
derart lebenden Arten anderer Ordnungen. Unter den Hy-
menopteren vertreten die Ameisen allein die unterirdische
Fauna.*) Die gelben Lasius waren schon Linn6 bekannt;
*) In Europa sind bis jetzt 16 unterirdisch lebende Ameisen
bekannt :
Lasius flavusL., umbratus Nyl., mixtusNyl., affinis
Schenk und incisus Schenk.
Ponera ochracea Mayr.
Stigmatomma denticulatum Rog. und impressifrons
Emery.
Typlilopone europeea Rog. und oraniensis Luc. (nach
Dours).
Leptanilla Revelierei Emery.
Solenopsis fugax Latr. und orbula n. sp,
Strumigenys membranifera Emery.
Epitritus Argiolus Emery und Baudueri n. sp.
Andere Ameisen, wie Ponera contracta u. punctatissima,
Myrraecina Latreillei, leben zwar unter Steinen und faulem Laub
verboi'gen, doch gehören sie nicht unter die echten Hypogeeer.
72
es wurden dann nach und nach von Latreille und Anderen
Solenopsis fugax und manche blinde Exoten besehrieben;
Roger aber lenkte zuerst die Aufmerksamkeit auf die in
Europa verborgen lebenden Ameisen, indem er Typhlopone
europfea und die neue Gattung Stigmatomma beschrieb;
ich selbst war so glĂĽcklich, ein zweites Stigmatomma zu
finden und den ersten europäischen Cryp toceriden zu ver-
öffentlichen; es wurden mir dann später von verschiedenen
Seiten mehrere Arten zugeschickt, wovon hier zwei neu be-
schrieben werden, und andere näher bekannt gemacht.
Alle hier erwähnten Ameisen bleiben fortwährend in
ihren unterirdischen Räumen verborgen und erscheinen ge-
wöhnlich nicht am Tageslichte, ausgenommen wenn sie die
geflĂĽgelten ^ und $ zum Hochzeitsflug hinausbegleiten; ihre
Lebensweise ist meist durchaus wenig bekannt, und werde
ich das wenige festgestellte kurz erv^ ahnen.
Die gelben Lasius wurden von P. Huber studirt und
in seinem klassischen Buche geschildert; Näheres darüber
schreibt auch A. Forel (Fourmis de la Suisse; von der
Schweizerischen Naturforscher -Gesellschaft gekrönte Preis-
schrift; ZĂĽrich 1874.)
ĂĽeber Solenopsis fugax liegen uns ausgezeichnete
Beobachtungen von meinem Freunde A. Forel (Mittheilungen
der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft III. No. 3.
1869) vor (vergl. auch Fourmis de la Suisse): diese winzig
kleine Ameise lebt gewöhnlich in der Nähe des Nestes einer
anderen grösseren Ameisen- Art; ja sie gräbt ihre schmalen
Gänge in der Dicke der Wandungen, welche die Gänge und
Kammern des Nestes von einander trennen, ungefähr wie die
Mäuse in den Mauern unserer Wohnungen ihre Löcher gra-
ben. Die Solenopsis cultivirt äusserst kleine Aphiden auf
Graswurzeln; doch hält es Forel für wahrscheinlich, dass
dieselbe in die Hohlräume des benachbarten fremden Nestes
manchmal penetrirt, um dort Larven und Puppen zu ver-
zehren.
Ueber andere unterirdische Myrmiciden wissen wir gar
Weniges: Leptanilla wurde unter grossen Steinen von A.
Reveliere in Corsica getroffen; die Cryptoceriden sind bis jetzt
nur einzeln vorgekommen, und es scheint, dass sie schmale
und lange Gänge in der Erde graben, welche sehr schwer
zu finden sind.
Ebensowenig kennen wir das Leben der Poneriden. Die
echten Ponera scheinen nicht ausschliesslich hypogseisch zu
leben; P. punctatissima ist selbst an sonnigen Stellen unter
Steinen zu Hause; P, contracta zieht schattige und feuchte
Wälder vor; nur P. ochracea ist wohl eine entschieden
73
unterirdische Art. Stigmatomma traf ich einmal in Mehr-
zahl unter einem grossen Stein ; die Thiere schlĂĽpften sogleich
in ihre Gänge hinein und entzogen sich einer weiteren Beob-
achtung; am folgenden Tage war kein einziges mehr zu
treffen.
Ein vollkommen unterirdisches Leben sollen die Typhlo-
pone- Arten, den Termiten ähnlich führen; diese Ameisen
haben aber fĂĽr uns ein weiteres Interesse wegen der noch
ganz unaufgelösten Doryliden-Frage: Welche sind die (^ und
$ von Typhlopone und Anomma? Welche die ^ und $
von Dorylus? Was ist Dichthadia? Ich weise den Leser
auf den bereits in dieser Zeitschrift erschienenen Aufsatz von
Dr. Gerstäcker, welcher die Frage, soweit das vorhandene
Material ausreicht, erschöpfend behandelt.
Unter den Ameisen giebt es aber auch blinde Arten, die
keine Hypogeeer sind, nämlich die afrikanischen Anomma
und wahrscheinlich Typhlatta, sowie die blinden Eciton
(die Eciton -Arten scheinen ĂĽberhaupt sehr unvollkommene
und wohl wenig brauchbare Augen zu haben); es ist also
nicht gerathen, bei den Ameisen von der Blindheit sofort auf
eine unterirdische Lebensweise zu schliessen. Das mexica-
nische Eciton hamatum, welches kaum sichtbare einfache
Augen besitzt, lebt (nach Belt: the Naturalist in Nicaragua
Lond. 1874) ganz in der Luft; die Arbeiter hängen sich wie
ein Bienenschwarm an einem Ast auf, und in dieser lebenden
Masse, welche inwendig ausgehöhlt ist, erziehen sie die Lar-
ven und Puppen.
Unsere Kenntnisse über die Troglodyten -Völkchen der
unterirdischen Ameisen sind also noch äusserst mangelhaft;
ja wahrscheinlich sind uns selbst die meisten europäischen
Arten noch ganz unbekannt; melirere sind bis jetzt nur ein-
zeln aufgefunden worden, und da es gewöhnlich beim Suchen
blinder Käfer geschah, so habe ich die Arten, die ich nicht
selbst fand, grösstentheils von befreundeten Coleopterologen
bekommen. Es sei mir erlaubt, hier die Bitte an die Herren
Collegen zu richten, welche südliche Länder entomologisch
untersuchen werden, gelegentlich auch manche Ameise fĂĽr
mich aufzubewahren*), und besonders die unterirdisch lebenden
oft seltsam gestalteten Species zu beachten.
*) Gegen exotische und seltenere europäische Ameisen biete ich
gerne im Tausch andere Ameisen oder gute italienische Coleopteren.
74
Beschreibung neuer oder minder bekannter
unterirdischer Ameisen.
Stigmatomma Rog.
S. denticulatum, von Roger nach einem Exemplar
beschrieben, welchem der Hinterleib fehlte, ist auch bei Neapel
zu Hause, wo mein Bruder drei StĂĽck sammelte 5 es seien
hier die wesentlichsten Charaktere erwähnt, wodurch sich
diese Art von meinem S. impressifrons unterscheidet.
S. denticulatum Rog. (B. E. Z. 1859, p. 251).
(^. Testaceum, pedibus pallidioribus, nitidum, parce pilo-
sum, capite opaco, subtiliter coriaceo, postice emarginato, an-
gulis posticis distinctis, anticis denticulo parum
conspicuo instructis, fronte vix obsolete impressa, clypeo
denticulis insequalibus, 3-4 mediis minoribus, approximatis,
mandibulis crassioribus, thorace crebre subtiliter, petiolo
abdomineque parcius subtilissime punctatis nitidis. Long.
4 — 4.5 mm.
S. impressifrons Emery (Enumerazione ec. Annali Accad.
Aspirant, Naturalisti 1869, p. 13).
^. Fusco testaceum seu fuecum, abdomine pedibusque
pallidioribus nitidis, capite obscuriore, opaco, minus subtiliter
coriaceo, postice leviter emarginato, angulis posticis ro-
tundatis, anticis Spina brevi armatis, fronte distinctius
longitudinaliter impressa, clypeo denticulis subsequalibus, man-
dibulis angustioribus, thorace fortius punctato, parum nitido,
abdomine subtiliter punctato, nitido. Long. 6.5 — 7 mm.
Ein Exemplar aus Sicilien zeichnet sich aus durch seine
bedeutendere Grösse (7.5 mm.), breiteren Kopf und weniger
dicht punktirten Thorax.
Leptanilla Revelierei Emery (Bull. Soc. Ent. Ital. 1870,
p. 196).
Durch eine genauere Untersuchung dieser sonderbaren
Ameise habe ich mich ĂĽberzeugt, dass dieselbe nichr unter
die Doryliden, sondern unter die Myrmiciden im System ge-
stellt werden muss; die nächstverwandten Gattungen sind
Stenamma und Liomyrmex.
Solenopsis orbula n. sp.
^. Pallide flava, nitida, pilis erectis eubtilibus conspersa,
capite elongato, lateribus subparallelo, postice leviter emar-
ginato, oculis obsoletis, vix conspicuis, simplicibus. Long.
1.3— 1.5 mm.
S. fugaci simiilima, at capite elongato et oculis obsoletis
distinguenda.
75
Unter allen So lenopsis- Arten durch den schmalen,
parallelen Kopf ausgezeichnet, wodurch sie der LeptaniUa
Revelierei ähnlich aussieht; die Augen sind einfach, mit
einer starken Lupe kaum sichtbar.
In Corsica vom Arachnologen E. Simon gesammelt (Mu-
seum von Troyes); ich verdanke diese Art Herrn J. Ray,
Gustos an obigem Museum.
Epitritus Emery.
$. Caput subcordatum, clypeus postice inter antenna-
rum articulationes productus; mandibulse figura variabili;
labrum acuminatum, convexum, inter mandibulas rostri instar
porrectum maxillas et linguam obtegens; palpi maxillares et
labiales uniarticulati; fovese antennales ad latera capitis; la-
minse frontales flexuosse; oculi minuti inferi; antennse quadri-
articulatse, scapo brevi, articulo flagelli ultimo permagno;
thorax dorso vix impressus, metanoto bidentato; abdomen
basi longitudinaliter striatum; pedes posteriores absque calcari-
bus; unguiculi simplices.
$. Operarise similis exceptis notis sexualibus; thorax
pronoto magno, antice utrinque in humeros obtusos producto.
Sehr charakteristisch fĂĽr diese Gattung ist die Gestalt
der Oberlippe*}, bis jetzt unter den Ameisen ohne Analogon.
Dieses Organ bildet zwischen den Mandibeln einen Vorsprung,
der aber in eine tiefer gelegene Ebene zu liegen kommt,
so dass es bei geschlossenen Kiefern von deren innerem Rande
bedeckt wird. Die kleinen und weichen Maxillen und Unter-
lippe sammt ihren eingliedrigen Tastern liegen unter der
Oberlippe, von diesen bedeckt.
E. Argiolus Emery (Bull. Ent. Ital. J. 1869, p. 136).
5. Testaceus, subopacus, abdomine nitido, capite subtiliter
reticulato, pilis clavatis, squamiformibus tubercula albida
mentientibus consperso, mandibulis angustis, subrectis, apice de-
flexis, basi distantibus, margine interno denticulis 7 — 8 acutis
insequalibus armatis, quorum ante apicem unus in spinam lon-
giorum productus, thorace subtilissime reticulato, metanoto
bidentato; labrum et antennee desunt; ne petiolus et abdomen
quidem exactius describi potuerunt. Long, circiter l.g mm.
Haliday fand bei Lucca ein einziges $, worauf er die
neue Gattung begrĂĽndete; vor zwei Jahren fand ich unter
*) In meiner ersten Beschreibung (Bull. Ent. Ital. I. 1869 p. 136)
wurde irrthĂĽmlicher Weise der zwibchen den Mandibeln bemerkbare
Vorsprung den Maxillen zugeschrieben, ein wohl zu vergebender Irr-
thum, wenn man bedenkt, dass mir damals nur ein einziges, und
zwar fremdes Exemplar vorlag, welches ich zur Untersuchung der
Mundtheile nicht aufopfern durfte.
76
einem Stein im botanisclien Garten von Neapel einen todten
und verstĂĽmmelten 5, der zum Gegenstand dieser Beschrei-
bung wurde.
E. Baudueri n. ep.
$, Testaceus, opacus, nodo petioli secundo abdomineque
nitidis. Capite subcordiformi, antice valde producto, con-
fertim subtiliter reticulato, pilis erectis filiformibus et aliis
clavatis consperso, clypeo magno, mandibularum basin obte-
gente, subtilissime reticulato et pilis squamiformibus densius
consperso, mandibulis productis, subcontiguis, apicem versus
sensim attenuatis, margine interno subrecto, apice deflexo,
acutissime subtiliter 12 — 14 - denticulato, antennarum scapo
pilis clavatis arcuatis instructo, flagello elongato, articulo
ultimo prsecedente circiter sesqui longiore, preecedentibus
duobus subsequali. Thorace subopaco, subtilissime reticulato,
postice utrinque marginato, pilis erectis filiformibus parce
consperso, metanoto dentibus acutis, infra in carinas membra-
naceas productis, nodo petioli primo infra, secundo infra et
postice membrana scariosa subreticulata instructo, abdomine
nitido, basi striis longitudinalibus sulcato, pilis erectis con-
sperso. Long, l.g — 2 mm.
Var, Capite »etulis subtilioribus, apice vix crassioribus
consperso.
Diese ausgezeichnete Art ist bei Sos in SĂĽdfrankreich
von Herrn Bauduer entdeckt worden, dem ich dieselbe dan-
kend dedicire.
Zur leichteren Unterscheidung der drei bis jetzt bekannten
europäischen Cryptoceriden genügt ein Blick auf die folgenden
Abbildungen:
1 2 3
Strumigenys
membranifera.
Epitritus" Baud ueri.
Epitritus argiolus.
77
Exotisches
von
€. A. Dolirii.
(Fortsetzung der Liberiana S. 451 des vor. Jahrgangs.)
Lamellicornia.
Ausser dem bereits (Jahrg. 1875 S. 291) besprochnen
Cladognathus quadridens Hope ist bisher kein andrer
Lucanide gekommen.
Ueber die eingegangnen Copiophagen hat Freiherr
V. Harold (ebenda S. 452) berichtet. Nachträglich ist zu
bemerken, dass mit der letzten Sendung ausser 2 kleinen,
noch unbestimmten Arten Onthophagus und einem Bolboceras
noch ein $ von Copris carmelita F., und was jedenfalls noch
interessanter ist, ein zweites (leider nicht tadelfreies) Exem-
plar des S. 454 ibid. beschriebnen Pinacotarsus eintraf.
Es ist, wie billig, in den Besitz des Herrn Autors der
Species ĂĽbergegangen.
Meine (Ă–. :i94 ibid.) verlautbarte Hofifnung, von befreun-
deten, mit den Lamellicornien besser als ich vertrauten Col-
legen ĂĽber die mir unbekannten Monrovianer Arten aufge-
klärt zu werden, ist nur zum Theile in dankenswerthe Er-
fĂĽllung gegangen, vielleicht weil die Species neu, vielleicht
weil sie nicht erkennbar genug beschrieben sind. Ich gebe
nachstehend das bisherige Resultat.
Anachalcos (Chalconotus) cupreus F.
Mehrere Arten Trochalus und Serica; nur eine davon
als S. quadrilineata F. bestimmt.
Apogonia cupreicollis Blauch.
Schizonycha cervina Reiche (vicina Blanch.).
Schizonycha, von einer Seite als crenata Gyll., von
andrer als africana Gast, determinirt; vielleicht fallen beide
Arten zusammen; die Species muss ziemlich häufig sein, da
sie in reicher Zahl gekommen ist.
Schizonycha sp.
Anomala n. sp. secundum Dr. Ca nd^ze, welcher dazu
bemerkt „tr^s voisine de vetula". Das halte ich zunächst
fĂĽr richtiger, als die von andrer Seite erfolgte Bezeichnung
An. plebeja Oliv. = mixta F.
78
Von letzterer Art besitze ich ein StĂĽck mit Erichson^s
handschriftlicher Bezeichnung „mixta F." vom Senegal ; ein
ebenso benanntes StĂĽck aus Chartum verdanke ich SufFrian;
das letztere erreicht vollkommen die Länge und Breite mittel-
grosser ostindischer An. elata, und beide StĂĽcke passen
durchaus zu Burmeister's Beschreibung Handb. 4. I. p. 234.
Die Anomala aus Monrovia ist aber nicht wie plebeja 9—10,
sondern nur ö^la— ^ l>n- lang, und die mir vorliegenden 4
Exemplare haben die gleichmässig deutlichste Punktstreifung
der FlĂĽgeldecken, wie sie plebeja in diesem Maasse auch
nicht besitzt; der Name plebeja ist daher entschieden abzu-
lehnen.
Was nun An. vetula Wiedem. anlangt, so möclite ich
zuerst beiläufig bemerken, dass sich das Synonymon flavi-
ceps Illig. im MĂĽnchner Cataloge wahrscheinlich auf Bur-
mei«ter 1. c. p. 238 stützt, m'O es hinter An. nitens Burm.
steht, die zu vetula gezogen wird. Ich vermuthe aber, dass
sich Burm. im Text verschrieben und flavipes gemeint hat,
wie er es auch im alphab. Register angiebt. Denn ich be-
sitze die fragliche Art aus dem Mus. Halle (wo Burmeister
die Melolonthiden selber geordnet hat) mit der Benennung
An. flavipes Illig.
Wenn aber Dr. Cand^ze mit seinem „tres voisine de
vetula" Recht hätte, so könnte nitens nicht als Synonym
dazu gehören, denn nitens hat einfache Vorder- und Mittel-
Krallen, während die Monrovianer Art deutlich die stärkere
äussere Vorder- und Mittelkralie gespalten zeigt. Ich muss
bemerken, dass der Ausdruck „stärkere" sich nur auf die
andre Kralle derselben Tarse bezieht; im Vergleiche gegen
die Krallen von An. flavipes (nitens) sind die der Monrovianer
Art um das Doppelte kĂĽrzer und zierlicher.
Vergleiche ich aber mit den mir vorliegenden 5 Exem-
plaren von An. flavipes (nitens) vom Cap Wiedemann's Be-
schreibung von Melolontha vetula (Germ. Magaz. IV. S. 133),
so finde ich ausser den 2 Innern Makeln am Prothorax, welche
meinen Exemplaren fehlen, während die 2 äussern wahr-
nehmbar sind, alle ĂĽbrigen Merkmale so zutrefl^end, dass ich
gar nicht bezweifle, Wiedemann's Name als der ältest be-
schriebne müfse eintreten. Darin hätte also der Münchner
Catalog vollkommen Recht. Dann aber geht D. Cand^ze's
„voisine de vetula" ebenfalls in die Brüche, denn die Mon-
rovia sp. kann mit ihren gespaltnen Krallen nicht in die
Section Hoplopus (Anisonchus), wo alle Anomala einfache
Krallen haben. Es wird demnach nichts ĂĽbrig bleiben, als
sie zu diagnosiren.
79
Anomala discordabilis. Nigra, nitida, thoracis, ely-
trorum striatoruQ) et pygidii marginibus, femoribus et pagina
inferiore pallide flavis. Long 14 — 15 mill. Lat. 5 — 6 mill.
Den bereits angegebnen Merkmalen habe ich noch bei-
zufĂĽgen, dass der Rand des halbkreisrunden, fein quergerun-
zelten Clypeus scharf aufgeworfen ist, dass die Vorderseite
des Kopfes etwas stärkere Punkte zeigt, die Hinterseite aber
und der Thorax schwächere. Manche der Punkte, welche
die Streifen der Elytra bilden, zeigen sich unter der Lupe
geneigt, links und rechts feine Querrunzeln zu bilden; die
helle Umrandung der FlĂĽgeldecken beginnt erst hinter der
schwarz glänzenden Schulterecke. Da meine Exemplare
Monate lang in Spiritus gelegen haben, so bin ich nicht
sicher, ob das pallide flavum der Diagnose nicht in der Natur
ein albidum oder weissgelb gewesen ist. Der braunschwarze
Triangel auf dem breit hellbordirten Pygidium ist zwar auf
allen Exemplaren deutlich, aber nirgend scharf limitirt.
Das grössere und massivere der vier Exemplare halte
ich wegen des aufgetriebnen Abdomen fĂĽr $, sehe aber sonst
keine Differenz in FĂĽhlern oder Beinen. Doch muss ich noch
bemerken, dass im Vergleich zu dem nahe dem Apex der
Vorderschienen stehenden zweiten Dorne bei An. nitens
(vetula) hier bei An. discordabilis der zweite Dorn deutlich
höher hinauf gerückt steht. Darüber ist sogar noch ein,
allerdings äusserst subtiler Ansatz zu einem dritten ange-
deutet.
Anomala circumcincta Hope.
Anomala emortualis Blancb.
Anomala einerseits fĂĽr pallida F. Burm., andrerseits fĂĽr
mutans Blanch. erklärt, in grösserer Zahl vorhanden. Da
Burmeister den Typus von pallida in der Banks-Sammlung
gesehen hat, so finde ich seine Beschreibung (Handb. 4. I.
p. 235) der var. b. auf die vorliegenden Exemplare ganz
zutreff"end. Besonders gut passt dazu in F. Ent. syst. L p, 163
das: Elytra substriata, pallidiora, sutura in primis ad scu-
tellum nigra.
Anomala nigrosulcata Cand.
Popillia lucidipennis Cand. Neben etwa 100 grĂĽn'
glänzend gleichgefärbten Exemplaren ein einziges roth-
kupfriges.
Popillia bitacta Cand. (ined).
Popillia n. sp.
F. callipyga Dhn. Inter majores, magnitudine Pop.
rufipedis. Pagina superior capitis, thoracis octanguli et ely-
trorum viridis, modice nitens; pagina inferior obecure rufe-
80
brunnea, nitidior, setis pilisque adpressis albidoflavis insignita,
excepta media parte abdominis et metasterni, exceptis tibiis
tarsisque, et parte dimidia pygidii et femorum. Antennarum
et palporum articuli basales rufi, cseteri nigri.
Long. 17—18 mill. Lat. 9 mill.
Als Popillia ein auffallendes und interessantes Thier:
obschon es in der Grösse und Breite mit P. rufipes überein-
stimmt, weicht es doch habituell von dieser Art und von
allen mir de visu bekannten ab durch die Feinheit der
Punktirung und durch das Fehlen von Strieen; man kann
nur durch die Lupe Ansätze zu Längsstreifen wahrnehmen,
und von Furchen, wie bei fast allen Popillien, ist gar nicht
die Rede. Auch hat keine mir bekannte Art ein so markirt
achtkantiges Halsschild, da dessen Seitenränder zwischen
Kopf und Schultern in deutliche t]cken ausgezogen sind.
Der Kopf, dessen Clypeus mit kurzem aufgeworfnem
. schwarzem Rande, und die Vorderecken des Thorax mit
feiner aber bestimmter Punktirung: sie ist undeutlicher und
schwächer auf dem Reste des Thorax, dem verhältnissmässig
grossen herzförmigen Schildchen, und dem Discus der Flügel-
decken, deren Ränder wieder stärkere Punkte zeigen. Thorax
und Elytra sind von einem feinen schwarzen Seitenrande
umsäumt, der am Apex der Decken etwas breiter und bräun-
lich wird.
Besonders charakteristisch zeichnet sich das Pygidium
dadurch aus, dass, anstatt der bei den meisten Popillien vor-
handnen zwei HaarbĂĽschel, hier quer ĂĽber die ganze obere
Hälfte eine parallele ununterbrochne Binde enganschliessender
weissgelber Börstchen einen Gürtel bildet.
P. callipyga gehört zu den ächten P. mit starkem Me-
sosternalfortsatz. Wenn Burraeister (Handb. 4. L p. 303)
darüber zweifelhaft ist, ob die ö^ seiner africanischen Section
^die grössere Kralle der Mittelfüsse getheilt haben?'-' so glaube
ich das bejahen zu können. Denn von den beiden mir vor-
liegenden Exemplaren halte ich das kleinere mit etwas län-
geren Fühlerblättchen für ein (^.
Von EindrĂĽcken neben der Spitze des Schildchens (Burm.
1. c. p. 296) keine Spur.
Adoretus n. sp. Dem rugulosus Burm. nahe verwandt.
Heteronychuö Claudius Klug und eine ihm zunächst
stehende, etwas kleinere neue Art, deren Beschreibung vor-
behalten bleibt.
Oryctes vergl. Jahrg. 1875, S. 295.
Cyphonistes n. sp.
C. Burmeister i Dhn. Fusco-niger, subnitidus, pectore
fulvo hirto.
81
Mas,: Cornu capitis lato, furcato, pronoti cornu co-
nieo apice biĂźdo, fovea punctiformi iuter hoc
cornu et scutellum, elytris leviter striatis sub-
tilissime punetatis. Long. 25 mill. Lat. 16 mill.
Femina? Verlice binodoso, pronoto coDvexo antice ex-
cavalo, impressione lineari, duobus munita
tuberculis exiguis longitudinaliter sulcato,
eljtris evidenter striatis et sat fortiter pun-
etatis. Long. 21 mill. Lat. 13 mill.
Wenn man diese Diagnosen mit denen vergleicht, welche
uns Meister Burmeister, dem ich die vorliegende Art dedicire,'
von (^ ? des Cyph. vallatus Wiedem. (Handbuch V, p. 213)
gegeben hat, so wird man leicht eine gewisse Aehnlichkeit
beider Arten, aber auch ihre unzweifelhafte Divergenz er-
kennen.
An den ausserdem noch beschriebnen C, corniculatus
ist nicht zu denken, dessen (^ (?) weder auf dem Kopfe,
noch auf dem Halsschilde bewaffnet ist.
Das Kopfhorn des C. Burmeisteri, verglichen mit dem
des vallatus, (von welchem ich 3 Pärchen vor mir habe, die
ich vor Jahren aus einer grössern Zahl direct von Natal
erhaltner heraussuchte), ist, wenn auch nicht höher, doch
doppelt so massiv, und statt des zweizackigen flachen Höckers
auf dem Thorax des vallatus zeigt Burmeisteri ein kegelför-
miges Hörn von gedrungner Form, das sich nach dem Kopfe
etwas ĂĽberneigt und mit gespaltner Spitze endet. Ausser
dem in der Diagnose angegebnen starken Punkt oder GrĂĽb-
chen zwischen diesem Hörn und dem Schildchen bemerke
ich noch etwas mehr nach vorn auf jeder Seite des Thorax
einen schwachen Eindruck, der mir aber nicht so streng
symmetrisch dünkt, dass ich ihn für beständig halten möchte.
Bei dem Pronotum habe ich noch zu bemerken, dass bei
vallatus (^ die vordere Hälfte vom Höcker bis nach dem
Kopfe eine breite Vertiefung zeigt, die bei dem (^ von Bur-
meisteri fehlt, oder doch nur schwach merkbar ist. Nun
findet sich aber diese Vertiefung zwischen den beiden Knöpf-
chen der eingedrĂĽckten Mittellinie und dem Kopfe der $
Burmeisteri, während sie bei der $ von vallatus fehlt.
Deshalb, und weil im Gegensatze zu dem fast glatten,
unbedeutend gestreiften und höchst fein punktirten t^ von
Burmeisteri die $ auf den FlĂĽgeldecken deutliche Streifen
und derbe Punktirung hat, habe ich sie nur mit ? als zu
diesem ^ gehörig bezeichnet, obwohl ich sie vorläufig dafür
halte, weil sie auf jeden Fall nach der Analogie der $ von
vallatus zu einem Cyphonistes gehört. Wie die angegebnen
Maas.^e zeigen, steht sie freilich etwas zurĂĽck gegen den
82
Recken von o, aber das ist bei Dynasliden nichts Auf-
fallendes, und kann individuell sein. Dies diem docebit. Da
der Finder noch an demselben Platze verweilt, so glĂĽckt es
ihm vielleicht, ausser diesem bisher einzigen Paare noch mehr
Exemplare zu erbeuten.
Archen Centaurus F. in Exemplaren ausgebildelster
Form und auch in verkĂĽmmerten, bei denen das Kopfhorn
auf eine und das Halsschildhorn auf zwei Linien Länge re-
ducirt ist. Die Weibchen sind in ĂĽberwiegender Mehrzahl
gekommen, es finden sich darunter jedoch nur zwei, welche
sich durch besondre Kleinheit auszeichnen, aber keine Spur
von VerkĂĽmmerung exhibiren.
Phileurus liberianus Dhn. (im vor. Jahrg. S. 294).
Ceratorhina torquata Drury, eine Femina, denn das
Diminutiv Weibchen wĂĽrde fĂĽr diese colossale Virago nicht
sonderlich passen.
Gerat, guttata Oliv.
Asthenorhina Turner i Westw. Ich habe verjähren
ein Exemplar in London aus unterrichteter Hand gekauft,
und da dasselbe mit Beschreibung und Abbildung in Westw.
Arcana II, p. 72 gut harmonirt, fĂĽr das <^ gehalten. Nun
liegt mir ein Exemplar aus Monrovia vor, welches allerdings
in der Farbe nicht ganz stimmt, denn der Thorax ist eher
braungrĂĽn, und die Elytra sind gelbbraun fast ohne grĂĽne
Zeichnung — aber das kann leicht die Wirkung des Trans-
ports in Spiritus sein. In der Form bemerke ich nichts Ab-
weichendes, ausser dass der Winkel des Thoraxrandes bei
dem altern Exemplar (wie in der Abbildung) etwas schärfer,
in dem MonroviastĂĽck etwas abgerundeter ist. Dann aber
zeigt das letztere an der Innenseite der Vorderschenkel
(nicht Schienen) zwei sehr kleine, jedoch mit blossem Auge
wahrnehmbare Zälinchen, und diese fehlen bei dem London-
Exemplar wie bei der Westwood'schen Abbildung, werden
auch in seiner Beschreibung nicht erwähnt. Da ich mir nun
denke, dass diese Zähnchen vermuthlich bei der Copula zum
Halt dienen, so wĂĽrde ich daraus folgern, dass Westwood
nicht, wie er glaubt, das Männchen, sondern das Weib-
chen beschrieben hat. Tibise antiese intus inermes wären
demnach beiden Geschlechtern gemeinsam, aber bei dem
Mas mĂĽsste es heissen: Femora antica crassiora (sie sind um
gut i|3 dicker als die des Londoner Exemplars) apice bi-
dentata, subtus denticulis duobus munita. Wenn man sich den
Schenkel in drei Theile denkt, liegen die beiden Zähnchen
an des mittlem Drittels Anfang und Ende,
T m e f 0 )• h i n a Iris F.
83
Chordodera pentachordia Klug.
Mir liegt von dieser Art ein Pärchen vor, und das nö-
thigt mich zu einigen Bemerkungen. Keine Frage, dass Bur-
meisler Recht hat, wenn er (Handb. III, S. 203) zu der Ab-
bildung von Klug's Beschreibung auf Tafel 15, fig. 9 (Erman
Atlas) anmerkt, dass die Vorderschienen statt der gezeich-
neten zwei Zähne hätten deren drei haben sollen; allerdings
ist der dritte, obere, etwas kleiner.*)
Es scheint, dass von der vorliegenden Art die Männchen
zu den grossen Raritäten gezählt werden müssen, denn Klug
spricht gar nicht ĂĽber Ge&chlechtsverschiedenheit, seine Ab-
bildung zeigt aber deutlich ein -?, Burmeister hat (1. c.)
auch nur $ in Hope's Sammlung (jetzt im Museum zu Oxford)
gesehen.
Das mir vorliegende o zeigt nun mancherlei Abwei-
chungen von dem mit den Beschreibungen von Klug und
Burmeister fast vollkommen harmonirenden $.
Gegen das 21 millim. messende Weibchen ist es etwas
kleiner, 19 millim. Die weissgelben Linearzeichnungen auf
dem Pronotum scheinen variabel, vielleicht durch Regen oder
andre EinflĂĽsse verwischbar zu sein. Weder die Klug'sche
Fassung der Diagnose, noch die Burmeister'sche in Beziehung
auf diesen Punkt erscheinen mir ausreichend deutlich, Ch,
pentachordia hat, wie Ch. quinquelineata, eine Mittellinie und
zwei ganze Randlinien, dazwischen noch 2 ganze Linien,
welche der Mittellinie etwas näher stehen. Jede Randlinie
spaltet sich aber in eine gleichfarbige Schlinge, welche ziem-
lich nahe am Apex (1 millim.) beginnt, sich gegen die
Zwischenlinie ausbaucht, und in die Randlinie wieder (unge-
fähr 2 millim. vor der Basis) einlenkt.
Das (^ zeigt mitten in dieser Schlinge noch eine kurze
Linie, welche auf jeder Randlinie perpendicular steht; bei
dem ? fehlt sie.
Die gelbe Mittellinie des Pronotum setzt sich auf dem
Scutellum des $ (d. h. auf dem mir vorliegenden Exemplare
— Burmeister erwähnt niclits davon) bis über die Hälfte
desselben fort. Bei dem r^ ist von dieser Linie auf dem
Schildchen nur durch die Lupe eine schwache Spur wahr-
nehmbar.
Dagegen haben (^ und $ zwischen Randlinie und Zwi-
schenlinie des Thorax eine mit der Basis des letztern parallele
gelbe Verbindungslinie; von dieser sprechen beide genannte
•') Auch die Mittellinie an der Basis des Schildchens, deren Klug
in der Beschreibung erwähnt, hat der Zeichner auf der Tafel nicht
angedeutet.
6
84
Autoren gar nicht. Offenbar sind das unerhebliche Zeiclinungs-
varietäten.
Was aber sehr wesentlich ins Gewicht fallen dĂĽrfte, ist
die Differenz in der Kopfbewaffnung zwischen den vorliegenden
(S und $. Denn wenn Burmeister in der Charakteristik der
Gattung Chordodera 1. c. sagt:
Der Kopf ist ganz wie bei Coryphocera gebildet,
aber der vom Scheitel ausgehende Stachel ist schmäler,
spitziger, kleiner. Diese Eigenschaften kommen bei-
den Geschlechtern zu —
so muss ich dem positiv widersprechen, d. h. was Ch. pen-
tachordia betrifft, denn von Ch. quinquelineata F. habe ich
kein ö^, während Burmeister 1. c. angiebt, er habe in Sommer's
Sammlung ein t^ gesehen.
Das mir vorliegende (^ aus Monrovia hat erstens den
bei dem ? nur unerheblich aufgebognen, in zwei feine Spitz-
chen gespaltnen Vorderrand des Ciypeus in einer stärker,
fast eine Linie hoch sich erhebenden Verlängerung, deren mit
ihrer Basis fast gleichbreiter Apex in zwei stumpfere Ecken
verläuft (man sieht die erhebliche Differenz zwischen Beiden
ganz deutlich von vorn und unten) — zweitens aber zeigt
sich an Stelle des „vom Scheitel ausgehenden, schmalen,
spitzigen, kleinen Stachels" (notabene bei dem ?) bei dem 'S'
eine schmale Wulst, welche zwar etwas kĂĽrzer ist, aber
nicht wie jener Stachel sich verjĂĽngend in eine Spitze endigt,
sondern eher nach vorn zu sich verbreitert. Während der
Ciypeus der $ mattschwarz, grob punktirt und kaum behaart
ist, zeigt sich die gedachte Wulst des ö^ polirt schwarz, und
der ganze Rest des Ciypeus ist so dicht mit gelben Börstcheu
besetzt, dass man nur aus den Rändern auf eine grobe Punk-
tirung vermulhen kann.
Noch verdient Erwähnung, dass der Vorderrand des
Ciypeus, von vorn und unten gesehen, bei dem $ deutlich,
wenn auch nicht so grob wie die Oberseite, punktirt ist.
Diese Punktirung fehlt bei dem (^ ; kaum dass die Lupe feine
Nadelrisse verräth.
Aus dem Vorstehenden ergiebt sich, dass die Kopfbildung
von Ch. pentachordia viel Analoges mit der von Heterorh.
flavomaculata F. hat, nur in feineren Proportionen.
Heterorhina africana Drury,
Gametis sequinoctialis Oliv.
^ sanguinolenta Oliv.
Cetonia (Pachnoda) marginata Drury, scheint unsrer
Cet. aurata in der Gemeinheit vollkommen
ebenbĂĽrtig zu sein.
y^ tridentata Oliv.
85
Diplognatlia gagates F., sämmtliche zahlreiche Stücke
kohlschwarz, nicht braun.
„ metallica Cand, (ined).
Platygenia barbata Afzelius.
Myoderma alutacea Afz. var.? Das einzige, bisher
eingelaufne Exemplar weicht von meinen mit Burmeister's
Besclireibung (Handb. V, S. 733) vollkommen stimmenden
Stücken durch so manche Einzelnheiten (schwarzglänzende
Farbe, schwache Behaarung u. a.) ab, dass ich nicht abge-
neigt bin, es für n. sp. zu halten. Vielleicht bringt die nächste
Sendung mehr davon.
Aus der letzten Zusendung haben sich zu den, im Jahr-
gang 1875 S, 2l7 bis 221 aufgefĂĽhrten Carabicinen noch
folgende Nachträge ergeben:
Cicindela cincta F. Bei einem Exemplare fehlen die
gelben Zeichnungen auf dem Discus der Elytra gänzlich.
Acanthogenius dispar Lafert6.
Brachinus sp. mir unbekannt, klein wie sclopeta, mit
je einem gelben Fleckchen gegen den Apex der Elytra.
Calleida ruficollis F. Zu dieser Art gehört auch
die S. 218 1. c. als C. angusticollis Boh. aufgefĂĽhrte, deren
Artberechtigung mir nicht ĂĽber allen Zweifel erhaben scheint.
Wenn auch der schöne Platjnodes Westermanni zu mei-
nem Bedauern diesmal ausgeblieben, so hat sich dafĂĽr ein
hochansehnlicher
Ochyropus sp. (Aleides m.) eingefunden, dem 0. Her-
cules Murr, an Grösse gleich, aber in manchen Punkten doch
so abweichend, dass ich ihn nicht fĂĽr bloss alter sexus halten
kann. Da ich aber die andern Ochyropus ausser Hercules
und gigas nicht kenne, behalte ich mir das Weitere vor.
Ein mir unbekannter Vertagus, desgleichen ein Paar
Arten oder Varietäten aus der verzwickten Gruppe des
Chlsenius oculatus, myops — — .
Ein Torso von Eccoptomenus eximius Dej., der es
sehr wahrscheinlich macht, dass Ecc. obscuricollis nichts als
Varietät davon ist.
Offenbar das Erfreulichste unter den Carabicinen dieser
dritten Auflage waren ein Paar Glyptus sculptilis, ein tröst-
licher Ersatz fĂĽr die leichtsinnig verschleuderten von frĂĽher.
Man wird sie mit RĂĽcksicht behandeln mĂĽssen, da sie ĂĽber-
zeugend nachgewiesen liaben, dass sie sich nicht „gemein"
machen wollen.
Axinotoma fallax Dej.
86
Dioryche (Platymetopus) ep.
Hypolithus holosericeus Dej.
Acupalpus scapularis Dej.?
Drimostoma sp. (gracile m.}.
Abacetus gagates Dej.
Anchomenus sp., dem javanus Chaud. üiemlicli ähnlich.
Auch zu den 1. c. S. 448 besprochnen Bupresiiden
kann als Nachtrag dienen, dafis der Monrovianer Jäger den
ihm frĂĽher ertheilten Vorwurf, als ĂĽbersehe oder missachte
er die Micra, durch Einsendung einer ziemlichen Anzahl von
kleinen Agrilus widerlegt hat. Ich bin aber mit diesen zier-
lichen GrĂĽnspechten auf nichts weniger als vertrautem Fusse,
und deshalb ausser Stande zu sagen, ob die auffallenden
purpurschimmernden Hinterschenkel der Majorität davon eine
eigne Art, oder nur eine Varietät, oder vielleicht das andre
Geschlecht zu denen mit grĂĽnen Hinterschenkeln bedeuten.
Rhinocles, novum genus Calandridarum,
von
JIr. C A. Dolirii.
Eine eigeuthĂĽmliche, immerhin dankenswerthe Ironie des
Schicksals legt mir, dem grundsätzlichen Gegner der Pseudo-
Mononymie — denn darauf läuft die moderne Gattungsfabri-
cation schliesslich hinaus — die Pflicht auf, die bereits un-
übersehliche und unbehaltbare Zahl der Käfergattungen noch
um die vorstehende zu vermehren. Hoffentlich wird mir der
Nachweis gelingen, dass ich dazu begrĂĽndeten Anlass habe.
Die vier ziemlich grossen Spritflaschen, in welchen die
vorletzte Monrovia-Sendung von Insecten hergekommen war,
hatte ich bereits geleert, und mit unleugbarem Bedauern
constatirt, dass der Sammler vermuthlich durch den empfind-
lich schmerzhaften Stich eines riesigen Belostomiden (Hydro-
cyrius herculeus Still j zu einem Vernichtungskriege gegen
diese garstige Wasserwanze provocirt worden war; sie war
87
es, welche ein unerfreuliches ĂĽebergewicht bei FĂĽllung der
Todesbouteillen behauptet hatte. Ohne undankbares Unter-
schätzen der mancherlei bereits laudirten leckern Käferbissen
war es meinem Sammler-Egoismus doch nicht gar so sehr
ĂĽbel zu deuten, dass es mich bekĂĽmmerte, von meinen Lieb-
lingen, den Paussiden, auch nicht einen einzigen erspäht zu
haben ~ obwohl nichts positiver ist, als dass es deren in
Monrovia unfehlbar mehrere Arten giebt — ferner, dass von
den ebenfalls dort conscriptionspflichtigen Goliathiden ausser
Ceratorhina guttata Oliv, nichts erfolgte, während doch die
frĂĽhere Sendung ein Exemplar der seltnen Tmesorhina Iris F.
aufzuweisen gehabt, ferner, dass von Gljptus sculptilis der
ersehnte Nachschuss ausgeblieben war — — kurz, wer wie
ich oft in der Lage war, sogenannte Rummelsendungen von
ungelahrten Sammlern aus interessanten Gegenden zu er-
halten, kennt die bittersüsse Laune des Empfängers, wenn er
zwar manches Unerwartete mit Behagen begrĂĽsst, aber ein-
zelnes sehnsĂĽchtig Erwartete mit Unbehagen vermisst.
Alma mater Isis liatte indessen in ihrer unerschöpflichen
Langmulh beschlossen, meine Kleingläubigkeit an ihre Gunst
dadurch humoristisch zu beschämen, dass sie mich mit einer
ganz unerwarteten „langen Nase" abziehen Hess — und das
kam so. Mehrere Tage später, nachdem ich bereits ver-
meinte, den vorhandnen Monrovia-Käfersegen überschaut, ge-
wĂĽrdigt und grossentheils gespiesst zu haben, ĂĽberraschte
mich mein Sohn, Dr. Heinrich, mit einem Käfer, den er noch
im Spiritus einer BlechbĂĽchse mit Schlangen gefunden hatte,
und von diesem Posthumus ist jetzt die Rede. Offenbar wird
er dem Monrovianer erst in die Hände gefallen sein, als die
Käferflaschen bereits zur Versendung geschlossen waren; doch
wage ich (nach den bereits erwähnten Erfahrungen) nicht,
l)ieraus den sanguinischen Schluss zu ziehen, eine spätere
Senduns werde vielleicht dem schönen Unicum noch will-
kommene Dupla gesellen.
Dass mir eine ächte Calandra sensu Fabricii vorliegt,
dafür habe ich ausser dem ganzen Habitus zunächst das
schlagende Argumentum a posteriori, das beinah wagerecht
vorgestreckte, massig declive Pygidium, ferner mehrere we-
sentliche UebereiĂĽitimmungen mit den Rhjnchophoriden,
z. B. die Contiguität der Augen nach unten hin, die autfallende
Grösse der Episternen und Epiraeren des Mesothorax, die
Gestalt der Beine. Die eigenthĂĽmlichen Abweichungen von
den bisher aufgestellten Gattungen werden sich aus dem
Folgenden ergeben.
88
Rhino des n. G.
Curculio gymnopygus.
Oculi obloDgi infra caput contigui.
Antenuse in ipsam rostri basin infixse,
scapo capitis longitudinem valde su-
perante, funiculi articulo primo ob-
conico brevi; secundo longiore, te-
nuiore, 3 — 6 paullatim decrescentibus;
clava duorum ultimorum longitudinem
sequans, conica, compressa.
Rostrum longiasimum, subcylindricum,
modice arcuatum, versus apicem le-
viter attenuatum, in ipso apice sub-
ampliatum, sinuatum, mandibulis ap-
parentibus.
Scutellum subtriangulare.
Pedes elongati, femoribus tibiisque in-
curvis et compressis, bis apice mu-
cronatis, tarsis gracilibus, subtus
spongiosis, articulo tertio valde dila-
tato triaugulari.
Rhinocles nasica. Fulvus, thoracis disco maculis iatera-
libus et margine apicali, elytrorum
dimidia parte laterali velutino-nigris;
capite, rostri apice, antennarum scapo
et funiculi articulorum basibus nitido-
nigris. Scutellum subtriangulare, im-
pressum, fuscum. Elytra striata,
pygidium fuscum, impressione spathi-
formi insignitum.
LoDgit. (sine rostro) 36 mill. Laut.
12 mill. Longit. rostri 25 mill.
Wenn ich zugeben muss, dass es bei dem einzigen vor-
liegenden Exemplare (das mit Ausnahme des zerbrochnen
linken Vorderbeins vollkommen wohlerhalten geblieben) nicht
unbedenklich ist, zu sondern, was der Gattung und was der
Art zukommt, so wird man doch leicht einräumen, dass das
Thier in keiner der bestehenden Gattungen unterzubringen
ist. Als Gründe gelten mir: das Verhältniss des Rüssels zur
Körperlänge; bei den Antennen die Länge des Schaftes, der
durchaus an der Basis des RĂĽssels eingelenkt ist; die ganz
eigenthümliche Form des letzten Fühlergliedes — man könnte
es einem länglichen, compressen Meissel vergleichen; die
/iemlicii breite Basis des fast gleichseitigen Schildchens, das
nicht (wie bei den meisten der hier in Betracht kommenden
89
Verwandten) nach innen gebogne Schenkel hat, die in eine
fein ausgezogne Spitze auslaufen, sondern eher nach aussen
gebogne, überdies ziemlich abweichend durch seinen herzför-
migeu Eindruck; gerade to wie sich auch das Pygidium vor
den sonst ähnlich geformten durch die spateiförmige Impression
neben dem gewöhnlichen Läugskiel der Mitte auszeichnet.
Von diesen Eigenschaften finden sich natĂĽrlich einzelne
in dieser oder jener der bestehenden Galtungen, aber com-
binirt in keiner mir bekannten. Auch Nachfragen haben
mir keine andre Auskunft gegeben, als dass ein ähnliches
Thier in der reichen Berliner Sammlung, teste Dr. Gerstäcker,
nicht vorhanden, und dass Dr. Gemminger bei seiner Durch-
arbeitung des ganzen Materials zu Band VIII des MĂĽnchner
Catalogs nichts Analoges in der descriptiven Literatur der
Calandriden gefunden hat.
Den bereits angegebnen Kennzeichen will ich nun noch
Folgendes hinzufĂĽgen.
Die feineu Schattirungen der beiden Farben des ansehn-
lichen Thieres, Orange und Schwarz, Hessen sich in der
Diagnose ohne unpassende Weitläufigkeit nicht genauer an-
geben. So z. B. ist das Gelb des Thorax und des RĂĽssels
etwas mehr roth, als das der Elytra, mit Ausnahme der
dunkleren Strieen derselben; das Schwarz des Hinterkopfes
ist etwas polirter, als das zwischen den glänzenden Augen,
welche durch einen feinen Einschnitt mit schwarzsammetnen
Rändern getheilt sind. Der fein und zerstreut punktirte
Hinterkopf wird vom Apex des Thorax durch eine ganz
schmale rothgelbe Bewimperung desselben geschieden, Thorax
und Elytra haben bei seitlicher Betrachtung einen grauseidigen
Glanz. Ich möchte fast als gewiss annehmen, dass die
schönen Sammetmakeln auf Halsschild und Decken nicht con-
stante Form haben, da bei fast allen mir bekannten afrika-
nischen Käfern, welche schwarze Zeichnung auf Orange Grund
haben, diese beiden Farben unstäten Modificationen unter-
liegen. Auf dem vorliegenden Exemplare hat der Thorax
ausser dem schwarz geränderten Apex einen breiten, eiför-
migen Mittelfleck, auf dem eine feine Längslinie angedeutet
ist, die sich auf dem Kopfe bis zu dem erwähnten Einschnitte
zwischen den Augen fortsetzt. Die schwarzen Seitenflecke
des Thorax haben eine beilförmige Gestalt. Seine Basis ist
in der Mitte gegen das Schildchen hin leicht vorgebogen und
hat einen feinen schwarzen Rand; selbst mit der Lupe lassen
sich keine Punkte wahrnehmen. Das mattschwarze Schildchen
hat in der Vertiefung kleine grauschimmernde Fleckchen.
Auf den FlĂĽgeldecken, in deren deutlichen Strieen man durch
die Lupe eine leichte Punktirung bemerkt, nimmt das Roth-
90
gelb gleich hinter einem scharfen schwarzen Rande der Basis
zwar die ganze Breite derselben ein, verengert sich aber
schief nach innen bis auf die vierte Striee (jede Decke hat
deren 8) und erweitert sich dann wieder gegen den Apex hin
bis auf die fĂĽnfte; dadurch entsteht eine Xartige Form des
Orange, nur dass man die Mitte sich viel weniger comprimirt
zu denken hat: der Rest der Elytra, welche sich von der in
der Diagnose angegebnen Scliulterbreite nach hinten zu etwas
verjĂĽngen, ist von Sammetschwarz bedeckt; das erste Inter-
stitium, welches gelb am Schildchen neben der Sutur beginnt,
nimmt auf der hinteren Hälfte eine dunkle fast schwarze
Färbung an.
Vermuthlich ist die Unterseite noch eher als die obere
den Schwankungen zwisclien Schwarz und Gelb ausgesetzt,
da am vorliegenden Exemplare die drei letzten Segmente
schwarz sind, das dann folgende rothgelb, das nächste in der
Mitte schwarz, auf beiden Seiten gelb. Sämmtliche Epimeren,
Episternen sind schwarz umrändert; das ganze Vorderbrustbein,
alle Trochanteren sind braunschwarz mit seidigem Schimmer.
An den Beinen sind sämmtliche Schenkel etwas krumm,
aber die an dem vordem Fusspaare nicht gleich den beiden
hinteren nach aussen, sondern nach innen gebogen. Diese
Abnormität zeigt sich nicht nur an dem vollständig erhaltnen
rechten Vorderbein, sondern ist auch noch an dem halb ab-
gebrochnen Schenkel des linken ganz deutlich zu erkennen.
Dass auch die Schiene des rechten Vorderbeins nach innen
gekrümmt ist, ergiebt sich als natürliche Consequenz, während
die vier hintern Schienen die KrĂĽmmung nach aussen haben.
Auf allen bemerkt man auf der untern Seite kurze, rölhliche
Wimperhaare, die sich von der Mitte ab in zwei Reihen
theilen, von denen die eine den dunkeln Mucro des Apex
zum Abschluss hat, während die andre scheinbar daneben
einen rothgelben Mucro nachäfft. Bei den Tarsen sämmtlicher
Beine ist das erste Glied an Länge den beiden folgenden voll-
kommen gleich, eher etwas ĂĽberlegen; alle Tarsen haben
Bürsten. Ihre Klauenglieder sind sämmtlich blankschwarz,
bei den andern Gliedern, namentlich dem dritten, drängt sich
die gelbe Grundfarbe mehr durch.
Es will mir doch wunderbar dĂĽnken, dass ein so grosses,
seltsam geformtes und auffallend gefärbtes Thier den vielen
Sammlern in Senegambien, Sierra Leone und Guinea bisher
entgangen ist. Sollte es wirklich eine so grosse Seltenheit
und auf einen kleinsten District beschränkt sein? Das möchte
ich doch bezweifeln.
GcBcbrieben im Sommer i875.
91
Ueber drei im hohen Norden vorkommende
Arten der Schmetterlingsgattung Cupido
(Schrank),
von
o
Dr« Jacob ISpanglier^,
Während einer im letzten Sommer in der Gesellschaft
des Herrn Prof. Lilljeborg ausgefĂĽhrten Reise nach Lappland,
hatten wir die Freude, eine neue Art der Gattung Cupido
zu entdecken. Indem ich eine Beschreibung dieses in mancher
Hinsicht interessanten Bläulings liefere, benutze ich die
Gelegenheit, auch ein Paar andere in denselben hoclmordischen
Gegenden vorkommende Arten zu erwähnen, weil es immer
wichtig ist, die geographische Verbreitung einer Gattung
kennen zu lernen.
Cupido fylgia n. sp.
Cupido supra fuscus ((?); alse posteriores subtus, vitta
alba carentes, ocellis albo cinctie, inter lunulam mediam
et maculas rufas positis, inter se appropinquatis, angulum
rectum vel subrectum formantibus et minoribus quam alarum
anteriorum ocelli. Spatium inter maculas rufas limbales
seriemque ocellorum colore eodem ac tota ala.
Diese Art ist oben dunkelbraun (r;J), die HintertlĂĽgel
unten ohne weissen Längsstreif; die schwarzen, weiss ge-
säumten, zwischen dem Mittelfleck und den rothgelben Rand-
flecken liegenden Augen sind dicht aneinander gestellt, bilden
einen rechten oder fast rechten Winkel und sind kleiner als
die der Vorderfliigel. Das Feld zwischen den rothgelben
Randflecken und den Augen trägt die Grundfarbe des Flügels.
Eine ausfĂĽhrlichere Beschreibung ist folgende:
Der Mann.*) Die FlĂĽgel oben dunkelbraun, wurzel-
wärts etwas dunkler, die vorderen mit einem beinahe
schwarzen, strichförmigen Mittelfleck; die Franzen weiss, auf
der inneren Hälfte graubraun. Die Unterseite graubraun,
wurzelwärts grün oder blaugrün bestäubt, besonders auf den
Hinterflügeln; die Franzen weiss, einwärts durch eine dunkle
â– ') Das Weib habe ich nicht gefunden.
92
Linie scharf begränzt. Die rothgelben Randflecke sind viel
deutlicher auf den hinteren, als auf den vorderen FlĂĽgeln
und einwärts von schwarzen, dreieckigen oder halbmond-
förmigen Flecken, auswärts von schwarzen, beinahe runden
Punkten begränzt. Der Mitteltleck auf den Hinterflügeln
länglich, schwarz, mit Weiss umgeben, auf den Vorderflügeln
viel grösser, halbrund, schwarz, mit sehr wenig Weiss ein-
gefasst. Diesseits des Mittelflecks liegen auf den HinterflĂĽgeln
vier schwarze, weiss eingefasste Wurzelaugen, zu einer bei-
nahe geraden Linie geordnet.
Die schwarzen, weiss umgebenen Augen auf den Vorder-
flügeln, welche den rothgelben Randflecken am nächsten
liegen, sind zu einem gegen den Mittelfleck concaven Bogen
geordnet; zwischen demselben und dem Mittelfleck befinden
sich drei oder vier sehr kleine Augen. Die VorderflĂĽgel
ohne Wurzelaugen. Die Länge zwischen den Flügelspitzen
30 millim. Die Augen sind unbehaart.
Wie aus der Beschreibung hervorgeht, stimmt diese Art
mit Cup. Chiron (Rott.) [eumedon (Esp.)] und Cup. alexis
(Scop.) [agestis (W. V.)] in der braunen Farbe oben bei dem
Manne ĂĽberein, unterscheidet sich aber ohne Schwierigkeit
von denselben durch den Mangel des weissen Längsstreifs
auf der Unterseite der HinterflĂĽgel, und dadurch, dass die
Augen auf den Vorderflügeln grösser sind, als auf den Hinter-
flügeln. Durch diesen Charakter, wie durch die regelmässige
Anordnung der Augen auf den HinterflĂĽgeln, unterscheidet
sich Cupido fylgia auch leicht von Cup. icarius (Esp.) $ und
admetus (Esp,), an welche er auch in gewissen Hinsichten
erinnert.
Das Vaterland ist Ruskola in Ober-Torneä in „Norr-
bottens Län", 66*' 40' nördl. lat., wo er zuerst von Professor
Lilljeborg gefangen wurde.
Cupido alexis (Scop.).*J
Syn. 1763. Papilio alexis Scopoli, Entom. Carniol,, pag.
179.
1853. Lycsena agestis Gerhard, Vers, einer Mon. d.
Lyc, pl. 26, f. 1.
1859. Polyommatus alexis Heinemann, Die Schm.
Deutschi, und d. Schweiz,
Abth. I, pag. 82.
*) Dass Scopoli's alexis ein Gemisch von 3 Arten ist, findet sich
Ent. Ztg. 1855, S. 238 angezeigt. Kirby (Cat. p. 363), Heinemann und
der Verfasser des voriief^endcn Aulsatzes nehmen also mit Unrecht
den Namen fĂĽr Medon Hfn. auf. Red.
93
1872. Cupido alexis Spängberg, Om de sveoska och
Dorska arterna af Dagfjärilslägtet
Cupido (Schrank), pag. 12.
non: l??*^. Papilio ^ Syst, Verzeiclin. d. Schm. d. Wien.
Gey., pag. 184.
Diese Art, von der man bisher annahm, dass sie vor-
zugsweise in den sĂĽdlichen und den mittleren Theilen Schwe-
dens vorkommt, weil sie nördlich von Helsingland nicht be-
kannt war, fand ich den vorigen Sommer im Kirchspiele von
Tärna in ümeä Lappmark hier und da nicht nur in den
Thälern, sondern sogar hoch auf den Gebirgen in der Nähe
der Schneemassen, und dieses Jalir habe ich sie nicht selten
in Ober-Torneu gefunden; es ist mir aber nicht gelungen, ein
einziges Individuum von Cup. icarus (Rott.) [alexis (W. V.)],
weder in Umeä-, noch in Torneä-Lappmark zu finden. Da
nun die Autoren diese letztere Art für jene nördlichen Ge-
genden anzeigen, so bin ich der Meinung, dass ein Fehler
bei der Bestimmung siĂźh eingeschlichen hat, und dass Cup.
alexis (Scop.) mit icarus (Rott.) ? verwechselt worden ist, ein
um so verzeihlicheres Versehen, als die Weiber dieser beiden
Arten einander in hohem Grade ähnlich sind,
Cupido Chiron (Rott.).
Syn. 1775. Papilio chiron Rottemburg, Anmerk. zu den
Hufnagel. Tabellen d. Schm. (Im
Naturforscher St. VI, pag, 27.)
18.53. Lycsena eumedon Gerhard, Vers, einer Mon.
d. Lyc, pl. 25, f. 2.
18 9. PolyommatĂĽs chiron Heinemann, Die Schm.
Deutschi, und d. Schweiz,
Abth, I, pag. 82.
1872. Cupido chiron Spängberg, Om de svenska och
norska arterna af Dagfjärilslägtet
Cupido (Schrank), p. 9,
Auch diese Art, frĂĽher im Norden von Helsingland nicht
bekannt, fand ich nicht selten in Ober-Tornea
Upsala, den 29. October 1875.
94
Lepidopterologische Mittheilungdi aus dem
nassauischen Rheinthale,
von
Pfarrer .%. Fuchs in Bornich.
I. Aglaope infausta L.
Obwohl ich von dieser Art nach und nach einige hundert
Exemplare erzogen, so habe ich — ein Beweis, wie wenig
sie zur Hervorbringung von Varietäten geneigt ist — doch
erst in dieeem Jahre eine weibliche Abänderung erhalten.
Sie unterscheidet sich von der gewöhnlichen Form dadurch,
dass die Hiuterflügel am Innenrande blass rothbraun gefärbt
sind, Roth ist der Halskragen und fein schmaler Saum an
der Wurzel des Innenrandes der VordertJĂĽgel.
Heinemann giebt an, dass bei Infausta auch die
Vord er rand - Wurzel der VorderflĂĽgel schmal roth sei.
Ich kann aber bei keinem meiner Exemplare, deren doch
eine grosse Zahl ist, an dieser Stelle eine B\mv von rother
Färbung entdecken.
Infausta ist bei uns nicht ĂĽber das eigentliche Rlieinthal
hinaus verbreitet. An den sonnigen Abhängen, welche bis
dicht an den Fluss herantreten, findet sich die Raupe fast
ĂĽberall, wo Schlehen stehen, Ende Mai in solcher Anzahl,
dass sie ohne grosse MĂĽhe zu Hunderten in den Schirm ab-
geklopft werden kann. Doch entfernt sich der Schmetterling
nie weit vom Rhein. Auf der Höhe des Gebirges kommt er
nicht vor; auch in den zahlreichen Schluchten, von denen
das rheinische Schiefergebirge durchbrochen wiid, steigt er
nur eine kurze Strecke auf. Sobald seine Flugplätze kaum
eine halbe Stunde vom Rhein entfernt lagen, traf ich ihn
stets einzeln, während er in der Nähe des Flusses selbst
gemein ist.
Auffallend war mir seinerzeit, dass ich ihn nicht bei
Geroldstein im Wisperthale fand, wo doch viele Arten, die
sonst nur dem Rheinthale angehören, heimisch sind. Doch
misslang der Versuch, ihn dort einzubürgern, völlig. Denn
wiewohl ich an einer gĂĽnstig gelegenen Schlehenliecke eine
Anzahl begatteter Weiber aussetzte, so konnte im nächsten
Jahre weder Raupe, noch Schmetterling gefunden werden.
Es wĂĽrde nach allen Beobachtungen vergeblich sein, Infausta
andersv\o, als im eigentlichen Rheinthale zu suchen.
95
Der Schmetterling entwickelt sich in der ersten Hälfte
des Juli. 1875 traf ich im Freien das erste StĂĽck den 2S.
Juni. 1874 verliessen die ersten Exemplare am -i. Juli ihre
Puppen. Am 13. Juli war die Entwickelung auf ihrem Höhe-
punkte angelangt: sassen doch, als ich am Morgen dieses
Tages nachsah, nicht weniger als 32 StĂĽck in dem Topfe, in
welchem ich die Raupen gezogen hatte! Von da an fiel die
Zahl der sich täglich entwickelnden Schmetterlinge rasch,
bis die Erscheinungszeit am 17. Juli mit 4 weiblichen Nach-
zĂĽglern ihr Ende erreicht hatte. In der Regel findet man
gegen 8 — 9 Uhr die Schmetterlinge bereits ausgewachsen vor;
ja, obwohl das Verlassen der Puppe in den frĂĽhen Morgen-
stunden geschieht, so haben sich um die angegebene Zeit
doch schon einzelne Paare zusammengefunden. Andere
Schmetterlinge kriechen unruhig umher, und es geschieht da-
durch leicht, dass sich die FlĂĽgel abschuppen. Sonst sind
die Thiere träge. Wenn die Zahl der ausgegangenen Exem-
plare nicht zu gross ist, so lassen sie sich, das eine nach
dem andern, spiessen, ohne nur einen Versuch zum Entfliegen
zu machen. Ja, ich beobachtete sogar, dass Schmetterlinge,
die im Umherkriechen begriffen waren, sofort stille sassen,
wenn sie mit der Nadel berĂĽhrt wurden.
Im Freien wurde der Schmetterling, wie Ino pruni Schifi'.,
öfters aus Schlehenheckeu aufgescheucht, in die er sich bald
wieder niederliess. Er fJog so lebhaft im Sonnenscheine um-
her, dass ich Anfangs MĂĽhe hatte, ihn zu erkennen.
II. Lithosia unita Hb.
In dem Rössler''schen „Ver zeichniss der Schmetter-
linge Nassau'b'' v>ird S. 35 nur von der Stammart Unita
gesagt, dass sie im Rheinthale vorkomme. Die Wirklichkeit
ist aber die, dass die grosse Mehrzahl der Schmetterlinge zur
Form Palleola Hb. gehöit, und da.^s Unita unter ihr nur als
einzelne Seltenheit vorkommt. Unsere rheinische Palleola
stimmt mit einem ungarischen Pärchen, welches ich durch
Staudinger'a GĂĽte erhielt, ĂĽberein; nur sind die rheinischen
Stücke zum Theile grösser, ihre Vorderflügel länger gestreckt.
1875 erzog ich den Schmetterling aus der Raupe, die
icli nach der ĂĽeberwinterung im Mai und Juni an Moos und
Flechten, sowohl auf der Erde wie an Felsen, an Mauer- und.
auch einmal an Baumflechten gefunden hatte und erfolgreich
mit Salat fĂĽtterte. Wer beschreibt aber mein Erstaunen, als
ich in dem ersten StĂĽck, welches am 2U. Juli seine Puppe
verliess, die typische Form Arideola Hering erblickte, wie
ich sie, als aus Stettin stammend, von Weynier erhalten?
96
(Alis anticis grisei», margioe antico luteo, cf. Stgr. Catal.
p. 54.) Es wurde nun mit Spannung gewartet, wieviel Exem-
plare dieser Form aus den zahlreichen Puppen pich entwickeln
würden; doch — ich erhielt nur noch ab. Palleola! Auch
im Freien fand sich, wiewohl icli dem Schmetterling eine
besondere Aufmerksamkeit zuwandte, nur um 12. August ein
geflogenes 2, welches zu Arideola gehörte.
Unita fliegt an sonnigen, felsigen Anhöhen des Rhein-
thales von Ende Juli bis Mitte August, 1874 fand ich die
Form Palleola Hb. in grosser Zahl auf den vertrockneten
Bluten von Carlina vulgaris, wo sich die Schmetterlinge aus
weitem Umkreise versammelt hatten. Doch waren die meisten
StĂĽcke fĂĽr die Sammlung unbrauchbar, da ihre Farben durch
die Wirkungen des Sonnenlichtes gelitten hatten. Obwohl
ich nun 1875 an denselben Orten, wo ich frĂĽher den Schmet-
terling 80 zahlreich gefunden, wiederum die Carlina unler-
huchte, so fand ich ihre BlĂĽten doch nur ausnahmsweise von
einem Falter besetzt; um so häutiger besuchte er in diesem
Jahre die BlĂĽten von Eryngium campestre. Uebrigens wird
er an fehigen Orten, besonders gegen Abend, auch von der
Erde, an niederen Pflanzen und aus BĂĽschen aufgescheucht.
III. L. lutarella L. und var. pallifrons Z.
Unter der vorigen Art fand ich am 2. August 1875 auf
Erjngium campestre ein frisches c^ von Lithosia pallifrons,
welches ganz dieselbe Beschaifenheit zeigt, wie ein erzogenes
Pärchen, das ich von Büttner erhielt. Bis zum 17. August
gelang es mir, im Ganzen 9 StĂĽck (2 rj, 7 $) zu sammeln.
Pallifrons fliegt bei uns an den gleichen Orten, wie Lithosia
var. palleola. Ich traf die Schmetterlinge im heissen Sonnen-
schein auf den BlĂĽten von Eryngium campestre, immer an
sterilen, felsigen Anhöhen, wo die Raupen an Flechten gelebt
haben konnten. Da, wo die genannte Pflanze fehlte, wurde
der Falter aus niedrigen BĂĽschen aufgescheucht.
Lutarella kam mir bisher im Rheinthale nicht vor. Ich
möchte daher glauben, dass sie bei uns durch die Form
Pallifrons vertreten wird. Ich habe die Stammart ĂĽberhaupt
nnr ein einziges Mal gefangen: 1866 im Frankfurter Stadt-
wald. Auch Rössler versicherte mich, dass sie ihm seit lan-
gen Jahren nicht mehr vorgekommen sei; in dem bekannten
Mombacher Walde, wo er sie früher häufig sammelte, ist sie
seit 1857 verschwunden.
Pallifrons ist neuerdings in einem Exemplare auch bei
Wiesbaden gefunden worden. Da hier, wenigstens frĂĽher,
auch die Slammart vertreten war, so scheint es, als komme
97
sie in der Wiesbadener Gegend nur als eine Abänderung
(aberratio) vor.
In dem v. Heinemann'schen Werke finde ich als ein
Unterscheidungsmerkmal zwischen Lutarella und Pallifrons
unter Anderem angegeben, dass bei letzterer der Vorderrand
der Hinterflügel schmäler grau sei, als bei ersterer. In Wirk-
lichkeit weichen in diesem StĂĽcke die einzelnen Exemplare
der Pallifrons sehr von einander ab. Ich besitze ein cJ,
welches einen grauen Vorderrand zeigt, der viel breiter ist,
als das von Büttner erhaltene c^; dafür lässt ein $ nur eine
schwache Spur eines grau angelegten Vorderrandes der
Hinterflügel erkennen."'^) Immer aber ist die graue Färbung,
wie ĂĽberhaupt der ganze Schmetterling, viel bleicher, als bei
der Stammform Lutarella.
IV. Agrotis cuprea Hb.
Auf einer in unsere Rheinberge eingezwängten Wiese,
wo sie im Sonnenschein verschiedene BlĂĽten, z. B. die von
Centaurea jacea besaugten, fing ich am 21. und 28. August
1875 von dieser schönen Art zwei geflogene cJcJ, welche
mit 6, von Zeller aus GraubĂĽndten mitgebrachten und mir
überlassenen Stücken völlig stimmen. Freund Burkhardt von
Frankfurt a. M., der mich um diese Zeit besuchte, versicherte
mich, dass er ein Exemplar besitze, welches Dietze am
Brunhildisstein, auf der höchsten Kuppe des Feldbergs (Taunus,
2700') gestochen. Da sie nach Rössler's brieflicher Mitthei-
lung auch in der Bergstrasse gefunden wurde, so ist ihr
Vorkommen in den schlesischen und sächsischen Gebirgen,
welches Staudinger noch bezweifelt (Catalog S. 84, No. 1142),
nicht unwahrsclieinlich.
V. Agr. forcipula Hb.
In dem Rössler'schen Verzeichnisse fehlt diese Art; sie
ist aber, wie neuere Beobachtungen dargethan haben, im
mittleren Rheinthale heimisch. Ich scheuchte das erste StĂĽck
den 1. Juli 1874 aus einer Hecke auf. 1875 wurde Forcipula
aus der Raupe, die ich im Mai, gleichzeitig mit derjenigen
von Agr. multangula Hb., bei RĂĽdesheim unter Galium mol-
lugo auf dem Boden versteckt gefunden hatte, erzogen. Der
Schmetterling verliess seine Puppe in der Nacht vom 9. zum
*) Demselben Wechsel ist, nur nicht in so hohem Grade, auch
bei unseren rheinischen StĂĽcken von ab. Palleola der Vorderrand dor
TlinterflĂĽgel unterworfen.
1
98
10. Juli. Beide Stücke sind dunkler als die gewöliDliche
Form, wie ich sie in der Sammlung des Herrn Dr. Rössler
sah. Ausserdem zeigt das gefangene StĂĽck einen sehr deut-
lichen äusseren Querstreifen. Speyer, dem es zur Ansicht
mitgetheilt wurde, erwiderte, das? es von seinen erdfarbig-
braungrau gefärbten Exemplaren durch den dunkleren, blei-
grauen Ton verschieden sei. Jedenfalls stimmt die Bezeich-
nung „bräunlich-aschgrau'^, die auch v. Heinemann für die
Grundfarbe der Forcipula wählt, nicht zu den hiesigen
StĂĽcken.
VI. Caradrina superstes Tr.
Unter einer Anzahl Eulenraupen, welche ich im Mai
1875 unter Galium mollugo sammelte (s. Nr. V.), befand sich
eine nicht weiter beachtete, aus der ich am 18. Juli Cara-
drina superstes ^ erzog. Eine Vergleichung mit ungarischen
Exemplaren, welche Rössler von Herrn Dr. Staudinger bezog,
ergab vollste Uebereinstimmuug. Uebrigens ist, wie das
Rössler'sche Verzeichniss nachweist, Superstes schon früher
im Nassauischen gefunden worden.
VII. Zanclognatha Zelleralis Wocke.
Ein Pärchen, von dem mir Zeller schreibt, dass es mit
seinem einzelnen, von Wocke selbst erhaltenen Exemplare in
allem Wesentlichen stimme, wurde an einem Juliabend 1874
bei St. Goarshausen auf blĂĽhenden Brombeeren gefangen.
VIII. Acidalia contiguaria Hb.
Da ich, was die Zucht aus dem Ei betrifft, bei einer
frĂĽheren Besprechung dieser Art*) von einem Mi&serfolg be-
richten mussle, öo ist es- mir wohl verstattet, nun auch ein
bessere» Ergebniss zu registriren.
Die im Sommer 1875 begonnene Zucht ■'"'•'j ist jetzt been-
digt; aus 28 Eiern erzog ich im Ganzen 26 Schmetterlinge,
welche an Grösse die im Freien gefundenen noch überbieten.
Die Ueberwinterung der 19 Räupchen geschah mit bestem
Erfolg vor einem nach Norden gelegenen Fenster. Doch
hatte ich aus Vorsicht den Laden geschlossen, so dass das
mit Moos gefüllte Glas, in welchem die Räupchen gezogen
wurden, zwischen den Laden und das Fenster zu stehen kam.
") Vgl. Jahrgang 1874, S. 83 dieser Zeitschrift.
''•') Vgl. Jahrgang 1875, S. 227.
99
Auch als die Ueberwinterung beendet war, kounte das Glas
an dieser Stelle stehen bleiben; nur wurde jetzt die eine
Hälfte des Ladens geöflPnet, um den Zutritt der Luft zu er-
möglichen. Da übrigens der Raupenbehälter hinter der
noch immer geschlossenen Hälfte des Ladens stand, so
wurden die Thiere durch die Wirkungen der Sonne nicht
weiter belästigt.*) Ich habe diese Weise, die Arten des
Genus Acidalia zu erziehen, als gut erprobt. Denn nicht
bloss die Contiguaria-Zucht gelang mir völlig; auch die sehr
schwer zu ĂĽberwinternde Raupe von A. degeneraria Hb.,
welche selbst einem so vorzüglichen Züchter wie Dr. Rössler
in der Ueberwinterung stets zu Grunde ging, wurde auf diese
Weise zum Theile gerettet.
Vom 6. bis 29. Juni verliessen die Contiguaria-Schmet-
ferlinge ihre Puppen. Wenn auch ihre schwärzliche Bestäu-
bung nicht bei allen Exemplaren eine gleich dichte war, so
gehörte sie doch durchweg zu der dunklen Form, var. ob-
scura. Ein $ ist sogar noch stärker schwarz bestäubt, als
die 1874 erzogenen StĂĽcke, nach welchen ich ursprĂĽnglich
die var. obscura beschrieb.
Unter dem Namen Trigeminata Hw. (Reversata Tr.)
sandte mir Herr Major von Wacquant ein bei Edenthal im
Harz gefangenes $ zur Ansicht zu, welches der hellen Con-
tiguaria-Form angehört und sich durch einen starken Mittel-
punkt auf allen FlĂĽgeln auszeichnet. Bei meiner var. obscura
ist der Mittelpunkt ein feiner. BĂĽttner hat, wie er mir
schreibt, die helle Form auch aus Livland erhalten.
IX. Eupithecia pusillata var. (ab.) laricis Spr.
Die Mittheilungen, die Herr Dr. Speyer ĂĽber eine an
Lärchen vorkommende dunklere Pusillata- Varietät in dieser
Zeitschrift veröffentlicht hat (1873, S. 361), veranlassten
mich, im Mai dieses Jahres einen benachbarten Lärchenwald
zu besuchen, um mich zu ĂĽberzeugen, ob Pusillata auch hier
fliege und in welcher Form? In der That war die Stamm-
art in grosser Zahl vertreten; obwohl ich aber den Wald
vom 12. bis 24. Mai fast täglich besuchte, so gelang es mir
doch nur 2 (5^,^ zu sammeln, welche zu der Speyer'schen
var. laricis gehören. Ihre Flügel sind russig verdunkelt;
*) Die frĂĽheren Versuche, den Schmetterling aus dem Ei zu
erziehen, scheinen missglückt zu sein, well ich 1. die Raupen während
des Winters in einem Keller aufbewahrte, und 2. während des Sommers
es versäumte, in der beschriebenen Weise die Hälfte des Ladens zu
schliessen. Die Folge war, dass die heisse Sonne in das Glas brannte
lind Raupe sowohl wie Puppe zu Grunde gingen.
7''
100
selbst der Körper nimmt eine aschgraue Färbung an. Alle
Zeichnung ist verwaschen; nur der grosse, schwarze Mittel-
rand der VorderflUgel tritt kräftig liervor. Die Kränzen sind
minder deutlich gescheckt, als bei der gewöhnlichen Pusillata.
Doch weichen meine Exemplare in einem Punkte von der
Speyer'schen Beschreibung ab: die verschwommene Wellen-
linie ist nach der Wurzel zu dunkler angelegt, als saum-
wärts. Da indessen alle übrigen Merkmale stimmen, so halte
ich mich berechtigt, meine Exemplare zur var. laricis zu
ziehen. Von einem $ der gewöhnliclien Form, welches ich
von Speyer selbst erhielt, sind sie erheblich verschieden.
Ich sammelte nun um Lärchen eine andere Pusillata-
Form, welche sich von der Stammart dadurch unterscheidet,
dass bei ihr die kräftige Zeichnung reiner schwarz ist. Die
Wellenlinie ist beiderseits in gleicher Stärke russig-schwarz
angelegt, die FlUgelspitze nicht oder kaum gelichtet. Doch
findet sich eine lichtere Stelle saumwärts um die Mitte der
Wellenlinie. Da diese Form eine ebenso helle Grundfarbe
hat wie die typische Pusillata, so erscheint sie auf den ersten
Blick viel bunter.
Uebrigens gehörten die meisten Pusillata, die ich um
Lärchen fing, ohne Frage zu der gewöhnlichen P'orm. Man
wird daher fĂĽr unsere Gegend sagen mĂĽssen, dass allerdings
ein Theil derjenigen Pusillata-Schmetterlinge, deren Raupen
sich von Lärchen nährten, die Neigung zeigt, eine russigere
Färbung anzunehmen; dass sich aber die ausgeprägte var.
laricis nur selten findet.
Aus der hochgelegenen Gegend von Dickschied besitze
ich eine Anzahl von Exemplaren der Pusillata, deren Grund-
farbe eine viel dunklere, grauere ist, als die der gewöhn-
lichen Form, und deren Franzen weniger deutlich gescheckt
sind. Die kaum angedeutete Wellenlinie ist saumwärts fast
ebenso dunkel angelegt, als nach der Wurzel zu. Aber die
Zeichnung ist nicht so verwaschen wie bei den oben be-
schriebenen (^o der var. laricis. Nur bei einem r^, dessen
Hinlerleib auch eine Verdunkelung zeigt, ist die Wurzelhälfte
der Vorderflügel mit einem dunkeln Tone so gleichmässig
übergössen, dass die Zeichnung zurücktritt. Das Mittelfeld
dieses StĂĽckes zeigt nur hinter dem Mittelmonde eine etwas
lichtere Stelle. Ich möchte auch dieses q^ zur var. laricis
ziehen.
Gefangen sind die zuletzt erwähnten Stücke am Saume
eines Nadelholzwaldes, wo Lärchen und Rothtannen unter-
einander wuchsen.
101
X. Naturgeschichte von E. indigata Hb.
Während ich am 7. September 1874 in einem Kiefern-
Hochwalde nach Cidaria firmata Hb. suchte, traf ich zufällig
eine mir bisher unbekannte Eupithecia-Raupe, welche sich,
ungefähr 3 Fuss über dem Boden, in der Nähe eines abge-
brochenen Seitenastes mit dem Vorderkörper in die vermo-
derten und zerriebenen Bestandtheiie der Rinde hineingear-
beitet hatte, sich von diesen nährend. Nur der hintere Theil
des Körpers war frei. Trotz eifrigen Suchens gelang es
weder an diesem, noch an den folgenden Tagen eine zweite
Raupe zu finden; ich hatte es wohl nur mit einem Spätlinge
zu thun. Meine Vermuthung, dass ich die im Freien bisher
noch Niemanden vorgekommene Raupe der Eupithecia indi-
gata Hb. gefunden haben möge, wurde bestätigt, als in der
Nacht vom 7, zum 8. Mai 1875 der Schmetterling (J'} er-
schien.
Ich lasse hier gleich eine Beschreibung dieser Raupe
folgen, obwohl die Notizen, die ich mir ĂĽber sie gemacht,
weder mit der Crewe'schen Beschreibung in „The Entomo-
logist's Annual for 1863", p. 124, noch auch mit derjenigen
Raupenform stimmen, die ich selbst 1875 durch die Zucht
aus dem Ei kennen lernte.
Die Raupe ist ziemlich schlank, der Körper nach vorn
verdünnt, aucii die letzten Segmente schmäler zulaufend.
Grundfarbe schmutzig weissgrau. Ueber den RĂĽcken zieht
sich ein breiter, graubrauner Längsstreifen, welcher in Ueber-
einstimmung mit dem Körperbau der Raupe auf den mittleren
Segmenten gleichbreit ist, auf den ersten und letzten dagegen
etwas schmäler zuläuft. Die Farbe dieses Streifens ist nicht
scharf abgegrenzt; längs der Mitte erscheint er am dun-
kelsten; nach den Seiten zu geht er, wenngleich ziemlich
rasch, in die Grundfarbe ĂĽber. In den Gelenkeinschnitten
ist die graubraune Farbe des RĂĽckenstreifens besonders stark
aufgetragen. Subdorsalen fein. Am deutlichsten sind sie auf
den ersten Segmenten. Seitenkante weisslich. Unter ihr
zieht sich ein breiter, blass graubrauner Längsstreif hin,
welcher beiderseits, sowohl gegen den Bauch, wie nach der
Seitenkante zu, ziemlich scharf abgegrenzt ist. ĂĽeber die
Mitte ist der Bauch hell weissgrau. Der Kopf der Raupe
ist klein, seine Färbung glänzend nut^sbraun, oben stehen
zwei dunkle Flecken. Auf dem Nacken ist die RĂĽckenlinie
durch einen feinen, hellen Längsstrich in der Mitte getheilt;
auf jeder Seite steht ein länglicher, nussbrauner Fleck, der
sofort in die Augen fällt. Die vorderen Füsse nuss-braun, die
102
hinteren graubraun. Afterklappe schmutzig gelbgrau. Ge-
lenkeinschnitte lein gelblich. — Die Raupe war in ihren Be-
wegungen sehr bedäclitig; sie kroch wenig und langsam.
Nach dem Vorgange Crewe's, der die Raupe aus dem
Ei erzogen und, soviel ich weiss, die erste und bis jetzt ein-
zige Beschreibung von ihr gegeben hat, versuchte ich 1875
die Zucht aus dem Ei, und zwar mit dem besten Erfolge.
Die Eier wurden, wie Dietze richtig angiebt,*) zwischen
die Nadeln der Kiefer gelegt. Zuweilen sass das Ei an der
Wurzel des Nadelpaares; andere waren unregelmässig zu 2
und 3 bald an dem oberen, bald an dem unteren Theile der
Nadeln festgeklebt, aber stets auf der Innenseite. Am 26. Mai
bemerkte ich zum ersten Male, wie die jungen Räupchen an
den Nadeln und BlĂĽten der Kiefern umherkrochen. Ihr
Körper war mit dem mehligen Staube der Kiefernblüten be-
streut; von einzelnen, die an den BlĂĽten festsassen, bemerkte
ich, wie sie, um sich zu nähren, den Körper in jene ein-
tauchten. Ihre Farbe war ein schmutziges Gelb, der Kopf
glänzend schwarzbraun. Auf dem Nacken trugen sie einen
braunen Fleck. Der Saum zwischen diesem Fleck und dem
glänzend schwarzen Kopfe, welcher die Grundfarbe durch-
schimmern Hess, sah wie ein gelber Querstrich aus. Die
vorderen FĂĽsse waren schwarz, die hinteren zeigten die
Körperfarbe. Als ich ihnen am andern Tage frisches Futter
gab, war ihre Färbung eine dunklere geworden: ein Zeichen,
dass sie sich inzwischen genährt hatten. Der grösste Theil
sass an den BlĂĽten, nur einzelne lang ausgestreckt an den
Nadeln der Futterpflanze.
Die jungen Räupchen gediehen trefiflich, ohne dass ich
nöthig gehabt hätte, auf ihre Zucht eine besondere Mühe zu
verwenden. Ich zog sie vor dem Fenster in einem Schoppen-
glase; in dasselbe hatte ich ein kleines Gläschen gestellt,
welches, mit Wasser gefüllt, den Räupchen- einige Zweige
der Nahrungspflanze bot. Ich sorgte dafĂĽr, dass sich an den
Zweigen sowohl BlĂĽten, als junge Nadeln befanden, auch
wurde später ein Aestchen mit 2 unreifen Zapfen hinzugefügt.
Anfangs zogen die Räupchen die Blüten vor; später wurden
zahlreiche Ueberreste von abgenagten Nadeln auf dem Boden
des Glases vorgefunden. In einem der Zapfen bemerkte ich
nur ein einziges Mal eine kleine Aushöhlung, die wohl von
einer Raupe hergerĂĽhrt haben mag.
Am 14. Juni wurden die Raupen zum zweiten Male ge-
fĂĽttert. Wiewohl sie alle von einem $ herstammten, so
») Jalirgany 1874, S. 220 dieser Zeitschrift.
103
zeigte sich dennoch um diese Zeit schon ein bedeutender
Unterschied in ihrer Grösse. Einige mochten bereits halb-
wĂĽchsig sein; andere waren in ihrem Wachsthum zurĂĽckge-
blieben. Viele - grosse wie kleine — waren in der Häu-
tung begriffen. Die Raupen sa&sen entweder lang ausge-
streckt, oder wie ein Aestchen abstehend an den Nadeln der
Kieferzweige.
Als ich ihnen am J. Juli zum 3. Male frisches Futter
vorsetzen wollte, fand ich zu meiner Ueberraschung, dass
sich bereits eine grössere Zahl — 9 Slück — ihre Ge-
spinnste, in denen sie sich zu verwandeln im Begriff waren,
zugerichtet hatten. Da ich im Hinblick auf die am 7. Sep-
tember 1874 erwachsen gefundene Raupe eine so frĂĽhe Ver-
puppung nicht vorausgesehen, so hatte ich es bisher unter-
lassen, den Boden des Glases mit einer dichten Lage ge-
trockneten Mooses zu bedecken. Die Raupen waren daher
darauf angewiesen, sich zu verwandeln, wo es gerade ging:
theils hatten sie sich in den vertrockneten BlĂĽtenstand ein-
gebohrt, theils waren ihre Gespinnste an der Rinde der
Zweige angebracht; andere hatten die Leinewand, mit der
ich das Glas zugebunden, an einer Stelle zusammengezogen
und sich hier ein kleines Gespinnst zugerichtet.
Ich hielt es nun an der Zeit, nachzuforschen, ob es
nicht möglich sei, im Freien die Raupe zu finden. Daher
besuchte ich am 7. Juli den Ort, wo ich den Schmetterling
im Mai besonders zahlreich gesammelt hatte. Es war dies
der Saum eines mittleren Kiefernbestandes. In der That be-
durfte es nur eines kurzen Versuche?, um aus den unteren
Aesten einige, noch nicht halbwĂĽchsige Indigata-Raupen in
den Schirm abzuklopfen. Dass die Raupe auch im Freien
von den Nadeln der Kiefern lebt, ist kein Zweifel; sie scheint
Ende Juli und im August ihre volle Grösse erreicht zu ha-
ben. W^ohl nur selten geschieht es, dass eine Raupe bis in
den September lebt. Fragt man, wie jene am 7. September
1874 gefundene Raupe dazu kam, sich von den vermoderten
Theilen der Kiefernrinde zu nähren, so möchte ich antworten,
dass sie wohl durch einen Sturm vom Baume abgeschĂĽttelt
wurde und beim Hinaufkriechen an der Stelle, wo ich sie
später fand, sitzen blieb, — sich hier nährend, eo gut es
eben gehen wollte.
Ich gebe nun eine Beschreibung der aus dem Ei erzo-
genen Raupen, von welchen auch die im Freien gefundenen
Exemplare nicht verschieden waren. Die Raupe bleibt klein.
Sie ist schlank, gegen den Kopf schmäler zulaufend, auch die
104
letzten Segmente etwas schmäler. Grundfarbe blass 'gelb-
braun, die Breite des RĂĽckens (zwischen den Subdorsalen)
dunkel rothbraun, längs der Mitte am dunkelsten. Die
letzten Segmente zeigen eine hellere Färbung; auf ihnen be-
merkt man deutlicii eine dunkelbraune Mittellinie, die an
einzelnen Stellen verstärkt, an andern abgesetzt ist. Seiten-
kante hellgelb, etwas weisslich. Subdorsalen gelb. Der
Raum zwischen ihnen und der Seitenkante, welcher die blasse
Grundfarbe zeigt, wird nochmals von einer wenig deut-
lichen , gelblichen Längslinie durchzogen. Der Bauch ist
unterhalb der Seitenkante dunkel rothbraun, ĂĽber die Mitte
läuft ein breiter, heller, schmutzig grauer Längsstreif, welcher
gegen die dunkelbraune Färbung der Seiten ziemlich scharf
abgegrenzt ist und in der Mitte nochmals von einer feinen,
weisslichen Längslinie durchzogen wird. Doch ist die letztere
nur durch die Lupe zu erkennen. Der Bauch zeigt gelbliche
Segmenteinschnitte; auf dem RĂĽcken wurden dieselben nicht
bemerkt. Kopf hell rothbraun, Afterklappe gelb gerandet.
Alle Füsse hell bräunlich. Es ist dies die am lebhaftesten
gefärbte Form der Raupe.
Von ihr unterscheidet sich eine andere Form dadurch,
dass die gelben Subdorsalen verschwommener sind. Die
Breite des RĂĽckens ist nicht so dunkel rothbraun, als bei
der beschriebenen Form. Auf allen Segmenten ist eine
Rückenlinie sichtbar. Dieselbe entsteht dadurch, dass längs
der Mitte die Färbung des Rückens eine dunklere itt, als
nach den Seiten hin. Doch ist die RĂĽckenlinie nicht scharf
abgegrenzt. Vielmehr wird die Färbung des Rückens nach
den Seiten zu immer heller. Der Raum zwischen der Seiten-
kante und den Subdorsalen ist von einer gelblichen Längs-
linie nicht durchzogen.
Eine dritte Form der Raupe stimmt mit der unter No. 2
beschriebenen ĂĽberein; nur ist die Grundfarbe blass graubraun.
Die Subdorsalen sind wenig deutlich; ihre Farbe ist, wie die
der Seitenkante, schmutzig weissgelb. Es schien mir, als
seien die Raupen, welche diese Färbung zeigten, im Begriff,
sich zu verwandeln.
Das ĂĽberwinternde PĂĽppchen'*) ist schlank, kaum etwas
kräftiger, als dasjenige von E. irriguata Hb., welch letzteres
*) In einzelnen Eupithecia-Puppen bildet sich, obwohl sie den
Winter ĂĽber liegen, schon im Herbste der Schmetterling aus. So
besass ich einst 2 Puppen von E. satyrata Hb., deren eine bereits im
Herbste die deutlich ausgeprägte Zeichnung des Schmetterlings durch-
schimmern Hess, während .sie doch beide erst im nächsten Früh-
jahre fast zu gleiclier Zeit die Schmetterlinge ergaben.
105
das schmächtigste von allen mir bekannten Eupithecia-
PĂĽppchen ist. Seine FlĂĽgelscheiden sind gegeneinander ge-
neigt, seine Färbung ist hell rolhbraun. Das unbezeiehnete
Brustschild giebt die Grundfarbe am deutlichsten wieder, die
RĂĽckensegmente und die FlĂĽgelscheiden zeigen einen dun-
kleren Ton,
Indigata ist ĂĽber das ganze Taunusgebiige verbreitet.
Ich fand sie bei Oberursel, häufiger bei Dickschied und
Bornicii. Ihre Flugzeit beginnt gleichzeitig mit derjenigen
der E. pusillata Fabr., doch hält sie nicht so lange an. Der
Schmetterling kam mir ebenso häufig in Kiefern-, wie in
Kothtannenwaldungen vor, woraus ich schliesse, dass die
Raupe auch auf den letzteren lebt. Um Lärchen fand ich
Indigata nie, wiewohl der Wald, wo ich sie im Mai 1875
häufig fing, zur oberen Hälfte aus Kiefern, zur unteren aus
Lärchen besteht. Sollte die Raupe den letzteren Baum ver-
schmähen?
XI. Botys trinalis var. Bornicensis m.
Zwei (^o dieser schönen Varietät sammelte ich Ende
Juni 1875 in den Bergen des Rheinthaies. Die Vergleichung
mit einem Pärchen der Stammart, welches Herr Dr. Rössler
aus Wien bezog, ergab wesentliche Abweichungen, unsere
rheinischen Stücke sind kleiner als die österreichischen, die
Vorderflügel mehr in die Länge gezogen, der Aussenrand
schräger und dadurch die Spitze der Vorderflügel schärfer.
Während bei den Wiener Exemplaren die Grundfarbe in's
Schwefelgelbe zieht, ist sie bei unseren rheinischen eine
feurigere, das Gelb ein lebhafteres. Da die braune Färbung
einen breiteren Raum einnimmt, so erscheint der ganze
Schmetterling dunkler. Die Querlinien dicker als bei den
österreichischen Exemplaren; der Vorderrand und die unter
den Makeln herziehende Querlinie braun. Der Hauptunter-
schied liegt indessen in der braunen Färbung des Aussen-
randes. Diese ist bei den österreichischen Exemplaren wur-
zelwärts gegen die schwefelgelbe Grundfarbe scharf abge-
grenzt, während sie bei unseren rheinischen Stücken allmählich
in die Grundfarbe zerfliesst. Die HinterflĂĽgel sind dunkler
als bei der Stammart; die braune Färbung des Aussenrandes
reicht, besonders an der Spitze, dicht an die äussere Quer-
linie heran. Auf der Unterseite sind alle FlĂĽgel mit einem
braunen Tone angeflogen.
Die HĂĽbner'sche Abbildung, welche ich verglichen, weicht
von der Stammart dadurch ab, dass die Färbung des Aussen-
106
randes eine kalt bleigraue, statt eine brauue ist. Dennoch
«timmt sie zu den österreichischen Exemplaren besser als zu
unseren rheinischen, mit welchen sie nicht vereinigt werden
kann.*)
Eine neue Art der Gattung Aspila
(Eurychoridse),
von
Dr. Ci« Ilaagr«
Von der Gattung Aspila Fahr. (Col. Caflr. p. 256), weiche
sich durch die Flügeldeckenleisten, das gezähnte Kopfschild
und die spitzen, vorstehenden Zähnchen an der Basis des
Halsschildes auszeichnet, war mir bis jetzt nur die eine Art
bicostata Fähr, aus Caffrarien bekannt. Herr Director Dr.
Dobrn war so freundlich, mir eine zweite Art dieser inter-
essanten Gattung aus dem SĂĽden von Habesch mitzutheilen,
deren Beschreibung ich hier folgen lasse.
Aspila Dohrni n. sp. Ovata, atra, opaca, epistomate late
emarginato, bidenticulato; thorace transverso, lateribus ex-
planatie, foliaceis, margine crenulato, anlice profunde emar-
ginato, basi medio leviter exciso, angulis posticis in dentem
productis, supra granulatis; eljtris breviter ovalibus, margine
duabusque costis crenulatis, dorso granulatis pilisque longis
brunneis sparsim obsitis; epipleuris inflexis, profunde diffuse
punctatis, antice linea elevata obliqua tenui, notatis.
Long. 8 mill. (capite incl.), lat. 4 mill.
â– *) FĂĽr das uassauische Rheinthal sind folgende Alicrolepidopteien
neu: Botys flavalia var. lutealis Dup. (liäulig), Crambus saxonellus
(4 Exp. 1875), Conchylis zephyrana var. dubrisana Curt. (häufig),
Ateliotum hungaricellura Z. (ĂĽberall in den Rheinbergen verbreitet,
aber nur einzeln), Tinea nigripunctella Hw. (1875 unter Tinea parie-
tariella II -S. nicht selten, nach Sonnenuntergang fliegend), Ana-
campsis remissella Z. (1 Ex.), Aplota Kadeniella H.-S. (2 Exemplare,
den 9. und 14. Juni 1875 gleichzeitig und an denselben Orten mit
Nigripunctella und Parietariella nach Sonnenuntergang fliegend),
Alucita desmodactyla Z.
Von Margarodes unionalis Hb. ling ich ein $ bei Oberursel
(Taunus) im August, Abends, an HaideblĂĽte.
Eine ausfĂĽhrlichere Besprechung dieser Arten behalte ich mir
für spätere Zeit vor.
107
FĂĽhler flach, etwas zusammengedrĂĽckt, 3. Glied fast
etwas grösser als 4 und 5 zusammengenommen. Clypeus
vorne weit ausgeschnitten, so dass die Oberlippe deutlich
sichtbar ist, in der Mitte des Ausschnittes mit 2 kleinen
Zähnchen. Der obere Theil der Augen ist klein, länglich,
und liegt in einer tiefen Grube, welche sich nach dem Cly-
peus zu zieht; die Augenkiele sind erhaben und nach der
Stirne zu gebogen, wo sie sich fast mit einer Längsleiste,
welche über den Clypeus läuft, vereinigen; die ganze Ober-
fläche ist fein und dicht gekörnt. Halsschild sehr quer, fast
dreimal breiter als lang, seitlich stark verbreitert und etwas
aufgebogen, vorne tief, rechtwinklig ausgeschnitten, Vorder-
ecken weit vorgezogen und abgerundet, Seitenrand crenulirt,
weit ausgebogen, nach hinten bis da, wo die Schultern mit
der Basis zusammenstossen, abgerundet und hier mit einem
kleinen, nach rückwärts gerichteten Zähnchen versehen;
Basis zwischen den Zähnchen ausgeschnitten, Oberfläche durch
einen Quereindruck ĂĽber die Mitte etwas uneben, mit spitzigen
Granulationen ziemlich dicht bedeckt. FlĂĽgeldecken etwas
breiter als der Thorax, kurz eirund, nicht ganz doppelt so
lang als breit, ohne vorstehende Schultern, seitlich ganz
gleichmässig gerundet, auf dem Rücken leicht niedergedrückt,
Rand und 2 nach aussen geschwungene, nach hinten etwas
verkürzte Rippen, welche übrigens dem Rande zu näher
liegen als der Naht, scharf erhaben und gezähnt; Naht leicht
angeschwollen, ungezähnt; Oberseite etwas kräftiger, aber
weniger spitzig als der Thorax granulirt mit zwischenge-
streuten kleineren Körnchen und einzelnen langen bräunlichen
Haaren. Epipleuren grob, zusammenfliessend punktirt, mit
dem fĂĽr einige Eurychoridengattungen charakteristisch feinen
Querleistchen. — Vorderbrust dicht granulirt, Segmente leicht
glänzend, etwas weitläufiger mit Granulation bedeckt.
Die Art unterscheidet sich von bicostata durch ihre mehr
rundlichen Flügeldecken und hauptsächlich durch die Granu-
lirung der Oberseite. Sie hat das Aussehen einer kleinen
Pogonobasis opatroides mit gerippten FlĂĽgeln.
108
Zur Synonymie,
von
Dr. CĂĽ. Haas.
In Betreff des Artikels von Prof. H. Burmeister im vo-
rigen Jahrg. S. 265 ĂĽber argentinische Melasomen habe ich
Folgendes zu bemerken:
i. Cardiogenius cicatricosus Burm. wĂĽrde wegen des
von Solier (Ann. de la soc. ent. 1836, p. 494) beschriebnen,
gleichnamigen Card, nicht aufrecht erhalten werden können,
wenn die Burm. Art nicht schon von Fairmaire in den Ann.
del Mus. civico di Genova IV, p. 2 als Card, granulatus
(scabratus Deyr. in lit.) beschrieben wäre.
2. Card, hirsutus Burm. ist identisch mit C. crinifer
Fairm. 1. c. und mit C. capillatus Deyr. in lit. und C. cri-
nitus Chevr. in 1.
3. Card, subcostatus Burm. halte ich für Varietät von
C. cicatricosus Sol., der eben so häufig als veränderlich ist,
und oft die beiden Rippen (utroque bicostato) zwischen den
unregelmässigen Streifen der Eljtra zeigt.
Die kurze Beschreibung Burmeister's passt vortrefflich
auf abgeriebne Exemplare des cicatricosus Sol., welche die
gewöhnlicheren sind.
Pieris brassicse,
die Gewaltige, von welcher ich bereits in dieser Zeitung
(Jahrg. 1861, S. 82) als Augenzeuge berichten konnte, dass
sie vermag, „einen Bahnzug in voller Fahrt zu bremsen*^,
hat wahrscheinlich im berechtigten Aerger ĂĽber unser vom
tollen Zweifelhunde (cf. Lateau, Lourdes etc.) gebissenes
Jahrhundert denselben Wundereffect, oder doch einen ganz
ähnlichen wiederholt.
In den „Verhandlungen des Vereins für naturwissenschaft-
liche Unterhaltung zu Hamburg 1871—1874'^, welche J875
bei L. Friederichsen & Co. in Hamburg vom Geschäftsführer
Schmeltz, dem verdienstlichen Custos des berĂĽhmten Godef-
froj\'chen Museums veröffentlicht sind, findet man S. 17 die
109
Notiz, dass „kurz vorher" (die Sitzung fand am 2, Juni 1871
statt) „auf der Hamburg-Lübecker Eisenbahn zwischen Ham-
burg und Wandsbeck eine Verkehrsstörung stattfand. Es
wurden hier bei einer Wanderung der Raupen von Pieris
brassiese (von einem der dort befindlichen, vollkommen kahl
gefre.ssnen Kohlfelder nach einem andern jenseit der Schienen)
Tausende derselben durch die Räder zerquetscht, und dadurch
die ZĂĽge in ein derartiges Rutschen auf der ohnehin bergab-
führenden Strecke gebracht, dass der Verkehr während meh-
rerer Tage nur dadurch zu ermöglichen war, dass die
Schienen mit Sand bestreut wurden.^'
Die „mehreren Tage^ lauten allerdings bedenklich, da
sie kaum eine andre Wahl lassen, als entweder an eine
schwerglaubliche „mehrtägige Procession der Raupen" oder
an eine „unglaublich nachlässige Revision der Schienen resp.
Reinigung der Bahnstrecke'' zu denken. Eher Hesse sich
vermuthen, dass der Wortlaut nicht exact gefasst ist. FĂĽr
mich liegt bei diesen Vorgängen das Interessanteste in der
Frage: warum entschlossen sich die Raupen zu der Wande-
rung in Masse erst, als das ganze Kohlfeld abgefressen war,
und nicht (theilweise wenigstens) schon frĂĽher? Mit der
scheinbar nahe liegenden Abfertigung: „sie frassen, was ihnen
vor der Nase lag und mussten dann weiter, dahin, wo sie
neuen Kohl rochen", möchte ich mich nicht abweisen lassen.
Es muss doch nothwendig ein Moment gewesen sein, in
welchem ein Leithammel oder eine Leitraupe den bis dahin
verachteten Weg ĂĽber die Schienen eingeschlagen hat, und
wenn dies^er neue Weg ĂĽbereinstimmend von der ganzen un-
geheuren Zahl eingeschlagen wird — wollte da Jemand be-
haupten, dass diese Hunderttausende StĂĽck fĂĽr StĂĽck sich
durch Bekriechen des ganzen Kohlfeldes erst von dessen
KahJgefressenheit überzeugt hätten? oder dass sie so feine
Geruchsorgane hätten, um dadurch wissen zu können: „auf
dem langen Felde A diesseit der Schienen stehen nur noch
kahle Strünke, aber auf B jenseit sind noch Kohlblätter zu
haben?"
In gewissem Zusammenhange mit dieser Geruchfrage
steht folgende Thatsache, die mir vor etwa 20 Jahren in
meinem Garten auffiel. Ich stand neben zwei Loniceren-
GebĂĽschen, die um etwa zwei Schritt auseinander und beide
in angehender Blüte standen. Plötzlich kam ein Schwärm
Cantharis vesicatoria von SĂĽdost geflogen, liess sich auf einem
dieser Büsche nieder und frass gierig an den Blättern. An
die Stelle der nach Nordwest weiterfliegenden sattgewordnen
rückten beständig neue Ersatzfresser von Südost, und es
währte nicht eben lange, dass sie den ganzen Busch ziemlich
110
kahl gefressen hatten. Aber nicht einer Cantharis war es
eingefallen, den Nachbarbusch derselben Pflanze zu besuchen,
und als der erste Busch beinah kahl war, floaten sie vorĂĽber,
ohne anzuhalten. Hiebei fiel natĂĽrlich das Moment eines
^massgebenden Leithammels" vollständig weg, jede einzelne
Cantharis agirte selbständig; und doch war der befressene
Lonicerenbusch noch nicht derart entblättert, dass nur noch
Stiele und Holz übrig gewesen — sowie wahrscheinlich bei
den abgefrespnen Wandsbecker Kohlfeldern noch einzelne
StrĂĽnke mit geniessbaren Resten vorhanden waren, als sich
die Raupenlegion zu dem verhängnissvollen Flankenmarsch
ĂĽber die Schienen entschloss. Welcher Art war nun aber
das Sensorium commune??
C. A, »olirn.
Intelligenz.
FĂĽr Neuropterologen.
In unserm Verlage erscheint:
A Monographie Revision and Synopsis
Ol' the
Trichoptera of the European Fauna
by
Robert IHc^ Ijaclilan.
Das vollständige W^erk wird einen Band in gr. 8. mit
etwa 50 Kupfertafeln bilden.
Erschienen Heft 1 und 2 mit 11 Kupfertafeln. Preis
14 M. Gegen Einsendung des Betrages liefern wir diese
Hefte umgehend franco, so wie die Fortsetzung sofort nach
Erscheinen.
Entomologische Lager-Cataloge auf Verlangen gratis und
franco.
Kerl in, NW., Carlstrasse 11.
R. Friedländei* <&* Nf»lin.
111
Zum Mitglieder -Verzeichniss
sind ausser den S. 26 dieses Jahrgangs bemerkten Verände-
rungen noch folgende inzwischen bekannt geworden:
Gestorben sind die Herren:
Bach mann in Insterburg.
Damm in Magdeburg,
Fraude in ZĂĽllchow.
Gressner in Rochlitz.
C. J. Milde in LĂĽbeck.
MĂĽller in Neustadt-Eherswalde.
Richter in Potsdam.
Schreckenbach in Chemnitz.
Völcker in Eiber feld.
Baron Welser in NĂĽrnberg.
Zu berichtigen sind die frĂĽheren Wohnorte der Herren :
Eich hoff, jetzt Kais. Oberförster in Saarburg.
Frey-Gessner, jetzt Gustos am entom. Museum
in Gen4ve.
Funke, nach Amerika ausgewandert.
Mangold, Oberforstmeister in Danzig.
Graf Matuschka, jetzt Forstrath a. D. in Breslau.
Albert MĂĽller, wohnt nicht mehr in England,
sondern in Basel.
Im Verzeichnisse war irrthĂĽmlich ausgelassen:
Herr Dr. O^car Struve in Leipzig.
Es wird wiederholt darum gebeten, Veränderungen,
welche sich auf den Bestand und die Wohnsitze unserer
Vereinsmitglieder bezielieu, freundlichst uns mittheilen zu
wollen, damit das im nächsten Jahrgange zu gebende Ver-
zeicliniss möglichst correet ausfalle.
Red.
112
Bericiltigiiiig.
Herr M. Korb bittet, den Schreibfehler der Jahresz.ahl
1872/ 73 (S. 32, Z. 7) in 1873|74 zu berichtigen.
Red.
Iitlialt:
Neujahrs-Note zum Reichs-Text S. 3. Rede zur Stiftungsfeier
S. f). Mitglieder-Verzeichniss S. 26. Korb: Insecten-Beobachtungen
in der Libyschen WĂĽste S. 27. MĂĽschler: Exotisches (Scudder's
Synon. List) S. 32. Ritsema: Paussus Woerdcni S. 42. Cornelius:
Eine neue Insectenquelle (Gasometer-Bassin) S. 43. Reitter: Nach-
trag zu Lathridiidse S. 50. Wehncke: Dytiscus persicus n sp. S. 52.
Stein: Neue Tenthredoniden S. 53, Keferstein: Lepidopterolo-
gisches S. 62. Lichtenstein: Zur Systematik von Phylloxera S. 64.
ĂĽohrn: Literatur (Westwood's Thesaurus oxou.) S. 65. Koltzo:
Englische Notizen S. 67. Ăźrischke: Lepidopt. Notizen S. 68.
Emery: Ueber hypogäische Ameisen S. 71. Dohrn: Exotisches
(Liberiana) S. 77. Dohrn: Rhinocles, nov, Genus Calandr. S. 86.
Spängberg: Ueber drei hochnord. Arten Cupido S. 91. Fuchs:
Lepidopt. Mitth. aus d. nassauischen Rheinthale 8. 94 Haag: Aspila
Dohrni n. sp. S. 106. Haag: Zur Synonymie d. Melasomen Bur-
meiater's 8. 108. Dohrn; Pieris brassicse S. 108. Intelligenz S. 110.
Au.sgegeben Mitte Deeember 1875.
Entoiiiolos*i(iche Zeitung
herausgegeben
von dem
eiitomologisclieĂĽ Vereine zu Stettin.
Redaction* ^"^ Commission bei den Buchhandl.
C. A. Dohrn, Vereins-Präsident, v. L S.Mittlerin Berlin u. Fr.Fleischer
' in Leipzig.
No. 4-6. 37. Jahrgang. April -Juiii 1876.
Vereins- Angelegenheiten.
In der Sitzung am 9. December v. .). bestätigte sich die
alte Erfahrung, dass die geehrten Doniini entomologi, Mitglieder
und Nichtmitglieder unsers Vereins, bei einbi'eehendem Winter
die ĂĽber Ă–dinnier eingetrocknete Correspondenztinte wieder
frisch nachgelullt hatten — es waren seit der letzten Sitzung
ini October über 90 Bi-iefe eingelaufen. Zum Theil erklärt
sich das ganz natürlich aus dem Umstände, dass der „Som-
merfang''' bis dahin die tVeie MĂĽsse ĂĽberwiegend in Anspruch
genommen hat, und dass erst nach ĂĽbersichtlicher Anordnung
desselben manche Anlässe hervoi-trcten, die Vermittlung des
Vereins in Anspruch zu nehmen. Zum Theil aber kommt es
augenscheinlich daher, dass manche der geehrten Collegeu
(^namentlich unter tlenjenigen, welche auf dem Lande oder in
kleinern, von dem W^eltgetriebe weniger berührten Städten
wohnen), sieh keinen deutlichen Begriff davon machen, w^e
sich in grössern Städten in den Wochen kurz vor Weihnachten
und um die Neujahrszeit herum (k^r Poslverkehr gestaltet.
Abgesehen von der unvermeidlichen Misshandlung der Pakete
( — von deren Bezeichnung mit „Vorsichtig"^, „Zerbrechlich"'',
oder Bemalung mit Flaschen manche naiv Unei'fahrne sich
zarte Rücksichten versprechen — ) leidet selbst die Beförderung
der Briefe und Postkarten um diese verhängnissvolle Zeit unter
dem Druck der üeberzahl — auch ih'<' Postbeamten sind nur
sterbliche Menschen und ultra jxtsse nemo obligatur!
Deshalb wäre zu wünschen, dass die y;eehrteu Petenten manche
114
im Sommer und Herbst bereits deutlich formulirbare WĂĽnsche
nicht erst auf den Winter verschöben, sowie umgekehrt
manches Begehrenjnieht darunter leiden wĂĽrde, wenn es nicht
im December, sondern erst in der zweiten Hälfte Januar's an-
gemeldet wĂĽrde, wo sich die Hochflut der Briefe und Pakete
schon wieder auf den Durchschnitt ermässigt hat. Das be-
kannte Sprüchwort: „Gelehrten ist gut predigen" passt hier
ausnehmend erbärmlich, denn sie gerade sind vorzugsweise
mit dieser harmlosen Philippica gemeint — die Geschäftsleute
lernten längst aus der Praxis, dass eine umgehende Antwort
sich leichter und viel schneller schreibt, als eine verschleppte.
Time is money.
In der Sitzung wurden als Mitglieder vorgeschlagen und
in den Verein aufgenommen die Herreu:
Max Bastelberge r, K. bair. Artillerie -Lieutenant in
MĂĽnchen,
Dr. Tycho Tullberg, Docent an der Universität
Upsala,
Dr. Jacob Spängberg ebenda,
Friedr. von Half er n in Burtscheid bei Aachen.
S. Exe. der General -Gouverneur von Niederländisch-
indien, van Lansberge, spricht in seinem Briefe (Buitenzorg,
2. Oct.) den Dank fĂĽr das ihm ĂĽbersendete Ehrendiplom auw
und bemerkt, dass nach allen bisherigen Wahrnehmungen,
(soweit die Central-Administration von 25 Millionen Mensehen
ilim dazu die begreitlich beschränkte Müsse gelassen), es den
Anschein habe, als werde je länger je bedenklicher die auf-
fallende Zunahme der Ameisen allen ĂĽbrigen Land-Insecten,
uamenthch den Käfern (etwa mit Ausnahme der Buprestiden,
Lamellicornien und Chrysonielinen) verderblich werden.
Ur. C Mi, Dohrn.
115
Exotisches
von
(Fortsetzung der Liberiana S. 86.)
Zunächst wäre über eine kleinere, im November 1875
hier in Stettin eingetrotlhe, demnach also etwa in den Mo-
naten Juli bis September in Monrovia erbeutete Sendung zu
berichten, dass sie verhältnissmässig wenig Neues bot. Doch
wäre es undankbar, über den vielen, durch das lange Liegen
in Spiritus zu stark aufgeweichten und grossentheils unbrauch-
bar gewordnen Anachalcos cupreus F., Nyctobates sinuatus F.,
Eupezus longipes F. zu ĂĽbersehen, dass ausser einem grossen
Acanthophoriden, von M'^elchem später die Rede sein wird,
erstens aus der interessanten Ozeenidengruppe der einzige,
bisher auf dem alten Continent bekannt gewordne Repräsentant,
Pachyteles Intens Hope (Wjhei Murr.) diesmal vertreten war,
zweitens aber ein höchst willkommnes Exemplar des im vo-
rigen Jahrgange S. 218 Iiesprochnen Platynodes Wester-
manni Westw. Es wäre mir allerdings lieber gewesen, wenn
der neue Ankömmling ein (^ und nicht ein $ gewesen wäre,
aber jedenfalls bestätigen die augenfällig unerweiterten Vor
dertarsen, dass die von mir behauptete Gesehlechtsdifferenz
unter die Kriterien dieser Gattung gehört.
Ausserdem waren einige Hectarthrum (Passandriden) mit-
gekommen, eine Gruppe, welche in den frĂĽheren Sendungen
unvertreten gebheben war.
Wenn ich jetzt zu der Aufzählung der bisher aus Mon-
rovia eingetroffnen Heteromeren ĂĽbergehe, so werden die mit
dieser schwierigen Familie, (deren Spaltung in zwei Hälften
unser Veteran Burmeister mir im vor. Jahro-. S. 457 ganz
plausibel gemacht hat), etwas genauer Bekannten sich nicht
darĂĽber wundern, dass auch die erbetene und verbindlich ge-
währte Beihülfe unsers bewährtesten Heteromerenkenners,
meines Freundes Dr. G. Haag, manches Dunkel unaufgeklärt
gelassen hat. Bei Verleihung des Namens „Tenebrio'-' hat
Erzvater Linnseus otfenbar durch Inspiration gewusst, dass
diese schwarze Gesellschaft noch auf lange hinaus die Coleop-
teristen nöthigen werde, in tenebris zu tappen.
8*
116
Opatiinus semicribrosus Murr.
Opatrinus sp., etwas kleiner als die vorige.
Opatrum sp.
Ceropria janthina Thoms., eine zierliche, anscheinend
nicht seltne Art, deren lockres GefĂĽge den Transport in Spi-
ritus so wenig verträgt, dass nur wenige Exemplare leidlich
brauchbar verbheben.
Toxicum taurus F., die (^ mit längeren und kürzeren,
geraden und gebognen Kopfliörnern, die anseheinend zu un-
nöthigeu Arten Anlass gegeben.
Ny ctobat es sinuatus F., in grosser Zahl. Beinah ebenso
stark vertreten ist
„ punctatus F.
Ich glaube aus der ersten Sendung noch eine dritte Art
zu besitzen, welche oberflächlich dem N. sinuatus sehr ähnlich
ist, aber durch mancherlei Abweichungen differirt: letztes
Palpenglied weniger beilförmig, Thorax nur mit schmaler
rother Einfassung des Vorderrandes, Elytra mit schmaler aber
deutlich aufgeworfner rother Wulst an der Basis. Ich habe
aber bisher vergeblich auf ein zweites Exemplar gewartet.
Tenebrio guineensis Imhof.
Heterotarsus tenebrioides Guer.
Odontopus cupreus F. Dies ansehnliche, anscheinend
nicht seltne Thier bietet beeiferten Speciesfabrikanten will-
kommene VerfĂĽhrung: abgesehen von den Farbenstufen von
fast Schwarz bis zu hell Purpur zeigt der Thorax in der Form
manches schwankende, sein Rand ist meist ziemlich scharf
gezähnt, mitunter aber sehr schwach, kaum bemerkbar, und
zeigt unregelmässige, bei einem der Stücke auch symmeti-ische
Gruben. Die unpunktirten Längsgruben der Eh'tra variiren
sehr in der Deutlichkeit.
Odontopus rugulosus Murray in lit. nmss in Monrovia
sehr selten sein, da ich nur 1 Exemplar bisher erhielt.
Uebrigens würde diese Art vollständig auf Lacordaire's Be-
schreibung von Metallonotus dentlcollis (Gen. V, p. 4Ăś2)
passen, wenn der Thorax Randzähne hätte.
Calostega purjmripennis Westw. zeigt ebenfalls allerlei
unregelmässige Eindrücke auf einzelnen Halsschilden. Lacor-
daire's Angabe (1. c. 403), man könne auf den Flügeldecken
ausser in den kaum bemerkbaren Strieen auch mit scharfer
Lupe keine Punktirung bemerken, kann ich nicht ganz be-
stätigen; auch ausserhalb der Streifen stehen einzelne deuthche
Punkte: jedenfalls ist die Art allerdings auflallend glatt im
Vergleich zu ihren Nachbarn.
117
Chiroscelis digitata F. war in den frĂĽheren Sendungen
nur durch einzelne ,^ vertreten gewesen; diesmal waren auch
einige .? mit den charakteristischen 2 Filzfleckchen am zweiten
Bauchsegment eingetroffen.
Prioscelis serrata F. scheint gleichfalls zu den ver-
änderlichen Arten zu gehören, da ich eine grössere Anzahl
davon vor mir habe, die in einzelnen Punkten, namentlich in
dem Umriss des Thorax, nicht unerheblich differiren. Doch
fand ich nur 1 Exemplar daneben, welches durch einen voll-
kommen wie bei Fr. Fabricii Westw. eingebognen spitzen
Schulterzahn der Elytra unzweifelhaft specifisch abweicht.
Da das Exemplar nicht blos um die Hälfte kleiner, sondern
auch viel stärker striirt ist als Fabricii, so halte ich es vor-
läufig für eigne Art (humeridens m. in coli.).
Prioscehs Raddoni Westw.
Pycnoeerus sulcatus F. wiederum mit schwankenden
Thoraxgriibchen. Ich bin zweifelhaft, ob ich Recht gethan
habe, ein kleineres glänzend grünes Exemplar (die andern sind
dunkel kupferfarbig) unter dem Namen impressicollis m. vor-
läufig abzusondern; es hat zwei starke, dreieckige Gruben in
der Mitte des Thorax, und neben jeder derselben einen kleinen
Quereindruck, alles symmetrisch. Das geht anscheinend ĂĽber
blos zufällige Sculpturlaunen hinaus, genügt mir indess nicht,
wenn nicht andre Exemplare meine Vermuthung bestätigen.
Auch bei
Megacantha dentata F. bin ich nicht zweifelsfrei, ob
die grossen und kleinen Exemplare alle zu einer Art gehören,
da die grössern ganz entschieden durch den im Verhältniss
massiveren mehr quadraten Thorax einen andern Habitus
haben. Einstweilen mögen sie sich unter demselben Etiketten-
hut vertragen.
Hoplonyx (Oplocheirus) sp.
Eupezus longipes F. Dies schwarze Langbein muss
recht häufig sein, aber ich weiss nicht, ob die verschiedene
Färbung, blankschwarz bei den einen, matt sammetschwarz
bei den andern, davon abhängig war, ob frisch entwickelte
oder schon ältere abgeriebne Exemplare in den Spiritus ge-
worfen wurden.
Mehrere Arten Strongylium, von denen nur eine als
viridulum Maekhn bestimmt ist. Von
Praogena calabarica Maekl. hat der Monrovianer viele
Exemplare eingesandt, von denen der grösste Theil das monate-
lange Liegen in Spiritus nicht vertragen konnte und die Co-
häsion verloren hatte. Von einer schönen, andern Art (nach
118
Dr. Haag"s Conjci'liir ein vollkommou ausgefärble.s Exemplar
von Pr. Iiicidiilu Mackl.) ist bisher mir ein SlĂĽck gekommen.
FĂĽr meluere Arten Lagria, zwei Arten Lyila und eine
schwarzgelbe Mylabris waren bisher die Namen nicht sicher
zu ermitteln. Die letztere muss sehr gemein sein, denn sie
kam in grosser Zahl, und hat vielleicht mehr als einen Na-
men, da ihre Zeichnungen (zwei rothgelbe Querl)inden auf
schwai'zem Grunde) ziemlich stark variiren, und die Extreme
(14 MilHm. bis 30 Millim. Länge, die schwarze Mittelbinde
bald breit, bald verschwindend klein) zum Artenmachen ver-
leiten könnten, falls die Uebergänge nicht zugleich vorlägen.
Zwei Longicornien aus Monrovia,
von
V. A. Dolirn.
A. Ein seltsamer Acanthophoride.
Die Doctorfrage: ,,wa.s ist eine Gattung, und was reicht
. aus, eine neue zu begrihiden, oder von einer altbekannten
abzuzweigen?*-' ist leichter aufzuwerfen als zu beantworten.
Alle (oder doch fast alle) ältere Entomologen werden mit mir
in dem „Vorurtheil'' gegen neue Gattungen sympathisiren,
aber ebenso wird mir Jeder Erfahrene Recht geben, wenn ich
bei diesem Punkte behaupte: „tot capita, tot sensus —'■'■und
dass schwerlich auch nur Zwei sich linden werden, welche
darĂĽber in Theorie und ])raktischer Anwendung vollkommen
harmoniren.
Das ist so ausgemacht wahr, dass ich geradehin be-
fĂĽrchten mĂĽsste, meine perstinlich-freundlichen Beziehungen zu
nicht wenigen ehrenwerthen Gattungs-Errichtern durch Dy-
namit in die Luft zu sprengen, wenn ich mich ohne Noth auf
Specialien einliesse.
Zu diesem leidigen, weil vergeblichen Seufzer werde ich
durch einen Prioniden versinlasst, den mir die letzte Sendung
aus Monroviji im Noveml)er (875 gebracht hat.
Ich beziehe midi zunächst auf das, was ich im Jahrgang
1874, S. 424 dieser Zeitung bei Gelegenheit des Acanthophoi-us
Hahni m. gesagt und aus Lacordaire (Genera d. col. Vlll.,
119
p. 68) excerpirt habe. Dort habe ich gegen die Trennung
der Thomson'jschen Gatliuig Tilhoes von Acanthophorus meine
Bedenken verlautbart; heute wäre ich zienüich geneigt, der
White'schen Gattung Dorjcera die Existenz zu verkĂĽmmern.
Der mir vorhegende Prionide ist nämhch nach Grösse
und ĂĽberwiegend nach seinem ganzen Habitus ein Acantho-
phorus (Tithoes), aber nach den von White angegebnen, von
Lacordaire vervollständigten Kriterien eher eine Dorycera.
Nach der Einbuchtung des letzten Segments ein (J.
Die Gattungs-Diagnose lautet bei White (Cat. Longicorn.
p. 13):
Der Antennen drittes Glied und die sieben folgenden
mit einer dornartigen Verlängerung an der äussern
Spitze; das Endglied dicht vor der Spitze gekerbt.
Thorax kurz wie bei Derobrachus mit 3 langen Dornen
jederseits. Das Schildchen an der Spitze leicht ge-
kerbt. Die Ränder der Beine glatt.
Dass Wliite der Augen und ihrer so charakteristischen
Contiguität nicht erwähnt, kommt offenbar daher, dass er die
africanischc Gattung zwischen die americanischen Derobrachus
und Aulacocerus gestellt hat, deren Augen stark genähert
sind. Dann folgen bei ihm noch Hophderes aus Madagascar
und Enoplocerus aus Brasilien, ehe er zu Acanthophorus ge-
langt. Man kann sich darĂĽber insofern wundern, als er sub
nomine Acanthophorus megalops eine Art aus Fernando Po
l)eschreibt (1. c. p. 15), von der es heisst „ocuhs subtus
proximis, supra approximatis." Freilich vergisst er (sowohl
in der Diagnose, als in der Beschreibung), der Bewaffnung des
Thorax irgend Erwähnung zu thun, und ich würde dem A.
megalops unbedingt einen unbedornten Thorax zugeschrieben,
und ihn schon dadurch fĂĽr einen der Gattung fremden ge-
halten haben, wenn nicht Lacordaire in der Note (1. c. p. 71)
bemerkte, dass A. megalops „deux 6pines anterieures longue-
nient soudees'"' besitzt. Doch will ihn Lacordaire weder als
Acanthophorus, noch als Tithoes gelten lassen, sondern zu einer
Zwischengattung erhoben wissen, was Herr Higgins durch
die Gattung Ommatomenus bewerksteUigt hat.
Lacordaire's viel genauere, 20 Zeilen lange Charakteri-
sirung der Gattung Dorycera findet sich 1. c. p. 70. Zunächst
genügt es mir, daraus die Punkte zu erwähnen: „Mandibules
et labre des Acanthophorus — (antennes) Systeme porifere
des Acanthophorus — jambes et tarses des Acanthophorus.'-'
Nun AA ill ich zunächst meinen Monrovianer der Abkürzung
halber mit X bezeichnen, und dann nachweisen, in welcher
120
Woise er sich hald zur Geltung Tithf»es (den africanischen
Acanthophonis) bald zu Dorycera bekennt.
V(in Doiyeera spinieornis F. hal)e ieh ein Exemplar von
o4 Millim., eins von 38 Mill. Länge, das grössere ist 12 Mill.
breit, das kleinere 7.
X niisst 65 Millim. in der Länge, 25 Mill. in der Breite.
Da ein grosses ,_J von Titlioes confinis 70 Mill. Länge, 28 Mill.
Breite hat, so ergiebt sieh hiemiis allein sehon der massive
Habitus von X, der auch darin mit dem von Tithoes ĂĽberein-
stimmt, dass die Elytra an den Sehultern etM'as eomprimirt
sind, sieh dann bis beinah gegen die halbe Länge hin sauft
erweitern, darauf aber gegen den Apex sehmaler M'erden.
Bei Dorycera haben sie von der Schulter bis ziemUch dicht
vor dem Apex parallele Breite. Tithoes hat den Seitenrand
des Thorax mit drei Zähnen bewallhet, deren vordere zAvei
gleichsam die voi-ragenden Zacken eines hornigen, heraustre-
tenden Plättchens sind: der hinterste dritte steht mit diesem
Plättchen in keiner Verbindung, befindet sieh aber mehr nach
oben und ist etwas verticaler gerichtet als jene.
Die Thoraxdornen bei X haben genau diese Conformation,
während sie bei Dorycera zwar im Punkte des hintersten
Dornes dasselbe Verhältniss zeigen, aber von dem hornigen
Plättchen der beiden andern keine Andeutung verrathen.
Wenn ich zu dem Bilde der Oberseite von X noch den
Zug hinzugefĂĽgt habe, dass X und Tithoes die Basis der Elytra
rauh und gi-ob punktirt zeigen, wogegen die sehwache Punk-
tirung von Dorycera wegen der feinen Behaarung kaum wahr-
zunehmen ist, so scheint X ĂĽberwiegend zu Tithoes zu ge-
hören. Aber es scheint nui- so, jetzt kommen andre Kriterien
zur Sprache.
Bei fünf Tithoes meiner Sammlung beträgt der Zwischen-
raum zwischen den Augen, da, wo sie am engsten zusammen-
treten,
auf der Oberseite von 3 bis zu 5 MiUim.,
auf der Unterseite von 3 }»is zu 7 Millim.
Bei einem sechsten StĂĽcke, einem ganz unzweifelhaften
Tithoes, von dem ich nber nicht weiss, ob er beschrieben ist,
nähern sich die Augen auf der Oberseite bis auf weniger
als 2 Millim., stehen indess auf der Unterseite volle 2 MilHm.
auseinander.
Bei Dorycera bei lägt flas Spalium auf der Oberseite noch
nicht 1 Millim. bei dem grössern Exemplare: bei dem kleinern
kaum ^u m.
121
Bei X erreicht der Zwischenraum auf der Oberseite noch
nicht 1 Mill.
Auf den Unterseiten von Dorycera (beide Ex.) und von
X stossen die Augen zusammen.
Tithoes hat das erste Glied der Hinter tarsen rundlich,
dick, und kleiner als 2 und 3 zusammengenommen. Dorycera
imd X haben es dünn ausgezogen, und eiwns länger als 2
mit 3 addirt.
Die Acanthophorus, sowohl der asiatische braune serrati-
cornis Oliv., wie der afiicanische schwarzbraune Hahni m.
haben glatte, fast glänzende Elytra; selbst durch die haarigen
Makeln der Tithoes sieht man das Dunkelbraun der Grundfarbe
durchschimmern; von Längsrip})en ist nur jeweileii eine schwache
Andeutung sichtbar. Bei Dorycera ist die Färbung der zim-
metbraiinen Elytra gleichmässig matt -durch die subtile, aber
dichte Behaarung; zwei feine, aber dem blossen Auge deutlich
wahrnehmbare Längsrippen stehen eine auf der Mitte jeder
Decke, die andre zwischen dieser und der Sutur.
X hat genau diese beiden feinen Ri])peu, aber weder die
haarfreie Textur der Acanthophorus, noch die Haarmakeln der
Tithoes, auch nicht die matte zimmetfarbne Behaarung der
Dorycera, wohl aber einen bei schief auffallendem Lichte
glänzenden braunen Sammet-Ueberzug, der jedoch erst hinter
der rauhen Punktirung der Basis der Elytra beginnt.
Und nun kommt zu allen diesen Controvers-Punkten noch
ein ganz eigenthĂĽmlicher hinzu.
Lacordaire hat (Genera VHI. p. 68) folgendes Schema
aufgestellt:
L Yeux assez fortement separes en dessus.
Saillie prosternale droite, arrondie
au bout Tithoes.
Saillie prosternale arquee, aigue
au bout Acanthophorus.
U. Yeux tres-rapproches en dessus . . Dorycera.
Mir ist nicht klar, weshalb Lacordaire bei L nicht vor-
gezogen hat, zu sagen „Augen, unterhalb getrennt", woraus
bei IL sich ergeben hätte „Augen unterhalb zusammenstossend'-'.
Ich habe vorher berĂĽhrt, dass ich einen (sechsten) Tithoes
besitze, bei welchem die Augen sich oberhalb bis auf weniger
als 2 Mill. nähern, unterhalb aber eher etwas weiter aus-
einanderstehen.
Die Angabe Lacordaire's in der ausfĂĽhrlichen Gattungs-
Diagnose für Dorycera: „Saillie prostei-nale fortement arquee
et arrondie posterieurement"-' kann ich bei meinen beiden
122
p]xomj)Inren nicht sonderlich zul reifend finden. Bei dem klei-
neren E.\eni|)iare Ireten die Vorderschenkel so nahe zusammen,
dass der Prosternalforlsatz ĂĽberhau})t sich auf ein Minimum
leducirt, so dass von „gebogen und nach hinten abgerundet'-'
kaum die Rede ist: bei dem grösseren ist der Apex des
Prostcrnalzapfens mit Haaren überwachsen, aber ich möchte
ihn (wenn ich mit einer Nadel seinem Umrisse folge) eher
für zugespitzt, als für abgerundet erklären, namenthch wenn
ich ihn mit den haarfrei, gross und breit dem Auge vorlie-
genden Prosternalzapfen der Tithoes vergleiche, die alle 2 lin.
lat. messen.
Was zeigt nun X bei diesem Punkte?
Weder das unbedeutende, wenig bemerkbare Zäpfchen
von Dorycera, noch den breiten, blanken, ungerandeten, ziemlich
gerade vorn abgerundeten Zapfen von Tithoes, wohl aber einen
liaarfreien, anfangs ein wenig sich wölbenden, dann entschieden
spitz, nicht rund, verlaufenden Zapfen mit etwas aufgeworfnen
Rändern, dessen Basis eine deutliche Carina hat, wie Acanth,
Orientalis und Hahni.
Hoffentlich habe ich somit meine ursprĂĽngliche Absicht
erreicht, den Nachweis zu fĂĽhren, dass X ein muthwilliges
Subject ist, dem es Freude macht, systematischen Unfug zu
treiben. Aber das darf ich leider nicht hoffen, dass es ihm
(resp. mir) gelungen sein wird, zu Gunsten der, fĂĽr die we-
nigen Arten vollkommen ausreichenden Gattung Aeantho-
phorus die sehr entbehrliche Tithoes und die bedenklieh er-
schütterte Dorycera zu beseitigen — im Gegentheil, irgend
ein Dominus Nominifex wird dem Frevler X eine neue Gatr
tungskappe aufstĂĽlpen. Deshalb will ich ihn ausdrĂĽcklich
(soweit dies nicht unwillkĂĽrlich schon geschehen) nicht weiter
specifisch beschreiben — schon um deswillen nicht, weil er
möglicherweise nichts anderes ist, als Hope's Aeantho})h.
(Tithoes) longij)ennis, dessen Beschreibung in den Annais
Nat. Hist. 1843 gerade oberflächhch genug ist, um ohne An-
sicht des Typus den lieben Leser im Dunkeln zu lassen.
Acanth. Yolofus Dalm., ebenfalls aus Sierra Leone, hat
in seiner viel gründlicher gerathnen Beschreibung „oculi magni,
maximam capitis partem occupantes" — aber dass von den
Antennffi gesagt wird „versus apicem serratai", passt nicht:
X hat schon vom dritten Gliede ab bis zum zehnten ein-
schliesslich stärkere und längere Endzähne, als irgend ein
andrer Acanthophorus oder Tithoes, aber dennoch sind sie
nicht so Habellenhaft lang wie die bei Dorycera; ĂĽberdies ver-
sichert Dalman ausdrĂĽcklich, auf den Elytris seines Yolofus
123
sei von costis, striis, iiigiilis nichts zu spĂĽren, nur die Mitte
der Basis sei runzlig-punktirt.
Einstweilen verbleibe also X ein ungetaufter Heide.
B. Ein Callichromide.
Sehr möglieh, dass ich mich irre, aber bei dem Durch-
nehmen der langen und mĂĽhsamen Longieornien- Arbeit Lacor-
daire's (Genera Vlll., IX.) habe ich mich recht oft des Ge-
dankens nicht erwehren können, dass er sich durch die von
ihm bevorwortete Aufnahme des Thomson'schen Systema Ce-
rambycidarum in den neunzehnten Band der Memoires de la
Soc. Roy. de Liege die Hände mehr als rathsam im Voraus
gebunden hatte. Wenn man in den ersten Bänden der Genera
oft genug die Energie zu rĂĽhmen hat, mit welcher Lacordaire
die Aftergattungs-Wasserschosse links und rechts abhaut, findet
man in den erwähnten letzten Bänden beinah das Gegentheil;
aus der Note auf S. 5 des Vol. VIU. lässt sich fast eine
Schutzrede für die Mononymie der Bockkäfer herauslesen.
So wenig es mir ziemen wĂĽrde, meinem verewigten, um
die Coleopterographie so unvergesslich verdienten Freunde aus
diesem, zum Theile auch wohl durch seine ihn langsam mor-
dende Krankheit erklärbaren Verfahren einen Vorwurf machen
zu wollen — ebenso wenig kann ich dies System der unend-
lichen Zersplitterung (Lacordaire spricht von der Möglichkeit
von 3600 Gattungen!!) fĂĽr ein rationales und menschlich er-
laubtes halten. Es ist ja augenblicklich schon dahin gekom-
men, dass man, um sich einem nicht entomologischen Zoologen
verständlich zu machen, sagen müsste: „ich spreche von dem
Coleopteron longicorne Otiartes, einer Gattimg aus der Fabrik
Thomsons (des Gallo-Americaners, nicht des Schweden) einer
Prioniden-Galtung, welche nach Lacordaire nur die einzige Art
asiaticus Fald. (brachypterus Karelin) aufzuweisen hat, und
von welcher er selber (1. c. p. 62) sagt: „le genre est par
consequent tres faiblement caracterise et s'il nest pas adopte,
son unique espece devra rentrer dans la section des Prionus."
Der MĂĽnchner Katalog hat diesen vorausgesehenen Justiz-
mord denn auch i-ite ĂĽbernommen, und zugleich durch Reha-
bilitation des altern Namens brachypterus Gebier die Priorität
berichtigt.
Nun zu unserni Liberianer Callichromiden, (\vn ich Sphinx
nennen will.
124
Sieht man sich die analytische Tabelle der Callichromiden
im Ijacnrdaiio (Gen. IX., p. 3) an, und liest man in der vor-
ausgehenden Anmerkung :
„groupc des plus difficiles au point de vue systema-
tique. II existe dans les collections un assez grand
nombre de formes exotiques ambigues et qui ne
rentrent bien dans aucun des genres qui suivent — "â–
so möchte man gleich von vorn herein fragen: „wäre es nicht
verständiger, jedenfalls übersichtlicher, wenn man die Gattung
Callichroma, deren Habitus einem leidlich geĂĽbten Auge
h'icht erkennbar ist, deren re'che Zahl aber ein Paar Sectionen
zur Erleichterung der Uebersicht wünschen lässt, in diese we-
nigen Sectionen vertheilte? Das kann man natĂĽrlich nur, wenn
man einzelne Divergenzen nur als Species-Kriterien und nicht
als Gattungs-Fundamente ansieht! Aber was ist denn mit
dieser Masse von 28 Gattungen gewonnen, bei welchen oben-
drein in den Noten noch mehrere Abweichungen zugestanden
werden mĂĽssen?
Soviel darf ich als feststehend annehmen — das mir in
zwei, bis auf das Pygidium identischen Exemplaren vorliegende
Callichroma, ein StĂĽck aus Monrovia direct eingesandt, das
andre mit der Angabe „von der Goldküste" mir zugekommen,
passt zu keiner der 28 Gattungen.
Lacordaire theilt diese in zwei grosse Classen:
I. Cuisses post^rieures peu 'k peu en massue, parfois tres
greles, mais non p6doncul6es a leur base.
n. Cuisses post6rieures pedonculees a leur base, en g6n6ral
tr^s longuement, puis brusquement en massue.
Sphinx hat keine pedunculirten Hinterschenkel, gehört
folglich unter I.
Diese Classe hat zwei Abtheilungen, eine vielgespaltne
„Prothorax tubercul6 lateralement" — da Sphinx einen seitlich
glatten Thorax hat, gehört sie folglich zu der andern, klei-
neren Abtheilung „Prothorax inerme lateralement."
Bis hieher ging die analytische Procedur glatt und be-
friedigend, aber, als ich nun an die 4 Gattungen dieser Ab-
iheilung kam, Nothopygus Lac, Litopus Serv., Promeces Serv.,
Anubis Thoms., .<<ass ich fest.
Von dem offenbaren Protest, welchen der MĂĽnchner Ka-
talog gegen die Lacordaire'sche Distribution dadurch einlegt,
dass er die Gattung Anubis aus Abtheilung 2 der Classe I.
125
mit der Gattung Polyzonus aus Abtheilung 1 zusammenwirft,*)
von diesem Protest will ich schweigen, da Sphinx weder mit
Polyzonus, noch mit Anubis etwas zu schafVen hat.
Gegen Promeces und Litopus wĂĽrde C. Sphiirx mit vollem
Rechte ausser manchen andern Divergenzen seinen Kopf ein-
setzen, der nach einem ganz abweichenden Typus gebaut ist.
Es blieb also nur Nothopygus Lac. mit der einzigen Art
Mniszechi Lac. noch ĂĽbrig. Obendrein stammt das (1. c. p. 22)
beschriebne Unicum aus Sierra Leone, und ich habe schon
mehrfach verificiren können, dass die dortige Fauna mit der
von Monrovia sehr homogen ist.
Der Anfang der Gattungs - Diagnose von Nothopygus
stimmte ausgezeichnet. „Aeusserer Lobus der Maxillen wenig
vortretend: Mandibeln ziemlich verlängert, gerade, am Ende
schroff umgebogen und zugespitzt, inwendig unbewaffnet: das
WĂĽlstchen zwischen den Antennen vorragend, etwas concav,
gefurcht: die Stirn fast vertical, länger als breit, das Epistom
eben so gross, die Wangen in die Länge gezogen. — '•^
Soweit passte alles ganz vortrefflich, und wenn die nun
folgende Beschreibung der Antennen nicht mehr recht stimmte
(etwas länger als der Körper, während die von Sphinx etwas
kĂĽrzer sind), .so durfte das noch auf Geschlechtsdifferenz ge-
schoben werden. Die Angaben ĂĽber den Thorax konnten
sogar nicht zutreffender gefasst sein:
„Prothorax subtransversal, in gleicher Weise vorn und
hinten verengert, dazwischen subglobulos.'-^
Aber leider war es damit auch zu Ende, und alle ĂĽbrigen
Data stimmten wenig oder gar nicht mehr, höchstens liess sich
uoch eine Analogie mit den Specialien ĂĽber die Abdominal-
Segmente ei-kennen, welche bei Lacordaire dahin lauten:
*) Möglich, dass Dr. Gemminger zu dieser Contraction sich durch
den P. fasciatus F. bewogen fand, der auf dem langen Wege von
Sibirien und China (ich besitze ihn aus Hongkong) bis nach Vorder-
indien (Tranquebar) sich allmählich als P. inermis White die Dornen
am Thorax abgeschliffen hat, mit welchen er als P. fasciatus F. (bi-
cinctus Oliv., Sibiriens Pallas) bewaffnet ist. Da inermis und fasciatus
ausser in diesem einzigen Punkte in allen ĂĽbrigen vollkommen mit
einander harmoniren, und da es immerhin nach andern Analogieen
denkbar ist, dass ein spitzer Halsschilddorn sich in einen stumpfen
abschwächt, dieser in eine Beule, welclie zuletzt auch scliwindet, so
kann man aus diesem Beispiele schon entnehmen, wie bedenklich in
der analytischen Tabelle der „Prothorax lateralement tubercule" figu-
rirt. Natürlich stehen darin die Kriterien „Prothorax veloute" —
„non veloute" — „elytres sans täches" — „el. oruees de taches ou de
bandes" etc. auf noch weit schwächeren Füssen.
126
„Abdomen parallel, nach hinten erweitert, mit fünf Seg-
menten.*"' (Bei Spliinx verschmälern .sich die Segmente sichtlich
gegen das l'ygidium zu, welches allerdings eine eigenthiindiche
Form hat, von welcher nachher die Hede sein soll.) „Seg-
ment 2 — 5 gleich" (passt nicht), „5 nach hinten abgeschnitten
(tronque)'' (passt allenfalls), „das Pygidium bildet einen unter-
halb unterbroehnen Ring, der oben ausgekehlt (echancr6) ist,
mit Seitenrändern, welche vorragen, abgerundet, nach innen
gebogen und dicht bewimpelt sind."
Hiezu habe ich zu bemerken, dass das Exemplar von
der GoldkĂĽste fĂĽnf in nichts auflallende Abdominal-Segmente
zeigt, die allmählich an Länge und Breite abnehmen, und dass
aus dem fĂĽnften ein kleines sechstes als Pygidium in einfach
dreieckiger Form vorragt.
Anders freilieh, und der Lacordaire'schen Beschreibung
anscheinend sehr nahe kommend, sieht das Pygidium des
Monrovianer Exemplars aus. Auch bei ihm verjĂĽngen sich
die 5 Abdominal-Segmente allmählich, aber das Pygidium tritt
aus dem fĂĽnften mit einer fast rechtwinkeligen Biegung nach
unten heraus, und steht ziemlich vertical, sieh gegen den Apex
hin verbi-eiternd, so dass es Tra])ezfbrm hat.
Das ist allerdhigs eine auflallende, im Schnitt und in der
rechtwinkligen Stellung eine sonst mir nicht vorgekommene
Gestalt eines Käfer-Pygidiums. Nur scheint es Geschlechts-'
EigenthĂĽinlichkeit zu sein, da ich an dem einfachen Pygidium
des GoldkĂĽsten-Exemplais keine Verletzung bemerken kann.
Auch hat das letztere nur FĂĽhler-Rudimente, so dass ich aus
der Länge seiner Antennen nicht etwa auf ein ,^ vermuthen
kann.
In Summa, mein C. Sphinx ist kein Nothopygus (der
unter andern kurze FlĂĽgeldecken wie Colobus hat), und zu
andern Callichromiden passt er nicht: auch werde ich mich
liiilcn, den unsichern Gattungen noch eine unnöthige neue an-
zullicken, vielmehr begnĂĽge ich mich mit der simpeln Diagnose:
Callichroma SphiiLx Dhn. C. viridi-auratum nitidum,
antcnnis cyaneonigris, longitudinem coi-poris non attingentibus;
capite, thorace scutelloque splendide aureis; elytris alutaceis
obscure viridibus, sutura lueente; pedibus coeruleis, anteriorum
et mediorum femoribus abrupte fortiter clavatis, posteriorum
paullatim incrassatis, apice abdomen non superantibus.
$ ? Segmentis abdominis (juinque paullatim attenuatis,
sexto angulate dellexo. vci-sus a])iceni dilatato, infra excavato,
cilialo.
Long. 20 — 3 U Aülhm. Lat. humer. 4 — 5 mill.
127
Noch wäre als Ergänzung nachzutragen, dass bei Sphinx
wie bei Nothop. Mniszechi, das erste Tarsenglied der Hinter
beine ebenso lang ist, als die folgenden zusammengenommen;
bei Sphinx ist es, genau genommen, noch um beinah 1 Mill.
Geschrieben im Deeember 1875.
länger
Nothgedrungne Ptiliomachie,
von
CA. »olirn.
Pistol: What? shall wg have incision,
sliall \ve imbrue?
Was? Einschnitt soll es geben?
blutge Klinge*^
Im vier und dreissigsten Jahrgange (1873) dieser Zeitung
habe ich (S. 398) eine Anzeige veröffentlicht von
Trieb opterygia illustrata et descripta.
A monograph of the Trieb, by the Rev. A. Matthews.
FĂĽr die Leser dieser Zeitung, welche den gedachten
Jahrgang nicht besitzen, ziehe ich aus meiner Anzeige wörtlich
Folgendes aus:
S. 399. Ich kann über den Inhalt nur referiren —
zum recensiren wäre unter den jetzt lebenden Entomo-
logen wohl nur derjenige berufen, der gleich dem Ver-
fasser jahrelange Studien und MĂĽhen gerade auf dies
beschränkte Feld concentrirt hätte.
— Jede der aufgestellten Gattungen ist mit exacter
Diagnose aller äussern Körpertheüe inid mit einer, die
wesentlichsten derselben in 250facher Vergrösserung
darstellenden lithographirten Tafel versehen.
Am SchlĂĽsse heisst es:
S. 403. Diese verschiednen kleinen Monita mögen
dem verehrten Verfasser beweisen, dass ich sein Opus
operatum mit Aufmerksamkeit durchgelesen habe; um
so eher wird er meiner Versicherung Glauben schenken,
dass ich es fĂĽr ein sehr tĂĽchtiges halte, durch welches
er sich in der coleopterischen Literatur einen ehren-
vollen Namen fĂĽr immer gesichert hat.
128
Diese, meines Erachtens ausreichend deutliche Anerken-
nuuü; seiner i>n»s«en Verdiensie liat nicht ausoereicht, dem
Verlasser den uöthigen Gleichmuth gegenüber den ,,verseliied-
nen kleinen Munilis^'- zu bewahren, und er imt in der Cistuhi
Enlomok)gica Pars XIV. Octob. 1875 (London, E. W. Janson)
auf meine Anzeige von 5 Seilen mit einer Antikritik von 10
Seiten antiphonirt.
R. M. (Fastor Matthews) verlallt dann meines BedĂĽnkens
in eine gewöhnliche Untugend vieler seiner Standesgenossen.
Die Herren sind durch ihr Kanzel-Privilegiuni durchaus nicht
daran gewöhnt, dass man ihnen widerspricht, gerade wie die
Schulmänner, deren von Gott und Rechtswegeu „letztes Wort'"^
den Schulkindern gegenĂĽber, sie leicht dazu verfĂĽhrt, auch
dann Rechthaberei fĂĽr geboten zu achten, wenn sie mit
NichtSchulkindern ĂĽber ii-gend etwas Wichtiges oder Un-
wichtiges disputiren.
Zwar erwähnt R. M. meines Namens erst auf S. 2, aber
schon auf S. 1 vertheidigt er seine „Pseudo-Latinismen'-', und
da er dabei von mir herausgehobne Beispiele anfĂĽhrt, so will
ich mit diesem Punkte beginnen.
Meine Ausstellung lautete M^örtlieh (1. e. S. 402):
„Dass ein Oxforder Magister Artium auf Latinität grossen
Werth legt, versteht sich; es wunderte mich nur, neben den
beliebten Pseudolatinisirungen moderner geographischer Namen
(z. B. hisula Madiera statt Madeira oder Madera, in paludibus
Comtis Cantabridgiensbus (sie), was, wie ich vermuthe, die
SĂĽmpfe der Grafschaft Cambridge bedeuten soll), auch Pag.
138 Tauriam statt Chersonesum tauricam, Pag. 85 Insula
Hyeres statt Stoechades und in Pag. 83 in Gallia ad ripas
lluvii Seine statt Sequante zu lesen.'"
R. M. gesteht ein (Cistula I. c. p. 9), dass er lateinisch
geschrieben ,.in order to assist per.sons as Ignorant as
myself, those wo camiot read Ihe languages of Germany,
Sweden, or Russia.*"'
Aber nut demselben Recht, wie .^ignorantia juris", wird
man hier .sagen mü.ssen „ignorantia lingute nocet." Denn
R. M. hat meine Note olfenbar missverstanden. Schon mein
Au.sdruck „Pseudolatinisirungen^- hätte ihn bilhg von meiner
seit Jaiiren in mehrfachen Artikeln verfochtneu Grundansicht
überzeugen können, dass die starre und äusserste Consequenz
des Latinisirens zu baarem Unverstand führt. „Der Lel)ende
liat Recht", und die in so vieler Hinsicht (Unparteilichkeit,
Concisiou, Allgemein-Verständlichkcit etc.) un.schätzbare latei-
nische Sprache ist und bleibt eine lodle, und sollte verstän-
129
diger Weise nicht nutzlos galvauisirt werden, um halb oder
vierteis vergessene Namen aus dem Moder zu ziehen und
schlecht abzustäuben, um dadurch lebende, allgemein gebräuch-
liche und verständliche Namen zu ersetzen. Ich will also
nicht Stoechades und Sequana an Stelle der geltenden Hyeres
und Seine, aber ich fragte R. M., weshalb er inconsequent
gewesen? Dass ich „Cantabridgiensbus'-' mit der Parenthese
(sie) bezeichnete, schien mir nothwendig, um den offenbar
vorliegenden Druckfehler zu markiren; R. M. irrt folglich,
wenn er (1. c. p. 9) dazu die Parenthese fĂĽgt (triumphantly
paraded by Dr. Dohrn). Er ist bei dieser Stelle sogar
ungenau, um nicht einen härtern Ausdruck zu brauchen, denn
er lässt „in paludibus Comtis'") Cantabridgiensibus^' drucken.
— Da sich die Bezeichnung Madiera nicht nur auf S. 140
der Monographie befindet, sondern gleich auf S. 141 wieder-
holt, war ich wohl berechtigt, das nicht fĂĽr einen ĂĽbersehenen
Druckfehler, sondern fĂĽr eine Pseudolatiiiisirung zu halten.
Auch S. 28 steht „habitat Ins. Madieram.'-''
Es wĂĽrde mir nicht schwer werden, nachzuweisen, wie
ungenau R. M. meine Bemerkungen ĂĽber GiUmeister, Dr.
Schaum, Motschulsky verstanden hat. Aber ich kann es denen
überlassen, welche Deutsch verstehen, (und eingeständlich
gehört R. M. nicht dazu), zu entscheiden, wer Recht hat —
ich, der ich behauptet habe (Ent. Ztg. 1873, S. 400), Dr.
Schaum habe Gillmeister"s Werk vortrefflich, vollendet und
classisch genannt — die Belegstelle dazu ist unmittelbar vorher
abgedruckt — oder R. M., der ganz naiv versichert (1. c.
p. 2) „But to say that Dr. Schaum designated GiUmeister "s
work as „splendid, perfect, and classical^' is to affix a meaning
to the learned Doctor's words which they clearly do not
possess; the terms splendid and perfect express merely Dr.
Schaumes opinion of the descriptions and plates.'-'
Ich habe an der betreffenden Stehe meine GrĂĽnde dar-
gelegt, weshalb es mir trotz Matthews „bedenklich" erschiene,
an Motscliulsk3''s Unfehlbarkeit in dieser Mateiie zu glauben.
Wenn ich dabei den Ausdruck „Motschulsky's 99 Arten*-' ge-
braucht habe, so scheint R. M. auch diese im Deutschen ge-
bräuchhche Wendung missverstanden zu haben, obwohl er
selber registrirt, dass er von Motschulsky "sehen beschriebnen
Arten 34, von unbeschriebnen 20 nicht erkannt, resp. nicht
gesehen hat. An den 99 werden also wenige fehlen. Icli
*) Das Wort Comtis ist mir und meiaen befragten Freunden
dunkel geblieben.
9
130
kann R. M. mit unzähligen gedruckten und beschriebnen Be-
lägen der anerkannt tüchtigsten Coleopterologen beweisen, dass
seine nahezu fanatische Idolatrie des talentvollen, aber auto-
didactisch ungeschulten Polygraphen von Erichson, Lacordaire
und andern noch lebenden, berufenen Kennern des Käfer-
gebietes weder getheilt wurde, noch wird, und dass fast jeder
Monograph (den der Trichopterygier ausgenommen) sich kreu-
zigt und segnet, wenn er an die Motschulsky'schen Grattungen
und Arten kommt.
Mithin konnte mein Ausdruck „bedenklich^' wohl schwer-
Hch ausreichen, die schneidige Replik R. M/s zu provociren:
„Dr. Dohrn asks whether J expect him to accept Motschulsky's
„99 species" on my authority — — Dr. Dohrn must re-
member that their acceptation will not wholly depend upon
his opinion.^' Aber der R. M. ist sehr empfmdhch und duldet
auch nicht den bescheidensten Zweifel.
Besonders evident stellt sich das heraus bei der Frage
ĂĽber Trieb. Dohrnii Matth. Der Antikritikus besteigt p. 3 1. c.
„triumphantly" den Paradehengst (bei Gelegenheit der angeb-
lichen SĂĽnden Gillmeisters durch Nichtbeachtung der heder-
lichen, pour prendre date in die Welt geschleuderten Namen
Alhberfs) mit dem erhabnen Gemeinplatze: „no amount of
excellence in specific descriptions can hoM'ever in any way
atone for a reckless disregard of the commonest rules of
uomenclature.'"'
PrĂĽfen wir, ob der HochehrwĂĽrdige sich als richtiger
Führer bewährt, oder bloss als Wegweiser, der den rechten
Weg bezeichnet, aber nicht selber geht.
Haldeman, der als tüchtig bewährte americanische
Coleopterograph, beschreibt im J. 1848 in dem Journ. Acad.
Philadelph.' 1., pag. 108 eine Trichopteryx fuscipennis.
Matthews giebt selber diese Beschreibung S. 15 seiner Mono-
graphie.
Existirt vielleicht ein frĂĽher als fuscipennis beschriebner
Trichopterygier, dem zu Liebe Haldcman's Name nicht ange-
nommen werden kann?
Freilich, sngt R. M., und citirt als Beweis* (1. c. p. 7)
Giihneister's bereits 1845 erschienene Trichopterygia, p. 48.
Was finden wir da?
Nichts mehr und nichts weniger als eine Note Gill-
meister's, in welcher er zu Trichopteryx atomaria Deg. be-
merkt, dass von dieser Art grosse und kleine, hell und dunkel
gefärbte vorkommen, und dass er davon Stücke des Berliner
Museums aus Penn.sylvanien mit dem Namen fuscipennis in lit.
131
und aus Puertorieo mit dem Numen picipemiis in lit. gesehen.
(R. M. hat das ,,Nobis^' falsch gedeutet.)
R. M. wird doch nicht behaupten wollen, dass diese
Note den durch Beschreibung fundirten Namen Haldeman s in
die Synonymie relegirt oder irgend unbrauchbai- macht?
Aber! es giebt ja noch ein Ptilium fuscipenne Foerster?
man kann es sogar im MĂĽnchner Kataloge S. 244 gross und
breit gedruckt finden! Doch wenn es auch nicht von Ehrn-
Matthews selber als Synonym zu Trieb. Speucei AUib. gezogen
würde, so stammt es ja erst von 1849, kann also unmöglich
Haldemans Namen von 1848 präjudiciren.
Wie lauten nun die GrĂĽnde des R. M. fĂĽr Ersetzung des
letztern dui-cli Tr. Dohrni? Hört es, andächtige Zuhörer^
und staunt!
„The facts which Dr. Dohrn has thus cited''^ (■— un-
gefähr das, was ich vorher angeführt habe — ) appear
to me in themselves sufticient to quash the name „fus-
cipennis" altogether.'^ ('??)
Ja, der ehrwĂĽrdige Seelenhirt nimmt es so ernsthaft mit
der Gültigkeit seiner „bedenklichen'' Wiedertäuferei, dass er
so unbesonnen ist, fortzufahren:
It is evident, that Professor Förster's Ptilium fus-
cipenne was anterior in date to T. fuscipennis of
Haldeman, it is also certain that the same name had
been applied to another species by Gihmeister, and re-
corded in p. 48 of his „Trichopterygia." '•')
Dabei vergisst R. M., dass er selber fĂĽr den Haldeman-
Namen 1848, für den Förster -Namen 1849 angegeben hat,
was „kein Druckfehler" ist, und sich im Münchner Kataloge
als richtig bestätigt findet.
Ich halte es in diesem speciellen Falle für gewiss, „that
the acceptation of Tr. Dohrni will not wholly depend upon
Rev. Matthews' opinion.'-'
Zuversichtlich hoffe ich sogar, die wenigen Besitzer der
Trieb, fuscipennis Hald. werden das Opfer meiner Entsagung
zu wĂĽrdigen wissen und diesen vollgĂĽltigen Namen ungeschoren
lassen.
Der wunderbare Mischmasch, welchen R. M. S. 8 1. c.
durch verschiednes „let us suppose" zusammenrührt, um sich
(aber schwerhch Andern) zu beweisen, dass fuscipennis total
*) Wie vorher gezeigt, ist das „applied by GiUmeister" für das
BerUner in lit. aus Spraehunkenntniss R. M.'s oder seines Dolmetschers
zu erklären.
9*
132
verworfen werden niuss, spricht allen anerkannten Regeln der
Priorität dictalorischen Hohn.
Nun will ich nur noch einen Punkt der Antikritik her-
ausheben, um zu zeigen, wie reizbar R. M. an recht ver-
kehrter Stelle ist. Ich hatte ganz harmlos bemerkt, dass
manche seiner Angaben in der Monographie, z. B.
P. 139 bei Trieb, ceylonica
Habitat Asiani, in Insula Ceylon a Do. Motschulsky
capta,
P. 125 bei Trieb. Wenckeri
Hab. Amer. australem, exemplo unico in Braziliis a
Dre H. Schaum capto,
ungenau lauten, da meines Wissens weder Motschulsky in
Ceylon, noch Dr. Schaum in Brasihen gewesen ist.
DarĂĽber sagt R. M. :
Dr. D. mentions errors in my account of the capture of
certain species, errors so utterlj^ frivolous that the very notice
of them serves to show the difticulty of finding faults.
Also fĂĽr R. M. ist es ganz einerlei, ob ein Entomolog
ihm sagt: „ich selber habe das Thier da und da gefunden*-',
oder ob er es ihm mit der, vielleicht von dem ersten besten
(in diesem Falle unzuverlässigsten) Insectenhändler auf gut
GlĂĽck verliehenen Patria schickt? Motschulsky und Schaum
wĂĽrden es sicher abgelehnt haben, sich durch das capta
oder lecta als BĂĽrgen fĂĽr die geographische Verbreitung
resp. Heimat dieser Arten verantwortlich machen zu lassen!
Die Differenz zwischen Tr. discolor (exempHs 5 in Braziliis
a Dre H. Schaum captis) und zwischen der gleich darauf
folgeu(kni Tr. Dohrni (in Provincia „New-York*-" *) exempHs
nonnuUis a Dre H. Schaum captis) ist einfach die, dass die
Heimat der letzteren eine verbĂĽrgte ist, der ersteren nicht.
Dabei ist gar nichts „utterly frivolous*-' als höchstens die An-
wendung dieser abschätzigen Bezeichnung.
Ich will es K. M. gern glauben, dass der Ausfall gegen
die Recensenten auf p. 10 seiner Antikritik nur auf solche
geht, die an seinem Werke nichts zu mäkeln wussten als
„errors in the letter-press and supposed defects in the plates",
Druckfehler und vermeintliche Mängel in den Tafeln. Aber
ich will ihm schlagend beweisen, dass meine Monita in der
Anzeige seines Buches absichthch das Gebiet der Kritik
vermieden hatten.
*) Bravo, Reverendo, J like this much better than Novum
Eburacum!
133
Als Kritiker hätte ich in erster Linie die Behauptung
aufgestellt, dass R. M. besser gethan hätte, sein Buch in zwei
Ausgaben erscheinen zu lassen, einer mit Tafeln und einer
ohne dieselben. Denn die Mehrzahl der englischen Coleop-
terologen befindet sich genau in derselben unbegĂĽterten Lage,
wie die continentalen — sie sind bei "Weitem nicht reich ge-
nug, um sich für die beschränkte Familie der Trichopterygier
— 139 Arten gegen vielleicht 50,000 der übrigen Familien
— das Geldopfer von 25 sh. = 25 Reichsmark für einen
eleganten Quartanten aufzuerlegen. Indessen auch angenom-
men, R. M. könnte nachweisen, dass diese billige Rücksicht
auf die Finanzen der Haupt-Interessenten aus anderweiten, mir
unbekannten Gründen nicht zulässig gewesen, dann würde ich
in zweiter Linie weiter argumentiren, dass bei einer solchen
Pracht-Ausstattung es doppelt unangenehm berĂĽhrt, wenn die
Correctheit so unaufmerksam behandelt worden ist. Und es
handelt sich dabei nicht bloss um die zum Theil recht augen-
fälligen Druckfehler (deren unintentional carelessness der
Verfasser durch die ĂĽbernommene Selbstcorrectur nur massig
entschuldigt, da er ja nicht zum ersten Male etwas drucken
lässt), sondern auch um mancherlei Sprachfehler, welche
nicht auf die Rechnung des Setzers geschoben werden können,
der doch gewiss nicht (S. 164) „exemplo unico alae defi-
ciuntur" und den häufigen syntactischen Missbrauch von „quod''
zu verantworten hat. Dass ^margo" bei den Classikern mas-
cuHni generis ist, und nur von untergeordneten Schriftstellern
als femininum gebraucht wird, scheint R. M. absichthch zu
ignoriren. Ein mir befreundeter Philolog hat aus dem Pracht-
Quartanten mit Goldschnitt eine respectable Zahl (40 — 50)
von feinen und gröbern Verstössen gegen die übliche Latinität
excerpirt.
Aber weder die von mir frĂĽher angedeuteten Monita,
deren vermeintliche Zurückweisung mit positiv „unnecessary
asperity^' durch R. M. mir nicht sonderlich geglĂĽckt erscheint,
noch die jetzt gemachten Ausstellungen ändern meine damals
ernst und aufrichtig ausgesprochne Ueberzeugung, dass A.
Matthews' Monographie der Trichopterygier ein tĂĽchtiges
Werk ist, dessen Verfasser sich um die Coleopterographie ein
hohes und bleibendes Verdienst erworben hat.
Stettin, im December 1875.
134
Nordamerikanisclie Noctuiden,
von
\. Grote in Buffalo.
Die VeröfTentliehimg meiner ersten Liste der Nordameri-
kanischen Arten der Noctuiden hat den Erfolg gehabt, dass
von verschiedenen Seiten her neue Arten und Beobachtungen
bekannt gemacht wurden, welche zum Theil Berichtigungen
der Lisie nöthig machten. Im November 1874 habe ich eine
Check list'"*) publicirt, in welcher die Arten der zwei ersten
Abtheilungen der Gruppe (Bombj'^ciee und Noctuditte non fas-
ciatffi) aufgezählt sind. Die Arbeiten von Harvey, H. R. Mor-
rison und H}^ Edwards bringen die Zahl der Arten dieser
Abtheilungen auf die ansehnliche Nummer 790, und dennoch
sind seitdem wieder mehrere neue Arten, besonders aus Ca-
lifornien, bekannt geworden. Der Zweck des A^orliegenden
Aufsatzes ist daher, die von mir in der entomol. Zeitung be-
sprochnen Gattungen noch einmal durchzugehen, damit die
deutschen Leser erfahren, welche Kenntniss bis jetzt gewonnen
ist^ besonders werden die IVIittheilungen ĂĽber die in Nord-
amerika und Europa einheimischen identischen oder verwandten
Arten von biteresse sein, nachdem sie von Dr. Speyer zuerst
wissenschaftlich grĂĽndlich abgehandelt worden sind.
Bombycia Hbn. Das Vorkommen dieser Gattung an der
Westküste Nordamerika's hat sich nun bestätigt. Ich habe
ein Exemplar der Bombycia improvisa Hy. Edw. unter-
sucht und als sicher zu Bombycia gehörig erkannt. "Wegen
der Gattungseintheilung dieser Gruppe verweise ich auf Dr.
Harvey's Aufsatz in den Bulletins der Buff. Soc. N. S. vol. 1,
S. 276.
Apatela Hbn. Meine Check list nimmt 48 Arten ah,
nachdem 9 Walker'sche und 3 Harris'sche, als unkenntlich
beschrieben, ausgeschlossen sind. Es sind jedoch schon wieder
2. davon eine aus Californien, bekannt geworden.
Agrotis. Die Check hst zählt 127 Arten auf. Als Unter-
abtheilungen gelten Pachnobia, Matuta, Anicla und Eurois
(Aplecta); auch Ammnconia chortalis Harvey (No. 149)
'') Verlag von Reincko und Zosrli, 500 Maine Street. Burt'alo ;
28 .Seiten mit einer photographischen Tafel; Preis 6 Mark.
135
sollte mit eingereiht werden. Seitdem sind ĂĽber 30 Arten,
meistens aus Californien, bekannt geworden, so dass wir schon
jetzt gegen 160 N.-A. Arten rechnen können. Mit Europa
haben wir gemein: conflua, baja, c-nigrum, fennica,
plecta, carnea, islandica, ypsilon, saucia, prasina
und occulta. Die mir frĂĽher als rubi geltende Art habe
ich als verschieden erkannt und als rubi f er a Gr. beschrieben.
Die einzige N.-A. Agrotis mit gelben HinterflĂĽgeln ist der
Sibirischen Chardinyi sehr ähnhch; sie kommt in New-
Hampshire auf den White Mountains, in Newfoundland und auf
den Anticosti-Inseln (an der MĂĽndung des St. Lawrence-Stroms)
vor. Morrison und Strecker erklären sie mit jener für iden-
tisch; ich habe deshalb meine gilvipennis als synonym zu
Chardinyi gezogen, obgleich ich noch keine Sibirischen Exem-
plare zu vergleichen Gelegenheis hatte, und ich mich nicht
wundern wĂĽrde, wenn sich die specifische Verschiedenheit
dennoch erwiese. Dagegen ist es gewiss, dass islandica auf
den White Mountains als alpine Art lebt. Exemplare von
dort, die Morrison als opipara beschrieben hat, Hessen sich
nicht als verschieden von einem islandica $, das Herr Möschler
niir schickte, anerkennen. Ich verweise auf den Aufsatz on
the effects of the Glacial Epoch on the distribution of Insects
in North America, den ich im August 1875 vor der Detroit-
Versammlung des Vereins zur Förderung der Wissenschaft
vorgetragen habe, und der in Silliman's Journal und im Ca-
nadian Entomologist abgedruckt ist.
Mamestra Ochsenh. Hiervon zähle ich jetzt 44 und von
Dianthoecia 17 Arten auf. Anderwärts habe ich die Ansicht
ausgesprochen, dass man die Arten mit hervorragendem Lege-
stachel nicht von Mamestra trennen dĂĽrfe, sondern sie ohne
RĂĽcksicht auf dieses Merkmal unter die Mamestra-Arten ver-
theilen mĂĽsse. Geschieht dies, so wĂĽrden wir in Nord- Amerika
schon 61 Hadeniden mit behaarten Augen besitzen; sicher
wächst diese Zahl noch, besonders in Californien. Die Mor-
rison'schen Arten sind mir jedoch zum grössten Theile unbe-
kannt. Morrison's Mamestra promulsa, die ich vor Kurzem
aus Colorado erhalten habe, ist keine Mamestra, sondern eine
sichere Anarta.
Hadena enthält, nachdem ich die beiden von Morrison
beschriebenen Luceria- Arten, weil sie keinen generischen
Unterschied zeigen, dazu gezogen habe, jetzt 50 Arten, weil
auch die Untergattung Oligia, welche aus verhältnissmässig
kleinen Arten mit convexem, unbeschopftem Hinterleibe be-
.steht, nicht gesondert erhalten werden kann. Demas diver-
136
sifolov Morr. habe ich untersucht; ich kann aber dem von
Morrison Gesagten nicht beistimmen, sondern hahe das Thier
für eine Hadena (Apamea Guenee), die in der Nähe von
modica stehen muss. Daher wird Demas noch nicht als
N. -Amerikanische Gattung betrachtet werden können.
Oncocnemis Led. enthält 6 Arten von Colorado, von denen
eine mir in natura unbekannte von Morrison aufgestellt ist.
Diese Gattung kann nicht mehr als Gebirgsbewohnerin gelten.
Denn auf Long Island und in der Gegend von Buffalo sind
Exemplare vorgekommen, die Morrison als Varietät oder frag-
liche Art riparia. beschrieben hat, die mir aber, da ich beide
Geschlechter dieser riparia mit dem $ der Chandleri aus
Colorado sorgfältig verglichen habe, nicht A^on der letztern
specifisch verschieden scheinen. Das Chandleri $ weicht etwas
von meiner 'typischen Chandleri ab, indem die HinterflĂĽgel
keine so regelmässige Binde tragen, sondern das Braune un-
gefähr wie bei riparia aufgetragen zeigen. Dagegen hat Dr.
Harvey eine bestimmt neue Art aus Texas, Oncocn. Au-
gustus, aufgestellt. Er behauptet auch, dass seine Homo-
hadena atricollaris eine Oncocnemis sei; ist dies richtig,
so wĂĽrde Morrison's Gattung Copi hadena wegfallen.
Metalepsis Grote, welchen Namen ich fĂĽr cornuta Grote
und rubricosa W.-V. vorgeschlagen habe, ist mit Pachnobia
Heinemann identisch; allein der Name Pachnobia muss fĂĽr die
typische Art carnea reservirt bleiben.
Choephora Grt. & Rob. hat alle Schienen bewehrt, jedoch
ganz den Habitus von Orthosia. Ich finde jetzt, dass mit ihr
Pseudorthosia zusammenfällt, weil kein andrer Unterschied
ist, als dass bei Choephora die Fühler gekämmt, bei Pseud-
orthosia nur weniger stark kammzähnig sind. Bei beiden sind
die Augen nackt, bewimpert, die Schienen alle bedornt, und
der Hinterleib ragt ĂĽber die HinterflĂĽgel hinaus.
Lithophane Hbn. Davon sind 15 Arten bekannt, da-
gegen 6 Walker'sche, zu Xylina gezogene, ausgeschlossen als
zu ungenĂĽgend charakterisirt. Seitdem sind zwei neue auf der
WestkĂĽste entdeckt.
Cleophana. Die Californische Art Cl. eulepis sieht
einigen Cucullien ähnlich, trägt aber an den Vorderschienen
Krallen. Occata Grote habe ich zu Oncocnemis gestellt, weil
bei den neuerlich von Beifrage aus Texas erhaltenen Exem-
plaren der Kragen nicht die Spur eines Zusammenstossens in
der Mitte zeigt, wie es bei meinem Typus, offenbar durch
Zufall, erfolgt ist. IMir fehlen noch immer europäische Exem-
plare von Cleophana.
137
Telesilla H.-S. Die Morrison'sche T. vesca, die ich erst
jetzt in natura kennen gelernt habe, ist nichts weiter als die
ĂĽberall verbreitete Galgula subpartita Guen. Herr Mor-
rison hat auch in der letzten Zeit die allgemein bekannte
Hyppa xylinoides Guen., die Stellvertreterin der euro-
päischen rectihnea, als Hadena ancocisconensis beschrieben!
Aunaphlla Grote. Die Zahl der Arten dieser Cahfor-
nischen Gattung, die eine gewisse Aehnlichkeit mit Brephos
zeigt, sich aber durch den Besitz von Ocellen unterscheidet,
ist nun auf 1 1 gestiegen. Viele interessante Arten sind in der
letzten Zeit durch den unermĂĽdlichen Fleiss des bekannten
Naturforschers Hy. Edwards entdeckt worden. FĂĽnf hat er
vor Kurzem mit grosser Sorgfalt unterschieden und beschrieben.
Acdophron Led. Die erste amerikanische Art dieser
Gattung hat Professor Snow in Kansas aufgefunden. Sie ist
hellgelblich, auf den VorderflĂĽgeln rosa angeflogen, auf den
Hinterflügeln schwärzhch mit röthhchen Schattirungen. Das
ziemhch robuste Thier scheint noch eine Seltenheit zu sein.
Ich habe die Art zu Ehren des fleissigen Entdeckers Aedophr.
Snowi benannt.
Spragueia Grote. Durch Abschuppen der FlĂĽgel von
leo und fasciatella habe ich gefunden, dass unsere Nord-
amerikanischen Arten dadurch von Agriphila abweichen, dass
Ader 7 und 8 auf den VorderflĂĽgeln getrennt aus der Neben-
zelle entspringen, während beide Rippen bei Agr. sulphu-
ralis eine gestielte Gabel bilden. Unsere Arten haben
schmälere, spitzwinkligere A^orderflügel und eine entschieden
andere Anlage der Zeichnungen.
Der Freundlichkeit der Herren James Behrens in San
Francisco und 0. Meske in Albany habe ich viele interessante
Arten zu verdanken; ebenso haben mich die Herren Dr. Speyer
und Möschler durch viele werthvolle Mittheilungen verpflichtet.
Ich erlaube mir hier, ihnen allen meinen herzlichen Dank
auszusprechen.
138
Beiträge
zur Lepidopteren- Fauna Sicilien's,
von
Adolf von Kalclibers.
Nach einem vierthalbjährigen Aufenthalte in Sicilien Ende
des Jahres 1874 nach Oesterreich zurĂĽckgekehrt, war es
meine Absicht, so rasch als möglich eine grössere Arbeit über
die Lepidopteren der interessanten Insel zu veröffeijtlichen.
*A.ndere Geschäfte haben jedoch dieses mein Vorhaben derart
verzögert, dass ich auch noch in nächster Zeit mit meinen,
in mancher Beziehung vielleicht interessanten Beobachtungen
nicht werde vor die Oeflentlichkeit treten können.
Durch die besondere Gefälligkeit des Herrn Dr. Otto
Staudinger, welchem ich hiemit meinen verbindhchsten Dank
sage, bin ich jedoch in die angenehme Lage versetzt, vorläufig
dreizehn neue, von mir in Sicihen aufgefundene Arten und
eine neue Varietät zu pubhciren. Beschrieben sind dieselben
A'on Herrn Dr. Staudinger, und es befinden sich diese StĂĽcke in
dessen Sammlung; ich habe seiner Beschreibung nur meine
Bemerkungen ĂĽber Fundort und Erscheinungszeit beigefĂĽgt.
Pararge Maera var. Sicula, Stgr.
Diese Localform der Par. Maera verdient mindestens mit
demselben Rechte unter eigenem Namen bezeichnet zu wer-
den, wie die var. Adrasta oder var. Adrastoides. In der
Grösse kommen die Sicilianer grossen deutschen Maera gleich;
das Charakteristische dieser var. Sicula ist ein bunteres Aus-
sehen als bei den übrigen Maera -Varietäten , was durch die
Aussenrandzeichnung bedingt wird. Die dunkle Limballinie
vor den helleren Franzen ist in der Mitte durch eine gelbe
Linie getheilt, bei den $$ stets sehr auffallend, den ^^ we-
niger, zuweilen fast gar nicht. Dies findet sich sehr selten
bei den $$ der var. Adrasta.
Besonders auffallend ist aber die vor dieser Limballinie
befindliche gelbe Aussenrandlinie, M'elche bei den $$ fast
mondfleckenartig auftritt, während sie bei den ,^,^, zumal auf
den VorderflĂĽgelu, zuweilen fast ganz verschwindet. Auch
139
diese Zeichnung findet sich meistens bei den $$ der var.
Adrasta mehr oder weniger angedeutet.
Der Hauptunterschied der var. Sicula von der A'^ar. Adrasta
ist aber der, dass der Diseus der VorderflĂĽgel ganz dunkel
bleibt, während das Braun- oder Gelbwerden der ganzen Vor-
derflĂĽgel ja gerade das Charakteristische der var. Adrasta ist.
Die var. Adrastoides, die auch im Discus ganz dunkel bleibt,
hat nie die bunten Randzeichnungen und besonders eine ganz
dunkle Unterseite, weit dunkler als bei der Stammart. Die
var. Sicula hat eine hellgraue Unterseite der HinterflĂĽgel, etwa
wie bei der var. Adrasta, weit lichter als bei der Stammart.
â– Die Unterseite der VorderflĂĽgel ist wie bei var. Adrasta
(Staudinger).
Dieser Varietät hat schon Mann in der Wien, entom.
Monatschrift, Jahrgang 1859, kurz Erwähnung gethan. Er
fing dieselbe im Thale Valle corta (bei ihm unrichtig Palla
gutta genannt), unweit von Monreale bei Palermo, doch scheint
sie dort selten zu sein. Auf dem Madonia-Gebirge und spe-
ciell bei Castelbuono ist sie es viel weniger. Ich fand sie auf
den steinigen Wegen in der Umgebung des genannten Städt-
chens, insbesondere in der Region zwischen S. Guglielmo und
Barracca, wo sie den Mai hindurch in Mehrzahl fliegt, gegen
Ende des Monats jedoch schon stark verflogen ist ; höher im
Gebirge trifft man sie in guten Exemplaren noch im Juni.
Sie vertritt in Sicilien die Stammart.
Hypenodes Kalchbergi, Stgr.
Ob die vorliegende Art wirkhch eine ächte Hypenodes
ist, wage ich nicht zu entscheiden. Die Palpen und FĂĽhler
sind ebenso gebildet wie die der bekannten zwei (euro-
päischen) Arten, dahingegen sind die Flügel etwas kürzer und
breiter. Es liegen mir zehn Exemplare dieser neuen Art aus
Sicilien vor, lauter ,^<^, und leider fast alle mehr oder minder
abgeflogen, nur zwei bis drei StĂĽcke sind ganz frisch, wenn
auch etwas defect.
Flügelspannung 12 — 15 mm. Die Fühler sind fein, aber
ziemlich lang beM'impert; die Palpen horizontal vorstehend
mit langem, behaartem Mittelgliede, aus dem das kleine
schwarze Endglied, an der Spitze Aveiss, nach oben hervorragt.
Die VorderflĂĽgel sind grauschwarz mit einer sehr undeutlichen
lichten Basallinie und einer etwas deutlicheren Aussenlinie,
die dicht hinter der Mittelzelle vorbeigeht, wo sie einen ziem-
lichen Bogen nach aussen macht. Am Ende der Mittelzelle
140
steht ein weisslicher Längsfleck (Mittelmond). Die lichten
Querlinien sind beide nach innen von einer ziemlich scharfen
schwarzen Linie eingefasst. Eine dritte sehr undeuthche ge-
zackte lichte Querlinie steht dicht vor dem Aussenrande.
Hinter der zweiten Querlinie stehen hart am Vorderrand vier
lichte Fleckchen; ebenso treten solche an der Basis der Franzen
auf, die bei einem StĂĽck fast gescheckt zu nennen sind.
Die HinterflĂĽgel wie die Unterseite aUer FlĂĽgel sind ein-
tönig grauschwarz. Die Beine sind nicht so lang wie bei den
andern beiden Hypenodes-Arten, etwas lichter, und die Fuss-
glieder undeutlich geringelt.
Ich besitze noch zwei StĂĽcke aus Derbent (von Christoph)
und eines aus Macedonien (von KrĂĽper), die wohl sicher auch
zu Hypenodes Kalchbergi gehören. Sie sind nur etwas kleiner
und anscheinend auch etwas schmalflĂĽgeliger. Die Zeichnung
stimmt sonst ĂĽberein, soweit dieselbe bei diesen auch nicht
reinen StĂĽcken zu erkennen ist.
Ich erlaube mir diese neue Art zu Ehren des Herrn
Ad. von Kalchberg zu benennen, der mit grossem Eifer auf
Sicilien sammelte und diese interessante Insel mit einer An-
zahl dort noch nicht gefundener Lepidopteren bereicherte.
(Staudinger.)
Die Localität, wo ich diese neue Art, welche nach mir
zu benennen Herr Dr. Staudinger mir die Ehre erwies, ent-
deckte, ist ein feuchter, schattiger Kastanienwald oberhalb der
erwähnten Kapelle S. Guglielmo bei Castelbuono, mit einer
Quelle und Steinbank, wohin ich mich vor den glĂĽhenden
Sonnenstrahlen zeitweise zu flĂĽchten pflegte, wenn ich in dieser
Gegend sammelte. Die Wege, welche durch den Wald fĂĽhren,
sind von dichten Brombeer- und Waldrebenhecken eingefasst,
um welche Hypenodes Kalchbergi kurz vor und nach Sonnen-
untergang schwärmt. Ihre Haupterscheinungszeit fällt in das
letzte Drittel des Juni; bei Tage gelang es mir nur einmal,
ein StĂĽck aus den Hecken zu scheuchen, und zwar am 22.
des genannten Monats.
AcidaHa Mutilata, Stgr.
Obwohl mir von dieser Art nur drei StĂĽcke ohne Leib
vorliegen, so sind doch wenigstens zwei derselben frisch und
franzenrein, und genĂĽgen zur Aufstellung einer neuen Art.
Dieselbe steht dicht bei Litigiosaria B. und Ossiculata Ld.,
also in der Lederer'schen Gruppe A. b. 1. 00, wo Rippe 6
und 7 der HinterflĂĽgel gestielt sind, die Hinterbeine in beiden
141
Geschlechtern Endsporne haben und die FĂĽhler der ,^^ gleich -
massig kurz bewimpert sind.
Zwei der vorliegenden Stücke sind Männchen, das dritte
ein Weibchen. Grösse etwa wie bei Litigiosaria, 22 — 25 mm.
Stirne schwarz, Scheitel licht wie bei dieser Art und Ossicu-
lata. Die Grundfärbung der Flügel ist lichtgrau mit sehr ge-
ringem gelblichen Anflug, besonders beim $. Die dunklen
Punkte am Ende der Mittelzellen sind oben mindestens ebenso
stark, unten weit schwächer als bei Litigiosaria. Die schwar-
zen Punkte oder Striche in der Limballinie sind weit stärker
als bei Litigiosaria oder gar Ossiculata. Besonders verschieden
von beiden Arten sind die Quer- und Wellenlinien. Bei der
Ac. Mutilata tritt die erste QuerHnie hinter der Mittelzelle weit
schärfer als die andern hervor, und ist dieselbe auch auf den
Hinterflügeln stark unregelmässig gezackt. Auch vor dem
Mittelpunkt der VorderflĂĽgel tritt eine Basalquerlinie ziemlich
deutlich auf, die bei den genannten andern beiden Arten nicht
zu erkennen ist. Hinter der starken Querzackenlinie bemerkt
man bei Mutilata nur noch zwei undeuthche schwache Quer-
linien, ähnlich wie bei Litigiosaria, während Ossiculata hinter
der Mittelzelle nicht drei, sondern vier dicht nebeneinander
parallel herziehende Wellenlinien hat. Die Unterseite der
VorderflĂĽgel ist dunkel augeflogen, die der HinterflĂĽgel hcht,
wie bei den beiden ähnlichen Arten. Die eine starke, ge-
zackte Querlinie unterscheidet sie aber hinlänglich von beiden.
(Staudinger.)
Am 5. October 1873 fing ich das erste StĂĽck dieser
neuen Art, ein $, an einem schönen, windstillen Abend vor
Aufgang des Mondes bei Licht in Valdesi bei Palermo; es ist
dies ein von grossen Weingärten umgebenes, einsames Gehöft
an der sandigen Bucht von Mondello, einer ausgezeichneten
Localität, wo ich mehrere Monate Avohnte. Das zweite und
dritte Exemplar, beide (^(^, kamen ebendort am 7. und 15.
October zum Licht geflogen. Später erhielt ich keines mehr,
es scheint also die Erscheinungszeit dieser Acidalia-Art nicht
von langer Dauer, oder letztere sehr selten zu sein.
Acidalia Determinata, Stgr.
Von dieser ausgezeichneten Art liegt mir ein Pärchen
vor; das ,^ (24 mm.) ist sehr frisch und schön, das $ (21 mm.)
etwas geflogen und mit verstĂĽmmeltem Leib. Auch diese neue
Art gehört in dieselbe kleine Lederer-sche Abtheilung der
Gattung Acidalia wie die vorige, unterscheidet sich aber sofort
von jeder mir bekannten Acidalia.
142
Die Grundfarbe ist schmutzig gelb, sehr wenig in s Röth-
liche spielend, doch weit weniger als dies bei Ac. Consangui-
naria Ld. der Fall ist, bei welcher Art diese neue am Besten
eingereiht wird. Die Grundfarbe ist oben ĂĽberall mit grossen
schwarzen Schuppen spärlich bestreut. Auf den Vorderflügeln
steht etwa bei ^j^ der Länge eine sehr schiefe schwarze
Querlinic, die nach vorn einen starken Winkel nach aussen
macht. Am Schluss der Mittelzelle steht auf allen FlĂĽgeln
ein grosser schwarzer Punkt. Hinter der Mittelzelle verlaufen
ganz dicht bei einander zwei scharfe, gezackte
schwarze Querlinien, wie sie sonst bei keiner andern
Acidalia sich ähnlich voriinden. Die innere dieser beiden
Querlinien erreicht nicht den Vorderrand, sondern endet bei
der Subcostalis. Weit getrennt davon nach aussen verläuft
eine dritte dunkle Querbinde, und eine vierte breitere befindet
sich dicht vor den Franzen. In der lichten Limballinie stehen
am Ende jeder Rippe sehr starke schwarze Punkte. Die
Unterseite ist besonders an der Basis der VorderflĂĽgel dunkler
bestäubt, und fehlt hier die erste dunkle Querlinie, während
die äusseren dunklen Querlinien oder Binden hier fast noch
schärfer hervortreten. In der dunklen Randbinde erscheinen
die Rippen ganz hell, am Ende je mit dem grossen schwarzen
LimbalpĂĽnkt wie oben. (Staudinger.)
Auch Acidalia Determinata bewohnt dieselbe Locahtät
wie Ac. Mutilata; meiner steten Begleiterin, der Lampe, welche
auch an den Abhängen des Madonia-Gebirges die besten Dienste
leistete, verdanke ich die Auffindung dieser ausgezeichneten
Art. Das ,^ fing ich am 27. September, das $ am 14. Oc-
tober 1873. ^
Eupithecia Luteostrigata, Stgr.
Obwohl mir nur (^in einziges gut erhaltenes Weihchen
dieser Art vorliegt, so ist es doch vor allen mir bekannten
Eupithecia- Arten so ausgezeichnet, dass ich keinen Anstand
nehme, danach eine neue Art aufzustellen. FlĂĽgelspannung
15 mm. Grundfarbe weisslich mit lehmgelben Querlinien (oder
Binden) auf allen FlĂĽgeln, und einem grossen schwarzen
Mittelpunkt der VorderllĂĽgel. Am besten ist diese neue Art
hinter Perfidata Mn. einzui-eihen. Wie hier (und auch bei
Linariata und Pulchellata) tritt eine breite gelbe Basal- und
Aus.^enrandshinde am deutlicli.slen auf; weit undeuthcher sind
die beiden Mittelbindcn, zwischen denen am Schluss der Mittel-
zelle d(-r grosse schwarze Mittelmond steht. Die beiden Mittel-
143
binden sind hart am Yorderrande etwas schwärzlich, ebenso
sitzt unmittelbar an der Basis noch ein schwarzer Strich am
Vorderrande. Auf den HintertlĂĽgeln fehlt die Basalbinde, und
der Mittelmond ist hier weit schwächer. Die Unterseite ist
fast eintönig schmutzig-weiss, nur die Mittelmonde und die
Aussenrandbinden scheinen sehr schwach durch. Diese kleine
hĂĽbsche Art ist mit keiner andern zu verwechseln. (Stau-
dinger.)
Von dieser Art, unstreitig einer der hĂĽbschesten des
Genus Eupithecia, wurde mir leider nur ein einziges StĂĽck zii
Theil, welches in mein Zimmer zum Licht geflogen kam; es
war dies am 25. Mai 1872 in der Via Malaspina zu Palermo.
Ein Fenster der Wohnung hatte die Aussicht in einen grossen,
reich mit südlichen Bäumen, Sträuchern und Pflanzen bewach-
senen Garten, wo das Exemplar sich entwickelt haben muss,
da es ganz frisch war; doch gelang es mir trotz eifrigen
Suchens nicht, dort ein zweites zu finden.
Nephopteryx Maculata, Stgr.
VorderflĂĽgel bleigrau, beim ,^ lichter, nut einem w^eiss-
lichen Fleck auf der Mitte der Submediana. FlĂĽgelspannung
19 — 24 mm.
Älir liegen von dieser neuen Art 12 Exemplare (3 r^ und
9 $) vor, von denen jedoch nur 1 ^ und 2 — 3 ^ frisch und
gut erhalten sind. Neph. Maculata hat etwa die FlĂĽgelgestalt
und Grösse einer mittleren Rhenella, ist aber durch ihre Zeich-
nung von allen bekannten Arten verschieden, und wird am
besten hinter der auch sehr eintönigen Albicilla eingereiht.
Die männlichen Fühler haben einen ziemlich starken Basal-
Schuppenbusch, und sind etwa bis zur Hälfte ziemlich stark
sägeförmig. Der Kopf ist licht braungelb, der Leib und die
Beine mehr graugelb. Die VorderflĂĽgel scheinen bei den $$
auf den ersten Blick fast eintönig bleigrau mit etwas bräun-
licher Beimischung zu sein, bei den (^^ sind sie weit lichter,
schmutzig graugelb. Als Zeichnung fällt nur ein gelblicher,
in der Mitte wei^s gekernter, verloschener Fleck auf, der etwa
auf der Mitte der Submediana sitzt, also hart am Innenrande.
Genauer besehen, finden sich noch einzelne kleine weisse
Striche vor, die auf den Rippen sitzen, von denen indessen nur
einer auf der Mediana deutlicher auftritt. Hinter diesem be-
merkt man zuweilen noch einen kleinen schwarzen Punkt, und
einen zweiten am Schluss der MittelzeUe. Bei den lichteren
(^,^ zeigt sich dei- schwarze Punkt striehförmig auf der Me-
144
diana. Die HinterflĂĽgel, sowie die Unterseiten aller FlĂĽgel
«ind glänzend graugelb. Auf den Hinterflügeln führen die
Franzen eine dunkle Basallinie, welche durch eine feine helle
Linie von der gleichfalls dunklen LinibalHnie getrennt ist. Zu
verwechseln ist diese neue Art mit keiner mir bekannten.
(Staudinger.)
Die Art ist gar nicht selten. Das erste StĂĽck fing ich
bei Licht in Valdesi bei Palermo, am 18. September 1873,
die ĂĽbrigen auf dieselbe Weise bis gegen die Mitte des Oc-
tober; weniger zahlreich erhielt ich sie am gleichen Orte und
zur nämlichen Zeit im Jahre 1874. Die Thiere flogen immer
erst kurz vor oder nach Mitternacht.
Acrobasis (?) Singularis, Stgr.
VorderflĂĽgel aschgrau mit einer doppelten schwarzen
Basalquerlinie, einer solchen Aussenlinie und Mittelmond. FlĂĽ-
gelspannung 18 — 21 mm.
Es liegen mir hievon 1 1 StĂĽck, dabei nur ein $, vor,
die zwar meist etwas defect, aber sonst fjisch und franzen-
reiu sind. Ob die Art wirklich eine Acrobasis ist, wage ich
nicht zu entscheiden, da durch die zahlreichen Entdeckungen
der Neuzeit die Genera der Phyciden ziemlich schwankend
geworden sind, und eine grĂĽndliche systematische Bearbeitung
derselben sehr nöthig ist. Acr. Singularis muss gleich hinter
Obtusella stehen, hat dieselbe Grösse und wenigstens ähnliclie
Zeichnungsanlage als diese weit dunklere Art. Die FĂĽhler
der Männchen sind schwach sägeförmig und bis zum Ende mit
ziemHch langen Wimpern versehen. Das erste Glied hat
einen nach innen gerichteten starken zahnartigen Fortsatz wie
bei Obtusella. Die Palpen sind nach aufwärts gerichtet und
länger als bei Obtusella. Der Kopf und Thorax sind aschgrau
mit schwarzen Atomen gemischt. Ebenso ist die Färbung der
Vorderfiügel. Dieselben führen etwa bei 1/3 ihrer Länge eine
fast gerade schwarze Querlinie, neben welcher nach aussen
von der Subcostalis beginnend, eine zweite dicht parallel in
den Innenrand verläuft. Der schmale Raum zwischen beiden
ist bräunlich ausgefüllt und die erste (innere) schwarze Linie
nach Innen weisslich begrenzt.
Vor dem Aussenrande steht eine etM'as gezackte und ge-
bogene, scharfe, schwarze Querlinie, die nach aussen weisslich
umrandet ist. Dicht an dieser steht hart am Vorderrand ein
schwarzer Wisch, der kurz vor der Spitze ausläuft. Am
Schluss der Mittelzelle befindet sich ein scharfer schwarzer
145
Mondsti-ich mii der convexen Seite nach innen, ganz ähnlieh
wie bei Myel. Legalella. Unter demwelben steht mei«t noch
ein ähnlicher, aber nur sehr .schwach angedeuteter Mondstrich,
der aber bei einigen StĂĽcken ganz fehlt. Die Saumlinie vor
den grauen Fi'anzen ist scharf schwarz. Die Unterseite ist
dunkel mit lichterem Glanz, nur die obere schwarze Aussen-
i'andlinie scheint sehr matt durch. Die HinterflĂĽgel sind
schmutzig weiss, nach der Spitze hin dunkler. Die Limbal-
Jinie ist dunkel, imd in der Basis der Franzen steht gleichfalls
eine dunklere Linie, die aber nur sein- schwach angedeutet
ist. Die Beine sind grau, die FĂĽsse lichter geringelt, die mitt-
leren Schienbeine haben einen, die hinteren zwei dunkle
Flecke.
Abgesehen von dem verschiedenen FĂĽhlerbau unterscheidet
sich die weit lichtere Acr. Singularis auch durch die ver-
schiedene Basalzeichnung der VorderdĂĽgel etc. sogleich von
Acr. Obtusella. (Staudinger.)
Von Ende August bis Ende September 1873 nicht selten
in Valdesi bei Licht gefangen.
Lita Singula, Stgr.
Vordertlügel schwarzgrau und weiss gemischt, ganz ähn-
lich wie bei dei- Lita Strelitziella, aber ohne eine Spur der
braunen Flecke. FlĂĽgelspannung 14 mm.
Lila Singula sieht auf den ersten Blick der Strelitziella
sehr ähnlich, die Zeichnung der Vorderflügel ist fast genau
dieselbe, die Färbung aber verschieden. Zunächst fehlt ihr
jede Spur der braunen Flecke, die bei Strehtziella die vier
schwarzen Punkte mehr oder minder umgeben. Dann ist das
Weisse hier gelblich, nicht so rein weiss wie bei Strelitziella.
Die Palpen sind slark nach oben gekrümmt und Aveit länger
als bei Strelitziella, auch ist das zweite Glied glatter beschuppt,
gelbweiss, nach aussen dunkler. Das lange Endglied ist
dunkel mit lichter Spitze. Die Stirn ist gelbhch, dei- Scheitel
dunkel. Die FĂĽhler sind l)ei Singula entschieden dicker, an-
scheinend auch etwas kĂĽrzer als l)ei Strelitziella. Die lichten
Beine sind an den Tarsen dunkel geringelt und an den hin-
teren Schienbeinen dunkel gefleckt.
Die dunklen VorderflĂĽgel haben einen schwarzen Basal-
punkt, zwei senkrecht ĂĽbereinander stehende schwarze Punkte
\'or der Mitte und einen solchen hinter der Mitte des FlĂĽgels.
Hinter letzterem steht die weissliche Aussenbinde, wie bei
Strelitzielk). ^^'ährell(l Iiinter den beiden mittleren schwarzen
10
146
Punkten auch weissliche und darĂĽber ein schwarzer sich be-
findet.
Mit andern mir bekannten Arten ist Litu SinguJa weder
zu verwechsehi, nodi /n vergleichen. (Ă–taudinger.)
Valdesi, Anfangs Oetober 1873 bei Licht gefangen.
Lila (?) Punctata, Stgr.
ĂĽelbHch, auf den Voi-dertlĂĽgeJn mit 6 (5) schwarzen
Punkten und dunklerer FlĂĽgelspitze. 10 mm.
Mir liegen drei Mämichen dieser Art vor, von denen das
eine aber ganz abgerieben ist. Dr. Wocke [»estimmte sie mir
als eine neue Lila; ich möchte sie fast für eine Teleia halten.
Als Lita steht sie vielleicht am besten bei Salinella. Die
Palpen sind länger, schlanker und weit mehr nach oben ge-
krĂĽmmt als bei Salinclla oder irgend einer andern Lita-Art.
Die Grundfarbe der A'orderflĂĽgel ist gelblich, bei dem einen
Stück mit Withlichem Anilug, äusserst gering mit schwarzen
Atomen bestreut. Das eine StĂĽck zeigt hart an der Basis
oben und unten zwei schwarze Punkte, das andere nur den
unteren dieser beiden. Dicht dahinter, in der Falte, steht ein
anderer schwarzer Punkt; hinter diesem, etwa in der FlĂĽgel -
mitte, folgen zwei ganz dicht ĂĽbereinander stehende. Der
letzte steht endlich nach aussen, dicht vor der etwas dunkler
bestäubten Flügelspitze. Die Unterseite der Vordertlügel ist
wie Beine, Leib und Kopf einfach gell». Die Hiutertlügel sind
weissgrau. Die eintönig gelben Vorderilügel mit den scharfen
schwarzen Punkten unterscheiden diese Art sofort von allen
andern mir bekannten Gelechiden. (Staudinger.)
Zu Valdesi in der zweiten Hälfte des September bei Lieh
gefangen.
Teleia Femoralis, Stgr.
Scliwärzlicli. n)it unbestimmt dreieckigem weisslicheu
Mittelfeld und grauer Endspitze. 9 — 10 mm.
Mir liegen drei ziemhch gut erhaltene StĂĽcke dieser
kleinen Art vor. Dieselbe sttdit der Myricariella Frey am
näehsten, i.>st auch fast oben so klein. Von bekannteren Arten
ähnelt sie der Tel. llumeralis am meisten, die aber ziemlich
viel gnisser ist. Haipen fast genau wie bei diesen Arten,
schwärzlich, das zweite Ghed am Ende hell geringelt. Vorder-
tlügel vorwiegend sehwärzlich, be.sonders die Basis ganz
schwarz. Durch die Mitte der FlĂĽgel geht eine Art weiss-
.147
lieher Binde (oder Feld) in Form eines Dreiecks, so dass die
Spitze an den Vorder- und die Basis an den Innenrand stössl.
Diese Dreieeklbrm ist besonders bei dem einen StĂĽck sehr
deutlich. In diesem weissen Mitteltelde stehen nach aussen,
kurz vor dem wieder schwarz werdenden Theil, einige schwarze
Längsstriche. Die Flügelspitze ist lichter, doch mehr grau als
weiss. Die Hinterfliigel sind grau, die FĂĽsse hell und dunkel
geringelt.
Der Hauptunterschied von Tel. Mvricariella, Humeralis,
Ă–equax etc. liegt in der ganz schwai-zen Basis der Yorder-
tlĂĽgel dieser neuen Ai't. Dieser sclu^arze Basaltheil erweitert
sich hier am meisten nach dem Yordei-rande zu, während er
bei den andern Arten gerade am Innenrande am breitesten
auftritt, ĂĽbrigens niemals so scharf schwarz ist. (Staudinger.)
Im October in Valdesi )iei Lichl gefangen.
Anacampsis (?) Basalis, Stgr.
Kopf und Thorax lehmgelb; VorderilĂĽgel schwarz mit
lehmgelbem Basaltheil und weissem Vorderi-andstleck gegen
die Spitze hin. 15 mm.
Mir liegen vier StĂĽck (Ueser ausgezeichneten neuen Art
vor, von denen leider nur eines gut, eines mittelmässig, die
andern l)eiden ganz schlecht sind. Diese Art muss höchsl
wahrscheinlich eine neue Gattung bilden, und bringe ich sie
nur vorläutig ))ci Anacampsis unter. Die (»estalt und Form
passt auch ziemlich zu den Arten <heser Gattung, nur die
Palj)eu sind länger und mehr nach aufwärts gebogen, fast wie
bei Stomopieryx, der sie auch an Gestalt der HintertlĂĽgel sehr
nahe kommt. Die Färbung und Zeichnungsanlage ist aber
von der der Stomopt. Detersella so vei'schieden, dass ich die
Art lieber bei Anacampsis unterbringe.
Der Kopf ist lehmgelb, die Palpen nach aussen, die
FĂĽhler ganz schwarz. Der Thorax ist auch lehmgelb, die
Beine sind etwas heller, die Tarsen dunkel geringelt. Die
A^jrderflĂĽgel sind schwarz, namentlich gegen das p]nde hin mit
wei.ssli<'hen Schuppen mehr oder minder gemischt. Am \ov-
derrand gegen die Spitze zu beiludet sich ein weisser Fleck,
gerade so wie bei An. Anthvilidella viv. Es steht ihm aber
am Innenwinkel kein eigentlicher weisser Fleck gegenĂĽber,
sinidern nur eine lichtere Stelle in den Franzen. Das Auf-
fallendste und von allen Anacam])sis und ĂĽberhaupt Gelecliideii-
Arteu abweichend ist die lehmgelbe (oder bi'äunliche) Färbung
des Basalt heils. Dieselbe zieht sich spitz uuler der iVliltelzelle
10*
148
in den FlĂĽgel hinein; iiin Ende der Spitze steht ein kaum
hervor! lelender, pclnvärzei'er Punkt. Auch am Vorderrand,
der «)n,st dunkel bleibt, zieht sich ein feiner, lehmgelber Strich
zwischen der Costaiis und der Subcostalis hinein. Die Unter-
seite der Vorderflügel wie auch die Hinterflügel sind schwärz-
lich; letztere zeigen eine feine gelbe Basalbegrenzung der
Franzen. (Staudinger.)
Sänuntliche Stücke dieser neuen Art tlng ich im letzten
Drittel des Juni zu Castelbuono bei Licht.
Mesophleps (?) Acuminatus, Stgr.
Vorderflügel stark zugespitzt, braungelb, mit vier schwär
zen Punkten und dunklerem Aussenrand. 12 mm.
Obwohl ich imr ein ziemlich gut erhaltenes StĂĽck dieser
Art vnr mir habe, glaube ich doch, dass es zur Aufstellung
<>iner neuen Art genĂĽgt. Das Thier steht jedenfalls den drei
bekannten Arten der Gattung Mesophleps (Pudicellus Mn., von
dem ich Originale aus Lederer's Samndung habe, ist weder
ein Mesophleps, noch überhaupt Yj)solophide) am nächsten.
Es hat etwa die Grösse und Gestalt von Trinotellus H.-S., nur
laufen die A^orderflĂĽgel ganz spitz zu. Die HinterflĂĽgel sind
nicht ganz so scharf ausgezackt wie bei Trinotellus, aber doch
mehr als bei den andern beiden Arten, wo sie auch weit
breiter sind. Die Palpen haben ein sehr langes und ziemlich
dickes zweites Glied, ähnlich ^ie bei Corsicellus, also weit
länger als bei Trinotellus und Silacellus, fast so wie bei den
ächten Ypsolophus-Arten. Das dünne Endglied ist weit länger
als bei Mesophlej)s, auch nicht aus dem Ende, sondern etwa
aus der Mitte des zweiten Gliedes hervorragend. Es ist aber
deiinocii nicht so lang wie bei den eigentlichen Ypsoiophus-
Arlcu, und biklen die Palpen dieser neuen Art einen directen
Uebergang dieser beiden Gattungen. Ihre Fai-be ist grau, das
spitze Endglied gelblich. Die gelbgraue Behaarung des Kopfes
ist von unten nach oben gerichtet, etwa wie bei Yps. Schmi-
diciius. der eine ganz andere Behaai-ung hat, als z. B. Y])s.
U.stiilelkis. Die V(M'derbeine sind ziemlich lang; die Hinter-
schienen haben ausser den Mittelsporeu nur am rechten Beine
einen Ends])orn, am linken keinen; doch können hier die
Endspoi-en abgebrochen sein. Die Farbe der Beine ist hell-
grau: die FĂĽsse sind kaum geringelt.
Die gelbbraunen \ Orderiliigel zeigen di'ei in horizontaler
Lage, etwa in di-r Läng.smiMe liegentle schwarze Punkte, von
denen der eiste hinter der Basis sehr verloschen ist;' der an-
149
dere liegt etwa in der Mitte des FlĂĽgels, und der dritte am
Schluss der Mittelzelle. Der mittlere hat ganz dicht und fast
senkrecht unter sich einen vierten scliwarzen Punkt. Der
Aussenrand ist nur wenig sciiwarz angetlogen, der Vorderrand
fast gar nicht, bei Trinotellus sehr stark. Die HinterflĂĽgel
sind grauschwarz; ebenso die Unterseite aller FlĂĽgel mit star-
kem Glanz; nur die Franzen sind hier lichter, gelblich.
Mes. Acuminatus kann, schon der Grösse wegen, höchstens
mit Trinotelhis verglichen werden, hat aber, abgesehen von
der anderen Palpenbildung, weit hellere VorderflĂĽgel mit an-
derer Punktstellung. (Staudinger.)
Ich fing das Thier Ende October beim Licht zu Valdesi
bei Palermo.
Symmoca (?) Pallida, Stgr.
VorderflĂĽgel schmutzig Ijlassgelb, mit dunkleren Atomen
sehr schwach bestreut. Flügelspannung 10 — 12 mm.
Mir liegen sieben gut erhaltene r^,^ dieser kleinen Art
vor, die ich nirgends anders als bei Symmoca unterzubringen
weiss. Die sehr kurzen Palpen erlauben es nicht, sie als
Oecophora zu bezeichnen, avo sie auch noch fremdartiger sich
ausnehmen wĂĽrde. Die kleineren Arten der Gattung Sjmmoca
haben ĂĽbrigens meist ganz anders gebildete Palpen (kurze)
als die grösseren, so dass auch diese Gattung später wohl
noch zerlegt werden muss. Symmoca Pallida steht der Ce-
destiella Z. am nächsten, ist aber kleiner, zcichuungsloser und
gelb, statt grau. Die kleinen Palpen ragen nur wenig ĂĽber
den Kopf hervor, sind gerade vorgestreckt, meist sogar etwas
nach unten und aussen gerichtet. Das ganze Thier hat eine
eintönige schmutzig blassgelbe Färbung; nur die Hüften und
Schenkel, so wie die Unterseite der VorderflĂĽgel ist dunkel.
Auf den VorderflĂĽgeln erkennt man kaum eine sehr geringe
dunklere Bestäubung, besonders nach aussen hin, und es ge-
hört schon Einbildungskraft dazu, um bei einigen Stücken am
Schluss der Mittelzelle ein paar dunklere ĂĽber einander ste-
hende Flecke, ähnlich wie bei Cedestiella, erkennen zu
wollen. Der Schnitt der FlĂĽgel ist ganz derselbe wie bei
Cedestiella; auch die Fühler sind ähnlich, kurz und ziemhch
dick. (Staudinger.)
Diese neue Art fing ich im Juli, August und Anfang
September bei Licht sowohl zu Castelbuono, als auch zu
Valdesi.
150
Macroceras Oecophila, Stgr.
Schmut/ifi slioligelb; Vordorfliigel mit drei soiiwärzlichen
Flecken und dnnUlerev 8])itze. r^ 10, $ 13 mm.
Pls liegt mir ein ziemlich gut erhaltenes Paar dieser Art
v(ir: das $ mit einem Zettel verseilen, worauf stellt „29. Juli,
via Lolli. Zimmer". Dies StĂĽck -wurde also von Herrn von
Kalchherg in PaleniKt in seinem Zimmer gefangen. \Yocke
sehreibt mir, dass ei' dies merkwĂĽrdige Thier eher fĂĽr eine
Elaehistide, als (relechide halte. Jedenfalls muss dafĂĽr eine
neue Gattung aufgestellt werden, die \'ielleicht am besten hinter
Rutalis eingereiht werden mag.
.^lacroceras iiov. geiuis (Laiigliorn). Pal]>en mit ziem-
lich langem, etwas breit gedrĂĽcktem zweiten Gliede, das etwas
nach unten gerichtet ist. Das nur etwas kĂĽrzere, dĂĽnne End-
glied ist nach oben gerichtet. FĂĽhler atdTallend lang, etwas
langer als die VordertlĂĽgel ; beim ,^ sehr dick und schwach
gezähnt, merkMiirdigerweise besonders nach der Spitze zu,
beim $ fadenlTumig, aber etwas rauh. Stirn glatt, mit nach
imten gerichteten Scliu]»|)en bekleidet. Scheitel glatt, die
Schu{)pen von den Seiten nach der Mille zu gerichtet. Beine
ziemlich lang, besoiideis die vorderen, die mittleren Schienen
mit Endsporueii. so wie ziemlich langer Behaarung versehen.
FlĂĽgel schmal, die vorderen etwas abgei-undet, die hinteren
s|)itz zulaidend. ähnlich wie bei Rutalis. Hinterleib des $ auf-
fallend lang und dick, von oben nach unten etwas breit ge-
drückt; der des xorliegcnden ,j ist leider beschädigt.
Die .Vrl. Mciclie ich Oecophila (hausliebend) nenne, ist
schmulzig gelb, das J^ clwas lichter als das $. Die Palpen
sind nach aussen dunkel angellogen. Auf den VorderflĂĽgeln
steht gleich liiiiler der Rasis in der Falte ein schM'arzer Fleck
oder Strich. Seitwärts darüber. cIm a in der JVIitte des Flügels,-
steht ein zweiter schwarzer Puiikl. und ein dritter dahinter
nach aussen. Die FlĂĽgelspilzc isl nur sehr undeutlich dunkler
angetlogen. Die lliiileriliigel, so wie die Unterseite aller FlĂĽgel
fĂĽhren einen slark<.'u Soidenglauz. (Staudinger.)
Den .^ fing ich Ende September zu Valdesi bei Licht:
das ^ sass. Avie erwähnl. um Morgen des 29. Juli an der
Wand meines Zinnners zn Palermo, in welches es jedenfalls
am Abend des Ndrbergehendeii Tages geflogen war.
Steyr, im .laniiar 187().
151
Hymenopterologische Mittheilungen
von
H. Buriueister.
1. Die Xylocopa- Arten des La Plata- Gebietes.
Vor 3 Jahren hat Herr Prof. Gerstäcker in dieser Zei-
tung (1873, S. 269 flgd.) die Europäischen Xjlocopa- Arten
besprochen und deren Behandlung einige allgemeine Bemer-
kungen zumal ĂĽber die Geschlechts-Charaktere vorausgeschickt,
wobei er besonderen Werth auf die Abwesenheit des einen
(hinteren) Sporns an den Hinterschienen der Männchen legt
und diese Eigenschaft als allgemeines Merkmal des männlichen
Geschlechtes aller Arten hervorhebt. Es ist mir aufgefallen,
dass der jĂĽngste Monograph der Gattung, Herr Fred. Smith
(Transact. entom. Soc. 1874, pag. 247 seq.) diese Angaben
Gerstäcker's völlig mit Stillschweigen übergeht, obwohl er
die Arbeit seines Vorgängers kennt, und bei den Europäischen
Arten citirt; es machte mich stutzig, eine Eigenschaft von
solcher Bedeutung unberĂĽcksichtigt gelassen zu sehen, und er-
regte bei mir einigen Zweifel am allgemeinen Zutreffen der-
selben bei allen Arten, weshalb ich die von mir auf meinen
verschiedenen Reisen in Brasilien und den La Plata-Staaten
gesammelten Species darauf durchmusterte, und dabei neben
der Bestätigung der Angaben Gerstäcker's noch auf manche
EigenthĂĽmlichkeiten bei einzelnen Arten stiess, welche es
mir passend erscheinen Hessen, die mir zugänglichen im
Zusammenhange zu besprechen. Ks sind das leider nur zehn,
aber auch diese geringe Anzahl bietet genug Anhaltspunkte
zu einer weiteren Erörterung des berührten Merkmals, so wie
einige andere Momente dar, welche noch nicht zur Sprache
gebracht sind und deshalb miti heilungswert h erscheinen dĂĽrften.
Die zehn mir vorliegenden Amerikanischen Arten gehören
sämmtlich zu der Section mit nach hinten abgerundetem, nicht
scharfkantigem Thorax, eine Eigenschaft, die schon Smith als
fĂĽr alle Amerikaner geltend S. 283 sub no. 81 hervorhebt.
— Sie sondern sich ferner in zwei natürliche Abtheilungen,
je nachdem die Männchen gelb und die Weibchen «chwarz
gefärbt sind, oder je nachdem beide Geschlechter die gleiche,
gewöhnlich schwarze, seltener stahlblaue Grundfarbe besitzen.
152
I. Miinurhcn gelb, Wcilx'hcn vorwiegend schwarz.
liier IViigi es sich zunächst, ob es ein Mein^nmil giebt,
wdian sich die Verschiedenheit der Grundfarbe beider Ge-
schlechter, welche übrigens mit nocli anderen augenfälligen
Difl'ercnzen des Habitus verbunden ist, auch ohne sie neben
cinnndei- zu liaben, erkennen lasse. Es ist mir aber nicht
gelungen, ein sicheres Mwkmal dafĂĽr bei Weibchen aufzu-
finden 5 man kann indessen annehmen, dass die gelben Männ-
chen relativ breitere Hintersehenkel und in eine scharfe Ecke
(hinten) oder Spitze (voi-n) ausgehende Trociiantcren besitzen
iils die anderen, den Weibchen gleichfarbigen Männchen, welche
Eigenschaft auch für die Weibchen sehr kräftige Schenkel
und Ti'ochanteren bedingt. In Bezug auf die Sporen ist der
von Gerstäcker angegebene Geschlechtsunterschied zu-
treffend; die gelben Männchen haben einen einzelnen kleinen
S])orn an der vorderen Endecke der Hintersehienen, welcher
hier kleiner ist, als an den Mittelschienen, und zwischen den
langen Haaren der Schienen versteckt steht, nur mit der Spitze
etwas hervorragend. Ausserdem besitzen alle Schienen eine
scliarfe, dornartig vortrel(!nde, äussere Endecke, die auch den
Weibchen zusteht, Ix'i iluien aber nicht so lang und spitz ist;
und die hintersten einen I)()j)})elzahii auf der Aussenseite nahe
(k'v Mitte, der den Männchen in iilmliclier Weise, aber in ge-
ringerer Grösse, elxiufalls zukommt. Beide Eigenschaften
werden bei allen hier besprochenen Arten angetrotfen; sie
sind aber bei den kleineren mit stahlblauer Grundfarbe viel
schwächer entwickelt.
Ich liabe 3 Arten mit gelben Männchen auf meinen Reisen
gesammelt, und nlle 'A habe ich in ihren Nestern längere Zeit
beobachten kĂĽnnen: ihre Lebensweise stimmt ganz mit ein-
ander ĂĽberein. Die Weibchen luilden mit ihren scharfen
Kiefern Gänge in allem Holz aus, und lassen darin ihre Brut
zur EnJwickehnig gelangen, wie das Lansdown Guilding
in den Trans. Limi. Soc. XIV. 'MW von seiner X. teredo be-
sclirieben und tibgebiklel bat.
i. X. frontalis Oliv. Enc. meth. IV. 64. — Fabr.
Syst. Piez. :]1(). - Smith 1. I. 284. 82.
Diese Ar(, die grös.xle aller mir vorgekommenen, beob-
achtete ich (ifters bei Rio de .lanein» in alten Stümpfen ab-
gehauener Bäume: .mi Mamentlich auf der Cluicra meines
Freuiules Ijallemanl, wo ich Gelegenheit nahm, aus den von
mir geöH'nelen Gängen des Irockrien llo|/,os beide (iesehleehier
153
nach einander hervorgehen zu lassen. Smith hat sie kurz,
aber kenntlich beschrieben; er vermuthet AA'ohl mit Grund,
dass das Männchen als X. fasciata von Lepelletier de St. Far-
geau (Hym. II. 202) beschrieben sei.
2. X. Brasilianorum aut. Smith, I. 1. 283. 81.
X. teredo L. Guild. 1. 1.
Diese Art ist beträchtlich kleiner als die vorige, nur 10
{.^) bis 12 ($) Linien lang und V('»llig einfar[)ig, das Männchen
blassgelb, das Weibchen schwarz; letzterem fehlt die scharfe
in der Mitte winkelige Querkantc vor den Punktaugen, welche
die vorige Art besitzt; ihre Punktaugen stehen etwas vertieft
und das vordere ist von einer schwachen, Vförmigen Kante
umgeben, vor welcher sich zwischen den FĂĽhlern die Stirn
zu einem Höcker erhebt. Die Species habe ich nur bei Men-
doza gesammelt, wo sie häufig war und in dem Stabholz
meines Weingartens, das die Reben trug, ihre Wohmmgcn
aushöhlte. Das Männchen ist sehr blassgelb, mit etwas dunk-
leren Rändern der Hinterleibsringe; die vier Hinterhüften,
Trochanteren und Schenkel, bis ĂĽber die Mitte hinab, sind
schwarzbraun, wie bei der vorigen Art; es flogen viele in den
Kronen der Pappeln, welche den Weingarten umgaben, und
manche standen stundenlang an derselben Stelle, mit hörbarem
Summen in der Schwebe sich haltend. Die Weibchen lassen
ein viel stärkeres Gesumme beim Fluge hören und führen
bei den Einheimischen den Namen Mangangaz, unter welcher
Benennung das Thierchen allgemeine Furcht anregt wegen
seines heftig schmerzenden Stiches. Vergl. meine Reise,
I. Bd., S. 316.
3. X. Augusti. St. Farg. Hym. ü. 187. — Smith
1. 1. 286. 88.
Das Männchen ist etwas voller, mehr röthlichgelb gefärbt
und hat dieselben Stellen, nebst der Brust mit den Vorder-
schenkeln und der oberen Hälfte der Trochanteren schwarz,
aber das Haarkleid derselben gelb, wie die beiden vorigen Arten;
es unterscheidet sich sonst nicht von jenen; auch die Haai-e
des VorderrĂĽckens stehen bei allen dreien von aussen nach
innen gegen die glatte Mitte gekehrt, sind aber bei den beiden
zunächst erwähnten Species länger und dichter gestellt auf
dem ganzen Körper, als beim Männchen der erstgenannten Art.
154
Das ganz schwarze Weibchen hat an den Seiten des
Hinterleibes eine lange, orangenfarbne Behaarung. Die Zeieh-
nung der Stirn ist dieselbe wie bei X. Brasilianoriim.
Die Art wurde von Aug. St. Hilaire im Innern Brasiliens
gesammelt und ist gemein bei Parana wie bei Buenos-Aires.
Sie hat ihr Nest ebenfalls im Stabholz der Weinreben und
findet sich selbst auf den Höfen in der Stadt. Ich erhielt beide
Geschlechter daraus und gleichzeitig mit den Bienen auch
Horia maculata, die Guilding ebenfalls als Schmarotzer bei der
vorigen Art fand.
Anmerkung. Herr Smith hebt unter den Merkmalen
fĂĽr das Weibchen der X. Brasilianorum die Breite des Kopfes
hervor, welcher dem Thorax darin gleichkomme; allein dieser
Charakter ist schwankend, sowohl bei jener, als bei der hier
beschriebenen Art. indem es Weibchen mit verschieden grossen
Köpfen giebt. Unter einer beträchtlichen Anzahl von Exem-
plaren finden sich nicht bloss solche mit breitem Kopfe, vom
Querdurchmesser des Thorax, sondern neben allen Zwischen-
stufen auch kleinköpfige, welche darin das männliche, stets in
dieser Gruppe mit viel kleinerem Kopf versehene Geschlecht
nur wenig ĂĽbertreffen. Ich finde indessen diese Verschieden-
heit in der Gi-össe des weiblichen Kopfes bei X. Brasilianorum
noch beträchtlicher, als bei X. Augusti, und bemerkte ausser-
dem, dass die kleinköpfigen purpurfarben schillernde Flügel,
die grossköpfigen mit stahlblauem Reflex versehene besitzen,
was mit Smith's Angabe, der allen purpurschillernde FlĂĽgel
nach Westwood's Vorgange zuspricht, im Widerspruch steht.
Der Ausdruck von Fabricius: aus cyaneis, kann also sehr
wohl auf das Weibchen (]vr X. Brasilianorum angewendet
werden, was dafür spräche, in ihm die wahre X. morio des
Fabricius anzuerkennen. Die Art, welche Hr. Smith dafĂĽr
hält (pag. 2ft.5, no. 84), kenne ich nicht; keine meiner ganz
schwarzen Xy/ocopa; hat eine „elevation in front of each of
the jtosterior ocelli'". sondern nur einen schwielenartig gewölbten
Rand \or dem Piinktaugc, der irach hinten gegen den Scheitel
zu verschwindet. Das ist aber ein allgemeiner Charakter fĂĽr
alle, welcher am stärksten bei X. frontalis sich ausgebildet
hat, indem l»ci ihr die schwache Schwiele zur scharfen Kante
wird. Dagegen fehlt eben dieser Art der kleine spitze Höcker
>-wischen den FĂĽhlern, welchen die Weibchen der anderen
beiden Species bcsilzeu. D'w Männchen aller drei Arten haben
davon keine Spur: doch ist j)ci dem der ersten Art die Stirn
zwischen den FĂĽhlern mehr schwielenartig erhaben, als bei
den andern beiden.
155
n. Grundfarbe beider Geschlechter schwarz
oder stahlblau.
In dieser Gruppe ist der Geschlechtsunterschied viel ge-
ringer und nicht bloss die Grundfarbe des Körpers beider Ge-
schlechter die gleiche, sondern auch die Grösse des »Kopfes
fast gleich, während in der voi-igcn Abtheilung die Männehen
einen viel kleineren Kopf haben. Der Unterschied rĂĽhrt haupt
sächlich von der Grösse der Augen her, welche in dieser
zweiten Gruppe beim männlichen Geschlecht viel beträchtlicher
ist, als beim weiblichen. Da indessen die Männchen im Gan-
zen etwas kleiner, zumal schmächtiger sind, als die Weibchen,
so ist ihr Kopf auch nicht völlig so gross, als der des anderen
Geschlechtes. — Trotz der gleichen Grundfarbe sind übrigens
auch in dieser Gruppe die Männchen an ihrem helleren Haar-
kleide und der häufig weissen Stirn von den Weibchen etwas
verschieden im Ansehen, namentlich auch in der Farbe der
FlĂĽgel, obgleich gerade in diesem Punkt der Unterschied nicht
durchgreifend ist.
Die zu dieser Abtheilung gehörigen Arten zerfallen, nach
der Beschaffenheit der hintersten Schienen des Männchens
an ihrem unteren Ende, in zwei Unterabtheilungen. Beide
besitzen nur einen Sporn an der vorderen Endecke, aber die
Einen eine stumpfe hintere oder innere Endecke, wie die
vorigen Arten, die Anderen eine scharfe, dornartig vortre-
tende hintere Endecke. Gers tack er hat diesen Unterschied
sehr richtig erkannt und bestimmt ungegeben, indem er (S.
271) sagt, dass diese hintere, oder nach seiner Auffassung
innere Endecke bei manchen ausländischen Arten dornartig
ausgezogen sei, während sie bei der Europäischen X. violacea
eine lappenförmige Verlängerung mit abgerundeter Spitze dar-
stellt. Nach meiner Untersuchung findet sich eine solche bei
den Amerikanern nicht, wohl aber die dornartige, spitze Ver-
längerung der hinteren Endecke bei allen mit stahlblauer
Grundfarbe und auch bei ganz schwarzen mit gleichgefärbten
FlĂĽgeln. Hiernach bilde ich zwei Unterabtheilungen in dieser
zweiten Abtheilung.
A. Arten mit stum})fer innerer Endecke der HinI er-
schienen im männlichen Geschlecht.
An der Spitze dieser Gruppe steht die Nord-Amerikanische
bekannte Art mit hellfarbiger Behaarung des Tliorax, welche
ich hier aufführe, weil sie diese Gruppe repräsentirt.
156
4. X. virginica aiit. Smith 1. 1. 295. 112.
Ma8. : C'enlris caroliiia Fabr. S. Piez. 357.
Wir hesilzon ein schiines Pärchen in der Sammlung, was
aus Sikl-Ciirolina stammt. Da die Art allgemein bekannt ist,
so lieschreibe ich sie nicht weiter.
Mehrere ähnliehe Arten aus Süd-Amerika schliessen sich
ihr an^ da ich aber von ihnen nur die Weibchen kenne, so
kann ich nicht mit Sicherlieit behaupten, dass sie zu dieser
Unterabtheilung, wie ich vermnthe, gehören; es sind:
5. X. grisescens St. Farg. Hym. II. 178. — Smith,
1. 1. 286. 86.
Grosse, ganz schwarze Art, mit oben weissgrau behaartem
Thorax und stahlblau schillernden FlĂĽgeln; 16 Linien lang.
Ich ting diese Species öfters in Lagoa Santa, im Garten des
Herrn Dw Lund, wo sie auf verschiedenen Blumen fast täglich
sich einfand.
6. X. aurulenia St. Farg. Hym. II. 192. — Smith,
1. ]. 286. 87.
Rombus aurulentus Fabi-. S. Piez. 351.
Von mir einige Male bei Tucuman gefangen; der vorigen
Species ähnlich, aber kleiner, und die Behaarung des Thorax
blass orange gefärbt.
B. Arten mit spitzer, dornf(>rmiger, innerer End-
ecke der Hinterschienen im männlichen Geschlecht.
An die Spitze dieser Unterabtheilung stelle ich eine sehr
eigenthümliche ganz schwarze Art, welche ich öfters in beiden
Geschlechtern bei Rio Janeiro (Laranjeiras, im Garten meines
Freundes Lallemant) fing, aber nicht bei Smith beschrieben
linde, daher als neu beschreibe.
7. X. serripes Nobis: aterrima, ahs concoloribus, pur-
])ureo-violaceoque micantibus. Long. 10 — 12 lin.
Mas.: thoracis disco nudo pihfä albidis sparsis circum-
dato; al)dominis segmento tertio utrinque lobulo
elevato, sericeo-maculato.
Femina: major, spinula obtusa inter antennas; tibiis
posticis sevrato-dentatis.
Beide Geschlechter tief schwarz, ziemlieh stark j)unktirt,
die Mitte des Rückens glatter; beim Männchen von einem Kranz
spärlicher, weisser Haare umfasst; alle übrigen, besonders an
der Stirn, den Seilen (lex Thorax und der Ilinterleibsringe,
nebst den Beinen, lange und dichte Haare schwarz. FlĂĽgel
dimkelbraun, mit lebhaftem Veilchenschiller, die Rippen und
ihre Säume stahlblau.
157
Das Männchen hat keinen deuÜichen Höcker auf der
Stirn zwisclien den FĂĽldern, aber vor dem mittleren Pimkt-
auge einen tiefen, Vfönnigen Eindruck; .seine Augen sind kaum
grösser als die der Weibchen, und der ganze Kopf ist etwas
kleiner. Die Schienen tragen am äusseren Endrande einen
spitzen Dorn, der an den hintersten in 2 stumpfere Ecken
getheilt ist; ausserdem ebendiese auf der Mitte nach aussen
zwei scharfe Zähne und eine lange Spitze, dem Sporn gegen-
ĂĽber, nach innen. Ganz besonders aber zeichnet es sich durch
einen kleinen, frei abstehenden Lappen jederseits am dritten
Hinterleibsringe aus, der einen ovalen, sammetarligen Fleck
trägt und ziemlich nahe der Basis sitzt. Der Bauch ist eben,
aber wie der vorletzte RĂĽckenring und die Beine ziemlich
dicht behaart.
Das Weibchen hat einen deutlichen, aber nicht spitzen
Höcker zwischen den Fühlern, einen vertieften Ring um das
vordere Punktauge, und eine stumpfe Schwiele neben jedem
hinteren nach innen; die Geissei der FĂĽhler ist, wie auch
beim Männchen, unten matt braungi-au, oben glatt, gleichwie
der Stiel. Dem RĂĽcken fehlen die weisshchen Haare, und
dem Hinterleibe die beiden abstehenden Läppchen am dritten
Ringe; doch bemerkt man an deren Stelle eine glattere Partie
der Obertläche. Der Bauch ist eben, am Rande jedes Ringes
stark behaart und am letzten Ringe mit einem scharfen Längs-
kiel versehen. Die Beine sind wie beim Männchen beschaffen,
aber die Hinterschienen tragen auf der Aussenkante eine
doppelte Reihe scharfer Sägezähne, von denen jede mit einem
grösseren Zahn etwas vor der Spitze endet. Der vordere
Sporn ist klein und schwach, der hintere lang und stark.
Anm. Es ist möghch, dass X. ordinaria Smith, 1. 1.
292. 104 das Weibchen dieser Art vorstellt; da aber Ver-
fasser nichts von der Zahnung der Schienen sagt, so habe ich
Anstand genommen, seine Species mit meiner zu verbinden.
8. X. barbata Fabr. S- Piez. 141. — Smith, 1. 1.
282. 80.
Mas.: X. macrops St. Fargeau Hvm. IL 209. —
Smith, 1. 1. 287. 92.
Eine weit verbreitete, wahrscheinlich im ganzen SĂĽd-
Amerika heimische Art, die ich bei Lagoa Santa in Brasilien,
und bei Paranä in Enlrerios tlng. — Meine Exemplare haben
einen schwachen, stahlblauen Schiller. Die Männchen besitzen
sehr grosse Augen, die auf dem Seheitel nahe aneinander
rĂĽcken, und sind grauweiss behaart an der Stirn, den Baeken,
dem VorderrĂĽcken, den Brustseiten, dem ersten Hinterleibs-
158
rino-e, iler Ausscnseite der Seliieiipii und den Seiten der Bauch-
rinii;e, welche letzlere jederseils einen dreieckigen, gelben
HautllecU einscidiessen; ausserdem sind Lii)i)e, Koplschild, Stirn
und FĂĽhlerstiel vorn weisslieh gelarht. Die Weibchen haben
nur schwarze Beliaarung, mit Ausnahme der 2 — 3 letzten
Hauchringe, die weisse HaarbĂĽschel an den Seiten tragen; ihre
Stirn zeigt eine scharte Ecke zwischen den FĂĽhlern, und in
der Naht mit dem Kojtfschilde ein GrĂĽbchen. Die FlĂĽgel sind
dunkelbraun, mit violettem Schiller in den Zellen, stahlblauen
Adern und erzihrbenem Endsaum; die der Männchen am Grunde
wasserklar, an der Endhälfte die vorderen gebräunt. Seine
llinterschiencn haben den äusseren vorderen Endsporn deutlich,
und statt des hintei'cn inneren einen langen, geraden Dorn,
mit 2 Zähnen daneben um Grunde.
9. X. eiliata Nobis.
X. atra, nigro-hirta, densius pmictata et pilosa ; alis luseis,
violaseentibus, marium clarioribus. Long. 7 — 8 lin.
Mas.: Fronte albu. trunco tibiisrjue extus cinereo-
hirlis.
Die Art steht der vorigen ausseist nahe; sie ist aber
etwas kleiner und ohne den stahlblauen Schiller der Gi'und
tläche, vielmehr rein schwarz. Das Männchen hat beträchtlich
kleinere Augen, die auf dem Scheitel weiter getrennt bleiben:
sonst die weisse Stirn, Kojjl'schild, Oberlipj)e und vorn weissen
FĂĽhlerstiel der vorigen, aber schwarze Behaarung an den
Backen. Der 'i'horax ist besonders vorn uml an den Seiten
grau behaart, aber nach hinten nicht grau, sondern schwarz-
braun: der erste Hinlerleibsring hat eine greise Behaarung,
und eine ebensolche die Bauchringe, denen die gelben, häu-
tigen Seilenllecke fehlen. Die Beine sind viel schlanker und
kĂĽrzer behaart, aber die Schienen und ersten Fussglieder nach
aussen ebenlalls mit vielen weisslichen Haaren gemischt. Die
Flügel sind gleichmässig braun, doch etwas heller als die der
Weibchen. — Letztere haben einen spitzen Höcker an der
Stirn zwischen den FĂĽhlern, und anstatt des GrĂĽbchens in der
Naht neben <lem Glyj)eus eine leichte Vertiel'ung, ĂĽbrigen.s
aber ĂĽberall ein rein schwarzes Haarkleid und dunkler ge-
tUrbte Flügel. Ihre Hintersehieuen zeigen vier sehärlere Zähne,
zwei am Ende und zwei etwas grössere dicht davor, weit
unter der Älitte. Beim Mämichen sind nur die 2 untersten
deutlich, und statt des liiiii>en Enddorns der vorigen Art hat
diese nur eine kurze, konische innere Endecke.
In der Bandu Orientid bei Biienos-Aires und Parauä
häufig.
159
Anm. E.S ist möglieli, diiss das Männchen dieser Art
öfters zur vorigen gezogen wird, zu der es aber gewiss nicht
gehört, sondern zu dieser l)ei Buenos-Aires nicht seUenen
Species.
10. X. spien di du la St. Farg. Hym. II. 190. — Smith,
1. 1. 288. 94.
X. nigro-chalybsea, ahs utriusque sexus sublijalinis, apiee
infuscatis. Long. 6 — 7 hn.
Mas.: fronte alba, thorace abdominisque segmento
primo cinereo-hirtis; antennis subtus albidis.
Femina: nigro-liirta, anteiiuarum llagello subtus fusco-
testaceo.
Die gemeinste Art von allen mir vorgekommenen Species,
sowohl in Brasilien, als auch im La Plata-Gebiet, wo ich sie
ĂĽberall gesammeh habe.
Beide Geschlechter dunkel stahlblau, lebhaft glänzend,
massig fein punktirt, die Mitte des RĂĽckens glatt; FlĂĽgel gleich
wasserklar beim Männchen und Weibchen, mit schwarzen
Adern, und nach der Spitze zu gebräunt. Männchen mit
ziemlich grossen, zwar auf dem Scheitel mehr genäherten
Augen, als die der vorigen Art, aber doch weiter getrennten,
als bei X. barbata; ebenso eine weisse Oberlippe, Kopfschild,
Stirn und Vorderseite der FĂĽhlerglieder; Weibchen nur an den
(jreisselglledein bräunlich. Letzteres mit tieier Furche um das
vordere Punktauge und scharl'em Höcker zwischen den Fühlern,
auch tiefem OrĂĽbchen in der Mitte der Naht zwischen Stirn
und Clypeus. Männchen greis behaart am Thorax, ersten
Hinterleibsringe und Bauch, zumal gegen die Spitze hin.
Hinterschienen mit breitem Zahn am Ende und kleiner Ecke
daneben nach innen; die mittleren Zähne beim Weibchen
deutlich, über die Mitte nach oben hinsufgerückt; beim Männ-
chen verloschen. Letzteies mit spitzem Dorn an der inneren
Endecke statt des l)raunen Sporns der äusseren.
2. Die Argentinischen Centris- Arten.
In der Gattung Centris. deren Charakteristik wir haupt-
sächlich Latreille verdanken (Gen. Crust. &, Insect. IV. 177),
tinden sich ebenfalls Geschlechtsunterschiede an den FĂĽssen,
welche bishei* noch nicht bekannt gemacht sind, und darum
eine kurze Besprechung, wie ich sie an den mir zugänglichen
Arten wahrnehme, verdienen. Im Allgemeinen haben die etwas
dickeren Weibchen, deren Kopf etwas breiter i.-^t, als der der
Männchen, obgleich die Augen der Männchen grösser sind,
160
kleinere Krallen, die Iheils an allen FĂĽssen, Iheils nur an den
liinlerslen. nicht die liefe Spaltung der nvännliehen Krallen in
zwei ungleiche Spitzen zeigen, sondern entweder ganz einl'aeh
erseheinen, oder nur einen kleinen, selnvaehen Zahn an der
Unterseite haben. Dagegen sind die Hintersehienen bei beiden
Gesehleehtern mit zwei gleichen, theils gekämmten, theils
einfachen Sporen versehen, von denen der innere der kĂĽrzere
i.st. Hierzu kommt ein aullallender Unterschied am ersten
Gliede der vier vorderen FĂĽsse; dasselbe hat beim Weibchen
einen bi-eiten, hornigen, fein gekämmten Rand nach aussen,
der heim Männchen nur von einem Saum steifer Haare ver-
treten ist.*) Ausserdem sind die Schienen nnd das erste Fuss-
glied der Männchen zwar etwas schmäler, aber dicker und
meistens ebensolang behaart, wie die der Weibchen; auch
übrigens das dichte Haarkleid des K(">r})ers beim Männchen
nicht schwächei-, als beim Weibchen, und im Ganzen der
Geschlechtsunterschied im Ansehen geringer, als bei Xyloeopa.
Ich habe von dieser Gattung ĂĽber 20 Arten auf meinen
Reisen in Brasilien und dem La Plata-Gebiet gesammelt, wo-
von mir al)er dernnilen nur noch die Hälfte zu Gebote stehen;
davon sind 5 Brasilianer, die anderen 6 im La Plata-Gebiet
zu Hause. Um die Creschlechtsunterschiede dieser 1 1 Arten
anzudeuten, werde ich sie sämmthch kurz besprechen.
1. C. denudans Lep. St. Farg. Hvm. U. 150. 1.
Von dieser Art besitze ich nur ein Männchen; es hat
einen entschieden kleineren Koi)f als die Alibildung in St.
Fargeau's Atlas, pl. 20, iig. 1, dessen Augen auf dem Scheite
kaum 2 mm. auseinander stehen, während deren Abstand im
angeführten Bilde 4 mm. beträgt. Die nackte Stelle des
MittelrĂĽckens fehlt meinem Exemplare, aber die beiden des
Schildchens sind da und als natĂĽrliche Na-ektheiten gut zu er-
kennen. Der erste llinterleibsiing besitzt einen bräunlichen
Ton; auch die Beine sind mehr braun als sehwarz, und die
Füsse haben lange, gespaltene Krallen. Der äussere S})orn
der Hintersehienen ist fein gekämmt an der hmenseite. Das
Koi)fschild nnd di(> ()berlii)pe sind gelb. — Das Wt-ibchen hat
ein schwarzes Kopfschild und Gberlippe, nebst kĂĽrzeren, ein-
fachen Krallen (nach der AbbilduiiĂĽ) an allen FĂĽssen.
2. C. collaris Lep. St. Farg. Hym. IL 162. 24.
Das a. a. 0. beschriebene Weibchen kenne ich nicht;
es stinnnt aber die Besehreibunu,- uul mit einem Männchen
*) Dic-jclbou (icsi'lilcriilsinifcr.sc-lnedc lial ;nicli die Gatluiig Epi-
tliaris. woidio mit CV'iitris nahe vorwandt int.
161
überein, welches ich bei Lagoa Santa fing, und dessen Grösse
12 — 13 Linien beträgt. Es hat genau die Kopfbildung des
vorigen Männchens, ist aber im Ganzen ein wenig grösser,
besonders dicker; der Abstand der Augen auf dem Scheitel
beträgt 2.5 mm. Der dicke Thorax ist schwarz behaart, hat
aber einen breiten, röthlichgelben Ring am Vorderrande, der
sich ĂĽber die Seiten und die Mittelbrust ausdehnt, hier aber
blasser und reiner gelb wird. Das Schildehen ist mit zwei
nackten Flecken versehen und hat unter dem Rande einen
Kranz gelblicher Haare; auch der erste Hinterleibsring hat einen
solchen Rand, und der zweite jederseits einen gelben Haar-
busch; alles Uebrige ist schwarz, doch hat das Kopfschild zwei
schwache, bi-aungelbe Punkte; auch die Mitte der Oberlippe
und die Spitze der Mandibelu ist von derselben Farbe. Alle
Fusskrallen sind tief gespalten, sehr lang, stark gekrĂĽmmt;
äusserer Sporn der Hinterschienen innen fein gekämmt.
3. C. pulverata St. Farg. Hym. II. 161. 22.
Zu dem von St. Fargeau beschriebenen Weibchen glaube
ich ein Männchen bringen zu können, welches zur Beschrei-
bung a. a. 0. passt, doch darin abweicht, dass der Hinterleib
dicht mit feinen, grĂĽnlichgrauen, kurzen Haaren bekleidet ist,
mit Ausnahme des ersten Ringes, der Basis des zweiten und
eines schmalen Randsaums am dritten und vierten, die schwarz-
haarig sind, während die Aftergegend mehr den blassröthlich
gelben Ton der Haare der Hinterschienen und ihres ersten
Fussgliedes besitzt. Der rothbraune Sporn ist fein gekämmt;
die Flügel sind braun, mit Veilchenschiller; das hoch gewölbte,
aber schwarze Kopfschild hat oben 3 kleine Höcker. Von
Lagoa Santa.
4. C. pectoralis Nobis.
C. atra, pihs brevibus concoloribus vestita, pedibus posti-
cis longius villosis; thoracis lateribus macula pilosa pallida,
abdominis segmentis 2 et 3 margine, reliquis totis cinereis ;
ano rufescente. Femina. Long. 12 hn.
In der Provinz Corrientes, am Rio Guaiquirarö gefangen.
— Grösse und Gestalt der vorigen Art; auch ihr sonst ähn-
lich; Grundfarbe rein schwarz; der ganze RĂĽcken kurz sam-
metartig behaai t, nur die Brustseiten mit einem grossen Fleck
längerer, blassgelber Haare, und ein ähnlicher kleinerer hinter
den FlĂĽgeln neben dem Schildchen. Hinterleib mit grauem
Rande am zweiten und dritten Ringe, welche Farbe auch dem
Grunde zukommt; der Rand des zweiten Ringes durchbrochen,
der vierte und fĂĽnfte Ring ganz grau, der sechste schwarz;
dieser und der A^orhergehende rostgelb bewimpert. Beine
11
im
schwarz, SclĂĽenen und erstes Fussglied sehr dick, die hintersten
sehr langhaarige alle Krallen einfach, mit schwachem Zahn
am Grunde; innerer Sporn der Hinterschienen lang, am Rande
gekämmt. Kopfschild hoch gewölbt, mit der Andeutung von
3 Höekerchen am Grunde. Oberhppe dicht behaart; Spitze
der Oberkiefer gelblich.
5. C. muralis Nobis.
C. nigra, densissime albo-griseo-hirsuta; ahs utriusque sexus
limpidis. Long. 8 — 9 hn.
Mas: parum gracilior, pedibus posticis albido hirsu-
tissimis.
Femina: robustior abdomine pedibusque posticis ater-
rime hirsutis.
Habitat Mendozee et in Patagonia ad tlumen nigrum.
Männchen und "Weibchen sind von gleicher Grösse, auch
einander sehr ähnlich im Ansehen; doch hat das Männchen
einen etwas kleineren Kopf mit schmälerer Stirn und Seheitel,
aber grösseren Augen. Die Grundfarbe der Körperbedeckungen
ist schwarz, ohne alle weissen Zeichnungen; aber der ganze
Leib und die Beine, selbst die Oberkiefer, sind mit feinen,
weisslich bleigrauen Haaren dicht bekleidet, die an der Aussen-
fläche der Beine sich zu langem Wimpernbesatz ausbilden.
Die FĂĽsse sind unten mit dichtem, kurzhaarigem Filz besetzt
und bräunlich in der Grundfarbe, die Krallen schwarz und
glatt. Der daran sichtbare Geschlechtsunterschied ist bereits
mehrmals angegeben; die der Männchen sind tief gespalten
und viel grösser als die einfachen der Weibchen.
Das Thierchen lebt in den aus gestampfter Erde aufge-
führten Mauern der Landhäuser und freistehenden Wänden,
höhlt darin horizontale Gänge aus und entwickelt in ihnen
seine Brut. Das mit schwarzem Hinterleibe und schwarzen
Hinterbeinen verseliene Weibchen hat einen etwas plumperen
Körper und etwas breitere, dreieckiger geformte Hinterschienen,
nebst sehr grossem, oblongem ersten Fussgliede; beide, Schienen
und Fussglied, dicht mit langen, schwarzen Haaren bekleidet.
Auch die 4 vordem FĂĽsse eben dieses Geschlechtes sind etwas
dicker und unten schwarz behaart. Die FlĂĽgel rein wasser-
klar, mit schwarzbraunen Adern. — Es ist an den genannten
Orten sehr gemein, in einzelnen Mauern zu Hunderten bei
einander wohnend, und wahrscheinlich im ganzen Pampas-
gebiet, sĂĽdlich vom 350, ^u Hause, bis Patagonien hin, wo
Hr. Dr. Berg es am Rio Negro ebenso in den Erdmauern
nistend fand.
163
Anm. Ich hielt die Art anfangs naoii dem äusseren An-
sehen für eine Xylocopa, und erwähnte sie als solche in meiner
Reise, I. Bd., S. 317, ihre sonderbare Lebensweise daselbst
besprechend.
6. C. lanipes Fabr.- S. Piez. 360. 90. - St. Farg.
Hym. n. 165. 29.
Hemisia lanipes Klug, lilig. Mag. VI. 227.
C. nigra, vertice thoraceque cinereo-hirtis, abdomine fer-
rugineo, ano pedibusque nigro-hirsutis; alis infuscatis subhya-
linis. Long. 7 lin.
Mas.: clypeo- labroque pallidis; thorace toto cinereo-
hirto.
Femina: el3^peo labroque nigris. nitidis; thoracis dor.so
colo cinereo-hirto.
Im östlichen Gebiet der Argentinischen Republik nicht
selten; bei Buenos Aires, in Entrerio.s und bei Cordova ge-
sammelt. — Die Fusskrallen sind bei beiden Geschlechtern
gleichbesehati'en, die der vier vorderen FĂĽsse deutlich ge-
spalten, die der hintersten mit einem kleinen Zahn neben der
Mitte versehen; beide Sporen der Hinterschienen gekämmt.
7. C. bimaculata St. Farg. Hym. 11. 168. 36.
C. fusca, abdomine pedil)usque ferrugineis, femoribus
subtus fuscis; facie flava, punctis duobus clypei nigris; capite,
thorace pedibusque rufo-hirtis. Long. 7 iin.
Mas.: unguibus longioribus tissis.
Femina: unguibus brevioribus simplicibus.
Im Innern Brasiliens, bei Congonhas und Lagoa Santa
gesammelt. — Beide Geschlechter von gleicher Färbung, der
Grund braun; der Hinterleib, die Oberseite der Sehenkel, die
Schienen und Füsse rostroth ; P'lügel etwas gebräunt, mit
schwachem Veilchenschiller. Kopf, Thorax, erster Hinter-
leibsring, Aftergegend und Beine laug, fuchsroth behaart;
Stirn, Mundgegend und erstes FĂĽhlei'glied v(n-n gelb; auf dem
Kopfschilde 2 schwarze Punkte; FĂĽhlei-geis.sel unten rostfarben.
Krallen der Männchen länger, au der Spitze gespalten; der
Weibchen kĂĽrzer, feiner, mit einfacher Spitze und kleinem
Zahn in dei- Mitte, der an den hintersten sehr schwach ent-
wickelt ist.
8. C. nigj-esceus St. Farg. Hym. II. 166. 32.
C. fusca, cinereo-rufoque hirsuta, facie nuda, flava, nigro-
maculata; abdomine testaceo, segmentis dorsalibus basi late
nigris. Long. 7 lin.
Mas.: longiiis hirtus, j)edibiis qnatuor auticis nuditis-
culis, uiigin'lnis tissis.
11*
164
Fe Uli na: bievius hirta, segmentis abdominalibus latius
nigris; unguibus dente medio acuto armatis.
Im Innern Brasiliens, bei Lagoa Santa gesammelt. —
Beide Geschlechter von gleicher Grösse und Ansehen, aber
etwas verschieden in Farbe und Zeichnung; die Behaarung
des Männchens voller, röthlicher; die des Weibchens kürzer
und bUisser. Gesicht kurz behaart, z. Th. ganz nackt, gelb;
Kopfschild mit 2 scharten, schiefen Streifen beim Männchen,
aber 2 grossen, schwarzen Flecken am oberen Rande und
schwarzem Saum am unteren. Oberlippe ganz gelb; Mandi-
beln gelb mit schwarzer Spitze; erstes FĂĽhlerglied vorn gelb,
die Geissei unten braun. Hinterleib gelb, die RĂĽckensegmente
am Grunde schwarz, welche Farbe beim Weibchen ĂĽber das
ganze Segment sich ausdehnt, beim Männchen nur eine Quer-
binde vor dem Rande bildet; Aftergegend länger behaart.
Beine schwarz, glänzend, kurzhaarig beim Männchen; roth-
braun, mit schwarzer Basis und langhaarig beim Weibchen;
die Haare beider Geschlechter blass röthlich-gelb. Fusskrallen
der Männchen gespalten, der Weibehen mit einem kleinen
Zahn in der Mitte, bei beiden gelb mit schw^arzer Spitze.
9. C. vulpecula Nobis.
C. fusca, abdomine ferrugineo; fronte utriusque sexus
pallida, clj^pei basi nigra; capite thoraceque flavo-cinereo-
hirtis; pedibus nunc nigris nunc rufis, hirsutis. Long. 5 lin,
(^ et $.
Mas.: cljpei basi sola nigra; pedibus plerumque fuseis
vel nigris; femoribus tibiisque posticorum in-
crassatis; unguibus fissis.
Femina: clypei linea longitudinah media, basi api-
ceque dilatata nigra; pedibus plerumque rufis,
femoribus tibiisque posticis compressis; unguibus
dente medio armatis, posticis simpHcibus.
Im ganzen Gebiet der Argentinischeu Republik: bei Men-
doza, Parana, um Uruguay und selbst bei Lagoa Santa ge-
sammelt. — Beträchtlich kleiner als die vorigen Arten, aber
nicht lebhafter gefärbt; die Flügel ganz wasserklar. Grund-
farbe des Kopfes und Thorax schwarzbraun; des Hinterleibes
und der Beine hell rostroth; Kopf und Thorax gelbgrau oder
selbst gi-ĂĽnlichgi-au lang Ijehaart, ebenso der erste Hinterleibs-
ring; die folgenden kurzhaai-ig, die Aftergegend buschiger.
Beine auswärts mit langen, rostgelben Haaren bekleidet; die
vordersten Füsse lichter, weissgelb; die Krallen der Männchen
gespalten, der Weibchen mit einem Zahn, die hintersten ein-
fach. Mitunter die hinteren Hinterleibsringe mehr gebräunt
165
und dann auch die Beine braun. — Kopf beider Geschlechter
gleich gezeichnet, mit weissgelbem Streif neben den Augen,
ebensolchem Kopfschilde, das aber gewöhnlich einen schwarzen
Längsstreif hat, der an beiden Enden sich seitwärts ausdehiit^
und hellgelber Oberhppe nebst ebensolchen Mandibeln. —
Hinterschenkel und Schienen der Männchen verdickt, schwächer
behaart. Sporen der Hinterschienen beim Weibchen gekämmt,
beim Männchen kleiner, und, wie es scheint, ohne Kamm,
FĂĽhlergeissel auf der Unterseite braungelb.
10. C. nigriventris Nobis.
C. nigra, thorace abdominisque primo segmento viridi-
cinereo-hirtis ; reliquis cum pedibus aterrimis; alis hyalinis.
Long. 5 hn. (J et $.
Mas.: colore clariori, fronte palhda, ano albo.
Femina: colore obscuriori, clypei nigri punctis duo-'
bus testaceis.
Bei Mendoza und Buenos-Aires. — Vom Ansehen der
vorigen Art, ihr ähnlich im Habitus und der Behaarung, aber
die Grundfarbe rein kohlschwarz, die Behaarung am Brust'
kästen und ersten Hinterleibsringe grünhchgrau, die Backen
weiss behaart. Kopfschild, Oberhppe und Basis der Mandibeln
gelb beim Männchen; beim Weibchen schwarz, mit zwei gelb-
braunen Punkten auf dem Kopfschilde. Hinterschenkel und
Schienen der Männchen dick, der Weibchen zusammengedrückt,
bei beiden mit langen, kohlschwarzen Haaren bekleidet. Die
Krallen der Männchen lang, tief gespalten, der Weibchen an
den Vorder- und MittelfĂĽssen mit einem Zahn, an den hinr
tersten einfach.
11. C. nudipes Nobis.
C. fusco-nigra; capite thoraceque cinereo-hirtis; pedibus
4 anticis subnudis; posticis feminae hirsutis, maris incras-
satis. Long. A^j^ lin.
Bei Paranä in Entrerios von mir gesammelt. — Eine
eigenthĂĽmliche Art, die kleinste der Gattung, von allen frĂĽ-
heren durch das dichte Haarkleid des ganzen Kopfes abwei;
chend; besonders dicht, aber kĂĽrzer, das Kopfschild und die
Oberlippe behaart; Stirn, Scheitel, Thorax und erster Hinter-
leibsring länger, gelbgrauhaarig. Hinterleib kohlschwarz,
kurzhaarig, die beiden letzten Ringe mit weissem Haarsaum
beim Männchen. Beine eigenthümlich beschaffen; die vier
vorderen bei beiden Geschlechtern kurz anliegend behaart,
schwarzbraun, die FĂĽsse gelbbraun; hinterste Schenkel und
Schienen der Männchen verdickt, jene am Grunde nach oben
mit winkeligem Rande, nicht länger behaart als die vorderen;
166
beim Weibchen mit langen, scliwarzeii Haaren nach aussen
bekleidet, aber schmäler im Gliedei-bau; Krallen der Männchen
gespalten, der Weibchen mit einem Zahn in der Mitte. —
MerkwĂĽrdig sind auch die ĂĽnterkiefertaster wegen ihre?
langen Wimpernbesatzes auf der Aussenseite.
3. lieber einige Myzine-Plesia-Arten.
Die Myzine-Arten, zu denen die Plesite Jurines als
Weibchen gehören, welche ich auf meinen Reisen in Brasilien
und im La Plata-Gebiet gesammelt habe, bieten mancherlei
Verschiedenheiten unter sieh dar, welche besonders im weib-
lichen Geschlecht sehr autlallend sind, während die Männchen
fast aller Arten einander sehr äiiiilicli sehen und nur schwer
sich sicher unterscheiden lassen. Da das von mir gesammelte
Material ziemlich beträchtlich ist, so hielt ich es für passend,
dasselbe einer genaueren Untersuchung zu unterwerfen, deren
Resultate ich hier mtitheile, weil einiges Neue darin enthalten
.«^ein dürfte.
Zuvörderst leidet es, nach meinen Wahrnehmungen, keinen
Zweifel, dass die schlanken Männchen mit den langen Fühlern,
welche Fabricius z. Th. zu Elis gebracht hat, als anderes
Geschlecht zu den breiten, gedrungenen Weibchen mit kurzen
FĂĽhlern, wie in der Gatt. Tiphia gehCtren; denn ich habe Ge-
legenheit gehabt, mich direct davon zu ĂĽberzeugen. Ich fing
m Garten meines Freundes Lalle m an t, der an ein schattiges
Gehölz stiess, eine solche weibliche Plesia. spiesste sie an die
Nadel und steckte sie auf die Platte eines nahen Garten-
tisches, um sie später mit anderen Insecten in meine Schachtel
zu thun. Nach kurzer Zeit kam ein schlankes Männchen
herbeigeflogen, packte das Weibchen und suchte sich mit ihm
zu begatten, aber ehe es dazu kam, ward es von mir ge-
hascht. Bald darauf kam ein zweites Männchen und später
noch ein drittes zu demselben Weibchen, das ich dann in
mehreren Exemplaren sammeUe und damit mein Experiment
auf gleiche Weise wiederholte. Auch bei Paraiia, wo eine
andere Species häufig war, gelang mir dieselbe Procedur mit
der dort einheimischen Art, Es steht also sicher fest, dass
Plesia und Mjzine zu einer und derselben Guttung gehören.
Hierüber hat sich auch Prof. Gerstäcker in dieser Zei-
tung (1872, S. 250) ausgesprochen und zugleich bemerkt, dass
die Männchen der Gattungen Plesia und Meria einander völlig
gleichen, so dass es nicht möglich ist. ohne andei-Aveitige Bc-
167
obachtungen, nach dem blossen Ansehen sie zu unterscheiden.
Ich kann mich darĂĽber nicht auslassen, weil Meria-Arten mir
nicht vorliegen und ĂĽberhaupt in SĂĽd-Amerika nicht vorkom-
men. Meine männlichen Plesiee sind indessen geeignet, das
von Gerstäcker berührte (S. 251), von Erichson ver-
muthete Unterscheidungsmerkmal nach der EinmĂĽndung des
rĂĽcklaufenden Nerven in die Cubitalzellen, als nicht zutreffend
darzuthun, denn keine andere von ihnen besitzt den Charakter,
worauf es ankommt: die EinmĂĽndung des letzten rĂĽcklaufenden
Nerven in die Grenzader zwischen der zweiten und dritten
Cubitalzelle, als nur eine einzige, welche ich nach diesem
Merkmal für die ächte M. 6-cincta halte, obgleich sie nicht
aus Nord-Amerika herstammt, sondern eben die bei Rio de
Janeiro von mir gesammelte Art ist. Bei den übrigen Männ-
chen, welche ich sammelte, mĂĽndet der zweite rĂĽcklaufende
Nerv nicht genau in die Grenzader zwischen der zweiten und
dritten Cubitalzelle, sondern bald etwas davor in die Ecke der
zweiten, oder bald dahinter, in die Ecke der dritten; welche
Verschiedenheit die Weibchen nicht zeigen, sondern stets die-
selbe Verbindung mit der dritten Cubitalzelle, aber bald etwas
vor, bald in die Mitte ihres hinteren Randes. Mit dieser Ver-
schiedenheit ist also systematisch nichts anzufangen, man kann
die Arten nicht darnach gruppiren, weil beide Geschlechter
darin nicht ĂĽbereinstimmen.
Dasselbe gilt von einem anderen Merkmal, welches sich
auf die Radialzelle bezieht. Dieselbe berührt nämlich nicht
immer den vorderen Rand des Flügels, sondern lässt vor ihrer
Randader noch einen freien Hautsaum am FlĂĽgel erkennen.
Dass von den Arten mit diesem freien Saume Jurine seinen
Gattungscharakter fĂĽr Plesia abgeleitet hat, ist wohl nur ein
Zufall, der uns nicht abhalten könnte, auch die anderen, ohne
freien Saum vor der Radialader, damit zu verbinden, wenn
sie übrigens dieselben Eigenschaften besässen; aber dem ist
nicht so, sie sondern sich vielmehr durch ihre gesammte Or-
ganisation mehr von den Arten mit freiem Hautsaum im weib-
lichen Geschlecht ab, und wenngleich die Männchen beider
Gruppen darin miteinander ĂĽbereinkommen, dass sie keinen
freien Saum voi- der Radialader besitzen, so giebt es doch
andere Merkmale bei ihnen, welche sie von den Männchen,
die zu den letztgenannten Weibchen gehören, trennen. Ein
Gleiches gilt von dem hornigen FlĂĽgelmal vor der Radialzelle,
das alle Männchen besitzen, aber den Weibchen mit Randsaum
vor der Radialzelle fehlt, also auch kein brauchbares Merk-
mal zur Gruppirung darbietet.
168
Aus diesen CTi-iinden ziehe ich es vor, die Gruppirung
der Arten nur auf die Verschiedenheiten des einen (weib-
lichen) Geschlechtes, als des mannigfaltiger gebildeten, zu
stützen und das Männchen einer jeden Art, soweit ich dasselbe
mit Sicherheit zu dem ihm angehörigen Weibchen bringen
kann, daneben zu beschreiben, die Charakteristik der Männchen
fĂĽr sich behandelnd. Hiernach glaube ich folgende Gruppen
der Arten annehmen zu können.
1. Die Radialzelle der OberflĂĽgel berĂĽhrt den Rand des FlĂĽgels
bei beiden Geschlechtern; Augen der Männchen einfach.
Myzine Nobis.
Diese Gruppe hat viel Eigenes; die Arten sind glatter
auf der Oberfläclie, d. h. weniger stark punktirt, besonders
ist der Rücken ganz glatt und der Körperbau der Weibchen
etwas gedrungener, der Hinterleib nach Verhältniss grösser,
die Augen kleiner, und auch beim Männchen ohne Ausschnitt.
Sie zeigen bei beiden Geschlechtern, soweit ich Männchen
kenne, ein grosses FlĂĽgelrandmal, das in die Basis der Ra-
dialzelle eingreift, und eine mehr gleichförmige Anordnung des
Flügelgeäders, indem auch beim Männchen der letzte rück-
laufende Nerv nahe der Mitte, d. h. etwas vor ihr, in die
dritte Cubitalzelle einmĂĽndet, wie das bei den Weibchen ĂĽberall
Regel ist. Beim Weibchen ist die zweite Cubitalzelle kĂĽrzer,
als in der folgenden Gruppe, nur wenig nach der Basis hin
verlängert, aber hier an der Spitze nicht ganz geschlossen,
wie ebenfalls bei allen ĂĽbrigen mir bekannten Amerikanern,
was Gerstäcker bereits hervorhebt (1. 1. S. 252).
Anm. Die Gruppe eignet sich zu einer besondei*en
Gattung, auf welche man den Namen Myzine beschränken
könnte, den Namen Plesia den übrigen Arten mit vom Rande
abstehender Radialzelle belassend.
Zu dieser Gruppe gehören:
1. M. bipunctata Smith. Cat. Br. Mus. UI. 76. Tiphia
2-punct. Perty, Del. etc. 139. 16. 27, fig. 12.
Diese Brasilianische Art besitze ich nicht, wohl aber die
folgende ihr höchst ähnliche.
2. M. carbonaria Nobis.
M. atra nitida, alis concoloribus fuscis; cor})f)re sparsim
cinereo-setoso, calcaribus albis. Long. 9 lin. Femina.
Bei Neu-Freiburg gesammelt; ganz schwarz, stark glän-
zend; Kopf und VorderrĂĽcken massig punktirt, der ĂĽbrige
Körper fast glatl. Stirn weniger gewölbt, 'die Ecken, woran
die FĂĽhler sitzen, kurz. Ueberall zerstreute, sparsame, weiss-
169
graue Borstenhaare, besonders an den Beinen, deren Sporen
rein weiss sind.
3. M. erythropyga Nobis.
M. atra nitida, thorace abdominisque lateribus maculis
albis; ano rufo-hirto. Long. 5 — 6 lin.
Mas.: elypei basi, pronoti margine, mesonoti macula
media, scutello, punctis duobus utrinque pectoris
albis; pedibus rufis, tibiis pallidioribus. Abdo-
minis apice integro.
Femina: capite coneolori nigro; punctis thoracis
iisdem sed majoribus albis; pedibus nigris, cine-
reo-setosis, calcaribus albis.
Beide Geschlechter bei Cordova gefangen. — Gestalt der
vorigen Art, aber kleiner, ebenso schwach punktirt, glänzend
schwarz, die FlĂĽgel russbraun. Die Geschlechter ziemlich
gleichgezeichnet, aber in der Statur sehr verschieden; das
Männchen schlank, cyhndrisch, das Weibchen breit .und dick;
seine Stirn etwas mehr gewölbt, als bei M. carbonaria, und
die Höcker, welche die Fühler tragen, höher; aber nicht
scharfkantig, wie in der folgenden Gruppe. Flügel der Männ-
chen klar, der Weibchen schwach rauchbraun; bei beiden
Geschlechtern mit langem, braunem Randmal. Die weisse
Zeichnung rein gefärbt, beim Männchen ein Punkt auf der
Basis des Kopfschildes, der dem Weibchen fehlt; VorderrĂĽcken
mit weissem Rande, der beim Weibchen in der Mitte unter-
brochen ist, und bei ihm ausserdem ein weisser Punkt vor
dem Rande auf den Schidterecken. Mittelbrustkasten mit einem
Fleck auf dem RĂĽcken, einem weissen Mond auf dem Schild-
chen, und einem solchen Punkt unter den FlĂĽgeln. Hinter-
brustkasten mit feinem Streif auf dem Postscutellum und
grossem Fleck an den abgerundeten Hinterecken. Hinterleib
mit weissen Randpunkten auf den fĂĽnf ersten Hinterleibsringen,
von denen die des zweiten und fünften beim Männchen sehr
klein sind; die der Weibchen überall grösser, dreieckig. After-
ring rostroth behaart; beim Männchen schwächer und heller,
greishanrig, ohne die Spaltung in eine doppelte Spitze und
ohne den vorragenden Endhaken, welche den Männchen der
folgenden Untergattung eigen sind. Beine der Männchen roth,
die Schenkel am Grunde schwarz, die Schienen weisslich,
die FĂĽsse blasser; der Weibchen schwarz, grau-boistig, die
Sporen rein weiss.
170
n. Die Radialzelle der weiblichen Flügel lässt vor ihrem
Rande einen freien, nach der Spitze hin breiter werdenden
Saum. Plesia Nobis.
Der angegebene Charakter beschränkt sich auf das weib-
liche Geschlecht und ist mit dem Mangel eines grösseren hor-
nigen Randmals bei ebendemselben Geschlecht verbunden; statt
dessen findet sich nur ein kleiner horniger Fleck vor der
Basis der Radialzelle, der durch die Vereinigung der Costa
und des Radius entsteht. Bei den Männchen aller Arten,
welche sich leicht durch grössere, oben an der Innenseite mit
einem Ausschnitt versehene Augen von denen der vorigen
Gruppe unterscheiden, ist ein grosses, langgezogenes horniges
Randmal stets vorhanden, allein es reicht nicht soweit ĂĽber
die Basis der Radialzelle hinaus, wie bei den Männchen und
Weibchen der voi'igen Gruppe. Diese Radialzelle berĂĽhrt den
Rand des Flügels beim Männchen immer! Die zweite rück-
laufende Ader mĂĽndet beim Weibchen ebenfaUs, wie in der
vorigen Abtheilung, in die dritte Cubitalzelle nahe der Mitte,
aber beim Männchen niemals ebenda, sondern gewöhnlich neben
der Grenzader der zweiten Cubitalzelle, bald genau in dieselbe,
bald etwas davor in die Ecke der zweiten Zelle, bald dahinter
in die Ecke der dritten. Im Uebrigen unterscheiden sich die
Weibchen dieser Gruppe von denen der vorigen durch stär-
kere Punktirung, leicht gewölbte, deutlicher abgesonderte
Bauchringe und entweder ganz klare, oder bloss am Vorder-
rande gebräunte Flügel. Auch sind ihre Hinterschienen mit
Reihen feinei-er Stacheln besetzt und weder so breit, noch so
grob gezähnt, wie in der vorigen Abtheilung.
Die hierher gehörigen Arten sehen einander so ähnlich,
zumal die Männchen, dass es schwer hält, sie von einander
scharf mit wenigen Worten zu unterscheiden; die Unterschiede
sind alle mehr oder weniger relativ und darum nicht leicht
auszudrĂĽcken. Ich will versuchen, die mir vorliegenden Species
festzustellen.
A. Weibchen mit dunklem, schwarzbraunem Randstreif
der OberflĂĽgel, welcher besonders in der Radialzelle
und deren Umgebung sehr dunkel ist; ihre Adern
schAvarzbraun, .seltner rothbraun.
a) Weibchen mit gelbem Fleck auf der Mitte des Me-
sonotums.
4. M. 6-cincta.
Ehs 6'cincla Fabr. Svst. Piez. 248.
Plesia 6-cincta Sl. Farg. Hym. IL 584. 12.
171
Die von mir bei Rio de Janeiro gesammelten Männchen
unterscheiden vsich von der Besehreibung St. Fargeau's, die
sich auf Exemplare der Bosc'schen Sammlung, von Fabri-
cius selbst bestimmt stĂĽtzt, nicht, und muss ich sie fĂĽr diese
Art halten, weil auch die EinmĂĽndung der zweiten rĂĽcklau-
fenden Ader genau auf die Clrenzader zwischen der zweiten
und dritten Cubitalzelle trifft, was, nach Gerstäcker (a. a.
0. S. 251), fĂĽr M. 6-cincta charakteristisch ist. Das Weibchen
hat einen sehr dunklen Kandstreif am Oberilügel, röthliche
Augenränder, Fühlerhöcker und Oberkiefer; einen gelben Fleck
mitten auf dem Mesothorax, nebst zwei kleineren daneben;
einen unter den FlĂĽgeln und noch einen auf dem Hinter-'
schildchen. Der Hinterleib besitzt eine gelbe Binde auf dem
dritten Ringe, welche die Ecken des zweiten in sich auf-
nimmt; schmale gelbe Randstreifen an den Seiten der drei
folgenden Ringe, und eine Bogenbinde auf dem ersten. Die
Beine des Weibchens sind schwarz, die vier vorderen des Männ-
chens haben gelbe Kniee, Schienen und FĂĽsse.
Anm. Es ist möglich, dass die hier beschriebene Art
nicht genau mit der Nord - Amerikanischen ĂĽbereinstimmt,
worĂĽber nur der Vergleich authentischer Exemplare entscheiden
kann. Leidei- fehlt mir dazu Gelegenheit, indem mir kein
Exemplar von dort zu Gebote steht.
5. M. paranensis.
Bei Parana in Entrerios, beide Geschlechter neben ein-
ander. — Die Art steht der vorigen sehr nahe und unter-
scheidet sich von ihr in der Zeichnung kaum; sie ist aber
etwas kleiner, nur 6 Lin. Das Weibchen 7 Lin. lang; jene
dagegen 7 — 8 Linien in beiden Geschlechtern. Die gelben
Zeichnungen, obgleich ganz ebenso vertheilt, sind etwas breiter,
also auch lebhafter bei M. paranensis. Das Männchen hat
ganz klare FlĂĽgel, die nur an der Spitze der oberen etwas
gebräunt erscheinen, aber viel schwächer, als bei der votigen
Art, und deren rĂĽcklaufender Nerv hinter der Querader
zwischen der zweiten und dritten Cubitalzelle in die Ecke der
dritten mĂĽndet. Seine Beine sind alle gelb, mit Ausnahme
der schwarzen Basis der Schenkel; auch die HĂĽften haben
einen gelben Fleck. Das Weibchen gleicht ganz dem der
vorigen Art, ist aber etwas kleiner; die Binde des ersten
Hinterleibsringes hat nach vorn 2 P]inschnitte, und ist nach
hinten ausgebuchtet; der Bauch ganz schwarz, sehr glänzend,
zerstreut grob punktirt. Der Vorderi-ĂĽeken und das Schildchen
sehr dicht punktirt, weniger dicht der Scheitel. Auch hinter
(\en Augen hat dei- Kopf einen rothgelben Randstreif, ebenso
172
davor und an der Stirn. Der HinterrĂĽcken vom Grunde aus
radial bogig fein gestreift, am Rande gekerbt. Die Beine
schwarz, die hintersten HĂĽften mit gelbem Fleck; die Schienen
aussen braun; sie und die FĂĽsse mit grauen Borsten besetzt;
die Sporen weiss.
Das Weibchen variirt mit einfarbig schwarzem Vorder-
rĂĽcken, und mit 2 gelben Flecken darauf an den Schulter-
ecken nach vorn.
Anm. Ich sandte Exemplare dieser Art nach Berlin und
erhielt sie von Hrn. Prof. Gerstäcker unter obigem Namen
zurĂĽck.
6. M. duplicata Nobis.
M. nigra, nitida; vertice, pronoto mesonotoque punctatis;
fronte, orbitis, macuhs thoracis, abdominisque cingulis dupli-
catis segmenti tertii, quarti quintique flavis. Long. 7 lin.
Femina.
Im Süden der Provinz Corrientes. — Grösse und An-
sehen von M. paranensis, aber die FlĂĽgel lichter, nur roth-
braun, und die Zeichnung eine andere. Stirn mit den FĂĽhler-
höckern und beiden Augenrändern gelb; Kopfschild, Oberlippe
und FĂĽhler schwaiz; Mandibeln rothbraun, mit schwarzer
Spitze. Scheitel und Rücken glänzend, bis zum Hinterrücken
massig stark punktirt, aber nicht so dicht wie bei der ge-
nannten Art. Auf dem Pronotum jederseits ein gelber Quer-
strich neben der scharfen Schulterecke, der Rand schwarz.
Mesonotum mit gelbem Mittelfleck, einem kleinen gelben Streif
neben der FlĂĽgelbasis und einem Fleck auf dem Schildchen
gelb; das Hinterschildchen ganz gelb. Metanotum matt, fein
grau behaart, leicht radial gestreift, die Seitenränder gerundet
und gekerbt quer gestreift, die Mitte hinter dem Schildchen
buckelartig erhaben, mit einem Eindruck im Gipfel. Brust-
seiten mit gelbem Streif unter den FlĂĽgeln; die FlĂĽgelschuppen
gelbbraun. Hinterleib glänzend, nur fein punktirt; der erste
Ring mit schmaler, an beiden Enden erweiterter gelber QĂĽer-
binde; der zweite blass mit gelben Endecken; der dritte,
vierte und fĂĽnfte mit je 2 gelben Binden, die vordere breit,
die hintere Kandbinde schmal, in der Mitte mehr oder M'eniger
z. Th. unterbrochen; der Afterring mit 2 gelben Punkten,
die Bauchvinge 2. 3 und 4 mit gelber in der Mitte, besonders
am zweiten, unterbrochener Querbinde. Beine schwarz, die
vier vorderen Sfhenkel mit gelbem Streif auf der Unterseite,
vor dem Kniegelenk: die Sporen aller Schienen weiss: nur
wenige kurze graue Borstenhaare au den Beinen und am Kopf,
Brustkasten, ersten Hinterleibsringe und den Bauchringen. —
173
FlĂĽgel gelbbraun, der Randsaum der vorderen etwas dunkler
braun, die Adern licht rothbraun; der letzte rĂĽcklaufende Nerv
mĂĽndet, wie bei allen Weibchen, etwas vor der Mitte in die
dritte Cubitalzelle.
Anm. Ich habe nur ein Exemplar dieser Art vor mir,
das zugleich mit anderen Arten am Rio Guaiquirarö gesammelt
wurde. Das zugehörige Männchen ist mir nicht bekannt.
Die doppelten Querbinden auf den mittleren Hinterleibsringen
zeichnen die Art besonders aus, kommen aber auch einer
Species der folgenden Section (M. gemellata) zu, welche sich
mit dieser, wegen der ganz verschiedenen Punktirung und des
mangelnden gelben Rückenflecks, nicht verbinden lässt.
7. M. maculatissima Nobis.
M. nigra, nitida, dorso thoracis passim punctato; toto cor-
pore macuhs magnis flavis, pedibus testaceis, femoribus basi
nigris. Long. 6^/2 hn.
Mas.: punctis duobus metanoti sub postscutello,
aliisque duobus segmenti abdominalis septimi
flavis.
Fem i na: vertice pronotoque toto flavis, abdominis
cingulis flavis antice utrinque repandis.
Beide Geschlechter von Cordova erhalten. — Von allen
mir bekannten Arten dieser Section hat diese die vollsten
und meisten gelben Zeichnungen, was fĂĽr beide Geschlechter
gilt, daher ich sie zu einer und derselben Species bringe,
obgleich ich dafĂĽr kein anderes Motiv angeben kann, als die
gleiche Heimath beider, d. h. die Umgegend Cordova's.
Das Männchen ist nicht völhg so schlank gebaut, wie das
von M. 6-cincta und M. paranensis; namentlich sein Hinterleib
in der Mitte etwas dicker. Es hat klare, nach der Spitze zu
nur v/enig gebräunte Oberflügel, deren letzter rücklaufender
Nerv in die Ecke der dritten Cnbitalzelle, dicht hinter der
Querader mit der zweiten, einmĂĽndet. Seine gelben Zeich-
nungen sind die gewöhnhchen aller anderen Männchen, wobei
nur zu erwähnen bliebe, dass der gelbe Vorderrand des Pro-
notums auch bei ihm, wie in der Regel, unterbrochen ist,
aber der HinterrĂĽcken, unter dem Hinterschildchen, zwei
runde, gelbe, grosse Punkte besitzt, die von den gelben Flecken
der Hinterecken getrennt sind und diese Art vor allen anderen
auszeichnen. Auch der letzte (siebente) Hinterleibsring hat an
jeder Seite einen grossen gelben Fleck. Die Beine sind gelb,
die HĂĽften und die Basis der Schenkel schwarz, aber die
Coxen der vier hinteren Beine haben einen gelben Fleck.
174
Das Weibchen zeichnet sich vor dem aller andern Arten
durch eine sehr lebhafte Politur aus. weil die Punktirung-
sparsam ist; der Kopl' hat nur auf der Stirn einige Punkte,
und am Brustkasten ist bloss die vordere Hälfte sparsam
punktirt. Der Kopf zeigt quer ĂĽber die Stirn eine gelbe
Binde, die sich vor den Augen etwas erweitert, und die
Fühlerhöcker einsehliesst; der Scheitel eine ähnliche, gebogene
Querbinde; alles ĂĽbrige ist schwarz, nur die Mandibeln sind
rothgelb, doch, wie gewöhnlich, mit schwarzer Spitze. Der
Vorderrücken trägt eine breite, gelbe Binde auf seiner ganzen
Oberfläche, die sich an beiden Enden nach vorn in eine Spitze
ausdehnt; darin sieht mau zerstreute, Borsten tragende Punkte.
Der MittelrĂĽcken ist vorn glatt, nach hinten punktirt; er hat
den gewöhnlichen gelben MittelHeck und einen kleinen blass-
gelben Streif auf den Seiten, neben den FlĂĽgeln; auch da.s
Schildchen und Hinterschildchen haben einen gelben Bogen-
strich; selbst noch auf dem HinterrĂĽcken, dessen Mitte leicht
vertieft erscheint, ist ein kleines dreieckiges Fleckchen in der
Vertiefung sichtbar, Ulirigens aber seine Oberfläche matt von
Ansehen, und durch eine feine, aber deutliche Leiste von dei-
abfallenden Hinterwand gesondert; die Seiteneeken sind völlig
abgerundet, sehr schwach gekerbt quergestreift, und mit einem
grossen gelben Fleck versehen. Der Hinterleib hat auf dem
ersten Ringe eine breite, volle, gelbe Querbinde; der zweite
Ring ist am Rande gelb, mit 2 Buchten nach innen, von denen
sich die gelbe Fäi-bung über die Seilen bis last zur Basis hin
ausdehnt; der dritte, vierte und fĂĽnfte Ring haben eine eben-
solche Randbinde, aber ohne die Erweiterung nach voin an
den Seiten; der letzte Afterring ist einfarbig schwarz, am
Rande gebräunt, auf der Oberfläche stark längsgesti-eift. Am
Bauch lehlen gelbe Zeichnungen, vielmehr tragen die Ringe
lange, graue Borsten, wie der Nacken und der Prothorax.
Die Beine sind rothgelb, die Schenkel oberhalb gelbUch, am
Grunde schwarz. Die hintersten haben einen gelben Fleck;
ebenso die Brustseiten. Die FlĂĽgel klar russbraun, der Saum
der vorderen dunkelbraun, die Adern rothbraun; der letzte
rücklaufende Nerv mündet nälier der vorderen Ecke, als der
Mitte, in die dritte Cubitalzelle.
b) Weibchen ohne gelben Fleck auf der Mitte des
Mesonotums.
Ich besitze aus dieser Gruppe noch vier Arten des La
Plala-Gebietes. die ich aber nicht selbst, gesammelt Labe, son-
dern die mir durch Orlssammler milgethoilt v urden. Zwei
175
davon kenne ich in beiden Geschlechtern, zwei nur in dem
einen weibhchen Geschlecht, besitze aber noch verschiedene
Männchen, die ich zu den Weibchen nicht mit Sicherheit
bringen kann, weil sie nicht aus derselben Gegend stammen.
Alle Männchen sind einander so ähnhch, dass es kaum mögHch
scheint, sie scharf zu unterscheiden; ich leite darum die Unter-
schiede zunächst nur von dem weiblichen Geschlechte her und
führe bei jedem das zugehörige Männchen an, soweit ich das
mit ausreichendem Grunde thun zu können im Stande bin,
die ĂĽbrigen am Schluss gesondert behandelnd.
Drei der hierher gehörigen Arten haben ganz schwarze
Beine im weiblichen Geschlecht und auch am Brustkasten nur
wenig gelb; die vierte ist mit rostrothen Beinen geziert.
8. M. robusta Nobis.
M. atra, nitida, foi'titer punctata; capite thoraceque line-
olis angustis flavis; abdominis Iffivis segmentorum basi fascia
flava, utrinque dilatata. Long. 8 — 9 lin. Femina.
In der Banda Oriental, bei Mercedes am Rio Negro von
mir gesammelt. — Die grösste Art unter den hiesigen, ganz
schwarz; Kopf und Thorax dicht grob punktirt, die abschĂĽssige
Hinterfläche des letzteren fein radial gestreift, die Ränder
schärfer gekerbt gestreift. Hinterleib ganz glatt, die Seiten
und die Hinterränder der Bauchringe mit Punkten, die lange,
greise Haare führen. Am Kopf bloss die Fühlerhöcker und
vorderen Augenränder fein gelb gerandet. Oberkiefer schwarz
mit brauner Spitze. VorderrĂĽcken mit feinem, gelbem Punkt
neben den Schulterecken und gelbem Hinterrande. Hinter-
schfldchen gelb, ebenso der Rand der FlĂĽgelschuppen. Hinter-
ieibsringe 1 — 5 mit schmaler gelber Binde am Grunde, die
sich jederseits zu einem dreieckigen Fleck erweitert; die Binde
des zweiten Ringes unterbrochen, nur durch die zwei Dreiecke
angedeutet; Bauch und Beine einfarbig schwarz, mit greisen
Haaren besetzt; die Sporen weiss.
Anm. Ich habe früher eine sehr ähnliche, aber noch
etwas grössere Art, die sich, wie diese, durch ihre stark vor-
gequollenen Mittelbrustseiten auszeichnete, von Zimmermann
aus SĂĽd-Carolina erhalten, deren schlankes, gegen 1 Zoll
langes Männchen zwar einen kleinen gelben Fleck auf der
Mitte des Mesonotums hat, aber ĂĽbrigens durch sehr schmale
gelbe Zeichnungen sich auszeichnet; ich vermuthe fast, dass
die hier beschriebene Art damit übereinstimmen könnte, weil
viele andere Insecten-Arten denen Nord-Amerika's in ähn-
licher Weise nahe stehen. Namentlich unter den Schmetter-
176
lingeu zeigt sich sehr grosse Aehnlichkeit vieler Species, selbst
der grösöteii NachtfaUer.
9. M. gemellata Nobis.
M. nigra, parum nitida; capite thoraceque deusissime
punctatis, parte postica decHvi pubescente; abdomine nitidiori,
segmentis 3 — 5 gemellato-fiavo cinctis. Long. 7 lin. Femina,
Aus der Provinz Corrientes; — ein einzehies Weibchen,
das sich durch seine dichte Punktirung und das dadurch be-
wirkte matte Ansehen an das Weibchen von M. paranensis
unschliesst, aber dasselbe in den genannten Eigenschaften noch
ĂĽbertrifi't. Sclnvarz, dicht aber nicht grob punktirt, besonders
am Kopf und dem Thorax bis zum Metathorax, der noch feiner
chagriniit punktirt ist und ein kurzes Haarkleid, wie filzig,
trägt; auch der erste Hinterleibsring hat eine ähnliche Be-
haarung. Die gelben Zeichnungen bilden am Kopf eine Binde
quer über die Stirn, welche die Fühlerhöcker einschliesst und
vor den Augen zu einem feinen Rande sich ausdehnt; auch
die hinteren Augenränder sind gelb; alles andere ist schwarz;
auch die (schwach rothbraunen) Mandibeln, der Thorax und die
Beine. An jenem zeigt sich ein ganz kleiner gelbhcher Punkt
auf der Schulterecke des Pronotums, ein zweiter, etwas
grösserer, unter den Flügeln und ein gelber Streif auf dem
Hinterschildchen. Der erste Hinterleibsring hat jederseits einen
kleinen gelben Punkt, und der zweite ebenda einen gelben
Randsti-eif; der dritte, vierte und fĂĽnfte Ring tragen eine dop-
pelte gelbe Querbinde, die beide an den Seiten gebogen in
einander ĂĽbergehen; der Raum, den sie einschliessen, ist
deutlich, aber fein, punktirt; der Analring hat einen grossen
rothgelben Fleck. Am Bauch sind nur der dritte und vierte
Ring mit einem gelben, in der Mitte unterbrochenen Querstreif
versehen; dahinter stehen we^^sgraue Borsten, wie an allen
Ringen und den Beinen; auch deren Sporen sind weiss. Die
ziemlich klaren, gelbbraunen FlĂĽgel haben einen dunkleren
Ton am Vorderrande.
Ich ziehe zu dieser Art ein Männchen, das ich mit ihr in
mehreren Exemplaren erhielt, und das die gewöhnhchen gelben
Zeichnungen aller besitzt, auch den Mittellleck des Mesonotums,
aber durch eine ziemlich lange, doch nicht dichte, greise Be-
haaiung am Brustkasten und dem ersten Hinterleibe sich aus-
zeichnet. Seine Flügel sind schwach gebräunt, ohne dunk-
leren Schatten an der Spitze, und seine Hinterbrust hat ĂĽber
der Endecke jederseits einen mondförmigen gelben Fleck, der
oben spitz, unten breit endet. Der rĂĽcklaufende Nerv mĂĽndet
in die dritte Cubitalzelle, bald mehr, bald weniger von der
177
Ecke entfernt, die sie mit der zweiten Querader bildet. Der
Hinterleib hat sieben gelbe, in der Mitte ausgeschweifte Bin-
den, also auch eine am letzten Ringe, die bald ganz ist, bald
in der Mitte unterbrochen, mitunter auch bis auf einen
schmalen Streif am Seitenrande verschwindet.
10. M. frontalis Nobis.
M. nigra, nitida, fortiter sed non dense punctata; fronte
verticeque flavis, macula media flava; abdomine cingulis quinque
flavis in margine segmentorum. Long. 7 Hn. Femina.
Vom Rio Guaiquirarö, im Süden der Provinz Corrientes.
— Sehr ähnlich der vorigen Art, aber bestimmt verschieden
durch Sculptur und Zeichnung. Vorwiegend schwarz, selbst
die Basis und der Rand der VorderflĂĽgel sehr dunkel. Stirn
und Scheitel glatt, VorderrĂĽcken dicht, aber nicht fein punktirt;
MittelrĂĽcken zerstreuter; HinterrĂĽcken punktfrei, aber nicht
glatt, sondern matt von Ansehen, mit scharfem Höcker hinter
dem Postscutellum und hinter ihm eine seichte Längsfurche;
die abschüssige Fläche stark radial gestreift, die abgerundeten
Seiten noch stärker gekerbt gestreift. Hinterleib glatt, nur
das letzte Glied fein parallel längsgestreift. Bauch und Beine
sehr sparsam mit greisen Haaren besetzt. — Kopf von den
Fühlerhöckern bis zum hinteren Rande des Scheitels gelb, über
den FĂĽhlern , mitten auf der Stirn , ein grosser schwarzer
Fleck; die Mandibeln braun, wie die ĂĽbrigen Mundlheile, alles
andere schwarz. Thorax und Beine ganz schwarz, ohne alle
gelben Zeichnungen; nur die FlĂĽgelschuppen am Rande etwas
gebräunt. Hinterleib mit 5 breiten gelben Querbinden am
hinteren Rande der Ringe, welche am zweiten bis fĂĽnften in
der Mitte nach vorn leicht ausgebuchtet sind; der Afterring
mit bräunlichem Rande, sonst schwarz, Bauchseite einfarbig-
schwarz, sehr glänzend, vor dem Rande die Ringe punktirt,
die Rückenringe mit äusserst feinen Punkten vor den gelben
Binden. — Sporen der Schienen weiss. — Flügel russbraun,
die hinteren und die Innenhälfte der vorderen ziemlich klar,
die rĂĽcklaufende Ader etwa auf ^j^ des Randes (genau etwas
weniger) in die dritte Cubitalzelle mĂĽndend.
Anm. Obgleich ich viele Männchen zugleich mit den
hier beschriebenen 2 Weibchen aus derselben Gegend erhielt,
so ist doch kein Männchen darunter, welches ich zu dieser
Art stellen könnte; es muss dem Sammler entgangen sein,
wird aber wohl dem der vorigen Art sehr ähnlich sehen; die
6 Exemplare der Männchen, welche ich davon vor mir habe,
sehen einander so ähnlieh, dass ich sie nicht zu trennen wage,
obgleich sie in der Grösse merklich, zwischen 5 1|.2 — 7 Linien
12
178
difleriren und auch in der Farbe der letzten Hinterleibsringe,
der bald ganz schwarz ist, bald eine deutliche gelbe Binde
hat, oder wenigstens einen gelben Fleck vor dem Ausschnitt
der zweitheiligen Spitze, welche allen Männchen eigen ist.
11. M. elegans Nobis.
M. atra nitida, parum punctata, flavo signata, frontis
tuberculis orbitisque flavis; pedibus rufis, coxis nigris; alis fer-
ruginosis, costa anterioruni fusca. Long. 6^/2 li^i- Femina.
Mas.: reliquis gracilior; signaturis pedibusque rufo-
testaceis; ahs hmpidis, venis rufescentibus.
Long. 7 lin.
Bei Cordova von Dr. Berg gesammelt. — Eine eigen-
thĂĽmliche Art, die der M. serena und M. namea nahe zu
stehen scheint, aber davon verschieden sein muss, weil bei
meiner die FĂĽhler ganz schwarz sind und nur die Geissei
unten etwas gebräunt. Kopf und Brustkasten massig punktirt,
glänzend; das Metanotum matt, die gerundeten Seiten des-
selben quer gestreift bis zur Basis hinab. Fühlerhöcker und
Augenränder vorn wie hinten schmal gelb. Pronotum mit
gelbem Schulterfleck und solcher Randbinde; Mesothorax nur
mit gelbem Fleck unter den FlĂĽgeln; Metathorax mit gelbem
Postsc utellum. Hinterleib glatt, die Bauchringe am Rande mit
langen weissgrauen Borsten in Punkten, auch die Basis des
ersten RĂĽckenrings so behaart; dieser und die folgenden vier
mit dreieckigen gelben Randflecken, die am dritten Ringe
vorn durch eine Binde in der Mitte zusammenhängen. After-
rand ruthlich, Bauch ungefleckt. Die Beine rothgelb, die
HĂĽften und die Vorderschenkel schwarz, die HinterhĂĽften mit
gelbem Fleck. Sporen und Fussborsten weiss.
Männchen sehr schlank gebaut, sehr glänzend, die gewöhn-
lichen Zeichnungen nicht gelb, sondern orange; auch das erste
FĂĽhlerglied unten gelbroth sowie 2 kleine Streifen auf dem
HinterrĂĽcken, der stark weissgrau behaart ist. FlĂĽgel sehr
blassgelb, die Adern rothgelb; der rĂĽcklaufende Nerv mĂĽndet
in die Hinterecke der zweiten CubitalzeUe. Letzter (siebenter)
Hinterleibsring mit gelbrothem Seitenrande. Beine rothgelb,
die Trochanteren und HĂĽften schwarz, die hintersten an der
Spitze rothgelb. Augenränder nicht gefärbt, wohl aber die
Fühlerhöcker.
B. Weibchen mit ganz klaren, oder am Vorderrande
nur wenig voller gefärbten Flügeln, deren Adern
blassgelb oder hellrostroth gefärbt sind.
Keine von den vier zu dieser Gruppe gehörigen Arten
aus dem La Plata-Gebiet hat einen gelben Fleck auf der Mitte
179
des RĂĽckens im weiblichen Geschlecht, wohl aber alle im
männlichen. Letztere sind einander eben so ähnlich, wie in
den frĂĽheren Sectionen.
a) Weibchen mit schwarzen Beinen.
12. M. albosignata Nobis.
M. nigra, nitida; capite thoraceque punctatis, his sig-
naturis albis; abdomine flavo-fasciato : fasciis ad latera latioribus,
anticis et posiicis interruptis. Long. 6i|o lin. Femiua.
Mas.: gracilis, punctis duobus flavis metathoracis,
alisque hmpidis, nervum recurrentem in apicem
cellulae cubitalis secundae recipientibus. Long.
6 hn.
Von Cordova bezogen. — Eine eigenthümliche Art, deren
Weibchen sich durch ihre schmalen rein weissen Zeichnungen
am Kopf und dem Brustkasten auszeichnet. Beide sind in der
Grundfarbe schwarz, wie auch der Hinterleib und die Beine,
und jene beiden Theile deuthch, aber nicht sehr grob und
nicht sehr dicht punktirt, der Metathorax matt von Ansehen,
der HinterrĂĽcken schwach radial gestreift, die Seiten wenig
gekerbt, mehr gerundet; der Hinterleib sparsam fein punktirt,
nach der Spitze hin dichter und etwas gröber, die Afterdecke,
wie gewöhnlich, fein gestreift; Bauch und Beine mit weiss-
lichen Borstenhaaren besetzt. — Die weissen Zeichnungen des
Kopfes sind zwei schmale, aber scharfe Linien vor und hinter
jedem Auge und zwei Punkte auf den Fühlerhöckern, auch
ein kleiner Punkt mitten auf dem Seheitel. Der Brustkasten
hat auf dem VorderrĂĽcken zwei weisse langgezogene Punkte
an den Schulterecken und einige kleinere am Hinterrande, die
vielleicht bei anderen Exemplaren eine Randbinde bilden
mögen; auf dem Mittelrücken ist jederseits ein weisser Punkt
neben der FlĂĽgelbasis und am HinterrĂĽcken des Postscutellum,
und die Ecken mit einem zweitheiligen grossen Fleck von
derselben Farbe. Auch die Mittelbrust hat einen weissen
Fleck unter den FlĂĽgeln und einen zweiten ĂĽber den Mittel-
hĂĽften. An den Beinen ist nur ein Fleck neben den Knieen
der vordersten M^nss. Der Hinterleib hat an den ersten fĂĽnf
Ringen grosse, blassgelbe Seitenflecke, welche am dritten und
vierten durch eine schmale Binde nach vorn, nahe der Basis
der Ringe, verbunden sind und nach hinten eine vorspringende
Ecke haben. Der Bauch zeigt am zweiten und dritten Ringe
kleine weissgelbe Seitenflecke. Die Afterdecke ist ganz schwarz,
vorn stark punktirt, dann fein gestreift. An den Beinen sind
besonders die FĂĽsse mit langen weisslichen Haaren besetzt
und die Sporen ebenfalls weiss.
12*
180
Das Männchen, welches ich zugleich mit diesem Weib-
chen erhalten habe, zeichnet sich durch grosse Schlankheit
aus^ es hat die gewöhnlichen gelben Zeichnungen, aber ausser-
dem auf dem abgerundeten, fein punktirten, mit einer Längs-
furche versehenen HinterrĂĽcken an den Seiten ĂĽber den HĂĽften
zwei runde gelbe Flecken und ein ziemlich langes, aber nicht
gerade dichtes weissliches Haarkleid, das auch auf den ersten
Hinterleibsring ĂĽbergeht. Die sechs gelben Hinterleibsringe
sind in der Mitte vorwärts etwas ausgebuchtet und gehen auch
auf die Seiten des Bauches ĂĽber; der Afterring ist ganz
schwarz. Bezeichnend sind auch die völlig klaren, nur an
der äussersten Spitze der vorderen schwach gebräunten Flügel,
deren rĂĽcklaufender Nerv vor der Querader zwischen der
zweiten und dritten Cubitalzelle in die Ecke der zweiten, aber
ganz dicht neben der Trennungsader, einmĂĽndet. Die gelben
Beine haben die Basis der Schenkel und der HĂĽften schwarz
und an den hintersten sind auch die Schienen auf der Hinter-
seite gebräunt.
13. M. pallidipennis Nobis.
M. atra, nitida, llavo signata; alis tenerrimis, limpidis,
venis pallidis.
Mas.: Metanoto usque ad postseutellum utrinque tlavo,
albido-hirto. Long. 5 — 7 hn.
Femina: abdominis cingulis 5 flavis, in medio abrupte
angustioribus. Long. 6 lin.
Am Rio Guaiquirarö, im Süden der Provinz Corrientes,
durch Dr. A. Döring gesammelt. — Das Weibclien nach
Verkältniss kleiner, als bei den früheren Arten und von allen
anderen durch seine kurzen, ganz glashellen FlĂĽgel mit schal-
gelben Adern verschieden. Kopf schwarz, die Fühlerhöcker
und die vorderen Augenränder schmal gelb, doch nach unten,
ĂĽber den Mandibeln, in einen breiten Fleck ausgedehnt; auch
hinter den Augen mitunter ein gelber Punkt. Scheitel und
Thorax ziemlich dicht, aber nicht gerade grob punktirt; Hin-
terrĂĽcken matt, die gerundeten Seiten fein quer gestreift. Auf
dem Pionotum 2 gelbe Schulterflecken und eine gelbe Rand-
binde; am Mcsolhorax nur ein gelber Fleck unter den FlĂĽ-
geln; am Metathorax das Postseutellum und ein grosser Fleck
an den Seiten über den Hüften, der oberwärts in 2 Spitzen
ausgeht, von derselben Farbe. Hinterleib glatt, mit 5 gelben
Binden, die erste mit einem schwarzen Fleck auf der Mitte,
die folgenden nach vorn tief ausgebuchtet, die beiden letzten
schmäler, schwächer in der Mitte ausgeschweift; mittlere
Bauchringe mit gelbem Fleck an den Hinterecken, alle weiss-
181
borstig vor dem punktirten Rande. Afterdecke fein gestreift.
Beine schwarz, weissborstig; vorderste Schenkel und Schienen
mit weissem Streif; Sporen weiss.
Das Männchen ist vor allen Arten durch die stärksten
gelben Zeichnungen kenntlich; an ihm fliesst der gewöhnhch
in der Mitte unterbrochene gelbe Voi'derrand, der bei dieser
Art ganz gelb ist, mit dem breiteren Saum des Hinterrandes
in eine grosse ganz gelbe RĂĽckenseite zusammen, und der
Metathorax hat einen sehr grossen hinteren Flecken zu jeder
Seite, welcher mit einem kleineren jederseits hinter dem
Postscutellum zusammenhängt. Die sechs Binden des Hinter-
leibes sind in der Mitte etwas verschmälert und die erste
jederseits nach vorn in einen Zapfen verlängert; der siebente
Ring hat keine gelben Zeichnungen, wohl aber die Bauch-
ringe an jeder Seite einen gelben Randfleek. Alle Beine gelb,
nur die 4 hinteren Schenkel und deren HĂĽften am Grunde
schwarz. Flügel völhg wasserklar, mit hellgelben Adern; der
rĂĽcklaufende Nerv mĂĽndet hinter der Querader zwischen der
zweiten und dritten Gubitalzelle in die Ecke der letzteren ein,
doch nicht ganz dicht neben der Querader.
14. M. cuyana Nobis.
M. nigra, flavo-maeulata , abdomine cinguhs flavis, extus
latioribus; alis pallidis, venis ferrugineis; cellula radialis apice
parum infuscata. Long. 8 lin.
Mas.: corpore hirsuto, metanoto bifasciculato, lunulis
duabus flavis.
Femin aj ignota.
Von mir bei Mendoza gesammelt. — Eine ausgezeichnete
Art, die zwar den Männchen der vorigen ähnelt, aber grösser
und kräftiger gebaut ist und von allen anderen sich durch die
dichte, ziemlich lange, abstehende, grauweisse Behaarung,
selbst des Hinterleibes, auszeichnet. — Leider kenne ich das
Weibchen nicht, es wird aber wahrscheinlich dem der vorigen
Art ähneln, also in ebendiese Gruppe gehören. — Die gelben
Zeichnungen des Männchens sind hell gefärbt und so breit,
wie bei der vorigen Art, doch fliesst der in der Mitte unter-
brochne vordere gelbe Halsring nicht immer, jedoch gewöhn-
lich, mit der hinteren Randbinde des Pronotums zusammen.
Die FĂĽhler sind schwarz, das erste Glied vorn und die FĂĽhler-
höcker gelb. Brustkasten mit den üblichen gelben Flecken,
auf dem HinterrĂĽcken zwei kleine gelbe Mondstriche an den
unteren Ecken, die von den dichten langen, aber weichen,
greisen Haaren fast ganz verdeckt werden. Alle Hinterleibs-
i'inge mit abstehenden, etwas kĂĽrzeren weissgrauen Haaren
182
besetzt und die 6 vorderen mit breiter gelber, in der Mitte
schmälerer Randbinde. Beine gelb, Schenkel am Grunde und
die HĂĽften schwarz, die hintersten mit gelbem Rande. FlĂĽgel
klar, die Adern rothgelb, die äusseren vor der Spitze etwas
dunkler; die Radialzelle mit bräunlichem Schatten an der
Spitze; der rĂĽcklaufende Nerv mĂĽndet hinter der Querader
zwischen der zweiten und dritten Cubitalzelle in die vordere Ecke
der dritten, etwas näher der Querader als bei der vorigen Art.
b) Weibchen mit rothgelben Beinen, auch die der
Männchen etwas röthlich.
15. M. bonaerensis Nobis.
M. nigra, nitida, flavo-variegata, abdomine cingulis flavis,
extus parum latioribus; alis testaceis, in margine antico supe-
riorum parum saturatioribus; pedibus rufescentibus. Long. 6 lin.
Mas.: thorace hirsutiusculo, abdomine paene nudo;
nervo alarum recurrente cum angulo cellulae
cubitalis secundae conjuncto.
Femina: fasciis segmenti primi et secundi abdominis
interruptis; vertice laevi, vix punctato; anten-
nis rufis.
Eine ausgezeichnete Art, die einzige von allen hier
beschriebenen, welche sich bei Buenos Aires findet, aber
auch bei Parana von mir gesammelt wurde. — Das Weibchen
unterscheidet sich von allen anderen durch die ganz rostrothen
FĂĽhler und hat ebenfalls rostrothe Mandibeln mit schM^arzer
Spitze; aber der Kopf ist schwarz, ohne hebte Zeichnungen,
die Stirn punktirt, der Scheitel glatt; beid%, gleich M'ie der
ganze Körper, massig dicht mit weisslichen Haaren besetzt.
Der Thorax hat gelbe Schulterflecke am Pronotum und einen
gelben Rand; der Mcsothorax ist, bis auf einen kleinen gelben
Fleck unter den FlĂĽgeln, sclm^arz; der Metathorax hat immer
ein gelbes Postscutellum, aber nicht immer zwei feine gelbe
Linien neben den abgerundeten, quergestreiften Seiteurändern;
er ist nicht matt, sondern glänzend und obenauf deutlich
punktirt. Der Hinterleib hat die 5 gelben Binden, von denen
tlie des ersten und zweiten Ringes in der Mitte eine LĂĽcke
lassen und nur als dreieckige Randflecken auftreten; die drei
folgenden sind ohne Lücke, liegen der Basis der Ringe näher
als dem Rande, und haben eine Ausbuchtung nach hinten,
welche mitunter am letzten und vorletzten zur LĂĽcke wird;
der Bauch ist ungelleckt. Die rostgelbrothen Beine haben
schwarze HĂĽften, weisse Sporen und weissliche Fussborsten.
Die klaren FlĂĽgel spielen ins rostgelbe imd haljcn hintei- der
Radial/eile am Vorderrande einen leichten Schatten.
183
Das Männchen ist etwas gedrungener gebaut als bei den
vorigen Arten und seine gelben Zeichnungen spielen etwas
ins Röthliche. Sein ganzer Körper ist mit weissgrauen Haaren
besetzt, die am Kopf und Brustkasten dicht stehen, aber lange
nicht so dicht wie bei M. cuyana. Der gelbe unterbrochene
Halsring und der ganz gelbe Hinterrand des Pronotums sind
stets getrennt; die Brustseiten haben, ausser dem Fleck unter
den FlĂĽgeln, noch einen zweiten dahinter ĂĽber den Mittel-
hüften; der Metathorax trägt einen grossen, gebogenen Fleck
an den Hinterecken; am Hinterleibe ist der siebente Ring mit
3 gelben, bald getrennten, bald verbundenen Flecken versehen;
die gelben Beine haben schwarze Basis der Schenkel, schwarze
Hüften mit gelbem Fleck und etwas röthliche Schienen. Die
FlĂĽgel sind klar, mit rostgelben Adern, deren rĂĽcklaufender
Nerv vor der Querader in die zweite Cubitalzelle einmĂĽndet.
Die Bauchringe sind mit grossen gelben Seitenflecken geziert.
Anm. Ausser diesen hier beschriebenen 15 Arten sind
mir keine anderen Species, weder aus Nord- Amerika, noch
von der östlichen Halbkugel, zur Hand. Die grosse Menge
derselben aus dem La Plata-Gebiet scheint mir darzuthun,
wenn ich dagegen bedenke, dass ich in Brasilien nur eine
einzige Art gesammelt habe, dass die Gattung Plesia mehr
der gemässigten als der tropischen Zone angehört, und eben
darum sowohl in den vereinigten Staaten, als auch im La
Plata-Gebiet ihr Maximum an Artenzahl erreichen dĂĽrfte.
Hinsichtlich der Artunterschiede ist es ĂĽberraschend, wahrzu-
nehmen, wie sehr einander die Männchen der verschiedenen
Arten ähneln, während die Weibchen viel grössere, mehr in
die Augen fallende Artunterschiede in Zeichnung und Colorit
darbieten. Dagegen verhalten sie sich im Flügelgeäder unter
einander ganz gleich, wogegen die Männchen darin beträcht-
liche Verschiedenheiten an den Tag legen. Nach demselben
lassen sich 3 Gruppen des männlichen ArttypuF aufstellen,
welche sind: '
1") der rĂĽcklaufende Nerv mĂĽndet genau auf c/ a Querader
zwischen der zweiten und dritten Cubitalzelle. Dahin
gehört nur die brasilianische Art: no. 4.
2) Der rĂĽcklaufende Nerv mĂĽndet in die zweite Cubitalzelle,
vor der Querader zwischen ihr und der dritten. Diesen
Bau zeigen: no. 11, no. 12 und no. 15.
3) Der rĂĽcklaufende Nerv mĂĽndet in die dritte Cubitalzelle,
hinter der Querader zwischen ihr und der zweiten. So
findet es sich bei: no. 5, no. 7, no. 9, no. 13 und no. 14.
Buenos-Aires, den 25. Oct. 1875.
184
Ein Ausflug nach dem Rotliensteiner
Felsen,
von
O» Scliiuledefclieclit,^ Lehrer am Institut Gumperda bei Kahla.
Mancher Leser hat wohl in seiner Jugend das schöne
Lied mitgesungen:
Die Hussiten zogen vor Naumburg
Ueber Jena her und Camburg ;
Auf der ganzen Vogelwies'
Sah man nichts als Schwert und Spiess,
An die hunderttausend.
Ob er aber auch einmal selbst diese Strasse gezogen ist,
weniger mit Schwert und Spiess als mit Schmetterlingsnetz,
Kötscher und was Alles die entomologische Rüstkammer in's
Feld stellt, das möchte zu bezweifeln sein. Einen besseren
Weg hätte wohl der selige Procop seinen wackeren Kämpen
nicht aussuchen können. Wie lange die Hussiten damals
brauchten , ehe sie auf der Vogelwiese bei Naumburg ankamen,
meldet leider das Lied nicht; jedenfalls länger als jetzt, denn
seit zwei Jahren durcheilt, wie man sich gewöhnlich poetisch
ausdrĂĽckt, das Dampfross das Seethal, und fast zu schnell ver-
schwinden „auf den Bergen die Burgen"; nur „die Saale im
Thale" begleitet den Reisenden von Anfang bis zu Ende.
Tausende strömen jetzt alljährlich durch dies lachende Thor
Thüringens herein in unsere schönen Berge, über Camburg
mit seinem grauen Thurm, dem alten Bollwerk gegen die
Slawen, über Dornburg mit seinen Schlössern, Gärten und
Rosen, ĂĽber Jena, und immer weiter und weiter in das Herz
ThĂĽringens hinein. Warum sollte sich unter den vielen Luft-
schnappern nicht auch einmal ein Entomologe hierher verirren?
Aus diesem Grunde habe ich es gewagt, eine Excursion, die
ich Ende Juh vergangenen Jahres nach einer mir geeignet
erscheinenden Lokalität unternahm, zu veröffentlichen. Ist es
doch auch schön, sich an den heissen Julitag und das bunte
Insektenvölkchen zu erinnern, jetzt, wo die Sonne kaum über
des Nachbars Dach herĂĽberschaut und nur noch zwei ein-
same Stubenfliegen in meinem Zimmer der Kälte getrotzt
haben.
185
Zwischen Kahla und Jena erhebt sich der Buntsandstein,
der die Thalsohle bildet, zu fast gleicher Höhe mit den meist
kahlen Muschelkalkbergen, wie sie besonders aus Jena's Um-
gebung bekannt sind. Dicht neben dem Dorfe Rothenstein,
das davon den Namen trägt, bildet der Sandstein eine mäch-
tige, steile Felswand, von deren Gipfel einer der schönsten
Blicke in's Seethal lohnt und von deren jäher Höhe einst, wie
die Sage berichtet, im 30jährigen Kriege ein schwedischer
Trompeter, von Kroaten verfolgt, den kĂĽhnen Sprung in's
Thal wagte und unversehrt davon kam, bis ihn noch ĂĽber
der Saale drüben eine feindhche Kugel erreichte. — Diesem
prächtigen Punkte galt mein Besuch. Namenthch an Hyme-
nopteren versprach ich mir an diesen glĂĽhend heissen Sand-
wänden reiche Ausbeute. Es war ein Sonntag, Windstille und
ein wolkenreiner Himmel, gut fĂĽr die Saalbahnactien , fĂĽr den
Fang und besonders fĂĽr einen gesunden Schweiss. In Kahla
steige ich ein, und kaum habe ich die Reisetasche abgelegt,
da ruft auch schon der Schaffner: „Rothenstein, 3 Minuten
Aufenthalt". Da wäre ich! Gott sei Dank, dass ich aus dem
Bahnwagen heraus bin! Lieber 30 Grad in der Sonne als 40
im Schatten! Das Dorf Rothenstein liegt etwa 10 Minuten
oberhalb des Bahnhofs. Am Eisenbahndamme, dem entlang
der Weg hinläuft, blühten all die bekannten Sommerunkräuter
in ĂĽppiger FĂĽlle: Senecio Jacobaea, Pastinaca sativa, Erigeron
canadensis u. s. w. bildeten ganze Wälder, und das schwärmte
und summte, besonders von Dipteren und anderem Völkchen.
Aber das wurde nur flĂĽchtig angeschaut, um den Hauptzweck
nicht zu vernachlässigen. — Der Bauer in Thüringen ist am
Sonntag Vormittag sehr häuslich. In Rothenstein war es, wie
man bei uns zu Lande sagt, wie ausgekehrt. Sogar die liebe
Dorfjugend unterstĂĽtzte mich nicht beim Suchen nach dem
Gasthaus, denn das war, zu meiner Schande gesagt, mein
erstes Ziel. Doch halt, da oben steht eine Pferdekrippe,
erstes Glied in einem regelrechten SchlĂĽsse, und da ragt auch
der liebe lange Arm heraus mit dem grĂĽnen Kranz und dem
rothen Bierseidel. „Solche Zeichen furcht' ich nicht''', sagt
Schiller an einer Stelle, ich denke, im Wallenstein. Die
30 Grad Reaumur hatten mir auch schreckliche Courage
gemacht. Die sauber geputzten Holzkännchen erlaubten aber-
mals einen sicheren Schluss, nämlich auf das berühmte Lichten-
hainer Bier, das Seidel zu 10 Reichspfennigen. Die 3 dicken
NickelmĂĽnzen, die ich beim Abschied zu bezahlen hatte, habe
ich gern hingegeben.
Zur Dorfkirche empor windet sich der Pfad nach dem
18H
Felsen, und die moosige Kirchhofsmauer im Schatten der Kirche
bietet ein feines Plätzchen zum Ausruhen. Der Hochsommer
mit seiner Blumenpracht hatte den kleinen Friedhof in einen
Grarten verwandelt. Da hab ich denn ein Weilchen gesessen
und „hab den Immlein zugeschaut", wie es im Schweizer
Lied heisst. Es waren meist richtige Immlein, Apis melhfica,
unverfälschte Race, noch keine hgustica darunter, jedenfalls
aus des Herrn Pfarrers oder Schulmeisters Bienenstöcken, die
hier auf den Gräbern ihren Honig holten. Ich musste unwill-
kĂĽrlich an den ewigen Kreislauf der Dinge denken; der gol-
dene Schmetterling auf weissem Stein, die unenträthselte
Species, half auch mit. — Doch nun an das Werk und weiter
zum Felsen hinauf! Den Rock ausgezogen, die Schachteln
auf, das Netz aufgesteckt und den Kork im Aetherfläschchen
gelockert! Das bei weitem grösste Contingent stellten, wie
erwartet, die Hymenopteren, unter denen ich besonders auf
Grab- und Wegwespen fahndete. Zunächst wurde das grosse
Pubhkum davon etwas inspicirt. Die stattliche Psammophila
hirsuta Kirb. war ziemlich häufig zu treffen, seltener affinis
Kirb., fast gemein Ammophila sabulosa Dlb. Auf allen Dolden
war Thyreopus cribrarius L. vorwiegend in (J zu finden, meist
in Gesellschaft von zahlreichen Individuen der trägen Tiphia
femorata F.; weit seltener war Thyreopus patellatus v. d. L.
Philanthus triangulum F. kam in wahren Prachtexemplaren
vor. Einzeln war Solenius cephalotes Shuck. , besonders auf
blühendem Heracleum Sphondylium auf der Höhe des Felsens,
meist blos $. Dieselben BlĂĽtlien waren besucht von Solenius
lapidarius Pz., Hoplisus quinquecinctus F., Hopl. punctuosus
Eversm., *) Mimesa bicolor Shuck., Cerceris labiata F. und
variabilis Schrk. Am häufigsten davon war Cerceris labiata.
Ectemnius vagus L. fing ich in einigen Exemplaren, Astata
Stigma Pz. blos in einem einzigen ^, das dicht ĂĽber dem
Boden flog. Etwas häufiger war Astata affinis v. d. L.;
Gorytes campestris L. erlangte ich blos in einem StĂĽck. Der
zierliche Dinetus pictus Pz. kam an einer Stelle ziemlich häufig
auf Erigeron canadensis vor, darunter blos ein $. Von Cera-
tocolus vexillatus Pz. traf ich nur einige Weibchen. Sehr
spärlich war Oxybelus uniglumis Dlb. und Nysson maculatus F.
*) Zuerst von Eversmann in den Vorbergen des Ural entdeckt,
flaiin von Prof. Kirschbanm bei Monibach am Rhein aufgelnnden, und
in einer der Moskauer naturi". Gesellschaft zur Säcularfeier gewidmeten
Abhandlung (Wiesbaden 1855) als Hoplisus punctatus ausiĂĽhrlich
beschrieben. — Das von mir gefangene Exemplar ist ein 9 und eine
Varietät mit 4 statt 5 LJiudcn.
187
Unter den Pompiliden that sich besonders Pompilus trivialis
Kl. durch seine Menge hervor, neglectus Wesm. luid pectini-
pes V. d. L. fing ich je in einem Exemplare. Eine Art mit
rothen Schenkeln und Schienen wurde mir von kundiger Hand
nls Var. von P. cinctellus v. d. L. gedeutet. Priocnemis fus-
cus F. war häufig, selten exaltatus Pz.; variegatu.s F., nicht
selten bei Gumperda, schien zu fehlen. Die schöne Scolia
quadripunctata F. fand sich einzeln; in Menge kommt sie
jenseits der Saale vor. Von Mutilla ephippium Ltr. fing ich
ein Pärchen. Die (^ -von Myrmosa melanoeephala F. waren
einzeln auf Heracleum.
Von Bienen liog Anthidium manicatum L. sehr spärlich
an Sandwänden, von A. punctatum Latr. fing ich ein Weib-
chen. Die $ von Hvlaeus sexcinctus F. waren sehr häufig
an Sandwänden, während die t^ ebenso zahlreich auf Blüthen
zu finden waren. Von kleineren Arten war besonders Hylaeus
Smeathmanellus K. und cyhndricus F. häufig. Einzeln flog
Saropoda rotundata Pz., ebenso Megachile maritima K. und
Nomada fucata Pz. In grosser Menge zeigte sich Sphecodes
gibbus L. Die dort vorkommende Coelioxys-Art halte ich fĂĽr
punctata Lep. Von Trachusa Serratulae Pz. und Dasypoda
hirtipes F. (wie es scheint in ThĂĽringen nicht allzu selten)
fing ich je ein ^.
In erstaunlicher Menge flogen Chrysiden an manchen
Stellen, avo die Sandwände ganz durchlöchert waren, besonders
Chrj'-sis ignita L., selten fulgida L., von bidentata L. blos ein
Exemplar. Hedychrum lucidulum Dlb. Avar besonders auf
blĂĽhendem Daucus zu finden. Auf denselben BlĂĽthen und noch
mehr auf denen von Pastinaca und Heracleum zeigten sich
die bekannten Blattwespen: Hylotoma enodis L., ustulata L.
und coerulescens F. Als Seltenheit fing ich ein Exemplar
von Athalia lugens Klug.
Von Faltenwespen hatte sich Polistes gallica F. ziemlich
häufig an Sandwänden angebaut. Eumenes pomiformis Spin.
fing ich in einem Exemplar auf EichengebĂĽsch. Symmorphus
crassicornis Pz. flog einzeln an Wänden, die r^ von Hoplopus
spinipes H. -Seh. waren ziemlich häufig auf Dolden zu finden.
An manchen Stehen waren die Trichter von Myrmeleon-Larven
zu Hunderten anzutreff'en. Das vollkommene Insekt bemerkte
ich nicht. Von Neuropteren erwähne ich sonst noch Chrysopa
l'ormosa Brauer und phyllochroma Wesm. Beide Avaren sehr
spärlich an blumigen Abhängen anzutreffen.
Die Dipteren, die ich nur flĂĽclitig anschauen konnie,
wĂĽrden sicherhch grosse Ausbeute gehefert haben. Besonders
188
fielen die prächtigen Phasien auf. Spärlich zeigten sich Echi-
nomyia grossa L., Volucella inanis L. und Stratiomjs chamae-
leon L. Von seltenem Sachen erlangte ich Spilomyia saltuum
F. in 2 Exemplaren auf Heracleum, ferner 1 Exemplar von
Anthrax fenestrata Fallen auf heissen Sandblössen.
Von Lepidopteren kamen mir einige Seltenheiten vor.
Die seltene Gnophos furvata V. flog in mehreren Exemplaren
in feuchtem, schattigem Gebüsch und setzte sich regelmässig
auf den Boden. Ich iing den stattlichen Spanner in 3 Exem-
plaren. (Derselbe kommt auch bei Gumperda vor.) Auf der
Höhe des Felsens am Saume von Kieferngehölz flog Naclia
ancilla L. im Sonnenschein, nur in wenigen Exemplaren. (In
Thüringen, wie es scheint, selten.) An gleicher Lokahtät flog
Ino pruni L.
Auf heissen Holzschlägen hinter dem Felsen war ich
erstaunt, Cicindela sylvatica L. in grosser Menge anzutreffen,
um so mehr, da mir der Käfer bis jetzt in der nächsten
Umgebung noch nicht vorgekommen war. In kurzer Zeit
hatte ich 12 Exemplare eingefangen.
Soweit der entomologische Theil! Das Capitel von der
Heimreise erspare ich den geehrten Lesern. Jeder hat wohl
schon selbst erfahren , wie zufrieden man nach . Hause pilgert,
falls die Schachteln gefĂĽllt sind, wenn auch die leidige Arbeit
des- Aufspannens und Präparirens desto länger dauert.
Sollte aber einer von den Herren Entomologen sich ein-
mal nach ThĂĽringen, speciell in meine Gegend verirren,
vielleicht zur schönen Pfingstenzeit, dann lade ich ihn freund-
lich ein, mich als Wegweiser zu benutzen. Manch lauschiges
Plätzchen wollte ich ihm zeigen, wo er alles fangen könnte,
nur nicht Grillen. Manche Seltenheit wĂĽrde er mit heim-
nehmen in seine Sammlung, eine Erinnerung an ThĂĽringen,
meine schöne Heimath.
189
Vereins-Angelegenlieiten.
In der Sitzung am 30. Januar wurde der Versammlung,
welcher auch unser Mitglied Herr J. Faust aus Wiborg bei-
wohnte, die bedauerliche Nachricht von dem am 5. Januar in
Cassel erfolgten Hinscheiden des Rechnungsraths Riehl mit-
getheilt. In den letzten Jahren seines hohen Alters (er ist
81 Jahre alt geworden) versagten ihm die Augen ihren Dienst
insoweit, dass er die von ihm an das Universität-Museum in
Marburg verkaufte, aber ihm auf Lebenszeit belassene Käfer-
sammlung bereits vor 2 Jahren nach Marburg abgeben musste.
Dem Unterzeichneten, wie vielen andern Vereins-CoUegen,
welche sich mit Coleopteren beschäftigen, hat der Verstorbene
bei jeder Gelegenheit durch Liberalität und aufopfernde Gefäl-
ligkeit treue und unvergessliche Dienste geleistet, wobei ihm
nicht nur seine vieljährige geschickte Exploration der Casseler
Umgegend, sondern auch seine einträghchen Verbindungen mit
Nordamerika, Chile und Cuba mit reichem Materiale zu HĂĽlfe
kamen. Der Jahrgang 1845 unserer Zeitung brachte von ihm
(anonym) einen Artikel „Methode zum Fangen kleiner Käfer";
der einzige, von ihm beschriebene Käfer Anisotoma tarsalis
ist als Sj^nonym zu Hydnobius punctatissimus Steph. gezogen
worden. Ausserdem hat er 1838 (anonym) bei Hotop in
Cassel ein Verzeichniss der Coleoptera, die in einem Umfange
von 3 Meilen bei Cassel vorkommen, und (in einer Casseler
Gymnasialschrift 1851) eine „geographische Naturkunde von
Kurhessen'^ verfasst. •
Als neue Mitglieder wurden aufgenommen die Herren:
Fr. von Voigtländer in Braunschweig.
G. Künow, Conservator am Kön. zool. Museum der
Universität Königsberg.
Dr. Richard Stein, Gewerksarzt in Chodau bei
Carlsbad.
Herr Forstmeister Tischbein, bisher in Birkenfeld, ist
als Oberforstmeister nach Eutin versetzt.
Der vom Vereins RechnungsfĂĽhrer Herrn Gillet de Mont-
more vorgelegte Abschluss ĂĽber das Jahr 1875 wurde geprĂĽft
und genehmigt.
190
In der Sitzung vom 24. Februar wurde den versammelten
Mitgliedern zunächst die Trauerkunde eröffnet, dass unser
Verein und unsre Wissenschaft einen herben Verlust durch
den am 8. Febr. erfolgten Tod des Regierungsrath Dr. Ludwig
Redte nbac her erlitten haben. Seine langjährige Stellung
am K. zoologischen Hof-Cabinet in Wien, seine allen deutschen
Coleopterophilen rĂĽhmlichst bekannte Fauna austriaca, seine
entomologischen Beiträge zu den Reisen von Hügel in Kasch-
mir und Kotschy in Syrien sichern ihm ein dauernd eliren-
voUes Andenken. â– "')
Dem Unterzeichneten hat vor bereits Jahr und Tag
irgend Jemand die anscheinend glaubwĂĽrdige Mittheilung ge-
macht, unser Mitglied, der hochwĂĽrdige Prof. Dominik Bilimek
sei bereits vor Jahren gestorben. Demzufolge wurde sein Name
in dem Mitglieder-Verzeichniss des Jahrganges 1875 der Zei-
tung nicht mehr aufgeführt. Es hat sich aber jetzt — und
auf das Unwiderleglichste durch ein Autograph neuesten
Datums — herausgestellt, dass Herr Bilimek als Director
des Museums in Miramar bei Triest sich noch guter Gesund-
heit erfreut, und wir hoffen, dass nach dem bekannten SprĂĽch-
worte die unrichtige Todesnachricht dem hochverdienten Natur-
forscher noch ein langes Leben bedeute.
Als neue Mitglieder wurden in den Verein aufgenommen
die Herren:
Kammerrath Aagard ) . t.--) i
Fabrikant S. Dohlmann) "^ ^^
Oscar Wolschke in Altenburg.
Aus mehrfachen Correspondenzen der letzten Zeit ergiebt
sich die höchst erfreuliche Thatsache, dass an verscliiedenen
Orten in und ausser Deutschland die im Verhältniss zu Schmet-
terlingen und Käfern ungebührlich vernachlässigten Hymenoptera
allmählich mehi- Freunde zu gewinnen scheinen. Es ist als
ein entschiednes Verdienst anzuerkennen, dass die Redaction
der „Entomologischen Nachrichten", Monatshefte herausgegeben
von Dr. Katter in Putbus, durch die gediegnen Artikel von
Dr. Kriech baumer in MĂĽnchen dieser Richtung achtungs-
werthen Vorschub zu leisten bestrebt ist.
Dr. C. A. Dohrn.
*) Einigf» näliorc biologische Data werden später mitgctlieilt
werden. lled.
191
Gassen -Abschluss pro 1875.
Einnahme.
An Cassen-Bestand v. v. J. 15 Thlr. 22 Sgv. 10 Pf. =
47 M. 28 Pf.
„ Einnahme für Zeitmigen etc 1089 „ 60 „
„ Prämien-Dividende von der Gothaer Bank 20 „ — „
„ Zahlung der Pomm. Prov.-Zuckersiederei
a Conto des Guthabens 1785 „ — „
Summa 2941 M. 88 Pf.
Ausgabe.
Per Honorar an den Secre-
tair, Porti, Feuer-Vers. -
Prämie für die Bibhothek,
Buchb. -Rechnung, Boten-
Dienste 1287 M. 14 Pf.
An Grassmann f. Druck d.
Zeitung 1016 „ 40 „
„ Dietze & Thomas f. Zeich-
nungen 16 „ — „
„ Grawitter für 2 neue Re-
positorien , 3 Schrank-
Aufsätze etc 201 „ 75 ,,
„ Miethe f. d. Vereins-Lokal 300 „ — „
Summa 2821 M. 29 Pf.
Kassen-Bestand 120 M. 59 Pf.
Stettin, den 31. December 1875.
192
Beobachtungen ĂĽber Entwickelung ĂĽber-
winternder Schmetterlingspuppen bei der
Zimmerzucht,
von
H. Backhaus in Leipzig.
Das oft unerklärliche Absterben von Schmetterlingspuppen
bei der Ueberwinterung im Zimmer, veranlasste mich, nähere
Beobachtungen damit vorzunehmen, um den Grund der groesen
Sterblichkeit festzustellen. Die Zahl der Puppen, welche ich
zu diesem Zwecke im Herbste 1872 sammelte, betrug mehrere
Hundert und umfasste ziemlich alle Gattungen von Macroptern.
Ich brachte dieselben, auf Moos gelagert , in grossen Behältern
ins Zimmer und nahm eine zeitweilige Befeuchtung derselben
vor. Auf diese Weise behandelt, heferte jedoch nur die Hälfte
der Gesammtmasse vollkommene Falter, während die andere
Hälfte erkrankte, wodurch sich die Hinterleibsringc allmählich
zusammenzogen, bis jede Bewegung der Puppe unmöglich
wurde, was ihren Tod herbeifĂĽhrte. Auch bei einigen anderen
Arten wie Smer. Ocellata hatten sich, in Folge zu geringer
Befeuchtung, die Puppenschalen so gehärtet, dass der Schmet-
terling nicht durchbrechen konnte und als vollständig ent-
wickeltes Insekt in der Puppe starb. — NaÄ diesen Resultaten
sah ich wohl ein, dass die Puppen bei der Zimmerzucht feuchter
gehalten werden mĂĽssen, und machte im darauffolgenden Jahre
einen erneuten Versuch mit der gleichen Anzahl wie im Vor-
jahre. Ende December brachte ich dieselben aus dem kalten
ins warme Zimmer und besprengte sie täglich mit Wasser,
worauf sieh Pap. Machaon u. A. , welche nur kurze Zeit zur
vollständigen Entwickelung brauchen, zum baldigen Ausschlüpfen
veranlasst fühlten, während ein grosser Theil der Bombyciden
eine Abneigung gegen die direkte BerĂĽhrung mit Wasser
zeigte, wie die vollständig negativen Resultate bei dieser
Familie bewiesen.
Hingegen äusserten die Sphingiden beim Besprengen mit
Wasser eine grosse Lebhaftigkeit und liessen mich daher die
besten Erfolge ei'warten. Ich setzte die Befeuchtung fort;
jedoch nach 6 Wochen verloren die meisten ihre Munterkeit,
193
uiiH es entwickelten sich nur zwei Drittel zum Falter. Als
ich die niclit ausgegangenen Pu]>j)en untersuchte, fand ich
dieselben mit einer dĂĽnnen Kalkschicht ĂĽberzogen (in Folge
des fortgesetzten Besprengens mit Wasser), im Inneren das
Insekt ziemlich ausgebildet, doch todt. Die Kalkbildung an
der Puppenschale hatte den Thieren die Luft benommen und
ihren Tod veranlasst.
Aus obigen Erfahrungen geht nun hervor, dass die Schmet-
terlingspuppen bei der Ueberwinterung im Zimmer 1) eine
fortwährende Feuchtigkeit brauchen, um gesunde Falter zu
liefern; 2) dass die den Puppen zugefĂĽhrte Feuchtigkeit die-
selben nicht direkt berĂĽhren darf, wie ja auch in der freien
Natur sich viele Thiere durch Gespinn.ste, ausgeleimte Erd-
höhlen u. s. w. dagegen zu schützen wissen.
Diese beiden That-
sachen brachten mich
auf den Gedanken, ne-
benstehend abgebilde-
ten Apparat zu con-
struiren, welcher sich
in der That so praktisch
erwiesen hat, dass selbst
schwer zu ziehende, da-
rin gehaltene Arten, wie
Doritis Apollo u. A.
sich zu den schönsten
Faltern entwickelten.
Auch hatte ich die
Freude, dass mir nun-
mehr keine Puppe an
den frĂĽher angegebenen
Uebeln verloren ging.
Ich glaube, manchem
ZĂĽchter durch Beschrei-
bung dieses von mir
construirten Apparates
einen Di nist zu leisten,
zumal da c" sich durch
seine Einfachheit ĂĽber-
all leicht herstellen lässt,
\iud ich den praktischen
Werth desselben nicht
genug empfehlen kann,
13
194
Beschreibung des Apparates.
Das Untergestell bestellt aus einer runden Scheibe von
slarkein l^lecii, M'elche mit zwei 1 Zoll hohen Rändern a und
h versehen ist; diese müssen wasserdicht aufgelöthet werden
und I Zoll von einander abstehen. Der innere Rand h wird
hart um Hoden ringsum mit kleinen Löchern versehen. Den
mittleren, j'reibleibenden Raum fĂĽllt man mit feinem Sande
aus, und auf diesen legt man alsdann die Puppen. Den leer
gebliebenen Raum, zwischen Rand a und h fidlt man mit
Wasser, welches sich durch die im Rande b befindlichen
kleinen Löcher dem Sande im Mittelraum mittheilt und ihm
die erforderliche Feuchtigkeit gibt. Darauf bedeckt man das
Untergestelle mit. der Di-ahtglocke f, welche genau auf die
Aussenseite des Randes b passen muss. In diesem Behälter
lässt man die Puppen unberührt liegen und nimmt eine erneute
Beleuchtung auf oben angegebene Weise je nach der Aus-
trocknung des Sandes vor.
Neue Dytisciden,
besclmeben
von E. IVeluicke.
Hydaticus insignis.
Ovatus depvessiusculus; thorace luteo, antice posticeque
transversim nigro; elytris nigris, margine angusto et Septem
m'aculis inae(jualibus luteo-testaceis, tribus ad basin, duabus
in medio Iransversim dispositis, una lere ante apicem, septima
in apice; corpore subtus ferrugineo. Long. 13 mm.
Von ovaler Form, ein wenig gewölbt, und dem in Austra-
lien vorkommenden H. Bakewelli Clark ähnlich.
Der Kopf ist äusserst fein punktirt, gelbroth, der Hinter-
rand und ZAvei hornförmig gebogene Flecken auf der Stirn
schwarz.
Halsschild gelbroth mit breitem schwarzen Vorder- und
Hinterrande.
FlĂĽgeldecken sehwarz, der Seitenrand und sieben Flecken,
drei an der Basis, zwei grössere vor der Mitte und zwei vor
195
•der Spitze, gelbroth. Die Fleeken neben dem Seitenrande
hängen mit diesem zusammen, derjenige an der Schulter recht-
winklig durch einen schmalen Streifen, wodurch auf der
Schulterbeule ein von drei Seiten eingeschlossener schwarzer
Fleck gebildet wird; der Fleck in der Spitze ist gleichfalls
durch einen feinen Streifen mit dem vorhergehenden verbunden.
Unterseite mit den Hinterbeinen pechbraun, die Vorderbeine
sind gelbroth.
Insel Luzon.
Hydaticus Daemeli.
Oblongo - ovalis , convexus, nitidus, subtus nigro-piceua,
feupra niger, thorace elytrisque late luteo-testaceo marginatis.
Long. 14 mm.
Dem H. seminiger Degeer sehr ähnlich, durch das nur
an den Seiten gelbe Halsschild unterschieden.
Länglichrund, gewölbt, stai'k glänzend, äusserst fein aber
sehr dicht punktirt.
Kopf schwarz, der Vordertheil sowie zwei Flecken auf
der Stirn rostroth.
Halsschild und Flügeldecken schwarz, breit gelb gesäumt,
das Halsschild ist beim Weibchen fein längsgestrichelt.
Unterseite mit den Hinterbeinen pechbrauu, die Vorder-
beine röthlichbraun.
Nord- Australien Cap York.
Von Dämel gesammelt, nach welchem ausgezeichneten
Sammler ich diese Art benenne.
— Hydaticus Riehli.
Elongato-ovalis, thorace rufo-luteo, in medio nigro-macu-
lato; elytris rufo-teslaceis crebre nigro-irroratis. Long. 15i|2 mm.
Dem H. capicola Aube sehr ähnlich, jedoch beträchtlich
grösser, durch das kurze Halsschild unterschieden, auch sind
die schwarzen Sprenkeln auf den FlĂĽgeldecken feiner und
stehen weitläufiger, wodurch das Tliier eine hellere Far]>e
bekommt.
Kopf äusserst fein })unktirt, schwarz, der Mund und drei
im Dreieck stehende Flecke auf der Stirn rothgelb.
Halsschild sehr kurz, kaum ein FĂĽnftel so lang als die
Flügeldecken, auch etwas schmäler als diese, glatt, mit einer
Reihe grösserer Punkte am Vorderi-ande , rftthgell», ein schma-
ler Streifen am Hinlerrande und ein länglicher Quevtlcck auf
der Mitte schNvar/. Schildchen ganz sclnviirz.
lä*
196
FlĂĽgeldecken rotligelb mit feinen schwarzen Sprenkeln,
die den Aussenrand frei lassen, ziemlich dicht besetzt.
Die Unterseite mit den Hinterbeinen schwarz, die Vorder-
beine gelb, die Schenkel der Mittelbeine in der Mitte und die
Schienen dunkel.
Cuba.
Nach Herrn Rechnungsrath Riehl, dem ich diese schöne
Art verdanke, benannt.
Hydaticus bipunctatus.
Oblongo-ovalis, nitidulus, thorace nigro lateribus late luteo;
elytris nigris, in bis vitta iongitudinali versus margiuem late-
ralem paullulum incurvata et punctis duobus ad apicem luteis;
corpore subtus brunneo-ferrugineo. Long. 13 mm.
Dem H. exclamatiouis Aube verwandt, von schmälerer
Form und durch die nur bis zur Mitte reichende Längsbinde
unterschieden.
Kopf schwarz mit gelbem Vordertheil, einzeln und sehr
fein punktirt.
Halsschild schwarz mit breitem gelben Seitenrande, einzeln
und fein punktirt, am Vorderrande mit einer Reihe grösserer
Punkte versehen.
Flügeldecken scliwarz glänzend, eine schmale neben dem
Seitenrande laufende und ĂĽber die Mitte nicht hinausreichende
Längsbinde sowie zwei Flecke an der Spitze gelb. Unterseite
pechbraun, die Vorder- und Mittelbeine gelb.
Philippinen.
Hydaticus maculatus.
Oblongus, supra niger, thoracis Hmbo laterah, elytris
margine maculisque luteis, subtus piceus, pedibus 4 anticis
luteis. Long. IT^j^ mm.
Eine ausgezeichnete Art, die mit keiner mir bekannten
Arten Aehnlichkeit hat.
Kopf schwarz, der Vorderrand, ein dachförmiger schmaler
Streifen nebsl drei Flecken auf der Stirn gelbroth.
Halsschild schwarz mit breitem gelben Seitenrande, fein
punktirt und längsgestrichelt, die Seiten mit einigen grösseren
Punkten besetzt.
Flügeldecken schwarz, der Seitenrand, eine längliche mit
dem Seitenrande zusammenhängende Makel an der Schulter,
gewöhnlich drei Flecke an der Basis, zwei bis drei hinter der
Mute quei'steliend, sowie zwei an der Spitze rothgelb. Die
197
Flecke variiren sehr, die an der Basis werden zuweilen sehr
undeutlich und verschwinden auch einzeln ganz.
Die Unterseite mit den Hinterbeinen pechbraun, die Vor-
der- und Mittelbeine gelb.
Slam.
Einige Exemplare dieser schönen Art wurden mir von
Herrn Obergärtner Schmidt in Flottbeck mitgetheilt.
Hydaticus philippensis.
Ovalis, convexus, thorace nigro, lateribus late luteo,
elytris nigris, vittis duabus fasciaque pone basin testaeeis subtus
nigro -ferrugineus, pedibus anticis flavis. Long. 14 — 15 mm.
Diese Art steht dem H. Bowringi Clark aus Japan am
nächsten, durch das dunklere Halsschild und die gelbe Quer-
binde an der Basis der FlĂĽgeldecken unterschieden.
Der Kopf ist schwarz, der Vordertheil gelb, Halsschild
schwarz mit breitem gelben Seitenrande.
FlĂĽgeldecken schwarz, ein Querstreifen an der Basis,
und zwei Längsstreifen auf jeder Seite gelb. Der Querstreifen
hängt mit dem Innern Längsstreifen zusammen und ist an der
Nath unterbrochen, die Längsstreifen vereinigen sich hinten
an der Spitze. Die Unterseite mit den Hinterbeinen pech-
schwarz, die Vorderbeine ganz gelb, die Schienen der Mittel-
beine bräunlich.
Philippinen.
08
Check List of the Noctuidae of America,
North of Mexiko,
A. R. »rote, A. M.
I. Bombyciae and Noctuelitae (Nonfasciatae).
Biiflab, NY. 1875.
Angezeigt von Dr. A. S p e y e r.
Mit. welchem Eifer und Erfolg unsere transatlantischen.
CoUegen, und in erster Linie Grote selbst, gegenwärtig dem,
Studium der Noctuinen ihres weiten Faunengebiets obliegen,
davon liefert das vorliegende Heftchen einen erfreulichen.
Beweis. Nicht minder legt es Zeugniss ab von dem Reichthum
an Gattungen und Arten dieser Familie, mit welcher Nord-
amerika gesegnet ist. Die Check List ist nur eine kurze
Spanne Zeit, I1/2 Jahr, jĂĽnger als das ausfĂĽhrlichere Ver-
zeichniss, welches Grote unter dem Titeh List of the NoctuidtW};
of North America im Jahre 1874 veröflentlichte, und welches
im Jahrgang 1874 der Entomologischen Zeitung, S. 313, und;
1875, S. 98, bereits besprochen worden ist. Letzteres enthält
(nach Möschler's Zählung) 812 Arten überhaupt, von denen
581 (wenn ich recht gezählt habe) auf die in der Check List
verzeichneten ersten Gruppen der Noctuen fallen. Daraus
ergiebt sich also, da die Check List 790 Arten aufluhrt, ein
Zuwachs von mehr als 200 Species innerhalb dieses kurzen
Zeitraums. Auch wenn die Gruppen der Nonfasciatae, Del-
toides und Noctuo-Phalaenidi nicht in gleichem Verhältniss
angewachsen sein sollten, lässt sich doch schon jetzt erkennen,
dass Grote im zweiten Hefte seines Verzeichnisses mit einer
höhern Zahl abschlicsscn wird, als Staudinge/s Catalog von
1871 sie fĂĽr die entsprechenden Abtheilungen aus dem Ge-
sammlgebiete der europäischen Fauna angiebt: 1040 Arten.
Grote spricht (S. 22) sogar von „etwa 1200'-' Species, und
dass diese Zahl bald erreicht sein wird, unterliegt keinem
Zweifel. Da indess in dieser Summe noch immer eine sehr
ansehnliche Anzahl v(m Arten miteinbegrilfen ist, die durch
einen — als solche bezeichnet sind, welche nicht in natura
vorgelegen haben (im Genus Leucania z- B. is( diess bei 15
1U9
unter 27 überhaupt aufgezählten der Fall), so wird es der
Vorsicht angemessen sein, vorläutig hei einer etwas besehe j-
denern Zahl stehen zu bleiben. Sicher ist aber, dass Nord-
amerika, auch mit Ausschluss der tropischen Gegenden, einen
grössern Reichthum an Noctuinen beherbergt als das euro-
päische Faunengebiet.
Den Inhalt dieses ersten Theils der Check List bilden
ausser dem 20 Seiten umfassenden systematischen Verzeich-
nisse der dem Verfasser bekannten nordamerikanischen Arten
aus den Gruppen der Bombyciae (Cymatophoridae) und Noct.
Nonfasciatae (welche nebst den Trifidae auch einen Theil der
Quadrifidae Guenee's umfassen), eine kurze Auseinandersetzung
über die Struetur der Körpertheile, welche für die Systematik
benutzt sind, einige Bemerkungen ĂĽber die geographische Ver-
breitung der Noctuinen, die Beschreibung von 8 neuen Arten
und 3 Gattungen, endlich ein Register der Gattungsnamen. Eine
vortrefflich ausgefĂĽhrte photographische Tafel gibt die Bilder
von zehn Arten in der nur auf diesem Wege zu erreichenden
objectiven Treue, die eine Detail-Untersuchung fast wie bei
den Originalen gestattet. So kann man sich durch die Loupe
ĂĽberzeugen, dass Cucullia serraticornis Lintn., Fig. 10, die
dem unbewaffneten Auge unsichtbaren scharfen Zähnchen ; an
ihrem einzigen FĂĽhler (dessen Spitze ebenfalls verloren gegan-
gen ist) wirklich besitzt — nicht minder freilich auch^ dass
der Hinterleib des Originals verölt war. Das Licht zeichnet
anders als der Maler und giebt auch die unliebsamen Eigen-
heiten der Originale, Beschädigungen, schlechte Präparation
u. s. w. mit unbarmherziger Spiegeltreue wieder.
Den Gattungen und Arten ist der Name des Autors,
letztern auch die Synonymie beigesetzt, und diejenigen derselben,
welche der Verfasser nicht in natura vergleichen konnte, sind
durch ein Zeichen kenntlich gemacht. Solche Namen, ĂĽber
welche jede genĂĽgende Auskunft mangelte, meist den Wal-
ker'schen Catalogen angehörig, werden in Anmerkungen er-
wähnt und natürlich (die Arten sind durchlaufend numerirt)
nicht mitgezählt. Dass nur der Autor, nicht aber der Ort,
wo er die betreffende Art bekannt gemacht hat, angegeben
ist, lässt sich in Betreff der altern, schon im frühern Ver-
zeichnisse aufgefĂĽhrten, allenfalls verschmerzen, du. hier Aus-
kunft zu finden ist. Sehr erwĂĽnscht wĂĽrde es aber, zumal
dem nicht amerikanischen Leser, gewesen sein, wenn ihm
wenigstens bei den zahlreichen neuen Arten durch ein Citat
die Mühe eispart worden wäre, den Beschreibungen derselben
in den verschiedenen Zeitschriften, wo sie publicirt sind.
200
nachzuspilren, wenn er sich Belehrung ĂĽber dieselben ver-
pohaften will.
Seinen Grundsätzen über die Nomenclatur ist der Ver-
fasser auch hier treu gebheben, ebenso im Wesenthchen der
in der List befolgten systematischen Anordnung. Dass die
Einfügung so vieler neuen Arten manche Veränderungen nöthig
machte, ist selbstverständlich; aber auch al)gesehen davon,
sind die Gattungen von Neuem gesichtet und nach Inhalt imd
Stellung verbessert worden, wo Anlass dazu vorhanden war.
Einzelnes wird auch hier noch zu corrigiren bleiben, am
meisten in Betreff jener Arten, welche nur nach Beschreibun-
gen und Abbildungen beurtheilt werden konnten. Dass eine
beträchtliche Vermehrung der Genera stattfinden werde, war
vorauszusehn: ihre Zahl ist von 142 auf 175 gewachsen,
obgleich einige der frĂĽhern jetzt als Unterabtheihmgen mit
andern vereinigt sind (4 mit dem genus Agrotis).
Das Werkchen wird Jedem eine willkommene Gabe sein,
der sich ĂĽber die nordamerikanische Noctuinenfauna orientiren
will. Auf eine Kritik des Einzelnen gehe ich weiter nicht
ein. Nur einige Arten aus der europäisch -amerikanischen
Verwandtschaft will ich zum Schluss dieser Anzeige noch
näher besprechen, um das früher in dieser Zeitschrift über
denselben Gegenstand Mitgetheilte (Jahrg. 1875, S. 97, 131
und 345) zu berichtigen und zu ergänzen.
Acronycta funeralis Gr. und Acr. alni L.
Die Zweifel, ob die amerikanische Repräsentantin unserer
Alni ĂĽberhaupt als besondere Art von derselben getrennt wer-
den könne (S. darüber Ent. Zeit. 1875, S. 111) werden durch
die erste Figur der oben erwähnten photographischen Tafel,
welche ein männliches Exemplar von Funeralis darstellt, gelöst,
und zwar zu Gunsten ihrer Artrechte.
Was zuerst an der Figur auffällt, ist ihre weit hinter
der von Alni zurückbleibende Grösse. Das Männchen der
Letztern hat eine FlĂĽgelspannung von 39 Millimetern, wie
eine gut entwickelte Psi oder die amerikanische Occidentahs
Gr.; erstere ei-reicht nur 29 mm., wie unsere Strigosa. Auf
diesen Unterschied allein möchte ich indess nicht allzuviel
Gewicht legen, da einestheils die Stubenzucht (welche die
tadellose Beschaffenheit des Exemplars vermuthen lässt), andern-
theils vielleichj auch die photographische Wiedergabe selbst
die Grösse reducii-t haben kann. Der Text giebt über diese
Punkte keine Auskunft. Entscheidend sind abei- die Differenzen
in der Zeichnung der VorderllĂĽgel. Der brandschwarze Schal-
201
ten, welcher bei Alni einen grossen Theil derselben verfinstert,
ist bei Fiineralis von viel geringerer Ausdehnung. Er bedeckt
die Innenrandhälfte der Vorderflügel nur bis zum hintern
Querstreif, fliesst nicht breit in die Mitte des Vorderrands
aus, sondern bleibt weit von demselben, welcher bei Funeralis
nur einen isolirten schwarzen Fleck über der Ringmakel trägt,
entfernt. In der FlĂĽgelmitte, unter der Ringmakel, zeigt sein
oberer Rand eine tiefe, gerundete und gegen den Innenrand
scharf begränzte, nach der Ringmakel hin verbreiterte und
verfliessende, weiss ausgefĂĽllte Ausbuchtung, die lichteste Stelle
des ganzen Flügels. Diese scharf begränzte weisse Makel fehlt
bei Alni und ist das am meisten charakteristische Kennzeichen
der amerikanischen Art. Letzterer fehlt dagegen der schwarze
JPfeilstrich im obern Drittel des Saumfeldes, welchen Alni,
doch nicht immer gleich deutlich, besitzt. Der Pfeilstrich ĂĽber
dem Innenwinkel ist bei Funeralis sehr dick, aber viel weniger
schwarzbraun beschattet, als bei Alni. Flügelschnitt, Körper
und HinterflĂĽgel zeigen keine Verschiedenheit.
Wenn also nicht etwa andere Exemplare von Funeralis
sich der Alni mehr nähern als das hier abgebildete, so bietet
die Unterscheidung der Imagines beider Verwandten keine
Schwierigkeit. Anders scheint es bei den Raupen zu sein,
während sonst in dieser Gattung der entgegengesetzte Fall
Regel ist. Unterschiede werden aber sehr M'^ahrscheinlich auch
bei den Raupen nicht ganz fehlen und wĂĽrden sich am sicher-
sten durch den Vergleich gut ausgeblasener Exemplare ermit-
teln lassen.
Agrotis augur F. var. grandis (haruspica Gr.).
Grote trennt jetzt die von mir als Var. grandis (Ent. Ztg.
1875, S. 122) beschriebene amerikanische Ausgabe von Augur
als eigene Art unter dem Namen Haruspica *) von der euro-
päischen. Ein in Meske's letzter Sendung enthaltenes, als
Haruspica (vermuthlich von Grote selbst) bezeichnetes, ameri-
kanisches Männchen macht es aber noch schwieriger, bestimmte
Unterscheidungszeichen zwischen beiden Formen anzugeben,
als das schon vorher der Fall war. Es ist nämlich kleiner
als die übrigen Exemplare, nicht grösser als manche deutsche
Männchen, und auch im Flügelschnitt nicht von diesen ver-
*) Den ihr schon frĂĽher von Morrison gegebenen Namen Unima-
cula glaubt Grote wegen Collision mit Agr. unimacula Staudinger's
nicht aufnehmen zu dĂĽrfen.
^102
schieden. Damit einweisen sich also gerade die wesenĂĽichsten
Eigeniieiten der ameriiianischen Au2,iu- als unbeständig-, und
die Dirterenzen in der Zeichnung sind so unerheblich und
schwankend, dass ich ihnen kein genĂĽgendes Unterscheidungs-
nfierkmal zu entnehmen weiss. Die ersten Stände ihrer Form
scheinen den i^merikanern noch nicht bekannt geworden
zu sein.
Mamestra trifolii Rott. und M. albifusa Wlk.
Grote hält (Check List. p. 8) meine amerikanische Trifolii
(Chenopodii WV.), welche ich 1. c. vS. 138 als Var. b. cha-
rakterisirt habe, für eine von Trifolii verschiedene Art, näm-
lich fĂĽr seine Albifusa Wik. Ein New-Yorker Exemplar,
welches ihm vorliege und die Eigenheiten der letztern nicht'
besitze, hält er für die wahre Trifolii, die also ebenfalls in
Amerika vorkomme. Diesen Schlussatz kann ich bestätigen,
und zwar durch ein ebenfalls im Staate New-York von Meske
gefangenes Männchen, welches völlig mit der europäischen
Trifolii ĂĽbereinstimmt. Einen constanten Unterschied zwischen
dieser und meiner Varietät b vermag ich aber weder in der
Grösse, noch in Farbe und Zeichnung entdecken. Es finden'
sich unter den 9 amerikanischen Exemplaren, die ich vor mir
habe, so viele Verschiedenheiten in allen diesen Beziehungen,
selbst in der Form der Ringmakel, dass sich eine feste Gränze
gegen die, auch beträchtlichem Wechsel unterworfene, euro-
päische Form nicht ziehen lässt. Ich möchte hiernach in
Albifusa, wenn sie wirklich mit meiner Var. b identisch ist,
nur die in Amerika gewöhnlichere Varietät von Trifolii sehen,
die aber den Typus, d. h. den europäischen, dort noch nicht
ganz verdrängt hat.
Helotrophu reniformis Gr. und Hei. fibrosa H.
Hei. reniformis, die mir Meske in 3 guten Exemplaren
(1 rj, 2$) zusandte, kommt der Var. fibrosa von Leucostigma H.
so nahe, dass die Frage entsteht, ob sie ĂĽberhaupt specifisch
von derselben zu trennen ist. Die Unterschiede, welche ich
finden kann, beschränken sich auf Folgendes: Die Grundfarbe
des Thorax und der VorderllĂĽgel ist dunkler, mehr schwarz-
braun als rothbraun, die Zeichnung schärfer ausgedrückt, als
bei meinen p]xemplaren von Fibrosa. Die Querstreifen sind
vollständig licht und- auch der hintere derselben ist
saumwärts von einer feinen schwärzlichen Linie ein-
.203
gefasst, welche meiner Fibrosa fehlt oder doch nur unter-
brochen und undeuthch ausgedrĂĽckt ist. In Zelle I b bildet
dieser Querstreif einen schwachen, saumwärts convexen
Bogen, während er bei Fibrosa hier geradhnig ist. Die
Wellenlinie ist etwas schärfer gezähnt, besonders in der Mitte,
wo sie ein seichtes W-Zeichen bildet. Die Nierenmakel-
zeichnung ist schneeweiss und gitterförmig, und der zweite
und dritte Ast der Mediana bilden an ihrer Basis eine bis
zum hintern Querstreif reichende Gabel, wie das aber auch
bei Fibrosa vorkommt. Weitere Unterschiede kann ich nicht
finden, und ob die wenig erheblichen angefĂĽhrten standhaft
sind, muss der Vergleich einer grössern Anzahl von Exem-
plaren beider Arten (auch von der europäischen besitze ich
nur 6 StĂĽcke) ergeben. Die Verdunklung der Grundfarbe
entspricht ganz der von mir I. c. S. 102 aufgestellten Regel.
Meine Reniformis sind aus dem Staate New -York. Die
europäische Form ist von Westeuropa bis zum östlichen Sibirien
verbreitet.
Xylina (Lithophane Gr.) thaxteri Gr. und
Xyl. lambda Fabr.
Nach der Abbildung, Fig. 3, wĂĽrde ich unbedenklich
Thaxteri für die amerikanische Varietät von Lambda erklären,
als etwa in der Mitte stehend zwischen Zinckenii Tr. und
Rufescens Men. In Form und Zeichnung sehe ich nicht den
geringsten Unterschied, auch die Beschreibung (Bull. Butt'alo
Soc. Nat. Sc. II p. 196, 1875) enthält nichts Widersprechen
des; aber Grote bemerkt dazu: „The dorsal abdominal tufts
are very inconspicuous, but J think are present^'. Lambda
hat einen schopflosen Hinterleib; dieser Punkt bedarf also noch
(hv Aufklärung.
Das Grote^sche Exemplar wurde in Massachusetts am
10. Mai 1874 gefangen, war also ohne Zweifel ein ĂĽber-
wintertes. Die Abbildung lässt erkennen, dass es den grössten
Theil der Fransen durch längern Flug eingebüsst hat.
Pyrrhia exprimens Wlk., Pyrrh. angulata Gr.
Die Art, welche ich bisher fĂĽr Exprimens Wlk. gehalten
und (1. c. S. 156 und 350) beschrieben habe, ist Grote's neu
aufgestellte P. angulata (Trans. Amer. Ent. Soc. Sept. 1874),
welche er von Exprimens besonders durch ihren winkhgen
(angulated) un(\ dcul liehen (distinct) Mittelseliatten, sowie durch
204
ihre blassgelben HinterflĂĽgel unterscheidet. Was ich also a. a.
0. über das Verhältniss von P. nmbra Hfn. zu ihrer amerika-
nischen Verwandten gesagt habe, bezieht sich auf diese
Grote"sche Angulata, bei welcher übrigens, wie dort erwähnt,
der Lauf des Mittelschattens erheblich variirt. Grote's Expri-
mens kenne ich nur aus der im Bull. Butfalo Soc. Nat. Sc. 11.
1875, Tab. Kl, Fig. 5 (Angulata Fig. 6) gegebenen Abbildung
und muss mich desshalb eines Urtheils ĂĽber dieselbe enthalten.
Das amerikanische BĂĽrgerrecht von Aplecta occultaL.
und Xanthia togata Esp. (silago H.) kann ich jetzt bestäti-
gen. Ein Weibchen der erstevn (Wisconsin, Meske) gleicht
vollständig manchen deutschen Occulta -Exemplaren, und eben-
sowenig kann ich an einem von Grote erhaltenen Männchen
von Togata etwas von hiesigen Togata Abweichendes bemerken.
Diese beiden Arten vervollständigen also die kurze Liste der
sicher identischen Noctuinen beider Welttheile (1. c. S. 104).
Drei andere von den ib. (S. 105 und 106) erwähnten
Arten mĂĽssen dagegen gestrichen Averden (ausser den bereits
S. 345 erwähnten), nämlich Agrotis rubi View., Agr. lyca-
rum H. S. und Hadena gemina H. Ein weibliches Exemplar
der fĂĽr Agr. rubi gehaltenen amerikanischen Art sandte mir
Gi'ote zur Begutachtung zu. Es ist in sehr ĂĽbler Verfassung,
lässt aber doch den Unterschied von Rubi, besonders in der
ganz abweichenden Zeichnung des Saumfeldes, unzweifelhaft
erkennen. Grote nennt die Art jetzt Agr. rubifera.
Den Namen Agr. Ijcarum zieht Grote (Check List p. 6)
selbst als irrthĂĽmlich ein. Die dafĂĽr angesehene Art ist Agr.
messoria Harr, (repentis Gr. et R.).
Die von meinen amerikanischen Freunden frĂĽher fĂĽr
Hadena gemina v. remissa gehaltene Art endhch ist nicht
diese, sondern Had. sectilis Grote, die in Europa nicht
vorkommt.
1. Febr. 1876.
205
f Redtenbacher. f
Von befreundeter Hand sind uns ĂĽber den Lebenslauf
unseres verewigten, hochverdienten Mitgliedes inzwischen fol-
gende Nachrichten zugegangen:
Ludwig Redtenbacher wurde am 10. JuH 1814 zu
Kirchdorf (bei Wels) in Oberösterreich geboren. Nachdem er
die Klassen des Gymnasiums zu KremsmĂĽnster durchgemacht
hatte, besuchte er als Studiosus Medicinae die Universität
Wien und wurde im Jahre 1843 zum Dr. Medicinae promo-
virt. Seine Doctordissertation ist das (von Hagen mit irriger
Jahreszahl 1844) verzeichnete Tentamen dispositionis Coleopt.
pseudotrim. *) Schon als Arzt arbeitete er unter Schreibers'
Leitung fleissig am kaiserl. zoologischen Hofkabinet und ver-
kehrte viel mit Heeger, Ziegler und andern bekannten
Coleopterologen. Mit seinem am 8. Oct. 1870 verstorbenen
Bruder Wilhelm hatte er schon als Student die Sammlung der
Coleoptera austriaca gegründet, die später das Hauptmaterial
zu seiner in drei Auflagen erschienenen Fauna austriaca lie-
ferte und jetzt Eigenthum des kais. Museums ist.
Nachdem er bis zu Anfang der 50er Jahre als Praktikant
am Museum gedient liatte, wurde er als Professor der Zoolo-
gie an die Universität Prag berufen. Er blieb jedoch kaum
ein Jahr in dieser Stellung, indem er als erster Custos adjunc-
tus unter Kollar's Direction an das kais. Museum zurĂĽckkehrte.
Nach Kollar's Tode im Sommer 1860 wurde er selbst zum
Director des Hofkabinets mit dem Titel Regierungsrath ernannt.
Seine körperliche Rüstigkeit, die ihn in jüngeren Jahren zu
eriem eifrigen Betriebe des edlen Waidwerks befähigt und
ai gespornt hatte — es giebt von ihm eine ansprechende Pho-
tographie im Gemsjägerkleid — verlor sich leider in den
letzten Jahren, wo ihn eine bedauerhche Schwerhörigkeit
heimsuchte. Am 8. Februar 1876 entschhef er nach längerer
Krankheit im Alter von 62 Jahren.
*) Noch mag erwähnt werden, dass die in Hagen's Bibiiotheca
ent. 11, S. 65 unter Nu. 1 und 2 aufgefĂĽhrten Werke ein und das-
selbe sind und sich nur durch den Titel unterscheiden.
\
206
Ueber Camptodes vittatus Er.
Herr Dr. Dohrn war so IVeundlich, mir sein schönes
Material dieser Art aus Cordova (in der La Plata-Republik —
Südamerika) einzusenden, wodurch es mir möglich war, die
äusserst grt)sse Variutionsfähigkoit derselben zu konstatiren.
Meine Vermuthung, dass C. phaleratus Er. eine Varietät
dieser Art sei, welche ich in meiner Syst. Einth. d. Nitidu-
lidae, pag. 101 aussprach, hat sich als richtig bewährt.
Als Stammform des C. vittatus will ich diejenige ansehen,
welche Erichson bei der Beschreibung dieser Art vorgelegen
hat. Diese ist:
C. vittatus Er., schwarz glänzend, ein breiter, die Schultern
ganz occupirender, schräg gegen die Naht gerichteter
Längsstreif und der den Schultern nächste Theil des
Seitenrandes gelbroth oder roth. FĂĽhler mit Ausnahme
der dunklen Keule braun. Klauen kräftig gezähnt. Die
Piinktirung der FlĂĽgeldecken bildet mehr oder minder
deutliche Reihen.
Die nächsten Varietäten, welche geringere Abweichun-
gen darbieten, sind:
1. Die Punktirung auf dem Halsschilde ist fast er-
loschen;
2. die Punktreihen der Flügeldecken sind gedrängter;
3. dieselben sind spärlicher vorhanden;
4. dieselben sind äusserst kräftig, oder
5. nur sehr subtil eingestochen;
6. die Klauen sind stark, oder sie sind nur
7. sehr schwach gezähnt;
8. die Oberseite ist sehr glänzend. In diesem Falle
ist die Punktirung (k^s Käfers in der Hegel kräf-
tiger ;
9. die Oberseite ist fast matt. Die Punktirung der
Oberseite ist dann gewöhnlich sehr subtil;
10. es sind kaum angedeutete Reihen von ki-äftigen
oder subtilen Punkten vorhanden;
11. die FĂĽiiler bis auf die dunkle Keule sowie die vor-
deren Heine sind l)raun;
12. die ganzen FĂĽhler und die vorderen Beine sind
"clljbraun. die hinter.slen etwas dunkler:
2m
13. die Schulterbeiile ist im gelben oder rothen Felde
schwarz.
Auffälligere Variationen, welche jedoch in Bezug der
hier angefĂĽhrten 13 Punkte wieder mehr oder minder
abändern, sind:
V. phaleratus Er. Dem vittatus ähnhch, der Schrägstreifen
auf den Decken ist länger, der Seitenrand tiefer gelbroth;
die Schulterbeule (wie bei Nr. 13) schwarz. Ausserdem
ist gewöhnlich die Punktirung feiner und die Oberseite
weniger glänzend.
V. humer osus: Ebenfalls der Stammform des vittatus nahe-
stehend, aber an den Schultern befindet sich nur eine
quadratische gelbrothe Makel, in welcher die Schulterbeule
als schwarzer Punkt gekennzeichnet ist, oder es durch-
zieht sie ein schwarzer Längsstreif, welcher zwar den
unteren, nicht aber auch den oberen Rand der rothen
Makel erreicht. Cordova.
V. rufo-angulus: Der Stammform des vittatus sehr ähnlich,
aber die Vorderwinkel des Halsschildes ziemlich weit
roth gefärbt. Ebenso sind die Fühler und die Vorder-
brust braunroth; Beine pechbraun. In meiner Sammlung.
Cordova. Von Herrn Dr. Dohrn freundlichst mitgetheilt.
V. flavo-angulus:- Oberseite ganz schwarz, nur die Vorder-
winkel des Halsschildes in ziemlicher Ausdehnung gelb-
roth gefärbt. Die Unterseite ist wie bei V. rufo-angu-
lus. — Cordova.
V. lugubris: Ganz schwarz, nur die Beine und Vorderbrust
pechbraun, die FĂĽhler etwas heller. Klauen sehr schwach
gezähnt. Unterscheidet sich von den andern schwarzen
Camptoden leicht durch die eigeuthümliche Körperform
und die in Reihen gestellte Punktirung der FlĂĽgeldecken.
Der Nahtstreif ist^ natĂĽrlich vorhanden.
V. ruficollis: Ganz mit V. humerosus ĂĽbereinstimmend, das
Halsschild ist jedoch bis auf einen sehr schmalen schwar-
zen Saum an der Basis gelbroth. Cordova.
V. lituratus: Gelbroth, das Pygidium, der Bauch (seltener
die Hinterbrust und die hintersten Beine braun), der
Kopf (manchmal mit gelbem Scheitel), ein sehr schmaler
Saum an der Basis des Halsschildes, ein breiter Streifen
ĂĽber die Naht der FlĂĽgeldecken sammt dem Schildchen
(letzteres manchmal mit gelber Scheibe), der hintere
\
208
Theil des FlĂĽgeldeckenseitenrandes, welcher sich mit der
dunklen Naht verbindet, und ein Punkt auf der Schulter-
beulc schwarz. Cordova.
V. variegatus: Bmunschwarz , der Seitenrand des Hals-
schildes um den Schulterwinkel, ein Punkt neben der
Schulterbeule und mehrere grössere in einander ver-
schwommene Makeln jederseits auf dem Halsschilde gelb-
roth. Die Unterseite und Beine schwarzbraun, Vorder-
brust, FĂĽhler und Vorderbeine gelbbraun. Cordova.
(Mus. Dr. Dohrn.)
Alle hier aufgezählten Varietäten stimmen in Bezug der
Körperform überein; die eigenthümliche in Reihen gestellte
Punktirung zeichnet sie vor allen andern Camptoden aus, und
ist ihre Bestimmung, namentlich aus letzterm Grunde, nicht
schwierig. Camp, plagiatus Er. wĂĽrde ich unbedenklich eben-
falls hieher ziehen, wenn ich annehmen könnte, dass die
Angabe Erichson''s, dass der vertiefte Nahtstreifen dieser Art
fehlt, auf einer Täuschung beruht. Dagegen möchte ich meinen
C. rubrovittatus, der wahrscheinlich mit C. M.-rubrum Blanch..
aus Bolivia, zusammenfällt, obzwar er der Zeichnung nach
dem C. vittatus ebenfalls sehr nalie steht, als eigene Art an-
sprechen. Die Körperform ist constant grösser, gestreckter
und paralleler, die Punktirung namentlich auf den FlĂĽgeldecken
viel dichter und tiefer, wie in Reihen geordnet, die Unter-
seite, FĂĽhler und Beine tief schwarz. An den zahlreichen
mir vorgelegenen Stücken liabe ich keine Uebergänge zu
vittatus bemei-kt. Form, Punktirung und Färbung blieben
constant, nur die letztere änderte auf den Flügeldecken in so
weit ab, dass entweder die rothe oder .schwarze Farbe sich
als vorherrschend erwies.
E. Reitter in Paskau, Mähren.
209
Einige Tineen aus Texas,
beschrieben von
II. Frey, Professor in ZĂĽrich, und J, Bull in Dallas. Upper Texas.
Wir evlaubeu uns, trotz Herrn Chambers, die nachfol-
gende unbedeutende Arbeit der wohlwollenden Beurtheilung
wi.ssensehal'tlicher Entomologen voi-zulegen. Die zahlreichen
Mängel des Aufsatzes kennen die beiden Verfasser wohl am
besten. â– 'â– )
Argyresthia.
1. A. Quadi-ist rigella Z.
Wurde während des Mäi-z 1874 in Wäldern bei Dallas
aus Jiniiperus virginiuna durch Klopfen erhalten. - —
Gracilaria.
2. G. Obscuripennella nov. spec.
In der Grösse der G. S perbifrontella Frey & Boll; zwi-,
scheu den Europäerinnen G. Kutipennella Hbr. und G. Fideila
Reutti in der Mitte stehend.
Das zierhche Thierchen fĂĽhrt ein dunkles, mit violettem
Schimmer ĂĽbergossenes Kastanienbraun. Seine Beschuppung
ist eine glatte, schimmernde oder schwach glänzende.
Fühler dunkelgi'au, schwärzlich geringelt 5 Kopf dunkel-
braun; Stirne schneeweiss; Kiefer- und Lippentasler ebenso;
*) Als Herr Uoll im Frühlinge lö75 bei mir in Zürich zu nächtigem
Besuche weilte, inucliten wir gemeinschaftlich die nachfolgenden lle-
schreibnngen. Soweit ich Material zurĂĽckbehielt, habe ich die Notizen
nochmals revidirt. FĂĽr Alles, namentlich die mĂĽndlichen Angaben
meines Freundes hinsichtlich der Lebensweise, kann ich natĂĽrlich nicht
volle Garantie ĂĽbernehmen. Der Zauber der amerikanisclien Micros
hatte mich einmal wieder befangen, wie es auch Freund Zeller (siehe'
dessen treffliche Arbeiten in den Vei'handlungen der zool.-bot. Gesell-
schaft in Wien 1872—75) ergangen ist.
Auf die Entwirrung amerikanischer övnonyme habe ich noch
weniger Fleiss als frĂĽher verwendet. Meine IlauptquelhV blieb : The
Tiueina of North-Amcrica by Hrackcnriilge-Clcniciis by 11. T. Stain-
ton. London 1872.*
ZĂĽrich, ai. DĂĽzciubcr 1875. H. Frey.
14
210
das MilU'l- und Endglied der ersieven mit zwei kleinen schwar-
zen Fleckchen; das Endglied der Labialpalpen an der Spitze
schwärzlich; Beine schwarzbraun; Schiene und Tarsus des
ersten und zweiten Paares weiss; beim dritten Paare weiss,
oberwärts gebräunt. Leib braungrau.
Die "S^trderflĂĽgel zeigen gleich dem Thorax das schon
erwähnte gesättigte Kastanienbraun, welches die dunkelste
Beschafl'enheit in der FlĂĽgelspitze gewinnt. Der Costalrand
der Vordertlügel ist von einem bis vier Fünftel ihrer Länge
schmal strohfarbig, jedoch verloschen, angelaufen. In der Mitte
dieser strohgelben Stelle, unmittelbar am Vorderrande, bemerkt
man eine kleine pünktchenförmige Verdunklung. Die Franzen
zeigen an der FlĂĽgelspilze eine kastanienbraune, nach dem
Aftei'winkel hin aber eine hellere graue Färbung.
Hinterflügel dunkelgrau mit etwas lichtei-er, bräunlicii
a ngetlogeuer Befranzung.
Die Unterseite unserer Gracilaria ist tief dunkelgrau;
der Costaliand des vorderen FlĂĽgelpaares erscheint hier ganz
lang und schmal weisslich gefärbt, am breitesten nach der
Spitze zu. Leib unten weissgrau.
Das schöne vollkommen frische 'l'hierchen wurde am
8. Juni 1874 zu Dallas von Boll gefangen. Die Art scheint dort
nicht o-erade eine Seltenheit zu sein.
3. 0. Consimilella nov. spec.
Der europäischen Gr. Stigmatella Fab. recht nahe kom-
mend: dunkel kupferbraun, und zAvar beträchtlich dunkler als
die europäische Ver-wandte. Das Costaldreieck des Vorder-
flĂĽgels bleibt kleiner.
FĂĽhler grau, dunkler geringelt; Kopf, Stirn, Taster
dunkelbraun; Beine dunkelbraun; ihre Endglieder, Schiene und
Tarsus, weissgrau, dunkler gelleckt; Leib grau, unten heller,
weisslich grau.
Die VorderllĂĽgel gleich dem Thorax tief und dĂĽster
kupferbraun ohne jeglichoi Glanz, trĂĽbe; die P'ranzen erschei-
nen gegen den Afterwinkel hin heller.
llinlerllĂĽgel massig dunkelgrau; Franzen etwas heller,
biäuidicli angel logen.
Die Unterseite zeigt sich lief grau; die N'orderilĂĽgel blei-
ben zeichnungslos.
Gefano-en zu Dallas im März 1 b7 i in Gebüschen.
211
4. 6. Aui'it'erella nov. spee.
Ein prächtiges kleines Geschöpf, mul dabei unserer
deutschen G. Onustella Hbr. so nahe kommend, dass man sie
mit letzterer verwechseln könnte. Die Grundfarbe der Vorder-
tlĂĽgel erscheint bei der Amerikanerin etwas dunkler, das
Messingfeld etwas heller, ebenso das Abdomen lichter als bei
der erwähnten europäischen Gracilarie.
FĂĽhler hellgrau, dunkler geringelt; Kopf metallisch kupfer-
glänzend; Stirn schneeweiss; Taster ebenso; das labiale Paar
mit brauner Spitze; die beiden ersten Beinpaare zeigen weisse
Endglieder; am letzten Paare fĂĽhrt das weisse Femur nach
innen und unten einen braunen Fleck; Leib oberwärts weiss-
lich grau, auf der Untertläche noch heller.
Thorax und VordertlĂĽgel kupferbraun; das Costalfeld der
letzteren ist ein helles glattes Messing, aber kaum noch glän-
zend zu nennen. Franzen kupferbraun, im Afterwinkel heller.
HinterflĂĽgel massig dunkelgrau; Franzen lichter. Auf der
Unterfläche schimmert das Costaldreieck verloschen hindurch.
Erzogen von Rhus typhina zu Anfang des Juni. Es
kommen sicher zwei Generationen, vielleicht auch noch mehrere
im Jahre vor. Aus den Umgebungen von Dallas.
5. G. Interpositella nov. spec.
Ein wunderhübsches Thierchen, zwischen den europäischen
x\rten G. Simploniella F. R. und Scalariella Z. in der Mitte
befindlich; in der FlĂĽgelspannung einem ansehnlichen Exem-
plare der letzteren wenigstens gleichkommend; im FlĂĽgel-
schnitt ersterer Art nahe kommend.
, Kopf und Stirn schneeweiss; Fühler bräunlich weiss,
dun der geringelt; Taster einfach weiss; Thorax schneeweiss.
Die drei Beinpaare weiss, reichlich dunkelbraun gefleckt und
geringelt; Leib grau, unten weiss; seine Ringe seitlich hell-
braun, dann mit dunkelbraunen Quei gürtein au der Basal fläche.
Die Grundfarbe der VorderflĂĽgel ergiebt ein helles Gold-
braun wie bei Pavoniella. Die weissen Zeichnungen sind fein,
schwarz eingefasst. Bei diesen fällt vor allen Dingen, an der
Wurzel des Dorsalrandes beginnend, ein ansehnliches unregel-
mässig geformtes Dreieck auf, ausgezeichnet durch breite
(dorsale) Basis und eine umgebogene Spitze, welche, nach
der FlĂĽgelwurzel gerichtet, den Yoi'derrand erreicht. Ein
zweiter dreieckiger Dorsalileek, bis o-es;en den Afterwinkel
sich erstreckend, ist kleiner, und >;eine stumjtfe Spitze endigt
schon in der Fuhc.
14*
212
Gehen wir nun zum Coslalvande des VorderflĂĽgels ĂĽber,
so begegnen wir hier fh'ei weissen Costaltleckchen. Das erste,
ein sehief gestelltes Häkchen, lindel sich vor der halben Flü-
geJlänge; das zweite, ein kleines und schmales ähnhches Ding,
ei'seheint bei vier FĂĽnl'theilen, und das letzte, ein halbkreis-
förmiger Fleck mit breit schwarz umzogener Convexität, nimmt
die FlĂĽgelspitze ein. Eine zarte wellige dunkle Linie, vor
den Franzen hinlaufend, vei-bindet ihn mit der Grundtläche
des hinteren dorsalen Dreiecks. Die Franzen zeigen in der
FlĂĽgelspitze die goldbraune Grundfarbe, werden gegen den
Afterwinkel hin heller, und besitzen unter der Spitze einen
weisslichen Strahl.
HinterHĂĽgel massig dunkelgrau; Franzen lichter. Unten
grau; der Apical- und der hinlerste Dorsaltleck schimmern
verloschen hindurch.
Das Thierchen wurde in der Mitte April von Blättern
der Eiche, Quercus obtusifolia (Post-oak), bei Dallas geklopft.
Eine zMeite Generation kommt zweifelsohne vor. Interessant
ist die Thatsache, dass G. Simploniella, die nächste Ver-
wandte, bei Frankfurt a. M. ebenfalls im Eichwalde gefangen
wurde. — Man veröl, im Uebrigen Llnnaea entomologica.
Bd. 2, S. 345.
G. G. Desmodifoliella Br. -Cl.
Brackenridge- Clemens, der tĂĽchtige Forscher, beschreibt
(S. 93 und 289 in der von Stainlon besorgten Ausgabe) diese»
kleine Ding. Es erinnert in Grösse an die europäische G.
Limosella F. R. Das Colorit blass, matt, weit heller als man
es nach obiger Beschreibung erwarten sollte. Der verstorbene
amerikanische Entomologe hatte oH'enbar ein fĂĽr Farbenunter-
scheidung wenig entAvickeltes Sehwerkzeug.
Boli traf in nichreren Exemplai'en G. Desmodilbliella in
den Umgebungen von Dallas. Seine Exemplare bestimmte
(meiner Meinunu- nach richtig) Professor P. C. Zellcr im
FrĂĽhling 1874. "
Coriscium.
7. G. Paradoxum Frey & Boll.
Die merkwĂĽrdige, von uns fiĂĽlier beschriebene Art geht
\'un Massachusetls bis 'Jexas. Boll brachte ein paar in Ă–fen
Umgebungen von Dallas Mährend des Jahres 1874 gesammelte
schöne Stücke nach Eurojta.
213
8. C. Rhombiferellum nov. spec.
Eine ausgezeichnete merkwĂĽrdige Art. Wir beschreiben
allerdings nur nach einem männlichen Exemplar. Dasselbe ist
indessen so vortrefTlich erhalten, dass die höchst charakteri-
stische Species sicher zu erkennen sein wird.
Ein ziemlich kleines, an die europäische Ct. Kollarieila
Z. flüchtig mahnendes Thierchen. Seine Grösse erinnert an
das Ausmaass der Lithoc. Hagenii Frey & Boll. Die Vorder-
flĂĽgel sind recht schmal, Costal- und Dorsalrand aber so ge-
rade, wie bei keiner Verwandten. Dazu kommt noch ein
Franz en Schwänzchen.
Fühler grau, schwärzlich geringelt; Kopf, Stirn und
RĂĽckenschild weiss; Taster weiss; der Haarbusch des Palpus
labialis weissgrau; das EndgHed des letzteren mit bräunlichen
Flecken. Beine weisshch grau, braun gefleckt, mit dunkel
geringelten Endgliedern; Leib oberwärts dunkel-, unterwärts
weissgrau.
Die Grundfarbe der VorderflĂĽgel des interessanten Thier-
chens ist ein tiefes Schwarzbraun, am Costalrande wurzel-
wärts heller, gegen den Spitzentheil hin am dunkelsten.
Auf dem Flügel — man erkennt unser Thier augenblick-
lich daran, dass der Costalrand über 2|g seiner Länge und
auch in beträchtlicher Breite, d. h. bis zur Flügelfalte schnee-
weiss bleibt — erscheinen sechs schwarze Pünktchen. Die
ĂĽbrigen Zeichnungen sind fein, zart, weiss. In einem Drittel
des Costalrandes begegnet man einem ganz schief gestellten
schmalen Strichelchen. Darauf folgt ein sehr langer gerader
Strich; er verbindet sich mitten auf dem FlĂĽgel mit einem
ähnlichen Streifen, welcher vom Dorsalrande kommt. Es ent-
s eht so eine spitzwinklige, schwarz begrenzte, ungemein
charakteristische Zeichnung. — Nach der Flügelspitze zu er-
scheinen noch drei weisse Schiefstriche. Die beiden hintersten
setzen sich ĂĽber den FlĂĽgel, grau verdunkelt und in welligem
Verlaufe, bis zum Afterwinkel fort.
Die FlĂĽgelspitze bietet ferner eine nicht minder bezeich-
nende Beschaffenheit dar. — Hier liegt (zu einem erheblichen
Theile auf die Franzen fällend), \'on weissen und schwarz
eingefassten Strichen hergestellt, eine unregelmässig recht-
eckige Figur, welche an einer kleinen Stelle nach einwärts
offen bleibt. Die Franzen sind weisslich, abgesehen A''on der
eben geschilderten rhombischen Zeichnung; das Franzen-
schwänzchen dunkelgrau; im Afterwinkel wird <lie Befranzung
dunkler.
214
Hint('illiiü,el und Fraiizon /iomlioh tief (bläulich) grau.
Die Unlcrscito der Vorderlliigel bietet ein Grau dar; ein
helleres Franzendreieek unter dem Sehwän/chen der Flügel-
spitze.
Erzogen in Dallaf< auf^ unbeobachteter Larve am 2. Juli 1874.
Cosmopteryx.
0. C. Clemensella Sta.
Mein Londoner Freund (in der erwähnten Wiederheraus-
gahe der Arbeiten des verdienten amerikanischen Mikrole-
pidoi)terologen, S. 100) hat diese Art aufgestellt. Boll brachte
sie in einigen Exemplaren nach Europa herĂĽber. Eines blieb
in ZĂĽrich. Es wurde am 15. Mai 1874 bei Dallas gefangen.
10. C. Gemmiferella Br.-Cl.
Clemens gab eine genĂĽgende Beschreibung dieser Art.
Eine bessere zu liefern, erlaubt unser knappes Material nicht.
Indessen wir haben erzogene Exemplare dieser reizenden
Art, welcher an eleganter Schönheit keine Europäerin gleich-
kommt. Ihre nächste Verwandle ist C. Scribai'ella Hejden.
Die Naturgeschichte dei- letzteren entdeckten Boll & Fre}' im
Herbste 1876 bei Bremgarten. Die Larve minirt die Blätter
von Arundo phragmites, und verpuppt sich innerhalb der Mine.
Die Amerikanerin minirt im April und Juli Zizania
miliacea. So reiht sich eines an das andere, das europäische
oft frĂĽher erworbene Material an das meist neuere amerika-
nische, was wir Herrn Chambers zu seiner weiteren, sehr
nöthigen entomologischen Ausbildung dringend an das Herz
legen möchten.
Chrysocorys.
11. Ch. Erythriella Br.-Cl. (?)
Wir glauben, ein Texaner Exemi)lar, vollkommen rein
und unversehrt, mit der Art des Amerikaners (p. 132) ver-
einigen zu dĂĽrfen. Indessen wir geben eine kurze Beschrei-
bung des vortreiriich erhaltenen einzigen Exemplares.
Klein, elAva in dem Ausmaass der Lithoc. Roboris Z.
Die Grundiarbe is( ein tiefes Braun. In unseren- deutschen
Bezeichnung wĂĽrde man es am besten ein dunkles Leberbraun
nennen. Stirne heller'; Taster in den untern Partieen gelblich
215
braun, ihr Endglied dunkler. Alle? glänzt schwach metallifsch.
Auch die Färbung der Flügel ist eine ähnliche.
Wir wĂĽrden unbedenklich vereinigt haben, wenn nicht
der Entdecker Vorder- und Hinterflügel „reddish fuscous" ge-
nannt und die Grösse, wie immer, anzugeben vergessen hätte.
Stainton bezeichnet das Ding als ,.Clo8ely allied to our C.
Festaliella'^ . Aus letzterem Beisatz ist nichts, weder pro noch
contra, zu entnehmen.
Von Dallas.
Elachista.
Minen in Gräsern hatte der Eine von uns (Boll) bald in
Amerika angetroffen. '"') Wir geben die Beschreibung zweier
Species, wo wenigstens die eine sicher hierher zählt, während
die andere, in abweichendem Gepräge, einer genaueren Unter-
suchung bedĂĽrfte, welche wir aus Mangel an Material bisher
noch nicht vornehmen konnten.
12. E. Pusilla nov. spec.
Ein schwärzliches Thierchen, von äusserster", wir möchten
sagen charakteristischer Kleinheit, und am meisten an E.
Exactella H.-S. erinnernd.
Ausmaass eines kleinsten Exemplares der eben genannten
europäischen Art, aber plumper und breitflügliger gebaut.
Kopf dunkel schwarzgrau; Stirne heller, bleigrau und
erzartig erglänzend gleich den ähnlich gefärbten Palpen; Beine
hell, weisslieh grau; die Tibien und Tarsen des Metathoracal-
beinpaares schwärzlich gefleckt und geringelt.
Brust, Leib und VorderflĂĽgel von der dunklen schwarz-
grauen Grundfärbung; das Abdomen im Uebrigen unterwärts
heller.
Gedenken wir also des vorderen FlĂĽgelpaares. Hier steht
in drei Siebenteln der Flügellänge ein aus zwei (mit nach
hinten gerichteter Convexität geformtes) doppelt halbmond-
förmiges weisses Querband. In drei Viertheilen der Flügel-
länge erhalten wir eine abermalige ganz gleiche, aber nur
massig breite Querbinde. Gegen die FlĂĽgelspitze hin sind
dunklere schwarze SchĂĽppchen zu einem verloschenen Fleck
zusammengedrängt. Franzen dunkelgrau; auch an der Spitze
nicht merklich anders.
*) Wir liabeii drei minirte Grashahne aus Dallas, gesammelt im
P'ebruar und Juni 1874. Eines der Gräser ist Panicum scoparium;
die anderen kennen wir zur Zeit nicht.
'216
Die lliiilcifliiücl und ihre Franken zcipjon das j;ewöhnlioliP
Griui einopiii.scher diiiiklci-cr Elachisten.
Eine nahe Veruandtsclial'f mit einer unserer Arten ver-
moehten wir nicht zu erkennen.
13. E. Texaniea nov. spee.
Wir sehiJdern hier ein zweites, ähnlieh kleines 'J'hierehen,
dessen generisehe Rechte freilich einer genaueren Untersuchung
bedĂĽrfen. Indessen wir wollten keines der beiden trefflich
erhaltenen StĂĽcke zu einer Erforschung des Aderverlaufes
oj)fern. '')
Unsere Art isl ein ])lumpes kleines Geschöj)f mit einge-
zogenem Kopfe, aber sonst, auch in der Beschatfenheit der
Taster, eine Elachiste. Ihre Farbe ist ein dunkles glanzloses
Braun.
Kopf, Brust und Leib zeigen die ebengenannte Farbe.
Stirne und Taster ergeben sich heller und glänzender grau.
Die FĂĽhler grau, eine dunklere Ringelung zeigend. Beine dun-
kel glänzend graubraun, weiss gefleckt und in den Tarsen
weiss geringelt.
Die VorderHügel — und darin liegt etwas sehr Bezeich-
nendes — besitzen bei der schon erwähnten Grundfarbe, welche
hier und da durch einzelne lichtere gelbe SchĂĽppchen auf-
gehellt wird, eine ganz eigenthĂĽmliche Zeichnung, so dass
man an eine Gelechie erimiert werden könnte.
An der Wurzelpartie des Dorsalrandes bemerkt man einen
plan-convexen Oi-angefleck. Ein zweiter, gross und verloschen,
nimmt den Spitzentheil des FlĂĽgels ein. Seine Wurzel beginnt
am Costalraude schon bei einem Drittheil der Flügellänge.
Franzen hellgrau, um die Spitze mit doppelter dunkler Linie.
Ilinterflügel und Franzen bräunlich grau, nicht besonders
dunkel.
Zwei Exemi)lare im Jahre 1871 bei Dallas gefangen.
Opostega.
14. 0. Accessoriella nov. spec. ? O. Albooaleriella
Br.-Cl.
Das Thierchen kommt der europäischen 0. Aurilella Hbn.
äusserst nahe, bleibt aber etwas kleiner, kurzHügliger und im
*; FĂĽr llcrni Cliiuiibors Lomcrkeii wir, dass auch fĂĽi- mis ein
Flügel.tjeäder existirt. mid dass der oiiio der ■N'erl'asser ein Mikm-
skopiker von auch in Amerika bekanntem Namen ist, welcher die. Unter-
suchung des FlĂĽgelgeiiders als ein Kinderspiel in technischer Hinsicht
betrachtet und manchem Derartige aucli schon Iriihcr veröil'entlicht hat.
217
hinteren Fliigelpaare heller. Die Beschreibung, welche Bracken-
ridge-Clemens gab, ist leider wieder einmal zu kurz, um eine
sichere Entscheidung zu gestatten.
0. Accessoriella hat denselben braunen Dorsalfleck wie
die europäische Species; er zieht sich aber in den Flügel mehr
zugespitzt aus. — Da Clemens dieses Fleckes mit keinem
Worte Erwähnung thut, glauben wir an eine besondere Art. —
Die Zeichnung der FlUgelspitze erinnert an 0. Crepusculella Z.
Wir treflen hier ein sehr kleines schwarzes PĂĽnktchen; vor
ihm zieht ĂĽber die Franzenwurzel eine ganz eigenthĂĽmlich
gebogene braune Querlinie, welche allmählich in den Hinter-
rand ausläuft, und hier in den Spitzen der weissen Franzen
verschwindet. Nach einwärts bemerkt man noch eine stumpf-
winklige braune Linie. Das Mikroskop zeigt ĂĽber die FlĂĽgel-
fläche zerstreute gelbliche Schüj)pchen.
HinterflĂĽgel und Franzen bieten nichts Aullallendes.
In einigen wenigen StĂĽcken von Dallas.
Phyllocnistis.
15. Ph. Insignis nov. spec.
Wir glauben ĂĽber die generisehe Stehung des reizenden
Thierchens uns nicht zu täuschen. Es wurde am 10. Juni 1874
aus 7 Tage vorher gefundenen Minen an den Wurzelblättern
einer Senecio-Art erzogen. Letztere wuchs an beschatteten
Waldstellen bei Dallas. Die Mine ist der bekannte Phyllocnistis-
Gang, Avie wir ihn an Pappeln und Weiden in Europa trefVen.
Er durchläuft stark geschlängelt die Oberfläche des kleinen
Blattes. Nach aufwärts entwickelte sich schliesshch auch das
PĂĽppchen.
Fühler defect; Kopf und Brust glänzend silbergrau, ähn-
lich wie bei der europäischen Cemiostoma Scitella Z., welche
letztere freihch neben dem schnialflĂĽgligen winzigen Thierchen
(Grösse einer C. Lustratella von Heyd.) allerdings gross, plump
und kräftig erscheint.
Auch die VorderflĂĽgel unserer Ph. Insignis besitzen das
gleiche metallisch erglänzende Silbergrau der Wurzelhälfte,
während dei- interessante Spitzentheil ein Orangeroth darbietet.
Die Zeichnung ei'scheint im Uebrigen ziemlich verwickelt.
Vom Dorstilrande zui- Costa ist über die Wurzelhälfte
der VorderflĂĽgel eine silbergraue, gegen den Vorderrand con-
vex gekrĂĽmmte graue Stelle vorhanden. Den Afterwinkel
nimmt ein ansehnliches silbergraues Dreick ein. Die orange-
farbene Zeichnung beginnt am Costalrand der FlĂĽgelwurzel
als ein schmaler bogenartiger Streifen; er entfernt sich all-
mählich mehr und mehr vom Costalrande, an welchem alsdann
die silhergrauc Grundfarbe zu erscheinen beginnt. Vor der
iialben Flügellänge ist unser orangefarbener Streifen dreieckig
verbreitert; er hat sich hierbei so weit vom Costalrande ent-
fernt, dass seine Basis an den Innenrand des silbergrauen
Dreiecks angelagert erscheint. Ueber die Spitze des letzteren
Di-ciecks setzt sich das Orange noch als grosser unregelmäs-
siger Fleck in die Flügelspitze fort. Vor der Hälfte zeigt der
Costalrand ein schief gestelltes, silberweiss glänzendes Häkchen.
Dann wird er weiss, von fĂĽnf schwarzen Schuppenstrichen
durchzogen. Auch die ĂĽbrigen Franzen bleiben weissgrau.
Unter der FlĂĽgelspitze bemerken wir endlich einen ansehnlichen
schwarzen Pimkt. Vor ihm entspringen unter einem Winkel
von etwa 30^ ausstrahlend zwei kleine schwarzbraune Franzen-
linien.
HinterflĂĽgel und Franzen massig hellgrau, im Farbenton
des vorderen FlĂĽgelpaares.
Bncculatrix.
Ort. B. Angustata nov. spec.
Aus der Verwandtschaft der europäischen B. Ratisbonen-
sis Sta., auffallend schmal HĂĽglig , dabei ein sehr hĂĽbsches
Thierchen.
Kopf bräunlich weiss, der Stirnbusch mit braunem Mittel-
strahle, Fühler bräunlich weiss, Augendeckel hellgrau, Thorax
lederbraun; Leib oberwärts dunkelgrau; Beine bräurdich grau.
Als Grundfarbe der VorderflĂĽgel kann man ein Leder-
braun ansehen. Der Costalrand ist etwas verdunkelt. Vor
der Falte zieht ein gerader schmaler weisser Streif, welcher
drei FĂĽnftheile der FlĂĽgellinie einnimmt, und gegen das Ende
hin dunkelbi-aune Beschuppung darbietet. Am Costalrand er-
kennt man zwei schmale Schiefstriche. Der erste, welcher
ganz schi-äge nach hinten verläuft, steht bei der Hälfte, der
zweite, viel weniger schief gerichtete, bei zwei Dritteln der
Flügellänge. An seinem Ende im Flügelfelde gewahrt man
ein schwarzes l'ĂĽuktchcn. In der FIĂĽgelsi)itze zeigt sich noch
ein weisser Coslalslrahl, welchem ein zweiter ähnlicher vom
Afterwinkel aus cMtgogenkoniml. Die FlĂĽgelspitze besitzt end-
lich noch ein schwarzes PĂĽnktchen. Franzen hellbraun, um
die Spitze mit dunkler Wurzellinie. Hinter dem Afterwinkel
ein schiefer verflossener heller Franzenstrahl.
219
HinterflĂĽgel und Franzen braungran, an der Fliigelspitzc
mit weisslichen Endtheilen.
Das Thierchen wurde 1874 zu Dallas nicht selten Nachts
am erleuchteten Fenster gefangen, namentlich im JuH und
August, überhaupt mit ungewöhnlich langer Flugzeit. Es lebt
sicherlich an einer niederen Pflanze, möglicherweise an einer
Ambrosia.
17. Ăź. Rileyi iiov. spec.
Eine prächtige, höchst charakteristische Art, keiner be-
kannten Europäerin aus unserem Genus näher A'erwandt.
Stirnschopf' weissgrau, mit bi-aunen medialen Haaren;
Stirne in der Mitte weisslich. FĂĽhler braun mit hellerem Augen-
deckel; Hinterleib tief dunkelgrau mit bräunlicher Afterspitze;
Beine bräunhch grau, Fussglieder dunkler geringelt.
Die Grundfarbe von Brust und VorderflĂĽgeln erscheint
fĂĽr das unbewaffnete Auge kaffeebraun, d. h. genau in jenem
Farbenton, welchen ein starker Kaffeeaufguss beim Zusatz
von etwa einem Drittheil Milch annimmt. Das Mikroskop zeigt
jedoch ĂĽber den FlĂĽgel einen Wechsel weisslicher, hellbrauner
und dunkelbrauner SchĂĽppchen. Die Zeichnungen jenes beste-
hen in Folgendem: Der Costalrand ist dunkelbraun im ersten
Wurzeldrittel; die FlĂĽgelfalte eine kurze Strecke weisslich,
nach dem Innenrande hin angelagerte schwarze SchĂĽppchen
zeigend. Eine kleine schwarze Stelle besitzt der Dorsalrand
nahe an der Wurzel. Ferner, etwas hinter halber FlĂĽgel-
länge, zeigt jener einen schwarzen bogenartigen Fleck, dessen
Convexität nach der Costa hin weisse Schüppchen führt. Die
FlĂĽgelspitze verdunkelt sich wieder. Man kann hier in drei
Fünftheilen der Flügellänge ein schief gestelltes schmales helles
Costalhäkchen erkennen; doch ist es sehr verloschen. In der
FlĂĽgelspitze ein schwarzes PĂĽnktchen, vor welchem ein weis-
ser Schiefstrich nach dem Afterwinkel hin zieht. Franzen
hell kaffeebraun, in der Flügelspitze schwärzlich umzogen.
HinterflĂĽgel massig grau; ihre Franzen etwas heller,
bräunlich.
Das einzige Exemplar, ein trefHich conservirtes Männ-
chen, ist zu Dallas am Abend des B.November 1874 gefangen
worden. Seine bezeichnende Beschaffenheit muss diese Be-
sehreibung entschuldigen.
Tischeria.
18. T. Zellerella Frey & Bofl.
Auch von Dallas durch Zucht ei-halten.
220
10. T. QueroitollH Rr.-Cl.
Eliciifalls aus Texas.
20. T. Aenea Frey & Boll.
Von Dallas. Die Raupe in Rubus-Arten dort minirend.
Die drei Species sind also in der Union weit verbreitet;
sie gehen von Massaehusetts bis Texas — und wohl noch weiter.
21. T. Noickenii.
Wir kennen in Europa bekanntlich Tischerien, welche in
Sträiichern und niederen Pflan/,en leben. Der eine der beiden
Verfasser (Boll) traf in Texas an Ambrosia-Arten minirte
Blätter, wo die Raupenwolniung neben der Mittel rippe angelegt
war. Die Verpuppung des wohl nicht seltenen, auch im
Freien dort gelungenen Insekts erfolgte innerhalb der Mine.
In der Grösse der europäischen T. Dodonaea Heyden,
aber zarter, sowie weniger breitflĂĽglig.
Die Crrundfarbe von Kopf, Brust und VorderflĂĽgeln ist
ein unreines Gflb, eine Mittelfarbe zwischen Schwefel- und
Ockergelb.
Fühler gelbbräunlich, dunkler braun geringelt; der Haar-
schopf blass schwefelgelb, nach aussen einige schwarzbraune
Härchen darbietend; Leib oberhalb grau, gegen die After-
spitze hin gelblich werdend; Beine nach aufwärts hellgrau;
die Tarsen verloschen dunkler gefleckt. Die ganze untere
Seite (um sie gleich abzufertigen) gelbgrau, die VorderflUgel
hier am dunkelsten.
Wenden uns zur Oberfläche des vorderen Flügelpaares
zurück, so erscheint diese höchst bezeichnend, namentlich bei
mikroskopischer Untersuchung. Man sieht schwefelgelbe und
hellere blassere SchĂĽppchen miteinander abwechseln; dazu
kommen als drittes Element vereinzelte braime Schuppen.
Sie nehmen, von der Wurzel an, den Costal- und Dorsalrand
bis zu zwei Dritltheilen der Flügellänge ein, und ergeben
sich zweimal durch rpier- und schief verlaufende gleichfarbige
Schu])peuzĂĽge verbunden. Vereinzelte braune SchĂĽppchen treten
dann gegen den Hinterrand auf. Franzen des VorderflĂĽgels
von der gelben (Truiidfarbe.
Hinteres FlĂĽgel})aar snmmt seinen Franzen hellgrau. *)
*) Nähurc Aiitiiiln-u über ],ob»Mis\vfiso. Flugzeit eto. Iiat Boll mir
nicht hinterlassen.
Frey,
221
Lithocolletis.
Wir beschreiben abermals eine Reihe von Arten des
reizenden Tineen-Genus. Was in Amerilia darĂĽber geschrieben
wurde, vermochten wir nur zum geringsten Theil zu entzitlern,
— und auf Conjectural-Entomologie lassen wir uns aus guten
GrĂĽnden nicht ein.
22. L. Ambrosieeella Chamb.
Die Raupe dieser Lithocolletis lebt bei Dallas von Mitte
Juni au in einer Ambrosia spec. an schattigen Waldstellen.
Ueber die Generationen blieben wir unsicher, da Boll bis in den
October hinein Minen fand, aus welchen die zierlichen
kleiiicü Geschöpfe sich überraschend schnell entwickelten. Die
Raupenwohnung ist sehr klein und schmal, unterseitig angelegt.
Die Hjpodermis zeigt sich in Längsfalten angeordnet, so dass
man an die uns bekannte, allerdings weit ansehnlichere Mine
der L. Quinquenotella H. S. in den Blättern der Genista Sagit-
talis lebhaft erinnert wird.
Der Schmettei'ling selbst, eine sehr zarte, wunderschöne
kleinere Lithocolletis (im Ausmaasse der L. Ă–chreberella Fab.,
aber zarter, schmaltlĂĽglige]', kuiz gesagt eleganter) bietet mit
keiner europäischen Art eine nähere Verwandtschaft dar^ er
ist eine sj)eciflsch amerikanische Gestalt, allerdings der
hĂĽbschesten eine. Ihn kennzeichnet eine tiefe Safraniarbe,
jedoch mit so eigenthĂĽmlicher Nuance, dass ich keinen euro-
päischen Vergleich linden kann (Frey).
Fühler hellgrau, schwärzlich geringelt; Stirnbusch tief
safranfarbig, an den Seiten weisslichei-; Stirne glänzend silber-
grau; Taster ebenso.
Die Brust zeigt gleich den VorderllĂĽgeln eine tiefe, mas-
sig erglänzende Safranfarbe. Der Thorax bleibt im Uebrigeu
zeichnungslos. Beine silbergrau, die Fussgheder weisslich,
dunkler geringelt. Der Unterschenkel des letzten Beinpaares
mit ansehnlichem braunem Flecke versehen; Hinterleib ober-
wärts tief dunkelgrau.
Die VorderflĂĽgel unseres Thierchens besitzen eine ganz
eigenthĂĽmliche Zeichnung. Der FlĂĽgelwurzel nahe, und zwar
dorsalwärts, liegt ein unregelmässiges silberglänzendes Längs-
fleckchen, schief gestellt und ohne jegliche dunklere Rand-
begrenzung. In einem Viertheile der Flügellänge begegnen
wir dem ersten Costalhäkchen. Es ist ebenfalls unbestimmt
gebildet, aber weniger schief gestellt, und nach dem Hinter-
raude zu schwarz eingefasst. Vor der halben Flügellänge
222
erkennen wir eine vollsländige schmale silberne Querbinde,
nach der FlĂĽgelwiirzel zu eoncav, nach dem Hinlerrande hin
convex gestaltet , und hier schwarz begrenzt. Bei drei Vier-
theilen der Flügellänge erscheinen zwei Gegenhäkchen von
mehr dreieckiger (resliilt, nach hinterwärts schwarz gerandet.
Vor der Flügelspitze tritt noch ein letztes Häkchenpaar auf,
von welchem aber das dorsale sehr klein und ganz verloschen
ist. Beide stossen im Uebrigen mit den Spitzen fast zusam-
men, und nur am costalen gewahrt man eine schwarze Be-
grenzung. Franzen hell bräunlich grau. Hintei-Hügel und Franzen
massig hellgrau.
Auf der Unterseite der VorderflĂĽgel schimmern die Quer-
binde und die beiden Costalhäkchen verloschen hindurch.
23. L. Affinis nov. spec.
Der L. Consimilella Frey & Boll von Boston nahe ver-
wandt; etwas kleiner, im Ausmaasse der europäischen L. Stet-
tinensis Nie, unserer Ansicht nach aus der Gi-uppe der L.
Trist rigella Haw.
Das Colorit, welches Kopf, Brust und VorderflĂĽgel gleich-
massig darbieten, ist ein dunkles, röthliches Safran.
Stirn und Taster glänzend weiss. Beine weissgrau. Die
Fussglieder des ersten Paares mit deutlichen schwärzlichen
Bingen versehen. Das zweite Beinpaar zeigt sich schwärzlich
gefleckt, das letzte endlich ist heller, braunschwarz gezeichnet.
Der Hinterleib bietet an der Kückentläche ein dunkelgraues, an
der ventralen Seite ein weissliches Colorit dar.
Die schwach glänzenden Vorderflügel gewähren drei Quer-
binden bei einem Drittheil, bei der Hälfte und drei Viertheilen
der Länge. Sämmtliche Binden ergeben sich w^ui'zelwärts zart
und schwach schwärzlich gerandet; die erste gerade, die zweite
leicht eoncav, die dritte schwach winklig. Vor der FlĂĽgel-
spitze endlich zeigt .'^ich noch ein weisses CostallĂĽikchen ohne
jede dunklere Einfassung. Die Franzen besitzen die FlĂĽgel-
farbe.
HinterflĂĽgel massig dunkelgrau; ihre Franzen heller,
bräunlich.
Die Mine tindcl man uulerseitig im Juni in lichten Ge-
bĂĽschen an einer Lonicera mit rothen FrĂĽchten.
Unser Thiei', trotz kleinerer und zarterer Gestalt, ver-
läugnet, wenn wii- uns so ausdrücken dürfen, den Lonicera-
Ursprung nicht völlig. Ein gemässigter Darwinianer m ihde
sie von der verwandten L. Emberizaepeimella IJduclie augen-
blicklich ableiten: ein fanatischer ein solches „überflüssiges'-
, 223
BemĂĽhen von oben hevab verlachen. FĂĽr den sind natĂĽrlich
alle Lithocolletiden einerlei Descendenz! Habeat .sibi!
24. L. Solidagini^! nov. spec.
Ein zartes kleines Ding, schlank und schmal, im Aus-
maass der vorigen Art ungefähr gleichkommend, mit keiner
europäischen Species, sowie mit keinem der von Boston-Cam-
bridge herstammenden und durch uns erzogenen Thierchen
irgendwie näher verwandt: eine spezifische Nordamerikanerin,
wie wir annehmen.
Die Raupe minirt unterseitig die schmalen lanzettförmigen
Blätter einer Sohdago-Art. Die Mine ist sehr lang und schmal,
ähnlich der europäischen L. Salictella Z. an schmalblättrigen
Weiden. Sie findet sich bei Dallas im September, und die
Schabe kroch im October aus.
FĂĽhler hellgrau, dunkler geringelt, unterhalb der Spitze
mit einer fast weisslichen Stelle. Stirnbusch weisshch, mit
braunem Strahl in der Milte. Stirne bräunlich grau; Taster
ebenso; Thorax hell safranfarbig mit zwei weisslichen Längs-
striemen versehen; Hinterleib grau, Afterbusch bräunlich; die
Untertläche des Abdomen weisslich; ebenso die Beine nach
abwärts, während die Rückenseite der letzteren dunkel silber-
grau mit schwärzlich gefleckten Fussgliedern erscheint.
Es ist schwer, die hell safranfarbigen VorderflĂĽgel mit
ihren verloschenen weisslichen Zeichnungen und den zerstreu-
ten schwärzlich braunen Schüppchen zu schildern, selbst unter
dem Mikroskop.
An der FlĂĽgelwurzel, dem Innenrande sehr nahe, zeigt
sich ein kurzer, ganz feiner, verloschener, schlecht ausge-
sprochener Längsstreifen. Er besteht unter dem Mikroskop
nur aus acht bis neun SchĂĽppchen. Der Innenrand fĂĽhrt eine
zerstreute weissliche Bestäubung. In einem Drittheil der Flügel-
länge steht das erste schiefe schmale Vorderrandshäkchen.
Breiter erscheint ein zweites in halber Flügellänge. Beide sind
hinterwärts mit vereinzelten schwarzen Schüppchen eingefasst.
Unter dem zweiten costalen Häkchen bemerkt man, abermals
in schiefer Stellung und zart schwärzlich eingegrenzt, ein
schlankes Dorsalhäkchen.
Wenden wir uns zur Costa zurĂĽck, so erscheint bei zwei
Drittheilen der Flügellänge mit schwacher schwärzlicher Ein-
fassung und in mehr senkrechter Stellung das dritte Dorsal-
häkchen. Ein viertes endlich, dicht vor der Spitze, kehrt
seine Spitze nach einwärts. Nach auswärts ist es durch einen
Fleck schwarzer Schüppchen stärker verdunkelt. Als Antago-
224
nisten des dritten Costalhäkehens erkennen wir die Spur einer
/weilen (k»i\salen Marke. Die Franzeii von dei' Farbe des
Vorderlliiiiels.
Hintcrlliiücl und Fnui/eu hlas.s liellgrau mit bräunlichem
Anfluti.
2;i. L. Mode st a nov. spec.
Eine massig kleine, der L. Intermedia Frey & Boll ver-
wandle Arl, doch von geringerem Ausmanss. zarter, glanzlos
und auflallend schmalÜüglig.
Slirne weiss; Sehopf weiss mit ganz spärliehen braunen
Härchen; Fühler weisslich, ihr Öpitzentheil verloschen bräun-
lich geringelt; Beine gelblich weiss mit fast ungefleckten
Tarsen. Indessen das ersle und /weite Beinpaar /eigen das
letzte Tarsalglied verdunkelt.
Die Giundltirbe von Thorax und VordertlĂĽgeln entspricht
derjenigen eines helleren Exemplares der europäischen L.
Betulae Z. Die Brust ist im Uebrigen noch durch einen auf-
lallend breiten medialen Längsstreifen von weisslicher Färbung
markirt.
Die Zeichnungen unbestimmt und verschwommen. Man
entdeckt drei verloschene, kleine und schmale, schief gestellte
weissliche Costalhäkchen. Uni er dem dritten, in der Gegend
des Afterwinkel.s, erscheint ein entsprechendes dorsales. Zwi-
schen den Spitzen des zweiten und dritten Costalhäkehens eine
schwache schwärzliche Beschup})ung. Ein ausgedehnteres Feld
derartiger Schupj)en erscheint unter der Spitze gegen den
Afterwinkel hin.
Sehr autVallend ergiebt sich endlich der Dorsalrand. Der-
selbe ist von der Wurzel bis zu drei FĂĽnftheilen der FlĂĽgel-
länge schmal weiss cingefasst. Die Franzen der FlügeJspitze
zeigen einen hell safranfarbcnen Orundtheil und eine licht
gelblich graue Aussenpartie. Die des Afterwinkels einlarbig
gelbgrau. Eben.so die Hinterfliigel und ihre Befranzung.
Die Larve niinirt mit ilaciier Wohnung oberscitig die
Blätter von Ulmus fulva. Das vollendete Insekt wurde Ende
April zu Dallas erzogen.
2(). L. Occitauica nov. spec.
Eine ziendieli kleine und zarte, nicht besonders breite
Hüglige Art, ohne nähere europäische Verwandle. Sie bewohnt
mit ante rseit ige r, ziemlich gewölbtei- Mine abermals Ulmus fulva.
Ihr Ausmaass ist demjenigen einer kleinsten L. Roboris Z.
nleichkomniend.
•>>7
Stinie und Palpen weiss; Stirnbusch weiss mit einzelnen
bräunlichen Härchen; Fühler weisslich, verloschen gelbbräun-
lich geringelt; Beine weisslich, braun gefleckt, Tarsen braun
geringelt. Leib grau.
Der Thorax (^mit weiss gesäumten Schulterdecken) und
die Vorderllügel führen ein gesättigtes Safran nach Art unserer
L. Eniberizaepennella; sie bleiben glanzlos, und ihre Zeichnun-
gen rein weiss.
An der FlĂĽgelwurzel, in der Falte, bemerkt man ein
ganz kurzes weisses Strichelchen. Dann nach einem FĂĽnftel
der Flügellänge beginnt am Dorsalrande, und zwar hier ver-
breitert, ein nach hinterAvärts gebogener, schief laufender
(^uerstreif, welcher mit seinem zugespitzten Ende jedoch den
Costalrand nicht erreicht. In der halben Flügellänge kommt
es zu einer schmalen, schwach hufeisenförmig gebogenen voll-
ständigen Querbinde, welche nach einwärts eine zarte dunkle
Randbegrenzung darbietet. Ein drittes ähnlich geformtes Quer-
band erscheint bei drei Viertheilen des FlĂĽgelausmaasses. Jenes
verloschen, namentlich in seiner costalen Hälfte, sowie in der
Mitte durch einen Haufen brauner SchĂĽppchen verdunkelt oder
unterbrochen. In dem Spitzentheil des FlĂĽgels begegnet man noch
zerstreuten bräunlichen Schüppchen. Die Befranzung endlich er-
scheint um die FlĂĽgelspitze safrangrau, um den Afterwinkel ganz
hell gelbgrau. HinterflĂĽgel sammt ihren Franzen weisslich.
27. L. Tenuistrigata nov. spec.
Der L. Mannii verwandt, und auch in Quercus obtusifolia
(Post-oak) im Frühling, namentlich dem März gefangen in
Gemeinschaft mit L. Quercetorum.
Stirne und Stirnbusch weiss; letzterer mit bräunlichen
Haaren untermischt; FĂĽhler gelbhch weiss, sehr verloschen
bräunlich geringelt; Beine weisslich, Hintertarsen sehr ver-
loschen hellbraun geringelt.
Thorax hell safran mit weiss eingefassten Schulterdecken.
Die VorderflĂĽgel, von mittlerem Lithocolletiden-Ausmaasse,
zeigen eine helle Safranfarbe, etwa mit derjenigen einer ge-
wöhnlichen weiblichen L. Faginella Z. übereinstimmend.
Sie führen eine weisse, ziemlich gerade Längsstrieme in
der Längsfalte, vor einem Drittel der Flügellänge zugespitzt
aufhörend und ohne jegliche dunklere Schuppenbegrenzung.
Das erste Costalhäkchen schmal, sehr schief gestellt, ohne
dunklere Randeinfassung. Ein zweites Häkchen, ähnlich ge-
stellt, aber grösser, ist einwärts von schwärzUchen Schuppen
eingegrenzt. Es folgen dann spitzenwärts noch drei gekrümmte
15
2'2A
Costalliäkclien von mehr senkrechter Stellung, wobei das dritte
und vierte noch zart schwarz nach einwärts eingefasst sind,
nicht mehr aber das letzte fĂĽnfte. Dann erhalten wir ein
erstes grosses Dorsalhäkclien in ganz schiefer Stellung, so
dass es mit seiner nach einwärts schwärzlich umzogenen Spitze
die Spitze des zweiten Costalhäkchens fast berührt. Ein zwei-
tes Dorsalhäkchen steht dicht vor dem Afterwinkel als ein
gleichschenkliges Dreieck mit verbreiterter Basis; das letzte
erscheint ĂĽber dem After winkel; es ist schmal, ohne jede
dunklere Begrenzung. Franzen weisslich, um die Spitze mit
dunklerer feiner Basallinie.
HinterHĂĽgel und ihre Franzen so hell, dass sie den Namen
weisslich verdienen.
Die Mine ist unterseitig, kurz, am Ăźlattrande. Sie erin-
nert an diejenige unserer europäischen L. Heegeriella Z. der
Eiche.
28. L. l'uijiUifoliella nov. .spee.
Ein kleines Thierchen, höchst bezeichnend und vom Aus-
maasse der L. Heegeriella. Zart und schmalflĂĽglig, mit keiner
europäischen Art verwandt. Ein ganz reines Exemplar (rj),
gefangen Mitte April 1874 zu Dallas, liegt unserer Beschrei-
bung zu Grunde.
Stirne und Taster hell und glänzend weiss; Schopf weiss
mit reichlichen biaunen Härchen in der Mitte; Fühler weiss-
lich, mit bräunlicher Kingelung. Thorax hell safranfarbig mit
weissen Sciiulterdecken und, wie es scheint, einer medialen
weissen Längslinie; '"') Leib hellgrau; Afterbusch gelblich weiss;
Beine weisslich, braun gefleckt.
Die VorderflĂĽgel haben ein mattes glanzloses Safran-
Colorit und zeigen eine schmale, leicht gebogene weisse Basal-
strieme ohne dunklere Einfassung. Letztere endigt schon nach
einem Drittel der FlUgellänge mit leichter, ganz stumpfwinkli-
ger Biegung.
In der Spilzenhäll'te des Vorderflügels gewahren wir fer-
ner zersi reute weissliche und schwärzliche Schüppchen; ebenso
in halber Länge des Flügels die Andeutung einer weissen,
schmalen, spitzwinkligen Binde, welche nach einwärts von
zerstreuten bräunlichen Schüppchen eingegrenzt wird.
Vor der FlĂĽgclspitze zeigt sich noch ein weisser schiefer
Strahl. Unter jener Spitze sammeln sich zum Häufchen
â– ') Hier bohitzl iiuyer Oiigiiial oiueii klehien Mangel.
Frey.
•il7
schwai'ze SchĂĽ|jpcheu an. Andere lialten den Dorsahand ein.
Franzen ĂĽber der FlĂĽgelspitze n)att safran; liier mit einzelnen
dunkleren SchĂĽppchen belegt; gegen lien Afte^\^'inkel hin hell
gelbgrau.
Hintertliigei und Franzen hell gelbgrau.
•?<). L. Desmndiella Hr.-Ci.
Ausserordentlich klein (etwa im Ausniaa.-^se dei' Nept.
Ijratiosella .Sta.) und nicht minder prächtig. Sehr leiclii keimt-
iich an den Kchinalen VorderllĂĽgeln, deren Costalraad nach
mehr als zwei Drittheilen der Flügellänge eine concave Ein-
buchtung zeigt, so dass der Spitzeutheil vorspringt. Es isi
dieses ein Flügelschnitl , ganz unerhört bei unseren europäischen
Lithocolletiden.
Kopf dunkel eizgläuzead mit lebhail violettem Schimmer;
Stirn tnid Taster eisengrau, „graphitartig'" : die Fühler schwarz-
braun mii weisser Spitze: Beine grau; d^s letzte Paar mit
weissen Dornen; Hinierleib dunkelgrau.
Die Farbe von Thorax und Vorderllügeln ist ein präeh-
tiges, tiefes dunkles Safi-anbraun. bei manchen Beleuchtungen
röthlich schimmernd. Die Zeichnungen sind ein in hoheiu
Grade leuchtendes violett tingirles Silber. Eine gerade Binde
bei einem Yiertheil der Länge, eine zweite ähidiehe in der
Hälfte, dann in drei Viertheilen zwei derartige Gegen lleckchen.
In der Flügelspitze, welche durch die in ihrer Wurzelhälfte
schwarzen Franzen ungemein A'erdunkelt ist. liegen ni^ch einige
SilberschĂĽppehen als zwei kleine Ansiinimlungen. Franzen-
••spitzen hier weiss. Am Afterwinkel ^^■il•d die Befranzung grau.
HinterilĂĽgel und Franzen dunkelgntu.
Von BoU wurde das wunderschöne Thierchen bei Dallas
mehrfach erzogen. Nach Brackenridge-Clemens lebt das liäup-
chen im Juli und zu Beginn des Augustes in dem Blatte von
Desmodium viridillorum. Von Dallas, häulia.
;5(l. L. llnbiniclla Br.-Ol.
Ein Exemplar des riiierchens aus Texas. [Joch köiuntc
('S auch L. Texanella Z. sein. Leider, da Boll das Exemplar
mitnahm, kann ich die Frage nicht imjhr (Uitscheideii. Im
Uebrigen lernte ich durch Zeller's GĂĽte Jene Robiniella, eine
ehrliche Lithocollelis, in zwei Burgess'schen Exemplaren, .-ichon
frĂĽher kennen.
15*
228
Nepticula.
31. N. Dallasiana uov. spec.
In der Grösse einer grösseren N. Prunetorum Sta. Fühler
schwarz mit weisser Spitze, Stirnsehopf orangegelb, Aiigen-
deckel gelblieh; Thorax glänzend schwarzbraun mit einigen
melallischen Schüppchen^ Hinterleib oberwärts schwarzgrau,
nach unten heller; Beine dunkelgrau; die Aussentheile der
letzteren hellei-, bleiartig erglänzend. Die Vorderflügel zeigen
das Colorit der europäischen N. Aurella Haw., und besitzen
nach drei FünTlheilen ihrer Länge eine ziemlich breite, gerade,
blassgoldene Querbinde. Die FiĂĽgelspitze ist dunkel violett-
braun. Hier liegen einzelne zerstreute goldglänzende Schüpp-
chen, welche der viel grösseren europäischen Aurella mangeln.
Franzen dunkelgrau.
Heller grau fallen die HinterflĂĽgel mit ihrer Befran-
zung aus.
Die Mine ist ein kleiner Schlangengang, welcher am
Blattrande einer kleinen Rubus-Art hinzieht. Die Kothlinie
massig breit; doch an beiden Seiten hell begrenzt. Ausgangs-
öflnung etwa von doppelter Breite. Räupchen gelbgrünlich.
Die Entwicklung erfolgte am 23. März 1874-
Von Dallas in einem Exemplare.
229
Synonymische Miscellaneen,
von
Dr. E. Suffrian.
XLn.
Bei ausgedehnteren entomoldgischen Arbeiten, welche
meist ein aussereuropäisches Material behandeln, und für
welche dieses durch BeihĂĽlfe befreundeter Fachgenossen zu-
sammengebracht werden muss, lassen sich IrrthĂĽmer und
Missverständnisse besonders bei Angabe der Heimat in manchen
Fällen gar nicht vermeiden. Und wenn schon Männer der
Wissenschaft von Linne und Fabricius herab bis auf Schön-
herr und Sturm diesem Missgeschicke nicht haben entgehen
können, so dürfen wir Jüngeren uns nicht darüber beklagen,
wenn wir manchmal einem gleichen Schicksal anheimfallen.
Aber nicht immer lassen sich solche IrrthĂĽmer so leicht be-
richtigen, wie es mir mit dem angeblich südfranzösischen, in
der That aber dem nördlichen Gebiete der nordamerikanischen
Freistaaten angehörigen Crypt. 4signatus Dej. (E. Z. 1868,
S. 170), und mit dem vermeintlich brasilianischen, in der That
aber auf der Insel Madagascar lebenden Crypt. praeustus
(Linn. Bd. XVI., S. 18) geglĂĽckt ist.
In manchen Fällen wird man auch bei augenscheinlich
irrigen Angaben an deren Stelle nur Vermuthungen setzen
können, deren WahrscheinUchkeit zu beurtheilen dem subjec-
tiven Belieben des Lesers anheimgestellt bleibt. Ich habe mir
aus meinen früheren Publicationen einige Fälle der Art notirt,
welche ich hier mittheile.
1. Monachus peregrinus m. aus Nord-Sibirien ist voil
mir aus Graf Mannerheim's Sammlung in der Linnaea, Bd. VII,
als asiatischer Käfer (von Jakutzk) angeführt und beschrieben
worden. Der Käfer hat sich aber nirgends wieder auffinden
lassen. Weder in Nordasien, noch in den gegenĂĽber liegenden
Landschaften des westlichen Nordamerika (dem Faunengebietc"
zwischen dem Felsengebirge und dem Ost-Ocean) kommt
irgend eine Monachus- Art vor, und es liegt daher die Ver-
muthung nahe, dass durch eine Verwechslung hier ein frem-
des Element sich in die Mannerheim'sche Sammlung verloren
habe. - Am meisten gleicht der Käfer nach seiner Grösse und
Färbung dem brasilianischen IM. hicolor Fabr.. den ich auf-
Fabricins" cianci' Sammlung kenne und verglichen habe, und
ich veirnutlH'. dass (-in Exemplar dieser Art mit irriger Vater-
landt^be/eichnung in Graf MannerheimV Sammlung gerieth.
Auch C'hapuis in den (lenera 8. 175 hält dat- Vorkommen
eines Mctnachus in Nordasien fĂĽr zweifelhaft.
'2. Cry ptucephalus sanguinolentus Oliv, aus Guinea
ist von mir in der Liniraea X. als asiatischer Käfer aufgeführt
und beschrieben worden nach eineu) ostiiidischen StĂĽcke im
Berliner Museum, welches so noch vom Grafen Hoffmanns-
egg benannt w^n-den war; ich setzte dabei voraus, dass sich
der Käfer von West-Afrika aus bis nach Ostindien verbreiten
könnte, wesshalb ich ihn in der Linnaea XI. auch noch als
afrikanischen Käfer aufgeführt habe. Jetzt aber halle ich diese
Ansicht und die darauf bezĂĽgliche Note S. 115 fĂĽr irrig, und
die Form des afrikanischen Cr. Lowii mit fast schwarzen
Deckschilden für den echten Olivierschen Käfer, zumal ich
in der Sammlung des verstorbenen Achille Deyrolle ihn unter
diesem Namen vorgefunden habe, und daraus auf eine Pariser
Tradition folgern kann, aus welcher auf die Richtigkeit dieser
Benennung zu schliessen ist. Aus dem Verzeichniss der afri-
kanischen Käfer ist daher der Crypt. Lowii wegzustreichen
und dieser Name in Crypt. sanguinolentus Olivier umzuändern;
mein bisheriger oslindischer Crypt. sanguinolentus muss aber
einen neuen Namen ei-halten; in meiner Sammlung habe ich
ihn als Crypt. lugens bezeichnet. Im Museum Deyrolle fand
ich^ von ihm auch eine Form mit ganz schwarzen Deckschilden.
3. Crypt. Biliar dierii, welchen Fabricius von La Bil-
lardiere selbst erhalten und Olivier aus Bs. Sammlung beschrie-
ben und abgebildet hat, wird von beiden ĂĽbereinstimmend als
australischer Käfer aufgeführt, vi>n Fabricius speciell als in
Neu-SĂĽd-Waics einheimisch. Beide haben diese vVngabe gewiss
von B. selbst erhalten, und ich habe sie desshalb auch in
meiner Aibeit ĂĽber die Australischen Crypt. in der Linnaea XUI.
mit aufg-enommen; aber die Cryptocephalus-Form, w-elcher diese
Art angelwirt. isl jenem Erdtheil durchaus fremd, auch ist der
Käfer in den zahlreichen australischen Insectensendungen der
letzten Jahrzehnte, welche grossentheils duix-h meine Hände
gegangen sind, nie wieder, soviel ich weiss, zum Vorschein
gekommen. Wahrscheinlich ist durch eine Verwechslung La
Billardiere"s die an verschiedenen Orten seiner Reisen ge-
machte Ausheute theilweise vermengt wcu-den, und dadurch
diese sonst nur auf den Sunda-Inseln lebende Art unter seine
australischen lnse<'ten gerathen.
231
Weitere Beiträge zur Gescliiclite der
Phylloxera.
Unsere neuem Beobachtungen ĂĽber clie Biologie der Gat-
tung Phylloxera bringen uns auf so sonderbare SchlĂĽsse, dass
wir sie den Lesern der Stett. Zeitung sogleich mittheilen
wollen, damit die deutschen Entomologen zugleich mit den
Franzosen unsere Ideen vertheidigen oder bekämpfen können.
"Wir haben die Ei eben -Phylloxera (Quercus, cocci-
nea, corticalis) als Blattläuse wandernd von einer Eichenart
zur andern dargestellt, und fanden in ihrer Biologie die Stamm-
mutter, dann geflügelte parthenogenetische Töchter, darauf
ungeflügelte parthenogenetische Töchter, und wiederum geflü-
gelte Androphoren und Gynaecophoren mit sexuirten Puppen —
alsdann Männchen und Weibchen, die sich begatteten und das
grosse Winter-Ei hinterliessen. Vergl. Jahrg. 1875, S. 358.
Das wäre die Biologie der Gattung Phylloxera oder Eichen-
Blattlaus (Vaccuna Hey den). — Es fehlen uns deutsche
Beobachtungen ĂĽber die LebensAveise dieser sonderbaren Thiere.
Ziemlich verschieden scheint die Geschichte der Reblaus
zu sein, und wir möchten gern eine neue Gattung daraus
bilden, und zwar „Rhizaphis", wie sie Planchon zuerst
nannte.
Die zwei runden Narben an den Fühlhörnern, während
Phylloxera eine runde und eine längliche Narbe darbietet,
könnten einstweilen als Trennungs-Charakter gelten.
Biologie ganz verschieden — die Stammmutter existirt auch,
aber parthenogenetische geflĂĽgelte Thiere sind nicht vor-
handen, dagegen ungeflügelte unterirdische Läuse, die sich
ewig fortpflanzen können, wenn ihnen Wärme und Nahrung
nicht fehlt. Aber diese unterirdische ewige Colonie kann auch
wie eine Pflanze blĂĽhen. Die Nymphe ist die Blumenknospe,
das geflĂĽgelte Thier ist die Blume selbst.
Es ist nicht wie die gewöhnlichen Insecten mit, männlichen
oder weibhchen Geschlechtsorganen versehen, aber es enthält,
wie eine wahre Blume, eine Samenkapsel in der Form einer
grossen weiblichen Puppe, und dabei eine oder zwei kleinere
männliche Puppen, die die Staul)fäden der Blume ersetzen
sollen in dem Befruchtungs-Akt.
'232
Man hat diese eiförmigen Körper, die ich Puppe nenne,
Eier nennen wollen. Wer hat aber je Eier gesehen, die unter
einander nicht gleich sind? und die weibliche Pup})e ist um
^4 grösser als die männliche. Es sind mehrere Puppen, und
diese Verschiedenheit in der Grösse z,eigt sich sehr oft in allen
Insecten-Ordnungen.
Nach der Begattung legt das Weibchen ein einziges grosses
Ei und das ist das wahre Ei. Es giebt nur eins in jedem
Insecten-Leben. — Die kleineren parthenogenetisclien Sommer-
Eier sind Zwiebeln oder Knollen und sind dem ächten Eie
was die KartofTeln zu den Kartoffel-Samen sind.
Es ist zwar nicht sehr erfreulich fĂĽr unsere Weinbauer,
es scheint mir aber, dass die unterirdischen Legionen der
Rebläuse unsterblich sind und sich beständig fortpflanzen wer-
den, da wo der Winter sie nicht ganz und gar vertilgen wird.
Bei uns (in MontpeUier) schlafen sie bloss sanft während
4 oder 5 Monate, erwachen aber sobald die Witterung wär-
mer wird, und sind nach einer Häutung wieder ebenso frisch
und munter wie im vorigen Jahre und legen eben so viele
])ai'thenogenetische Eier im August als im April.
Es ist wahrhaftig sehr traurig, es scheint mir aber so zu
sein. Uebrigens wissen wir, dass in den Aphiden eine mehr-
jährige parthenogenetische Fortpflanzung stattfinden kann. —
Dasselbe gilt fĂĽr die Reblaus.
Paris, Anfang März 1876.
J. Lichtenstein.
233
Beschreibung einer neuen Enneamera
(Chrysomelidae, Sect. Halticinae),
von
E. V. Harold.
Unter einer Anzahl Chrysomeliden aus Suinatra, die mii'
Herr C. A. Dohrn kĂĽrzlich zur Ansicht mittheilte, hat sich
auch eine neue Art der Gattung Enneamera (Nonarthra "'•')
Baly) vorgefunden. Bekanntlieh ist dieses Genus durch die
9-gliedrigen Fühler höchst ausgezeichnet, während alle übrigen
lialticinen ein 1 1 -gliedriges FĂĽhlhorn besitzen, mit alleiniger
Ausnahme von Psylliodes, wo sich nur 10 Glieder linden.
Es ist mein Zweck, durch die Beschreibung der gegenwärtigen
Art die Aufmerksamkeit auf diese scheinbar unansehnlichen,
durch den FĂĽhlerbau aber auch noch anderweitig aberranten
Thiere hinzulenken, von denen sich wahrscheinlich in den
Sammlungen noch mehrere unbeschriebene Species betinden
mögen.
Enneamera sumatrensis (n. sp.).
Late ovalis, leviter convexa, nitida, eoeruleo-nigra, cljtris
vage punctulatis violaceo-nigris , subtus cum pedibus nigra,
antennis nigris, articulis tribus basalibus testaceis, reliquis
sensim valde dilatatis et depressis. — Long. 41/3 mill.
Von etwas breit eiförmiger Gestalt, nur massig gewölbt,
glänzend, schwarz, Kopf und Halsschild mit starkem bräunlich-
grĂĽnen, die FlĂĽgeldecken mit schwachem violetten Scheine.
Der Kopf glatt, der Raum zwischen den FĂĽhlern nicht gekielt,
auch fehlen oberhalb desselben die gewöhnlichen Scheitel-
beulchen, dagegen finden sich hier drei schwache EindrĂĽcke :
ein länglicher in der Mitte, und jederseits daneben, gerade
oberhalb der Fühlerwurzel, ein punktförmiger. Das Halsschild
sehr klein und kurz, nach vorn verschmälert, glatt, der Hin-
terrand bogig gerundet. Die FlĂĽgeldecken an der Basis be-
trächtlich breiter als das Halsschild, die Schulterbeulen massig
*) Den Baly'schen Gattungsnamen Nonarthra habe ich Col.
Ilel't XIII. p. 185 abgeändert, da er ala vox hybrida nnziüässig ist.
234
gewölbt, sehr fein und ziemlich dicht verworren punktirt,
der Grund ausserdem höchst fein runzlig. Die Epipleuren
vorn breit, aber höchstens bis zur Mitie reichen r/. Die Unter-
seite sammt den Beinen schwarz, dtiv Hinterleib und die stark
aufgetriebenen Hinterschenkei etwas bläulich seheinend. Die
hinteren Tarsen etwas oberhalb des Schienenendes eingelenkt,
dieses am unteren Rande mit einem Borstensaume. Die FĂĽhler
kurz, mir wenig ĂĽber die Schulterbeulen hinausragend, die
drei Wur/elglicder gelb, die ĂĽbrigen sechs schwarz, flach-
gedrückt und eine starke Keule bildend, GHed 4 — 5 breit
dreieckig, 6 — 8 quer, das letzte wieder etwas schmäler und
gerundel.
Vaterland: Sumatra (Mus. Dohrn).
Die beiden anderen bis jetzt bekannten Arten dieser
Gattung sind von Baly im Journ. of Ent., J. 1862, p. 456,
beschrieben und jedenfalls durch das minder verdickte FĂĽhl-
horn und die Färbung wesentlich verschieden. Der Vollstän-
digkeit halber, und weil das genannte englische Werk doch
nur Wenigen zur Hand sein dĂĽrfte, theile ich auch hier die
Diagnosen derselben nach ihrem Worilaute mit.
1. E. (Nonarthra) variabilis: Rotundato-ovata , modice
convexa, nitida; pedibus (femorum posticorum apice excepto)
flavo-albis; supra tlavo-alba; antennis extrorsum fuscis, verticis
maculis duabus, scutello, elytrorumque fascia lata transversa
baseos extrorsum abbreviata, altera vix pone medium integra,
sutura postice maculaque apicali nigris; elytris minutissime
punctulatis. — Long 1 2/g lin. Northern India.
2. E. (Nonarthra) ornata: Rotnndato-ovata, modice con-
vexa, nitida, subtus cum antennis (harum basi flava excepta)
nigra, capite thoraceque testaceis, pedibus elytrisque flavis,
his fascia lata basali extrorsum abbreviata fasciaque vix pone
medium utrinque abbreviata nigris, scutello nigro, tibiis posti-
cis nigro-pectinatis. — Long, l^/g lin. Penang.
2:^.5
Ueber Cupido Fylgia Spängenberg.
Seite 91 im diesjährige» Jahrgang <lie^^er Zeitung be-
f^chreibt Herr Dr. Jacob Spängenlierg eint- neue Lyeaena imtei'
obigem Namen. Es ist dies aiter keine neue Lyeaena. deren
es ĂĽberhaupt in Europa wahrselieinhch gar keine zu entdecken
giebt, sondern eine. Aberration der Lyeaena Chiron Hufn., ohne
weissen Längsstrich auf der Unterseite der HintertUigel, welche
ĂĽberall vorzukommen scheint, wo die Stammart [liegt. Bei
Berlin fing ich sie frĂĽher gar nicht so selten und von den
wenigen L. Chiron, die ich im vorigen Jahre bei Amasia
(Kleinasien) ting, zeigen nur ein paar StĂĽcke diesen weissen
Längsstrich deutlich. Was die Augenflecke anbetrifft, die auf
den Vorderflügeln grösser sein sollen als auf den Hinterflügeln.
so ist das gar kein standhaftes Merkmal und variirt bei den
Lycaenen ausserordentlich. Ich habe einzelne Lyc. Chiron
ohne alle Augenflecke der Unterseite, nur mit dem weissen
Längsstrich der Hinterflügel. Unter manchen andern Aber-
rationen von L. Chiron habe ich auch ein StĂĽck, das auf den
VorderflĂĽgeln ganz augenlos ist, auf den HinterflĂĽgeln dagegen
sind die Augenflecke in lange, dicke schwarze Striche aus-
gezogen, was ja auch bei andern Lycaeniden vork(»mmt.
Jedenfalls mag man den Namen Fylgia als Bezeichnung dieser
Aberration beibehalten.
Blasewitz-Dresden, im Februar 187fi.
Dr. (>. Staudinger.
Notiz.
Herr Friedr. Stein hat in der Stettiner Eni. Ztg., Bd. 37,
(1876) Seite 54, das Weibchen einer Blattvii'espe aus Rumelien
als Amasis concinna, Mus. Bei-ol, beschrieben. Dieselbe Blatt-
wespe habe ich bereits im Jahre 1852 in derselben Zeitung,
Jahrg. 13, S. i(^6^ unter den Namen Abi;i mutabilis, in beiden
Geschlechtern, mit 6 Varietäten, bekannt gemacht.
Wer viele Cimbiciden untersucht hat , dem ist es bekannt,
dass Leach's Eintheilung nach den FĂĽhlerkolben nicht auf ganz
festen FĂĽssen steht, da die Theilung der Kolbe nicht constant
ist, und das war der Grund, wes.shalb ich bei dem umfas.sen-
dern Genus Abia stehen blieb.
Eutin, den 22. Februar 1876,
Tischbein.
236
Sphinx Atropos, ein europäischer
Schmetterling,
V(_(ll
Gei-iclitsrath JHieferstein.
Als in Deutschland resp. Europa heimisch mĂĽssen die-
jenigen Schmetterlinge angesehen werden, welche in der
Freiheit entweder als Ei, Raupe, Puppe oder vollkommenes
Insekt überwintern, sich im nächsten Frühjahr oder Sommer
begatten und die Art fortpflanzen. Zu diesen gehört auch
Sphinx Atropos, der sogenannte Todtenkopf, der als Puppe
theils in demselben Herbste den Schmetterling liefert, theils
überwintert, wo dann im nächsten Frühjahr das vollkommene
Insekt erscheint.
Herr Landershauser in Schlotheim hat mir die Beobach-
tung mitgetheilt, dass die im Herbst ausschlĂĽpfenden Falter
keinen Trieb zur Begattung zeigen, ja dass die Weibchen
keinen Eierstock und die Männchen meistentheils verkrüppelte
Genitalien besitzen, so dass nur die ĂĽberwinternden Puppen
fortptlanzungsfähige Schmetterlinge liefern können. Die aus-
fĂĽhrlichsten Beobachtungen ĂĽber die Lebensweise dieses Thieres
hat Borkhausen angestellt; er constatirt drei Raupenvarietä-
ten, hebt hervor, dass die Kartoffel (Solanum tuberosum) deren
liebste Nahrung abgebe, so dass sie sich dieser Pflanze vor-
zugsweise zuwenden, und bemerkt, dass nachdem sie sich im
Herbst in einer Erdhöhle verpu})pt, der Falter entweder noch
in demselben Jahre, drei oder vier Wochen nach der Ver-
puppung, oder im nächsten Frühjahre erscheine.
Scopoli (Fauna Carniolica, i)ag. 185) berichtet, dass eine
Raupe sich schon am. 21. September liehufs Verwandlung in
die Erde gegraben und der Falter sich am 10. Juni des fol-
genden Jahres entwickelt habe. Herr Dr. KĂĽhn (Naturforscher
Stück 93 und 94) erhielt eine Raupe im Spätherbst, die sich
verpuppte und in der ersten Maiwoche des folgenden Jahres
den Schmetterling lieferte. Nach Esper bauet sich die Raupe
im Herbst ein (lewölbe unter der Erde, verpuppt sich darin
und entwickelt den Schmetterling entweder nach etwa vier
Wochen im August oder September, oder erst im nächsten
FrĂĽhjahr.
237
Nach Ochsenheimer lebt die Raupe von Mitte Juli bis
Ende September auf Kaitoffeln, Jasmin, dem gemeinen Stech-
apfel, Spindelbaum, Bocksdorn, gelben Rüben, Färberröthe u. s. w.,
und wird in einer ausgewölbten Erdhöhle zu einer dunkelbrau-
nen Puppe. Daraus entwickelt sich der Schmetterling entw^eder
nach drei oder vier Wochen oder erst im Juni des folgenden
Jahres; auch lag bei ihm einst eine Puppe eilf und einen hal-
ben Monat, bevor der Schmetterling auskroch. Godart endlich
(histoire naturelle des Lepidopteres ou Papillons crepusculaires
des environs de Paris 1820, pag. 21) versichert, dass die
Raupe gegen Ende Juli oder Anfang August sich behufs der
Verwandlung in die Erde grabe und den Schmetterling ent-
weder Ende September, im October oder im Mai des folgenden
Jahres liefere.
EigenthĂĽmlich ist es, dass bei mir keine einzige Puppe
ĂĽberwintert ist; aus allen entwickelte sich noch in demselben
Herbst der Schmetterling, und dasselbe Resultat haben alle
Lepidopterologen, die ich mĂĽndlich oder schriftlich desshalb
befragte, erzielt. Es scheint daher, dass die Art und Weise
der Behandlung der Puppe, sowie Witterung und climatische
Verhältnisse einen wesentlichen Einfluss auf die Verwandlung
ausüben. Eine Aufklärung darüber dürfte ein Brief des
Lepidopterensammlers Herrn Joh. Pech zu Ofen, I, Mond-
scheingasse Nr. 844 (den ich wegen billiger Preise empfehlen
kann) herbeifĂĽhren. Derselbe schreibt mir unterm 11. Februar
1876: „von Atropos habe ich etwa 30 Puppen liegen, jedoch
„schlüpfen dieselben nie im Herbst, sondern nur im Sommer
„bei mir aus. Die Raupe ist auf Lycium barbarum und
„Solanum tuberosum L. gemein, jedoch erfordert die Zucht
„grosse Sorgfalt. Noch muss ich aber des Umstandes er-
„wähnen, dass die im Spätherbst, d. h. im October gefundenen
„Raupen mir noch nie einen Falter gaben. Die Ursache mag
„wohl darin liegen, dass die Nächte in diesem Monat oft
„schon sehr kalt sind, wesshalb die Raupen kränkeln und
„gewöhnlich noch A'or der Verpui)pung vertrocknen. '••
Aus obiger Zusammenstellung lässt sieh wohl der un-
zweifelhafte Sehluss ziehen, dass dem Sphinx Atropos das
europäische Bürgerrecht nicht abgesprochen werden kann.
Auffällig ist es daher, wenn eine entomologische Autorität,
Herr Dr. Boisduval zu Paris, in seiner Species general des
le})idopteres heteroceres tome I Sphingides, Sesiides, Castniides
Paris 1874 dem Sphinx Atropos solches abspricht. Er sagt
pag. 6: „Dieser Sphinx ist, obwohl man es allgemein annimmt,
„keines>\egs in Europa heimisch. In heissen Jahren bringen
„Süd- und Südwestwinde denselben zu uns. [n unserm Clima
„begattet, er i?ich und giebt Eine Genoialion im Herbst,
„während er in Afrika und Asien ohne Unterbrechung (das
„ganze Jahr hindurcli) (Msclicint. Die Puppen bei uns ver-
„Iroekneii im Winl»M' luid liei'ern nie einen Sehmetter-
„ling."
OHenbar hat Herr lioi.sihival die l)ei »Spli. Nerii und Celerio
gen)aehtea Beobaehtungen und Erfahrungen aueh auf Hphinx
Atropo« bezogen, indenj die Puppen der gedaeliten Schwärmer
in Euro|)a nie ĂĽberwiuteiii. Herr Boisdaval hat e.s nicht der
MĂĽiie werth erachtet, die Erfahrungen deutscher Entomologen
zu berĂĽcksichtigen, Wddurch t;r iu den angezeigten Irrthum
verfallen ist.
TifttelligeiiK.
H. BackhĂĽu.s in l^-ipzig, (i-rinunai.sche Strasse Nr. 14,
wĂĽnscht mit Lepidopterologen in Tauschverkehr zu treten.
Auch .sucht er uoeh einige von Eversmaun, Fri valdszk y,
Kinder mann u. A. gesammelte Arten zu kaufen und bittet
um Angebote.
bjine Sammlung von eirca 20,0Ăś0 StĂĽek niL-xikanischer
hisekteu aus allen Ordnungen (exclusivc Lepidopteren und
Orthopteren), sehr gut erhalten, jedoch grösstentheils unbe-
stimmt, sind biUigst zu verkaufen. Nähere Auskunft ertheilt
F. Hauck, Triest, via Rossetti N.' 229.
Nordamerikanische Käfer,
1870 in ilvn VVäMcni Mis.souris gesammelt, tadellos ui\d be-
stimmt, sind fĂĽr lleehnung des Sammlers, bei Einsendung von
.â– ;{ Thalern pro Centurie von 30 bis 40 Arten, abzugeben durch
den IJntei'zeiidnieten. Audi einige Hemipteren zu demselben
Preise, doch unl)estimmt.
Wernsdnrf pi-r Thanui in Ostpreus.sen, im Januar 1876.
A. Kuwert.
?:;9
Der Unterzeichnete hat eine Anzahl Photographieen des
verewigten Dr. A. W. Herrich-öchaeffe r (Visitenkarten-
Format) anfertigen lassen, welche er den Freunden und Ver-
ehrern desselben gern im Tauseh gegen die ihrige zur Ver-
tĂĽffuns; stellt, um auf diese Weise seinem Album auch die
Photographieen solcher Entomologen zuzufĂĽhi-en, mit denen er
nicht correspondirt. Die Photographieen können unter Kreuz-
band (3 Pf.) gesendet und auf demselben Name und Adresse
des Absenders angegeben werden. Oegensendung erfolgt Ende
September. Gegen zwei Photogr. wird auch die des Unter-
zeichneten eingesendet und die zweite dem Entomologen-Album
des Berliner entomologischen Vereins einverleibt.
Dr. G. Kraatz, Link-Str. 28. Berlin.
Coleopteren-Verkauf.
Meine sehr werthvoUen und ausserordentlich zahlreichen
Doubletten europäischer Käfer, wie solche sonst wohl Niemand
besitzt, wĂĽnsche ich im Ganzen zu verkaufen. Dieselben
wurden im Verlauf von 40 Jahren theils durch mich selbst
gesammelt, theils von vielen anerkannten Entomologen ein-
getauscht, sind richtig bestimmt, rein gehalten und frei von
Schimmel und Raubinsekten. Sie stammen aus fast allen Län-
dern Europa\s, namentlich aus Deutschland, Oesterreich,
Ungarn, Russland, Griechenland, Italien, Sardinien, Corsica,
Frankreich, Spanien und Portugal. Es mag deren Zahl sich
auf mehr als ^j^ Million belaufen, wovon sicher der dritte
Theil zu sehr begehrten Arten gehört, und sind dieselben in
72 grossen Doppelkästen von Holz enthalten. Audi 2 Kästen
mit exotischen Arten sollen dazu gegeben werden.
Genannte Doubletten könnten nach meiner Ansicht auf
dreierlei Weise gut verwerthet werden, und zwar L, wenn
einige Naturforscher, obgleich schon im Besitze von nicht
unbedeutenden Sammlungen, dadurch diese vergrössei'ten und
verbesserten und den Rest zum Tausch verwendeten; fl. wenn
Jemand sie in Loose vertheilte und auf diese Weise verkaufte,
und ni., wenn ein Mann sie als sichere Rente erwerben
wollte, um davon zu verkaufen und mit den zahlreichen
Doubletten einzelner Arten zu tauschen.
Einen Katalog darĂĽber herzustellen, bin ich nicht in der
Lage. Kautlustige müssten die Sammlung persönlich einsehen.
Erlangen, im Februar 1876.
Dr. Willi. Rosenhauer, Universitäts-Professor,
240
In Folge bevorstehenden Stellungswechsels des Besitzers,
eines der ältesten Entomologen Wien"s, sind zu verkaufen:
Eine Coleopteren-Sammlung. circa 6000 Arten, darunter
3 — 400 Arten Exoten, in einem soliden, auch innen pohrten
Sammlungsschrank mit 54 korkgefĂĽtterten, mit Glastafeln ver-
sehenen Kasten.
Eine Hemipteren- und eine Homopteren-Lokal-Sammlung
des Wiener Beckens, — erstere in 5 netten hölzernen Dop])el-
schachteln, letztere in 2 grossen hĂĽbschen einfachen Schachteln.
Preis der drei, viele tv})ische Exemplare enthaltenden
Sammlungen (san)mt Schrank, der mindestens 150 tl. "svertlO
GOO iL i\. W.
Dann circa 3500 Arten Coleopteren-dupla (dĂĽrften mehr
als 20.000 StĂĽcke sein, darunter bei 200 StĂĽcke Exoten)
nach dem Systeme geordnet in einem älteren, aber gut erhal-
tenen Sammlungsschrank mit 36 Laden, — und
Hemipteren-, sowie Homopteren-Doubletten, circa 3000
bis 4000 StĂĽcke, geordnet in 7 grossen Schachteln.
Preis sämmtlicher Doubletten, sammt Kasten, 250 il. ü. W.
Adresse : Anton von Hoff m a n n , Wien, Wieden,
Hauptstrasse Nr. 7 (Hoftrakt des Hotel zum Lamm), 1. Stiege,
3. Stock, ThĂĽr Nr. 8.
Tnlialt:
Vereins- Angelegenlieiton S. 113. Dohrn: Exotisches (Liberiana)
S. 115. Zwei Longicornieu S. 119. Ptiliomachie S. 127. Grote:
Nordamer. Noctuiden S. 134. v. Kalchbcrg: Sicil. Lepidoptcren S. 138.
lUirnieistcv: Hymciiopt. Mittheilungen S. 151. Schmiedekneclit:
Ein Ausllug. S. 184. ^'el•ci^s-Allgd. S. 189. Kassen-Absclüuss 8. 191.
Uackliaiis: Piippoiizuchl-Apparat S. 192. Welinckc: Neue Dytisci-
dcii S. 194. Speyer: Anzeige von Grotc's Cliecli List S. 198. IJiolog.
Notiz ĂĽber L. Redte nb acher S. 205. Keitter: Camptodes vittatus
Er. S. 2ĂśG. Frey u. Boll: Tineen aus Texas S. 209. Suffrian:
Synonymische Miscellanecn ö. 229. Lichtenstein: über Pliylloxera
S. 231. Y. Harold: Beschreibung einer neuen Enneamera S. 233. Stau-
dinger: Ueber Cupido Fylgia S. 235. Tischbein: Notiz S. 235.
Keferstein: Sphinx Atropos S. 23ĂĽ. Intelligenz S. 238.
Ausgegeben Anfangs April.
Eiitoiuolo^l^ehe Keiliiiig;
herausgegeben
von dem
entomologischen Vereioe zu Stettin.
Redaction* ^"^ Commission bei den Buchhandl.
C. A. Dohrn, Vereins-Präsident, v. E.S.Mittlerin BerUru.. Fr. Fleischer
No. 7- 9. 37. Jahrgang. Juli- September 1876.
Die Argentinisclien Arten der Gattung
Trox Fabr.,
von
II. Bui'iiieister.
Ais ich vor nunmehr 30 Jahren mich damit l^eschäftigte,
das Material fĂĽr meine Bearbeitung der Lamellicornien zu-
sammenzubringen, erhielt ich darunter auch eine grosse Anzahl
von Trox- Arten, theils direkt von Sammlern, wie den Herren
Drege, Eckion, Zimmermann undPreiss, theils von den
Pariser Händlern, die mich nach und nach mit allen Eingän-
gen ihrer grossen Niederlagen versahen. — Obgleich meine
speciellen Studien zunächst den Blumen- und Blätterfreunden
dieser grossen Käferfamihe zugewendet waren, so nahm ich
doch von Zeit zu. Zeit auch die ĂĽbrigen Gruppen zur Hand;
besonders wenn frische Sendungen eintiafen und mich ncUhig-
ten, das empfangene neue Material dem frĂĽheren beizuordnen,
um die Uebersicht des Ganzen nicht aus dem Auge zu ver-
heren.
Von Trox hatte ich etwa 40 Arten beisammen, und indem
ich dieselben duix-hmusterte, fiel mir die grosse Gleichförmig-
keit ihres Baues und die Schwierigkeit einer scharfen Grup-
pirung der Arten alsbald auf, -wobei ich die Wahrnelnnung
zu machen glaubte, dass es zwar nicht scliwer iialten werde,
die einzelnen Arten scharf von einander zu unterscheiden,
wohl aber eine desto schwiei'igere Aufgal)e bleiben möchte,
lĂĽ
242
sie in gut uiiterscheidbare und sicher festzustellende Gruppen
zu bringen.
Da erschien 1847, wie ich eben den 5. Band meines
Handbuches der Entomologie abschloss, Wiegmann's Archiv,
13. Jahrg., I. Bd., mit dem Aufsatz von Erichson ĂĽber die
Käfer Peru's, und darin die neue, von Trox abgesonderte
Gattung Omorgus (S. 111), Avohin, zu meiner nicht geringen
Ueberraschung, ausser dem mir wohlbekannten Tr. suberosus,
eine zweite neue Art mit abweichendem, nicht lanzenspitzen-
förmigem. Sehildchen gebracht AA'ird, die einigen mir vorliegen-
den Arten aus Chili und dem Argentiuer Lande sehr nahe zu
kommen schien; ich ging alsbald daian, meine Arten genauer
auf die angegebenen Merkmale zu untersuchen, und kam
schon damals zu dem Resultat, dass Avohl relative Verschieden-
heiten an den zur Charakteristik der Gattung Omorgus benutz-
ten Organen, dem Unterkiefer und der Unterlippe, sich nach-
weisen lassen, aber eine scharfe Grenze damit zwischen Trox
und Omorgus zu ziehen nicht möglich sei. Zwar ist die Zunge
etwas mehr vom Kinn abgesetzt, bei vielen Ameiikanern, als
bei den Eui-opäern, und desshalb weiter vortretend und mehr
hornig, womit auch die davon abhängige Länge des ersten
Lippentastergliedes hai-monirt; aber ich fand das zweite Haupt-
merkmal, die Beschatrenheit des KaustĂĽcks der Lhiterkiefer,
nicht anders als bei gleich grossen Arten aus SĂĽd-Afrika,
z. B. Tr. horridus, der im Gegentheil die Trennung in zw^ei
Hauptzähne und die Spaltung des oberen in zwei Spitzen deut-
licher besitzt als Tr. suberosus oder irgend eine andere SĂĽd-
amerikanische Art. Besser schien mir das lanzenspitzenförmige
Schildchen als Gruj)penmerkmal sich anwenden zu lassen, aber
auch darin, und in der damit zusammenfallenden Absetzung
der Schildchenecke des Vorderrückens, schien mir keine völ-
lige Uebereinstimmung sich herauszustellen. Ich fand vielmehr
bei keiner anderen amerikanischen Art, als nur bei Tr. sube-
rosus, beide Eigenschaften in gleichem Grade der Entwicklung
wiedej", sondern vielmehr eine so variable Form des Schild-
chens und der Schildchenecke des VorderrĂĽckens, dass ich
davon abstehen musste, einen anderen Werth, als nur fĂĽr die
spezilische Trennung brauchbar, auf beide zu legen. Selbst
die Neuholländer und Ostindier, welche dem Tr. suberosus
in diesem Bau am näch.sten kommen, verhalten sich darin
nicht ganz gleichÜirmig; bald ist das Schildchen länger als
breit, bald eben so lang wie breit; bald der Schildchenlappen
des Pronotums gross und deutlich, bald undeutlich. Am ähn-
lichsten fand ich, alles zu allem uerechnet. Ti'. costatus
243
Wiedem. dem Tr. suberosus in dieser Bildung; eine aui"
den ersten Blick ihm sehr fremde, aber bei sorgfältiger Ver-
gleiehung von allen übrigen ihm ähnhcliste Art der ganzen
Grruppe.
Nachdem ich dies Resultat damals gewonnen hatte, stand
ich von der weiteren Verfolgung der Untersuchung ab, und
bin erst Jetzl, durch die A^or 3 Jahren (1-872) erschienene
Arbeit des Herrn Baron v. Harold veianlasst Avorden, den
Gegenstand, behufs der genaueren Beslimmung der Arten des
La Plata-Gebietes, wieder aufzunehmen. Icli erwartete in
dieser auf ein sehr reiches Material gegrĂĽndeten und scheinbar
den gesammten Stoff' vollständig bewältigenden Monographie
zuvörderst eine endgültige Entscheidung über die von Erich-
son verursachte Trennung der Gruppe in mehrere Gattungen,
und wenn die nicht stichhaltig befunden war, was die gleiche
Benennung aller Arten als Trox mir anzudeuten schien, wenig-
stens eine ĂĽbersichtliche Gruppirung der Arten in passende
Abtheilungen nach ihren gemeinsamen Merkmalen und Eigen-
schaften. Aber weder das Eine noch das Andere habe ieli
darin gefunden. — Ich hatte es mir, bei meinen eutomolo-
gisehen Studien, stets als Aufgabe des wissenschafthchen Mono-
graphen vorgestellt, dass, nachdem er ihren ersten Theil, d. h.
die Unterscheidung der Species, fĂĽr sich zu Stande gebracht
habe, nun auch der zweite Theil, ihre ĂĽbersichtliche Grup-
pirung in Ahtheilungen, vorzunehmen sei, um durch die
glĂĽckhche und geschickte AusfĂĽhrung dieses zM^eiten Theils
seine Arbeit leicht verständlich, übersichtlich und völlig zu-
gänglich für Andere zu machen. Aber ich hab^ nur bei
wenigen meiner Herren CoUegen Verständniss für diesen zwei-
ten Theil ihrer Aufgabe gefunden, indem die meisten es dem
Leser ĂĽberlassen, sich nach mĂĽhsamem Durcharbeiten durch
den massenhaften Inhalt eine solche Uebersicht selbst zu ver-
schaffen. Wer kann heutzutage noch einen Curculioniden
schnell und sicher bestimmen? — wer überhaupt eine Species
von jedem Genus, dessen Menge an die Hunderte und darĂĽber
hinausgeht?
Indessen hat jeder einzelne Forscher mehr oder weniger
seine eigene Art, und ich -weiss sehr wohl, dass es verschie-
dene Wege giebt, die zum Ziele fĂĽhren, will also mit Anderen
nicht um ihre Wege rechten, obgleich ich sie zum Theil fĂĽr
Umwege halten muss; ich bescheide mich gern, den Fleiss
anzuerkennen, der in jeder mit Sorgfalt ausgefĂĽhrten Mono-
graphie sich ausspricht, weini ich auch manchmal yelie, dass
solcher Fleiss mehr auf Nebendinge, als auf die Hauptsache
244
verweinlct -wurde. So f^clicinl mir /. B. der kurze Satz; am
Schluss von S. 4, der ĂĽber Erielisou's Gattung Omorgus den
Stab bricht, nicht gehörig inotivirt; der Herr Verfasser hätte
sich weiter ĂĽber diesen Gegenstand auslassen, alle ihm selber
gehörigen, in mehreren Stücken vorliegenden Arten auf die
beregten Charaktere ])rĂĽfen und dem Leser seine Resultate
mittlieilen mĂĽssen. Es genĂĽgt nicht, diese Untersuchung mit
dem S. 6 oben angefĂĽhrten Vergleich der Beschreibung der
Unterkiefer von Latreille, Mulsant, Erichson und Red-
te nb ach er abzuweisen; denn die 3 erstgenannten Entomologen
sasen ziemlich dasselbe, und nur der vierte etwas anderes
aber Falsches.
Dass Herr Baron v. Harold die Beschreibungen der
anderen drei für widersprechend hält, rührt nur daher, weil
er sie nicht gehörig sich ausgelegt hat; bringt man sie unter
die gleiche Terminologie, so lauten sie auch gleich. Ich will
das darthun, um daran nachzuweisen, wie grossen Werth eine
scharfe und sichere Bezeichnung der Theile an sich hat, muss
aber leider zu dem Zweck w^eit ausholen.
Der Unterkiefer aller Käfer ist aus sechs verschiedenen
StĂĽcken zusammengesetzt, die ich:
1. Angel, cardo,
2. Stiel oder Träger, stipes,
3. KaustĂĽck, mando,
4. Tasterschuppe, squama palpifera,
5. Helm, galea, und
6. Taster, palpus,
nenne und namentlich in den Abbildungen zu meinen Genera
quaed. Insect. scharf bezeichnet und vorgelegt habe.
In den gewöhnhchen, meistens zu kleinen Abbildungen,
pflegt die Angel, womit der Kiefer an die Kehlbedeckungen
gelenkt, zu fehlen, weil sie abbrach beim Herausholen. Stiel,
Tasterschupj)e und KaustĂĽck werden nur selten untej-schie-
den, weil sie innig mit einander verwachsen sind; jener, der
meist dreieckige Stiel, liegt frei nach aussen, die Tasterschuppe
nach oben, gegen die Oberkiefer zu und trägt den Taster am
äussersten vorderen Ende; das Kaustück nach unten gegen die
Unterlippe gewendet, sich an dieselbe anlehnend. Sein oberes
Ende ist sehr verschiedeii gestaltet, geht aber bei den Insek-
ten mit harten, hornigen Zähnen gewöhnlich in diese Zähne
aus, und heisst desshalb, da dieselben zum Kauen, wenigstens
AusdrĂĽcken oder Zer(|uetschen iler Nahrung dienen, das
245
KaustĂĽck (mando). ""') Bei Trox nun ist dies obere Ende
stets in zwei deutlich getrennte hakige Zähne getheilt, von
denen der untere kleinere einfach zu sein pflegt, der obere
längere gespalten. Das fünfte Stück, der sogenannte Helm,
erhielt diesen Namen von Fabricius, der es so bei den
Orthopteren benannte, weil es als Kappe helmformig auf die
Zähne des Kaustücks sich legt; es kommt bei den Käfern
unter sehr verschiedener Form vor, besteht aber in der Regel
aus zwei Gliedern, die bald breitlappig, weich und häutig,
mit Haaren bekleidet sind, bald hornig oder als fadenförmiger
Taster, wie bei den Carabicinen , auftreten. Diese Fadenform
ist die ursprĂĽngliche und einfachere, wie der Vergleich mit
den äussern Kiefern der Crustaceen lehrt, und daher heisst
dieser Theil auch innerer Taster (palpus internus"), zum Un-
terschiede von dem äusseren, der an der Tasterschuppe sitzt.
Latreille gebraucht dafĂĽr keinen besonderen Namen; Erich-
son, der stets sich bemĂĽhte, meiner Auffassung entgegenzu-
treten, nennt beide Theile, d. h. galea und mando, mit dem-
selben Wort, und unterscheidet das KaustĂĽck als innere
Lade, den Helm als äussere; Mulsant macht es ebenso, beide
Theile nennt er lobes, sie als superieur und inferieur unter-
scheidend; auch Redtenbacher bezeichnet sie als Lappen.
Latreille's Beschreibung des Unterkiefers von Trox lautet:
Les mächoires sont terminees par une portion coriacee ou
presque membraneuse (unsere galea); elles ont ici et au cöte
interne (unsei- mando) un crochet ecailleux. Darin befindet
sich ein Beobachtungsfehler, denn die portion coriacee hat
keinen hornigen Zahn, sondern die cote interne deren zwei.
Dies hat Mulsant richtig gesehen und angegeben, indem er
von dem lobe inferieur sagt, dass er zwei hornige Zähne
habe. Erich so n spricht genau dasselbe aus, wenn er die
innere Lade in der Mitte mit einem einfachen, an der Spitze
gewöhnlich mit einem dreizackigen '"') Haken bewaffnet sein
lässt; — Redtenbacher aber hat ganz falsch beobachtet,
und den Bau vöHig verkehrt angegeben, wenn er sagt, dass
der äussere Lappen an der Spitze mit einem Zahn versehen
sei; denn dieser äussere grössere Lappen (die galea) hat gar
*) Bei vielen Lamellicornien , z. B. Goliathiden , Dynastiden, Mc-
lolonthiden , ist aucli die galea hornig und gezähnt; übrigens aber in
der Regel zahnlos.
*'') Dreizackig liabc ich den oberen Zahn des KanstĂĽcks nirgenrls
gesellen, sondern nni' zweizackig; es scheint jene Angabe ein Schreib-
fehler zu sein.
24H
keinen Z.ilm, sondern trägt bloss Haare, und der innere klei-
neie LajtpL'n ist mit zwei grossen Zähnen versehen, die von
langen Haaren umgeben und zum Theil versteckt sind.
So viel Worte gehciren dazu, um die Angaben von vier
Beobachtei-n vergleichend darzustellen und die dabei vorge-
kommenen IrrthĂĽmer des einen oder anderen klar und ver-
sliindlich nachzuweisen. Ich will es dabei bewenden lassen
und nicht mehr von meinen Vorgängern reden, sondern meine
eigenen Resultate vortragen, indem ich genugsam durch Mie-
derholte Erlahrungen mich ĂĽberzeugt habe, dass der Geist
des Widerspruchs mehr Anhänger und Freunde hat, als der
des Bestrebens, sich zu verständigen und auf fremde Ansichten
liebevoll einzugehen; zumal wenn es sich um die Reduction
isolirter Erscheinungen handelt, Mas natĂĽrlich weitere Blicke,
als auf die blosse Formbetrachtung gerichtete, verlangt.
In Herrn Baron v. Harold's Monographie erscheinen unter
den 93 Arten, die er beschreibt, 12 aus dem La Plata-Gebiet,
das . sich dadurch als ein reich mit Trox gesegnetes Land
hci-ausstellt. Mittel-Europa beherbergt, nach Erichson's Kä-
Icrn Deutschland"s, nur 6 Arten, und seine Mediterranfauna
iiinzugercchnet kommen nur 10 heraus; die Ostseite des Mit-
Iclmeers, M'ie Aegjpten, Sj-rien, Klein- Asien, wozu auch
Arabien als Theil gebracht werden muss, ist auch nur durch
6 eigenlhĂĽmliche Arten vertreten; Mittelasien (Tartarei und
Mongolei) gar nur durch 3; SĂĽdostasien (China, Bengalen,
Ceylon luid die Sunda-Inseln) Aveist 8 Arten auf. Die reichsten
Welttheile an Trox-Arten sind Afrika, Amerika und Austra-
lien. Jener Welttheil beherbergt, sĂĽdlich von der Sahara, im
Ti-opengebiet 8 Arten, und sĂĽdlich von den Tropen noch 13
Species. Amerika M'eist im Ganzen 36 Arten nach, wovon
12 dem Norden ausserhalb der Tropen, 16 dem SĂĽden der-
selben Zone, die ĂĽbrigen auf das Tropengebiet Brasilien's,
Peru's und die westlichen Gegenden bis Mexico hinauf ver-
t heilt sind. Australien endlich bewohnen etwa 1 Dutzend sehr
eigenlhĂĽmlicher Arten. Hiernach ist also das La Plata-Gebiet,
mit Einschhiss der Nachbarländer von Chili und Patagonien,
die j-eichste Fundstätte für Trox-Arten; 12 der bekannten 16
Arten leben davon auf der Ostseite der Cordilleren, und nur
4 auf der Westseite.
Die 12 Arten, welche Herr v. Harold aus den Pampas
und aus Palagonien aufluhrt, liegen mir fast sämmtUch vor;
ich hatte die meisten auf meinen Reisen, lange bevor mein
Freund Strobel ir.ich Buenos Aires kam, zusammengebracht,
aller bei iiiciiicr Abneigung gegen Speciesmacherei und Prendre-
247
date-Literatiir, ■') nicht besprechen mögen, es mir vorbehaltend,
mein entomologisches Material im Zusammenhange zu bear-
beiten. Andere Studien haben mich bisher nicht dazu kommen
lassen; erst jetzt, wo die Entomologia Argentina allmälig als
BedĂĽrfniss an mich herantritt, habe ich angefangen, einzelne
Familien abzuhandeln, unter den Käfern mit den Lamellicor-
nien auch diesmal den Anfang machend. Davon lege ich , als
Fortsetzung, die hiesigen Trox-Arten in meiner Darstellungs-
weise jetzt vor und bespreche schliesslich auch die anderen
mir zugänglichen Arten.
Unter den 12 Arten des La Plata-Gebietes, die sämmt-
lich zur Gattung Omorgus nach Erichson, gehören, sondern
sich zuvörderst Tr. suberosus (no. 55) und Tr. ciliatus
(no. 50) durch die Form des Schildchens und des Basal-
Lappens am Pronotum vor demselben von den ĂĽbrigen etAvas
bestimmter ab; keine andere Species hat genau dieselbe Be-
schaifenheit beider Körpertheile, obgleich sie unter sich darin
nicht völlig übereinstimmen.
Am nächsten kommt dem Tr. suberosus der Tr. pilu-
larius Germar's (no. 66), dessen Schildchen indessen mehr
herzförmig als spiessförmig sich ausnimmt, und dessen Schild-
chenecke am Pronotum kĂĽrzer und weniger deutlich abgesetzt
ist. Mit ihm harmonirt ziemlich genau Tr. aeger Guer.
(no. 61) (Tr. leprosus Blanch.); — etwas weiter entfernt
sich der Tr. gemmifer Blanch. (no. 71) davon, kann aber
fĂĽglich nur in dieselbe Gruppe mit Tr. pilularius und Tr.
aeger gebracht werden.
Eine andere Reihe von Arten, als deren ausgebildetste
Form der Tr. pastillarius Har. (no. 14) anzusehen i.st, hat
ein viel kleineres, kĂĽrzeres, fast dreieckiges Schildchen, und
statt des mittleren, besonders abgesetzten Lappens am Rande
des Pronotums, vor dem Schildchen, einen ĂĽbei- den ganzen
Hinterrand desselben gleichförmig ausgedehnten, bogenförmigen
Saum, der freilich in der Mitte, gerade vor dem Schildchen,
am breitesten ist, aber nicht mit einer besonderen Ecke
lappenförmig hervortritt. Dahin gehört ferner: Tr. patago-
nicus Blanch., den Herr v. Harold nicht gekannt hat;
dessen Tr. pedestris (no. 59) und dessen Tv. argentinus
(no. 68), der dem vorigen am nächsten kommt.
*) Zur Rechtfertigung fĂĽhre ich Ciivier's Worte hier an: Pour
moi je n'irai pas augmenter le nombre de ces nomenclateurs. qui
ressemblent ä des pilotes vogiiant en pleine raer saus boussole et sana
etoile.
248
Am meisten isolirt von allen anderen steht Tr. eil latus
Blanch. (no. 50), obgleich die Art das spiessförmige Schild-
chen und die Schikichenkappe am Pronotum von Tr. subero-
sus sehr deutlich besitzt und selbst in der Anlage der FlĂĽgel-
decken-Sculptur sich ihm nähert.
Endlich den Tr. Bor r ei (no. 34) desselben Verfassers,
von Montevideo, kenne ich nicht; er kommt im Argentiner
Lande nicht vor und mag nordwärts über Rio Grande nach
Brasilien hinein sich verbreiten.
Von allen diesen Arten habe ich die Mundtheile unter-
sucht und Folgendes daran wahrgenommen:
Die Ober- und Unterkiefer zeigen keine Verschieden-
heiten bei den untersuchten Arten; erstere sind kurz, dick,
mit einem scharfen schneidenden Rande A^or der etwas ein-
gebogenen Spitze versehen; an der Basis haben sie, unter
diesem Rande, einen schmalen häutigen Saum, und dahinter
einen breiten, ziemlich runden, etwas vertieften, glatten
Mahlzahn.
Die Unterkiefer bestehen sehr deutlich aus den sechs
früher angegebenen Stücken, von denen der völlig abgeson-
derie, nach aussen gerundete, nach innen in einen spitzigen
Winkel endende Helm aus 2 Gliedern besteht, deren erstes
klein und fast naptförmig gestaltet ist. Der Aussenrand des
zweiten Gliedes ist mit langen, steifen, hakig einwärts gebo-
genen Boi'sten besetzt, die so dicht mit den Spitzen aneinander
slossen, dass sie einem soliden Zahn ähneln und erst bei
scharfer Vergrösserung als gesonderte Borsten sich zu erken-
nen geben. Das Kaustück geht in zwei scharfe, hakenförmig
nach innen gebogene Zähne aus, von denen der obere ge-
spalten ist und bald sehr scharfe gleichlange Spitzen hat (l)ei
Tr. suberosus), bald ungleich lange, etwas stumpfere (bei
Tr. i)atagonicus). Lange aber feine Borsten umgeben die
Zähne auf der Oberseite, aus denen aber die Spitzen frei her-
von-agen. Das erste Glied der Kiefertaster ist klein; das zweite
kaum etwas länger als das dritte, abei- dicker; das vierte
ziemlich lang, etwas spindelförmig.
Die Unterlippe besteht aus einer ziemlich quadratischen,
nach der Basis zu schmäleren, am Endrande ausgebuchteten,
an den Seitenrändern etwas auswärts gebogenen, auf der Mitte
nach unten leicht vei'tieften und mit langen Borsten besetzten
Kinnj)]atte. woi-an nach innen die lederharte, leicht zweilappige
Zunge sitzt, deren Milte mehr oder weniger hornig zu sein
))llegt. Daran haften die 3-gliedrigen Taster, dei-en erstes
Glied allerdings beträchtlich länger ist , als das selir kleine
249
zweite. Die Zunge ist nur lose mit dem Kinn verwachsen
und ĂĽberragt dessen Endrand etwas, bald mehr, bald weniger,
ohne bestimmte Regel.
Hiernach ist die Unterscheidung von Omorgus und Trox
kaum haltbar; denn obgleich Erichson angiebt, dass der obere
Zahn des Kaustückes bei Trox gewöhnlich drei Endzähne
habe, so fĂĽhrt er doch selbst (Nat. d. Ins. Deutschi., III.,
S. 926, in der Note) an, dass der afrikanische Tr. luridus
deren nur zwei besitze, und nicht mehr sehe ich auch bei
Tr. horridus und anderen Arten desselben Gebietes. Völhg
relativ ist das Vortreten der Zunge ĂĽber das Kinn, denn das
erstreckt sich nur auf ein Minimum und ist ĂĽberhaupt zu
unbedeutend, um darauf eine Gattung zu grĂĽnden.
Nicht anders verhält es sich mit den accessorischen Gat-
tungsmerkmalen, welche er in der Naturg. d. Ins. Deutschi,
(in., S. 925, Note 1) auffĂĽhrt; dass das Halsschild, wie er
sagt (nach meiner Terminologie : der VorderrĂĽcken), ohne Bor-
stenwimpern bei Omorgus sei, ist unrichtig; Tr. suberosus,
den er als Art dahin zieht, hat einen sehr deuthchen, bei
frischen StĂĽcken sogar dichten Wimpernsaum an den Seiten
bis zum Ausschnitt an der Hinterecke; und eine andere dahin
gehörige Art, welche er freilich nicht gekannt hat, Tr. cilia-
tus Blch., besitzt den längsten und dichtesten Wimpernsaum
von allen. Ebenso verhält es sich mit den angeblich ausge-
buchteten Schulterecken; so deutlich, wie bei Tr. suberosus,
findet sich ein solcher Ausschnitt neben der Schulterecke bei
keiner zweiten Species und den meisten fehlt er. Erichson
hat wahrscheinlich damit andeuten wollen, dass die Schulter-
ecken des VorderrĂĽckens bei Omorgus nicht an die der FlĂĽgel-
decken stossen, wie bei den ächten Trox- Arten (Tr. suberosus
und Verwandte), sondern davon weit abstehen. Wenn er das
angeben wollte, so musste er sich klarer ausdrĂĽcken. Aber
selbst in dem Fall wĂĽrde er nichts besonderes fĂĽr seine Gat-
tung Trox damit gesagt haben, denn Tr. horridus, welchen
er dahin rechnet, zeigt die Absetzung der Schulterecken des
Pronotums von denen der FlĂĽgeldecken deutlicher als irgend
eine Art Amerika's oder Neu-Hollands. — Endlich der Unter-
schied in der Glätte der Augen bedeutet gar nichts, weil er
völlig relativ ist.
Da in den Schriften der Herren Erichson und v. Harold
der übrige gesammte Körperbau von Trox zur Genüge ge-
schildert ist, so will ich darauf nicht weiter eingehen, sondern
nunmehr die hiesigen Arten unmittelbar folgen lassen. Zu
den 12, welche Hr. v. Harold auffĂĽhrt, kann ich noch einige
250
neue hinzufĂĽgen, muss aber eingestehen, dass mir 2 der dort
beschriebenen nicht vorliegen, die ich daher als zweifelhafte
zwar mit autluhren, aber nicht weiter besprechen werde.
Zuvörderst bringe ich die argentinischen Arten, nach der
Form des Hinterrandes am Pronotum, in zwei Hauptgruppen,
je nachdem derselbe einfach gebogen, oder in der Mitte,
vor dem Schildchen, winkelig geknickt ist.
1. Hinterer Rand des Pronotums abgerundet, einfach
gebogen, ohne Spur eines Winkels vor dem Schild-
chen. FlĂĽgeldecken verwachsen; keine FlĂĽgel darunter.
In dieser Gruppe ist das Schildchen sehr klein, an der
Basis ebenso breit wie lang und an den Seiten ziemlich ge-
rade, fast dreieckig geformt; nel)en ihm stehen zwei kleine
Höcker, als Anfänge der Nathhöckerreihe, und andere an der
Basis nach aussen, den ĂĽbrigen Reihen hoher glatter Warzen
entsprechend, welche dieser Gruppe eigen sind. Der Hinter-
rand des Pronotums setzt sieh von der Fläche vor ihm nicht
lappenartig ab, sondern bildet einen fortlaufenden Bogen, mit
hoher, dicker Randkante, ohne sich an die FlĂĽgeldecken so
innig anzuschliessen, wie in der folgenden Abtheilung.
A. Mittlere erhabene Längskanten des Pronotums fast
geradlinig, einander sehr nahe gerĂĽckt; Schulterrand
der FlĂĽgeldecken eingezogen, weniger scharf als der
Seitenrand.
1. Tr. pastillarius Blanch.
D"Orbignv, voy. d. l'Amer. merid. tom VI., jit. 2. pag.
187, no. 577. — v. Harold, coleopt. Hefte IX et X.
S. 50, no. 14.
Tr. valde convexus, pronoto posticb constricto; eh'tris
brevibus, subgiobosis, distincte crenato-costatis; serie tuber-
culorum 3 — 5 majorum in quoque intervallo, cum aliis mino-
ribus in tinibus serierum. Long. 6 — 8 Lin. (12 — 18 mm.)
Nur im Westen der Republik einheimisch, aber von
Catamarca bis nach Patagonien hinab zu linden.; von mir bei
Copacavana, Cordova, Mendoza, in der Pampa von S. Luis
tmd von Dr. Berg am Rio Negro und weiter sĂĽdlich in Pata-
gonien gesammelt. — Eine höchst eigenthümliche Art, vor
allen anderen durch die hohe Wölbung, die völlige Abschnü-
rung des Prothoi-ax und die kurze fast kugelige Gestalt des
251
von den Flügeldecken umschlossenen Körpertheils sich aus-
zeichnend, darin zumeist an Tr. horridus Fabr. sich an-
schliessend.
Kopf mit zwei kleinen, scharfen, runden Höckern auf der
Mitte, der Vorderrand scharf, hochaufgeworfen, mit einer
schwachen Einbiegung an der Ecke des Clypeus, deren Rand
etwas dicker und glatter ist. Behaarung des FĂĽhlerstiels und
Vorderschenkel rein schwarz; Fühlerfächer von derselben
Farbe. VorderrĂĽcken breit und kurz, die Ecken gerundet,
die hintern weit vom eingezogenen Rande der Basis abgesetzt,
mit kurzen Wimpern weitläufig gesäumt, die durch Abreibung
verloren gehen; die Oberfläche stark gewäilbt, fein granulirt,
dicht mit kleinen Höckerchen bekleidet, an denen «uf der
Spitze jedes Höckers ein steifes braunes Börstchen steht. Da-
zwischen erheben sich neben der Mittelhnie zwei scharfe, sehr
genäherte, fast gerade oder leicht nach aussen gebogene Kiele
oder Leisten, welche durch Einschnitte leicht gekerbt sind.
Neben den Leisten erscheinen auf der Seite 5 kleine aber
scharfe runde, ganz isolirte Höcker, die unter sich zwei Rei-
hen bilden; in der inneren Reihe neben den Leisten stehen
3 Höcker, in der äusseren, vor dem breiten, flachen Rand-
saum nur zwei. Die beiden Leisten sind vorn durch einen
ebenso scharfen Bogen, ĂĽber dem Vorderrande, verbunden,
welcher Bogen eine Art Kappe ĂĽber dem Kopf bildet und
seitwärts neben dem ersten Höcker der Innenreihe scharfeckig
endet; nach hinten enden die Leisten vor dem saumartig ver-
tieften Schulterrande ebenfalls scharf neben den hintersten
Höckern der Innenreihe. — Das Schildchen ist sehr klein, hat
dicke abfallende Ränder, die an der Basis eine kurze Strecke
parallel laufen und dann schnell sich zuspitzen; aber spiess-
förmig und vertieft, wie Hr. v. Harold es beschreibt, möchte
ich es nicht nennen. — Die hochgewölbten, kurz ovalen,
nahezu halbkugeligen FlĂĽgeldecken sind an der Basis stark
verengt, und in der Nath fest geschlossen; sie haben auf der
Schulterhöhe einen nur sehr schwachen, kaum abgesetzten
Rand, der zwar bald darunter etwas höher wird, aber auch
dann nur wenig hervortritt, und mit feinen Körnchen der
Reihe nach besetzt ist. Zwischen ihm und dem ähnlichen
Nathrande laufen fĂĽnf erhabene, aber nicht sehr hohe, gleich-
falls gekörnte Leisten oder Rippen der Länge nach über jede
FlĂĽgeldecke, und zwischen diesen Rippen stehen grosse, glatte
ovale Höcker, von vielen kleinen Granulationen und Grübchen
umgeben, die in jedem Interstitium zwei Reihen bilden, und
deren Intervalle sich ebenfalls zu Höckerchen erheben. Die
252
grossen glatten Höcker sind sehr ungleich, doch sieht man in
der innersten Reihe, neben der Nath, wenigstens 5 oder gar
6, und in den folgenden Reihen nacli aussen zu immer einen
weniger; so dass in der vierten Reihe nur drei grosse Höcker,
in der fünften nur noch kleinere Höcker gesehen werden, wie
solche auch in den anderen Reihen auf die grossen folgen. —
Die scharfkantigen Beine haben ebenlalls Höcker auf den
Kanten, und die vier hinteren Schienen kurze steife, sparsame,
Borsten an der Innenseite. Die Vorderschienen sind mit gros-
sen Randzähnen versehen, die von unten nach oben kleiner
werden; der unterste grösste ist sehr breit und in zwei stumpfe
Ecken getheilt; die ziemlich dicken, kurzen FĂĽsse sind ohne
Borsten.
Die ganze Oberseite des Körpers ist gewöhnhch mit einer
weisslichen oder röthlich grauen Masse bedeckt, aus der nur
die Kanten und Höcker als glatte Leisten oder Flecken her-
vorragen. In dieser Gestalt bilden die grossen glatten Höcker
der FlĂĽgeldecken mehrere schiefe Reihen, unter denen drei
mittlere sich besonders hervorheben. Die nähere Untersuchung
ergiebt, dass die aufgetragene Substanz feine Kalk- oder Thon-
Erde ist, welche durch längeres Waschen oder Behandeln mit
Schwefelsäure zum Theil gelöst wird und verschwindet. Dann
erst treten die Höckerchen mit ihren kurzen Borsten auf der
Oberfläche des Vorderrückens hervor und bewirken durch
ihre regelmässige Stellung auf den kleinen Höckern ein gitter-
förmiges Ansehen der Fläche.
Die Art variirt stark in der Grösse, mein kleinstes
Exemplar aus der Cordovaer Gegend ist kaum 6 Lin. (12 mm.)
lang, mein gnisstes von Copacavana 8 Lin. (17 mm.). Auch
in der Sculptur giebt es Verschiedenheiten; bald stehen die
beiden Längsleisten des Vorderrückens einander sehr nahe und
verlaufen völlig grade; bald biegen sie sich nach der Mitte zu,
etwas auswärts, und stehen hier weiter von einander ab. Sehr
gewöhnlicli befindet sieh vor dem Ende jeder Flügeldecke ein
grösserer glatter Fleck, der aus dem Zusammenlaufen der
zweiten bis vierten Längsleiste und ihrer InterA^alle entsteht,
aber auch fehlen kann, doch in der Regel vorhanden ist. —
FlĂĽgel hat das Thier nicht, seine FlĂĽgeldecken sind fest ver-
wachsen und lassen sich nicht öffnen. Es lebt in trocknen,
sandig staubigen Gegenden und kriecht auch bei Tage einzeln
an nackten Stellen auf dem harten Boden herum. — Ich habe
viele Exemplare gesammelt, indem die Art durch ihren be-
sondcrn Habitus bald die Aufmerksamkeit auf sich zieht, und
253
nicht gerade .selten, aber auch nicht häufig ist. Stücke von
10 mm. Länge habe ich nicht gefunden.
Anm. Mit dieser Art steht in naher Beziehung: Tr.
bullatus Curtis, Linn. Tr. XIX. 444. — Harold, 1. 1.
54. 17., der ebenfalls ungellĂĽgelt ist und durch vier kleine
Höcker auf dem Kopf, minder gedrungenen Körperumriss
und hinten nicht so stark vom ĂĽbrigen Rumpfe gesonderten
Thoi-ax, dessen Ränder nicht gekerbt sind, sich unterscheidet.
Die Art ist häufig in ChiH, wo sie von Valparaiso bis Co-
quimbo an ähnlichen Stellen gefunden wird.
B. Die mittleren Längskanten des Pronotums sind win-
kelig geknickt. Der Schulterrand der FlĂĽgeldecken
scharf, höher als der Seitenrand.
a) Mittlere und hintere Schienen mit doppelter
Reihe langer Wimpernhaare.
2. Ti'. hemisphaericus Nobis.
Tr. sub-circularis , sat convexus, paene hemisphaericus;
pronoto antice elevato, earinis duabus mediis augulatis, cum
margine antico vix conjunctis; elytris singulis seriebus tubercu-
lorum laevium quatuor; tibiis intus longe ciliatis. Long. 7 Liu.
(17 mm.).
Am Rio Sa Cruz im sĂĽdlichen Patagonien von Herrn Dr.
Berg entdeckt. — Ebenfalls von höchst eigenthümlichem An-
sehn, breit gebaut, massig gewölbt, fast halbkugelig gestaltet.
Kopf kurz, der Rand stark erhaben, vorn gerundet, mit deut-
lich abgesetztem, kurz dreieckigem, abwärts gewendetem Clj-
peus-Rande. Behaarung des Fühlerstiels kuiz, wie der Fächer
dunkelbraun; der Haaifleck an den Sclienkeln rothbrauu.
VorderrĂĽcken kurz , aber breit; der Rand ĂĽber dem Kopf hoch,
dick aufgeworfen, scharfkantig, aber ohne Einbiegung der
Kante nach hinten, wie bei der vorigen Art; die Seitensäume
massig breit, stark nach hinten gerichtet, mit deutUcher,
spitzer Schulterecke, vor welcher eine schwache Biegung im
Rande sich zeigt. Auf der Mitte zwei winkelige kurze Kanten,
die nach innen einen vorwärts gerichteten Ast abgeben, der
ein flaches GrĂĽbchen einschliesst; diese Leisten vor dem ver-
dickten vorderen Rande endend, ohne sich ĂĽber ihn deutlich
fortzusetzen. Neben den Leisten an der Seite nach aussen
zwei spitze Höcker und eine stumpfe Schwiele dahinter am
Hinterrande. Schildchen dreieckig, stark vertieft. FlĂĽgeldecken
an den Schultern grĂĽndet, minder weit vom VorderrĂĽcken-
254
säum abstehend, hier und am ganzen Umfange scharf geran-
det, die Kandkaute fein gekeimt, mit kurzen Borsten unter
den Kürnelien; die Oberfläche leicht gmbig vertieft, mit klei-
nen Höckern zwischen den Grübchen, von denen jeder eine
kurze schwarzbraune Borste trägt; ausserdem vier Reihen
grosser, glatter Höcker, die aber denen der vorigen Art an
Grösse nachstehen. Auch hier die mittleren Höcker jeder
Reihe grösser als die Endhöcker, besonders in dei Reihe zu-
nächst der Nath. Letztere mit einer Reihe von Höckern an
jeder Seite, welche die kleinen Höcker des Grundes etwas au
Grösse übertreffen. Vorderschienen mit stumpfem Endzahn
und einer Reihe kleiner Zähnchen über der Mitte aufwärts;
Mittel- und Hinterschienen aussen gezähnt, innen mit doppel-
ten Reihen langer Wimpern. Fussglieder mit einem Kranz
kurzer Borsten.
Auch diese Art ist gewöhnlich, gleich den folgenden, mit
einer grauen oder rothbraunen, aber dĂĽnneren Erdschicht
bedeckt, aus der nur, wenn unversehrt, die Borsten der klei-
nen Höcker und die glatten Flächen der grossen hervorragen.
Kopf und Vorderrücken sind auf der ganzen Oberfläche mit
einem feinen Netzwerk erhabener Leisten, wie feines TĂĽll-
gewebe, versehen, deren Maschen kurze Börstchen einschlies-
sen, an und zwischen welchen die feinen Staubpartikelchen,
innig verkittet, hängen bleiben und zu einer homogenen Erd-
schicht verkleben, aus der die Borsten hervorragen.
b) Mittlere und hintere Schienen entweder ganz
glatt, oder mit kurzen, sperriger gestellten Bor-
sten in Reihen besetzt.
3. Tr. patagonicus Blanch. 1. 1. 18G. 576. — Harold,
I. 1. 188. C.
Tr. aterrimus, subnitidus, oblongo-ovalis; pronoti carinis
mediis valde angulatis; elytris parum convexis, basi argute
marginatis, contractis, granulatis; singuhs seriebus quatuor
tuberculorum laeviuni, oblongorum. Long 9 — ^10 Lin. (22 mm.).
Eine ausgezeichnete, seltene Art. die grösste des La
Plata-Gebietes, welche ich zuerst im April 1858 mitten ni
der Pampa, zwischen Aehiras und Rio Quarto fing, und spä-
ter aus der Banda Oriental von Montevideo erhielt. Neuer-
dings brachte sie Herr Dr. B e r g auch aus Patagonien,
von El Carmen am Rio Negro, wo D'Orbignj sie ent-
deckte.
2,55
Kopf ziemlich kurz, hoch erhaben gerandet, die Spitze
ĂĽber dem Clj^peus leicht ausgeschnitten, mit herabgebogener,
dreiseitiger Vorderecke. FĂĽhlerstiel und Oberkiefer schwarz-
haarig, Fühlerfächer seidenartig grau; auch die Haare der
Vorderschenkel schwarz. Mitten auf dem Kopf zwei kleine
genäherte, ziemlich scharfe Querhöcker. Mittelleisten des
VorderrĂĽckens stark winkelig nach aussen geknickt, mit
schwacher Längskante im Winkel, der ein flaches Grübchen
abschliessl; das Vorderende jeder Leiste mit dem hohen, aber
nicht sehr scharfen Vorderrande ĂĽber dem Kopfe verflossen,
das hintere neben den beiden Höckern am Hinterrande nach
innen ver fliessend; ausser diesen beiden Höckern noch zwei
ähnliche längliche Höcker an jeder Seite, zwischen Längs-
leisten und Saum, von denen der vordere durch einen schwä-
cher erhabenen Bogen mit der Ecke des Winkels in jeder
Leiste verbunden ist, und auch gegen den Seitenrand hin sich
als Schwiele ausdehnt; die Erhabenheiten glatt, fein punktirt,
die Vertiefungen mit schwarzbrauner erdiger Masse ausgefĂĽllt,
woraus steife kurze Borsten, die in dem grob punktirten
Grunde sitzen, hervorragen. Seitensaum schmal; der Rand
sanft gebogen, nicht gekerbt, aber mit kurzen Borsten besetzt;
die Ecken beide gerundet, die hintere vom FlĂĽgeldeckenrande,
der stark einwärts gebogen ist, weit abstehend. Schildchen
klein, dreiseitig, die Ränder nicht verstrichen. Flügeldecken
länglich oval, massig gew()lbt, scharf nach aussen erhaben
gerandet, die Basis zusammengezogen, hier der Rand am
höchsten; die Randkante fein gekörnt, borstig; die Nath fest
geschlossen, mit einer Reihe ovaler, länglicher Höcker dane-
ben, von denen die ersten neben dem Schildchen und die
hinteren viel kleiner sind; die Fläche unregelmässig gekörnt,
mit vier Reihen grösserer glatter Höcker, von denen die mitt-
leren jeder Reihe die grössten, länglich oval gestalteten sind;
olle Höcker glatt.
Beine ziemlich lang, besonders die dĂĽnnen, vierkantigen,
auf den Rändern fein sägeartig gezähnten und mit Borsten
besetzten Schienen; Vorderschienen nach unten breiter, hier
auswärts mit stumpfem Do])pelzahu und darüber zwei kleine-
ren spitzen. FĂĽsse ziemlich lang, unten steifborstig, oben sehr
feinborstig ; alle Borsten rein schwarz gefärbt. — Flügel fehlend.
4. Tr. pampeanus Nobis.
Tr. niger, parum nitidus, oblongo-ovalis, pronoti carinis
mediis obtusioribus, angulatis, anticum versus distantibus, paral-
lelis; eljtris parum convexis, granulatis; singulis seriebus
256
(juatuor tuberculorum circulariuni, laevium. Long. 8Lin. (16 —
17 mm.).
Im ganzen Pampas-Gebiet; von mir bei Tueumau, Cata-
marca und Rio Quarto gei^ammell: von Dr. Berg bei El Car-
men in Patagonien.
Der vorigen Art sehr ähnlich, völlig ebeaso gestaltet mul
ebenso massig gewölltt, aber constant verschieden durch nach
stehende Eigenschaften: Kopf mit zwei kleineren, rundlichen
Höckern; Vorderrücken überall gröber punktirt, auch die
Leisten und Höcker; erstere breiter, in der vorderen Hälfte
parallel und weiter von einander abstehend, im Winkel ohne
Nebonast und Grübchen, am Hinter rande stärker genähert,
plötzlich abgebrochen; die drei Höcker, 1 dahinter, 2 daneben
nach aussen, schwächer, mehr buckeiförmig, die vordersten
weder mit d^n Leisten, noch mit dem Seitenrande verbunden.
FlĂĽgeldeckenrand stark am Grunde eingebogen, fein auf beiden
Seiten granulirt; die Nath geschlossen, mit relativ grösseren
Randtuberkeln; die Fläche stärker runzelig, mit nicht ganz
so dichter Granulation und je vier Reihen grosser, runder,
nicht länglicher Höcker, die nicht so dicht stehen, und von
denen die mittleren ebenfalls viel grösser sind, als die an bei-
den Enden der Reihen. Beine relativ etwas kräftiger, die
Schienen minder scharf, aber gröber gezähnt, an den äusseren
Kanten ohne Borsten, an den inneren mit kĂĽrzeren. Vorder-
schienen wie bei jener Art, doch etwas breiter. Fussglieder
unten und oben mit Borstenbesatz, doch die oberen Borsten
feiner; alle i-ein schwaiz gefärbt. Flügel fehlend.
Anm. 1. Die gelbliche Substanz, welche zumal den
Vorderrücken zu bedecken pflegt, lässt sich ebenfalls abwa-
schen, und besteht bloss aus erdiger, verklebter Masse, die
besonders der Granulation der Grundfläche anklebt, ganz wie
bei den vorhergehenden Ai-teu sich verhaltend.
2. Ich war lange Zeit geneigt, diese Art fĂĽr Tr. Ar-
gentinus Har. 1. 1. 143. 68. zu halten, finde aber doch
in der Beschreibung so viel Abweichendes, dass ich es vor-
ziehe, sie als neu zu beschreiben. Herrn B. v. Harold's
Species kenne ich nicht; sie scheint zu dieser Gruppe zu ge-
hören.
5. Tr. pedestris Harold. 1. 1. 128. ')9. Tr. denti-
culatus Blanch. 1. I. 189. 582.
Tr. piccus, margine laterali interdum rufescente, oblon-
gus, rufo-ciliatus; pronoti carinis mediis angulatis, foveolam
includentibus: i-lyti-is ruguloso-punctatis, parum granulatis, sed
257
seriebus tuberculorum majorum, tomentosorum ; pedibus elon-
gatis gracilibus. Long. 6 — G^j^ Lin. (14 mm.).
Eine mir unbekannte Art, die ich daher nicht weiter
beschreiben kann; ihre auf der Höhe filzig behaarten Höcker
unterscheiden sie genugsam von den vorigen. — Von D'Orbigny
in der Estancia des Andres Paz beim Dorfe El Carmen in
Patagonien gesammelt, auch bei Cordova und Chilecito im
Westen der Pampas, d. h. westlich von der Sierra de Cor-
dova, im Gebiet der Provinz von La Riqja, wo ich nicht
gewesen bin.
Anm. Der von Herrn B. v. Harold neben dieser Art
beschriebene Tr. tenebrosus (1. 1. 130. 60.) ist mir eben-
falls ganz unbekannt; das hinten gerundete „HalsschiW und
die „tomentirten Höcker*^ zeigen hierher.
II. Hinterer Rand des Pronotums in einen stumpfen Win-
kel ausgedehnt, welcher einen mehr oder weniger
deutlich abgesetzten Lappen vor dem Sehildchen um-
schreibt.
A. Schildchen spiessförmig, d. h. au der Basis
enger als in der nach beiden Seiten winkelig vor-
tretenden Mitte. Nath der leicht gestreiften, mit
schwachen Rippen verseheneu P'lĂĽgeldecken offen; die
FlĂĽgel vorhanden.
6. Tr. suberosus Fabr. S. El. L 111. — Harold
1. 1. 119. 55.
Tr. ovalis, tegumento cinereo s. testaceo indutus; pronoto
tenuiter granulato, ciliato, margine laterali ante apicem exciso
denteque valido armato; elytris seriatim foveolatis, obtuse
costatis, maculis plerumque nigris, laevibus, denudatis costa-
rum ornatis; tibiis 4 posticis extus edentatis, intus ciliatis.
Long. 6 — 8 Lin. (13 — 17 mm.).
Die gemeinste Art des Landes, im ganzen Gebiet von
mir gesammelt; ĂĽbrigens auch ĂĽberall durch SĂĽdamerika, bis
nach Cuba und Mexiko verbreitet.
Die von mir in Brasilien gesammelten Exemplare sind
grösser als die hiesigen, 8 Linien lang, während unsere nur
6 — 6^1 2 Linien messen, und unterscheiden sieh durch eine
dichtere, heller und bestimmter gefärbte Bedeckung von denen
des Argentiner Landes. Ganz frische StĂĽcke haben keine
glatten, glänzenden Flecken, weder auf dem Vorderrücken,
17
258
noch auf den Flügeldecken; dieselben entstehen erst später beim
Abreiben, kcinnen aber auch ganz fehlen, was promiscue bei
einzelnen Exemplaren aus allen Gegenden vorkommt. Dann
pflegen die sonst erhabenen und glatten Stellen als kleinere,
schwarrce, etwas vertiefte Flecken angedeutet zu sein. — Der
hellforbige Ueberzug dieser Art ist ĂĽbrigens keine fremde
erdige Substanz, sondern eine natĂĽrliche Bedeckung, die der
Oberlläche selbst angehört und sich durch Waschen nicht ent-
fernen lässt.
7. Tr. ciliatus Blanch, 1. 1. 190. 584. — Harold
1. 1.112. 50. — Var. minor: Tr. Candezei Harold
ibid. 113. 51.
Tr. ovalis. nudus, subnitidus, fusconiger; margine externe
tibiisque longe fulvo-ciliatis ; i)ronoto gibboso, eljtris substriatis,
obtuse costatis, punctatis; punctis setigeris; tibiis omnibus latis,
posticis edentatis. Long. 5 — 6 Lin. (11 — 13 mm.).
Eine ausgezeichnete, sehr eigenthĂĽmliche Art, die sich
indessen durch mehrere ĂĽbereinstimmende Eigenschaften der
vorhergehenden am meisten nähert. Sie tritt zuerst im Süden
der Provinz von Buenos Aires, aber nicht nördlich vom Rio
Salado auf und verbreitet sieh bis nach Patagonien hinab,
von wo sie Herr Dr. Berg dem Museo Publico gebracht hat.
Der Körper ist etwas gedrungener gebaut, d. h. kürzer
und breiter, ĂĽbrigens aber von ovalem Umriss und massig
gewölbt; seine Farbe ist schwarzbraun, aber alle langen und
kurzen Haare, die er trägt, sind goldgelb. Die Oberfläche ist
fein ])unktirt, in jedem Punkt mit einem ganz kurzen Härchen
besetzt; der Aussenrand dagegen rundherum, die Mundgegend,
der FĂĽhlerstiel, die Schienen innen und die FĂĽsse mit sehr
langen Haaren besetzt. Kopf vorn hoch erhaben umrandet,
mitten auf der Fläche zwei scharfe, dicht aneinander gerückte
Querhöcker. Vorderrücken kurz, nach vorn sehr verschmälert,
die Mitte hoch gewölbt, die breiten Seitenlappen schief abfal-
lend, der Hinterrand einen deutlichen, tiefer gelegenen, stumpf-
winkeligen Lap})en bildend; längs der Mitte eine schwache
Furche, aber weiter keine Leisten und Höcker; die Oberfläche
dicht netzfiirmig, aber nicht grob punktirt. Schildchen deut-
lich spiessförmig, glatt, am Rande verstrichen. Flügeldecken
mit acht leicht erhöhten Rippen zwischen der hohen Rand-
kante und dei- leicht erhöhten Nath; die von der Schulter
ausgehende achte Rippe die höchste und scharfkantig, viel
weiter vom Rande abstehend als die anderen unter sich; jede
259
Rippe auf der Firste schwach graniĂĽirt, die Interstitiell mit
1 — 2 Reihen feinerer Granulationen, hinter jedem Höcker ein
kurzes BĂĽrslchen. Beine nur kurz, aber breit, besonders die
ungezähnten Schienen, welche innen lange, aussen kurze
Wimpern tragen. Vorderschienen mit breitem, zweizackigem
Endzahn, dessen obere Ecke breit und abgerundet ist, darĂĽber
ein dritter scharfer Zahn nahe der Mitte. FĂĽsse unten lang-
behaart. Metast ei'ualplatte eigenthĂĽmlich vertieft, nach vorn
hoch umrandet, eine rautenförmige Grube einschliessend.
Fühlerfächer rostroth, grau bereift. — Ich habe auch die
Mundtheile untersucht und daran, wie bei allen anderen Arten,
nichts EigenthĂĽmliches gefunden. Die Oberkiefer enden mit
schärferer Spitze als gewöhnlich, das Kaustück mit den bei-
den Zähnen, von denen der obere gespalten ist.
Anm. Herrn Baron v. Harold's Trox Candezei ist
nicht von der Hauptform wesentlich verschieden, und kann
nach meinem Dafürhalten höchstens nur als individuelle Varie-
tät betrachtet werden, wie dergleichen bei allen Arten der
Gruppe auftreten.
B. Sehildchen nicht spiessförmig, vielmehr länglich oval,
mit graden verstrichenen Seiten und einfacher oder
abgerundeter Spitze. FlĂĽgel stets vorhanden, die Nath
daher nicht geschlossen; die FlĂĽgeldecken mit Reihen
grosser Tuberkeln.
8. Tr. aeger Guerin, Icon. d. r. a. pl. 22, Fig. 9,
texte pag. 85. — Harold, 1. 1. 132. 61. —
Tr. leprosus Dej. Blanch, 1. 1. 188. 580.
Tr. niger, parum nitidus, materia cinei'ca tectus; ovalis,
pronoti carinis mediis valde nngulatis, elytris fortiter punctatis,
granosis tubercuUsque laevibus quadruplici serie singulorum.
Long. 5 — 7 Lin. (12 — 16 mm.l
Im östlichen Gebiet der Fampas zu Hause, von mir bei
Montevideo, Buenos Aires, Rosario, Parana, Cordova, und
von Dr. Berg in Patagonien gesammelt, auch überall häutig.
Den länglich ovalen, nach hinten etwas breiteren Körper
hat diese Art mit den folgenden gemein 5 sie unterscheidet
sich aber durch ihre Kopffläche mit zwei dicken runden
Schwielen und stark vertieften Seiten vor dem hohen Rande,
und durch die scharfkantigen, stark winkeligen Mittelleisten
des VorderrĂĽckens, die vorn mit dessen crhabeuem Rande
17*
260
zusammenhängen, hinten aber abgekürzt sind und in der Mitte
nach vorn einen Ast abgeben, der ein grosses flaches GrĂĽb-
chen umschliesst. Dadurch besonders entfernt sie sich von
dem sehr ähnlichen, chilenischen Tr. brevicollis (^Harold,
1. 1. 144. 69), dessen Mittelleisten stumpfer, breiter, schwielig
gestaltet sind und ein sehr kleines GrĂĽbchen einschliessen.
Dasselbe gilt von den drei anderen Höckern an den gew^öhn-
lichen Stellen, 1 hinter den Leisten, 2 daneben, die auch bei
Tr. aeger scharf, bei Tr. brevicollis stumpf sind, wozu
bei jenem noch ein vierter kleinerer Höcker neben dem vor-
dersten seithchen nach aussen kommt, der dem Tr. brevi-
collis fehlt. Im Uebrigen haben beide Arten einen kleinen
Höcker auf dem Winkellappen vor dem Schildchen, der sonst
nur noch bei Tr. pillularius unter den hiesigen Arten sich
findet. Das Schildchen ist sehr längHch oval, die Flügeldecken
sind niedrig gerandet, besonders an der Schulter, deren
Buckel nach aussen scharfkantig ist; sie haben tief eingesto-
chene grobe Punkte und dazwischen einige Granulation; ausser-
dem hat jede Hälfte vier Reihen grösserer glatter Warzen, von
denen die mittleren der beiden inneren Reihen die grössten
sind; die ersten der innersten Reihe bilden eine Längsschwiele
und neben der Nath ist noch eine Reihe kleinerer länglicher
Höcker vorhanden. Die Beine sind mit kurzen Borsten in
Reihen besetzt, die vier hinteren Schienen mit stumpfen Zäh-
nen in der Mitte, die vordersten nach unten sehr breit, stumpf
zweizaekig und darĂĽber mit einem spitzen Zahn versehen.
Fühlerfächer und Mundborsten braun, ersterer grau bereift.
Hinterbrust erhaben, abgeplattet nach hinten, vor den HĂĽften
abgerundet, mit V-förmigem Eindruck; Prosternalzapfen klein,
niedrig gerundet,
Die Art variirt stark in der Grösse, von 5 — 7 Linien;
doch sind mir die kleinsten Individuen von 5 Linien Länge
nur aus Patagonien bekannt. Bei so kleinen Exemplaren ver-
schwindet das Knötchen auf dem Schildchenlappen am Prono-
tum gänzlich.
Anm. Trox brevicollis unterscheidet sich, ausser den
angegebenen Verschiedenheiten, auch darin von dieser Art,
dass die glatten Warzen der FlĂĽgeldecken kleiner sind und
nicht so dicht stehen in ihren Reihen. Beide Species sind ge-
wöhnhch mit grauer Erde bedeckt, die sich aber leicht abwa-
schen lässt. Dann erscheint der Grund zwischen den Tuberkeln
matt und ebenso der zwischen den Höckern des Vorderrücken»
mit etwas feinerer Punktirung als die FlĂĽgeldecken.
261
9. Tr. gemmifer Blanch. 1. 1. 187. 578 und ibid. 188.
579. — Harold, 1. 1. 148. 71. - Var. Tr. gutti-
fer, Harold, ibid. 146. 70.
Tr. oblongus, niger, tegumento cinereo s. fusco, terroso
plus minusve obtectus; carinis pronoti nunc angustis, nunc
latis, callosis, nitidis; elytrorum tuberculis majoribuss, seriatim
ordinatis, juxta suturam in vittam longitudinalem conjunctis.
Long. 6 — 7 Lin. (13 — 15 mm.).
Bei Mendoza in Menge von mir gesammelt, ausserdem
häufig aus Patagonien bezogen, von wo besonders Herr Dr.
Berg die Art gebracht hat.
Gestalt der vorigen Art, d. h. länghch oval, aber die
ganze Oberfläche in der Regel dicht mit hellgrauem oder
bräunhehem Erdüberzuge bedeckt, aus dem nur die erhabenen
glatten Stellen hervorragen; ausserdem aber auch die kurzen
Borsten, welche in den Tiefen der groben Punkte der Sculptur
des Grundes sitzen.
Die erhabenen Stellen bilden bald breitere schwielenför-
mige, bald schmälere leistenförmige Erhebungen,, die in beiden
Fällen geglättet und glänzend sind. Auf dem Kopf stellen sie
4 Höcker in einer Querreihe dar, von denen die beiden äus-
seren kleiner und niedriger sind. Der VorderrĂĽcken hat die
übhchen Längskanten, die sich zu einem Winkel in der Mitte
erweitern und eine Grube umschliessen. Sind diese Kanten
schmal, so ist die Grube gross und nach aussen offen; sind
es breite dicke Schwielen, so wird die Grube klein und
auswärts geschlossen. Hinter den Kanten steht, neben dem
Rande, ein im ersteren Falle enger, querer, im zweiten
dicker runder Höcker, und auf den Seitentheilen ein anderer
in der Mitte, welcher sich ebenfalls bis zum Hinterrande
schwielenartig fortsetzt. Der Seitenrand ist nicht gekerbt, aber
mit kurzen Borsten sparsam besetzt. — Das Schildchen ist
vorn etwas vertieft, hinten in eine scharfe Spitze ausgezogen.
Die FlĂĽgeldecken haben einen ungekerbten, niedrigen Rand,
eine schwachrunzelige, mit Punktreihen gemischte Sculptur in
der Tiefe, worin kurze Borsten sitzen, und dazwischen glatte
Granulationen, unter denen sich auf jeder Hälfte vier Reihen
grösserer Warzen auszeichnen, die bald regelmässig, bald
lĂĽckenhaft sind, indem einzelne Warzen da und dort fehlen.
Immer stehen die grösseren Warzen in der Mitte der beiden
inneren Reihen. Ausserdem bildet sich neben der Nath eine
Reihe kleinerer thränenförmiger Warzen, die bald unter sich
zu einem ebenen, auswärts stumpfzackigen Streifen zusammen-
262
fliessen (Tr. guHifer, Haiold), bald die isolirten thränen-
f(M-niigeii Höcker mehr hei-vortreten lassen (Tr. gemmifer
Htirold), während gleichzeitig die grossen Warzen regel-
mässiger geordnet und gleichicirmiger erseheinen. Die Beine
sind an den hinteren Schienen aussen gezähnt, innen deutlieh
braun gewimpert; die massig breiten Vorderschienen haben
stumpfe Randzähne, die nach unten grösser werden, bis die
zwei untersten an der Spitze zusammenwachsen. Die FĂĽhler
und Mundborsten sind schwarz, ebenso der graubereifte
Fächer.
Anm. Unter den mehr als 50 Exemplaren, welche ich
vor mir habe, finde ich alle möglichen Uebergänge der beiden
von Herrn Baron v. Harold getrennten Formen, so dass es
mir nicht gestattet zu sein scheint, sie als gute Species fest-
zuhalten. Das mag auch Blanchard's Meinung gewesen sein,
als er dieselben zwar doppelt beschrieb, aber ihnen dieselbe
Benennung beilegte. Auf jeden Fall sind die Unterschiede nur
variable, die promiscue an StĂĽcken derselben Heimat sich
finden.
10. Tr. pillularius Germ. spec. nov. I. 113. —
Harold 1. 1. 139. 66.
Tr. ater opacus; statura oblonga praecedentium; pronoti
earinis parum nitidis; elytris rugulosis, seriebus tuberculorum
majorum, in apice postieo punctatorum et setigerorum. Long.
5-6 Lin. (11 — 13 mm.).
Ueberall durch die ganze östliche Hälfte des La Plata-
Gebietes verbreitet; bei Montevideo, Buenos Aires, Rosario,
Paranä und Cordova von mir gesammelt; auch aus Paraguay
und von Bahia Bianca bezogen. Fhegt viel am Tage im Son-
nenschein umher und fällt rasch nieder, wenn man ihm nach-
stellt, was die andern Arten nicht thun.
Tief schwarz, ohne erdigen Ueberzug, aber dennoch ohne
Glanz; nur die Kanten auf dem Vorderrücken etwas glänzend.
Letztere hoch und scharf, die mittleren mit grosser deutlicher
Grube im Winkel, der Schildchenlappen mit einem kleinen
Höcker vor der Spitze, das Schildchen länglich oval, ziemhch
spitz, stark ausgehöhlt. Die Flügeldecken im Grunde runzelig
uneben, dazwischen 4 Reihen grosser ovaler Tuberkeln auf
jeder, die nicht glänzen, sondern sogar matter sind als die
übrige Oberlläche, weil dicht punktirt nach hinten und mit
kleinen Borsten in den Punkten besetzt; zwischen den grossen
Höckern noch hie und da kleinere, auch neben dem Seiten-
263
rande und der Nath eine Reihe ziemlieli sperrig gestellter.
Hintere Schienen aussen gezähnt, innen mit zwei Reihen kur-
zer Borsten; die A^ordersten ziemlich schmal, mit scharf ab-
stehendem Zahn am Ende und einem geraden an der Spitze,
auch ein dritter kleinerer vor der Mitte. Vier Höcker auf dem
Kopf, die mittleren höher und grösser.
Andere als die zehn hier beschriebenen Arten kenne ich
nicht aus dem La Plata-Gebiet. Herr Baron v. Harold fĂĽhrt
zwar noch seinen Tr. torpidus (1. 1. 58 no. 19) als von
Buenos- Aires herstammend auf, meint aber selber, dass diese
Angabe wohl irrig sein werde. Ich kann versichern, dass
dem so ist; die Art findet sich nicht bei Buenos Aires und
scheint mir eher aus Mittel-Amerika herzustammen. Ich kenne
sie ĂĽbrigens nicht und ebensowenig den Trox Borrei (1. 1.
84. 34) von Montevideo, den ich nicht von dort erhalten habe;
wohl aber den Trox scaber (1. 1. 183. 92), welche gemeine
europäische Art auch dort nicht selten ist, aber hier bei
Buenos Aires noch nicht gefunden wurde. Sie scheint sich
allmälig über die ganze bewohnte Erdoberfläche verbreiten zu
wollen.
Da ich nun 2 von Herrn v. Harold's Arten: Tr. Can-
dezei und Tr. guttifer einziehen musste, dafĂĽr aber zwei
neue, ihm unbekannt gebliebene beschreibe, so beläuft sich
die Zahl aller uns beiden bekannten Species auf die gleiche,
wovon aber 3 Species (Tr. pedestris, Tr. argentinus und Tr.
Borrei) mir nicht vorliegen, während Herr v. Harold eben-
falls 3 andere (Tr. patagonicus, Tr. pampeanus und Tr. hemi-
sphaericus) nicht gesehen hat. Rechne ich noch den Tr. scaber
hinzu, so ist die Menge aller bisher im La Plata-Gebiet nach-
gewiesenen Species vierzehn.
Obgleich ich nicht alle diese 14 Arten vollständig ge-
schildert habe, sondern die mir unbekannten ĂĽbergehen musste,
so glaube ich doch annehmen zu können, dass meine Dar-
stellung zum Erkennen aller ausreicht. Ich setze daher diese
Beschreibungen nicht weiter fort, sondern schliesse mit einigen
Betrachtungen ĂĽber die natĂĽrhche Gruppirung der mir bekann-
ten Species, so weit ich dieselben selbst untersuchen kann.
Das Material ist nicht klein, denn wir besitzen beinahe 60
Species in der hiesigen Sammlung.
Ich habe Typen aller Gruppen und die Hauptrepräsentan-
ten der verschiedenen Heimathsgebiete genau auf die Mund-
theile untersucht, beiläufig 22 Arten, und dabei keine anderen
Unterschiede wahrgenommen, als die in der Einleitung be-
264
sprochenen; ich muss sonach von der Trennung in 2 Grattungen:
Trox und Omorgus absehen und Herrn v. Harold beistimmen,
der alle Arten unter Trox vereinigt gelassen hat.
Als brauchbarstes Merkmal zur Gruppirung der Arten
stellt sich mir die Beschaffenheit des hinteren Randes am
Vorderrücken dar, weil damit der ganze übrige Körperbau
in innigster Beziehung steht. Ich stelle darnach diese Ver-
schiedenheit als Haupteintheilungsmoment der Gattung auf.
I. Margine pronoti postico arcuato, angulo scutellari
nuUo.
Alle hierher gehörigen Arten, soweit ich sie untersuchen
kann, haben in der Nath geschlossene, verwachsene FlĂĽgel-
decken, während ihnen gleichzeitig die Flügel fehlen. Ausser-
dem setzt sich der stark erweiterte Saum der Seiten des
VorderrĂĽckens nach hinten weit von den FlĂĽgeldecken ab,
weil letztere an der Schulter mehr abgerundet und eingezogen
sind. Die Gesammtform ist eigenthĂĽmlich , besonders der von
den Flügeldecken umhüllte Körper kürzer und der Halbkugel-
form ähnlicher, als in der folgenden Abtheilung.
A. Tibiis anticis angustis, parum dentatis; quatuor posticis
edentatis, spinoso-ciliatis (Phoberus M. Leay).
Hierher gehört nur 1. Tr. hovridus Fabr., die übrigen
von Erichson (Naturg. etc. IH. 927) und v. Harold (1. 1. 35)
damit zusammengebrachten Arten haben einen ganz anderen
Körperbau und gehören nicht mit genannter Art in dieselbe
Gruppe.
B. Tibiis anticis fortius dentatis, saepe latioribus; posticis
quatuor extus denticulatis.
a) Tibiis posticis nudis, haud ciliatis; pronoti cari-
nis mediis subrectis (Chesas Nobis.)
Diese Gruppe wird lediglich von 2. Tr. pastillarius
vertreten, der sich in ähnlicher Weise von allen anderen
Arten absondert, wie Tr. horridus von den ĂĽbrigen seiner
Hei mal h.
b) Tibiis posticis nunc nudis, nunc ciliatis; pronoti
carinis mediis angulatis (Polynoncus Nobis).
Hierher gehören: Tr. pedestris Har., 4. Tr. pam-
peanus Nobis, 5. Tr. patagonicus Bl., 6. Tr. hemi-
265
sphaericus Nobis und wahrscheinlich auch 7. Tr. tenebro-
sus Har. — vielleicht auch 8. dessen Tr. Argentinut?
(no. 68), von dem aber nicht angegeben ist, dass er ein
hinten einfach gerundetes Pronotum besitze, daher die Art,
wegen ihrer Stellung zwischen Tr. peruanus und Tr. bre-
vicollis (no. 67 und no. 69) wohl richtiger in deren Nähe
gebracht werden muss.
n. Margine pronoti postico angulato, lobulum depressum
triangulärem ante scutellum formante.
Die zahlreichen Arten dieser zweiten Hauptabtheilung
scheinen grösstentheils, wenn nicht alle, geflügelt zu sein;
sie haben einen länglich ovalen Körper, dessen hintere grös-
sere, von den Flügeldecken umhüllte Hälfte nie so deutlich
vom VorderrĂĽcken abgesetzt ist, sondern bald mehr, bald
weniger innig an ihn sich anschliesst.
A. Scutello evidenter hastato.
Die Trox-Arten mit spiessförmigem Schildchen besitzen
den dreieckigen Schildchenlappen am VorderrĂĽcken sehr deut-
lich, deutlicher als die der anderen Abtheilung mit ovalem
oder herzförmigem, selbst dreieckigem Schildchen. Man könnte
fĂĽr sie den Namen Omorgus festhalten, wenn man sie, was
doch einmal geschehen wird, als Gattung abtrennt. Sie zer-
fallen in zwei natĂĽrliche Unterabtheilungen, welche sich wie
folgt imterscheiden und als Gattungen aufstellen lassen.
a) Tibiis latis, compressis, longissime ciliatis, eden-
tatis. Lagopelus Nobis.
9. Tr. ciliatus Blanch.
Ich habe die EigenthĂĽmlichkeiten dieser Art zur GenĂĽge
besprochen, und verweise auf die vorhergehende Schilderung.
b) Tibiis angustis, posticis quatuor quadrangularibus,
intus parcius setosis, plerumque edentatis. Omor-
gus Nobis. , â– '
aa) Species Americanae.
10. Tr. suberosus autor. (no. 55.)
11. Tr. punctatus Germ. (no. 56.)
12. Tr. monachus Herbst, (no. 53.)
13. Tr. asper, Leconte. (no. 54.)
bb) Species Africanae.
14. Tr. procerus Har. (no. 58.)
15. Tr. squalidus Oliv. (no. 48.)
266
16. Tr. varicosus Erichs, (no. 16.)
17. Tr. desertorum Har. (no. 29.)
18. Tr. radula Erichs, (no. 24.)
19. Tr. gemmatup Oliv. (no. 23.)
cc) Species Australasiae.
20. Tr. Crotchi Har. (no. 41.)
21. Tr. fenestratus Har. (no. 42.)
22. Tr. subcarinatiis Mo Leay. (no. 40.)
23. Tr. litigosus Har. (no. 36.)
24. Tr. alternans Mc Leay. (no. 35.)
25. Tr. Brucki Har. (no. 39.)
dd"^ Species Indiae orientahs.
26. Tr. granulatus Herbst, (no. 21.)
27. Tr. costatus Wied. (no. 52.)
Ich kann hier die Bemerkung nicht unterdrĂĽcken, dass
die vorstehend aufgefĂĽhrten beiden Arten, obgleich in Herrn
Baron v. Harold's Aufzählung weit von einander getrennt,
doch sehr nahe mit einander A^erwandt sind; die ganze allge-
meine Form ist dieselbe, besonders auch die «des Vorder-
rĂĽckens, dessen Sculptur nur relativ abv^^eicht, indem die
Mittelleisten bei Tr. costatus nicht mit der Winkelleiste
nach aussen daneben sich berĂĽhren, vi'as sie bei Tr. granu-
latus thun, daher diese Art die beiden GrĂĽbchen in der
Winkelleiste zeigt, welche der anderen fehlen. In der eigen-
thĂĽmlichen Bedeckung stimmt Tr. costatus am meisten mit
Tr. s ĂĽb er OS US ĂĽberein.
B. Scutello haud hastato, seu elliptico, seu cordato-
triangulari.
Die hierher gehörigen Arten bilden die eigentliche Gat-
tung Trox, welche sich auch äusserlich von der Gruppe A.
dadurch absondert, dass die Seitenlappen des VorderrĂĽckens
inniger an die Schulter der FlĂĽgeldecken sich anlehnen und
ausserdem der Rand des VorderrĂĽckens der meisten Arten
dicht und deuthch gewimpert oder selbst gefranzt zu sein
pflegt. Hierher gehören die Europäer.
a) Elytris plus minusve tuberculatis, pronoti mar-
gine vix vel parcius ciliato.
aa) Species Americanae.
28. Tr. aeger Guer. (no. 61.)
29. Tr. gemmifer Bianch. (no. 70 u. 71.)
267
30. Tr. pillularius Germ. (no. 66.)
31. Tr. brevicollis Eschsch. (no. 69.)
32. Tr. peruanus Erichs, (no. 67.)
bildet den Uebergang zu Omorgus. Sic kann als besondere
Diese Gruppe isolirt sich mehr von den folgenden und
t den Uebergang zu C
Gattung aufgestellt werden.
bb) Species Africanae.
33. Tr. rhyparoides Har. (no. 1.)
Eine sehr eigenthĂĽmliche Art, die sich von allen ab-
sondert; auch durch die Form des kreisrunden Schildchens
sich sehr auszeichnet und eine selbständige Gattung darstellt.
cc) Species Europae.
34. Tr. cribrum Gene. (no. 79.)
35. Tr. per latus Goeze. (no. 80.)
b) Elytris seriatim granulatis, granulis pronotique
marginibus fimbriatis.
aa) Species Africanae.
36. Tr. sulcatus Thunb. (no. 10.)
37. Tr. caffer Har. (no. 7.)
38. Tr. luridus Fabr. (no. 6.)
39. Tr. fascicularis Wied. (no. 5.)
bb) Species Americanae.
40. Tr. tuberculatus Degeer. (no. 76.)
41. Tr. Lecontei Har. (no. 77.)
42. Tr. capillaris Saj. (no. 84.)
43. Tr. unistriatus Beauv. (no. 86.)
44. Tr. sordidus Leconte. (no. 88.)
45. Tr. terrestris Say. (no. 89.)
46. Tr. Erinaceus Leconte. (no. 90.)
47. Tr. foveicollis Har. (no. 91.)
cc) Species Europaeo-Asiaticae.
48. Tr. morticinii Fall. (no. 72.)
49. Tr. cadaverinus Illig. (no. 85.)
268
50. Tr. sabulosus Linn. (no. 87.)
51. Tr. hispidus Pontopp. (no. 81.)
52. Tr. transversus Reich, (no. 78.)
53. Tr. seaber Linn. (no. 92.)
Mit dieser Aufzählung der mir vorliegenden Arten glaube
ich einen Fingerzeig ihrer natĂĽrlichen Verwandtschaft unter
einander gegeben zu haben, wonach es nicht schwer halten
wird, die ĂĽbrigen, mir nicht aus eigener Ansicht bekannten
gehörigen Orts unterzuordnen. Die geographischen Gruppen
weiter zu charakterisiren schien mir unnöthig, einmal weil es
ziemlich schwierig wird, manche derselben mit wenigen Wor-
ten sicher zu begrenzen, theils aber auch weil die Heimats-
Angabe, welclie ĂĽberhaupt bei entomologischen Unterscheidun-
gen nicht mehr entbehrt werden kann, sie genugsam von
einander absondert. Es wäre nicht schwer gewesen, die Zahl
der aufgeführten Species durch Erwähnung einzelner nah
verwandter zu vermehren; ich habe es aber absichtlich unter-
lassen, um keine Missgriffe zu thun, was beim Mangel von
Exemplaren doch möghch blieb.
Buenos Aires, den 7. November 1875.
Naturgeschichte der Rogenhofera grandis,
einer Fliege aus der Familie der Oestriden.
Von
Prof. Carl Ber«.
Am 1 1 . December v. J. erhielt das hiesige öffentliche
Museum eine mit Oestriden-Larven behaftete Maus, welche
durch Mr. Henry Dumford einige Meilen sĂĽdlich von Buenos
Aires gefangen und getödtet worden war.
Die Maus, ein trächtiges Weibchen, gehörte zu der von
Waterhouse aufgestellten Art, Mus flavescens,*) und die
zwei sichtbaren Larven, welche in grossen FolUkeln im Unter-
hautzellgewebe, am oberen Hintertheil des Thieres derart
*) Conf. Proceedings of the Zool. Society of London. 1837, p. 19
u. The Zoology of the Voyagc of II. M. S. Beagle. Part IL, p. 46.
pl. Xlll. - London, 1839.
269
schmarotzten, dass die Stigmenplatten unbedeutend hervor-
ragten, schienen dem flĂĽchtigen Eindrucke nach, einer Cute-
r e b r a - Species eigen zu sein.
Herr Prof. Burmeister ĂĽbergab mir die Zucht dieser
interessanten Thiere, gleichzeitig deren Beschreibung und Ver-
öflTentlichung freundlichst anheimstellend.
Nach 24 Stunden hatte schon die eine der Larven sich
aus ihrer "Wohnhöhle herausgearbeitet; ihr folgte am andern
Tage die zvs^eite. Am dritten Tage, als die Maus schon stark
in Verwesung ĂĽberging, fanden sich noch 2 kleinere, wenn
auch schon im dritten Stadium befmdhche, so doch noch nicht
erwachsene Larven ein, welche vorher nicht bemerkt worden
waren.
Bei genauer Untersuchung der Larven glaubte ich nicht
zweifeln zu dürfen, dass sie zu Cuterebra gehörten, und
wohl zu derselben Art, die Bauer in seiner Monographie
der Oestriden, Seite 224,*) beschreibt; sie stimmten mit
derselben recht gut ĂĽberein.
Zur Verwandlung gab ich der einen erwachsenen Larve
Erde, der andern Sägespäne; in letztere setzte ich auch die
zwei unerwachsenen. Alle arbeiteten sich schnell hinein, und
ich trug Sorge, dass das betreffende Material ziemlich gleich-
massig feucht erhalten und in einem dunklen Raum aufbewahrt
wurde.
Auf diese Weise hatte ich die Freude, ein Pärchen zu
erziehen. Das (^ entwickelte sich den 25. Januar, das $ den
26. Die zwei unerwachsenen Larven aber waren zu Grunde
gegangen.
Bei der Bestimmung, bei der ich Prof. Burmeister zu
Rathe zog, ergab es sich, dass die vorliegende Art die Cephe-
nomyia grandis Guerins ist, welche dieser Autor als aus
Patagonien stammend angiebt, und die, wie Bauer richtig ver-
m.uthet, nicht in die genannte Gattung, sondern in das von
ihm fĂĽr eine aus Brasilien stammende Art errichtete Genus
Rogenhofe ra gehört.
Im Nachfolgenden gebe ich eine ausfĂĽhrliehe Beschieibung
des vollkommenen Insekts, das Guerin mit vier Zeilen abge-
than hat, gleichzeitig dabei, soweit es erforderlich erscheint,
die sonst fĂĽr die Charakterisirung von Gattungen angewandten
Merkmale benutzend, da Herrn Bauer zur BegrĂĽndung seines
*) Larven aus Sciurus aestuans L. und Didelphys philan-
der L. aus Brasilien. Gesammelt von Joh. Natterer in Ypanema, am
25. AprĂĽ 1820 und 14. August 1821.
270
Genus nur ein Individuum (($?) vorlag. Ebenso folgt eine
Beschreibung der Larve. — Die der andern Art eben dieser
Gattung (H. Irigonopbora Bauer) ist unbekannt.
Rogenhofera grandis.
Cephenomjia grandis Guerin. Iconographie du Regne
Animal etc. p. 548 — Paris, 1829 — 1844. — Bauer, Mono-
graphie der Oestriden. p. 213. — Wien, 1863.
Diagnose: (J <fe $. R. atra, breviter et dense pilosa;
thorace scutelloque flavido-pilosis , abdomine ultimis segmentis
praecipue ad latera pilis fulvis; pedibus atro-pilosis, pilorum
apice parum fusco; alis nigro-fuscis violaceo-micantibus. —
Long. 18 — 20 mm.
Eine kurz und dicht behaarte schwarze Art, mit hell-
gelbem Thorax und Schildchen, und gelbbraunen Haaren auf
den letzten Segmenten, besonders den Seiten des Abdomens.
Scheitelweite bei dem ,^ gegen 2 mm., bei dem $ 3 mm.
Augen in ihrer Wölbung wenig über den Scheitel her-
vorragend; ihre Färbung tief dunkelbraun, bei dem eintrock-
nenden (^ in Gelbbraun ĂĽbergehend.
Die Oberseite des Kopfes fĂĽzig, schwarz, mit zahlreichen
seidenartigen hellgelben Härchen, die in der Mitte des Schei-
tels, ĂĽber dem dreieckigen nackten Mittelfelde ein kleines
Schöpfchen bilden. Der übrige Kopf schwarz, glänzend, dünn-
borstig behaart; die Behaarung am stärksten unten seitwärts
an der FĂĽhlergrube. Diese selbst dagegen ohne Haar und
stark glänzend; ihre Trennungsleiste stark entwickelt, im
grössten mittleren Verlauf kielförmig vorspringend, bei dem (^
bis zur Stirn hinaufreichend und A^on derselben nur durch die
Nath getrennt, während sie bei dem $ unter der weit und
stumpfwinklig voi-tretenden Stirn zu stehen kommt. Daselbst
ist sie beiderseits von weisslicher Färbung. Der untere Theil
plattet sich, besonders bei dem ^, ĂĽber der Mundspalte ab,
um diese letztere oberhalb zu begrenzen.
Oben die FĂĽhlergrube bei dem $ tiefer hirieinsinkend als
bei dem q.
FĂĽhler schwarz, das dritte Glied am Aussenrande braun.
Die Borste gelbbraun.
Mundtheile schwarz, Taster keine vorhanden.
Thorax und Schildchen mit kurzen mehr oder weniger
strohfarbenen Haaren dicht bekleidet. Die Seiten und die
Unterbrust schwarz.
Beine dicht behaart; die Haare schwarz, an der Spitze
271
— vorherrschend die der Mittel- und Hinterschieuen — bräunr
höh. Tarsen und Klauen schwarz. Haftlappen gelblich grau.
FlĂĽgel schwarzbraun, schwach violett schimmernd, gegen
den Innenrand und die Basis unbedeutend dunkler, dagegen
an der Spitze, hinter der Quernder, gelblich braun, welcher
Charakter wohl allen Arten dieser Gattung zukommt. Im
Uebrigen die FlĂĽgel wie bei R. trigonophora. Af'terlappen
von der allgemeinen Flügelfärbung. Schüppchen dunkelbraun
mit schwärzlicher Randrippe. Schwinger schwarzbraun, an
der Basis gelblichbraun.
Hinterleib schwarz, zwischen den dichten Haaren bläulich-
metallisch durchschimmernd. 4. und 5. Segment, hauptsäch-
lich an den Seiten, mit längeren gelbbraunen, seidenglänzenden
Haaren. 6. Segment mit spärlichen dunkelbraunen Haaren.
Unterseite des Abdomens dicht behaart, schwarz.
Ko})fbreite 6 — 7 mm.
Körperlänge 18 — 20 mm.
Flügellänge 14 — 15 mm.
Vaterland: die Argentinische Republik und Brasilien.
Larve.
Sie stimmt im Ganzen recht gut mit der oben erwähnten,
von Bauer in seiner Monographie der Oestriden, Seite 224,
unter Cuterebra beschriebenen Art ĂĽberein, und ist ohne
Zweifel mit derselben identisch.
Farbe schwarzbraun, am Kopf und Hinterende rothbraun.
Körper gedrungen, nach dem Kopfe zu schwach abschüs-
sig, in der Form mehr oder weniger ei- oder birnförmig.
Rückenseite convex. Bauchseite sanft gewölbt, gegen die Seiten-
wulst hin etwas eingesunken. Beide vom 2. — 9. Ring, sowie
die drei SeitenwĂĽlste deutlich unterscheidbar. Am 10. Seg-
ment die WĂĽlste undeuthch und keine neun erkennbar, wie
bei der Beschreibung von Bauer. (Sie werden dort beim
Eintrocknen der Larve sich formirt haben.)
Die Vorder- und Hinterstigmen wie bei der Beschreibung
des genannten Autors. Ebenso die Beschuppung, welche nur
das Kopfsegment um den Mund, die FĂĽhler und den letzten
(elften) Ring nackt lässt.
Die dunkelbraunen fettglänzenden Schuppen (mikroskopisch
hohle Gebilde) sind halbkreisförmig, spatenartig, stumpf oder
spitz dreieckig; ihr freier Rand ist gekerbt, gezackt oder
seltener auch ganz. Mehr Kerbzähnc oder Zacken, 6—10,
haben die tiefer gelegenen; weniger die auf den erhabenen
272 ^
Stellen befindlichen, ja zuweilen keine. So beschaffen sind
besonders viele der der SeitenwĂĽlste.
Diese Schuppengebilde verlaufen derart, dass sie vom
Einschnitt an divergirend zum Segmentskamm hinaufziehen und
also daselbst die des Vorder- und Hintersegments sich begeg-
nend zusammenstossen. In Bezug auf ihre Grösse lässt sich
nicht bestimmt sagen, dass sie nach der einen oder andern
Richtung hin ab- oder zunähmen; sie sind darin ebenso varia-
bel untereinander, wie in der Form.
Die Deckelfurche umkreist die vier ersten Segmente, ist
jedoch durch die dichtstehenden Schuppen fast gar nicht
sichtbar.
Vorderstigmen ĂĽber, Mundtheile und FĂĽhler unter der
Deckelfurche.
Fühler länglichrund, mit zwei ocellenartigen Pünktchen.
Mundhaken ziemlich stark entwickelt, gebogen, schwarz.
Körperlänge der erwachsenen Larve 20 — 22 mm.
Breite derselben am siebenten Ring 10 — 11 mm.
Wohnthiere: Mus flavescens Waterh. (Sciurus
aestuans L. und Didelphys philander L. nach Bauer.)
Die Tonne ist annähernd birn- oder eiförmig. Das
Vorderende wird vom 5. Segment an concav-abschĂĽssig; das
hintere ist dick und stumpf, mit etwas ausgestĂĽlptem 10. Ringe
und ganz eingezogener Stigmenplatte.
Die Rückenseite ist gleichmässig abgerundet, die Segmente
hervorragend und hinten steiler abschĂĽssig als vorn.
SeitenwĂĽlste deutlich unterscheidbar.
Die Bauchseite ist wenig convex; ihre Segmente ähnlich
den oberen.
Die Vorderstigmen bilden einen runden Knopf, der aus
ockergelben, kurzen, schwammigen, am Ende schwach kolbig
verdickten Haargebilden besteht und in der Mitte eine längliche
Oeffnung zeigt.
Länge der Tonne 18 — 19 mm.
Breite derselben am siebenten Segment 8-9 mm.
Tonnenruhe: 43 Tage.
Buenos Aires, Ende Februar 1876.
27 :i
Zusätze und Bemerkungen zu der Ueber-
siclit der europäisclien Arten des Genus
Ichneumon,
vide Entomolog. Zeit. (1873) XXXIA^. Ă–. 345,
Oberforstraeister Tlsclibein iti EuUii.
Nachdem ich vor 2 Jahren in der Entomol. Zeitung eine
Uebersicht der Arten des Genu.s Ichneumon begonnen habe,
bin ich durch fortgesetzte Forschungen und Mittheilungen von
anderer Seite veranlasst, jetzt schon mancherlei Zusätze und
Bemerkungen folgen zu lassen.
Genus Ichneumon L.
Sect. I. Hol mg. Tischb. (= Divis. 1. W. zum Theil).
1. lehn. Bohemani. .^ Tischb.
Schwarz mit weissen Zeichnungen. Palpen, Basis der
Mandibeln, Oberlippe, Kopfschild, Augenrand im Gesicht und
an den Wangen, sowie ein Punkt am Scheitel, 2 Punkte unter
den FĂĽhlern, Unterseite des Grundgliedes der FĂĽhler, Hals-
kragen, eine Linie vor den FlĂĽgeln und ein Punkt unter den
FlĂĽgeln, FlĂĽgelschuppe, Scutellum, Flecke an den Hinter-
ecken der Segmente 1 bis 4, Vorderseite der Vorder- und
MittelhĂĽften, der Vorder- und Mittelsehenkel und der Vorder-
und Mitteltibien weiss; die Vorderseiten der Hinterschenkel sind
hell kastanienbraun. 18 mm.
Kopf, Thorax und Scutellum ziemlich stark und diciit
punktirt, Metathorax runzelig, ar. merid. halbmondförmig,
Theilungslinie zwischen dem oberen Aussenfeide und dem
zahntragenden Felde deutlich; Mittelfeld des Pof^tpetiolus run-
zelig nadelrissig; Gastrocälen tief grubenförmig, zwischeu-
liegender Raum so breit als das Mittelfeld des Postpetiolus,
runzelig nadelrissig.
Dieser am 1. Juli im Hochwalde bei Birkenfeld gefangene
Ichneumon hat die grösste Aehnliclikeil luiL lehn. Boliemani
274
$ H., so da.s.s ich nicht zu irren s^laube, wenn ich ihn als
Männchen /.n dieser Art stelle.
'1. lehn. j)ercussor. $ Tisch h.
Sdnvai-z mit rothgelben Beinen. Ein Fleck am Scheitel,
weit nach hinten stehend, und Sattel der FĂĽhler weiss; Spitze
der Mandil)eln. Schenkel, Tibien und Tarsen hellroth; Rand-
ader schwarz, der FlĂĽgelrand vor derselben, sowie FlĂĽgel-
mal rothgelb.' l'-i mm.
Fühler borstenförmig, oberhalb der Mitte stark und platt
gedrĂĽckt; Kopfscliild stark punktirt, Stirn nadelrissig punktirt,
Scheitel und Wangen schwächer, aber dicht punktirt; Meso-
notum dicht j)Mnktirt; Scutellum glänzend glatt mit einzelnen
groben Punkten; Metanotum punktirt, wenig runzelig, ar.
superom. mit schwachen Leisten begrenzt, bienenkorbförmig,
hinten mit einspringendem Winkel, nadelrissig; Postpetiolus
nadelrissig mit wenigen eingestochenen Punkten; Grastrocälen
tief grubenförmig, runzelig, der zwischenliegende Raum so
breit als das Mittelteld des Postpetiolus mit Fortsetzung . def
Nadelstriche desselben; HinterhĂĽften dicht und ziemlich stark
punktirt, behaait, aber ohne eigentliche Bürste; die Legeröhre
steht. 1mm. aus dem Hinterleibe hervor.
Ein Weibchen am i. Juli bei Birkenfeld gefangen.
var. 1. $ An den Hinterbeinen sind die Knie, die Spitzen
der Tibien und die Tai-sen schwarz.
Ein Weibchen am 10. August bei Birkenfeld gefangen.
Von lehn, lineator, ferreus und bilineatus durch die
Sculptur, Färbung des Körpers und Flügelmales unterschieden.
ii. lehn, explorator. .^ Tischb.
Schwarz mit gell)rothen Beinen. Palpen grauschwarz;
Mandibeln mit rother S})itze, abei- schwarzen Zähnen; Kopf-
.schild mit einem kleinen weissen Punkt in den unteren Seiten-
ecken; Augenrand ĂĽberall schwarz; FlĂĽgelmal und Radius
ganz schwarz, FlĂĽgelrand vor dem Radius nach der Wurzel
zu röthlich: Beine gelbroth mit schwarzen Hüften, Schenkel-
ringen und Hintertarsoii von der Mitte des ersten Gliedes an.
iL mm.
Die FĂĽhler sind kurz und stark; Kopf und Thorax dicht
und ziemUch grob punktirt; das Scutellum ist gewölbt und
dicht punktirt; der Metathorax ist runzelig-punktirt, die ar.
superom. fast halbmondförmig, hinten durch eine winkelig
eingekuicktt; Linie geschlossen und ziemlich glänzend mit feinen
275
Runzeln ohne Punkte; Pöstpetiolus nadelrissig; Grästrocälen tief
grubenförmig mit Runzeln; der zwischenliegende Raum breiter
als das Mittelfeld des Pöstpetiolus, stark nadelrissig.
Ein Männchen von Wien erhalten.
Es passt dieser Ichneumon so recht weder in die erste
Section, da ihm der weisse Fleck am Augenrande des Schei-
tels fehlt, noch in die zweite, da die FĂĽhler nicht so schlank
sind, wie sie bei den Männchen dieser Section sein sollen.
Ich stelle diese Art einstweilen in die erste Section, zu bili-
neatus.
4. lehn, dubius. $ Tischl).
Schwarz. Palpen grauschwarz; Mandibeln in der Mitte
und an der Spitze, sowie Kopfschild in den Ecken roth;
Augenrand an der Stirn weiss, am Scheitel mit weissem Fleck;
FĂĽhler mit weissem Sattel; FlĂĽgelmal und Radius schwarz;
Vorderbeine mit bräunlichen Knieen und Vorderseiten der Ti-
bien, Mittel- und Hinterbeine schwarz, sämmtliche Tibien mit
weissem Ring. 14 — 15 mm.
Fühler borstenförmig, ziemlich schlank und in der oberen
Hälfte abgeplattet; Kopf und Thorax dicht punktirt; Schild -
chen flach gewölbt und dicht punktirt; Metathorax punktirt,
sehr wenig runzelig, die ar. superom. breit halbmondförmig,
schwach runzelig, fast glatt; Pöstpetiolus nadebissig, am Ende
mit eingestochenen Punkten, an den Seiten glatt und punktirt;
Gastrocälen quer grubenförmig, fast grabenförmig, mit schwa-
chen Runzeln, der in der Mitte liegende Raum nadelrissig und
kaum so breit als das Mittelfeld des Pöstpetiolus; Hinterhüften
grob punktirt und ohne BĂĽrste.
Ein Exemplar aus Oesterreich.
var. 1. $. Der weisse Fleck am Scheitel fehlt, der
weisse Augenraiid an der Stirn nur schwach vorhanden.
Ein Exemplar bei Birkenfeld am 10. August gefangen.
Vielleicht gehört dieses Weibchen zu meinem lehn, falcatus
,^, vid. Ent. Zeit. XXXIV. p. 3.53. neben den es vorläufig zu
stellen ist.
5. lehn, funebris. Holmg.
Ein Männchen dieser Art, dem aber die weissen Flecke
vor und unter den FlĂĽgeln fehlen, fing ich am 10. October
bei Birkenfeld.
Eine Gruppirung der zur Sect. I. gehörigen Arten, durch
welche zugleich das Auffinden erleichtert wird, giebt folgende
Tabelle.
18*
:>7H
A. Die ersten oder alle Hinterleibssegmente zu beiden Seiten
mit weissen Flecken (bei lehn, cretatus ,^ nur der Hinter-
rand des Segmentes 1 weiss, $ ohne weisse Flecke). *)
a) Mittel- u. HiuterrĂĽcken
mit weissen Flecken . centummaculatiis. $ Christ. ,^
15 — 17 mm. ^
b) Mittel- u. HinterrĂĽckeu
ohne weisse Flecke.
1. Scutellum weiss (aus-
nahmsweise nur am
Hinterrande weiss oder
gaiiz schwarz) .... Bohemani $ H. ,^ Tischb.
16 — 24 mm.
Hugillatorius. $ L. q Zett.
12 — 16 mm.
cyaniventris. ,^ $ W.
12 mm.
niulticinctus. ,^ Gr. $ W.
10 — 11 mm. wohl besser
zu »Sect. II.
2. Scutellum an d. Seiten-
rändern weiss (aus-
nahmsweise schwarz) cretatus. (^ $ Gr. 12 — 13mm.
B. Ohne weisse Flecke auf den Seiten der Hinterleibssegmente.
A. Vor dem Scutellum mit 2 weissen Strichen.
1. Hinterleib schwarz. . hneator. ,;J $ Gr. 12— 18 mm.
ferreus ,^ Or. $ W.
12-18 mm.
albicillus.
impressor. $ Zett. 0^ W.)
12 mm.
restaurator (lineator. var. '?)
2. Hinterleib schwarz und
roth ruficauda. ,_J $ W. 14 mm.
serenus.
rufinus. $ Gr. rj W. 10 mm.
microstictus.
leucomius.
anthracinus.(5*$H. 12 — 18mm.
*) Audi lehn, liuealor hat mitunter um die Hiutcrecken des
Segmentod 1 \vei.sse Flocke , gehört aber nicht zu der Gruppe A und
IĂźt leicht durch die weissen Striclie vor dem Scutellum zu unler-
^^cheiden.
277
B. Vor dem Scutellum ohne weisse Striche.
i. Hinterleib roth und schwarz.
a) Scutellum ganz weiss pisorius. $ L. ,^ Rossi.
22 — 25 mm.
«imilatorius, ,^ F. $.
18-20 mm.
Coqueberti ,^ $ W.
18-20 mm.
imperiosus.
ruben.«*.
b) Scutellum schwarz od.
(bei den ,5^) am Hinter-
rande mit 2 weissen
Punkten castaniventris. $ Gr. ,j* W.
11-17 mm.
c) Scutellum bei dem ^
an der Spitze weiss,
bei dem $ schwarz haesiator.
quadrimaculatus.
2. Hinterleib schwarz.
a) Scutellum ganz oder
nur am Hinterrande
weiss.
a) Hinterschenkel roth Majri. $ Tischb. 16 mm.
multicolor.
rudis.
aa) Hintersch. schwarz.
b) Hintertibien weiss
geringelt oder mit
weissem Strich . . fuscipes. ,5^ Gml. $ W.
12-18 mm.
desultorius.
nobilis.
bb) Hintertibien nicht
weiss geringelt . . leucocerus. $ Gr. .^ W.
15 — 18 mm.
sinister. ^^IV. 15— 18mm.
falsificus. ^$ W. 16— 18 mm.
278
Ăź) Scntellum schwarz.
a) Hinterschenkel roth . bilineatus. $ Gr. ^ W.
12-17 mm.
consimilis.
inquilinus. ,^ H. 12 — 14 mm.
percussor. $ Tischb. 14 mm.
explorator. ,^ Tischb. 1 1 mm.
aa) Hintersch. schwarz.
b) Hintertibien bei ,^ u.
$ weiss geringelt . falcatus. (J Tischb. 16 mm.
dubius. $ Tischb. 14—15 mm.
periscelis. $ W. ^ H.
12-18 mm.
bb) Hintertibien bei dem
,^ weiss geringelt, bei
dem $ schwarz . . . comitator. $ L. r^ W.
12-17 mm.
bbb) Hintertibien bei den
,^ und $ nicht weiss
geringelt. ..... derasus. ,^ $ W. 12 mm.
funebris. rj $ H. 12 — 16 mm.
eburnifrons.
Sect. n. Holmg. Tischb. (= Divis. 1 und 5 W. zum Th eil).
Dieser Sect. muss ich lehn, discriminator $ W. einfĂĽgen,
obgleich diese Art hierher nicht so recht zu passen scheint,
in einer anderen Sect. aber noch viel weniger untergebracht
werden kann. Zur Sect. I. kann dieser Ichneumon nicht ge-
stellt werden, da ihm der weisse Fleck an den Augenrändern
des Scheitels fehlt, zur Sect. IV. (bisher Sect. HI.) desshalb
nicht, weil die Endsegmente des Hinterleibes ganz schwarz
ohne weisse Flecke sind. Sonst sieht diese Art ganz so aus,
als gehörte sie in die letztgenannte Section, und hat Aehnlich-
keit in Grösse, Sculptur und Farben mit lehn, stramentarius $ Gr.
6. lehn, discriminator. $ W.
Wesmael, Remarques critiques p. 51.
Ich. luctatoriup. Gr. Ichneumonologia Europaea. Pars I.
pg. 411.
Da das vou mir aufgefundene Exemplar mit der von
Wesmael gegebenen Beschreibung nicht so ganz ĂĽbereinstimmt.
279
doch aber zur selben Art gehört, wie eine Vergleichung mit
dem in der zoologischen Sammlung in MĂĽnchen befindlichen
Exemplare, welches durch Wesmael bestimmt wurde, ergeben
hat, so gebe ich hier die genaue Beschreibung meines Exem-
plares.
Schwarz und gelb. Am Kopfe sind die Palpen , die Augen-
ränder bis zum Scheitel, und Flecken in den Winkeln des Cljpeus
gelb, die Mandibeln haben braune Spitzen; das Grundglied der
FĂĽhler hat an der Basis vorne einen braunen Fleck, . die
Peitsche ist weiss geringelt von Glied 9 bis 14; der Halsring ist
oben etwas gelbhch-braun, am Thorax sind gelb ein langer
Strich vor und ein kurzer unter den FlĂĽgeln, sowie das
Scutellum; die FlĂĽgel sind etwas getrĂĽbt, die Randader ist
schwarz, der davor liegende Raum und das Mal sind gelblich-
braun, die FlĂĽgelschuppe ist braun mit gelbem Vorderrand;
die Vorder- und MittelhĂĽften sind gelb, am Grunde braun, die
HinterhĂĽften sind schwarz mit gelbem Fleck an der Spitze auf
der Oberseite, die Apophysen der Vorder- und Mittelbeine
sind braun und gelb, die der Hinterbeine braun, die Schenkel
sind schwarz, an den Vorder- und Mittelbeinen mit gelber
Vorderseite, Tibien und Tarsen gelb, die hinteren Tibien.mit
schwarzer Basis und Spitze; am Hinterleibe ist am Segmente 1
der Stiel schwarz, der Hinterrand aber ist gelb und schwarz;
Segment 2 ist gelb mit rostrothem Hinterrand, welche Farbe
sich in der Mitte bis unter die Hälfte des Segmentes ausdehnt;
Segment 3 ist ebenfalls gelb mit rostrothem Vorder- und Hih-
terrand und schwarzem dreieckigen Fleck am Hinterrand; die
Segmente 4 — 7 sind ganz schwarz. 16 mm.
Fühler borstenförmig; Kopf und Thorax stark und dicht
punktirt, Metathorax runzelig punktirt, Scutellum sehr erhoben,
dachförmig, nach vorn und hinten schräge abfallend, mit ein-
zelnen Punkten; Feld des Metathorax von starken Leisten be-
grenzt, ar. superom. vorne gerade, an den Seiten ausgebuch-
tet und hinten eingebuchtet umleistet, breiter als lang und
wie die ĂĽbrigen Felder stark runzelig punktirt; Postpetiolus
nadelrissig, hinten und an den Seiten punktirt; Gastrocälen
tief grubenförmig mit einigen Falten, der dazwischenliegende
Raum nadelrissig, in der Mitte etwas schmäler als das Mittel-
feld des Postpetiolus; HinterhĂĽften ohne BĂĽrste.
Ein .$ am 1. März im Buchenwalde bei Birkenfeld
unter der Moosdecke eines Felsblockes, im Winterquartier,
gefunden.
Nachstehende Tabelle giebt eine Uebersicht der zur Sect,
U. gehörenden Arten.
280
I. Scutellum an den Seitenrändern
weis? trilineatus. (^ $ Gr.
J2-16 mm.
scutellator.
moestus.
tenator.
II. Scutellum weiss oder gelblich.
1. Hinterleib schwarz od. blau-
schwarz.
a") Hintertibien weiss gerin-
gelt pistorius. ,^ $ Gr.
15 — 21 mm.
atrocoeruleus. $ Tischb.
14 mm.
bicoloripes. ,^ Tischb. 16 mm.
aa) Hintertibien nicht weiss
geringelt seticornis. ,^ Tischb. 13 mm.
2. Hinterleib schwarz. Segm.
2 und 3 braun gerandet . perspicuus.
3. Hinterleib schwarz, die Seg-
mente 2 und 3 (4) roth . Ephippium. $ H. 20 mm. • •
4. Hinterleib schwarz, die Seg-
mente (1) 2 u. 3 gelb . . discriminator. $ W. 16 mm.
in. Scutellum schwarz ..... culpator. $ Schrank. ,^ W.
14-20 mm.
Sect. m. Tischb. (= Divis. 1. W. — Sect. 4 Holmg.)
Holmgren hat in d. Entomologia Suecica zuerst eine eigne
Section fĂĽr lehn, gemellus errichtet, und zwar mit Recht, da
Männchen und Weibchen zusammen in keine der von Wesmael
aufgestellten Abtheilungen passen. Das Männchen hat die
Kennzeichen der Divis. 1. W. und das Weibchen die Kenn-
zeichen der Divis. 2. W. Eben desshalb muss diese Art auch
zwischen diese beiden Abtheilungen gestellt werden, und nach-
dem eine Sect. 2. von der Sect. 1 abgetrennt wurde, zwischen
Sect. 2 und diejenige Section, in welcher die Verwandten
des Weibchens stehen.
Sect. IV. Tischb. (Divis. 2 W. — Sect. 3 Holmg.)
In dieser Sect. ist es ganz besonders schwierig, die Zu-
sammengehörigkeit der Männchen und Weibchen zu constatiren.
281
Wesmael hat die8e.s in sehr vielen Fällen gethan und meistens
sicher getroffen. Nur in wenigen Fällen ist Holmgren nicht
mit Wesmael einverstanden. Die nordischen Naturforseher
können diese Frage leichter und sicherer entscheiden, da bei
ihnen weniger Arten vorkommen. In manchen Fällen hat
Wesmael sich selbst corrigirt, wie dies ja weitere Forschungen
mit sieh bringen.
7. lehn, vivacior. $ Tischb.
Als ich diesen Ichneumon in der Entomologischen Zeitung,
XXXIV. 424, beschrieb, kannte ich nur wenig Exemplare,
welche ich im Sommer gefangen hatte. Im Winter 1873
habe ich von dieser Art nun eine grössere Menge von Exem-
plaren, in Gesellschaft von lehn, gracilentus .9 W. — lehn,
inquinatus $ W. — und lehn, computatorius $ Müller, im
Buchenwalde unter Moos gesammelt und war dann im Sommer
60 glücklich an denselben Stellen 13 Männchen zu fangen,
welche meines Erachtens unzweifelhaft hierher gehören.
lehn, vivacior. ^ Tischb.
9 vid. Ent. Zeitung XXXIV. 424.
Schwarz und gelb. Mund, Gesicht und Augenrand der
Stirn, Grundglied der FĂĽhler, Halskragen, 2 Punkte an der
Basis der VorderflĂĽgel, FlĂĽgelschuppen, Scutellum, Segment 1
am Hinterrande, Segment 2 — 4 ganz, vordere Schenkel zum
Theil, Tibien und Tarsen gelb, die hintersten Tibien mit
schwarzer Spitze; Flügelmal und Randader hell braun. 8 —
13 mm.
Kopf und Thorax ziemlich stark punktirt; Scutellum mas-
sig gerundet, dicht punktirt; Metathorax lunzelig, die Leisten
der Felder stark, das obere Mittelfeld breiter als lang; Post-
petiolus ziemlich stark nadelrissig; Gastrocälen tief gruben-
förmig und runzelig; Hinterleibssegment 3 so lang wie breit,
(^ var. 1. Der Vorderrand der Segmente 2. 3 und 4
rostroth,
(^ var. 2. Der gelbe Fleck unter dem FlĂĽgel fehlt.
(^ var. 3. Segment 5 mit schmalem gelben Hinterrand.
,^ var. 4. Segment 4 braungelb, am Hinterr. schwarz.
Von lehn, gracilentus. ,^ W. leicht zu unterscheiden durch
die schwarze Unterseite der FĂĽhlerpeitsche und die ar. supe-
rom., welche bei lehn, vivacior. bi-eiter als lang ist.
Im August und September im Buchenwalde bei Birken-
feld schwärmend.
282
Von dem Weibchen habe ich nachverzeichnete Varietäten
eingesammelt :
$ var. 1. Augenrand nicht roth.
$ var. 2. Gesicht, Kopfschild und Oberlippe rothbraun.
$ var. 3. Stiel des Segmentes 1 schwarz.
$ var. 4. Segment 3 am Vorderrande mit 2 schwarzen
Flecken.
$ var. T). Segment 5 trägt einen weissen Flecken.
8. lehn, caedator. $ Gr.
Wesmael sagt von dieser Art, die er nur aus Graven-
horet's Sammlung kennt, in den Remarques critiques, pag. 34,
Les antennes sont un peu courtes, contourn6es et amincies
vers Textremite. Es ist das allerdings richtig, die FĂĽhler sind
nach der Spitze verdĂĽnnt, aber in so geringem Grade, dass
man dieselben nicht borstenförmig nennen kann, sie vielmehr
als fadenförmig ansehen muss. Die Art muss demnach aus
der Subdiv. 1 ausscheiden und in die Subdiv. 2 eingereiht
werden, woselbst sie neben lehn, proletarius. W. zu stellen ist.
Die Farben sind bei dem Weibchen sehr variabel. Mit-
unter ist das ganze Gesicht roth, es fehlen die weissen Flecken
vor und unter den FlĂĽgeln, oder es fehlt der schwarze Strich
an der Basis des Segmentes 3, auch sind mitunter die Hinter-
schenkel ganz roth.
Das Männchen dieser Art war bisher unbekannt; ich be-
sitze zwei Exemplare, die mir mit einer grossen Anzahl
Weibchen aus Wien zugekommen sind.
lehn, caedator. ,^ Tischb.
Schwarz und röthlich. Der Mund, das Gesicht, die Vor-
derseite der Grundglieder der FĂĽhler, Halskragen, ein Punkt
vor und ein Strich unter den FlĂĽgeln, sowie FlĂĽgelschuppe
und Scutellum gelblich-weiss; Flügelmal und ßandader röthlich.
FĂĽhlerpeitsche auf der ganzen Unterseite und auf der Ober-
seite von der Mitte bis zur Spitze roth, von der Mitte bis
zum Grunde etwas .sehwäi-zlich. Am Hinterleibe sind die Seg-
mente 2 und 3 gelbroth, Segment 4—7 schwarz, Segment 6
und 7 mit ausgedehnten weissen Flecken. HĂĽften und Tro-
chanter schwarz; Apophysen roth; Schenkel, Tibien und
Tarsen der Vorder- und Mittelbeine röthhch; Hinterschenkel
schwarz mit rother Basis , Hintei'tibien röthlich gelb mit schwar-
zer Spitze, Hintertarseii röthlich. 11 mm.
28?
Die FĂĽhler sind unten und in der Mitte etwas verdickt;
das Scutellum ist glatt; Kopf und Thorax sind dicht punktirt;
der Metathorax ist runzelig-punktirt ; das obere Mittelfeld ist
etwas länger als breit, vorne etwas gerundet und hinten mit
einspringendem Winkel; Postpetiolus nadel rissig; Gastrocälen
grubenförmig , ziemlich tief und runzelig; Segment 3 wenig
breiter als lang.
^ var. 1. Segment 3 mit abgekĂĽrztem Strich am Vor-
derrande, Segment 5 — 7 mit weissem Fleck.
^ var. 2. Segment 4 mit verwaschenem rothen Fleck.
lehn, decipiens. Holmg. — Ichneumonologia Suecica. p. 69
— scheint mir zu lehn, caedator Gr. zu gehören. Holmgren
stellt diese Art freilich in seine Abtheilung: Margo genarum
infra basin mandibularum , in feminis saltem, plus minusve
dilatatus et reflexus und war hiezu auch wohl berechtigt, da
er von den Weibchen nur kleine Exemplare gehabt zu haben
scheint und bei diesen der untere Theil der Wangen etwas
angeschwollen ist.
9. lehn, strangulator. ,^ Tischb.
Schwarz und gelb. Mund, Gesicht, Vorderseite der
Grundglieder der FĂĽhler, Halskragen, ein langer Strich vor
den FlĂĽgeln und ein ebenfalls langer Strich unter den FlĂĽgeln,
FlĂĽgelschuppe, Scutellum, Flecke an den HĂĽften, Apophysen,
Vorderseite und Knie der Vorderschenkel, Knie an den Mittel-
beinen, sämmtliche Tibien und Tarsen hellgelb, die hinteren
Tarsen mit schwarzer Spitze. Am Hinterleibe sind die Seg-
mente 2 bis 4, sowie die Hinterecken des Segmentes 1 gelb,
Gastrocälen und Einschnitte der Segmente 1 bis 4 rostfarben,
am Hinterrande des Segmentes 4 steht ein abgekĂĽrzter schwar-
zer Strich, und Segment 5 hat unbestimmte gelbe Flecken, so
dass dieses Segment auch wohl mehr oder weniger gelbe Farbe
zeigen könnte. 20 mm.
Kopf und Thorax dicht und massig stark punktirt; Scu-
tellum gewölbt; Metathorax rauh punktirt aber wenig runzelig,
die Leisten stark, das obere Mittelfeld viel breiter als lang,
hinten mit einspringendem Winkel geschlossen, die oberen
Seitenfelder nicht getheilt; Postpetiolus dicht nadelrissig; Gastro-
cälen grubenförmig, tief und runzelig; Segment 3 viel breiter
als lang.
Dem lehn, horridator ,^ Ziegler in Grösse und Färbung
ähnlich, aber durch die angegebenen Merkmale, besonders
284
durch die andere vSeulptur des HinterrĂĽckens. leicht zu unter-
scheiden.
Im Juli im Buchen- und Eiehenwalde bei Birkenfeld ge-
fangen.
JO. lehn, eoniger. $ Tischb.
Schwarz. Scutellum, Ring der Antennen und Flecken
auf dem RĂĽcken der Segmente 6 und 7 weiss; Beine roth
mit schwarzen HĂĽften. Spitzen der Hintertibien und ganz
.'schwarzen Hintertarsen. 17 — 18 mm.
Die FĂĽhler sind stark, jedocli nach den Enden zu zuge-
spitzt, Kopf und Thorax dicht punktirt, Metathorax runzelig
punktirt, oberes jVIittelfeld etwas länger als breit, vorne fast
gerade, an den Seiten etwas gerundet und hinten winkelig
begrenzt; Postpeliolus nadelrissig; Gastrocälen tief, vorne run-
zelig uud hinten grabenförmig, der zwischenliegende Raum ist
etwa so breit als das Mittelfeld des Postpetiolus ; die Hinter-
hĂĽften tragen einen kurzen behaarten Zahn.
$ var. 1. Unter den FlĂĽgeln ein weisser Fleck, erstes
Tarsenglied der Hinterbeine roth.
Ich habe diese Art, welche zu lehn, tuberculipes. W. zu
stellen ist, bei Birkenfeld im Sommer gefangen, die Varietät
aber aus Wien erhalten.
11. lehn, euneatus. $ Tischb
Schwarz. Scutellum, ein Sattel der Fühler. Ghed 9 — 14
der Peitsche, Flecke auf den Segmenten 6 und 7 weiss; die
Beine sind schwarz, und nui- die vorderen und mittleren Ti-
bien an der Vorderseite dunkel rothbraun. 12 mm.
Fühler fadenförmig; Kopf und Thorax stark punktirt;
Schildchen wenig gewölbt; Metathorax runzelig, ar. superom.
gross und etwas breiter als lang; Postpetiolus nadelrissig;
Giastrocälen gross, grubenförmig und vorne runzelig; der
zwischenliegende Raum schmäler als das Mittelfeld des Post-
petiolus; die HinterhĂĽften tragen eine Tuberkel.
Ein Weibchen im Winterquartiere unter Moos im Buchen-
walde bei Birkenfeld gefunden.
Diese Art gehört wegen der fadenförmigen Fühler und
des Zapfens an den HinterhĂĽften zur Subdiv. 1. I. A..
steht hier aber wegen der schwarzen Hintertibien ganz
allein.
â– 285
12. lehn, retractus. $ Tischb.
Als ich diese Art in der Entomol. Zeit., Bd. 34, S. 419,
besehrieb, hatte ich nur 2 Exemplare; im verflossenen Winter
habe ich dei-en aber mehrere eingesammelt, und besitze nun
nach verzeichnete Varietäten :
:^ var. 1. Halskragen oben roth.
$ var. 2. Die Seiten des Segmentes 4 roti».
$ var. 8. Halskragen oben und Augenrand der Stirn roth.
$ var. 4. Tarsen der Hinterbeine an den Enden schwarz.
$ var. 5. Auch Segment 5 mit weissem Fleck.
$ var. 6. Augenrand an der Stirn weissgelb.
13. lehn, glaucus. $ Tisehb.
Schwarz und roth. Scutelluni und Sattel der FĂĽhler
weiss, Segment 2 und ?> dunkelroth, Segment 5 bis 7 auf
dem Rücken mit l)läulich-weissen Flecken, Hüften und Schen-
kel schwarz. Tibien und Tarsen dunkelroth. die hintersten
Tibien mit schwarzer Spitze. 12 mm.
Fühler fadenförmig; Kopf mit verdickten Wangen; Kopf
und Thorax dicht und fein punktirt, Metathorax punktirt und
fein runzelig, ar. superom. wenig länger als breit, vorne und
an den Seiten gerundet, hinten durch eine Linie mit einsprin-
gendem Winkel geschlossen; Postpetiolus fein nadelrissig, am
Ende mit eingestochenen Punkten; Gastrocälen schwach, der
zwischenliegende Raum etwa so breit als das Mittelfeld des
Postpetiolus.
Ein Weibchen bei Birkenfeld gefangen.
Zu lehn, bucculentus. W. tmd lehn, gracilentus. W. zu
stellen.
14. lehn, immisericors. $ Tischb.
Schwarz und roth. Palpen und Spitze der Mandibeln
schwarzbraun; Kopf schwarz; FĂĽhler mit weissem Ringel,
Glied 7 bis 13 der Peitsche; Thorax schwarz mit weissem
Scutellum; Hinterleibssegmente 2 ganz, 3 an den Seiten roth,
6 und 7 mit weissem Fleck; FlĂĽgel getrĂĽbt, Schuppe und
Randader schwarz, Rand vor derselben und Randmal hellbraun;
Vorder- und Mittelbeine mit röthlichen Knien, Tibien und Tar-
sen, an den Hinterbeinen sind die Tibien roth mit schwarzer
Spitze, die Tarsen schwarz, und nur die erste Tarse hat
röthliche Ba.sis. 16 mm.
286
Fühler borstenförmig, jedoch nicht besonders schlank;
Kopf und 'i'iiorax dicht punktirt, Metathorax punktirt runzelig,
ar. superom. etwas länger als breit, nach hinten schmäler
werdend, vorne bogenförmig, hinten mit einspringendem Win-
kel geschlossen; Postpetiolus nadelrissig, an den Seiten nadel-
rissig und punktirt; Gastrocälen grubenförmig, runzelig, aber
nicht besonders tief; der zwischeuliegende Raum so breit als
das Mittelfeld des Postpetiolus und nicht nadelrissig. Hinter-
hiiften ohne BĂĽrste.
Ein Weibchen von Wien erhalten.
15. lehn, venustus. ,j Tischb.
Schwarz und gelb. Kopf schwarz, Palpen grau, Mandi-
beln an der Spitze i-oth, Augenrand im Gesicht bis ĂĽber die
FĂĽhler gelb; FĂĽhler schwarz, mit gelber Vorderseite des
Grundgliedes und braunei- Spitze der Peitsche; Thorax schwarz
mit weissem Schildchen und kleinem gelben Fleck vor den
FlĂĽgeln; FlĂĽgel mit schwarzer Schuppe und Randader, Mal,
Wurzel und Raum vor der Randader gelb; Hinterleib schwarz,
Segmente 2 und o gelb mit rostrothen Hinterrändern und
einem schwarzen Fleck am Hinterrande des Segmentes 3,
Segment 7 mit weissem Fleck; HĂĽften schwarz, Schenkel,
Tibien und Tarsen röthlich gelb, Tibien mit weisser Basis,
die hinteren Tibien an der Spitze, sowie die hinteren Tarsen
schwarz, i 1 — 1 2 mm.
Fühler lang ; Kopf und Thorax dicht , Scutellum weitläutig
punktirt; ar. superom. bei dem einen Exemplare so lang wie
breit, bei dem andern etwas breiter als lang, vorne bogen-
förmig, hinten schwach bogenförmig geschlossen; Postpetiolus
nadelrissig; Gastrocälen schwach, grubenförmig, der zwischen-
liegende Raum breiter als das Mittelfeld des Postpetiolus.
,^ var. I. Augenrand im Gesicht, Vorderseite des Grund-
gliedes der FĂĽhler und Flecken vor und unter den FlĂĽgeln
gelbweiss,; die Segmente 2 und 3 sind nicht am Hinterrande,
sondern in der Mitte rostroth, auf vSegment 2 steht in der
Mitte ein schwarzer Fleck, wogegen der schwarze F''leck am
Hinterrande des Segmentes 3 fehlt.
Im Juli und September bei Birkenfeld im Buchenwalde
schwärmend.
16. lehn, vafer. ,^ Tischb,
Schwarz. Palpen, Mandibeln bis auf die schwarze Spitze
und Lefze grauweiss; Augenrand im Gesichte breit und Flecke
287
in den Winkeln des Kopfschildes weisslich; FlĂĽgelmal, Wur-
zel und Vordenand des FlĂĽgels rothgelb, Randader nach dem
Male zu schwarz; HĂĽften und Trochanter schwarz, Vorder-
und Mittelschenkel rothgelb, erstere mit schwarzem Fleck am
Grunde der Hinterseite, Mittelschenkel mit schwarzer Basis,
Hinterschenkel schwarz, Tibien rothgelb, die hinteren mit
schwarzen Spitzen, Tarsen rothgelb, an den Hinterbeinen das
Klauenglied schwarz. 13 mm.
Kopf und Thorax dicht und stark punktirt, Schildchen
gewölbt und ebenfalls dicht punktirt; oberes Mittelfeld des
Metathorax fast doppelt so breit wie lang und hinten mit stark
einspringendem Winkel; Postpetiolus nadelrissig; Gastrocälen
tief und runzelig, der zwischenliegende Raum etwas breiter
als das Mittelfeld des Postpetiolus und nadelrissig.
Ein Männchen aus Ungarn.
17. lehn, insidiator. ,^ Tischb.
Schwarz und roth. Am Kopfe sind die Palpen, Mandi-
beln, Augenränder vom Munde bis zum Scheitel, Ecken des
Clypeus und zwei Flecke unter den FĂĽhlern gelb; das Grund-
ghed der FĂĽhler hat an der Vorderseite einen gelben Fleck,
und die Peitsche ist auf der Vorderseite braun; am Thorax
sind 2 Flecke vor und unter den FlĂĽgeln gelb, das Scutellum
ist gelblich -weiss ; am FlĂĽgel sind Mal, Randader und Wurzel
gelb, die Radialader ist an der Wurzel gelb, nach dem Male
hin schwarz, die FlĂĽgelschuppe ist gelbbraun; am Hinterleibe
sind die Segmente 2 und 3, sowie der Vorderrand des Seg-
mentes 4 hell braunroth; die Beine sind ebenfalls hell braun-
roth mit schwarzen HĂĽften, Trochanteren und den Spitzen der
hintersten Tibien und Tarsen. 1 1 mm.
Kopf und Thorax stark und dicht punktirt, Scutellum
etwas gewölbt, glänzend glatt und wenig punktii't; ar. superom.
vorne und hinten, sowie an den Seiten durch bogenförmige
Leisten begrenzt, fast glatt; Postpetiolus fein nadelrissig;
Gastrocälen flach, der zwischenliegende Raum breiter als das
Mittelfeld des Postpetiolus; Hinterleibssegment kaum etwas
breiter wie lang.
Ein Männchen von Danzig.
Dem lehn, venustus r^ nahe verwandt.
18. lehn, flavipetiolatus. ^^ Tischb.
Bei der Beschreibung dieses Ichneumon, Eutom. Zeitung,
Band 34, Seite 436, habe ich anzugeben vergessen, dass das
288
Scutellum dachförmig erhoben, nach vorne und hinten schräge
abfallend ist. r<^h hahc- je(/t ein zweites Exemplar aus Oester-
reich erhalten.
19. lehn. auxilVr. ^ Tischb.
Schwär/, und roth. Der Kopf ist ganz schwarz, jedoch
schimmern die Palpen und Mandibeln etwas röthlich; die Fühler
haben schwarze Grundglieder, die Peitsche ist vom ersten bis
zum sechsten Gliede an der Oberseite schwarz und an der
Unterseite gelblich-weiss, die Glieder 7 bis 16 sind ganz weiss
und von da bis zur Spitze sind die FĂĽhler schwarz; Thorax
mit dem Scutellum ganz schwarz; Hinterleib schwarz, Segment
2 und 3 braunroth, der Vorderrand und die Seiten des Seg-
mentes i aber schwarz; FlĂĽgelschuppe und Radialader schwarz,
FlĂĽgehnal, Rand und Wurzel braungelb; HĂĽfte und Trochanter
schwarz. Apophysen roth, Vorderschenkel. Tibien und Tarsen
gelbroth, die Mittelbeine ebenso, jedoch die Schenkel mit
schwarzem Fleck auf der Hinterseite, Hinterschenkel schwarz
mit rother Basis, Hintertibien und Tarsen rothgelb mit schwar-
zen Spitzen. 14 mm.
Kopf und Tkorax stark und dicht punktirt; Schildclieu
etwas gewölbt: Metathorax runzelig punktirt, ar. superom.
vorne durch eine stark bogenförmige Leiste geschlossen, hin-
ten aber, da die Querleiste fehlt, mit der ar. posteromedia
verbunden, und da auch dieser die Leisten fehlen, welche sie
von den hinteren Miitelzellen trennen, so bilden diese zusam-
men ein grosses Feld, zu welchem auch noch die hinteren
äusseren Felder kommen, da auch hier die Leisten fehlen;
die oberen Aussenfelder sind ebenfalls mit den zahntragenden
Feldern verbunden; Postpetiolus stark nadelrissig; Gastrocälen
grubenförmig, tief und runzelig, der zwischenliegende Raum
jn der Mitte zwischen den Gastrocälen schmäler als das Mittel-
feld des Postpetiolus und slark nadelrissig; Hinterleibssegment 3
breiter als lang.
Ein Männchen von Crefeld.
1^ var. 1. FĂĽhler schwarz, nur das erste Ghed der
Peitsche an der unteren Seite gelbbraun und an den Gliedern,
welche bei der Slammart den weissen Ringel tragen, ist an
der Aussenseite ein heller Schimmer zu bemerken; Segment 2
an den Seiten und am Hinterrande braunroth, sonst der ganze
Hinterleib schwarz; Beine wie bei der Stammart; die bei die-
ser am Metathorax fehlenden Leisten sind bei der Varietät
vorhanden, jedoch nur sehr .schwach angedeutet, es ist aber
289
die Foi-m der ar. superoin., welche vorn sehr stark bogenförmig
und breiter als lang ist, deutlich zu erkennen.
Ein Männchen am I T). Juni auf SchirmptJanzen bei Bir-
kenfeld gefangen.
20. lehn, rugosus. ,^ Tischb.
Diese neue Art habe ich in der Stettiner Entom. Zeitung,
Band 34, Seite 435, beschrieben und bemerke hier, nachdem
ich im vorigen und diesen Sommer mehrere Exemplare dieser
Art gefangen habe, dass die Farben des Kopfes an den mei-
sten Exemplaren mehr gelb als weiss sind. Ferner bemerke
ich, dass der Satz: ,,Gastrocälen klein und schwarz runzelig*""
einen Sinn entstellenden Druckfehler enthält, es soll heissen:
,,Gastrocälen fast gross und schwach runzelig^'.
An Varietäten habe ich weiter gefunden:
var 2. Wie var. J , doch auch vur den FlĂĽgeln ein
gelber Fleck und die voi'dere Hälfte der Flügelschuppe gelb.
var. 3. Wie var. 1 , Jedoch fehlen die Flecken vur
und unter den FlĂĽgeln.
var. 4. Die hintere HĂĽfte des Segmentes 1 und Seg-
ment 2 und 3 röthlich.
var. 5. Segment 7 mit oblongem weissen Fleck.
var. 6. Flügelschuppe ganz gelb, hintere Hälfte des
Segmentes 1, Vorderrand des Segmentes 2, Vorder- und
Hinterraud des Segmentes 3 rostroth. Segment 7 mit weissent
Fleck.
21. lehn, bisignatus. ^ Gr.
Zu den in der Entomol. Zeitung, Band 34, Seite 432,
l)eschriebenen beiden Varietäten habe ich eine dritte gefunden,
die ich hier beschreibe.
var. 3. Grundglied der Antennen schwarz, das Seg
ment 2 ist schwarz bis auf die Vorderecken, welche bis
hinter die Gastrocälen gelb sind, das Segment 3 ist gelb mit
dreieckigem schwarzen Fleck am Vorderrande und verschwom-
menem schwarzen Fleck in der Mitte; Segment 4 ist schwarz
mit gelben Seiten und Hinterrand.
Am 10. August I Exemplai- im Buclienwalde bei Birkeu-
feld gefangen.
22. lehn, halteatus. $ W.
Die FĂĽhler der kleineren Exempkire sind mitunter nach
dem Ende so wenig zugespitzt, da^s man sie für fadenförmig
halten könnte.
19
290
23. lehn, luteipes. $ W.
Diesen seltenen Ichneumon erhielt Wesmael vom Profes-
sor Kriechbaumer, der ihn bei Chur gefangen hatte. Ich habe
diese Art auch bei Birkenfeld im Buchenwalde, unter Moos
im Winterquartier, Anfangs März, gefunden. Ausserdem be-
sitze ich sie aus dem sĂĽdlichen Frankreich.
24. lehn, diversor. $ W.
Diese seltene Art war bisher nur aus Schweden bekannt.
Ich habe sie jetzt auch von Elberfeld erhalten, woselbst sie
durch Oberlehrer Cornelius gefangen Mairde. Da sie eine
rothe Hinterleibsspitze mit weissen Flecken hat, so passt sie
nicht so ganz in die Sect. IV. T., deren Weibchen eine
schwarze Hinterleibsspitze mit weissen Flecken besitzen.
25. lehn, xanthoriur.
Es ist Kriechbaumer's Verdienst, zuerst darauf hingewie-
sen zu haben, dass lehn, xanthorius. r^, Grav. lehn. Europ.
P. I. pag. 361 — Wesmael Tent. pag. 61, nicht zu lehn,
xanthorius. $ Forst. Gr. W. gehört, sondern zu lehn, sexcinc-
tus. $ Gr. Pars I. pag. 454."
Das Männchen zu lehn, xanthorius $ Forster ist lehn,
quadrifasciatus r^ Gr. und lehn, flavoniger r^ Gr. und wie folgt
zu beschreiben:
lehn, xanthorius. ,^.
lehn, quadrifasciatus. ,^ Gr. I. 402.
lehn, flavoniger. ,^ Gr. I. 403.
Sch-warz und gelb. Kopf schwarz mit gelben Palpen,
Mandibeln, Gesicht nebst Kopfschild und Oberlippe; FĂĽhler
schwarz mit gelber "\^)rderseite des Grundgliedes; am Thorax
sind gelb: der Halskragen, ein Fleck vor und ein anderer unler
den FlĂĽgeln, das Schildchen und 2 Flecke am Metathorax;
die Flügel sind angeräuchert mit gelber Schuppe, gelbbraunem
Male und solcher Riindader; die Beine mit den HĂĽften und
Trochunteren sind gelb und schwarz; am Hinterleibe sind die
Segmente 1 bis 4 entweder schwarz mit gelben Hinterräudern
oder gelb mit sciimäleren oder breiteren Vorderrändeni.
10 — 19 mm.
Kopf, Tiiorax und Seiiteihnn stark iiiid dielit punktlrt,
-Metathorax nnr/.elig inid stark punktirt, die Leisten .seharf,
ar. supentm. n.eistens längei- als breit, selten quadratiscli, naeh
291
hinten etwas verengt, hintere Leiste mit einwärts stehendem
schwachem Winkel; Postpetiolus schwach nadelrissig; Gastro-
eälen grubenförmig , gross und runzelig, der zM'ischenliegende
Raum etwa so breit wie das Mittelfeld des Postpetiolus, und
stärker als dieses' nadelrissig.
In meiner Sammlung habe ich folgende Vai'ietäten auf-
gestellt:
var. 1. lehn, (^uadrifasciatus. q Gr.
Hinterleibssegmente 1 — 4 schwarz mit gelbem Hinterrand.
var. la. Ganz mit Gravenhorst's Beschreibung ĂĽberein-
stimmend. Montpellier.
var. Ib, Wie var. la., aber Segment 6 mit schmalem
gelben Hinterrand und Segment 7 mit gelbem Fleck. Mont-
pelher.
var. Ic. Wie var. la., jedoch Segment 4 nur an den
Hinterecken gelb. Montpellier.
var. 2. lehn, flavoniger. ,^ Gr.
Hinterleibssegmente 1 bis 3 gelb, an der Basis schwarz,
4 ganz sclnvarz oder gelb oder schwarz und zum Theil gelb.
var. 2a. Segment 4 ganz gelb. Dalmatien.
var. 2b. Segment 4 schwarz mit gelbem Hinterrand.
Birkenfeld, Wien.
var. 2c. Segment 4 gelb mit schwarzem Yorderraud.
Dalmatien, Wien.
26. lehn. Lieh teilst eini. ,^ Tischb.
Schwarz und gelb. Am schwarzen Kopfe sind gelb: die
Palpen, Mandibeln, das ganze Gesicht oder nur der Augeu-
rand des Gesichtes; FĂĽhler schwarz mit gelber Vorderseile
des Grundgliedes; am Thorax sind gelb: Halskragen, ein Punkt
vor und ein Punkt unter den FlĂĽgeln, Scutellum und Post-
scutellum, am Mesothorax stehen 3 gelbbraune Flecken, die
mitunter aber auch fehlen; Flügel gelbgrau angeräuchert. Mal,
Randader und Rand der FlĂĽgelschuppe gelb; an den Beinen
sind die Coxen und Trochanter schwarz, die Apophysen, Schen-
kel, Schienbeine und Tarsen gelb; am Hinterleibe sind die
Segmente 1 bis 4 gelb, der Stiel und Yorderrand des Seg-
mentes 2 sind rostroth, die Segmente 3 und 4 haben eben-
falls rostrothen Yorderrand, in dessen Mitte aber eine abge-
kĂĽrzte schwarze Linie steht. 14 mm.
Kopf und Thorax dicht und stark punktirt, Metathorax
runzelig punktirt. ar. superom. breiter als lang, halbmond-
förmig; Postj)etioliis schwach nadelrissig; Gastrocälen gruben-
19*
29'^
förmig, runzelig, aber nicht giü,-?«, zwischenliegeuder Raum
breiter und stärker nadelrissig als das Mittelfeld des Postpetiolus.
var. 1. Metathorax mit 3 gelbbraunen Flecken.
Von Lichtenstein bei Montpellier gefangen.
27. lehn, nemoralis. ,^ Tischb. *)
Schwarz und gelb. Am schwarzen Kopfe sind die Pal-
pen, Mandibeln und mehr oder weniger das Gesieht und die
Oberlippe gelb; die Vorderseite des Grundgliedes der FĂĽhler
ist gelb; am Thorax sind gelb: ein langer Strich vor und ein
Strich unter den FlĂĽgeln, das Scutelhim und zwei Striche vor
demselben an der Aussenseite der Leisten, sowie 2 Flecke am
Metathorax; die FlĂĽgel sind getrĂĽbt mit gelbrothem Malie und
solcher Randader, die FlĂĽgelschuppe ist gelb; die HĂĽften sind
schwarz, die mittleren und hinteren mit gelbem Fleck, die
Trochanteren schwarz, die Apophysen seliAvarz oder gelb, die
vorderen Schenkel sind gelb mit schwarzer Hinterseite, die
mittleren Schenkel schwarz bis zur Hälfte, dann gelb, die
hinteren Schenkel sind schwarz mit gelben Knien, die Tibien
und Tarsen sind gelb; Hinterleibssegmente i bis 4 gelb, 1 mit
schwarzem Stiel, 2, 3 und 4 mit rostrothem Vorderrand; Bauch
der Segmente 2 bis 4 gelb, 5 bis 7 gelbbraun. 13 — 18 mm.
Kopf und Thorax dicht punktirt, Scutellum erhaben, dicht
punktirt; Metathorax rauh punktirt, ai-. superom. länger als
breit, vorne und hinten bogenförmig, an den Seiten gerade
oder last gerade begrenzt; Postpetiolus schwach nadelrissig;
Gastrocälen grubenförmig, mittehnässig gross und tief, runzelig,
der zwischenliegende Raum so breit als das Mittelfeld des
Postpetiolus und nadelrissig; Segment 3 breiter als lang.
Bei Birkenfeld am 10. August im Buchenwalde gefangen.
var. 1. Segment 4 mit abgekĂĽrzter schwarzer Linie am
Vorderrande, Segment 5 mit gelben Seiten und gelbem Hinter-
rande. Wien.
var. 2. Die gelbe Zeichnung vor dem Scutellum nur
durch einen Punkt angedeutet, Segment 2 an den Seiten von
ilen Vorderecken bis zur Mitte, Segment 3 am Vorderrande
und an den Seiten )»is zur Hälfte schwarz, Segment i am
Vorderrande mit abgekĂĽrzter schwarzer Linie.
Bei Birkenfeld am 16. August im Buchenwalde gefangen.
(Schhiss folgt.)
^) lehn, noniuralis. l-'ourcroy i.^L oiii lU-solcptuti ; und ilesylialb der
^Na^au bei Ichiieuiaou wold v^'ieder zu vcrvvendoii.
293
Exotisches
von
H. B. novellier in Kronförstchen bei Bautzen.
(Fortsetzung.)
Die nun folgenden Bombjcidae bespreche ich nach dem
Verzeichniss der Verfasser von 1868. Eine neuere Arbeit
Grote's ĂĽber einige Familien der Spinner, vom November 1874,
welche mir dui'ch die GĂĽte des Verfassers in einem Separat-
abdruck vorliegt, werde ich an den betreffenden Stellen an-
führen. Auffallend ist es, dass in dem älteren Verzeichniss
die Gattung Nola Leach ganz fehlt, sie scheint von den Ver-
fassern nicht zu den Spinnern gezählt worden zu sein.
Zeller in seiner Arbeit „Beiträge zur Kenntniss der nord-
amerikanischen Nachtfalter" in den Verhandlungen der zool.-
bot. Gesellschaft in Wien, März 1872, beschreibt 5 Arten,
nämlich: Malana Fitch, Nigrofasciata Zell., Minuscula
Zell., Melanopa Zell., Strictalis Zell. Zu diesen Arten
tritt noch Zelleri Grt., welche mit der von Zeller beschrie-
benen Malana Fitch identisch ist; Zeller hatte diese Art ver-
kannt und fĂĽr Malana angesehen. Mir ist bloss diese Art in
Natur bekannt. Von Nigrofasciata, Melanopa und Stric-
talis giebt Zeller auf tab. 11., f. 1, 2 u. 3, Abbildungen der
VorderflĂĽgel.
Bei den Verfassern beginnen die Spinner mit den Litho-
siinae, welche 10 Gattungen in folgender Reihe enthalten:
Hypoprepia Hb. mit Fucosa Hb. = Atolmis tricolor Fitch
und als mögliche Varietät Miniata Kb. (Ijithos.) = Gnophria
vittata Harr.
Cisthene Wlk. Subjecta Wlk. = Hypoprepia Packardii
Grt.. und als mögliche Varietät Unifascia Grt. & Rbs.
Stretch bildet noch zwei Arten ab, nämlich Faustinula Bdv.
und Nexa Bdv.; beide sind von Boisduval in seinen Lepidopt.
de la Californie als zur Gattung Lithosia gehörend, beschrieben.
Lithosia Argillacea Pack. = Bicolor Grt. und Cephalica
Grt. & Rbs. Letztere Art ist erst später — 1870 — publicirt.
Crambidia Pack. Pallida Pack.
Eustixis Hb. Pupula Hb. = Laeta Hb. -Geyer. = Mieza
Igninix Wlk. Subfervens Wlk (Mieza) spec. distinct?
294
ricmcnsia Pack. Albata Pitck. = Repa Cana Wlk. und?
IJxia Alhida Wlk. Diese Gatlung sielil Nola sehr nahe, Rippe 5
der HinferfUigel entspringt wie bei Roeseha aus der JVĂĽtte der
Mittelzelle. Der Mann fĂĽhrt auf der Unterseite der Vorder-
fitigel in Zelle 1 nahe der Wurzel einen starken Haarbusch,
den Pack, unerwähnt lässt.
Euphanessa Pack. Mendica Wlk. (Nudaria) =a Endule
Biseriata H. Seh. exot. Die Gattung steht Nudaria sehr nahe,
unterscheidet sich aber schon durch die grosse Anhangzelle
der VorderflĂĽgel.
Als zu dieser Art gehörend wurde mir eine Raupe in
Abbildung zugesandt, welche einer Spannerraupe vollkommen
gleicht. Liegt hier keine Verwechslung zu Grunde, so wäre
dies ein sehr interessantes Factum. Der Schmetterling unter-
scheidet sich von den Spannern durch die nicht wurzelwärts
gegabelte Dorsalrippe der VorderflĂĽgel, das Fehlen der Haft-
borste und der OceUen.
Das Weib dieser Art scheint selten zu sein, ich erhielt
stets nur Männer. Ueber die Raupe könnten amerikanische
Entomologen gewiss leicht Klarheit bringen.
Dysauxes Hb. Mediastina Hb.
Crocota Hb. mit 8 Arten: Rubicundaria Hb. Brevicornis
Wlk. var. Rubicundaria Wlk. = ? Eubaphe Aurantiaca Hb.
Quinaria Grt. = Choroina Reakirt, Nigricans Reak. Immaculata
Reak. var. trimaculosa Reak. Ferruginosa Wlk. Opella Grt. ?
Laeta Bdv. (Lithos.) = Treatii Grt.
Utetheisa Hb. = Deiopeia Steph. mit Ornatrix L. (Noct.)
Bella L. (Tin.) Speciosa Wlk. (Deiop.) Stretch bildet noch
eine vierte Art ab, in welcher ich nur Lotrix Cr. 109 f. E. F.
erkennen kann.
Will man als Unterschied zwischen den Lithosidae und
Arctiidae das Vorhandensein oder Fehlen der Nebenaugen
gelten lassen, und es ist wohl das einzige Trennungsmerkmal,
so gehört diese Gattung in Folge ihrer deutlichen Nebenaugen
nicht hierher, sondern in die nächste Famihe. Herr.-Schät!'.
bezweifelt, dass man Deiopeia und CaUimorpha ĂĽberhaupt ge-
nerisch trennen kann. Ob der Gattungsnam.e Utetheisa Hb.
vor Deiopeia Steph. Berechtigung hat, kann ich nicht ent-
scheiden.
Die nun folgenden Arctiinae zerfallen in 19 Gattungen
imd sind die Verfasser, hier wie ĂĽberhaupt bei den Spinnern,
in der Hauptsache Packard's System gefolgt. Da ich von den
hierhergestellten Gattungen die meisten — 15 in Natur vor
mir habe, so wifl ich dieselben etwas eingehender besprechen.
295
Stretch fĂĽhrt in seinem Werke noch zwei weitere Gattungen,
Leptarctia Stretch und Kodiosonia Stretch auf, von welchen
ich nur die erstere in Natur kenne.
Callimorpha Ltr. mit drei Arten: Clymene Esp. =
Carolina Harr. Dass die Verfasser „Hypercompa" Clymene
Esp. citiren, beruht wohl auf einem Irrthum. Esper, welcher
diese Art als europäisch beschrieb und abbildete, hat, soviel
mir bekannt, dieselbe wie die übrigen Arctien mit ungekämm-
ten FĂĽhlern als Noctua aufgefĂĽhrt.
Interrupto-marginata Beauvais (Bomb.) =3 Hypercompa
Comma Wlk. u. Lecontei Bdv. = Militaris Harr. Leucomelas
H. Seh. mit den Varietäten Confinis Wlk. (Hypercompa"^ Con-
tigua Wlk. (Hyperc.) Fulvicosta Clem. (Hyperc.) == Tanada
Conscita Wlk. Lecontei variirt in der Zeichnung der Vorder-
flĂĽgel ausserordenthch.
Epicallia Hb. mit Virginalis Bdv. — Chelon. — and deren
Varietät Guttata Bdv. — Agarista — Guttata, welche auch
H. Seh. Exot. 464 als Pleretes abbildet, unterscheidet sich
dadurch von der Stammart, dass die HinterflĂĽgel, welche bei
Letzterer gelb mit schwarzen Flecken sind, hier schwarz mit
einzelnen gelben Flecken erscheinen.
Ob die Gattung erhalten bleiben kann, wage ich nicht
zu entscheiden, von Pleretes und Callimorpha trennt sie mĂĽ-
der hornige Stachel an der Innenseite der Vorderschienen.
Platarctia Pack, mit Parthenos Harr. = Arctia Boreahs
Möschl. Hyperborea Curt. Scudderii Pack. Modesta Pack. Mir
ist nur die erste Art in Natur bekannt.
Von Pleretes trennen diese Gattung die deutlich kamm-
zähnigen Fühler des Mannes, von Arctia die anliegende Be-
schuppung des Körpers, sowie die nicht aus gleichem Punkt
entspringende Rippe 4 und 5 der HinterflĂĽgel.
Die Gattung stellt gewissermassen ein Bindeglied zwischen
Pleretes und Arctia dar.
Callarctia Pack, mit Ornata Pack, mir fremd.
Euprepia Germ, mit Americana Harr.
Die Verfasser trennen diese Gattung von den ĂĽbrigen
Arten der Gattung Arctia aus mir unbekannten GrĂĽnden.
Wie ich frĂĽher bereits dargelegt, ist E. Americana nur
Lokallbrm unserer Caja L. Bei einem meiner fĂĽnf Exemplare
flieser Art aus Labrador ist der Halskragen vorn nur an den
Ecken weissgesäumt.
Arctia Schk. mit Virgo L. Saundersii Grt. = Virguncula
Ă–aund. Achaia G. & R. Blackei Gt. Phyllira Dr. Figurata Dr.
= Celia vai-, Saund. Nais Dr. = r^ Phaleiata Harr. Deco-
296
rata Saund. = ,j Apantesip rarlian? Wlk. nberr. ii. $ Alna
coJorala Wlk. Nevadensi? G. & R. Anna Grt. Complicata "Wlk.
Persephone Grt. = Virguncula Wlk. Virguncula Kb. = Nais
Saund. Daluirica Bdv. Spcciosa Möschl. Quenselii Payk. —
Oelida Müschl. ist, wie ich früher erwähnte, die im Weib aller-
dings sehr abweichende Labradorform von Quenselii, kann aber
ihren Namen als Varietät recht wohl behalten. Arge Dr. =3
Diene Abb. Placentia Abb. Pallida Pack. Hierzu treten als
neue, von Stretch seitdem theil weise abgebildete Arten: Behrii
Str. WiUiamsi. Bolanderi Str. Aiitholea Bdv. Edwardsii Str.
Von diesen Arten, soweit ich dieselben in Natur unter-
suchen kann, fĂĽhren Nais, PhjUira und Virgo eine deutliche
Kralle der Vorderschienen, bei Quenselii, Speciosa, Arge, Achaia
fehlt dieselbe, ob die ĂĽbrigen Arten eine Kralle fĂĽhren, weiss
ich nicht.
Virgo, Nais, Speciosa, Quensehi fĂĽhren keine Anhang-
zelle der VorderflĂĽgel. Quenselii soll sie zwar nach Heine-
mann haben, ich finde sie aber bei einem soi^fältig abge-
schuppten Exemplar von Labrador nicht.
Von den mir in Natur vorliegenden Arten haben gekämmte
männhche Fühler Virgo, Nais, Autholea, Quenselii, Speciosa,
Arge Dr., Phyllira Harr., Achaia Gr. (& Rb., nach den Ab-
bildungen bei Stretch auch Behrii, Autholea, Bolanderi, ferner
Dahurica, die ĂĽbrigen Arten kenne ich nicht. Von Nais be-
sitze ich neben mehreren Männern auch zwei Exemplare,
welche ich nach dem Hinterleib unbedingt fĂĽr Weiber ansehen
muss, aber auch sie haben gekämmte Fühler; ob diese Art
eine solche Ausnahme von den Verwandten macht, weiss ich
nicht.
Durch das Vorhandensein einer Vorderschienenkralle nähern
sich die betreffenden Arten sehr der Gattung Euprepia —
Pudica Esp. — Diese trennen die ungekämmten Fühler des
Mannes allein, denn eine Anhaiigzelle fĂĽhren auch Arten von
Arctia, wie wir diese Gattung zu begrenzen pflegen.
Nemeophila Steph. mit Caespitis G. & R. Cichorii
G. & R. Petrosa Wlk. Californiae Wlk. Rufula Bdv.
In Natur sind mir alle fremd, aber Caespitis & Cichorii
möchte ich nach den vorliegenden Abbildungen nur für Varie-
täten unserer Plantaginis L. halten.
Zu Petrosa soll auch die von den Verfassern frĂĽher unter
den Zjgaeninae aufgeführte Eupsychoma Geometroides gehören.
Seirarctia Pack, mit Echo Abb. u. Clio Pack, kenne
ich nicht in Natur, ebenso ist mir Ectopia Clem., Bivittata
Clem. fremd.
297
Pyrrharctia Pack, mit Isabella Abb. & Californica Pack.
Isabella besitze ich, sie unterscheidet sieh von Arctia
durch die nicht kammzähnigen, sondern nur kurz und dünn
bewimperten männhchen Fühler;, wie bei jener Gattung ent-
springt Rippe 10 der VorderflĂĽgel aus der vordem Mittelrippe,
Rippe 4 und 5 der HinterflĂĽgel aus gleichem Punkt.
Das Weib von Isabella zeigt eine gewisse Aehnlichkeit
mit Flavida Brem. — Metelkana Led.
Bemerkt mag hier sein, dass wenn Heinemann in seinem
Werk bei Arctia Rippe 4 und 5 der HinterflĂĽgel als aus
gleichem Punkt entspringend angiebt, die von ihm zu dieser
(rattung gestellten Arten Russula und Plantaginis nicht zu
derselben gehören, denn bei beiden entspringt 5 weit von 4
getrennt, ebenso bei Flavida, und die Stellung dieser Arten
bei Nemeophila erscheint dadurch begrĂĽndet.
Phragmatobia öteph. mit vier Arten: Rubrieosa Harr.,
Vagans Bdv., Dubia Wlk. und Assimilans Wlk. Letztere ist mit
? als nordamerikanisch aufgefĂĽhrt.
Von diesen Arten kann ich nur Vagans untersuchen,
welche allerdings von Phragmatobia abweicht und sich auch
nicht gut bei Arctia unterbringen lässt. Von ersterer (lattung
trennen sie die starkgekämmten Fühler des Mannes und der
wollig behaarte Thorax desselben. Von Arctia unterscheidet
sich die Art dadurch, dass auf den HinterflĂĽgeln Rippe 3, 4
und 5 dicht nebeneinander entspringen.
Antarctia Hb. mit Punctata Pack, mir fremd.
Leucarctia Pack, mit Acraea Pack. = $ Acria Dr.,
,j Caprotina Dr. u. Californica Pack.
Mir ist nur die erstere Art bekannt, welche sich wohl
kaum von Spilosoma wird trennen lassen. Geäder, Fühler,
Palpen, Stellung der Spornen der Hintersehienen, selbst Fär-
bung und Zeichnung des Hinterleibes und der FlĂĽgel stellen
sie zu jener Gattung. Die verhältnissmässig kürzeren Fühler
und die gestrecktere Form der FlĂĽgel scheinen mir keine ge-
nĂĽgenden Trennungsmerkmale zu sein.
Spilosoma Steph. mit Virginica Fb. Congrua Wlk.
Vestalis Pack., von welchen mir Congrua fremd ist. Stretch
bildet noch Latipennis ab.
Hyphantria Harr, mit Textor Harr. = Spilos. Candida
Wlk. Punctata Fitch. Cunea Dr. = Punctatissinia Smith.
Mir ist nur Punctata fremd.
Von Spilosoma unterscheidet sich diese Gattung durch
den Rippenverlauf der VorderflĂĽgel, auf welchen Rippe 10
nicht aus. sondern dicht vor 7 entspringt, auch finde ich
298
bei meinen Exemplaren von Textor imd Cnnea keine Mittel-
spornen der Hintersehienen.
Text(»r variirt ausserordentlich in der Zeichnung der Vor^
derflĂĽgel, ich besitze ein StĂĽck, welches auf denselben keine
Spur von braunen Flecken zeigt.
Hübner Zuträge, f. 387, 88, findet sich ein hierher ge-
hörendes, rein weisses Thier von Florida als Budea abgebildet,
welches vielleicht eine rein weisse Varietät von Textor ist,
denn Cunea bildet HĂĽbner ebenfalls ab.
Euchetes Harr, mit Egle Dr. u. var. Collaris Fitch. =
Tanada Antica Wlk. u. Eglenensis Clem.
Mir sind nur Egle Dr. und Collaris Fitch bekannt.
Arachnis Hb. mit Picta Pack.
Diese Gattung bildet den Uebergang zu der folgenden^
indem die HinterflĂĽgel schon anfangen, die eigenthĂĽmliche
dreieckige Form zu zeigen. Hb. Ztg. f. 913. 14 bildet eine
zweite Art als Aulaea ab, welche Bdv. als auch in Californien
fliegend anfĂĽhrt. Der Unterschied zwischen beiden Arten liegt
in der Färbung der Vorderflügelunterseite, bei Aulaea ist deren
Vorderrand roth, bei Picta gelb gefärbt.
Ecpantheria Hb. mit Scribonia Stoll. Oculatissima Smith.
Cunegunda Beauv. Diese Gattung zeichnet sich durch die am
Afterwinkel eigenthümlich verlängerten Hinterflügel des Man-
nes aus, bei den sĂĽdamerikanischen Ai-ten tritt dieses Merk-
mal noch stärker hervor.
Halisidota Hb. — Phoegoptera Bdv. mit Tessellaris Hb.
= Antiphola u. Harrisii Wlsh. Cinctipes Grt. = Tessellaris Wlk. ;
fraglich ist, ob diese Art noch nördlich bis in die vereinigten
Staaten reicht. Caryae Harr. = Annulifascia Wlk. = Porph}--
ria H. Seh. Maculata Harr. == Fulvoflava Wlk. = Guttifera
H. Seh. Californica Wlk. = Anguhfera Wlk. Agassizii Pack.
= Salicis Bdv. Edwardsii Pack. = Translucida Wlk. := Quer-
CU6 Bdv. Argentata Pack. ? Roseata Wlk. und die von Stretch
abgebildete Sobrina Str.
In Natur kenne ich nur Tessellaris, Caryae und Agassizii;
in Abbildungen ausserdem Edwardsii, Sobrina und Argentata.
Halisidota ist eine eigenthĂĽmliche, sich an manche Syntomiden-
Gattungen anschliessende Gattung, deren meiste Arten dem
tropischen Amerika angehören.
Mit dieser Gattung schliessen die Arctiineu der Verfasser,
die bei Stretch angefĂĽhrten Gattungen Leptarctia mit Decia
Bdv., Lena Bdv. und Dimidiata Str., sowie Viodiosoma mit
Fulva Str., Nigra Str., Tricolor Str., Favensii Str., sowie Va-
nessodes Grt. & Rb. mit Clarus Grt. & Rbs., Trans. Am. Ent.
299
Soc, 1870 Oetbr., p. 176, von Texas, scheinen bei Herausgabe
dieses Verzeichnisses den Verfassern noch nicht bekannt ge-
wesen zu sein.
Nachdem Vorstehendes bereits niedergeschrieben war, er-
hielt ich durch Grote's Güte ein Exemplar seiner Arbeit, „No-
tes on American Lepidoptera with Descrij)tions of Twenty —
one New Species in den Bullet: Buflalo Soc. Nat. Sc. Sept. 1874^'.
Da ein Theil der hier neu beschriebenen Arten in meiner
jetzigen und früheren Arbeit zu besprechen gewesen wäre, so
erwähne ich derselben hier.
Es werden folgende neue, dem nordamerikanischen Fau-
nengebiete eigene Arten beschrieben.
Sphingidae: Hemaris Palpalis Grt. aus der nächsten
VerAvandtschaft von Tenuis, von allen Verwandten durch die
orangegefärbten Palpen und schAvarze, nicht in der Mitte
röthlich behaarte Afterspitze verschieden, A^on Brittisch Co-
lumbia.
Lepisesia Victorina Grt. von Brittisch Columbia.
Gerat omia Hageni Grt. von Texas.
Sodann bemerkt der Verfasser, dass Ellema Harrisii
Clem. sj'nonym mit Lapara Bombycoides Wlk. ist, wodurch
sich die Zahl der frĂĽher verzeichneten Arten um eine ver-
mindert. Dagegen treten als in Florida gefunden zwei neue
Arten hinzu, nämlich Pachylia ficus L. und Amphonyx
Antaeus Dr. Smerinthus Pallens Streck, wird von Grote
für Varietät von Juglandis Smith-Abbot erklärt. Sphinx
P^remitoides Streck, erklärt Grote für wahrscheinlich identisch
mit Sph. Lugens Wlk. In Check List of North American
Sphinges in Bulletin of the Buffalo Soc. of Nat. Scienc. Vol. U.
No. 4 (1875) fĂĽhrt Grote noch folgende Arten als in Nord-
amerika vorkommend auf: Darapsa Myron var. Cnotus HĂĽbn.
Ztg. Südstaaten. — Sphinx Perelegans H. Edw. Californien. —
Sphinx Oreodaphne H. Edw. Californien. — Sphinx Vancouve-
rensis H. Edw. Californien.
Bombyces: Die Gattung Crocota Hbn. glaubt der Ver-
fasser von den Lithosidae hinweg und zu den Arctiinae hin
versetzen zu mĂĽssen, da alle die betreuenden Arten Neben-
augen haben, „since it is excluded from the Lilhosians by the
presence of simple eyes'-^ Mir scheint dies Merkmal nicht zu
genĂĽgen, so nahe verwandte Gattungen so weit von einander
zu trennen. Bimaculata Canad. Entom. 2. pp. 4 — 6. 1869
ist das Weib von Quinaria Grt. Er glaubt, dass von zwei
veränderlichen Arten die Synonymie verwirrt ist.
300
Varietät von Brevicornis Walk, möge Rubicnndaria
Hb. Ztg. sein. In diesem Falle wird aber HĂĽbner's Name als
der ältere als Artname bleiben müssen und Walker's Name
muss die Varietät bezeichnen, wenn letztere auch die gewöhn-
liche Form sein sollte; ebenso glaubt Grote, dass Aurantiaca
Hb. und Ferruginosa Wlk. sj^nonjm sind.
Hypoprepia Miniata Kb. wird nun als Varietät zu
Fucosa Hbn. Ztg. gestellt, ebenso Cisthene ĂĽnifascia
G. & R., Trans. ^Amer. Ent. Soc. Vol. IL No. IV. PI. II.
f. 63. pag. 9. $, zu Subjecta Wlk,; als neue Art tritt zu:
C. Tenuifascia Harr, von Texas als Lithosia.
Die von Boisduval in den Lep. de la Calif. beschriebenen
und von Stretch als Cisthene abgebildeten beiden Arten Nexa
u'nd Faustinula werden als Arten einer neuen Gattung,
Byssophaga Behr (1872) aufgeführt; als Varietät zu Fausti-
nula gehört Fusca Stretch.
Zu Lithosia treten neu hinzu:
Casta Sanborn, New- Hampshire u. New-York, u. Candida
H. Edw. Vancouvers Island, ferner die in Trans. Am. Ent.
Soc. (1870 Octbr.) p. 176. beschriebene Cephalica Grt. (fe Rh.
von Texas.
Zu Clemensia kommen ebenfalls zwei neue Arten,
nämhch L^mbrata Pack, von Californien u. Irrorata H. Edw.
von Vancouvers Island.
Neu ist die Gattung Roeselia Hb., fĂĽr welche aber als
ein Jahr älter der von Leach gegebene Name Nola die
Priorität hat. Grote führt als Arten an: Nigrofasciata Zell.,
Minuscula Zell., Melanopa Zell. Warum Strictalis Zell,
weggelassen ist, weiss ich nicht. In seiner Arbeit ĂĽber die
nordamerikanischen Noctuinen im Jahrg. 36 (1875) dieser Ztg.,
pag. 342, sagt Grote:
„Nolaphana Gr. besitzt Nebenaugeu und gehört unter die
Noctuinen, nicht zu den Tortriciden, zu welchen Fitch sie
stellte. Zwei Arten sind bekannt: Malana Fitch u. Zelleri Gr.^'
Warum Grote diese beiden Arten zu den Noctuinen stel-
len will, ist mir nicht klar, der Nebenaugen wegen kann es
rloch wohl nicht geschehen, denn solche fĂĽhren ja auch die
Arctiincn. Wenn Malana und Zelleri Nebenaugen besitzen,
während solche den übrigen Nola-Arten fehlen, so ist dies
eben wieder ein Beweis, auf wie schwachen FĂĽssen unsere
â– kĂĽnstlich gebildeten Familien und Gattungen im System theil-
weis stehen, wenn zwei Arten, welche sich in ihrem ganzen
Habitus eng an die Verwandten anschliessen, dann nicht nur
in eine eigene Gattung, sondern sogar in eine andere Familie
30!
versetzt werden mĂĽssen, so unnatĂĽrlich und gezwungen diese
Stellung auch sein mag.
An die Arctiinae schhessen sich bei Grote die Dasy-
chirinae entsprechend unsern Liparidae. Die Familie enthält
0 Gattungen mit 18 Arten.
Orgyia Ochs, mit Nova Fitch, mir fremd, Leucostigma
Smth.-Abb., Definita Pack. u. Vetusta Bdv. Letztere mir
unbekannt. Die beiden mir bekannten Arten gehören in die
Verwandtschaft von Trigotephras Bdv., und zu Leucostigma
gehört zweifellos als Synonym Cladophora Leucographa
Hb. Ztg. 745, 46 von Georgien.
Parorgjia Pack, mit Plagiata G. <k, R. Clintonii
G. & R. Leucophaea Smth.-Abb. Basiflava Pck. Obli-
quata G. (t R. Parallela G. & R. Achatina Smth.-Abb.
Cinnamomea G. & R. Claude sti na Wlk., mir sämmtlich
unbekannt.
Laria Curt. mit Rossii Curt. Soviel mir bekannt, i.st
nicht Curtis, sondern HĂĽbner Autor zur Gattung Laria, und
Rossii hat ihren Platz nicht in dieser Gattung, sondern in
Dasycliira Steph., mit deren ĂĽbrigen Arten sie in allen StĂĽcken
ĂĽbereinstimmt.
Carama Wlk. Cretata Gr. mir fremd.
Lagoa Harr, mit Crispata Pck.. Opercularis Smth. Abb.
und Pyxidifera Smth. Abb.
Die Arten dieser Gattung zeichnen «ich durch die eigen-
tliĂĽmliche, wollige Bedeckung der VorderflĂĽgel au,^.
Die nun folgenden Cochlidiinae zeigen der europäischen
Fauna gegenĂĽber einen merkwĂĽrdigen Reichthum an Gattungen
und Arten. Die Verfasser fĂĽhren von ersteren 13 mit 31
Arten auf, unter Avelchen sehr schön gezeichnete und gefärbte
Thiere sind. Leider besitze ich nur sehr wenige dieser Arten
und muss auf eine eingehendere Besprechung verzichten. Eine
Anzahl hierher gehörender Thiere hat H. Seh. in seinem
Exotenwerk abgebildet.
Euclea Hb. mit Cippu.s Harr. = Querceti H. Seh.
(,iuercicola H. Seh. BifidaPack. Ferruginea Pack. Paenu-
lata Clem. Mir sind nur die beiden ersten Arten bekannt.
Parasa Moore Chloris H. Seh. — Neaera Chloris. —
Diese Art bildet Moore in seinem Werk als ostindisch ab, sie
ist aber sicher nordamerikanisch und von dem verstorbenen
Neustadt in Breslau mehrfach aus von Nordamerika erhalteneu
Puppen erzogen worden, auch icli habe den Falter mehrmals
von Nordamerika erhalten.
303
Monoleuca G. & R. semifascia WIk. Tram. Am. Eiit.
Soc. Vol. II. No. IV. F. 63. c^ p. 10.
Noohelia Clem. Tardigrada Clein.
Empretia Clem. Stimulea Clem.
Phobetron Hb. mit seinen 3 Arten: Pithecium »Smlli.
Abb. = Al)botana Hb. — Hyalinum Walsh., Nigricans
Grt. ist mir fremd.
Limacodes Scapha Harr. Inornata G. & R. Bigut-
tata Pack. Y-inversa Pack. Mir ist nur Scapha in Natur
bekannt.
Eine Unterabtheilung ist Lithacodes Pack, mit Recti-
linea G. & R. Trans. Amer. Ent. Soc. Vol. II. No. IV. PI. II.
f. 62 rj pag. 10. und Fasciola H. Seh. = Laticlavia Clem.
Packardia G. (fe R. = C3'rtosia Pack. Fusca Pack.
Geminata Pack. Ocellata Gr. Albipuncta Pck. mir sämmt-
lich fremd.
Adoneta Clem. Spinuloides H. Seh. Leucosigma
Pack, an spec. praec? Pygmaea G. & R. Ich kenne nur
die erste Art.
Heterogenea Knocli Shurtleffi. Pack.
Kronaea Reak. Minuta Reak.
Isa Pack. Textula H. Seh.
Tortricidia Pack. Pallida H. Seh. Testacea Pack. Fla-
vula H. Seh. kenne ich sämmtlich nicht in Natur.
So reich wie die vorige Familie an Arten war, so arm
ist es die nun folgende der Psychinae.
Dieselbe enthält nur 5 Gattungen mit je einer Art, m)d
eine Gattung wird sicher noch ausgeschieden werden mĂĽssen.
Psyche Ochs, mit Confederata G. & R. Nach Grote's
Abbildung in den Trans. A. E. S. Vol. II. No. 4. T. 3. f. 60.
67. ist es eine mittelkleine ziemlich dicht beschuppte schwarz-
braune Art, der Sack ähnelt dem von Unicolor Hfngl. (Gra-
minella S. V.), ist aber nur halb so gross. Texas, 3Iai, Juni.
Phryganidia Pack. Californica Pack. Diese Gattung
wird kaum in der Familie verbleiben können. Stretch bildet
sowohl beide Geschlechter, als auch das Flügelgeäder ab. ich
besitze nur zwei männliche Exemplare.
Von den Psychinae trennt diese Art das vollständig ge-
llügelte Weib, das Vorhandensein der Zunge und die vollstän-
dig entwickelten, vom Kopf abstehenden, sichelfiirmigen l^al-
pen, ferner die einfache, nicht gegabelte Dorsale der A'order-
Hügel. Das bei Stretch abgebildete Geäder stimmt mit dem-
jenigen, welches meine Exeui])lare zeigen, nicht vollständig
ĂĽberein.
303
Die VorderflĂĽgel haben 12 Rippen, Rippe 2 entspringt
nahe dei* Hinterecke der Mittelzelle, 3 und 4 gestielt aus die-
ser Ecke, 5 aus der Mitte des Querastes, etwas näher an 6
als an 3 und 4; 6 und 7 dicht nebeneinander aus der Vorder-
ecke der Mittelzelle, 8 und 10 aus 7; 9 aus 8, 11 aus der
vorderen Mittelrippe.
HinterflĂĽgel mit 3 Innenrandsrippen, 3 und 4 gestielt aus
der Hinterecke, 6 und 7 auf gemeinsamem Stiel aus der
Vordereeke, 5 aus dem Querast der Mittelzelle, 8 aus der
Wurzel.
Thyridopteryx Steph. Ephemeraeformis Steph. =
Oiketicus coniferarum Harr, und wohl auch gleich Ani-
mulina Dichroa H. Seh. Exot. 520, wenigstens stimmt die-
ses Bild genau mit meinem Exemplar, obgleich die Art, welche
H. Seh. abbildet, aus Brasihen stammen soll.
Herrich SchäfTer wird wohl Recht haben, wenn er glaubt,
dass seine Familien Animulina, Oeceticina, Megalopygina und
Heterogynina später mit den Psychiden zu einer einzigen
Familie zu vereinigen sein dĂĽrften, wenn sie auch einige Ab-
weichungen in einzelnen Körpertheilen und im Geäder zeigen.
Die Gattung Thyridopteryx nähert sich durch den langen, den
Afterwinkel weit ĂĽberragenden Hinterleib und die Gestalt der
FlĂĽgel schon bedeutend Oeketicus..
Lacosoma Grt. mit Chiridota Grt. und Perophora
Melsheimeri Harr. = Arrhodia egenaria Wlk. sind mir
unbekannt.
Die nun folgende Famihe Ptilodontinae, unsern Noto-
dontidae entsprechend, ist wieder reich an Gattungen und
Arten.
Ichthy u ra Hb. — Hier wird wohl der Name Clostera Ochs.,
welcher schon 1810 gegeben wurde, die Priorität haben. Von
den fĂĽnf angefĂĽhrten Arten: Inclusa Hb. Ztg., Ornata Harr.,
Inversa Pack., indentata Pack., Albosignia Fitsch, Yaw Fitsch,
besitze ich nur die erste und dritte, beide haben ganz euro-
päischen Habitus und ähneln Anastomosis und Pigra. Hübner's
Bild in den Zuträgen, F. 561, ist im Colorit ganz verfehlt.
Bdv. in den Lepid. de la Calif. beschreibt noch Incarcerata,
welche Art vielleicht mit einer der übrigen zusammenfällt.
Apatelodes Pack, mit Torrefacta Smth.-Abb. und An-
gelica Grl.
Mir ist nur die erstere Art bekannt, welche allerdings
ein von der vorigen Art sehr verschiedenes Aussehen hat.
A'ordertlĂĽgel mit Anhangzelle, aus ihr Rippe G und 7. Rippe
5 der HinterfUiael ist nicht wie bei der vorioeu GutlunĂĽ,- sehr
304
sc'hwac-li, Hondeia kaum schwächer als die übrigen Rippen,
der Saum der VorderflĂĽgel ist. vor der Spitze ansgenagt, der
Thorax ohne Schopf.
Data na Walk, mit Minislia L)r. Angusii G. ifc R. Major
G. & R. Integerrima G. (fe R. = ? Ministra Sm.-Abb. Con-
tracta Wlk. Perspicua G. & R.
Die drei Arten, M^elche ich vergleichen kann — Ministra,
Angusii und Integerrima — sind sich in Zeichnung und Fär-
bung ausserordentlich ähnlich, und was, von diesen beiden
Punkten abgesehen, die übrigen körperlichen Merkmale anbe-
langt, so stimmen diese Arten sehr mit der europäischen Gat-
tung Phalera (Bucephala) ĂĽberein, der Bau der FĂĽhler ist
genau derselbe, ebenso haben die Hinterschienen 4 Spornen,
die VorderflĂĽgel zeigen wie bei Phaleia eine Anhangzelle, aus
welcher Rippe 6 und 7 entspringen. Rippe 5 der HinterflĂĽgel
ist ebenfalls etwas sch\Aächer als die übrigen Rippen, und 3
und 4 entsp]ingeu ebenfalls wie bei Phalera aus einem Punkte.
Beiläuflg bemerkt ist dieses Merkmal ein sehr untergeordnetes,
ein $ von Integerrima zeigt diese beiden Rippen deutlich ge-
trennt, während der rj und die beiden andern mir vorliegenden
Arten beide Rippen aus einem Punkt entspringend zeigen.
Auch die Bildung des Thorax und Hinterleibes stimmt
ganz mit Phalera ĂĽberein, ersterer zeigt auch die eigenthĂĽrn-
liche, hier dunkle, Zeichnung wie jene Gattung.
Augen ebenfalls nackt. Ob Ocellen vorhanden sind, kaini
ich ohne Beschädigung meiner Exemplare nicht erkennen.
Jedenfalls steht diese Gattung, auch wenn man sie mit
Phalera nicht vereinigen will, Clostei-a viel näher als Apa-
telodes.
Nadata Walk. Alastor Bdv. mil (iibbosa Smth.-Abl). und
der mir fremden Doubledayi Pack.
Gute Gattung, durch den hohen kapiizenartigen Schopf
des Thorax ausgezeichnet. Fühler des Mannes lang gekämmt,
des Weibes gewimpert, VorderlUigel mit Anhangzelle, Hinter-
tlügel mit schwächerer Rippe 5; 3 und 4 nicht aus einem
Punkt, doch nahe bei einander entspringend. Hinterschienen
mit 4 Spornen.
Hyparpax Hb. mit Aurora Smth.-Abb. mir fremd.
Gluphisia Bdv. mit Trilincata Pack. = ? Septentriu-
nalis Wlk.
Boi.sduval in seinen L^pid. de la (j'aliforn. l'ĂĽhrt Crenata Esp.
auf und sagt, dass er diese Art in mit den europäischen ganz
ĂĽbereinstimmenden Exemplaren aus Californien und Nordamerika
erhalten habe.
305
Die beiden männlichen Exemplare stammen aus Pennsyl-
vanien, von wo ich dieselben ohne Namen erhielt. Sie stim-
men in der Grösse mit kleinen Stücken von Crenata überein,
auch die Zeichnung der VordertlĂĽgel ist wie bei jener Art,
die Griuidfarbe dagegen weicht beträchtKch ab, denn die der
VorderflĂĽgel ist ein schmutziges Grau, welches nur im Mittel-
und Wurzelfelde bräunlich bestäubt ist. Die Hintertlügel sind
weissgrau, ohne dunklere Saumhälfte und mit einfarbig grauen
Franzen.
Unterseite weisslichgrau, die dunkeln Querstreifen kaum
angedeutet, die Kammzähne der Fühler kürzer als bei Crenata.
Sollte meine Art mit Trilineata identisch sein, so möchte
ich deren Artverschiedenheit von Crenata nicht anfechten.
Notodonta Ochs. Stragula Grt. Basitriens Walk, und
Californica Stretch. Erstere sind mir völlig fremd; die Letztere
kenne ich nur aus Stretch's Abbildung, die Art ist Dictaea
sehr ähnlich. Nach einer Note der Verfasser ist
Notodonta Plagiata Walk. = Tritophus S. V. mit falsch
angegebenem Vati'rland !
Lophodonta Pack, mit Ferruginea Pack. Angulosa Smth. —
Abb. (lig. inf.) Georgica G. (fe R. = Angulosa Smth. — Abb. (tig.
sup.) mir sämmtlich fremd.
Ebenso kenne ich nicht:
Pheosia Hb. mit Rimosa Pack, und Dimidiata H. Seh.
Letztere Art ist den Verfassern als noi'damerikanische Art
zweifelhaft.
Nerice W^alk. Bidentata Walk.
Von Nodonta durch den kapuzenartigen Schopf des Tho-
rax und die Anhangzelle der VorderilĂĽgel verschieden, Innen-
rand ohne Schuppenzahn.
Edema Walk, mit Albifrons Smth. — Abb. Männliche Füh-
ler mit nackter Spitze, weibliche Fühler fadenförmig. A^order-
IlĂĽgel mit sehr kleiner Anhangzelle, ohne Schuppenzahn. Edema
Producta Wlk. und Edema fuscescens Walk, gehören nach
einer Note der Verfasser zu den Noctuen und in die Gattung
lugura.
Seirodonta Gt. & Rb. mit Bilineata Gt. & Rh. und Muste-
Hira Pack., sowie
Oederaasia Pack, mit Concinua Smth. — Abb. Nitida
Pack. Badia Pck. und
Dasylophia Pack. Anguina Smth. — Abb. = $ Drymonia
cucuUifera H. 5. ,^ Heterocampa punctata Wlk. Interna Pack.
Letzlere Art ist in den Tiansact. of Ihe Americ. Entom. Soc.
20
306
Vol. I. Aug. 1867. PI. IV. f. 31 abgebildet. Die Gattung scheint
Heterocampa sehr nahe zu stehen; endheh
Schizuia Dbl. Ipomeae Dbl. sind mir in Natur l'remd.
Coelodasys Pack, mit Unicornis Ömth. — Abb. =,^Edema
semirutescens Wlk. Edmansii Pack. ApicaUs Gt. & Rb. Lepti-
noides Grt. & Rb. Biguttata Pack. = ^ Heteroc. ducens Wlk.
$ Het. compta Wlk. ? ,^ Het. corticea Wlk. Harrisii Pack.
Cinereofrons Pack. = Het. Ustipennis Wlk. — Unicornis, Bi-
guttata, Cinereofrons kann ich in Natur, Leptinoides in der Ab-
bildung, Trans. Vol. I. PI. IV. f. 33, vergleichen.
Männliche Fühler fast zur Hälfte ihrer Länge ungekämmt,
Biguttata, Cinereofrons, oder nur mit nackter Spitze, Unicornis,
Leptinoides, weibliche Fühler fadenförmig. Lange und sehr
schmale Anhangzelle. VordertlĂĽgel ohne Schuppenzahn. Schei-
tel mit kleinem Schopf, Hinterleib schlank, den Afterwinkel
der HintertlĂĽgel weit ĂĽberragend.
Schenkel und Schienen, M^enigstens der Männer, dicht
wollig behaart. Hinterschienen mit 4 Spornen. Augen nackt.
Palpen sehr kurz, anliegend behaart. Rippe 5 der HintertlĂĽgel
schwächer.
In der Form des Hinterleibes und im FlĂĽgelschnitt gleichen
Biguttata und Cinereofrons von europ. Gattungen am meisten
Pterostoma Palpina, aber FĂĽhler, Palpen, der starke Schuppen-
zahn, trennen diese Gattung weit.
Janassa Wlk. Lignicolor Wlk. = ,^ Xylinodes virgata Pack.
(^ Edema transversata Wlk. $ Exaerela Lignigera Wlk. mir
fremd.
Heterocampa Dbld. mit Astarte Dbld. Obliqua Pack.
Brunnea Gt. & Rb. Umbrala Wlk. Trouvelotii Pack. Pulverea
Gt. & Rb. Marthesia Cr. 204 B. Elongata Gt. & Rb. Gutti-
vitta Gt. & Rb. = Cecrita guttata und Drymonia indeterminata
Wlk. Het. Biundata Pack. Drym. mucorea H. Seh. — Biun-
data Wlk. = Het. semiplaga und Stauropus viridoscens Wlk.
Lochmaeus olivata Pack. — Thyatiroides Wlk. Cinerea Pack.
= Misogada sobria Wlk. — Unicolor Pack. Marina Pack, und
in der Untergattung Lochmaeus Dbld. Munteo Dbld. = Het.
subalbicans Grt. Tadana cinerascens Wlk.
In einer Note nennen die Verfasser noch folgende von
Walker aulgestellte, aber wegen unzulänglicher Beschreibung
nicht zu deutende nordamerikanische Arten:
Di-ymonia confusa, Heterocampa mollis, nigrosignata,
Psaphida resumens, Cei-tila ilexuosa, Hatima semirufescens,
Acherdoa ferraria, Bcdlura gortynoides.
In Natur kenne ich nur Brunnea Gt. & Rb. $, der ,^
307
dieser Ai*t, sowie der von Pulverea Gt. & Rb. waren damals
den Verfassern unbekannt, Unieolor Pack, rj^, Manteo Dbld. rj,
ausserdem Abbildungen von Obliqua Pack. ,^ $, Marthesia Cr. r^,
Elongata G. & Rb. $, Pulverea Gt. & Rb. $ in den Trans.
Vol. I. PI. IV. Brunnea nähert sich unserer Tritophus, die
ĂĽbrigen Arten haben mehr oder weniger Aehnlichkeit mit
Torva und den Drymonia-Arten.
Von Notodonta und Drymonia trennt Heterocampa die
lange und schmale Anhangzelle, das gänzliche Fehlen des
Schuppenzahns und die nackte Spitze der männlichen Fühler.
Hiezu treten noch zwei neue von Harvey in dem Bulletin of
the Buffalo Soc. of Nat. Science Vol. 1, No. 4 (1874) aufge-
stellte Arten, nämlich Heterocampa Subrotata Harv. p. 263.
PI. XI. f. 2 u. 4 r^ $ und Heterocampa Celtiphaga Harv. p. 263.
PI. XL f. 3 (^. Die Raupe der Letzeren lebt an Celtis Occi-
dental is.
Platycerura Pack, mit Furcilla Pack, ist mir fremd.
Cerura Seh. = Harpyia Ochs.
Borealis Harr. = Fiiicula Smth. — Abb. Cinerea Wlk.
Sitiscripta Wlk. Scolopendrina Bdv. u. Multiscripta Riley.
Sämmtliche Arten sind klein, von der Grösse unserer Bi-
tida und Furcula. Vergleichen kann ich Borealis, Cinerea und
Multiscripta. Erstere ist unserer Furcula ausserordentlich nahe
verwandt, Cinerea weicht von Cinerea durch die graue Grund-
farbe und die sch\^'arzen Rippenpunkte hinter der Querbinde
ab. Multiscripta, mir von Grote selbst bestimmt, ist eine den
Verfassern damals unbekannte, von den ĂĽbrigen sehr ab-
weichende Art.
Mit dieser Gattung schliessen die Ptilodontinae und an sie
reihen sich die Platyptei-yginae mit 3 Gattungen an.
Drepana Schk. Arcuata Wlk. = Piatypt. Furcula Grt.,
eine unserer Falcataria L. verwandte Art; noch näher steht
derselben Siculifer Stretch, welche ich nur nach dem Bilde
bei Stretch kenne.
Genicula Wlk. ist mir fremd.
Piatypt eryx Lasp. mit Bidentata Grt. = Edapteryx
bidentata Pack.
in dieser Zeitung, XXXI. p. 252, habe ich schon be-
merkt, dass ich nach der von Packai-d gegebenen guten colo-
rirten Abbildung zwischen Bidentata und unserer Lacertinaria L.
keinen Unterschied finden kann. Aus dieser Art eine eigene
Gattung zu bilden, kann höchstens durch den gezähnten Saum
der VordertlĂĽgel bedingt werden, denn in Betreff der weib-
lichen Fühler und der Spoi-nen der Hinterschienen «timmen
20*
308
FalcatÄi-ia, und auch Arcuata mit Lacertinaria überein, auch
die früheren Stände der Letzteren zeigen keinen Unterschied
von denen der verwandten Arten, und so erseheint die Auf-
stellung einer eigenen Gattung mindestens nicht unumgĂĽnglicii
nothwendig.
Dryopteris Grote mit Rosea Grt. = Drepana rosea Wik,
Cilix americana H. S. Piatypt. Formiila Grt. var. Drep. mar-
ginata Wlk. und Irroi-ata Pack.
Mir liegt bloss ein Weib von Kosea zur Vergleichung vor
und bei diesem zeigen die FĂĽhler eine von den Verwandten
abweichende Bildung. Sie sind kürzer als gewöhnlich und
mindestens doppelt so stark wie bei den ĂĽbrigen Arten, breit-
gedrückt, ohne Zähne, aber auf Ober- und Unterseite mit
ganz schwachen Querrillen.
Der Schnitt der Vorderflügel ähnelt Curvatula, doch ist
die Spitze der FlĂĽgel viel weniger vorgezogen, bildet in Folge
dessen keinen so scharfen Haken wie bei jener Art^ dafĂĽr ist
aber die Ecke des Saumes auf Rippe 3 stärker. Hinterschienen
nur mit Endspornen.
In seiner 1874 erschienenen List of the North American
Platypterices, Attaci, Hemileucini, Ceratocampadae, Lachneides,
Teredines, Hepiali, nimmt Grote fĂĽr die erste Gattung den
Namen Platypteryx Lasp. (1802) wieder an, doch scheinen
mir die angefĂĽhrten GrĂĽnde fĂĽr dieses Verfahren nicht ge-
nĂĽgend.
Statt Platypteryx fĂĽr die zweite Gattung beizubehalten,
wird dieselbe nun Prionia Hb. (1816) genannt.
Die nun folgenden Attacina zerfallen in 7 Gattungen mit
10 Arten.
Telea Hb. mit Polyphemus L.
Actias Leach mit Luna L.
Attacus L. mit Splendidus De Beauv. von Californien,
mir fremd.
Samia Hb. in der späteren Arl)eit Philosamia Grt. ge-
nannt, mit Cynthia Dr. In Amerika eingefĂĽhrt und akkli-
matisirt.
Callosamia Pack, mit Promethea Dr. und Angulifera Wik.
Platysamia Grt. neuerdings wieder Samia Hb. genannt,
mit Cecropia L., Columbia Smth. mir fremd, Gloveri Streck,
und Californica Grt. = Ceanothi Beer, Euryale Bdv.
Saturnia Schk.
Galbina Cleni. mir fremd. Texas.
Die Ceratocampinae werden eingetheilt in Hemileu-
cini mit 4 Gattungen.
309
Hemileuca Wlk., Maja Dr. Diese bekannte Art ändert
insofern ab, als im SĂĽden die Grundfarbe ein tiefes Schwarz,
und die weii^se MiĂĽelbinde, besonders auf den VorderflĂĽgeln
sehr schmal, zuweilen sogar durch die Grundfarbe unter-
brochen ist, während im Norden das Weiss vorherrscht und
bei manchen StĂĽcken, wie ich deren einige aus Maine besitze,
die weisse Binde der VordertlĂĽgel mindestens dreimal so breit
ist wie bei Exemplaren aus Maryland.
Die Raupe dieser Art soll arg stinken.
Nevadensis Stretch, PI. 4. f. IC, unterscheidet sieh
hauptsächlich durch rothgelben Halskragen und graue Schulter-
decken von Maja.
Grotei Hopf, von Texas, von welcher sich die Typen im
Berliner Museum befinden, ist schlanker, einfarbig schwarz,
die VorderflĂĽgel zeigen in der Mitte einen breiteren umgeleg-
ten weissen Mondfleck gegen den Vorderrand, einen M'eissen
Mittelpunkt und einen schmalen Querfleck, die HinterflĂĽgel
eine schmale weisse Querbinde, der Halskragen ist weiss.
Juno Pack, von Arizona, sowie die in dem frĂĽheren Ver-
zeichniss zu Pseudohazis gestellte Pica Walk, sind mir fremd.
Pseudohazis Grt. & Rbs. mit Eglanterina Bdv. H. Seh.
Exot. 60, 455, für welche in der neueren Arbeit als älterer
Name Hera Harris angenommen wird, von Californien und
den Rocky Mountains.
Coloradia Blacke mit Pandora Blk. von Colorado kenne
ich nicht.
Hyperchiria Hb. in der neueren Arbeit Automeris Hb.
(1816) genannt, mit Jo Fbr. und Zelleri Gt. & Rb. von Texas.
Letztere Art in den Trans. Am. Ent. Soc. Philad. 2,
PI. 2. f. 65 nach einem weiblichen Exemplar abgebildet, ist
eine der grössten Ai'ten der Gattung von ganz exotischem
Ansehen.
In der neueren Arbeit ist die Reihenfolge der Gattungen,
und wie mir scheint, mit Recht verändert.
Automeris wird vorangestellt, dann folgt Coloradia,
Pseudohazis, Hemileuca und den Schluss macht die im
frĂĽheren Verzeichniss noch fehlende Gattung Euleucophaeus
Pack, mit ihrer einzigen Art Tricolor Pack, von Neu-Mexico,
welche Stretch 143, 6. f. 3, 4 abbildet.
Die Dryocampini, nun Ceratocampadae Harr. (1841)
genannt, umfassen: •"
Eacles Hb. mit Imperialis Dr.
Citheronia Hb. mit Regahs Fb. und Sepulchrahs Gt. & Rb.
Die Letztere ist nach einer auf Abbots unpublicirten Plat-
IHIO
ten, vvelclio im britischen Museum betindlich sind, abgebildeten
Art Rufgestellfc, scheint also in Nadir nicht bekannt zu sein,
Adelocephala Bdv. in der neueren Arbeit Sphingi-
cam])a Walsh. (1864") genannt, mit der mir in Natur frem-
den Bicolor Harr. Trans. Am. Ent. Soe. Vol. I ? (J867) No. I.
])1. I. f. 3, 4. $ pag. 10.
Anisota Hb. mit Stigma Fb. Senatoria Smth. — Abb, und
Virginiensis Dr. = Pellucida Smth. — Abb.
Dryocampa Harr, mit Kubieunda Fb. uud deren Varie-
tät Alba Grt.
Lachneiinae mit 4 Gattungen.
Gastropacha Ochs, mit Americana Harr. = Occidentalis
Wlk. ? Ilicifolia Smth. — Abb. und Ferruginea Pack.
In der neueren Arbeit wird diese Gattung Eutricha Hb.
(1806) genannt und ausser den erwähnten beiden Arten wer-
den noch angefĂĽhrt: Carpinifolia Bdv. California Pack, und
Mildei Stretch p. 113, PI. 4 f. 12 von Californien, unserer
Betulifolia ähnlich.
Tolyi)e Hb. mit Velleda Stoll und Laricis Fitch; zu
Letzterer gehört als Varietät Minuta Gt.
Artace Wlk. mit Punctistriga Wlk. mir fremd.
Clisiocampa Curtis, nun Ti'ichoda Hb. (1806) genannt,
mit Americana Fb. = Decipiens Wlk. Castrensis Smth. — Abb.
Frutetorum Bdv. Lep. de la Californ.
Disstria Hb. Verz. p. 192. No. 1975 (Malacosoma) =
Neustria Smth. — Abb. Silvatica Harr. Drupacearum Bdv. L^p.
de la Californ. Californica Pack. = Pseudoneustria Bdv. Lej).
de la Californ.
Alle 3 Arten von ausgesprochen europäischem Aussehen,
und sich eng an Castrensis und Neustria anschliessend.
In der neueren Arbeit beginnt die Reihenfolge der Gat-
tungen mit der in dem älteren Verzeichniss fehlenden Gattung
Gloveria Pack, mit Arizonensis Pack, von Arizona, dann
folgt Eutricha, Trichoda, Artace, Tolype und den Schluss
macht die neue Gattung Heteropacha Harvey mit der ein-
zigen Art Rilevana Harvey von Missouri und Texas, welche
im Bulletin of the Buflalo Soc. of Nat. Scienc. Vol. I. No. 4
(1874) pag. 262 beschrieben und PI. XL f. 1. nach einem
männlichen Exemplar, von Missouri, abgebildet ist.
Nun folgen ip dem älteren Verzeichniss die Hepialini
mit den Unterfamilien Cossini und Hepialini.
In der neueren Arbeit werden beide Unterfamilien, ge-
wiss mit Recht, als eigene Familien angesehen, die frĂĽheren
311
Cossini heissen nun Teredines Hb. (1806), die Hepialini
Hepiali L. (1788).
Die Teredines umfassen 2 Gattungen:
Xyleutcs Hb. jetzt in Xystus Grt. umgewandelt, mit
Robiniae Peck. und den mir fremden Arten: Crepera Harr.
Querciperda Fitch, Mac Murtrei Bdv. Populi Wlk.
Von Cossus unterscheidet sich diese Gattung, soweit ich
nach der einzigen mir bekannten Art Robiniae urtheilen kann,
durch den langgestreckten schmalen Thorax und ebensolchen
Halskr-agen, die gestreckteren VorderflĂĽgel, deren Saum viel
schräger ist, und die eigenthümliche, fast dreieckige Form der
HinterflĂĽgel des Mannes, deren Saum und Innenrand viel
schärfer gegeneinander abgesetzt sind, als bei jener Gattung.
Eingeschobene Zellen aller FlĂĽgel fĂĽhren die Xystus-Arten
auch, ebenso Anhangzelle der VorderflĂĽgel.
Bei Cossus (Avenigstens bei C Ligniperda) entspringen
Rippe 9 und 10 auf ganz kurzem gemeinsamen Stiel aus der
Vorderecke der Anhangzelle, bei Xystus dagegen 9 aus 7.
Interessant ist bei Robiniae auch die verschiedene Färbung
der Hinterflügel bei beiden Geschlechtern; während bei dem
Weib dieselben schmutzig grau sind, zeigen sie bei dem Mann
als Grundfarbe ein hohes Goldgelb und der Saum und Vorder-
rJind, sowie die Wurzel sind tief schwarz gefärbt.
Zeuzera Ltr.
Pyrina Fb. und Canadensis H. Seh. Exot. F. 168.
Hepialini mit
Sthenopis Pack. Argenteomaculata Harr., Quadriguttata
Pack. Purpurascens Pack. Argentata Pack., wozu noch die von
Stretch abgebildeten beiden Arten Behrensii Stretch und Mon-
tanus Stretch treten.
Hepialus Fb. mit Hyperboreus Möschl, = Pulcher Grote
Labrador, Colorado. Labradoriensis Pack. — wie ich vermuthe,
als ^ zu der vorigen Art gehörend — Mustelinus Pack. Oest-
liche Staaten. Gracilis Grt. Quebeck. Californicus Bdv. CaH-
fornien, Hectoides Bdv. Californien.
In seiner neueren Arbeit zieht Grote die Gattung Sthe-
nopis ein und stellt deren Arten zu Hepialus, ob mit Recht,
kann ich, da ich nur Argenteomaculata in einem einzelnen
Exemplar besitze, nicht beurtheilen.
Hiermit schliessen die Spinner, und es bleibt mir nun noch
übrig, einige mir erst später bekannt gewordene Arten nach-
zutragen und einige anderweitige Eigänzungen zu geben.
Was erstlich die von mir in ihrem nordamerikanischen Hei-
mathsrecht angezweifelten Arten: Philampelus Linnei Gt. & Rb.
312
Phil. Liihrnscae und Ancei'vx FAh anbelangt, so kommen die-
pelhcn wirklich in den vereinigten Staaten vdv.
Herr Dr. Speyer schreibt darüber: „Herr Meske theilt
„mir Folgendes brieflich mit: Sph. Linnei und Ello kommen
.^bestimmt in Nordamerika vor. Beide Arten erhielt ich aus
„Texas, wo sie mein Freund daselbst, gefangen hat. Sph. La-
„bruscae ist sicher von Rile}- bei St. Louis, Missouri, gefangen
.,worden. Ausserdem bemerkt Meske, dass Anceryx Merianae
..Grt. ebenfalls aus Texas komme.'-'
Zu diesen Arten wird vielleicht auch Sph. (Eucheryx)
Licastus Cr. Paree Fb. kommen, wenigstens schrieb mir ein
nordamerikanischer Freund, dass er mehrere Exemplare eines
Schwärmers erzogen habe, welcher nach der mir mitgetheil-
ien Beschreibung kaum eine andere Ai-t sein kann.
Was ferner die von mir in dieser Zeitung j_875 p. 283 _
erwähnte und kurz beschriebene Sesia, welche ich zu Scia-
pteron stellte, anbelangt, so ist es nach Grote's Urtheil, welchem
ich das eine meiner beiden Exemplare zur Ansicht zusendete,
sicher eine noch unbeschriebene Art, deren ausfĂĽhrliche Be-
schreibung ich hier gebe. Eine genaue Untersuchung zeigt
ĂĽbrigens bei dieser Art so eigenthĂĽmlich gestaltete Hinterbeine,
dass eine Trennung von Sciapteron schwei* zu umgehen sein I
wird, und fĂĽr diese Art wohl eine eigene Gattung wird er- '
richtet werden mĂĽssen, fĂĽr welche ich den Namen Grotea y
nach dem um die Lepidopterologie Nordamerika's so ver-
dienten Hen-n Grote in Buflalo wähle.
FĂĽhler des Mannes mit bewimperten Lamellen, bei dem
Weibe schlanker als bei Sciapteron.
Palpen nicht so gerade am Kopf aufgerichtet wie bei
Sciapteron, schwächer behaart.
Vorderbeine: Schienen viel kirrzer als die Schenkel und
etwa halb so lang als die Tarsen.
Mittelbeine: von dej- Länge des Hinterleibes, Schienen
von der Länge der Schenkel, wenig kürzer als die Tarsen.
Hinterbeine: fast doppelt so lang wie der Hinter-
leib, Schienen länger als die Schenkel mit Mittel- und End-
spornen, am Ende mit starker, pinselartig vorstehender
Behaarung. Tarsen um mindestens die Hälfte länger
als die Schienen, das Wurzelglied viel länger als die
drei ĂĽbrigen Glieder zusammen, kurz, aber dicht
anliegend behaart, mit Dornborsten, die drei ĂĽbrigen
Glieder mit längerer, pinselartiger Behaarung.
Hinterleib an der Wurzel dĂĽnner als in der Mitte, ohne
lichte Ringe.
31 a
VorderflĂĽgel bis auf eine kleine glashelle Stelle nahe der
Wurzel dicht beschuppt. HintcrflĂĽgel glashell, Rippe 3 und 4
/ auf kurzem Stiel gemeinsam entspringend. Die beiden Innen-
randsrippen näher bei einander verlaufend.
' C-rr. Longipes n. sn. FĂĽhler oben schAvarzbraun, unten
röthlicli. Pal})en i-ostroth, nach vorn schwarz behaart, End-
glied gelb. Kopf rostroth gerandet. Schenkel schwarz, Vor-
derschienen gelb, Mittel- und Hinterschienen schwarz, erstere
mit breitem, letztere mit schmalem, rostgelbem Ring in der
Mitte. Tarsen gelb, die der Hinterbeine oben in der Mitte
schwärzlich behaart. Schienenspornen gelb.
Vordertlügel schwarzbraun, an der Wurzel ein länglicher
glasheller Fleck, Innenrand an der Wurzel i-öthlich angelegt.
Hinterfliigel glashell mit rostfarbenem Schimmer, Ripi)en, Mit-
teltleck und Franzen schwarzbraun. Unten der Vorderrand
aller FlĂĽgel an der Wurzel gelb angelegt. FlĂĽgelspannung
33 mm. VordertlĂĽgelbreite 3,5 mm. ,^ $. Vereinigte
Staaten.
Bei dieser Gelegenheit möge es mir auch gestattet sein,
nochmals der Sph. -Vitis L. zu erwähnen, über welche mein
Freund Herr Weymer in dieser Zeitung 1875 p. 46 eine
der von mir frĂĽher ausgesprochenen entgegengesetzte Ansicht
äussert.
Nachdem ich durch die GĂĽte des Herrn Dr. v. Heyden
in Frankfurt a. M. in den Stand gesetzt worden bin, die Ab-
bildung in dem Werk der Sibylla Merian zu vergleichen, neige
ich mich auch der von Herrn Weymer vertretenen Ansicht
zu, dass Sph. Vitis L. gleich ist mit Vitis Cr. 268 E. ($),
und da Linnei Grt. & Rbs. eben diese Art ist, letzterer Name
in Wegfall kommen muss. Obgleich die Merian'sche Abbil-
dung sehr roh und in Betrefl' der HinterflĂĽgelzeichnung ent-
schieden verfehlt ist, lässt doch die Zeichnung der Vorder-
flĂĽgel kaum einen Zweifel darĂĽber aufkommen, dass das
Bild das von Cramer Fig. 268 E. abgebildete Thier vor-
stellt.
In meiner frĂĽheren Ansicht musste mich auch die brief-
liche Mittheilung Grote's bestärken, dass in seinem colorirten
Exemplar des Merian"schen Werkes jene Figur vollständig
rothen Aussenrand der HinterflĂĽgel zeige.
Zudem wird mir Herr Weymer zugeben, dass die
Worte bei Linne „posticis margine tenuiore sanguineis und
Alae inferiores macula nigra in disco" ebenfalls auf beide
A'erwandte Arten passen und es, wenn Linne nicht die Abbil-
dung in jenem Werk citirte , schwer sein wĂĽrde zu entscheiden,
314
ob er diese oder die andere Art beschrieben habe, da beide
frĂĽher ĂĽberdies fĂĽr die verschiedenen Gesohlechter einer Art
gehalten wurden. Grote's colorirtes Bild von Vitis vermehrt
entschieden die Verwirrung, denn nimmt man an, dass die
Merian dieses Exemplar ihres Werkes selbst colorirt oder doch
ein solches colorirtes Exemplar Linne vorgelegen habe, so ist
es eben so leicht, daraus zu folgern, dass er die zweite Art
als Vitis beschrieben habe. In jener Abbildung sind die Vor-
derflĂĽgel theilweis ĂĽber die HinterflĂĽgel zurĂĽckgeschoben und
so wäre vielleicht nicht der ganze Aussenrand sichtbar gewe-
sen, wodurch sich die Annahme, dass Linne denselben nicht
als roth ausdrücklich erwähnt, allenfalls erklären Hesse. Jeden-
falls ist es sehr begreiflich, dass Grote durch die colorirte
Abbildung zu seiner Annahme kommen musste. Volle Gewiss-
heit darĂĽber, welche von beiden Arten Linne als Vitis be-
schrieben hat, kann nur seine Sammlung geben, wenn sich
nämlich eine der beiden Arten in derselben befindet, denn
darĂĽber, ob Linne ein colorirtes oder nicht colorirtes Exemplar
des Merian'schen Werkes vorgelegen hat, als er jenes Citat
niederschrieb, wird allerdings keine Gewissheit zu erlangen
sein. Der Mann von Vitis muss ĂĽbrigens merkwĂĽrdig selten
sein, ich erhalte die Art seit einer Reihe von Jahren, all-
jährlich in mehreren Exemplaren aus Surinam, habe aber
noch nie ein männliches Exemplar erhalten.
Schliesslich möchte ich mir noch eine kurze Erwiderung
gegen Herrn Weymer's Ansicht in Betreff des Zusammen-
gehörens von Smerinthus Pavonina Hb. ^utg. F. 835. 36 und
Excaecatus Abbot gestatten.
Von meinen Exemplaren von Excaecatus stimmt insofern
keines gut mit HĂĽbner's Abbildung, als bei allen das Wurzel-
feld der VorderflĂĽgel entschieden viel lichter als das Mittel-
feld gefärbt ist, und das Rosenroth, welches bei jenem Bild
das Auge der HinterflĂĽgel nach innen als schmalen Rand
umgiebt, bei meinen Exemplaren bis zur Wurzel und gegen
den Vorderrand ebenfalls viel weiter reicht. Ausserdem fĂĽhrt
Excaecata die Einbuchtungen des VorderflĂĽgelsaumes rein weiss
und nur die Spitzen der Zacken braun, von Weiss zeigt aber
jenes Bild keine Spur.
Wenn Boisduval, wie Herr Wejmer mittheilt, frĂĽher
beide Arten fĂĽr synonym gehalfen, so scheint er doch jetzt
von dieser Ansicht zurĂĽckgekommen zu sein, denn in seinem
neuesten Sphingidenwei'k beschreibt er sowohl Pavonina (us)
pag. 37 als Excaecatus pag. 38 als eigene Arten, giebt deren
315
ĂĽnterpchiede an und beschreibt auch die Raupen Beider. Die-
jenige von Pavonina lebt nach seiner Mittheihmg auf Prunus-
Arten, die;jenige von Excaecatus auf Heckenrosen und einigen
verwandten Sträuchern.
Entschieden scheint also das Zusammengehören von Pa-
vonina Hb. und Excaecatus Abbot doch noch nicht zu sein.
In seiner neuesten Aufzählung der nordamerikanisclien SchAvär-
mer, im Bulletin of the Buffalo Soc. of Nat. Scienc. Vol. H.
No. 4 (1875) pag. 226 zieht Grote unter No. 38 Pavonina
als Synonym zu Excaecatus, und so ist es immerhin möglich,
dass beide Arten zusammengehören und ihre Raupen auch
abändern.
Aegeria (Sesia) Pictipes Grt. & Rb. ist in den Trans.
Amev. Ent. Soc. Vol. II. No. IV. PI. H. F. 64 abgebildet und p. 5
beschrieben. Der schmale weisse gelbe Ring des zweiten
Hinterleibsegmentes, welchen die Beschreibung erwähnt, ist in
der Abbildung kaum erkennbar.
Cydosia Aurivitta Grt. & Rb. i^ ist ebendaselbst PI. III.
F. 68 abgebildet und pag. 8 beschrieben.
Ueber Bostrychus amitinus Eichli.
Von
Professor Wr. Duebner zu AschalTouburg.
Diese in der Berl. Ent. Ztschr. (1871 p. 138) von Eich-
hoff zuerst beschriebene, bis dahin wohl mit B. typographus
verwechselte Art lässt sich nach Eichhotrs Beschreibung, so-
wie nach der Auseinandersetzung von Forstrath Kellner
(Deutsche Ent. Ztschr. 1876, I) leicht und bestimmt von
B. typographus unterscheiden. Indessen scheint die Art auch
nicht überall so häufig mit B. typographus vorzukommen wie
in ThĂĽringen; unter vielen aus Oberbayern erhaltenen Exem-
plaren der letzten Art habe ich keinen B. amitinus auffinden
können. Weniger leicht als von B. typographus lässt sich
B. amitinus von B. Cembrae Heer unterscheiden, welcher
316
letztere nicht blos in der Zirbelkiefer, sondern ebenso häufig
(wenigstens im Engadin) in der Lärche haust, in M'elcher auch
B. amit.inus vorkommt.
Heer'« Beschreibung könnte dazu verleiten, B. amitinus
für ein kleines Exemplar von B. Cembrae zu erklären; den-
noch lassen sich bei genauer Untersuchung beide bestimmt
von einander unterscheiden, nur ist in Heer"s Beschreibung
von B. Cembrae gerade das Merkmal, wodurch sich dieser
von B. amitinus unterscheiden lässt, nicht aufgenommen.
Unser bester Bostrychinenkenner, Oberförster Eichhoff,
gab mir anfangs nach dem einzigen, damals in seinem Besitz
befindlichen Exemplar von B. amitinus mehrere Unterscheidungs-
merkmale an.
Später, nachdem ich ihm mehrere Exemplare desselben,
die ich der Freundlichkeit des Herrn Forstrath Kellner ver-
danke, zugesandt, konnte er ausser der geringeren Grösse nur
noch Einen der von ihm frĂĽher behaupteten Unterschiede fest-
halten, aber einen wesentlichen, welcher die Stellung der Zähne
am Rande der eingedrĂĽckten Stelle betrif!"t.
Bei B. amitinus ist nämlich die Bezahnung genau so wie
bei B. typographus, und der oberste Zahn nächst der Nath
steht gerade in der Verlängerung des ersten Zwischenraumes
der Punktstreifen; dagegen sind die Zähne bei B. Cembrae
nicht nur im Allgemeinen grösser, namentlich länger, sondern
es ist auch der erste Zahn weiter von der Nath abgerĂĽckt
und steht erst in der Verlängerung des zweiten Zwischenraumes,
oder wenigstens des zweiten Punktstreifens, während man in
der Verlängerung des ersten Zwischenraumes nur ein kleines
Höckerchen als Andeutung eines fünften Zahnes wahrnimmt.
Endlich ist auch die gelbe Behaarung ĂĽberhaupt, besonders
auf dem Brustschilde bei B. Cembrae merklich länger und
dichter als bei B. amitinus.
317
Neue exotische Nitidulidae,
beschrieben von
Ediii. Reittei* in Paskau (MiUn-en).
Colastus brunneus n. sp.
Latus, brunneo-ferrugineus, nitidus, fulvo-pubescens, an-
tennarum clava infuscata, pedibus testaceis; capite crebre
leviter punctato; prothoi-ace valde transverso, dorso sparse
fortiter, lateribus crebve subtiliter punctato, antice rotuudatim
angustato, angulis posticis fere rectis, basi utrinque leviter
sinuato; elytris thorace vix latiovibus, apiee singulatim obtuse-
rotundatis, dorso crebre seriatim punctatis et pubescentibus,
abdomine dense subtiliter, pygidioque parcius punctato. Long.
4 — lat. 2.- mm.
Patria: Columbia. (Mus. Steinheil.)
Aus der Verwandtschaft des niger Saj und simplex Mur.,
ausgezeichnet durch die Färbung und auch leicht an der
Punktirung des Halsschildes kenntlich, welche an den Seiten
desselben dicht und fein, auf der Scheibe grob und weitläufig
markirt ist. Kommt neben consobrinus Murray zu stehen.
Von Herrn E. Steinheil in Columbien gesammelt und in
dessen Sammlung befindhch.
Ghalepopeplus vorax n. sp.
Oblongus, nitidus, piceus, anlennis pedibusque rufo-
testaceis, capite et prothorace sat dense et fortiter punctatis,
elytris striato-punetatis, interstiliis seriatim punctulatis. Long.
3 mm.
Patria: Columbia. (San Carlos.)
Einfarbig schwarzbraun, nur die FĂĽhler und Beine roth.
An den ersteren ist die Keule weniger hell gefärbt, kann
jedoch nicht braun genannt werden. Kopf und Halsschild sind
ziemlicli dicht und kräftig punctirt, glänzend. Das Letztere ist
nicht ganz doppelt S(j breit als lang mit säuuntlich abgerundeten
318
Winkeln. Sehildch'^n quer, viereckig verrundet, fein punktirt.
FlĂĽgeldecken so breit als das Halsschild, fast gleichbreit,
l^/^mal so lang als das Halsschild, glänzend, gestreift punk-
tirt, alle Zwischenräume mit einer viel feineren, deutlichen
Punktreihe. Die oberen Hinterleibssegmente ziemlich dicht
und kräftig, aber weniger tief als das Halsschild punktirt.
Vorderschienen mit 2 diese Gattung charakterisirenden Zähnen
an der äusseren Spitze.
Von allen 4 bekannten Arten durch mehr gleichbreiten,
einfarbigen Körper, kräftigeic Punktirung und geringe Grösse
abweichend.
In der Sammlung des Herrn E. Steinheil in MĂĽnchen.
Pria affinis n. sp.
Oblongo-ovalis, subdepressa, brunneo-testacea, subtilissime
griseo-pubescens, prothorace angulis po.sticis subobtusis, elj-
tris apice fere rotundatis, sutura antice pygidioque subinfuscatis.
Long. 2.g mm.
Mas. Antennae capite thoraceque longiores, clava fortiter
serrata.
Patria: Madagascar.
Der P. Dulcamarae ähnlicli, aber viel grösser, länglicher,
heller braungelb, das Halsschild nach vorn sehr verschmälei-t,
etwas kĂĽrzer, die Hinterecken mehr stumpfwinkehg, aber
scharfkantig, die Flügeldecken länger, an der Spitze abgerundet.
Die FĂĽhler des ^ sehr lang, das erste Glied nur massig
gross, die FĂĽhlerkeule nach einer Seite sehr stark, nach der
andern viel geringer gesägt. Das Pygidium und die Nath in
der Nähe des Schildchens sind gewöhnlich schwach gebräunt.
In meiner, ehemals der Scluunn'schen Sammlung.
Pocadius breviusculus n. sp.
Sul)Orbicularis, convexus , nitidus, helvolo-puberulus, fiisco-
ferrugineus, prothoracis lateribus et coleoplerorum disco rufis.
Ins fortiter striato-punctatis, suhtus antennis pedibusque rufo-
testaceis. Long. 2.8 nun.
Pat ria: Am er. borealis.
Dem P. helvolus Er. nahe verwandt, aber von kĂĽrzerer,
gewölbter, fast halbkugeliger K«Mj)erform, die Puiditirung der
Ober.seite viel tiefer, die Punktstreifen uul' dvu FlĂĽgeldecken
319
selii' kräftig, das Halsschild ist an den Seiten mehr gerundet,
die Hinterwinkel stumpfer, die ^Färbung ist ein dunkles Rost-
roth, die Seiten des Halsschildes und die gemeinschaftliche
Seheibe der FlĂĽgeldecken, sowie die Unterseite, Beine und
die ganzen FĂĽhler heller roth oder gelbroth.
Von brevis m. durch noch kürzere, kleineie Körperform,
einfarbig helle Fühler, viel stärkere Panktirung, stumpfe Hin-
terwinkcl des Halsschildes etc. abweichend.
Aus Nordamerika; in meiner, ehemals der Schaum'schen
Sammlung.
Camptodes nigriventris n. sp.
Subovatus, convexus, nitidus, testaceus, macula postica trans-
versa frontali, thoracis vitta media, antice et postice marginem
attingente, scutello, elytris ventreque nigris; capite Ihoraceque
obsolete punctulatis, eljtris substriatis, minus dense et paulo
subtiHus punctatis; stria suturali nulla; unguiculis vix evidenter
dentatis. Long. 3.5 mm.
Patria: Columbia. (Mus. E. Steinheil.)
Dem Camptodes Czwalinai Rttr. sehr ähnlich und nahe-
stehend; von demselben durch die Färbung des Halsschildes,
der Bauchringe und feinere Punktirung der Oberseite ab-
weichend. Der Käfer ist gelbroth, eine quere, den hintersten
Theil der Stirn einnehmende Makel, ein breiter Längsstreifen
ĂĽber die Mitte des Halsschildes, welcher den Vorder- und
Hinterrand erreicht, das Schildchen, die FlĂĽgeldecken und die
Bauchringe tief schwarz, glänzend. Das letzte Glied der
Fühlerkeule ist sehr schwach gebräunt. Die Sculptur der
Oberseite am Grunde ist bei starker Vergrösserung wie bei
Czwalinai.
Camptodes Steinheili n. sp.
Subhemisphaericus, nitidus, brunneus, ore, antennis (clava
fusca) pedibusque testaceis, capite thoiaceque obsoletissime
punctulatis, hoc lateribus dilutiore, scutello minutissime punctato;
elytris nigris, vix evidenter subtilissime stviatis, interstitiis
minus dense punctatis, stria suturali nulla: pygidio crebre
distincteque punctato; unguiculis vix dentatis. Long 3.3 —
3.5 mm.
320
Patria: Columbia or. (Mus. E. Steinheil.)
Mit Campt, bicolor, dispar und nigripennis verwandt, aber
von allen 3 Arten durch die })echbraune Färbung des Kupfe.s
und des Halsschildes abweichend. Ausserdem von bicolor durch
stärkere Wölbung des Körpers, verloschene Punktirung auf Kopf
und Halsschild und weitläuligere Puidvtirung der Flügeldecken
verscbieden. Von di.spar durch die Punktirung des ganzen
Käfers und von nigripennis ausserdem durch die dunkle Fühler-
keule sieh entfernend.
Ist zwischen Czwalinai m. und bicolor Er. einzureihen.
Cryptarcha Klugii.
Ovata, leviter convexa, fusco-brunnea, nitidula, confertis-
sime aequaliterque punctulata, griseo-pubescens, lateribus
paullo dilutior; prothorace transverso, basi utrinque bisinuato,
angulis posticis subacuti.s, leviter productis, lateribus antice
parum angustatis, angulis anticis subpruminulis, fascia trans-
versa sublobata fusca obscure pubescente, eljtris breviter ova-
tis, seriatim subsetulosis, fasciis duabus transversis lobatis, una
intermedia, altera ante aplcem fuscis ubseure pubescentibus;
scutello vix punc'ato. Long. 3 mm.
Patria: Madagascar.
In der Grösse und Körperform der C. imperialis, in der
Zeichnung der strigata etwas ähnhch. Oberseite gelbbraun,
hell gelb behaart, eine etwas unbestimmte Querbinde in der
Mitte des Halsschildes dunkelbraun und dunkelbehaart, lerner
bclinden sich zwei ebenso gefärbte und behaarte, sehr lappige
(^)uerbinden auf den Decken, die eine steht in der Mitte, die
zweite knapp vor der Spitze. Die letztere entsendet Jederseils
in der Mitte einen Ast nach aufwärts, die mittlere an den
Seiten einen nach oben und abwärts. Ebenso ist das Schild-
eben und ein Punkt unter der Basis der FlĂĽgeldecken ziem-
lich in der Mitte dunkler.
Konnnt zwischen imperialis und maculatu zu stehen.
In meiner Sammluno-.
321
Sammlung auserlesener Vögel und
Schmetterlinge,
mit ihren Namen herausgegeben auf 100 nach der
Natur ausgemalten Kupfern
von
Jacob HĂĽbiier.
Augsb. 1793. 8.
Dieses sehr seltene Buch, das kaum von jemand Anders
als von Ochsenheimer und Treitschke an ein paar Stellen
citirt und erst durch den Staudinger-Wocke-Catalog in ein
wenig verdientes Gedächtniss zurückgerufen worden ist, wird
den wenigsten Lepidopterologen zu Gesicht gekommen sein
oder künftig kommen. Werneburg hat es in seinen Beiträgen
zur Schmetterlingskunde ĂĽbergangen. Vielleicht wird Mancher,
dem bekannt ist, dass HĂĽbner ein blosser Schmetterlingsmann
war, der sich eine eigenthĂĽmliche Sprache geschaffen hatte,
bei dem Worte Vogel im Titel des Buches an die Bedeutung
aenken, in welcher es z. B. Zincken in seiner Monographie
der Gattung Chilo vielfach gebraucht, nämlicHi als Synonym
von Schmetterhng (imago). Aber dies wäre ein Irrthum.
Der Titel enthält keine Tautologie, sondern es sind wirklich
Vögel (aves) und Schmetterlinge abgebildet. Die bunten,
grösstentheils exotischen Vögel, von denen jede Tafel einen
in natürlicher Grösse oder in verkleinertem Massstabe, wie
der Raum es erlaubte, darstellt, sind „bis auf einen kleinen
Theil derselben'"'' aus andern, nicht genannten Werken copirt.
Als fast nur Copien bietend, wird das Werk bei Ornithologen
eben so wenig verbreitet sein wie bei Entomologen. Die
Namen der Vögel werden die wenigsten Lepidopterologen in-
teressiren. Da ich selbst kein Ornitholog bin, und nur die
Hübner'schen Benennungen wiederholen könnte, die jetzt gewiss
zum grössten Theile verändert sind, so lasse ich sie weg und
bemerke nur, dass jeder Vogel, auf einem Baumstumpf, Ast
oder Stein sitzend, so viel Raum einnimmt, dass nur eine
Ecke, oben oder unten, fĂĽr einen einzigen Schmetterling frei
bleibt. Es enthält also jede Tafel auch nur einen Schmetter-
hng. Im Vorwort sagt Hübner: „Unter den Schmetterlingen
ist nicht einer, der nicht neuerdings unmittelbar nach der
21
322
Natur gezeichnet und gemalt ^^•ul•de•'. Aber ungeachtet dieser
Versicherung sind A-iele Bilder ganz mittehnässig ausgefallen,
weil es mit Fliigelgestalt und Färbung, selbst mit der Grösse
nicht immer genau genommen wurde. Besehreibungen der
Arten hat HĂĽbner nicht gegeben; er hat es sogar unterlassen,
das Vaterland und die Flugzeit anzuzeigen. „Ich Hess es bei
den deutschen und lateinischen Namen bewenden, deren Aus-
wahl ich mit vieler Sorge getroffen habe," ist die ganze
Rechtfertigung fĂĽr dieses Verfiihren. Somit ist alles, w^as wir
ausser den Tafeln besitzen, die auf S. 5 — 16 gegebene Auf-
zählung der Namen der lOü Vögel und et)en so viel Schniel-
terlinge. Dabei ist folgendes Musler befolgt:
I. Der gemeine Colibri und der saumschatticht.e Spanner.
Trochilus Colubris et Ph. Geom. Politata.
Die Ansicht des Buches verdanke ich der Freundlichkeii
des Dr. Staudinger, der es in seiner reichen Bibliothek besitzt.
Es schien mir eine uĂĽtzHche, kleine Arbeit zu sein, wenn ich
zur Befriedigung der Wissbegierde der Lepidopterologen, denen
es nicht so gut wĂĽrde wie mir, die 100 Schmetterlingsnamen
unter Beifügung der jetzt gebräuchlichen Synonymie aufzählte.
So leicht die Lösung dieser Aufgabe im Anfange schien,
so schwierig erwies sie sich stellenweise in ihrem Verlauf.
Es fanden sich so viele Bedenken, ob ich immer die richtige
Deutung eines Bildes getroffen hätte, dass ich einen Theil
derselben den Herren Dr. Staudinger und Wocke vorlegte.
Ihr Urtheil fiel theils zustimmend aus, theils unter sich und
von dem meinigen abweichend. Ganz gegen meine Erwar-
tung bleiben also noch Punkte zu erledigen, und das BĂĽchlein
kann noch nicht als abgethan bei Seite gelegt werden. Ich
halte es für zweckmässig, die Bemerkungen der Revisoren
meiner Bestimmungen in ihren eigenen Worten mitzuĂśieilen.
I. Geom. politata (Acid.).
'2. Pvr. luctualis (Alged. luct.) ,^.
'A. Till, lessella (Gelech. tessella H. quadrella F.) zu
klein, mit zu kurzem ersten Fleck und mit falscher
llinterfliigelform.
'«. Till, funerella (Psecad.) ,_^, zu klein, iiiil zu seluiia-
len, um Innenrand zu dunkeln HiiitertlĂĽgelii.
.K Die weisfleekichte Schabe. Tin. luctuella.
Wocke stellt sie im C'ataJog ohne Bedenken als einer-
lei mit der Heinemamrschen Luctuella oder meiner
Sauleriella auf. Sie ist zu klein und ohne Concavität
des HintertlĂĽgehandes; ausserdem sind auf den Vru--
323
derflĂĽgelu alle Binden vom Vorderrande viel zu w^eit
getrennt; statt der ersten ist ein blosser Punkt; die
dritte erreicht den Innenwinkel und ist basalwärts
nicht gezähnelt. Mag dies alles nur die Folge der
etwas verkleinerten Abbildung »ein, so wäre doch
Fig. 144 des grossen Werkes ohne Fragezeichen
voranzustellen, obgleich hier die erste Binde fehler-
haft bis zum Innenrande verlängert ist.
6. Die weisgedupfte Schabe, Tin. quadripunctella.
Ich erkenne in ihr eine zu klein gerathene Butalis
Scopolella H. , bei welcher ausserdem die Grundfarbe
zu dunkel, die zwei Punkte zu klein und zu weiss
gegeben sind, und der verloschene Punkt der FlĂĽgel-
spitze weggelassen ist. Bei solchen Mängeln wird
mau wohl nicht daran denken, dem Namen Priorität
zuzugestehen. Staudinger sagt dazu: Die Bestimmung
kann richtig sein, bleibt aber fraglich. Wocke's Worte
sind: FĂĽr Scopolella viel zu klein; auch wenn man
das Bild für das eines sehr kleinen Männchens von
Scopolella, dem der hintere Fleck fehlt (ich weiss
nicht, ob solche Exemplare vorkommen), nehmen
wollte, so stimmt doch die Stellung der beiden vor-
lumdenen Flecke nicht. Wenn die Flecke nicht so
rein weiss wären, so würde ich unbedingt für But.
MĂĽlleri Manu bestimmen. [Es ist mir nicht Avahr-
scheinlieh, dass HĂĽbner diese ungarische Art vor sich
gehabt haben sollte; obgleich Scopolella in Hartmann's
MĂĽnchener Fauna nicht vorkommt, so halte ich es
doch für leicht möglich, dass Hübner selbst sie ge-
längen hat.]
7. Pyr. quadripunctalis (Bot.). Ob genauer, wie es
scheint, als im grossen Werk Fig. 76, kann ich in
in Ermangelung eines Exemplares nicht entscheiden.
8. Tortr. vernana (Earias) gut.
9. Tin. characterella (Epigr. Steinkellneriana) J, auf
den Vorderflügeln zu wenig röthlich gemischt.
10. Pjn-. politalis (Orob.) ^ viel zu grell; insbesondere
ist das Wurzelfeld der \'orderllĂĽgel und die Randliinde
der HinterllĂĽgel zu scharf abgegrenzt.
11. Tin. ligulella. Der ganz gerade Verlauf der dĂĽnnen
Querlinie scheint iĂĽr Gelech. ligulella zu sprechen.
12. Tin. Schlemmerella (Dolopl. punetulana S. V.) $
kenntlich, nur mit zu heller Grundfarbe.
21*
324
13. Tin. flavifrontella, ein gutes Bild dev Incurv. Oehl-
mainiiella r^, bei welcher jedoch dev Costalpunkt weg-
gelassen ist.
14. Tortr. squamulana, die Varietät der Literana, die
im grossen Werke Fig. 95 abgebildet ist. (Tricolorana
Haw.)
15. Pyr. cribrunialis (Hermin. cribralis H.). Dieser Name
ist in Staiidinger's Catalog S. 141 (wo durch einen
Druckfehler r. cribahs statt r. cribralis steht) als recht-
mässiger Name aufgenommen. Er ist eine Schöpfung
wie Cribrumella, Lapidisaria und unzählige Walker'sche
Artnamen. Da HĂĽbner selbst ihn im grossen Werk
berichtigt hat, so sollte die Verbesserung doch Geltung
behalten. Es ist Niemand eingefallen, die Fabricische
Benennung Nicrophorus beibehalten zu wollen, weil sie
viel älter ist, als Necrophorus.
16. Fyr. rubidalis (Asop.) $, fälschlich mit rostgelben
Franzen.
17. Tin. sulphurella (Cerost. persicella) $, zu wenig gelb
und mit zu feinen Querlinien.
18. Tin. rostrella (Pleurota) ,^.
19. Die SchiffermĂĽUersche Schabe, Tin. Schiffer-
mille rella (Nemot. faseiellus F.) r^, ein schlechtes
Bild, auf dessen Deutung erst der Name fĂĽhrt.
20. Pyr. aerealis, ähnlich der Fig. 44 des Schmetterlings-
werks, aber nnt schmälern Flügeln, wesshalb beide
Bilder sehr von Fig. 169, 170 (Opacalis) abweichen.
Dieser Opacalis kommen die gi-aubĂĽndner Exemplare
am nächsten. Dass ich Bot. opacalis für verschieden
von der norddeutschen Ablutalis Eversm. halte, habe
icli Ent. Ztg. 1872 S. 99 auseinander gesetzt. Ob aber
Aerealis H. dieselbe Art wie Opacalis ist, wage ich Jetzt
nieht mehr zu entscheiden.
21. Die Bergwieseneule, Noct. alpina. Sie sieht einer
ungewöhnlich kleinen Erastr. deceptoria ähnlich, bei der
nicht die ganze Basis der Vorderflügel weiss wäre, son-
dern nur das hinterste Ende des Weissen als breite
abgebrochene Binde bliebe, und statt der breiten hinte-
ren, am Vorderrange gespaltenen Binde eine wellig
gezackte (^)uerlinie vorhanden wäre. Aber .so sieht
Deceptoria (Atratula) in der Wirklichkeit nie aus, und
Staudinger erwälint diese Alpina im Catalog nicht.
Sollte es wohl die in den Querlinien verschönerte Ab-
bildung einer sehr abgellogenen Herc. alpestralis sein?
325
Ein .'«olches Exemplar von entsprechender Grösse habe
ich seines veränderten Aussehens wegen aus Graubünden
mitgebracht; allein auf den HinterflĂĽgeln fehlt ihm nicht,
wie in HĂĽbner's Bild, die Andeutung der hellen Quer-
linie.
Hierzu sagt Staudinger: ein sehr guter Gedanke,
aber das Facit angreifbar. Wocke: Alpestralis ist nie
so gross und hat nie eine so deutliche vordere Binde.
Ich halte das Bild fĂĽr das der Herc. Helveticaiis HS.,
zu welcher auch die Franzen stimmen, die bei Alpestralis
auf den VorderflĂĽgeln immer gescheckt sind. Das Bild
von HĂĽbner's Fig. 135 im grossen Werke ist gewiss
nach einem abgeflogenen StĂĽcke gemacht; bei frischen
Exemplaren ist die vordere Binde besonders am Vorder-
rand stets sehr deutlich. Uebrigens halte ich Lugu-
bralis und Helveticaiis fĂĽr zwei gut unterschiedene
Arten; ich flng vorigen Sommer 4 ganz reine Helveti-
calis am Piz Umbrail und sehr viele Lugubralis am
Fusse des Monte Livrio bei Stelvio, ohne üebergänge.
22. Pyr. emortualis (Zanclogn.) ,^.
23. Tin. Raddaella (Nemot. — us) (^ mit verunglückter Vor-
derflĂĽgelfarbe.
24. Tprtr. semimaculana (Paed. Solandriana L. var.
semimaculana) ,^ = Fig. 48 des grossen HĂĽbner'schen
Werkes, doch zu klein.
25. Tin. viridella (Adela) S-
26. Tin. sphingiella (Nemot. metalHcus Poda) j^, ohne
Glanz auf den FlĂĽgeln.
27. Der kleine Sackspinner, Bomb, pectinella ^,
heller als Fig. 5 des grossen Werks, wird schon von
Ochsenheimer zu seiner Psyche pectinella gezogen.
28. Pyr. potamogalis kann nicht wohl etwas Anderes
sein als Hydr. stagnata Don. Aber die Zeichnungen
sind viel zu fein; der Hinterrand ist nur blassgelb und
hat sogar schwarze Punkte, statt ein gelbes, dunkel
und scharf gesäumtes Marginalband zu zeigen. Auch
Fig. 82 des grossen Werkes ist nicht genau, kommt
aber der Wirklichkeit doch näher.
29. Sph. tineiformis (Paranthr.) kenntlich, aber mit falsch
gemaltem Hinterleibe.
30. Der strohgelbe Wickler, Tortr. paleana ,^ (?)
sehr klein, mit blassgelben, ziemlich schmalen Vorder-
und weissen HinterflĂĽgeln, also die Hauptform (Palleana"^
der Heinemann'schen Tortr. flavana S. 44.
326
31. Torlr. tesselana (Concli. aleella. tesserana S. V.) .9.
32. Pyr. palealis (Eurjcr.) $.
33. Pap. Thersamon (Polvomin.) J^ der ungeschwänzten
Varietät. Vgl. No. 83."
34. Bomb, cristatula (Nola). Diese mir in der Natur
unbekannte Art sieht hier recht bedeutend verschieden
von Fig. 17 des grossen Werkes aus und kommt mir
naturgeti-euer vor.
35. Die grĂĽne, oranienbunte Eule, Noet. calligrapha.
Sie ist offenbar gleich der noch mehr verschönerten
Fig. 530 des Noctuenwerkes, die HĂĽbner im Verzeich-
niss 8. 205 zwischen Spoliatricula und Fraudatricula als
s^'nonym mit Borkhausen's nach der Natur beschriebener
Noct. calligrapha IV. S. 172 einreihte. Staudinger zieht
sie im Catalog als Varietät zu Bit. algae F. (Spoliatri-
cula). Dasselbe thut Guenee init seiner Calligrapha,
deren entsprechende Zeichnungen d'un orange vif sein
sollen.
36. Tortr. uncana sieht einer verkleinerten Conch. hamH na
i^ sehr ähnlich, bei welcher bloss der rothe, aus dem
Innenwinkel schräg bis zur Querader reichende Strich
vorhanden ist. Aber ausserdem ist im Bilde der Vorder-
rand mit einer feinen, rothgelben Linie eingefasst. "Wenn
nun auch Hamana öfters auf dem Vorderrande rosi-
farbene Fleckchen hat, so sind diese doch nie zu einer
Linie verbunden, und der Hinterrand ist auch durch keine
dunklere Linie von den Franzen getrennt. Sollten diese
Abweichungen bloss willkĂĽrliche Verbesserung der Natur
sein? (Vgl. No. 39.)
Staudinger und Wocke erkennen hier entschieden
Conch. hamana ;9.
37. Bomb, colon ist Emyd. cribrum var. Candida $ mit
weissem Kopf.
38. Tin. canipella ist Cramb. craterellus Scop. 5^, nicht
Chrysonuchelhis. Wocke schreibt: ist im Catalog durch
ein mir jetzt unerklärliches Versehen falsch citirt.
39. Tortr. hamana (Conch.1 $, die unter No. 36 bemerkte
Varietät, bei welcher die Linie an der Querader den
gewöhnlichen Haken macht, und der Vorderrand unge-
fleckt ist.
40. Tortr. diversana (Conchyl. hamana) ,J^, die gewöhn-
liche Varietät, ganz wie Fig. 139 des grossen Wcrke."^.
41. Pyr. alpiualis (Bot.) J.
42. Bomb, nitidella (Fumea interuiediellaBr.,nitidellaHS.),j'.
327
43. Tin. mj^ella i^t Nephopt argyvella SV. $, wie die
Schmalheit der VorderflĂĽgel, deren grĂĽnliehe, freilich
lu dunkle und der hellen Längsstreilen entbehrende Farbe
und der gelbe Hinterleib beweisen. — Dieser Bestim-
mung geben Staudinger und Wocke ihren Beifall.
44. Tin. conchella = Cramb. }>inetellus L.
45. Pyr. sanguinalis (Bot.) sehr lebhaft gelb und roth,
aber da die Hinterflügel zur deutschen Färbung gehören,
wohl nur verschönert.
46. Pyr. nigralis (Bot.) $.
47. Bomb, plumella ist nach Ochsenheimer Psyche (Epichn.)
pulla K. Das Bild hat die Gir»sse der brandenburgischen
und schlesischen Pulla. Das Geäder der Vorderflügel
ist zu dick aufgemalt, und die FĂĽhler haben zu wenig
Kammstrahlen, wohl in Folge der Kleinheit der Abbil-
dung. Weniger erklärlich ist der für Pulla und ihre
Nebenformen ganz falsche Verlauf des VorderflĂĽgel-
geäders; er stimmt auch auf den beiden Seiten nicht
überein. — Ueber Plumella Ochsenh. schreibt mir
Mann, dass das Wiener Museum in der Podevin'schen
Sammlung nur zwei, also alte Kxemplare besitze, dass
die Art aber nicht mit Pulla verwechselt werden könne,
bei welcher die Kammzähne der Fühler weit länger
seien. [Ochsenheimer II I, S. 168 erwähnt keiner Ver-
schiedenheit in der FĂĽhlerbildung.]
48. Tortr. Zaegana (Conch. Zoegana) .^ zu hell gelb.
49. Tortr. apiciana stimmt in der Hauptsache mit der
etwas grössei-n Fig. 87 des grossen Werkes und der
noch grössern Fig. 7 bei HS. Wocke zieht diese No. 49
zu Hastiana. Ihrem Habitus nach möchte ich sie eher
für Varietät der Tei'. rufana SV. halten. Doch habe
ich kein Exemplar, jiei dem der Raum zwischen dem
Längsstreifen und dem Vorderrand dunkel ausgefüllt
wäre; eher ist dieser Raum heller als der Rest des
Flügels. Aber dasselbe finde* auch bei den Varietäten
der Hastiana statt, welche der Divisana HĂĽbn. nahe
kommen. Treitschke, der seine Lucidana ofl'enbar nach
der Natur beschrieben hat, erwähnt gleichfalls nichts
von einem dunkeln Vorderrande.
Staudinger stimmt meiner Ansichl bei, und Wocke
schreibt: ich halte diese Apiciana jetzt auch fĂĽr Aber-
ration der Rufana. Im Catalog habe ich sie fälschlich
zu Hastiana gezugen; ich kannte (bnials von Rufctna nur
eine Forn).
328
50. Die dckergelhe Schabe, Tin, ochrella ist Cerost.
coptella Fabr.
ol. Torir. fevugana (1. leiTiig.) ist Tortr. ochreana H. .^.
52. Geom. auroraria ist Fid. roraria Fabr. $. Sonderbarer
Weise benennt HĂĽbn. diese Art ebenso wie die in den
Beiträgen, die doch ganz richtig das ^ von Limbaria F,
vorstellt. Dass er die Varietät Rablensis vor sich gehabt
haben sollte, ist gar nicht anzunehmen.
53. Die Feuereule, Noct. birivia. Sie hat Grösse, Ge-
stalt und Zeichnung der Birivia Fig. 42 des grossen
Werkes. Zwar zeigt letztere noch eine verloschene,
helle Querlinie nahe der Basis und eine solche vor dem
Hinterrande der Vorderfliigel ; auch ist ihr Hinterleib
stärker ^ aber beide stimmen doch so sehr mit einander
überein, namentlich in der ringförmigen Gestalt der
Zapfenmakel, d^ss ich annehmen möchte, beide seien
nach demselben Originale verfertigt. Dass dieses Original
nicht zu der viel kleinern Birivia H. Fig. 631., HS.
Fig. 9 gehört haben kann, ist offenbar. Aber weder
diese, noch Agr. Helvetina besitzen eine Spur der in
HĂĽbners Birivia so gi-ellen Zapfenmakel, und auch
Treitschke, der V, 1. 191 beide HĂĽbnersche Bilder
(Fig. 631 und die Fig. 53 des vorliegenden Buches) zu
seiner Birivia citirt, weiss nichts vom Vorhandensein einer
Zapfenmakel. Staudinger zieht im Catalog die HĂĽb-
nerschen Bilder, (Fig. 42 des grossen Werkes und Fig. 53
der Vögel) doch mit einem Fragezeichen, zu Agr. Hel-
vetina Bdv., und in dieser Annahme wird er wohl Recht
haben. Agr. lucipeta besitzt eine Andeutung der hellen
Zapfenmakel, aber keinen Ring; auf sie kann also HĂĽb-
ners Bild nicht gedeutet werden.
54. Die spitzflĂĽgelichte Schabe, Tin. scalpella. Sie
scheint mit Anarsia Spartiella ^ noch am besten zu
stimmen, obgleich diese nicht gut spitzflĂĽglig heissen kann.
Von den schwachen Zeichnungen der Spartiella sieht man
auf dem Bilde keine Andeutung.
Staudinger schreibt: die Palpen scheinen mir dazu
in der Figur viel zu lang. Wocke : ich möchte sie eher
fĂĽr Ypsol. barbellus halten ; Jedenfalls ist das Bild un-
sicher.
55. Noct.. candelisequa. Ich glaube nicht, dass Staudinger
wohl gethan hat, diesen Namen fĂĽr Agr. sagittifera H.
aufzunehmen. Nur die Zeichnung auf -^4 der Vorder-
tlĂĽgel stimmt 5 dafĂĽr fehlt die schwarze, aus der Nieren-
329
makel entspringende Längslinie und die beiden dunkeln
Querlinien, und eine dunkel blaugraue Grundfarbe auf
dem RĂĽckenschilde, den VorderflĂĽgeln und sogar auf den
HinterflĂĽgeln (aussei- an der Wurzel) hat Sagittifera nie-
mals. — Wocke sagt dazu: sie passt zwar in einigen
StĂĽcken zu Sagittifera, doch im ganzen zu wenig, als
dass man das Bild zu dieser Art citiren könnte.
56 und 57. (Unterseite) Pap. Evippus = Lyc. roboris E. ^.
58. Tortr, characterana (Xylosteana L.) $ mit zu ge-
streckten FlĂĽgeln und zu wenig Gelb in den braunen
Zeichnungen; auch liegt der Innenrandfleck nur auf dem
rechten FlĂĽgel richtig.
59. Der Nullenspanner, Geom. nuUaria, völlig mit
Figur 18 des Spannerwerkes stimmend, nur heller und
mit schwarzen Hinterrandpunkten der HinterflĂĽgel und
mit unnatĂĽrlich kurzen FĂĽhlern. Im systematischen Ver-
zeichniss S. 287 stellt HĂĽbner sie mit Cordiaria als Eili-
crinia nullaria auf, Guenee benennt sie, ohne sie in
natura zu kennen, Amilapis nullaria und citirt dazu Es-
pers tab. 46 Fig. 1. Diese Tafel habe ich nicht zur
Ansicht; im Text sagt Esper S. 259: das Original [wel-
ches nicht das HĂĽbnersche gewesen zu sein scheint] habe
ich aus der Sammlung BĂĽringer's in Gunzenhausen mit-
getheilt erhalten; es wurde aus Oestreich beigebracht."
MerkwĂĽrdiger Weise findet sich die Art weder in Stau-
dingers Sammlung, noch im Wiener Museum (\vie mir
Mann meldet). Sie wäre die einzige exotische Art, welche
Hübner in dem vorliegenden Buche gebracht hätte, wenn
Wocke mit seinem Ausspruch: .,ist gewiss Exote,, Recht
und Guenees Vermuthung, qu'elle est aussi de TAmerique
septentrionale, sich bestätigte.
60. Dej- blindfleckichte Spinner, Bomb, strigula (Nola)
(^, zu scharf gezeichnet, ohne die helle Querlinie vor dem
VorderflĂĽgel und mit zu heller Wuizel der HinterflĂĽgel.
Es ist aber nicht N. confusalis.
61. Der rostige Spinner, Bomb, aerugula. Ich theile
nicht Staudingers Bedenken (im Cat.), in diesem Bilde
ein scharf gezeichnetes .^ der Nola centonalis H. anzu-
erkennen; ein ähnliches besitze ich selbst. Aber aerugo
und die Wortform wären in meinen Augen sehr erheb-
liche Gründe gegen die Einführung des Namens. —
Staudinger schreibt mir: Aerugula kann weiter nichts
sein als Centonalis, ist aber viel zu roth , und Wocke
benennt sie einfach : Centonalis.
330
H2. Der himtstaubichte Spanner, Geom. rubicapraria
(wohl Druckfehler fĂĽr ruj)icapr.) ist Apl. (nionaria, ohne
dunkeln Rand der VorderflĂĽgel und mit zu dunkeln .Hinter-
flĂĽgeln.
63. Tortr. corylana (Phoxopt. l^undana F.) mit weisser
Grundfarbe und gleichmässigen, doch zu wenigen C*ostal-
häkchen, woraus die Engländer eine eigene Art machen
wollen.
64. Tortr. tibialana (Paed, foenella L.) ,j^.
65. Tin. avellanella (Semiosc.) ,^ mit zu heller Zeichnung.
66. Geom. purpuraria (Lythria) ,5^, die Sommergeneration
mit vollständiger, nur am Vorderrandc gespaltener Binde;
die FlĂĽgel sind aber zu lang, die FĂĽhler zu kurz.
67. Sph. globulariae (Lio) j^ ein schlechtes Bild, aber
doch von dieser Art.
68. Pyr. ferugnlis (Druckf. fĂĽr ferrug.) ist Bot. rubigi-
nalis H. $.
69. Pyr. areualis ist Bot. verbascalis SV. ,^ sieher, doch
weniger kenntlich als Fig. 80 des grossen W^erkes, ob-
gleich sie vor dieser die richtige Hinterrandzeiehnung
voraus hat.
70. Pap. Telicanus (Lyc.) $.
71. Tortr. similana (Paedisca) J^, ein gutes Bild der
FRschen Dissimilana Taf. 62 Fig.. 2.
72. Pyr. flavalis (Bot.) sehr scharf gezeichnet, wie die Art
kaum je vorkommt, also wohl verschönert.
73. Tortr. Trauniana (Phthorobl.) $.
74. Pyr. trinalis (Bot.) ,^. Die Flecke hängen fälschlich
mit dem A'^ordenund zusammen.
7.5. Tortr. ramosana (Sarothr. Revayana var. ramosana)
.^ mit grauer Grundfarbe der VorderflĂĽgel und zu langen
FĂĽhlern.
76. Pyr. polygonalis, ein ,^ der nördlichen Varietät Ru-
sticalis H. , die frĂĽher als vei'schieden von Bot. polygo-
nalis Tr. galt.
77. Tin. se(juella (Cerost.) $ zu HĂĽbners Tin. Fig. 103 ,j^.
78. Tin. falcella, nach FlĂĽgelgestalt und Zeichnungsanlage
sieher Cerost. faleella SV; die braune und die gelbliche
Farbe sind aber so gesättigt und stechen so grell von
einander ab. dass eine grosse Aehnlichkeit mit Xylo-
stella L. (dentella F.) herauskommt.
Staudinger schreibt : sieher Faleella , weniger vc)--
schcinert, als zu dunkel gehalten. Wolke: sie kann nur
Faleella sein.
331
79. Py.r. sirecialis (verschrieben) ist Rivula sericealis .j^,
mit zu wenig gelber Grundfarbe.
80. Bomb, selenitica (Dasyeh.) ^.
81. Bomb, capueina (Lophopt. carmelita) ,^.
82. P^'r. Straminalis (Grob, stramentalis Tr.) ^^ mit eben
.so unnatürlich grauer Färbung wie Elutalis H. 62 im
grossen Werk.
83. Pap. Thersamon (Polyom.) $ mit geschwänzten Hinter-
flĂĽgeln. S. No. 33.
84. Die silberstreifichte Schabe, Tin. strigella —
ein schlechtes Bild, das ich aber zufolge der langen
Taster nicht zu Neph. argyrella, sondern nur zu Cr.
rostellus ,^, der alpinen Varietät des Cr. perlellus, ziehen
kann. Das Bild ist zu gross, die VorderflĂĽgel zu ge-
streckt und ohne Glanz, die HinterflĂĽgel gegen die Wurzel
zu hell. Dass Glanz da sein soll, und dass die Zwischen-
räume der Längsadern heller hervortreten sollen, geht
aus der deutschen Benennung hervor.
Staudinger schreibt: den Streifen nach eher ein
grosser alpiner Warringtonellus. Wocke: Nicht Rostellus
Lab., der nie so gross und auch nicht so gestreift ist,
noch weniger Warringtonellus, der noch kleiner ist, son-
dern nur ein dunkler Perlellus. Die früher gewiss glän-
zend weiss gewesenen Streifen sind durch Alter und
Feuchtigkeit braungrau geworden, wie dies bei Bleifarben
oft vorkommt.
85. Geom. achatin ata (Lygris testata L.) ,^.
86. Tin. pterodactyiella (Cerost. scabrella L.) ,5.
87. Tin. carmelitella (Rhinos. Denisella SV.) ,^.
88. Die mittelstreifichte Schabe, Tin. interuptella
(Dnickf. fĂĽi- Interrupt.) ist sicher Gelech. interruptella H.,
obgleich die HintertlĂĽgelgestalt falsch ist.
89. Tin. harpella (Cerost. "xylostella L.) ^.
90. Die rothsprecklichte Schabe, Tin. pudureUa ist
sicher Anchin. daphnella S.V. , obgleich mit viel zu
schmalen FlĂĽgeln.
91. Die glimmernde Schabe, Tin. antenella (Druckf.
fĂĽr antenii.) ist Cerosj. lucella F. mit unnatĂĽrlicher Ver-
dunkelimg der Basis und des Hinterrandes der Vorder-
fUigel; dem Hinterleibe nach stellt das Bild ein ,^ dar,
was sicher falsch ist.
92. Tortr. Udmanniana (Paed. Uddmanniana L) j.
93. Bomb, albula (Nola) ,^, kein gutes Bild, doch sicher.
94. Pyr. flamm ealis (Endotr.) ,^.
332
95. Die pvi"<^päugichte Schabe, Tin. pyropella ist
Mos. silacelliis H. ,^ ohne Taster und mit falscher Hinter-
tlĂĽgejgestalt; auch sind die zwei Punkte der Querader
so deuthch, wie selten in der Natur. Staudinger schreibt,
die Richtigkeit dieser Bestimmung sei ..sehr möglich".
Wocke: ich lialte diese Pyropella auch fĂĽr Mes. sila-
cellus.
96. Die Zweipunktschabe, Tin. bipunctella. Ich halte
sie fĂĽr eine schlechte Darstellung der Pleur. bicostella
L $, in welcher die VorderflĂĽgel zu stumpf, die Costal-
vitta /AI schmal und deren auch zu schmale braune Ein-
fassung zu hell gerathen sind. Die 2 Punkte sind richtig
gegeben; der dritte, in der Falte liegende ist freilich
weggelassen.
Staudinger sagt: dass es Bicostella sei, ist wohl mög-
lich; aber hier sind die Palpen zu kurz. Wocke: kann
nur PI. bicostella vorstellen; die etwas zu kurzen Palpen
stören nicht; entscheidend sind die 2 Punkte.
97. Tortr. Byringerana ist das zu schmalflĂĽglig dargestellte
Männchen der Tei*. Hastiana L., und zwar viel ähnlicher
der Varietät Buringerana Fig. 216 des grossen Werkes
als der Bj'ringerana Fig. 61 ebenda; in letzterer sind
die hellen Stellen gelblichroth.
98. Tin. roscidella (Hypon. plumbellus) 3*.
99. Der eulenfcirmige Wickler, Tortr. noctuana. Es
ist mir kein Wickler bekannt, auf welchen sich dieses
Bild anwenden Hesse. An Retin. resinella, selbst in
HĂĽbner's Fig. 29, ist nicht zu denken. Mir scheint,
dass gar kein Wickler, sondern eine Phycidee vorgestellt
ist, und zwar entspricht Aerob. obtusellSi H. 115 so-
wohl nach. Grösse und Flügelgestalt wie nach der Zahl
der hellen Querstreifen und nach dem in eine Schatten-
binde ĂĽbergehenden Strich der Querader dem Bilde von
Noctuana ziemlich genau.
Staudinger schreibt: ist auch mir wahrscheinlich, aber
nicht apodiktisch gewiss Obtusella. Wocke: 99 halte
ich auch fĂĽr ein schlechtes Bild von Acr. obtusella.
100. rieom. silaeeata (Cidaria) ^ mit zu schmalen Vorder-
flügeln, falscher Hinterrandzeichnung und weissem Körper.
P. C. Zell er,
333
Zur Lebensweise der Paussiden,
C, A. Dohrit.
Herr Ach. Raftray theilt in seinem kĂĽrzlicli erschienenen
Werke: Afrique Orientale, Abyssinie p. 113 folgende interes-
sante Beobachtung mit:
La Fontaine, in seiner Art kein ĂĽbler Naturfreund, hat
ganz richtig behauptet „la fournii n'est pas preteuse'^ , die
Ameise liebt das Ausleihen gar nicht; sie ist in hohem Grade
thätig, arbeitsam, ja von ziemlich borstiger Gemüthsart. Doch
hatten die Entomologen längst wahrgenommen, dass sie Tisch-
gänger duldet, wahre Parasiten, welche auf Ameisenkosten
leben, und doch so klein und vertheidigungslos sind, dass die
Ameisen mit ihren kräftigen Beisswerkzeugen sie spottleicht
vernichten könnten. Aus neuern Beobachtungen ergab sich,
dass die Ameisen, weit entfernt diese kleinen Gäste zu schä-
digen, sogar fĂĽr sie ganz mĂĽtterliche Sorgfalt beweisen. Es
\A'äre seltsam, wenn diese Aufopferung Seitens der Ameisen-
wirthe eine durchaus uneigennützige wäre. In der That be-
merkte man bald, dass die kleinen Gäste aus besonderen
Apparaten eine vermuthlich sĂĽsse FlĂĽssigkeit absonderten, nach
welcher die Ameisen lĂĽstern waren. Diese besondere That-
sache ward in Frankreich beobachtet,'*) und diese Olaviger
(so nach ihren keulförmigen Fühlern benannt) sind von sehr
geringer Grösse.
Es kamen aber auch, namenthch aus heisseren Ländern,
andere Insecten, die von den Sammlern sehr gesucht wurden,
einmal wegen ihrer Seltenheit, sodann wegen ihrer seltsamen
Form. Sie waren wesentlicii grösser, wenn auch immer noch
unter 1 Ceutinieter. Man wusste ziemlich gewiss nach Aus-
sage derer, die sie gefangen hatten, dass diese Paussus
ebenfalls in Ameisenhaufen lebten, aber was trieben sie da?
*j Öchon iin Jahrg. 1845 dieser Zeitung S. 123 veröffentliclite
der verstoi'bene ĂĽrimm analoge Beobachtungen ĂĽber Dinarda dentata.
Mau sah an ihnen weder die HaarbĂĽ.sciiel, aus denen die
Claviger die den Ameisen willkommene P\nR-htigkeit schwitzen,
noch waren sie so bewaffnet, dass sie etwa den Ameisen sich
mit Gewalt aufdrängen konnten.
Ich war fest entschlossen, diesen Käfern eifrigst nach-
zuspüren, um wo möghch ein Eckcheii dieses Sclileievs zu
lĂĽften.
Gleich nach der Ankunft in Abyssinien durchwĂĽhlte ich
mit unverdrossenstem Eifer alles, was mir von Ameisen-
Colonien irgend aufstiess, auf die Gefahr, von den mit Recht
erbitterten Colonisten schnöde gebissen zu werden. In jenen
Gegenden giebt es sehr grimmige Arten; einige davon verthei-
digten ihre Nester so tapfer, und waren von der Natur mit
so trefflichen Waffen ausgestattet, dass es mir bei dem besten
Willen unmĂĽgUch war, den Kampf mit ihnen zu bestehen. In
weniger als einem Augenblicke war ich mit grossen schwarzen
Ameisen übersäet, welche mich so wüthend bissen, dass sie
sich lieber mitten durchreissen liessen, aber die Mandibehi
nicht öffneten: es war ein Schmerz, um toll zu werden.
Lange Zeit verging, bis ich den ersten Paussus ei'wisehte,
endlich gelang es mir, einen in die Todes-BouteiUe zu beför-
dern; aber da es mitten in einer Reise war, hatte ich keine
MĂĽsse, ihn weiter zu untersuchen. In Adua war ich begĂĽn-
stigter: unter einem Steine, der die Gänge kleiner sch^arz-
rother Ameisen bedeckte, sah ich einen Paussus auf einem
Zweigfragment unbeweglich sitzen. Mit den kleinen Ameisen
verglichen, konnte er fĂĽr einen riesigen Elephanten gelten.-
Bald bemerkte ich, dass ich eine ganze Famihe dieses Paussus
vor mir hatte, und da die Ameisen durchaus nicht bösartig
waren, legte ich mich zu besserer Beobachtung platt auf den
Bauch. Die Ameisen liefen mit äusserster Behendigkeit hin
und her, schienen aber die Paussus sorgfaltigst zu vermeiden,
welche ihrerseits sich nicht rĂĽhrten. Das wollte mir nun gar
incht passen, denn dabei war nichts weiter zu beobachten.
Ich nahm also einen Graslialm und berĂĽhrte damit ganz zart
einen Paussus. Paff! schoss er seine Kanone los und wSiv in
ein kleines Wölkchen von weissem Rauch gehüllt. Den Amei-
sen schien diese Exi)losion unangenehm zu sein — es -wurde
ganz leer um den Paussus. Ich berĂĽhrte ihn wieder, und
wiederum kanonirte er.
Mir war diese Bombardirkunst nichts Neues, ich hatte sie
schon an andern Insecten bemerkt, die frei umherlaufen, oder
an feuchten Stellen unter Steinen leben. Das von ihnen aus-
gestossene Gas ist so kaustisch, dass es auf der Haut spĂĽrbar
335
brennt, dass der l)raunschwarze Brandfleck durch mehrfaches
Waschen mit Seife nicht vergeht, und sieh erst nach einigen
Tagen verliert.
Nun Wieb zu ermittehi, ob das Paussus-Gas gleiche Wir-
kung ĂĽbe: ich berĂĽhrte also das Thierchen mit dem Finger;
es bombardirte, aber weder gab das einen Fleck auf der Haut,
noch spürte ich irgend Wärme. Dies Experiment war mir
noch nicht schlagend, v^^ahrscheinlich war meine Haut zu hart.
Mit grosser Vorsicht Hess ich einen Paussus in einem Glas-
röhrchen explodiren, und der Erfolg war glänzend. Das
Röhrchen füllte sich mit Gas und an den Wänden gab es
einen gelblichen Niederschlag, vergleichbar dem, welchen der
Phosphor eines Schwefelhölzchens erzeugt. Ich kostete davon
und hatte auf der Zunge die Wirkung eines Causticums.
Bei der grossen Seltenheit der Paussiden war es mir nicht
vergönnt, weitere Beobachtungen zu machen. Ich habe nicht
die Freude gehabt, sie essen zu sehen, aber ich habe alle
Ursache zu glauben, dass sie mit Einwilligung der Ameisen
unter ihnen leben. Ohne Zweifel finden die Paussus in den
Ameisenbanten eine wärmere, gleichmässige Temperatur, eine
mit Ameisensäure geschwängerte Luft, die ihnen behagt;
ausserdem thierische und vegetabilische Stoffe, von den Amei-
sen für die Ernährung ihrer Larven zusammengetragen, welche
den von Natur trägen Paussiden passen. Durch ihre Fähigkeit
zu bombardiren imponiren sie den Ameisen, welche aus Er-
fahrung gelernt haben, sie ungestört gewähren zu lassen und
in Frieden zu toleriren.
Diese einfache Thatsache wird hofrentlich ausreichen,
das Interesse zu erklären, welches man für diese kleinen
Wesen empfindet, die so höchst wunderbar sind. Niemanden
wird es befremden, dass man lange und beschwerliche Reisen
nicht scheut, um sie zu fangen und ihre LebensM^eise zu
studiren.
— Soweit Herr Raflray. Ich habe natürlich gegen die
Zuverlässigkeit seiner interessanten Beobachtung nichts einzu-
wenden, halte aber seinen daraus gezogenen Schluss fĂĽr nicht
erschöpfend. In meiner Sammlung befindet sich ein Pleuro-
pterus allernans Westw. aus Natal, aus dessen Anus eine er-
liäitele gelbe Materie vorragt, welche ich für das Residuum
einer Bombardirung halte. Aber daraus, dass die Paussiden
im Noth fälle sich dieser Sprützkunst als Vertheidigung bedie-
nen, folgere ich noch nicht, dass sie von den Ameisen nur
„aus Furcht vor dieser Gas-Exhalation'- geduldet werden.
Und dazu bewegt micii nicht nur die von Herrn Gueinzius
336
(Jahrg. 1851 S. 228 ^dieser Zeitung) erzählte Thatsache, dass
die Ameisen bei Port Natal einen Pentaplatartlirus „spazieren
fĂĽhrten^', sondern auch der Umstand, dass ich in meinei-
Sammlung noch heute einen Pentaplatarthrus aufzeigen kann,
auf dessen RĂĽcken eine Ameise sitzt, nicht in einer gespreizten,
ofTensiven, sondern in einer behaghchen (saugenden?) Stellung.
Es scheint mir durchaus wahrscheinlich, dass die Paussiden
nicht nur einer Explodirung zur Abwelir, sondern auch eines
Exsudats fähig sind: aus dem letzteren und seinem geniess-
baren Reize wĂĽrde sich die Toleranz der Ameisen jedenfalls
am leichtesten erklären lassen.
April 1876.
C. A. ĂĽ.
Zwei Leseblumen.
\'ou
C A. Dolirn.
A) FĂĽr Lepidopterophilen.
(aus dem Bericht ĂĽber dif dreissigsle Suiiinicr-Acrsaminhing des
Niederländischen Entom. Vereins, Amsterdam am 24. Juli 1875).
— Herr Piepers trägt einige mei kMürdige Beobachtun-
gen vor, die er während seines Aufenthalts in Ostindien über
dortige Insecten, vornehmlich Sclinu'llerlinge gemacht, und
sagt unter andern:
Schon in Holland kann man dann und wann wahrnehmen,
wie einige Sclimetterlinge sich auf feuchten, sonnenbeschiene-
neu Sand niedersetzen und die Feuchtigkeit aufsaugen. Aber
wenn man in Insulinde um die heisseste Tageszeit ein aus
^and oder Kies bestehendes Ufer eines BergflĂĽsschens oder ein
dergleichen Bett eines fast ausgetrockneten Bächleins betritt.
Jagt man Iteinah mit jedem Schritt Tagvögel, vor allem Papi-
lioniden und Pieriden auf, welche dort mit zugeklappten FlĂĽ-
geln beinah unsichtbar doch mit sichtlichem GenĂĽsse sassen,
um sich an dem feuchten Boden zu erlaben; plötzlich sieht
mau sich umflatteit durch Schwärme solcher Thierchen, die
337
vov den FĂĽssen aufhuschen. Es war auf einer Reise in SĂĽd-
west Celebes. als mein Reisegesell hei dem Ueberschreiten
eines fast versiechten Bächleins plötzlich ausrief: „0 sieh ein-
mal, was für eine piächtige Blume!" und nach seinem Hin-
deuten sah ich mitten im Bachbette zwischen dem feuchten
Kiese eine prachtvolle orangegelbe Blume mit weissem Cen-
trum, ungefähr von zehn Centimeter Durchmesser. Das
Seltsame der Sache bewog mich, näher zu treten, um es
genauer zu betrachten, und was sah ich? — die Blume bestand
aus zwei (^oncentrischen Ringen von Callidr^'as ScjUa L., welche
ihre auf der Unterseite gelb und orange gefärbten Flügel zu-
sammengeklappt hatten und ämsig beschäftigt waren, den
leuchten Saud auszusaugen: sie hatten eine geringere Zahl
einer weissen Pieridenart. die derscll»en Beschäftigung oblag,
umschlossen, nnd diese schienen das weisse Herz der Blume
zu bilden. Ich erinnere mich noch der VerblĂĽfftheit meines
Reis^egenossen, als bei meinem Nähertreten die ganze Blume
als ein Schwärm Schmetterhnge auseinanderstob.
Solche hen-liche Blume, in welcher neben weissgelben
Pieriden eine Anzahl rother Pieris Zaiinda die Blumenblätter
bildete, sah ich später auf einer andern Stelle im Südwesten
von Celebes, just über dem schönen, Aon Wallace beschrieb-
nen Wasserfall von Maros. Und da ei'blickte ich zugleich,
was ich weder IVüher noch später gesehen, und worüber ich
auch nocli nichts gehört noch gelesen habe, ich sah einen
Schmetterling sich baden.
Während ich am Ufer des Flusses stand, der dort vor
seinem Eintritt in die Felsenspalte, aus der er als Wasserfall
brausend und donnernd hinaustritt, einen anscheinend ruhigen,
krystallklaren Spiegel darstellt, kam ein Exemplar des Papiho
llelenus L. ĂĽber das Wasser hergetlogen. Niedrig fliegend,
wie es seine Gewolniheit ist, war das Ihierchen mir bis auf
kurzen Abstand nah gekommen, als ich es plötzhch die Flügel
halb zuklappen und ganz nahe bei mir untertauchen sah, so
dass der ganze Körper und ungefähr «in Drittel der schief
aufwärts gerichteten Flügel unter Wasser kamen; darauf er-
hob es sich wieder aus dem Wassei- und Uog weiter.
B) FĂĽr Hymenopterophilen
(aus Walertoiis Waiiderings in Soiitli Aineriraj.
Der Autor erzählt, eine Vampyr-Fledernuius habe einem
Schotten, Namens Tarbel. Avährend .seines Nachlsi-hlafs etwas
Blut abgesogen, und fährt dann fort:
22
338
Das war nicht die letzte Heimsuchung Tarbefs an den
Ui'evn dos Fhi-sses Pamnuiron; in der iblgenden Nacht wurde
über ihn eine in B^uropa unbekannte Folter-Procedur verhängt.
Die in Guyana heimische grosse rothc Ameise, dort unter
(leni Namen Conslue bekannt, wandert ol't zu Millionen in
geschlossener Ordnung wie ein Regiment Soldaten quer durch
das Land, biegt weder rechts noch links ab. ĂĽberklettert alles,
was- ihr im Wege liegt, und vertilgt alles Geniessbare. Die
EigenthĂĽmer der Pflan/ungen sehen diese rĂĽcksichtslosen Ein-
<lringlinge nicht eben ungei'u, weil nach deren Durchmarsch
ihre HĂĽtten fĂĽr lange Zeit von allem vorher eingenisteten
Ungeziefer grĂĽndlich bereinigt sind, gehen aber ihren peinlich
schmerzenden Bissen und Stichen auf das vorsichtigste aus dem
Wege.
Nun hatte Mister Taibet Abends sich an einer reichlichen
Portion delicater Krabben gĂĽtlicher gethan, als seinem Magen
dienlich war, und erM'achte durch unzMeideutige knitl'licht-
A'orzeiclieu beschleunigter Digestion. Eiligst und ohne beson-
♦lere Zeit Verschwendung durch Belästigung mit Unterkleidern
snchte er das ihm bekannte Tempelchen der Venus Cloacina
auf. um seinen drängenden Gefühlen Luft zu machen, setzte
sich auf den Dreil'uss der Pythia, aber — — mit Entsetzen
Miul lurchtbarem Hailoh schnellte er wieder auf, denn er hatte
sich mitten in eine Procession jener ]0then Wanderfanatiker
gesetzt, und eine Dynamit-Pl\})losion hätte ihn nicht schmerz-
licher in die Höhe treiben können, als die hundert vergifteten
Dolehstiche der in doppeltem Sinne besessenen Ameisen. Es
dauerte für den armen Märtyier eine Ewigkeit, bis die sehlaf-
trunknen Diener sich ermuntert. Licht angesteckt mid mit
schwerer MĂĽhe die festverbissenen Foltergeister ihm StĂĽck fĂĽr
StĂĽck abgelesen hatten. Das war doch tausendmal schlimmer
als der sanlte Aderlass der Vampyre!
339
Exotisches
von
CA. Dohrn.
(Schluss der Liberiana S. 118.)
In demselben Yerhältniss, in welchem der Monrovianer
Jäger bisher weniger Tetrameren als Pentameren und Heterome-
ren eingesandt hat, haben mich auch die befragten BĂĽcher und
die befragten Freunde bei der Benennung der Arten mit
weniger Aufklärung ausgestattet.
Unter den Rüsselkäfern fanden sich nur folgende Gattun-
gen vertreten: Catamonus, Lixus (auritus Schh., spinimanus
Schh.), Aleides (dentipes Oliv.), Cryptorhynchus (2 sp.),
Rhina (Afzelii Schh.), Sipalus (guineensis Schh., mendicus
Schh.), Rhinocles (nasica m. S. 86.), Rhynchophorus
(phoenicis F.), Sphenophorus (senegaiensis Schh.). Ceroba-
tes, Phloeotragus (heros F., gigas F.). Mecocerus.
Etwas besser steht es allerdings um die Longicornia. Es
fanden sich: Doryeera (spinicornis White) Acanthophorus
(Tithoes) (continis Cast.), der von mir als beide Gattungen
confundirend bezeichnete. S. 118 besprochne Bock, den ich
in meiner Sammlung amphibolus benannt habe. Macrotoma
sp., Mallodon (Downesi Hope), Xystrocera (drei Arten,
darunter femorata Chevr.), Neocerambyx sp., Plocaederes
(denticornis F.), Mecaspis (violacea Thoms.), Callichroma
fafrum L., speciosum Dalm., atripenne HopeV, zwei mir un-
bekannte sp. und die S. 124 1. c. von mir spliinx benannte
sp.), Oxyprosopus sp., Leontium (cinereipes Chevr.),
Euporus (brevicornis F.), Monohammus (2 sp.), Coptops
(bruuneus F.), Prosopocera (lupunetata Drury, sp.), Tecton
((|uadrisignatus Chevr.), Ceroplesis sp., Phryneta (mammil-
lata Dalm., obscura Oliv.), Fr ea (maculicornis Thoms., quadri-
punctata Chevr., sp.), Ecphora (testacea F.), Moecha (He-
cate Chevr.), Eurysops (Esau Chevr.). Sternotomis (ornata
Oliv., crux nigra Hope), Tragocephala (nobilis F.), Pach}'-
stola (2 sp.), Hecyrida (Blanchardi Chevr.), Oberea sp.,
und ein Paar kleine noch unbestimmte Sapeixliden.
Entschieden armselig ist die Beute an Phytophagen aus-
sefallen. Zwar beoinnt den Reioen eine prachtvoll liinimelblau
•22*
340
sliulilciidp Sagrtl. die icli im Lacordaire nicht finde, und genau
mit derselben scliönen Far))e blitzt Corynodes azureus Sahlb. ;
aber ausser Hispa melanaiia Baly, Cassida nigrodorsata Boh..
liepatica Boh., spilota Boii., ohovata Klug, vVspidomorplm
cinela F. (einer wahren j'iinzessin von Portugal mit sehr vielen
Namen) (juadriramosa Boh.. liaccoplera intricata Klug, Copto-
t'Vela semivittata Boh., pallidula Boh., Lema armata F.,
Syagrus calcaratus F.. Ceralces Murrayi Baly, Pachytoma
gigantea lllig., Nisotra dileeta Dalm., Oides (Adorium) nigri-
pes Uliv., sind nur noch wenige, zur Zeit ungetaul'te Galeru-
ciden und Haitiken gekommen.
Eumor})hiden hat es gar keine gegeben; von Erotyliden
die hĂĽbsche Episcaphu coeca, welche Fabricius irrthĂĽmlich
zu den Elateriden gesellt hatte, und zwei vielleicht noch un
beschriebene Arten dieser Oaltuag.
Von Coccinelliden ]\am (ausser der bei afrikanischen
Sendungen fast unvermeidlichen Cydonia lunata F.) Alesia
hamata Schh.. Chnootriba assimilis Muls.. Epilachna bifa-
sciata F., deren Identität mit E. chrysomelina Klug gewiss mit
Recht behauptet, wenngleich einzelne der Monrovianer ^par
exees de matiere coloi-ante'' gegen massig gelarbte italienische
Ep. chrysomelina aulTallend abstechen; eine noch abweichen-
dere A^'arietät, aber doch mit identischer Basis bietet eine mir
durch Freund Doria mitgetheilte Form aus dem Lande der
Bogos. Es scheint, als ob Coccinella (Adalia) bipunctata L.
vei-gebens den Yiris doctissimis durch ihre unendliche Yaria-
bihtät gepredigt hat, dass die „Schlüsselmädchen der Jungfrau
Maria" — so heissen die Mai-ienkäfer im schAvedischen Volks-
munde — mit ihrer Toilette höchst wankelniüthig kokettiren.
Schliesslich habe ich noch zu registriren, dass gegen Ende
April d. J. eine neue Sendung e Liberia einlraf. Da sie schon
seit viel" Monaten als ..fertig zum Absenden" angemeldet wai-,
seildem aber alle Nachrichten ausblieben, so war es natĂĽrlich,
dass bereits die Besorgniss entstand, entweder dem Ex])edien-
ten oder dem expedirlen Schiffe sei ĂĽebles zugestossen. Wenn
der Monrovia-Jäger damals voi- vier Monaten geschrieben hatte
„die Käfer dieser Sendung seien besonders schön" — so hat
ihn da/AI wahrscheinlich der Umstand angeleitet, dass er ein
Dutzend des allei-dings augenbestechenden Goliathiden Ceratorh.
guttata Oliv, gefangen hatte. Dieser hĂĽbsche, aber nicht eben
seltne Prahlhans hat auch dem langen Liegen in schlechtem
Spiritus tapfern Widersland geleistet und ist ungeschädigt davon
341
gekommen. Desto weniger aber haben das die meisten der
ausserdem mitgesandten Speeies verti-agen, die vorzugsweise
aus Carabieinen, Laraellicornien und Heteromeren bestanden.
Mehr als ^j.^ davon hatte die Cohäsion ganz, oder zum grössern
Theil eingebĂĽssl. Ein Paar Exemplare von Chrvsoehroa (?)
aurata F. und ein inzwischen von befreundeter Hand mit der
patria ,,Atr. occid. interiov" vorgelegtes StĂĽck von der kleinen,
sehmalen Gestalt, welche ich im Jahrg. 1875 S. 450 dieser
Zeitung besprochen habe, geben mir Anlass zu bezweifeln,
ob ich damals Recht gehabt, das kleine Exemplar (Long.
30 millim. Lat. 8 millim.) als eine verkĂĽmmerte Form der
grossen anzusehen. Sie sind gewiss nahe mit einander ver-
wandt, aber doch verschieden, da die beiden kleineren voll-
kommen mit einander stimmen, während unter den mir jetzt
vorliegenden grossen keines unter Long. 45 m. Lat. 18 m.
misst. Hiebei will ich gleich die Bemerkung anknĂĽpfen, dass
zu dem Buprestiden, welcher mir (1. c. S. 450) als Iridotaenia
chrysochlora Palis. bestimmt worden war, sich in dieser letzten
Sendung ein zweites Exemplar vorgefunden hat, jenem ersten
ganz genau ähnlich, mithin von Falisot's Beschreibung, Abbil-
dung und von den mir von Dejrolle als chrysochlora verkauf-
ten StĂĽcken in der Sculptur der Elvtra und wie ich jetzt bei
2 Exemplai'en sieherer behaupten kann, auch durch die feinere
Thoraxrinne abweichend. Da sie mit Ausnahme der goldigen
Spitze des Apex der Deckschilde trĂĽb dunkelgrĂĽn ist, so wird
ihr der Name decolor gerade passen. Den frĂĽher bereits
erwähnten Buprestiden haben sich in dieser letzten Sendung
noch zwei Psiloptera punciatissima F. gesellt, die in zwei
verschiednen Händen mit gutem Gewissen zu zwei verschie-
denen Arten gestempelt werden könnten: die eine misst 20,
die andere 27 milHm., die kleine ist schwachglänzend grün,
die grössere brillant feuergolden, bei der kleineren ist die
Thorax-Mittelrinne kaum bemerkbar, dagegen sehr augenfälV'g
bei der grösseren. Aber die Exemplare meiner Sammlung-
reichen vollkommen aus, diese Extreme zu vermitteln.
Unter dem übrigen Zuwachs war mir zunächst ein zwei-
tes StĂĽck des vorher besprochneu Acanthophoriden (amphi-
bolus m.) natĂĽrlich sehr willkommen; es stimmt durchaus mit
dem frĂĽher erhaltenen. Ferner wurde Stethodesma (Ceton.)
Strachani Bainbr. mil Freuflc begrĂĽs^ri. Dass Schaum Rui--
meister^s melanopiera damit vei'einigt hat, halte ich fĂĽr richtig.
Bei dem vorliegenden Exemplare sind die weissen FleckcheĂĽ
<ler Elytra,, wenn auch undeutlich, so doch noch zu erkennen.
Ein neuer llydaticus, ein neuer Ochyropus, Clivina sp., eine
342
auH'allend kleine Uloma. Lagria sp., ein zierlicher Balaninus.
dem ostindisehen C- album F. ähnlich, ein kiipfergoldiges
Callichroma, 2 sp. Nitidididen, eine rothgelhe Hispa sp. haben
die Sprilgefahr glĂĽcklich ĂĽberstanden. Was aber dei- Sendung
unbedingt die Krone aulgesetzt hat , ist ein trefflich erhaltenes
StĂĽck des bisher nur in dem typischen Exemplar bekannten
Paussiden Orthoplerus Lalertei Westw. Da als sein Fund-
ort Rio grande, sĂĽdlich vom Gambia angegeben war, so steht
zu hoffen, dass das reizende Thierchen bald auch von Andern
gefangen werden wird, sofern jetzt constatirt ist, dass sein
Verbreitungsbezirk sich wenigstens ĂĽber 70 deutsche Meilen
erstreckt.
Beiträge zu den Pyralidinen Südamerika's.
Von
Prof. Carl Bei*^ in Buenos Aires.
Bei meiner vor anderthalb Jahren erfolgten Bearbeitung
der Pyralidinen der Ai'gentinischen Republik '"') musste ich ver-
schiedene Arten aus der Sammlung des öti'entlichen Museums
in Buenos Aires, ĂĽber die ich gern einige Bemerkungen ge-
macht hätte, unberücksichtigt lassen, weil sie aus andern
Territorien stammten und demzufolge der Aufgabe jener klei-
nen Arbeit widersprachen. Ich bespreche sie jetzt in dieser
Abhandlung, weil ich durch meine inzwischen ausgefĂĽhrten
Reisen in den Stand gesetzt bin, die ZĂĽnslerfauna Argentiniens
nm ein ))aar .\rten zu bereichern und Zusätze zu der einen
oder andern Species zu liefern.
Die unterdessen von mir in Palagonien beobachteten
Pyralidinen lasse ich hier unerwähnt, weil sie in meiner
Arbeit über die Lepidopteren jenes Landes ''•'■*•') eingehend be-
handelt worden sind.
*) Pyralididao Argentini. (Deutsche entomolog. Zeitschrift.
Berlin 1875. — Boletin de la Acadeniia Nacinnal de Ciencias Exactas.
Buenos Aires 1874.)
**) Patagonische J-epidoptercn. beobachtet auf einer Reise im
Jahre 1874. (Bulletin de la Societv Jinperiale des Naturalistes. Moscou
1875)
343
1. Chrysauge bifasciata Walk.
Walker, List of Lep. Ins. Bomb. p. 368. — Lederer.
Pyralidinen, p. 332. Taf. 6. Fig. 1.
Aus Rio de Janeiro. — Wir besitzen aber ein von
Dr. Burmeistei- gefangenes ^^ das grösser ist als die von
Walker angegebenen Maasse; es hält in der Flügelspannung
14 mm. Der Einbug des schw^arzen Vorderrandes der Hinter-
flügel ist viel schwächer, als ihn Leder er auf seiner Zeiche
nung angiebt.
Die Beine sind anliegend besclmp})t, bis auf die Hinter-
schienen, welche oben, vorherrschend am ersten Drittel, ab-
stehende Haare tragen.
2. Botis amiculatalis Nob.
,^ et $. Saturate aurantiaca; aus latissime rufo fusce-
scenii — marginatis, albo fuscoque cilialis, lineis transversis
punctisque discalibus nigi'icantibus. — Exp. al. ant. 16 mm.
Aus Buenos Aires und von der Sierra de Cordova. —
In der Nähe von Botis insignitalis Guen. zu stellen. Im
FlĂĽgelschnitt der Botis badipennis Grote (Bulletin ofthe
Buffalo Society of Natural Sciences 1873. p. 88. pl. 11:
F. 12) ähnlich.
In der Grundfarbe dunkel orangegell»; dieselbe am reinsten
im Diskus der HintertlĂĽgel.
Kopf und Palpen i-öthlichbraun angeflogen, ersterer am
Rande ĂĽber den Augen weisslich, letztere zugespitzt: unten
zum grössten Theil rein weisf^. Thorax imd Abdomen dunkel
orangefarbig, ohne jede Auszeichnung.
Die Flügel mit breitem, röthliohbraunem Saume, der von
der äusseren Quei'linie an beginnt. Die Querlinien der vor-
deren hin- und hergebogen, am Innenrande genähert; die
zweite mit schwachem Bogen um die Querader. Der Qucr^
streif der HinterflĂĽgel, welcher vor der Mitte des Voi-dej--
randes beginnt, zieht zum Saume vor dem Afterwinkel und
mündet kurz vor demselben in eine schwärzliche Strieme, die
von der Flügelbasiy, sich allmählich erweiternd, dem Innen-
rande parallel, zum Saume vor dem Afterwinkel läuft, jedoch
denselben nicht erreicht. Die Färbung ist darelbst lebhafter
braunroth, während sie zum Vorderiande hin einen schwärz-
lichen Ton annimmt. Der Mittelpunkt aller FlĂĽgel ist gut
sichtbar; auf den VordertlĂĽgeln laidct sich ausserdem noch
ein schwärzlicher Strich auf dei- Querader und eine ver-
düsterte Färbuno' am Costalrande. Die Saumlinie ist fein.
344
schwarz, auf Hern dunklen Grunde wenig sichtbai'. Die Fran-
zen unter der P'lĂĽgelspitze sind eine breite Strecke weiss.
dann zum Innenwinkel hin rothbraun; die am Innenrande der
Hinterflügel gelb. Die Wurzelhälfte der Saumfranzen dunkel.
Unterseite der Flügel äh)ilieh der Oberseite, nur in Allem
matter, und der breite dunkle Saum verliert sieh gegen den
Innenwinkel, trägt aber auf den Vorderen in der Mitte, nahe
der Querlinie, eine intensive Verdunkelung, welche sich zum
Saum hin vei'liert. Beide Mittelfleckchen der Vordej-flĂĽgel
grösser und dunkler als auf der Oberseite.
Die Brust ist unten weisslich und die Bauehfläche hell-
grau, welche letztere Färbung auch die anliegend beschuppten
Beine haben, mit Ausnahme der Schienen, die aussen gelblich
sind. Vordertarsen am ersten, dritten und vierten Glied ver-
dunkelt.
Ein gut erhaltenes i^ dieser schönen Art fing ich im
Januar dieses Jahres am Rio Richuelo bei Buenos-Aires. Ein
,^ erbeutete ich Ende März in der Sierra von Cordova.
Letzteres ist sehr verflogen und verschossen und hat daher
eine schalgelbe Färbung. Auch ist bei ihm der dunkle Saum
nicht s(t breit wie bei dem $, so dass zwischen ihm und der
äusseren Querlinie noch eine ziemlich breite Stelle von der
Grundfarbe sich befindet. Die Franzen fehlen. Die Farbe des
Thorax und Abdomens ist graugelb.
3. Botis phoenicealis Htibn.
Walk., Pyral p. 315. — Guenee, Pyral. p. 173. -
Led. 1. 1. p. 367. — Herrich-Schäffer, Correspondenz-
blatt. 1871. p. 19.
Aus der Banda ())iental del Uruguay, wo ich diese Art
im September 1873 am Rio San Salvador fing. — Sie ist viel
matter und unscheinbarer als Hüb ner"s Bild (Zuträge Fig. 115
— 116"), welches in Allem viel zu grell gegeben zu sein seheint,
was Herrich-Schäffer ebenfalls bei seinen cubanischen
Exemplaren beobachtet hat.
Bei unsei-em Thier sind die FlĂĽgel, besonders die hinte-
ren, ziemlich dünn bestäubt, das Gelb und Roth wenig her-
vortretend, und die Zeichnungen, wiewohl alle vorhanden,
doch mehr oder weniger, zumal auf den HintertlĂĽgeln verwischt.
Auf der Unterseite ist die Färbung und Zeichnung noch
viel weniger ausgej)rägl, als auf der Oberseite, und besonders
als auf dem Bilde HĂĽbner's. worĂĽber schon Chi e nee I. 1.
sich au.sspricht.
345
Die Palj)en sind stark zugespitzt, etwas geneii^t; die
Nebenpalpen sind anfgerichtet. Die Segmentsränder des Hinter-
leibes sind nur unbedeutend heller als die übrige Färbung.
Die Bauchfläche ist gelblich weiss; ebenso gefärbt sind die
Mittel- und Hinterbeine, die Vorderbeine haben, dagegen an
Schienen und Tarsen nithlichgelbe Flecke.
4. Botis suavidalis Nob.
j*. Palpis erectis. late squamosis, articulo terminali vix
conspicuo; alis luridis, area mediana pallidiore, lineis duabus
fuscis ad marginem interiorem approximatis ; anticarum lineola
discali fusca. — Exp. al. anl. J^ mm.
Aehnlich der Botis jucundalis Led. (1. 1. p. 37(1 u.
463. Taf. 8. Fig. 17.) aus Ostindien. Unterschieden von ihr
durch die geringere (rrösse (18 gegen 22 mm.), die aufwärts
gebogenen, an dei" Stirn anliegenden Palpen, den Mangel der
gelben Flecke vor dem UrsprĂĽnge der ei'sten und hinter dem
Beginn der zweiten Mittellinie, den in den Innenrand auslau-
fenden bräunlichen Strich auf der Querrippe der Hinterflügel,
und die dĂĽstere Unterseite der Vorder flĂĽgel.
Palpen bis zur Stirn reichend, breit beschuppt, gelblich
braun, unten an der Wurzel weisslich; das Endglied stumpf,
kaum hervortretend. Nel)enpalpen dunkler braun, den ersteren
dicht aufliegend. Fühler von 3/4 der Vorder flügel länge, sehr
kurz gewimpert. Kopf von der Farbe der Palpen. Halskragen
lebhafter dunkelgelb. Thorax fast safrangelb.
Die VordertlĂĽgel gestreckt, der Vorderrand an der Spitze
schwach gebogen, der Saum unter der Spitze bis Rippe 3
ziemlich gerade verlaufend, von da an sanft gerundet.
Die HinterflĂĽgel in der Form ganz wie bei Botis jucun-
dalis Led.
Die CT-ruiidfarbe aller FlĂĽgel lief schmutzgelb. Das Mittel-
feld dei' Vorderflügel längs der äusseren Querlinie von der
Bucht der letzteren bis Rippe 8 (ilgelb, ebenso das Wurzel-
feld von der Mittelrippe bis zum Innenrande, welche Färbung
nach der Basis zu in Braungelb ĂĽbergeht. Die Querlinien sind
dunkelbraim, die innere auf der Mediana sanft gebogen; die
äussei'e am Vorderiande schwai'z, nach dem Innenwinkel zu
einen unrege hiiässigen Bogen machend, dann verloschen nach
dem langgezogenen, beiderseits striemig ölgelb angelegten
Mittelfleck hinauf- und unter demselben scharf zum Innenrande
ziehend. Das Mittel- und Wurzelfeld der HinterflĂĽgel reiner
gelb als auf den Vorderflügeln. Der bräunliche Strich auf
346
der Querader zieht, auf Rippe J b saumwärts schwach ge-
brochen, deutlich bis zum Innenra^nde. Die von ^^^ de« Vor-
derrandes zum Innenwinkel hin iaid'ende braune Querlinie ver-
liert sich auf zweidrittel des VVeges'^ von wo an die dunklere
Färbung des 8aumes das Mittelfeld begrenzt. Der Saum der
Flügel hat die dunkelste Färbung und eine braune Saumlinie.
Die Franzen sind weisslich, in der JVIitte graubraun, an der
Basis gelblichweiss.
Das Abdomen ĂĽberragt weit den Afterwinkel, ist oben
lebhaft gelbbraun, mit schwärzlichen, hie und da weiss auf-
geblickten Segmentsrändern; unten ist es weisslich. Sein letztes
Segment iiat oben einen schwarzen, l)eidei"seits weiss angeleg-
ten Längsfleck.
Die Unterseite der VorderflĂĽgel ist gelblich grau, die der
HinterflĂĽgel dunkel strohgelb; beide mit undeutHch durch-
scheinenden Zeichnungen der Oberseite.
Beine weisslich. Die Vorderschienen gelblich, ihre ersten
Tarsen abstehend dunkel beschuppt; die Mittel- und Hinter-
schienen weisslich, deren Tarsen gelblich.
Ein Männchen, das ich den 3. Juni 1873 in Rio de
Janeiro fing.
5. Botis tinctalis Led.
Led. 1. 1. p. 371 u. 465. Taf. 9. Fig. 5. — Herr.-Sch.
1. 1. p. 20.
Ende Januar d. J. fing ich in der Nähe von Buenos Aires
ein sehr gut erhaltenes ,^ einer ZĂĽaslerart, welches ich nur
hierher ziehen kann. Es stimmt in (rrösse und Zeichnung
recht gut mit den Angaben Ledere r's ĂĽberein.
Bei meinem Exemplar finde ich aber die vom genannten
Autor angegebene bräunhche oder braungraue Färbung, die
in den Binden, Querlinien und in der Bestäubung auftriti, als
dunkel Braunroth mit einem Stich in Blutroth. Ausserdem is(
bei ihm die Mittellinie der HinterflĂĽgel nicht , wie auf dem
Bilde Ledere r's, zum lunenrande, sondei-n zum Saum gebo-
gen, was freilich einigermassen aus der Beschreibung erhellt,
und welcher Unterschied weniger in Betracht kommt, wenn
man die Zeichnung, was Lederer selbst sagt, als nicht ganz
gelungen beti-achtet.
Die innere und äussere Querlinie, welche an Rippe I b
im Mittelfelde sehr nahe an einander kommen, dann divergiren
und am Innenrdnde sich wi(!der nähern, bilden dadurch dort
einen 5 — H-eckisen Rina,.
347
Saumlinie aller FlĂĽgel zerrissen, rothbraun. Franzen hell-
gelb . an den Spitzen weisslich.
Nachtrag. Den 21. December, als mein Manuskript zur
Versendung bereit lag, fing ich noch ein $ dieser Species,
welches besser mit der Beschreibung Lederer"s ĂĽbereinstimmt.
Es bleibt somit kein Zweifel ĂĽbrig, dass wir die bezeichnete
Art vor uns haben.
6. Botis phaeopteralis Gnen.
R. plebejalis Led., 1. 1. p. 373 u. 469. Taf. 10. Fig. 8.
— Guenee, 1. 1. p. 349. - Walk., 612. - Herr.-Sch., 26.
Aus Cordova in der Argentinischen Republik und Santos
in Brasilien. Am ersteren Ort im März 1875, am letzteren
im Juni 1873 von mir gefangen.
Ich lasse hier eine von mir frĂĽher, als ich die Art noch
nicht kannte, angefertigte Beschreibung dieser nicht leicht
nach den vorhandenen Beschreibungen bestimmbaren Species
folgen.
Flügelspannung 20 — 25 mm. Grundfarbe hell bräunlich-
grau mit einem Ton in"s Strohgelbe, wie das Saumfeld bei
Botis ruralis Scop. und B. fuscalis Hb., oder braungrau
bis schwärzlichgrau, schwach irisirend: die Flügelränder ge-
wöhnlich verdüstert.
Die Vorderflügel sind am Costalrande bis zum hint«"ini
Querstreif ziemlich gerade , von da an sanft gebogen mit
einigermassen scharf vortretender Spitze. Der Saum ist bis
zur Mitte der Zelle 2 schwach ausgeschwungen, v(jn da an
zum Innenwinkel gerundet. Die Querlinien sind dunkelbraun;
die innere gebogen, am Innenrande entfernter von der FlĂĽgel-
basis als am Vorderrande; die äussere, die an der Krümmung
des Costalrandes beginnt, läuft in deutlichen Zacken und Zäh-
nen in der Richtung zum Innenwinkel, kehrt in Zelle 2 plötz-
lich wurzelwärts. zur Nierenmakel schräge hinaufziehend, und
vor dieser in zwei bis drei undeutlichen Zacken zum Innen-
rande. Die Nierenmakel ist schmal, annähernd halbmond-
förmig; die Ringmakel ist durch feine dunkle Bestäubung an-
gedeutet.
Die HinterflĂĽgel, welche am Vorderi-ande ziemlich breit
weisslich sind, haben eine hellere, aber im Ganzen grauerie
Färbung als die Vorderflügel; ihr Mittelpunkt ist klein, an der
Grenze der weisslichen Voi-derrandsfarbung befindlich.
Die gezackte Querlinie bildet fast eine Fortsetzung der
äusseren Querlinie der Vorderflügel, ist am Vorder- und Innen-
348
rande theilweise verloschen und verläuft wie die der Vorder
flĂĽgel, nur entfernter vom Mittelpunkt.
Der Saum der FlĂĽgel ist dunkler. Die Franken sind hell,
von einer chinkelltruunen Theilungslinie durchzogen.
Die Unterseite der FlĂĽgel ist heller als die Oberseite^ die
Zacken der Querlinien, auf den Vordei'ilĂĽgeln die Nierenmakel
und auf den HinlerflĂĽgeln der Mittelpunkt sind meist deutlich
sichtbar.
Die FĂĽhler, welche bis '-^l^ des Vorderrandes reichen,
sind von der Farbe der VorderflĂĽgel. Die vorgestreckten Pal-
pen sind dunkelbraun, unten weiss ^ das letzte Ghed ist sehr
stumpf, aus dei- Behaarung des zweiten wenig hervortretend.
Die Nebenpalpen sind bräunlich, nach aussen gerichtet. Tho-
rax und Hinterleib im Farbentoii kaum heller als die Vorder-
flĂĽgel; letzterer unten hellgrau, an der Spitze dunkel. Beine
anliegend dĂĽnn beschuppt, weisslich, die pelzige Behaarung
des ersten Tarsengliedes der vorderen von der letzten Hälfte
an dunkelbraun, an der Spitze hell.
7. Botis pruinalis Led.
Led. 1. 1. p. 373 u. 369. Taf. 9. Fig. 6.
Den 8. Juni 1873 fing ich in Santos (Brasilien) einen
stark verflogenen Zünsler, welcher bis auf die Grösse — er
hat nur 26 mm. in der Flügelspannung — zu dieser Art passt.
8. Botis ruralis Scop.
B. verticalis Schiff. — Stand. Cat. Lep. ]>. 211 no.
201. - Led., 375. - Guen., 337. - Walk., o56.
Herr Professor Dr. Burmeister, hat vor Jahren ein
Exemplar dieser Art in Rio de Janeiro gefangen, das voll-
ständig mit einem europäischen übereinstimmt. — Die Art
wird aus Europa dorthin verschleppt worden sein.
9. Botis matutinalis Guen.
Guen., p. 195. - Walk., 354. — Led., 376. Taf. 11.
Fig. 14. — Herr.-Sch., p. 28.
Aus Rio de Janeiro durch Dr. IJumieistei'. — Kleiner
als Guenec'sche und Wttlker'sche Exemplare, nur 19 mm.,
während jene 23 — 26 mm. für die Flügel.'ipannung angeben,
sonst aber mit der Gueneeschen Beschreibung und dem
Bilde (bei unserem StĂĽck mir der Saum nicht so breit dunkel)
Ledere r"s sehr gut üliereinstimoiend und sicher hierher gehörig.
349
10. Eurycreon evanidalis Berg^.
Berg, Deut.srhe eiiloni. Zeit.sclir. Berlin 1875. p. 132. —
Boletiu de la Acadeinia Nacional. Buenos Aires 1874. p. i6'6.
— Bulletin de la Öoc. Imp. des Islaturalistef^. Moseou 1875.
Aub Bueno.s- Aires. Cordova und Patagonien. — Ein .9,
das ich Ende März d. J. in der Sierra von Cordova. in einer
Hohe von etwa 4000' thig. ist viel gröber bestäubt und sehr
dunkel gezeiehnel. zeigt aber in anderer Weise keine Ab-
weichungen.
11. Eurycreon rantalis Guen.
Phycopterus signariellus Blaneh., Gay, Hist. de
Chile. Zool. lom. VIT. p. lOll Atlas, Lep. tab. VII. F. 13. —
E. subl'ulvalis Herr.-Seh. 1. 1. p. 26. — Guen., p. 405. —
\ÂĄalk., 802. - Led.. 370. Taf. 12. Fig. 3. - Zeller,
Yerhandl. der zool.-botan. Gesellsch, Wien. 1872. p. 519. —
Berg, 1. l. p. 132 resp. 161.
Aus Buenos Aires, Cordova, der Banda Uriental del
Uruguay und aus Patagunien. Nach Prof. Zeller und Lede-
ier auch in Nordamerika. — Hier bei uns überall recht liäutis:
und variirend in der Färbung.
Anmerkung. In meiner z. Z. im Druck betindlichen
Abhandlung ĂĽber die Patagonischen Lepidopteren. die ich im
vertlossenen Jahre dort zu beobachten Gelegenheit hatte, habe
ich nachzuweisen gesucht, dass IMiycopterus signariellus
Bland), diese Art repräsentiri.
12. Chromodes armeniacalis Guen.
Guen., p. 312. pl. 8. F. 8. — Led., p. 390.
Ans Buenos Aires. — Guenee giebt für seine 5 aus
Brasilien stammenden ,^ eine FlĂĽgehveite von 31 mm. (sollte
vielleicht 21 heissen?) an; ein hiei' anfangs dieses Jahres ge-
fangenes Q hat eine FlĂĽgelspannung von nur 18 mm.
Ausser dieser viel geringeren Grösse, dem schwarzen
Endglied der Palpen und dem sehr schmalen schwarzen Costal-
rand, welche dunkle Färbung zum ersten Drittel hin sich ganz
verliert, — zeigt es keine Unterschiede und ist von der
Guenee'schen Art nicht zu trennen.
Lederer giebt die Franzen als braunschwarz an, was
auch Guenee's Bild zeigt. Bei unserem Exemplar sind sie
dunkel scljwar/., nnvk glänzend, welcher Unterschied in dem
350
Alter der StĂĽcke zu suchen sein wird. Die FĂĽhler sind bei
Guenee auf dem Bilde zu lang angegeben; sie erreichen nicht,
was auch Leder er sagt, die FlĂĽgelspitze.
13. ? Heterodes Ausonia Cram.
H. ausonialis Guen., j). 811. pl. 4. F. 9. — Led.,
1. 1. p. 395. - Walk., p. 585.
Aus Cordova — Ein 5- das ich nur zu dieser Species
ziehen kann.
Es stimmt besser mit dem Cram ersehen (Taf. 140.
Fig. C.) als mit dem Bilde von Guenee überein. In Grösse
und Färbung wie dort angegeben; aber bei vortheilhaft ein-
fallendem Licht ist eine Andeutung der Querstreifen auf den
Flügeln sichtbar, deren äusserer auf den Vorder- und Hinter-
flĂĽgeln in der Mitte einen weiten Yorsprung zum Saum ent-
sendet. Die HinterflĂĽgel ausserdem noch mit einem solchen
Streif kurz vor dem Saumrande. Auch Mittelpunkte sind,
wenn man die Flügel schräg von der Seite betrachtet, sicht-
bar, und die Palpen sind nicht aufgebogen, sondern vorgestreckt,
wie bei den meisten Botiden.
Ich stecke das Thier einstweilen als Heterodes Auso-
nia zurĂĽck, bis ich zu mehr Vergleichsmaterial komme, um
mit Sicherheii über die Species entscheiden zu können.
14. Glyphodes sibillalis Walk.
Walk.. I. I. p. 506. - Led., 1. 1. p. 402.
Aus Paraguay. — Walker hat sie von St. Domingo,
Ega und Venezuela, und Leder er aus letzterer Republik ge-
habt. LTnser ziemlich defectes Exemplar stimmt im Ganzen
gut mh der Beschreibung Walker's ĂĽberein; nur ist sein
Mittelglied der Palpen nicht „with two ochraceous marks
on the outer side"', sondern die untere Hälfte der Palpen
ist weiss, die obere ocherfarl)ig.
15. Coenostola apicalis Led.
Led., I. I. p. 409. Taf. 14. Fig. IG.
Ein $ aus Rio de .Janeiro. — Gut mit der Beschreibung
und Abbildung Lederer"s ĂĽbereinstimmend. Die FĂĽhler, deren
Länge dieser Autor nicht angeben konnte, reichen bis 3|^ des
Costalrandes der VordeitlĂĽael.
351
Die B'rauzen dieser Art sind an der Spitze, am Innen
Avinkel und an dem eckigen Vorsprung des Saumes der FlĂĽgel
eraubraun, sonst weiss, mit ziemlicli breiter brauner Theilung-s
linie und weisslicher Wurzel.
Anmerkung. In seiner öfters erwähnten Abhandlung
über eubanische Schmetterhnge führt Herrich -Schäffer bei
Coe. apiealis als Citat Lederer's Taf. 15. Fig. 1 an; diese
Fig ür geh öi't zu Coe. e r u p t a 1 i s .
16. Pilocrocis amissalis Guen.
P. ra mentalis Led.. I. I. p. 430. Taf. 16. Fig. 13.
Aus C'ordova. — Es liegen mir 3 Exemplare dieser Art
vor. deren Vaterland Leder er nicht kannte. Er wird sie aber
Mohl aus Brasilien gehabt haben.
Ich nehme an, auf Grund der nachfolgenden Argumente,
dass Ouenee's Botis amissali,'^ (I. 1. p. 351.) aus Brasilien,
welche Led er er nicht gekannt hat, mit der von ihm auf-
gestellten Pilocrocis lamentalis identisch ist. Beide haben
nur je 1 q gehal>t. und noch dazu kein gut erhaltenes.
Meine Exemplare haben alle Charaktere, welche letzt-
genannter Autor zur BegrĂĽndung seiner Gattung Pilocrocis
angiebt. und ausserdem noch Manches, de.ssen er nicht Er-
wähnung thut, was aber bei Guenee sich iindet; umgekehrt
vermisst man einiges bei diesem Lepidopterologen . was erste-
rer an Merkmalen hat.
Guenee giebt als FlĂĽgelweite 32 mm.; Led er er hat
versäumt, solche /u notiren; unsere Stücke haben eine Flügel-
spannung von '26 — 29 mm.
Der violette Schiller auf den FlĂĽgehi, von welchem
Lederer nicht spricht, ist wie in der Beschreibung des fran-
zösichen Autors; diesem M-iderspricht dagegen die genugsam,
wenn auch nicht immer sehr deutlich, sichtbare Querlinie auf
der Unterseite der HinterHĂĽgel, die Leder er deutlich gezeich-
net hat, wek'he aber nach Guenee nicht vorhanden sein soll.
Nach (ruenee soll unter dem FlĂĽgelumschlag ein brauner
Haarpinsel sich betinden; Lederer erwähnt eines .solchen
nicht unsere Individuen haben ihn. wie auch die eigenthĂĽm-
liche. phycideenartige Bildung der FĂĽhler im ersten Viertel,
•die letzterer beschreibt und abbildet, während es in Betreff
der FĂĽhler [>ei Guenee heisst : ,.sans nodosite". Dieser
sagt von den Vorderbeinen: „ayant les jambes velues et
le premier ai'ticle du tarse garni d'une espece de
manchotte de ])oils elargie"; sie sind bei unseren StĂĽcken
352
wie. gewĂĽhĂĽlich bei den Bolidcn und also nielir oder weniger
luu'li der Angabe Guenee's.
Die Hinterbeine, die dem Lederer'.seheu Exemplar lehlten.
bieten iieine Aus7.eiehnungen vor den Botiden. Der Hinterleib
ist an den Segmentsrändern heller, niid überragt den After-
winkel um i|4 — i/a.
(lue nee giebt auf den VorderllĂĽgeln mir einen (^uerstreif
an, weil der innere blos bei reinen Exemplaren zu sehen ist.
J>er Querstreif der Hintertliigel macht in der Mitte einen
weit grösseren Vorsprung aJs ihn Leder er gezeichnet hat.
Die Fi-anzen sind weisslieh. mit breiter brauner Thei-
luugslinie.
Die Palpen sind am Kopfe aufsteigend, dicht beschuppt,
gerundet, in der oberen Hälfte graubraun, unten weiss ^ das
Endglied ist kurz, stumpfspitzig. Die Nel)enpalpen sind kurz,
fadenförmig, aufgerichtet. Nebenaugen sind vorhanden.
17. Syngamia florella Cram.
(^uinqualis Hübn., Zutr. 351 — 352. — S. fiorellalis
Guen., p. 187. — Led., p. 435. — Walk., p. 333.
Diese in SĂĽdamei'ika weit verbreitete Art kommt auch in
der Argentinischen Republik vor; wir besitzen ein Pärchen
aus Cordova. Die Exemplare bieten nichts Abweichendes von
den vorhandenen Beschreibungen, sie sind nur etwas grösser
(r^ 18, $ 19 mm.) als die Angaben Guenee's.
18. Synclera traducalis Zell.
Ă–pilomela retinalis Led., Wien, entom. Monats. 1857.
p. 100. — Glyphodes univocalis Walk., I. I. p. 499. —
Zeller, Lep. micr. Caflr. p. 54. 1852.
Diese bis jetzt in Uatlrien, Syrien und Ostindien aufge-
fundene Species besitzen wir aus Rio de Janeiro, von wo
sie l'rof. Bur meist er ge])rachl hat.
Das E.vemplar stimmt vortrelllit-h mit den Beschi-eibungen
ĂĽberein.
19. Parapoynx indomitalis Nob.
$. Alba purum fuscescenti varia; alis anticis lineis duabus
(interiore e j)unctis duobus, exteriore llexa) fuscis, liturulu
ante apicem fuscescente, maculis minutis duabus discalibus
puncti.sque marginalibus bene determinatis nigricantibus; posti<!is
^slrigis binis j)unctis(|ue marginalibus fuscis. — Exp.al.ant. lÖuim.
353
Durch den Mangel der Rippe 8 der HinterflĂĽgel zur
Abtheilung B. Leder er's gehörig.
Grundfarbe des Körpers und der Flügel weiss, hin und
wieder mit spärlicher, bräunlichgrauer Verdüsterung.
Stirn und FĂĽhlerbasis dicht anliegend beschuppt, weiss;
erstere ziemlich breit; die FĂĽhler sonst gelbhch braun, ihre
Glieder sehr deutlich eckig vortretend. Palpen dei' Stellung
nach wie bei den übrigen Arten dieser Gattung, in der Fär-
bung die zwei ersten Glieder bräunlich, besonders aussen, das
Endghed und die Nebenpalpen gelblich weiss.
Statt der ersten Querlinie der VorderflĂĽgel zwei dunkel-
braune Fleckchen, deren oberes in der Mittelzelle, das untere
in Zelle 1 b sich befindet, und von welchen das letztere grös-
ser ist und eine intensivere Färbung besitzt. Die zweite Quer-
linie, in der Farbe schmutzig braun, beginnt ziemlich breit
an 2/3 des Costalrandes, und verschmälert sich, indem sie in
der Richtung zum Saum zieht. In Zelle 5 macht sie saum-
wäi'ls einen verwaschenen Vorsprung, geht darunter wurzel-
wärts, wobei sie sehr undeutHch wird, aber in Zelle Ib wie-
der zieijnlich breit auftritt, zwei undeutlicke Haken gegen den
Saum entsendend. Im Hohlräume des Rogens dieser Querlinie
befinden sich zwei tiefbraune Punkte oder kleine Fleckchen,
deren oberes eine rundhche, das untere eine länglich runde
Form hat. Der Vorderrand des Mittelfeldes ist spärhch dunkel
bestäubt und hat einige braune Schuppen an der Costalrippe.
Ausser diesen Zeichnungen haben die VorderflĂĽgel noch einen
Streifwisch im Saumfelde, der am Vorderrande, etwa 1 MiUi-
meter vor den eckig geformten schwärzlichen Saumpunkten
seinen Anfang nimmt und nur bis Rippe 4 sichtbar ist.
Die Hinterflügel haben zwei breite bräunliche Querlinien
und einen Mittelfleck. Die ersteren, parallel verlaufend, bilden
zuerst einen langgezogenen Bogen gegen den Saum und dann
einen andern ähnlichen zur Wurzel des Flügels; die innere
verläuft in der Flügelmitte, die äussere 1 — i^j.) mm. vor den
dunklen langgezogenen Saumpunkten, in den Afterwinkel mĂĽn-
dend. Der Mittelfleck, der vor der ersten Querlinie steht, ist
unregelmässig dreieckig, ziemlich gross.
Der Saumrand der Flügel ist von einer schmalen bräun-
liehen Linie begrenzt. Die Fianzen sind schmutzig weiss, mit
bräunlichem Glanz, und im ersten Drittel mit unregelmässig
dreieckigen bräunlichen Fleckchen.
Die Unterseite der VorderflĂĽgel ist dunkel graubraun; die
der HinterflĂĽgel weisslich mit grauem Ton und undeutlich
durchscheinenden Zeichnungen der Oberseite.
23
354
Abdomen und Beine dĂĽnn und anliegend beschuppt;
ersteres weiss, letztere schmutzig weiss bis grau oder bräun-
lich, die Vorderschenkel und Schienen sogar schwärzlich,
ebenfalls die Vordei-tarsen dunkler als die Mittel- und Hinter-
tarsen.
Ich fing diese Art in einem r^ Ende April 1874 in der
Banda Oriental del Uruguay, in einer Canada (Sumpflache
zwischen p]rhöhungeu des Bodens), wo es 10 Uhr Vormittags
bei Sonnenschein lebhaft an den Sumpfpflanzen (Eichhornia
azurea Knth., Pontederia nymphaeifolia und Hydro-
cotyle Bonariensife Lam.) umhertlatterte.
20. Parapoynx efFrenatalis Nob.
$. Alba fuseo subconspei'sa; palporum articulo secundo
exterius fuscescenti; alis fasciis duabus luridis marginem ex-
teriorem versus denticulatis , linea marginali nigro-fusca. —
Exp. al. ant, 20 mm.
Ebenso wie die vorhergehende ohne Rippe 8 der Hinter-
flĂĽgel. Die Form der FlĂĽgel wie bei P. stratiotalis HĂĽbn.
Grundfarbe weiss, hie und da lehmgelblich angeflogen.
Kopf weiss, in der Mitte anliegend beschuppt; an den
Seiten die Schuppen etwas erhoben. Die Palpen sind in der
Mitte aussen bräunlich. Fühler gelbhchweiss, die Glieder stark
vortretend.
Thorax und Abdomen schmutzig weiss mit eingemischten
bräunhchen und lehmgelben Schuppen, ersterer vorn mit un-
deutlichem weissem Querbande.
Vorder- und Hintei-flĂĽgel weiss, mit breiter, lehm- oder
fchmutziggelber Binde vor dem Saume und ähnlich gefärbtem,
dieser parallel laufendem äusserem Querstreif, welcher um die
Querader einen Bogen machend auf den VordertlĂĽgeln weit
wurzelwärts zum Innenrande zieht und auf den Hinterllügeln
mehr grau in der Färbung und undeutlicher ist, auch ge-
streckter verläuft. Diese Querstreifen sind gegen den Saum
scharf gezackt und heben sich in dem weissen Grunde gut ab.
Die VorderflĂĽgel mit dunklen Schuppen im Mittelfelde,
welche sich auf der Querader zu einem Fleckchen gruppiren
und in Zelle 1 b Verdunkelungen erzeugen. Das Wurzelfeld
bei meinem Exemplar theilweise abgerieben , jedoch auch mit
dunklen Atomen.
SauniHnie schwarzbraun, der äussere Saumrüud selbst
lehmgelblich , der Raum zwischen beiden schmal weiss. Fran-
zen weisslich mit undeutlicher, breiter, gelblicher Theilungslinie.
355
Die Unterseite der Flügel Avie oben, aber in allen Fär-
bungen und Zeichnungen sehr matt. Mittelpunkte keine vor-
handen.
Unterseite des Körpers und die Beine weiss, ohne weitere
Auszeichnung.
Von dieser Art habe ich ein $ vor mir, das ich Anfangs
März d. J. in Cordova fing. Ein paar Stücke deiselben Spe-
cies sah ich auch in der Insektensamnilung der Academia
Nacional de Ciencias Exactas daselbst.
Buenos Aires, Mitte December 1875.
REGISTER.
Botis amiculatalis n. spec No. 2
„ matutinalis Guen ^^ 9
„ phaeopteralis Guen ^^ G
„ phoenicealis Hübn ^^ 3
„ pruiualis Led ,, 7
„ ruralis Scop „ 8
„ suavidalis n. spec ,, 4
„ tinctalis Led ,, 5
Chromodes armeniacalis Guen n 12
Chrysauge bifasciata Walk ,, 1
Coenostola apicahs Led n ^^
Euryereon evanidalis Berg :: '0
„ rautalis Guen . . . „ 11
Glyphodes sibillahs Walk ii '^^
Huterodes Ausonia Cram n ^3
Parapo^iix ellrenatalis n. spec ii ~^
„ indomitalis u. spec ^i 1^
Pilocroeis amissalis Guen n ^^
Syngamia tlorella Crani ^i ^^
Synclera traducalis Zell • •)■> ^^
23*
356
Neue Dytisciden,
beschrieben von E. Vif e h n c k e.
(Foi'ts. V. ö. 197.)
Cnemidotus festivus.
Rotundatus, brevis, pallide testaceiis, prothoraee sparsiiii
punctato, basi utviuque foveolato, elytris punctato-stiialis,
interstitiis rugoso-punctatis, basi, «utuni et inaeulis 14 piceis.
Long. 2^1^ mm.
Eine zierliche, bellgelbe Art, dem C. duodecim-punctatu.s
Sa}^ am nächsten, doch ist sie um die Hälfte kleiner, von
mehr rundlicher Form, und durch eine auf jeder Seite ander
Basis des Halsschildes belindliche Grube ausgezeichnet.
Der Kopf ist klein und hat ziemlich grosse vorstehende
Augen, deren Zwischenraum lein punktirt ist. Das Halsschild
ist kurz, auf der Mitte weitläutig, nach den Rändern zu dichter
und stärker punktirt; an der Basis befindet sich jederseits
eine, von einigen grösseren Punkten gebildete, tiefe Grube.
Die Flügeldecken sind rundlich vor der Spitze abgeschrägt,
ĂĽberall fein runzelig punktiit, mit neun Reihen Punkte ver-
sehen, die an der Basis gross sind, nach hinten zu kleiner
werden. Die Basis, die Nath, ein gemeinschaftlicher Fleck
au der Spitze, sowie sieben Flecke, einer hinter der Schulter
an der Seite, ein anderer vor der Mitte, zwei hinter diesem,
und drei vor der Spitze ein Dreieck bildend, dunkelbraun.
Unterseite und Beine mit Ausnahme der bräunlichen
Hinterschenkel gelb.
Vaterland: Texas.
Vatellus lentus.
Oblongo-ovalis, crebre punctatus, thorace rufo-testaceo,
elytris fuscis, apice rufo-teslaeeis, tenuiter pubescens, pedibus
testaceis. Long. 3i|'._) mm.
Von länglicher Form mit schwach abgetlachtem Rücken.
Kopf rothgelb init iielleren P'ĂĽhlern und Tastern, fein
und sparsam punktirt, und an der Vorderseite neben den
Augen mit einem flachen Eindrucke versehen.
357
Halsschild zweimal so breit als lang, die Seiten gerundet,
Vorderwinkel abgerundet, die hinteren fast rechtwinklig, ĂĽberall
ziemlieh stark und dicht punktii't, rothgelb mit braunem
Hinter rande.
Flügeldecken länglich oval, vorne nicht breiter als die
Basis des Halsschildes, in der Mitte erweitert, nach hinten
verschmälert, dicht und stark punktirt, überall dünn behaart,
dunkelbraun von Farbe mit hellerer Spitze.
Die Unterseite braunroth, stark aber weitläufig punktirt.
Beine hellgelb.
Vaterland : Portorico.
In den Sammlungen als Hydroporus lentus Erichs, in lit.
verbreitet.
Vatellus Haagi.
Oblongo-ovalis, crebre punctatus, thorace fusco, basi
transverse impresso, elytris fuscis vel flavo-ferrugineis obsolete
rufo maculatis, apice pedibusque rufis. Long. 5 mm.
Länglich oval, gewölbt, auf dem Rücken etwas abgeflacht.
Kopf klein, rothbraun mit helleren FĂĽhlern und Tastern,
die Stirn fein und weitläufig, neben den Augen stärker und
dichter punktirt, an der Vorderseite der Augen mit einem
kleinen Eindrucke.
Halsschild rothbraun, am Hinterrande etwas dunkler,
doppelt so breit als lang, die Seiten gerundet, nach hinten
verschmälei't, Vorderwinkel abgerundet, die hinteren fast
rechtwinkelig, ĂĽberall dicht punktirt und in der Mitte vor
dem Hinterrande durch eine tiefe Querfurche ausgezeichnet.
Flügeldecken länglich oval, an der Basis viel breiter als
das Halsschild, ĂĽberall sehr dicht und ziemlich stark punktirt,
etwas dunkler als Kopf und Halsschild; der äussere Rand, ein
unbestimmter Fleck an der Basis, drei am Seitenrande befind-
liche Flecke, ein grösserer hinter der Schlüter, ein zweiter
in der Mitte, ein kleinerer hinter diesem sowie die Spitze
röthlich. Die LTnterseite ist braun, die Beine roth, an den
Hinterbeinen die Schienen bräunlich.
Vaterland': Brasilien, Corrientes.
Diese ausgezeichnete Art emj>nng ich von Dr. Haag in
Frankfurt a. M.
Trogus Godeffroyi.
Ovalis, postice dilatatus, subdepressus, supra olivaceus,
labro, prothoracis margine laterali, elytrorumque vitta sub'
358
marginali luteis, corpore subtus nigro-piceo, pedibus antieis
pallidis. Long. 33 — 34 mm.
Mas et fem. thorace elytrisque laevibus.
Dem T. limbatus Fabr. ähnlich, jedoch erhebhch kleiner,
auf dem RĂĽcken flacher, durch den ganz gelben, umgeschla-
genen Rand der FlĂĽgeltlecken besonders abM'eichend.
Eiförmig, nach hinten stark verbreitert, die Oberseite
flach gewölbt, dunkel olivengrün. Der Vorderkopf, die Seiten
des Halsschildes, eine neben dem Seitenrande fortlaufende
Binde auf den FlĂĽgeldecken, sowie der ganze umgeschlagene
Rand der FlĂĽgeldecken gelb.
Die Unterseite mit den Hinterbeinen pechschwarz, die
Vorderbeine gelb, die Tarsen der Mittelbeine bräunlich.
Vaterland: Australien, Brisbane, Cap York.
Von Daemel gesammelt.
Trogus Haagi.
Oblongo-ovalis , convexiusculus , supra olivaceus, protho-
racis elytrorumque liml)0 laterali late luteis, subtus nigro
piceus, pedibus antieis lestaceis. Long. 24 mm.
Von T. tripunctatus Oliv., dem diese Art am nächsten
steht, durch eine gewölbtere, mehr gleichbreite Form und die
ganz pechbraune Untei'seite verschieden, die bei tripunctatus
gelbliche Seiten der Mittelbrust zeigt.
Oval, nach hinten nur wenig verbreitert, gewölbt, dunkel-
olivengrĂĽn, der Vorderkopf, die Seiten des Halsschildes und
der Flügeldecken breit gelb gesäumt. Das Halsschild vor dem
Schildchen etwas eingedrĂĽckt und die FlĂĽgeldecken nach
hinten mit kleinen punktförmigen Grübchen ziemlich dicht
besetzt.
Die Unterseite mit den Hinterbeinen dunkelbraun, die
Vorderbeine gelblichroth.
Vaterland: Nubien.
Meinem Freunde Dr. Haag in Frankfurt a. M. , dem ich
diese Art verdanke, gewidmet.
Trogus natalensis.
Ovalis, depressiusculus, supra nigro-olivaceus, subtus testa-
ceus, labro, thoracis limbo, eljtrorum margine, pedibusque
luteis, femoribus posterioribus basi, tibiisque fuscescentibus.
Long. 22 mm. Fem. Elytrorum margine laterali subtilissime
irregulariter striolato.
359
Von T. scutellaris Germ., dem diese Art am nächsten
verwandt ist, durch eine viel kĂĽrzere und breitere Form un-
terschieden. EitVirmig, hinter der Mitte am breitesten, dunkel-
ohvengrĂĽn, die Seiten des Halsschildes und der FlĂĽgeldecken
gelb gesäumt.
Unterseite mit den Beinen gelb, an den Hinterbeinen die
Wurzel der Schenkel sowie die Schienen bräunlich.
Die Flügeldecken der Männchen sind glatt, die der Weib-
chen an den Seiten gestrichelt.
Port Natal.
Trogus nigripes.
Ovalis, postice dilatatus, apicem versus rotundatus, con-
vexiusculus, nitidus, supra et subtus nigro-piceus, elytris
postice rugulosis. Long. 20 mm.
Von der Form des Tr. irritans Dohrn, und von dieser
Art und dem ihm gleichfalls nahestehenden notasicus Aube
durch die ganz schwarzen Beine unterschieden.
Oval, stark gewölbt, hinter der Mitte etwas erweitert,
bis auf den bräunlichen Mund ganz schwarz gefärbt. Kopf
und Halsschild fein punktirt, letzteres am Hinterrande und
neben den Seiten fein längsgestrichelt. Flügeldecken mit drei
Reihen grösserer Punkte, auf der hinteren Hälfte fein ge-
runzelt.
Diese schöne Art stammt aus Borneo und wurde mir von
Herrn Fetting mitgetheilt.
Trogus Steinheili.
Ovalis, postice subdilatatus, apicem versus late rotundatus,
depressiuseulus, supra nigro-olivaceus , iabro, prothoracis limbo
laterali, elytrorum macula obliqua apicali rufo-luteis; corpore
subtus, pedibusque piceis, anticis rufo-luteis. Long. 23 mm.
Mas et fem. thorace elytrisque laevibus.
In der Farbe dem Tr. laevigatus Ol. sehr ähnlich, aber
etwas grösser, flacher und mehr gleichbreit, in der Form mit
Tr. latus Fabr. ĂĽbereinstimmend; auch sind die Weibchen,
welche sowohl bei laevigatus als latus dicht punktförmig ge-
strichelt sind, bei dieser Art ganz glatt.
Von ovaler, flacher Form, hinter der Mitte nur wenig
verbreitert. Die Oberseite schwarzgrĂĽn, der Mund, die Seiten
des Halsschildes und eine Makel vor der Spitze der FlĂĽgel-
decken, welche zuweilen sehr undeutlich wird, rothgelb.
360
Die Unterseite mit den Hinterbeinen ist pechbraun, die
Vorderbeine sind geJbroth.
Vaterland: Neu-Granada, Medeliin.
Nach Herrn E. Steinheil in MĂĽnchen benannt, der mir
diese Art freundlichst mittheilte.
Histoire naturelle des Insectes.
Species General des Lepidopteres Heteroceres
par
M. M. Boieduval et dienee.
Tome Premier iSphiiigides, Sesiides, Castniides. Par M.
le Docteur J. A. Roisduval. — Paris Librairie Encyclopedique
de Roret. 1874.
ist der Titel des neuesten und wahrscheinlich letzten Werkes
des berĂĽhmten Lepidopterologen, welcher in neuester Zeit
seine grosse Sammlung verkauft und damit wohl fernerer Be-
schäftigung mit der Entomologie entsagt hat.
Da aufTallender Weise bisher noch keine Recension dieses
Werkes erfolgt ist, will der Unterzeichnete dasselbe einer
kurzen Besprechung unterziehen.
In der Vorrede, datirt vom März 1874, sagt der Ver-
fasser, dass das Werk bereits vor 20 Jahren begonnen und
1868 beendet, seine Herausgabe aber durch die politischen
Verhältnisse der letzten Jahre verzögert worden sei.
Das Werk enthält excl. Vorj-ede und systematisches Ver-
zeichniss 558 Seiten Text und 1 J colorirte Kupfertafeln, und
es werden in demselben an Sphingiden 484 Arten in 6 Tribus
und 52 Gattungen, Sesiiden incl. die Gattungen Stygia, Atychia,
Thyris und Pachythyris 187 Arten in 3 Tribus \md 15 Gat-
tungen, Caslniiden 78 Arten in 2 Tribus und 5 Gattungen
beschrieben.
Die Sphingiden beginnen mit der Gattung Acherontia und
schliessen mit Dasyphinx.
Ueber BegrĂĽndung und Zusammenstellung der einzelnen
Gattungen, sowie über deren Reihenfolgo enthält sich Schrei-
ber dieses eines Urtheils; es scheint ihm, als wenn die Sphin-
giden ĂĽberhaupt an scharfen Gattungscharakteren nicht allzu-
361
reich wären und dadurch dem Systematiker mancherlei Schwie-
rigkeiten bei Aulstellung eines möglichst vollkommenen Systems
in den Weg legten.
Ueber allzugrosse Gattungsfabiikation in diesem Werk
darf man abei* bei so artenreichen Gattungen wie Sphinx mit
61, Chaerocampa mit 84, Macvoglossa mit 72, Sesia mit 138
und Castnia mit 53 Arten nicht klagen; unsre Herren trans-
atlantischen Collegen wĂĽrden hier ein reiches Feld fĂĽr Auf-
stellung zahlreicher neuer Gattungen gefunden haben! —
Ein Mangel scheint es dem Berichterstatter zu sein, dass
bei den einzelnen Gattungen nie die Jahreszahl der Aufstellung
und eben so wenig ein NachM^eis darĂĽber, wo dieselbe zuerst
geschehen ist, gegeben worden ist. Am meisten emplindet
man diesen Mangel bei solchen Gattungen, deren bisher ge-
bräuchliche und allbekannte Namen durch neue von dem Ver-
fasser siibstituirte Benennungen verdrängt wurden, z. B.
Eucheryx Bdv. = Calliomma Bdv. od. Walk.; Madoryx Bdv. =
Hemeroplanes Hb.; Everyx Bdv. = Otus Hb., Darapsa Wlk.
Nur bei einzelnen Gattungen, z. B. bei Epistor Bdv. werden
GrĂĽnde angegeben, warum der frĂĽhere Name, in diesem Fall
Enyo Hb., verworfen wurde.
Die Arten sind, soweit sie dem Verfasser in Natur be-
kannt waren, meist gut, wenn auch zuweilen etwas kurz,
beschrieben; ihm fremde Arten hat er nach den vorhandenen
Abbildungen oder Beschreibungen beschrieben, freilich sind
erstere, z. B. bei Gramer, zuweilen herzlich schlecht.
Wo dem Verfasser die ersten Stände bekannt waren,
sind auch ĂĽber diese Mittheilungen gemacht.
Die anscheinend fehlende Daremma Undulosa Wlk. aus
Nordamerika fĂĽhrt Verfasser als Sph. Brontes Dr. an, wie aus
dem Citat: Boisdv. Spec. Gener. PI. 15 F. 6 hervorgeht, er
hält entgegen Grote (Proceed. Ent. Soc. Philad. 1865 p. 60)
diese Art fĂĽr Brontes Drury und sagt, dass er die von Grote
1. c. PI. 1 F. 5 als Brontes Dr. abgebildete, von Cuba stam-
mende Art nicht kenne. Pergesa (Oreus) Thorates Hb. Ztg.
wird als Eucheryx Croesus Dalm. aufgefĂĽhrt. Wenn diese Art
in den Analecta entomologica , welche ich nicht kenne, die
aber 1823 erschienen, beschrieben ist, so wĂĽrde der Name
Crösus allerdings die Priorität haben; denn das dritte Hundert
von Hübner's Zuträgen, in welchem F. 525/26 Thorates abge-
bildet ist, erschien 1825.
Die schwächste Parthie des Buches in systematischer Hin-
sicht sind entschieden die Sesiides; denn hier wird, ohne dass
die wissenschaftlichen Ergebnisse der neueren Zeit nur im
362
Geringsten berileksichtigt wären, auf den Standpunkt, welchen
die Systematik vor 25 Jahren einnahm, zurĂĽckgegangen und
die Cossidengattung Stjgia Ltrll., sowie die Tineengattung
Atychia Ltrll. (Chimaera Ochs.) zu den Sesien gestellt. Dass in
diesen beiden Gattungen mehrere dei- zu den Europäern ge-
zählten Arten fehlen, ist durch den verspäteten Druck nach
Abschluss des Werkes zu erklären; einige Arten wie Stj'gia
Colchica H. S. (1852), Atychia Candefacta Led. (1858), Dia-
cona Led. (1858), Cassandrella Stdgr. (1859), Laeta Stdgr.
(1863) hätten aber wohl angeführt werden können.
Eine grosse Anzahl exotischer Sesien sind mit Walker'schen
Beschreibungen au fgefĂĽhrt.
Von Castnien besitzt Schreiber dieses ein viel zu geringes
Material, um sich ein Urtheil ĂĽber deren systematische Anord-
nung erlanlien zu dĂĽrfen.
Als ein beim Gebrauch des Buches sehr empfindlicher
Mangel muss das Fehlen eines alphabetischen Registers be-
zeichnet werden; das am Schluss gegebene systematische Ver-
zeichniss mit den einzelnen Arten beigesetzten Seitenzahlen
kann jenen Mangel nicht beseitigen; wer das Buch öfters ge-
braucht, ist geradezu geniithigt, will er beim Nachschlagen
nicht viel Zeit unnĂĽtz verlieren, sich ein Register anzufertigen.
Cocytia d'Urvillei Bdv. ist merkwĂĽrdiger Weise weggelassen.
Die Figuren der Kupfertafeln, unter ihnen mehrere Rau-
pen und Puppen, theilweis Copien aus Abbot, sind schön aus-
gefĂĽhrt.
Der Preis des Werkes, M. 15. — , ist ein sehr massiger
zu nennen.
Jedenfalls ist das Werk, unbeschadet seiner schwachen
Parthien , ein sehr brauchbares und fĂĽr den Lepidopterologen,
welcher sich mit exotischen Schwärmern befasst, unentbehrlich.
H. B. Mö seh 1er.
363
Neue Cla vicornien,
beschi'ieben
von JEdni. JReittei*.
Litargus sexnotatus n. sp.
Oblongo-ovalis , subdepressiis , pubescens, fuscus, prothora-
cis maigine tenui prope angulos posticos et eljtris punctis
tribus luteo-testaceis. Long. 2 mm.
Pati-ia: Monrovia (Mus. Dohrn).
Länglieh oval, ziemlich flach gediälckt, dicht und fein
punktii-t, mit sehr kurzer und feiner, anliegender Behaarung
dicht bekleidet, schwarzbraun, wenig glänzend. Fühler und
Beine braungelb. Das Halsschild ist fast doppelt so breit als
lang, nach vorne stark verengt, am Hinter rande leicht zwei-
buchtig und hier gerade so breit als die Wurzel der FlĂĽgel-
decken. Der Seitenrand in der Nähe der Hinterwinkel schmal
gelb gesäumt; die letzteren selbst scharfeckig. Jede Flügel-
decke mit 3 gelben Makeln, deren oberste in der Mitte ganz
an der Wui'zel derselben, die zweite knapp vor der Mitte
der Decken gegen die Nath gerĂĽckt und die dritte vor der
Spitze in gleicher Stellung mit der zweiten sich befindet. Die
Behaarung ist braunschwarz, auf den gelben Makein gelb.
Ebenso sind feine etwas längere Haarreihen, wie bei den
meisten Arten, bemerkbar.
Diese Art steht dem Litarg. coloratus Ros. in der Körper-
form, Art der Punktirung und Behaarung sehr nahe, entfernt
sich jedoch, sowie von sämmtlichen bekannten Arten, durch
die Zahl und Stellung der runden Makeln auf den FlĂĽgeldecken.
Aethinopa '') calva n. sp.
Brevis, subovalis, parum convexa, nigra, modice nitida,
supra glabra, confertim punctata, eljtris subserlatim punctatis,
piceis, sat dense fulvo- vestitis ; prothorace transverso, basi utrinque
•*) Aethinopa n. gen. Siehe „Vei'handlungen des Naturforschenden
Vemns in Brunn. XIII.
364
sinuato, angulis posticis subrectis, obtusiusculis, apice parum
prominulis, lateribiis fiilvo-pilosis aiitice lotundatirn angiistato.
Elytra brevia, apice subroliindatim triineata et tenuiter fenu-
gineo limbata, lateribiis ciliatis. Pygidium haiid foitius piin-
ctatum. Long. 5.7 mm.
Patria: Monrovia (Mus. Dohrn).
Von Aethinopa fiilvovestita m. nur dm-ch die Färbung
und geringe Behaarung der Oberseite verschieden.
Eine dritte Art ist noch folgende:
Aethinopa rustica n. sp.
Brevis, subovata, minus convexa, nitidula, sat dense bre-
viter fulvo-vestita , nigra, subtus picea, antennis pedibusque
piceo-rutis; capite prothoraceque confertim subtiliter })unctatis,
hoc transverso, basi utrinque sinuato, angulis posticis rotun-
datis subproduetis, lateribus antice rotundatim angustato; scu-
tello dense subtiliter punctulato; elytris brevibus, apice subro-
tundato-truncatis et tenuiter ferrugineo limbatis, lateribus ciliatis,
supra crebre, distincte, subseriatim punctatis. Pygidium minus
dense et subtilius punctatum. Long. 4.5 — 4.8 mm.
Patria: Madagascar? (Mus. Reitter).
Die dreizehn Arten dieser Gattung, welche ich bis jetzt
kenne, sind einander sehr ähnhch. Punktirung und Behaarung
weicht bei den einzelnen wenig ab. Die vorliegende Art un-
terscheidet sich von Aeth. fulvovestita hauptsächlich durch die
Färbung, durch etwas kräftigere Punktirung der Flügeldecken
und wenig gebräunte Fühlerkeule. Von Calva entfernt sie
sich durch etwas kleinere Körperform und deutliche Behaarung
der Oberseite, endlich durch die Färbung der Fühler und
Beine.
Angeblich aus Madagascar. 1 St. in meiner Sammlung
(Schaum).
Telmatophilus analis n. sp.
Elongato-lincaris, leviter convexus, nitidulus, rufo-fervu-
gineu.s, sat dense minus breviter helvolo pubescens, dense
profundeque punctatus; prothorace leviter transverso, lateribus
tenuiter incrassatis, inlegris, band c renalis, subrectis, basi
utrinque sinuatis, foveola basali lata, obliqua, angulis posticis
fere rectis, dorsf) dense fortilcr punctato; elytris thorace
paululum latioribus, elongatis, subparallelis , apice rotundatis,
365
dorso ante medium tvansversim impressis, minus fortitev-apieem
versus subtilius et parcius punctatis, apiee determinate nigris.
Oculis conicis, aeuto-produetis. Sterno dense tbveolatim
punctato. Long. 2 mm.
Fat via: Chili (Mus. Dolirn).
Cryptopliaguw analis Germain i. litt.
Eine neue leicht kenntliche Art. In der Grösse und
Körperform kommt sie dem T. Typhae gleich, weicht aber
von allen bekannten Arten in mehrfacher Hinsicht ab. Hell
rostroth, wenig gewölbt, glänzend, gelblich, ziendich dicht
und grob behaart, nur die Augen und die gut begrenzte Spitze
der Flügeldecken (schwarz. Fühler kräftig, mit gut abgesetzter
3-gHederiger Keule, so lang als Kopf und Halsschild zusam-
men. Halsschild um 1/3 breiter als lang, knapp vor der Mitte
am breitesten, die Seiten ziemlich gerade, mit deutlich ver-
dicktem, glattem Rande, die Basis ist jederseits gebuchtet, die
Scheibe xov dem Hinterrande einfach, ziemhch tief und schräg-
eingedrückt, ohne Fältchen, wie bei den meisten bekannten
Telmatophilus-Arten. Ausserdem ist die Oberseite des Hals-
schildes sehr stark und dicht punktirt; die Hinterecken sind
rechtwinkelig. Das Schildchen quer, etwas grösser als bei den
anderen Arten. FlĂĽgeldecken wenig breiter als das Haischild,
ziemlich gleichbreit, doppelt so lang als zusammen breit, an
der Spitze gemeinschaftlich gerundet, die Scheibe vor der
Mit-te jederseits tief quer eingedrückt, schwächer und etwas
weniger dicht aln das Halsschild punktirt, gegen die Spitze
wird die Punktirung noch feiner und weitläuiiger. Die ganze
Brust, besonders das Prosternum in seiner ganzen Ausdehnung
sehr grob, fast grubenartig punktirt. Augen stark kegelförmig
zugespitzt vorragend. An den FĂĽssen ist das dritte Glied un-
deutlicher gelappt.
Die Form der Augen, der Bau des Halsschildes und der
FĂĽsse weichen zwar von den bekannten Telmatophilus-Arten
bedeutend ab; so lange jedoch diese Art vereinzelt dasteht,
ist es nicht angezeigt, auf dieselbe eine besondere Gattung zu
errichten,
Telmatophilus tropicus Kirsch, aus Peru (Berl. Zeitschr.
1873, Pg. 150) gehört jedenfalls nicht in diese Gattung, son-
dern ist wahrscheinlich ein Loberus und vielleicht mit meinem
L. Horalis oder undulatus identisch.
Prioschema nov. gen.
Labrum magnum, transversum, integrum; angulis rotundatis.'
Antennae capite parum lougiores, aiticulis duobus primis
366
inerassatis, ceteris tenuioribus, subquadratis, clava 3-ai-ticulata,
minus abnipta, obloiigo-ovali.
Oculi iimgiii, apieeui Ihoracis altingentes.
Meutuin transversum , apiee tiuncatum.
Maiidibulae apice tenues, simplices.
Stenium latissimum ; prostei'iium cum melasterno avcte
conjunctum; mesosternum oeeultum.
Segmentum anale simplex.
Pedes valde distenti, tibiae tenues, muticae.
Tarsi omnes simplices, artieulo quarto pavum minore.
Unguiculi simplices.
Corpus minutissimum , ut in gen. Pria formatum.
Eine neue Gattung von der Körperform einer sehr klei-
nen Pria.
Die Oberlippe deutlich, gross, ganzrandig, von der hor-
nigen Beschaflenheit der Stirn, mit blasseren Rändern und
abgerundeten Winkeln. Der Vorderrand der Stirn ist in der
Mitte schwach ausgebachtet, die Scheibe ist vollkommen eben.
FĂĽhler an den Seiten, vor den grossen am Hinterrande den
Thorax stark berĂĽhrenden Augen, eingefĂĽgt, nur wenig die
Länge des Kopfes überragend, also ziemlich kui-z und dünn;
die beiden Basalglieder sind verdickt, die ferneren zart, so
lang etwa als breit, oder nur unmerklich länger, die Keule
wenig abgesetzt, dünn, länglich-oval, dreigliederig. Mandibeln
zum grössten Theile von der grossen Oberlippe verdeckt, mit
einfacher, feiner Spitze. Mentum stark quer, am Ende gerade
abgestutzt, die Maxillen zum grössten Theile unbedeckt lassend.
Die Endglieder der Lippen- und Kiefertaster mit länglicher,
allmählich dünner werdender Spitze. Die Brust sehr breit, eine
gleiche Ebene bildend, das Metasternum ist nach vorn, das
Prosternum nach rückwärts ausgezogen, und beide stossen in
gerader (Juerlinie aneinander; das Mesosternum ist also voll-
ständig unsichtbar. Die breite Brust bedingt die starke Ent-
fernung der HĂĽften von einander; diese stark quer. Beine
zart, die Schienen diuni, unbewehrt, nur die vordersten haben
an der Spitze ihrer Aussenkante zwei sehr kleine Kerb-
zähnchen und einen grossen geraden Enddorn. Der Bauch
ist aus 5 Ringen zusammengesetzt, wovon der erste und letzte
etwas längei' sind als die unter sich ziemlich gleich langen
mittleren. Das letzte Segment einfach, ohne jene bei Melige-
thes wahrnehmbaren bogenartigen EindrĂĽcke.
Halsschild stark quer, der Hintei'rand leicht an die Wur-
zeln der FlĂĽgeldecken stossend, und diese nicht ĂĽberragend.
Sehildchen kurz dreieckig. FlĂĽgeldecken an der Wurzel von
367
der Breite des Halschildes, nach rückwärts stark gerundet
verengt, das Pygidium fast ganz bedeckend.
Diese neue Gattung ist zwischen Meligethes und Xeno-
strongyhis einzureihen. In meiner „S3-st. Eintheilung der Niti-
dularien", Brunn 1878, Pg. 57, musw demnach das Schema
der Gattungs-Uebersicht wie folgt erweitert werden:
1 a. Lefze äusserst klein, schwer sichtbar, aus 2 abge-
rundeten häutigen Lappen bestehend. — Hieher die
mit Prioschema zunächst verwandten Gattungen, als:
Crjptoraea, Pria und Meligethes.
2 a. Lefze deutlich , hornig.
a. Mesosternum unsichtbar. Alle HĂĽften weit von
einander abstehend. — Hieher die neue Gattung
Prioschema.
aa. Mesosternum deutlieh sichtbar. Wenigstens die
4 vorderen HĂĽften mehr oder weniger einander
genähert. Hieher alle weiteren Gattungen von
Xenostrongjlus bis Hebascus; also bis zu den
eigentlichen Strong3'liden.
Prioschema weicht durch die breite Brust und das ver-
deckte Mesosternum von allen echten Nitiduliden ab, von den
Strongyliden duicli Hache Körperform und den nicht über
die Basis der FlĂĽgeldecken greifenden Hinterrand des Hals-
schildes.
Prioschema Dohrni n. sp.
Oblonge -ovata, fusca, obscura, lateribus corporis paullo
ferrugineo transparentibus, antennis pedibusque pallidis; capite
thoraceque confertissime punctulatis et brevissime vix perspicue
dense pubesceutibus, hoc transverso, basi utrinque sinuato, lateri-
bus fere rectis sed prope angulos anticos rotundatim angustatis,
angulis posticis rectiusculis; elytris ovatis, subtiliter bistriatis,
interstiliis latis, aequalibus et ut in thorace confertissime punctu-
latis et minuiissime i)ubescentibus. Long. I.5, lat. 1 mm.
Patria: Monrovia (Mus, Dohrn).
Das Halsschild ist doppelt so breit als lang, am Yorder-
rande leicht zur Aufnahme des Kopfes ausgebuchtet, der Hin-
terrand ist fein gerandet und doppelbuchtig, die Seiten fast
gerade, nur vom letzten Drittel alj gegen die Voiderwinkel
gerundet verengt; die Hinterwinkel klein, recliteckig. FlĂĽgel-,
decken am Grunde von der Breite des Halsschildes, ein- und
einviertelmal so lang als zusammen breit, kurz eiförmig, nach
rückwärts verengt, mit abgerundeter, das Pygidium fast ganz
368
bedeckender Spitze. Die Oberseite des Käfers ist braun, matt,
die Seiten des Körpers, namentlich der Kopf und die Seiten
des Halsschildes, weniger die Spitze der FlĂĽgeldecken heller
roströthlich durchscheinend, die Unterseite ist blasser gelbbraun,
mit lichten FĂĽhlern und Beinen, nur das Metasternum ist
dunkler braun. Der ganze obere Körper ist mit einer äusserst
subtilen und gedrängten Punktirung und Behaarung versehen,
welche man beide nur durch stärkere Vei-grösserung wahr-
nehmen kann, und die als Ursache der Glanzlosigkeit des-
selben zu betrachten sind; jede FlĂĽgeldecke zeigt ausserdem
noch zwei gleichmässig vertheilte Linien, welche schwach ver-
tieft ihre ganze Länge durchlaufen.
Die Raupe von Hadena Amica Tr.,
beschrieben
vom Oberlehrer ĂĽiiilenis in Ăśorpat.
Da diese Raupe bisher noch nicht genau beschrieben ist,
gebe ich hiermit zunächst eine Diagnose des erwachsenen
Thieres, wie es in der 5ten Woche, einige Tage nach der
letzten Häutung erscheint:
Länge je nach dem Geschlecht 5 — G Centimeter, dick-
walzig, vorn etwas verdĂĽnnt, hinten etwas abgestutzt.
Kopf abgerundet, in der Mitte herab etwa« eingedrückt,
mit kurzen, einzehien Bor.sten, grasgrĂĽn.
Die ganze^ Raupe matt gra.sgrĂĽn, weiss-gelblichmehlig
punktirt, spärlich mit kurzen Borsten besetzt.
Die Ringeinschnitte gelblich.
Ueber den Füssen läuft eine weissliche Längslinie, welche
nech dem RĂĽcken zu dunkler, nach dem Bauche hin heller
grĂĽn begrenzt ist. Auf dem RĂĽcken und ĂĽber den Seiten drei
dunklere unterbrochene Linien, die weisslich punktirt sind.
Die Luftlöcher sind gelb, dunkler umzogen. Baucli und
Füsse wie <ler Rücken grün, gelbweisslich bestäubt, Fuss-
sohlen gelb.
Diese Zeichnungen verwischen sich gegen Ende de>
Raupenzustandes immer mehr, und das Thier sieht zuletzt
^369
recht hell und wie stockfleckig aus. Die grĂĽne Begrenzung
der Rückenlinie tritt wtäi-ker hervor als die Linie selbst, ebenso
die dunklere Begrenzung der Linie ĂĽber den FĂĽssen nach dem
RĂĽcken z,u; die Seitenlinien verschwinden dagegen.
Ich habe die Raupen aus den Eiern eines Weibchens im
Jahre 1875 mit Aconitum Napellus -erzogen; in diesem Jahre
die Nachkommen jener Zucht zu vielen Hunderten mit Prunus
Padus; das Ti.ier pllanzt sich gefangen leicht fort.
Das Ei ist olivengrau, rund, ziemlich gross.
Die eben ausgeschlĂĽpfte Raupe ist graugelblich, geht
spannerartig, frisst noch nicht viel, läuft oder tastet dagegen
desto lebhafter umher; diese Ruhelosigkeit dauert bis zur Häu-
tung. In der zweiten Häutung sitzen die Thiere mit Vorliebe
an den Spitzen der Zweige in Fragezeichenstellung; sie sind
niin einfach grasgrĂĽn, ĂĽber den FĂĽssen eine gelblich weisse
und daneben eine dunklere grĂĽne Linie, der Kopf ist gelblich.
Am lebhaftesten gezeichnet ist die Amica-Raupe in der
'dritten und vierten Häutung, wo sie 2 — 3 Centimeter lang
ist. Da li-itt besonders der weisse Streif ĂĽber den FĂĽssen
recht auflallend hervor.
Die Raupe ist höchst gefrässig und hat mir, da ich sie
im Zimmer schon vom März an erzog, viel Mühe gemacht;
denn da es hier zu Lande (1876) bisher (Mitte Mai) eher
zurück als vorwärts gegangen ist mit der Vegetation, musste
ich Prunus Padus für den starken Appetit meiner Zöglinge in
grosser Menge im Zimmer treiben. Wenn sie einmal etwas
gehungeit hatten, wurden die Raupen gleich gelblich, frassen
aber alsbald desto mehr und erholten sich von dieser Blässe
zu voller Farbe der Gesundheit.
Die Entwicklungszeit der Raupe dauert durclischnittlich
sechs Wochen; wenn das Thier sich im Moose ein einfaches
rundhches Lager gemacht hat — es wird in diesem Zustande
dunkelgrünlich und bräunlich grossgefleckt — liegt es noch
einige Zeit, bis die grosse braune Puppe sich herausschält.
Die Puppenruhe dauerte im voi'igen Jahre 7 — -8 Wochen.
Die normale Flugzeit ist die zweite Hälfte des August und
die erste des September alten Stils, also der gregorianische
September.
Weibchen sind am Honig sehr selten zu fangen; sie sind
zum Fluge zu träge und scheinen wenig zu saugen.
24
370
Eine noch nicht beschriebene Aberration
der Syntomis Phegea (ab. Pfluemeri).
Durch die GĂĽte des Herrn Dr. Staudinger erliielt ich
d. J. ein sehr schönes Exemplar der ab. Phegeus ^^642 a).
In dem bekannten Cataloge des genannten Herrn sind unter
042 b u. c noch einige weitere Abänderungen von Pliegea
charakterisirt. und da ich mich im Besitze einer, an genannter
Stelle nicht erwähnten Varietät befinde, so erlaube ich mir,
dieselbe hier kurz zu beschreiben. Sie ist in allen Theilen
etwas kleiner als die Stammform, und ähnelt sehr der oben
erwähnten ab. Phegeus Esp., zumal was die Grösse und Form
der weissen Flecke anbelangt, die kaum i|Ăź so gross sind als
bei der Stammart Phegea L. — Der Hauptunterschied meines
StĂĽckes besteht jedoch darin, dass sich auf den OberflĂĽgeln
noch ein 5. kreisrunder, kleiner, weisser Punkt, nahe der
FlĂĽgelwurzel, befindet (Phegeus hat deren 4), sowie sich denn
auch auf den UnterflĂĽgeln an derselben Stelle, nicht wie bei
Phegeus ein, sondern zwei kleine weisse Flecke zeigen, und
ist jener, der Flügelwurzel zunächst stehende, von ganz glei-
cher Grösse wie der erwähnte fünfte Punkt der Oberflügel.
Da dieser immerhin interessanten Aberration, so viel mii-
bekannt, bis jetzt nirgends Erwähnung geschehen, so scheint
sie noch seltner vorzukommen, als die ĂĽbrigen, und desshalb
erlaubte ich mir, darauf aufmerksam zu machen.
Gefangen wurde dieselbe vor mehreren Jahren von mei-
nem als Botaniker wohlbekannten Freunde, Herrn Cantor
PflĂĽmer zu Hameln. Ich habe mir desshalb erlaubt, ihr den
Namen dieses eifrigen Entomologen beizulegen und sie als ab.
Pfluemeri 642 d aufzustellen.
Dermalen befindet es sich in meiner Sammlung und steht
bekannten Entomologen gern zur Ansicht zu Diensten. Schliess-
lich bitte ich, im Fall Jemand geneigt sein sollte, mir die,
als ab. Cloelia Esp. und Iphimedia Esp. (642 b u. c) be-
kannten Abweichungen in reinen Stücken käuflich zu über:
lassen, dieserhalb gĂĽtigst mit mir in Verbindung treten zu
wollen.
von Wacquant-Geozelles
(Sophienliof bei Aerzen. Hannover).
371
Vereins-Angelegenheiten.
Bei Eröffnung der Sitzung am 30. März erbat sich unser
Vereins-RechnungsfĂĽhrer und Zeitungs Expedient, Herr Gillet
de Montmore das Wort zu folgendem Vorschlage:
Von manchen Seiten machte man mich darauf aufmerk-
sam, dass es vielleicht keine erheblich gesteigerte Beschlag-
nahme meiner wenigen freien Zeit erfordern werde, wenn
ich es übernehme, an auswärtige Mitglieder unsers Post
Verbandes unsre Zeitung direct unter Band zu versenden.
Bei RĂĽcksprache mit den Herren Dr. C. A. und Dr. H. Dohrn
sprach der letztere die Vermuthung aus, die ĂĽberwiegende
Zahl der Abonnenten werde es bei dem gewohnten Modus
der Bestellung durch Post oder Buchhandel belassen. Dem
nach stelle ich anheim:
durch unsre Zeitung bekannt zu machen, dass fĂĽr das
nächste Jahr (1877) die auswärtigen Mitglieder unsers
Vereins, welche innerhalb des deutsch-österreichischen
Postverbandes wohnen, die Stettiner entom. Zeitung gegen
postfreie Einsendung an den Verein von sechs Mark
40 Pfennigen in frankirten Vierteljahrsheften unter Kreuz-
band direct beziehen können.
Nachdem der unterzeichnete Präses erklärt hatte, er habe
fĂĽr seine abweichende, in der Stiftungs-Sitzung vom 17. Octo-
ber 1875 ausgesprochene Ansicht als Hauptgrund nur die
Besorgniss ausgesprochen, Herr Gillet werde durch solche
Einzeln- Versendung unbillig ĂĽberbĂĽrdet werden, es sei mithin
sein freiwilliges Erbieten nur mit herzlichem Dank zu accep-
tiren,- nahm die Versammlung den Vorschlag an.
Demnächst trug der Unterzeichnete vor, wie folgt:
Einen zwar ähnlichen, aber in einem wesentlichen Punkte
abweichenden Modus der Zeitungs-Distribution (nämlich mit
ausschliesslicher Verpflichtung der Mitglieder zur directen Be-
ziehung und Verlust der Mitgliedschaft für die säumigen) ver-
langt Herr Dr. Kraatz in Berlin in einem von ihm unter-
zeichneten Artikel im Februarheft der von ihm redigirten
„Entomologisehen Monatsblätter'' S. 33 bis 36. Zwar ist dies
Heft noch nicht erschienen, aber Herr Kraatz hat den betref-
372
fenden Correcturbogen unserm Secretair. Herrn Prof. Zeller
mitzutheilen sich löblichst beeilt.
Der Artikel wurde hierauf wörtlich vorgelesen.
Herr Prof. Hering, als Senior des Vorstandes und Stiftungs-
Mitghed des Vereins, gab darauf folgende Erklärung ab:
In dem soeben verlesenen Artikel hat der Verfasser den
Vorstand und zum Theil die Mitglieder des Stettiner entom.
Vereines, besonders auch den um den Verein hochverdienten
Präsidenten desselben in so ungehöriger und gehässiger
Weise angegriffen, dass angenommen werden darf, er habe
damit seinen Austritt aus dem Verein zu erkennen geben
wollen, womit der Vorstand einverstanden ist.
Gegen diese Auffassung der Sache erhob der Unterzeich-
nete ein formales Bedenken, welches er wie folgt motivirte:
Herr Dr. Kraatz will sich „als langjähriges Mitglied
des Stettiner Vereins , dem das Wohl desselben jederzeit gerade
so am Herzen gelegen hat, wie das des unsrigen''' (d. h. des
Berliner), „darauf beschränken, an den Vorstand des Siet-
finer Vereins, gestützt auf § 18 der Statuten, eine Bitte zu
richten".
Diese „Beschränkung" ist in der That wahrhaft beschei-
den, und das redliche Interesse des Beschränkten für das
Wohl des Stettiner Vereins um so weniger in Frage zu stel-
len, als er ja (S. 35) „dem Vereins-Präsidenten" (d. h. mir)
„nicht hinderlich werden will, an der Spitze seiner Statisten
fröhlich die Vereinsfahne zu schwenken".
Lassen wir dem Herrn Oppositions-Präsidenten die Ver-
antwortung seiner „Statistik" zusammt unbeschränkter Stilistik-
idi wende mich zu seiner Legitimation in Betreff der an den
yereins- Vorstand gerichteten Bitte.
Herr Dr. Kr. beginnt seinen Artikel mit den Worten:
„Nachdem wir seit bald 30 Jahren die Stett. ent. Zeitung
direct vom Vereine bezogen haben — — "
Diese „b.ild 30 Jahre" und der Pluralis majestatis brachten
mich darauf, in den früheren Jahrgängen unserer Zeitung nach-
zusehen: „seit wann Herr Kr. dem Vereine angehöre?" Das
Ergebniss war folgendes:
Im Jahre 1847 wurde sein Vater, der Herr Kaufmann
Kraatz in Berlin als Mitglied aufgenommen, wie es in den
Vereinsangelegenheiten S. 321 des achten Jahrgangs unserer
Zeitung verzeichnet steht. In den nun folgenden vier Jahr-
gängen finden sich keine Mitglieder- Verzeichnisse; das nächste
steht erst im dreizehnten (1852), und in diesem finden wir
nicht ferner den Heim KaufnuinU', w(thl aber den Herrn
1
373
Studiosus Kraatz in Heidelberg als Mitglied aufgefĂĽhrt. Heute
nach 24 Jahren ist es mir nicht mehr genau erinnerlich, wie
der Zusammenhang gewesen sein mag — wahrscheinHch der,
dass es dem Vereinsvorstande damals unpassend erschienen,
einen „Gymnasiasten'' als Mitglied aufzunehmen, und dass es
nach dessen Promotion zum ..Studenten-' seinem Vater als
unnöthiger Luxus vorgekommen, die entom. Zeitung in duplo
zu halten. Da ich bereits in den Bericht ĂĽber die Stiftungs-
sitzung am 9. Nov. 1851 (S. 360 desselben Jahrgangs) einen
Brief des Studiosus Kr. an mich aus Heidelberg v. 20. Oct.
aufgenommen hatte, so war es natĂĽrlich niemandem aufi'allend,
ihn im Verzeichnisse von 1852 unter den Mitgliedern figuriren
zu sehen.
Dies war anscheinend ein grober formaler Verstoss gegen
unsern bisherigen Brauch; denn wenn wir auch im Laufe der
40 Jahre des Vereinsbestehens uns mehrfach aus einleuchtend
praktischen GrĂĽnden dazu entschhessen mussten, von dem
todten Buchstaben der alten oder der revidirten Satzungen iu
irgend einem , nach vorheriger Discussion reiflich erwogenen
Punkte abzuweichen, ohne darin (im Zeitalter des Dampfes)
einen zwingenden Grund zu finden, wegen jeder unerheblichen
Modification eine Statutenänderung mit hoher obrigkeitlicher
Sanction zu extrahiren, so sind wir doch in dem allerdings
sehr erheblichen Punkte: „wer gehört zum Vereine als Mit^
glied?" nie von der ursprünglichen, in allen ähnlichen Vereinen
geltenden Form wissentlich abgewichen.
Mitglied ist nur, wei- von einem Mitgliede dazu vorge-
schlagen und (§12 der revid. vStatuten) gegen dessen Zulas-
sung vom Vorstande nichts eingewendet ist. — Die Aufnahme
wurde demnächst durch das über die Sitzung berichtende
Zeitungsheft zur Kenntniss der auswärtigen Mitglieder gebracht.''*)
Wahrscheinlich habe ich selber den bei Aufstellung des
Mitgliederverzeichnisses von 1852 begangenen Verstoss gegen
die Statuten zu vertreten, auch falls mir vielleicht bei dessen
Anfertigung ander weite BeihĂĽlfe zu Theil geworden, und ich
habe wegen dieses Verstosses um Indemnität zu bitten. Aber
mein Bedauern kann offenbar an dem Thatbestande nichts
ändern.
*) Die anfangs ĂĽbliche Zusendung der ausgefertigten Diplome
haben wir (seit ungefähr 1860) eingestellt, wenn sie von den Betref-
fenden nicht ausdrĂĽcklich verlangt wurde. Wir halten auch heute
noch das EinrĂĽcken der erfolgten Aufnahme in unsere Zeitung fĂĽr
das ausreichend Wesentliche.
374
Die Mitgliedschaft unsers Vereins kann, wie die aller
andern mir bekannten wissenschaftlichen Gesellschaften, nicht
durch Erbschaft noch durch Substitution, sondern muss fĂĽr
die Person des Betreffenden nach der bestehenden Vorschrift
erworben werden. Ergiebt es sich im Laufe der Zeit, dass
Jemand dem Anscheine nach unberechtigt unter den Mitgliedern
figui-irt, so steht ihm in erster Linie natĂĽrlich frei, den
Gegenbeweis (z. B. durch ein rite ausgefertigtes Diplom, wie
wir es 1852 noch allen neu aufgenommenen Mitgliedern zu-
gehen Hessen) zu führen — oder in zweiter Linie, das früher
Versäumte nachträgheh ergänzen zu lassen.
Mithin wĂĽrde ich die Auflassung unseres Herrn Seniors
durch meinen Vorschlag dahin moditiciren:
Abzuwarten, ob Herr Dr. Kraatz nachweist, dass er wirk-
lich statutenmässig Mitglied des Stettiner Vereins ist:
Im Falle der Aftirmative in weitere Erwägung des bis
dahin zu vertagenden Anti'ages des Herrn Prof. Hering ein-
zutreten:
Im Falle der Negative bei dem nächsten Verzeichnisse
der Vereinsmitglieder den Namen des Herrn Dr. Kraatz
in Wegfall zu bringen.
Bei seinem Feuereifer fĂĽr peinliche Beobachtung statuta-
rischer Reglementirung, wird ihm dieses höfliche Anheimgeben
gewiss als vollkommen rechtfertig einleuchten. '"')
*) Eine bedauerliche CoUision in der Druckerei wegen unver-
schieblichen P'ertigstellens von Eisenbahn-Tabellen verzögerte den Ab-
schluss und die Ausgabe des vorliegenden Heftes um einige Wochen.
Herr Dr. Kraatz hat es diesem, von uns nicht zu beseitigenden Uebel-
etande beizumessen, dass wir seinem, unter dem 18. April c. an den
Vereinsvorstand gerichteten Verlangen:
„ihm gefälligst durch den Herrn Rendanten oder anderweitig bal-
digst Mittheilung darĂĽber zugehen lassen zu wollen, wie gross das
Baar -Vermögen des A^ereins gegenwärtig (in runder Summe) ist"
eben nicht „baldigst" sondern erst nach l^eendigung dieses Heftes durih
das Verlangen unsrerseits entsprechen, zunächst den unentbehrlichen
Nachweis zu fuhren, dass er überhaupt zur »Stellung von Anträgen
behufs „besserer Einrichtung des Vereins" legitimirt ist. Dass ihm das
wahre (namentlich das baare) Wohl des ötettiner Vereins nicht bloss
am Herzen liegt, sondern auch an die Nieren greift und auf die Gal-
lenblase drĂĽckt, ergiebt sich leicht aus seinen chronischen Beschwerden
ĂĽber die bedauerliche Nicht-Subvention des preussischen Staates (jetzt
nach der Umlaufe des Berliner Vereins wohl des deutschen Reiches):
.das unbestrittene Talent des Herrn Opposition.s-Präsidenten zu neuen,
neuei'en und neuesten „Gründungen" würde in einem soliden liaaren
Hinterhalt ein immerhin annehmliches Gegengewicht gegen die wenn-
gleich unwahrscheinliche, doch denkbare Katastrophe eines „Krachs"
besitzen.
375
Die Versammlung, auch Herr Prof. Hering, erklärte sich
mit dieser Ansieht einverstanden, nachdem Herr Prof. Zeller
die Erklärung abgegeben hatte, dass er auf Ersuchen die
Jahrgänge von 1847 bis 1852 auf das genauste collatiouirt,
und darin von einer formalen Aufnahme des Dr. Kraatz als
Mitglied nichts vorgefunden habe.
Der Unterzeichnete nahm darauf wiedei- das Wort in
folgender Weise:
Meine einstweilige Ueberzeugung, dass Herr Dr. Kraatz
nicht als Mitglied dazu legitimirt ist, Vorschläge zur Verbes-
serung unsers Vereins zu machen, wĂĽrde mich nicht abhalten,
dieselben möglichst unbefangen zu prüfen und eventuell zur
Befolgung zu empfehlen, falls sie mir wirklich begrĂĽndet schei-
nen. Aber wenn er (S. 36) deduciren will:
„das.s der Vereins- Vorstand 30 Jahre lang^' (durch den bis-
herigen Modus der Zeitungs-Spedition) „gegen den klaren
Sinn des Statulen-Pai-agraphs gehandelt, welcher als natĂĽr-
liche Folge Ausschliessung derjenigen Mitglieder invol-
virt, die auf die entom. Zeitung nicht durch die Post
pränumeriren''' —
so ist diese Deduction wahrhch nicht „])rächtig logisch". *)
Hätte Herr Kr. seine archäologischen Studien über gültige und
ĂĽber antiquirte Satzungen des Stettiner Vereins noch auf meine
Stiftungs-Reden vom 7. Nov. 1849 und 10. Nov. 1850 aus-
gedehnt, .so wĂĽrde er darin mit Anwendung auch nur massi-
ger Geisteskräfte den Modus zusammt Motiven entziflert haben,
, nach welchem der Vereinsvorstand ohne irgend Einwendung
oder Widerspruch auswärtiger Mitglieder die Zeitungs-Ausgabe
laut Beschluss der General Versammlung damals geregelt hatte
und auch später handhabte Die obenstehende, hochpathetische
BezĂĽehtigung des Vorstandes zeriliesst absolut in Nichts, wenn
man in der von Hr. Kr. speeiell in Bezug genommenen General-
Versammlung vom 6. Nov. 1845 (Jahrg. 6, S. 381) als aus-
drücklich beschlossen wörtlich folgendes findet:
„Der bisherige Vereinsbeitrag von 1 Rth. fällt
weg.*"" — — „Diese Pränumeration'-'- (auf die ent. Ztg.)
„wird auf allen deutschen P o s 1 ä m t e i- n a n g e n o m -
men.''
*) Das Steinwerlen mit solchen schäbigen Epitln-ten habe ich
Herrn Kr. schon einmal (Ent. Ztg. 1869, S. 13) dringend widerrathen,
da sie leicht auf den SchĂĽtzen zurHckpraJlen. Das dort mitgetheilte,
seinen „langstiligen Exposes" von Dr. Schaum ausgestellte ZeugniSs.
„dass sie doch nicht geradezu unlogisch wären", scheint mir nui
ziemlich bedingtes Lob auszusprechen. .. .-_
376
Da aber die Postämter sich nicht auf Specificirung des
Namens der Besteller einlassen (weder damals noch jetzt),
so föllt damit das ganze Kartenhaus der Involviruug des
Ausschliessens unerbittlich zusammen. Was dieser Logik
an yjlichtvoller'"'' Pracht fehlt, ersetzt sie Jiofrentlich durch
Kürze und Klarheit. Demgemäss hatte Hr. Kr. gar keinen
Anspruch auf directe Zusendung seiner Zeitung durch unsern
Expedienten, der nur seine ordnungsmässige Pflicht erfüllte,
als er den eingeschlichnen . derzeit unrecht fertigen Prätensionen
ein Ende machte.
Nach Allem, was voraufgegangen, bedarf es kaum noch
'der ausdrĂĽcklichen Versicherung, dass auch von 1877 ab es
Jedem unsrer Yereinsmitglieder völlig freigestellt ist, die
Stettiner entom. Zeitung nach seiner Wahl zu bestellen, durch
directe Pränumeration an den A'^erein, durch Post oder Buch-
handel. Wir trauen Jedem, der aus eigner Wahl in unsre
Gemeinschaft tritt, so viel GefĂĽhl fĂĽr Decoruiri zu, dass er
sein Interesse fĂĽr den Verein durch Halten des (Jentral-Blatts
bethätigt, wenn er kann: erlauben es ihm veränderte Um-
stände nicht, so hat er deswegen kein „ray6 de la liste*"'' zu
besorgen, *) falls er seinen Austritt nicht selber anmeldet,
oder sich durch unwĂĽrdiges Benehmen aus der Vereinsgemein-
schaft ausschUesst.
Aber wenn Hr. Kr. auch in allen andern Quereleu Unrecht
hat, darin kami ich ihm nicht widersprechen, dass es lästig
und widerhaarig ist, unser Mitgliederverzeichniss mit dem
Ballast fraglicher, theils verschollener, theils vielleicht längst
verstorbener Personen aufzubauschen. Seine vei-bindliche Glosse
dabei : „dass bei einer Purification Herr D. nicht mehr an der
Spitze eines gelehrten Vereins von (1874) 668 wohlgezählten
Mitghedern stehen und nicht mit Geringschätzung auf solche
Idnweisen köiuien würde, welche noch nicht halb so viel
*) Wer sollte es wohl fiir niöglicli halten , doii.s dieser Ausdruck
in meiner Stift ungsrede vom 17. Od. 1875 (S. 7, Jalirg. 187(>) von
Hrn. Kr. mit der grundgutmiLthigcn Ă–cholic versehen werden konnte;
„ich (ü.) wol!(^ damit auf das unzarte vaye de la liste des ausge-
zeichneten Pariser Scliatznieisters Buquet hindeuten!" Weiss Hr. Kr.
nicht, dass dies der bei fast allen franz. Gesellschaften ĂĽbliche Aus-
druck ist (auch bei den belgisclien), und dass die Schatzmeister ĂĽberall
sich dieser Formel bedienen? Uebrigens wird mein ehrenwerther
alter College Hiiquet ebenso wenig auf den iiässlichen Leim dieser
Insinuation gehen, wie .sich der „hochgeachtete, liebenswürdige Herr
Prof. Zeller" durch die Kr.'sche saubre Definition „anständiger Ento;
inologen" abhatten licss, den fĂĽr unsre Zeitung eben fertig gewordeneu
Artikel abzuliefern.
377
zählen'^ — trifll durchaus in's Blaue, da ich die keck be-
hauptete „Hinweisung mit Geringschätzung''' für eine licentia
poetica des nervös aufgeregten Autors erkläre, die einfach
erfunden ist. Aber ich gedenke bei der Abfassung des
nächsten Verzeichnisses mit Beihülfe meines Freundes Zeller
und anderer Veteranen diejenigen Namen unsrer bisherigen
Mitglieder nicht ferner aufzufĂĽhren, von denen wir seit min-
destens 10 Jahren weder direct noch indirect ein Zeichen des
Lebens gesehen oder in Erfahrung gebraclit haben. NatĂĽrlich
soll es uns freuen, wenn (wie kĂĽrzlich unser Reverendus
Bilimek) der irrig als todt Vermeinte dagegen durch ein
willkommnes Autograph schlagenden Protest einlegt.
Von mehreren Seiten sind uns Anträge auf Schriftentausch
zugegangen. Es wurden nach dem Vortrage des Unterzeich-
neten einzelne davon genehmigt, andere abgelehnt, da wir bei
der Zunahme des Zeitungs-Materials auf die steigenden Her-
stellungskosten verständige Rücksicht zu nehmen gezwungen
sind, und uns darin nach der Decke zu strecken haben.
Als Mitglieder wurden vorgeschlagen und aufgenommen
die Herren
E. L. Ragonot, tresorier adjoint der entom. Gres. in
Paris .
.1. Sparre-Schneider . Stud. real, in Christiania.
*
In der Sitzung am 4. Mai wurden als Mitglieder in den
Verein aufgenommen die Herren
Dr. von Horvath in Buda-Pest,
Herrn. Tetens, Stud. nat. in MĂĽnchen.
Der Verein hat den Tod des Herrn Telegraphen-Directors
Küster in Bamberg zu beklagen, dessen „Käfer Europa's" ihm
ein ehrendes Andenken als fleissigem Entomographen sichern.
In Wien ist unser Mitglied Herr Buchhändler Sartorius ge-
storben, dessen europäische Käfeisammlung anerkannt schätz-
bar war. Mir ist nicht bekannt, ob er ausser den in der
Wiener entom. Monatschrift publicirten, in Hagen's Bibl. entom,
aufgefĂĽhrten fĂĽnf Ai'tikeln noch anderweite Entomologica ver-
fasst hat. Während dies gedruckt wird, geht auch die Trauer-
kunde ein, dass Herr Graf Angelo Ferrari, Bibliotheivar und
Custös der kais. zool. Sammlung in Wien am 18. Mai ent-
schlafen ist; er hat seinen Freund Ludwig Redtenbacher, zu
dessen Fauna Austriaca E'errari's ausgezeichnete Käfersammlung
einen bedeutenden l'lieil des Materials beigesteuert hat. nicht
lange ĂĽberlebt. Dr. C. A. Do hm.
378
Synonymisches ĂĽber Tomiciden,
vom Kaiser]. Oberförster
^lÂĄ. Eiehhofr in Saarhurg. (Lothr.)
Bostrichup Marshami Rve Tlu> Eni. Mon. Mag. IV. 1867 p. 188
ist identisch mit Drvococies (Bostrichus) nlni Georg Stett.
ent. Zeit. J. 1856. "p. oO.
Bostvichus .«eptentrionis Maiinh. in Nichts voischieden von Bost.
semicastaneus Mannh., heide aller zusammenfsiilend mit
Dryocoetes (Bostrichus) autogvaphus Ratz.
Bostrichus aini Muls. et Rey Opusc. ent. VII. 1856. p. 111.
fällt zusammen mit Xylehorus (Bostrichus) Pfeilii Ratzeh.
Xylehorus carinipennis Eiohh. Berl. ent. Z. 1868 p. 281 ist
nach einem typischen Exemplar des Phloeolrogus oblique-
caiida Motsch mit diesem identisch.
Bostrichus oblitus Perris Ann. See. Fr. 1862 p. 218 ist un
zweifelhaft = Bostrichus longicollis Gyll.
Bostrichus tachygraphus Sahlb. ist nach einem typischen
Exemplar = Xylehorus dispar Fabr. .V-
Tomicus praemorsus Eichh. Berl. ent. Z. 1867 p. 401 = Bostri-
chus calligraphus Germ. Ins. Spec. nov. 1824 ]). 461.
Xyloterus biA'ittatus Mannh. ist, wie schon Leconte festgestellt
hat, das $ von Xyloterus cavifrons (,^) Mannh., beide aber,
wie hier constatirt werden soll, nicht verschieden von
Xyloterus (Trypodendron) hneatus Ratz, (ob auch gleich
Bostrichus lineatus Oliv, ist mir fraglich).
Xyloterus quercus Eichh. ist wahrscheinlich = Apate signata
Fabr. = Apate limbata Payk. = Bostrichus 5-lineatus
Adams = Bostrichus lineatus Gyll. (excepta var. e.).
Bostrichus fagi Fabr. = Bost. fagi Ratz. = Bostr. fagi Nordl.
= Ernoporus Thomsonii Ferr.
Dryocoetes capronatus Perr. Ann. Soc. France 1866 p. 193 ist
= Bostrichus Bulmerincqi Kol. Mel. ent. III. p. 39 t. 14
f. 12 und letzterer eine gute, von Bost. bicolor Hbsl. ver-
schiedene Art.
Pterocyclon longulum Eichh. Berl. ent. Z. 1868 j). 278 =
Tomicus mali Fitch Trans. New York. Agr. Soc. II. 1855.
No. 5.
Bostrichus decolor Boield == J von Bostrichus (Xylehorus) Saxe-
senii Rat«.
Hypoborus mori Aube und genistae Aub. haben beide deutlich
4-gliedrige FĂĽhlergeis.sel und fallen unter die Gattung
Liparthrou W<tll.
379
Cryphalus piceae Ratz, ist mit Unrecht von Ferrari ('Bork,
p. II) und Redtenbacher (Fn. Aust. ed. 3. 11 367) als
Varietät zu Cryphalus asperatus G3'll. Ratz, gezogen.
Er ist unzweifelhaft gute Art und unterscheidet sich von
C. asperatus durch gedrungenere Form, breiteren Höcker-
Heck auf dem Vcn-dertheil des Brustschildes, und, wie
schon Ratzeburg mit Recht hervorhebt, durch stets deut-
lich aufgerichtete, längere, reihenweise geordnete Haar-
börstchen auf den Flügeldecken.
Xyleborus abnormis Eichh. Berl. ent. Z. 1868. p. 282 scheint
zusammenzufallen mit Eccoptopterus 6-spinosus Motsch.
Bull. Mose. 1863. II. 515, letztere Gattungs-Bezeichnung
ist aber wohl unhaltbar.
Iiitellisrenz.
Die hiemit zum Verkauf angebotene Sammlung des Unter-
zeichneten besteht aus:
I. Käfer von der Westküste von Sumatra in 13 Orlaskasten.
Cicindelidae 10, Carabidae 20, Wasserkäfer 20, Staphyl. 3,
Pectinicorn. 30, Lamellicorn. 80, Buprest. 15, Elat. 15, Tele-
phor. 10, Tenebr. 30, Meloidae 5, Curcul. 100, Brenth. 2,
Cerambyc. 100, Chrysomel. 160, Coccinell. 40, ausserdem
noch 30, zusammen 670 Species in ca. 2640 Exemplaren.
II. Durch Tausch und Kauf erworbene Käfer aus Amerika
und Australien: ungefähr 180 Exemplare in 90 Species.
III. 8 Kasten, enthaltend: Wasserscorpione, Taranteln, Tausend-
fĂĽsse, Kugelasseln, Wanzen, Heuschrecken, Hummeln, Wespen,
Bienen, Leguan, fliegende Eidechse.
IV. Schmetterlinge von der WestkĂĽste von Sumatra, 562 StĂĽck
in den prachtvollsten und seltensten untadelhaft erhaltenen
Exemplaren.
MĂĽnden, 12. Mai 1876.
Lambrecht, Niederl. Capitain a. D.
FĂĽr Coleopterologen !
Die vom vcist. Rechnungsrath Eigenbrodt zusammen-
gebrachte Käfersammlung ist billig zu verkaufen. Näheres
bei Frau Wwe. Eigenbrodt, Fruchtmarkt Nr. 3, Coblenz.
380
Verlag von R. Friedländer & Sohn in Berlin, N. W. Carlstr. 11.
So eben erschien Heft 3 und 4 der
Monographie Revision and Synopsis
of the
European Trichoptera
by
Rob. Jflac E<aclilaii.
Heft 3 mit 4 Kupfertafeln. Preis 4 M. 50 Pf. (frauco).
Heft 4 mit 8 Kupfertafeln. Preis 8 M. 50 Pf. (franco).
Die frĂĽher erschienenen Hefte 1 und 2 (Preis 14 M.j
stehen ebenfalls franco zu Diensten.
A. Fedtschenko's Reise in Turkestan.
Entomologischer Theil, bearbeitet von Erschoff, Mac
Lachlan, Morawitz, v. Solsky, de Saussure u. A.
AusfĂĽhrlicher Prospect ist dieser Nr. der Entomol. Zeitung
beigefĂĽgt.
Berlin N. W., Mai 1876.
R. Friedlandei* <f* Soliu.
Inhalt:
Juli — September.
Burmeiöter: Argeiitin. Trox ti. 241. Berg: Rogenholera grandi.s.
S. 268. TLschbein: Ichneumon (Zusätze u. Bemerkungen). S. 273.
Möschler: Exotisches. S. 293. Doebner: Bostrychus amitinus. S. 315.
Reitter: Neue exot. Nitidul. S. 317. Zeller: HĂĽbner's Samml. aus-
erlesener Vögel u. Schmett. S. 321. Dohrn: Lebensweise d. Paussiden.
S. 333. Zwei Lesebiumen. S. 336. Exotisches (Liberiana Sclilus&).
S. 339. Berg: SĂĽdamer. PyraMd. S. 342. Register dazu. S. 355.
Wehncke: Neue Dytisciden. S. 356. Möschler: Bericht über Bois-
duval's Spec. General. S. 360 Reitter: Neue Clavicorn. S. 363.
Sintenis: Raupe von Hadena Amica. S. 368. Wacquant v. Geo-
zelles: Pliegea aberr. Ptluemeri. S. 370. Vereinsangelegenheiten. S. 371.
Eichlioff: Synonymisches zu Tomicus. S. 378. Intelligenz.
Ausgegeben Ende Jmii.
Entoiuologifiehe Keifuii
§af
lierausgegeben
von dem
eiitomologisclieu VereiDe zu Stettin.
Redaction- Iii Commission bei den Buchhandl.
C. A. Dohrn, Vereins-Präsident, v. E. S.Mittlerin Berlin n. Fr. Fleischer
in Leipzig.
No. 10-12. 37. Jahrgang. Octob.- Decbr. 1876.
Vereins- Angelegenheiten.
lu dei- Ă–itzuiig am 15. Juni wurde den Versammelten
initgetiieill, dass unser Verein in Ehrenbreitenstein Herrn
Reehnungsrath Eigeubrodt verloren hat. Aus einem Briete
des Freiherrn v. Harold ergiebt sieh die erfreuliehe Nach-
richt, dass der zwölfte, der Schluss-Band des grossen Catalogus
Coleopterorum jetzt in AngrifT genommen wird. Unser Mit-
glied, Prof. Schmidt-Goebel, hat die Universität Lemberg
verlassen und ist nach Wien ĂĽbergesiedelt. Nach einem Briefe,
welcher die Zusendung mehrerer Jahrgänge unserer Zeitung-
begehrt, ist bei unserem Mitgliede Don Victor Lopez Seoane
zu ergänzen, dass er nicht nur Dr. medic. , sondern auch Dr.
juris und Advocat am königl. Tribunal zu Ferrol ist. Das
freundhche Erbieten unsers Collegen Lichtenstein, der Zei-
tung eine Anzahl AbdrĂĽciie seiner Phylloxera-Metamorphosen-
Phafsen beilegen zu lassen, wurde dankend angenommen.
Dr. C. A. Dohrn,
25
382
Leseblume,
In dein zweiten Fascikel des dritten Bandes der Atti della
Society VenetĂĽ-Tientina Padova , Aprile 1876 (inde ich S. 204
folgende interessante Mittheilung.
Herr Graf A. P. Ninni wurde um 2. Juni 1873 von sei-
nem Bruder darauf aufmerksam gemacht , dass eine Epeira
umbratica ihr Netz in absonderlicher Weise construirt habe.
Es hatten nehmlich unter einem Bienen-Ă–ehuppen (1 Meter
breit, von Pfosten getragen, die 2. 20 Meter hoch sind) sich
mehrere Spinnen dieser Art an das Anlegen von Netzen ge-
macht, wie man an den vielen unvollendet gebliebenen Ge-
spinnsten bemerken konnte, hatten ĂĽber die Arbeit als undank-
bar aufgegeben. Nur eine Spinne hatte ihren Plan mit
Beharrlichkeit durchgefĂĽhrt und ein gutes und starkes Netz in
folgender Art zu Stande gebracht.
Sie hatte vom Dache einen Faden bis herunter auf den
Boden gezogen, dort ein kleines Steinchen umsponnen und
dieses bis zu 18 Centimeter vom Boden schwebend erhoben.
Auf diese Art hatte sie zu den zwei Haltpunkten oben am
Dach und seitwärts an einem Pfosten einen dritten gewonnen,
und zwischen diesen drei Punkten ein ausreichend haltbares
Gewebe construirt.
Um zu erkunden, (»b sie in älmlicher Weise verfahren
würde, zerstörte der Graf das Gewebe, und bemerkte nach
drei Tagen zu seiner Freude, dass sie ein neues Netz nach
demselben Sjsteme, jedoch mit einer offenbaren Verbesserung
gewebt hatte. Sie hatte nehmlich sl;»tl des einen Balancir-
Steinchens deren zwei umsponnen, und zwischen beiden ein
Strohhiihnchen eingeilochten. Diesmal hatte sie sogar auf den
Seitenhalt am Pfosten Verzicht gethan und das Netz bot
sonach die Form eines gleichschenkligen Dreiecks, mit Ver-
längerung der Spitze durch den ausgezogenen Faden und die
am Ende desselben hängenden 2 Steinchen mit dem Strohhalm
dazwischen.
Das« der Heri- Graf sich mit diesem Beweis industriellen
Scharfsinns noch niclil begnĂĽgte, und das Kunstwerk zun)
zweiten Male zerstörte, linde ich geradehin grausam und
thierquälerisch. Gerade so hat es aucli die entrüstete Spinne
aufgefasst und sich weiter keine inidankbare MĂĽhe an diesem
verfehmten Orte gegeben. 0. A. D.
383
Salvo Error e.
Von
C A, DoUrii«
Bei vielen KauĂśeuteu in Norddeutschland (ob auch ander-
wärts weiss ich nicht) ist es üblich, hinter eine Rechnung die
Buchstaben Ö. E. E. 0. zu setzen, mit welchen „Salvo errore
et omissione""' gemeint ist.
Die Entomographen thäten vielleicht gut, diese Beschei-
denheits-Lettern zu adoptiren, falls sie nicht etwa der KĂĽrze
wegen das S. M. (salvis melioribus) der Juristen vorziehen.
Die Mode, sich durch Gegenseitigkeit lichtvolle und endgĂĽltige
Apodictik zu assecurireu, konnte unmöglich lange Bestand be-
hahen. „Wir irren allesamnit, doch jeder irret anders.''
Ich will im Nachstehenden versuchen, einige Belege dazu
zu geben, noch dazu lauter gedruckte. Dass mir dabei jede
Absicht zu verletzen fern liegt, wird sich aus dem Verfolg
ergeben.
Die Zusendung eines Kästchens mit einem Dutzend Käfer
aus Madagascar durch College Baden in Altona (Besitzer der
ehemals Sommer'schen Sammlung, und der vielen Burmei-
ster'schen Typen darin) veranlasste mich, wegen einzelner
Arten die in den Aunales de la Soc. de France 1868 S. 753
seqq. verĂĽtl'eut lichte Arbeit nieines Freundes Fairmaire nach-
zusehen. Dabei stiess ich zufällig (S. 780) auf die Gattung
Aprostoma Guerin
und fand dahinter die (von mir bisher ĂĽbersehene) Bemerkung,
dass dies otfenbiir dieselbe Gattung sei, welche Erichson in
den Ins. Deutschi. III. S. 274 als Mecedanum „sans descrip-
tion d'espece et sans details vraiment suffisants" aufgefĂĽhrt
habe.
Fairmaire lässt dann eine lateinische Beschreibung des
Aprostoma filum Guer. folgen und fĂĽgt darauf hinzu:
,,Le facies de ce singulier insecte expUque, comment
Erichson et Lacordaii-e ont pu meconnaitre ses aftinites
et le langer parmi les Brenihides: mais c'est evideniment
un Colydiilin exagere dans ses proportions et deveint tout
a fait filiforme.'"'
25*
;}84
Da ich Aprostoma liliim besitze, so glaube ich mich zu
dei- Annahme berechtigt, dass Mecedanum Er. sp. dasselbe
Thier ist, mithin Fairmaire in der l)ehaupteten Synonymie
Recht hat.
Aber desto weniger verstehe ich, was er mit dem gan-
zen Nachsatze hat sagen wollen, denn Erich sou sowohl wie
Lacordaire fĂĽhren Mecedanum unter den Colydiern auf
und eiwähnen der Brenthiden auch nicht mit einer Silbe.
Wahrscheinlich beruht Fairmaire's Irrthum auf einer Ver-
wechslung damit, dass Guerin in der Revue etc. Cuvierienue
1839 S. 171 seine „Descfiption du genre Aprostome'-'' mit
folgenden Worten schliesst:
Cet insecte remarquable tient en meme temps du genre
Calodrome, qu' on ne peut placer que dans le voisinage
du genre Taphroderes, dans les Brenthides, et des Coly-
dies: nous en donnerons bientot une tigure el une
description plus complete.
Das Versprechen der Abbildung und genaueren Besehreibung
hat Guerin unerfĂĽllt gelassen.
Zu jener Zeit standen die Colydier noch unter Latreille's
Xylophagen wegen ihrer viergliedrigen Tarsen. Dies muss
nuui berĂĽcksichtigen, um Guerin's Zusatz hinter der Ueber-
schrift Aprostome zu verstehen „nouveau coleoptere voisin du
Calodromus et formant la liaisou entre les Rhynchophöres et
les Xylophages."
Durch Erichson's Dismembratiou der Xylophagen und Ein-
l'ĂĽgung eines Theiles derselben, namentlich der Colydier, in die
Clavicornien war die Sachlage fĂĽr Aprostoma wesentlich ver-
schoben, ĂĽebrigens hatte Guerin otl'enbar zu viel Aceent auf
die Brenthiden (Calodromus, Taphroderes) und zu wenig auf
die Colydier gelegt, so dass Erichson vollkommen entschuldigt
war, an Aprostoma (welches er in Agassiz Nomenciator 1840
uulluhrt) nicht gedacht zu haben, als, er in der Naturg. ins.
Deulschl. 111. 1845 die Gattung Mecedanum errichtete.
Westwood (London Transact. 1869 p. 319) ignorirt Mece-
danum und Fairmaire's 1868 publicirte Notiz darĂĽber, bereichert
Aprostoma durch eine neue Art planifrons vom Niger, und
bemerkt zu dem gleichzeitig bes])rochnen Apr. tilum, Herr
(iuerin habe ihm 1842 gestattet, eine sorgftiltige Zeichnung
davon zu machen, und habe das Thier fĂĽr ein Zwischenglied
/wischen Calodromus (Brenthidae) und Colydium gehalten.
Dann lĂĽgt Westwood hinzu:
The former relationship is due only lo the very elongate
and slender form of the insect. The latler is its genuine
385
affinity, as is proved bv the structure of the different
parts of the mouth.
Dies mĂĽssen die logischen Freunde in MĂĽnchen nothwen-
dig übersehen haben, sonst wären sie nicht mit Aprostoma in
dem neunten Bande ihrer gewissenhaften Rang- und Quartier-
Liste auf Parade gezogen, wo dieser Colydier zwischen Ta-
phroderes und Ischnomerus als Caballero entschieden einer
de la mas triste figura ist. Sofern dieser neunte Band die
Jahreszahl 1872 trägt, hätte Fairmaire's Notiz über Aprostoma
=: Mecedanum (1868) sie vor diesem Error allenfalls salviren
sollen.
Controverse wäre freilich darüber denkbar, ob Guerin's
unsichres Schwanken ĂĽber Aprostoma, ob Brenthide, ob Coly-
dier, vor dem sicher fundamentirten Mecedanum Erichson's die
Priorität verdient, oder nicht? Ich denke Ja; ich billige durch-
aus den von den MĂĽnchner Dioskuren S. XV ihrer Vorrede
zum Catalogus Coleopterorum ĂĽber dergleichen Fragen ausge-
sprochenen Grundsatz.
Demnach wĂĽrde (mit Beziehung auf Lacordaire's Anord-
nung Genera d. Col. 11. p. 371) es in Band DI des Catalogus
monacensis S. 857 anstatt Mecedanum lauten mĂĽssen:
Aprostoma.
d-TiQO-tJrößa — os hebetatum.
Guerin Rev. Zool. 1839 p. 171.
Mecedanum Erichson.
filum Guer. Rev. Zool. 1830 p. 172. -^ Westw?
Trans, ent. Soc. 1869 p. 319. Erichson Naturg.
Ins. m. p. 274 (1845) Fairm. Ann. Fr. 1868
p. 780. Madagascar
planifrons Westw. 1. c. p. 320. Fl. Niger
S. E. E. 0.
C. A. D.
386
Weitere Beobachtungen ĂĽber Phylloxera,
von
•f. lilclitenstein.
Nach Veröffentlichung meiner letzten Wahrnehmungen
in Betreff der Reblaus besuchte ich Bordeaux, um dort an
verschiedenen Reben die Naturgeschichte der VerwĂĽsterin zu
studiren. Im Mai legte ich dem dortigen Congresse folgendes
vor, was ich ĂĽber den Kreislauf dei- Metamorj)hosen conslatirl
zu haben glaube.
Im normalen Zustande lebt Phylloxera vastatrix auf der
amerikanischen Rebe, welche unter dem Namen Clinton be-
kannt ist.
Von October bis Mitte April liegt das Ei auf der Rinde
des Weinstocks. In der letzten Hälfte des April steigt die
entwickelte junge Laus auf die Blätter, wo sie Gallen erzeugt
und nach 3 Häutungen in diese Gallen 2 — 300 Knospen-Eier
(oeufs-bourgeon) parthenogenetisch legt.
Darauf entweder gleich nach dieser ersten, oder nach 2,
3, 4 Generationen erfolgt Wanderung der jungen Blattläuse
nach den Wurzeln^ hierauf eine neue Häutung, deren Resultat
ein mehr warziges Ansehen hat. In diesem Stadium wächst
sich das Thier aus und legt in die von ihm in die Wurzel
gestochenen Löcher täghch 2 bis 3 Eier. Diese parthenoge-
netischen Knospen-Eier (oeufs-bourgeon) können unentwickell
mehrere Jahre ausdauern.
Das Gallenblatt-Leben dauerte von Mai bis Juni, die Wur-
zel-Procedur in Juni und Juli; im August zeigen sich die
Nymphen dieser Colonien, kriechen aus der Erde hervor und
liefern die geflügelten Puppenträger. Sobald die Puppen gelegt
sind, erseheinen daraus die sexuirten ungetlügelten Läuse ohne
Schnabel, begatten sich, und legen das befruchtete Ei, mit
welchem dann der neue Kreislauf beginnt.
Was geschieht aber, wenn die Läuse die erwähnte
Clinton-Rebe nicht finden, auf welcher sie Gallen erzeugen
können?
Sie steigen dann im „Struggle for hfe*-' (Kampf um's
Dasein) in die Blattknospen und versuchen dort zu saugen.
was aber nur wenigen gelingt, so dass die meisten verkommen.
387
Einzelne wenige (offenbar die gescheidteren und geistig be-
gabteren unter ibnen) kriechen zu den Wurzeln hinunter und
siedeln sieh da an. Dabei verwandelt sich sofort ihre feine
glatte, fĂĽr die Sommerwohnung in den Gallen passende Haut
in das warzige gröbere Fell, gleichsam in Analogie des Berg-
manns, der auch zu seinem Leben im Schacht einen gröbern
Habit braucht, verglichen gegen die leichtere Kleidung des im
Sonnenlicht hantirenden Landmanns,
Den Lesern dieser Zeitung ist vielleicht das, was ich
ĂĽber die Entwicklungsgeschichte der anthogenetischen Phyllo-
xeriden registrirt habe, schon seltsam genug erschienen; doch
glaube ich , an einer von mir wieder aufgefundenen Kollar'schen
Art noch etwas ganz Neues und Abweichendes beobachtet zu
haben.
Ich fand Acanthochermes quercus Kollar (Sitzungs-
berichte der k. k. Akad. d. Wissensch. Wien L S. 78) Phyl-
loxera acanthochermes m. am 20. Mai in Le Vallier, Langoi-
lan (Vaucluse) bei Herrn DelbrĂĽck.
Das Thier bildet unter den Eichenblättern linsenförmige
Vertiefungen, welche Kollar ausreichend beschrieben hat, um
sie leicht zu erkennen. Anfangs Mai gleicht die Laus durch-
aus der gewöhnlichen Phylloxera quercus, nur dass sie doppelt
so orross ist, und durch zwei BĂĽrsten am After entschieden
den Charakter einer ächten Coccide zeigt.
Aus ihr entwickelt sich eine kreisrunde Nymphe, um-
geben von fleischigen sternfin-migen Anhängseln, welche die
bereits deutlich dui-chschimmernden sexiiirten Puppen in ihrem
Körper trägt.
Sie platzt, und es tritt heraus der dicke Puppenträger.
Ganz abweichend von den ĂĽbiigen Phjlloxeren zeigt sich diese
Form bei Acanthochermes ungeflügelt, und während Ph.
vastatrix 3, 4 Puppen, quercus und coccinea 4, 6 Puppen
enthalten, producirt sie nicht weniger als 60 bis 80, etwa 1/3
Männchen, -jg Weibchen. Aus diesen auf einen Haufen ge-
legten Puppen entwickeln sich nach acht Tagen die sexuirten
Thiei'e, ganz Phylloxeren-förmig ohne Schnabel; das Männchen
exhibirt einen ziemlich starken, senkrecht nach unten gerich-
teten dreieckigen Penis.
Sie begatten sich sofort, und damit schliessen
fĂĽr den Augenblick meine Wahrnelimungen! Denn nach der
Begattung sind sie alle scheintodt: nur dass man im Abdomen
der Weibchen ein einziges, gro.'-ses Ei hell und lebendig durch-
seheinen sieht.
Wird es bei den anthogenetischen l'emphigus-Arten (P.
388
terebinthi, P. lentisci) bis zum nächsten Frühjahr im Mutter-
leibe verbleiben? Wer weiss das?
Diese in wesentlichen Punkten so verschiedenartig orga-
nisirten Thiere alle in dei-selbeu Gattung unterzubringen, wird
wohl systematisch unthunlich sein. Curae posteriores!
Montpellier, im Juni.
Ooleopterologische Kleinigkeiten ,
von
Prof. Sehiutidt-Cioebel in Wien.
Die Flugperiode der Maikäfer (M. vulgaris u. hippo-
castani) fĂĽr Lemberg ist, wie von vornherein zu erwarten
stand, eine vierjährige. Starke Maikäferjahre waren 1855,
1859, 1863 eein wenig schwächer), 1867, 1871; mittelmäs-
sige 1862, 1866, 1870 (die Aufzeichnungen von 1854, 1856.
1857, 1858 fehlen mir); ziemheh schwache 1861, 1865.
1869, 1873; sehr schwache 1853, 1860, 1864, 1868 und
1872. M. hippocastani waltete dabei an einigen Localitäten
vor. Am zeitigsten erschienen sie, so M'eit meine Notaten
reichen, am 28. April 1862. Weissbuchen, Eichen, Ross-
kastanien, dann Rothbuchen, Weiden und Ebereschen waren
in starken Jahren sehr von ihnen befallen, Obstbäume wenig,
Linden und Traubenkirschen (Prunus padus) wurden, so viel
ich bemerkte, nicht angetastet. Nadelbäume, etwas einge-
sprengte Kiefern ausgenommen, fehlen in der nächsten Um-
gebung. Einige Lärchen in Gärten wurden massig von ihnen
besucht.
Es wäre von grossem wissenschaftlichem und praktischem
Interesse, die Flugperiode fĂĽr ganz Deutschland und die an-
grenzenden Ländei" kennen zu lernen, also ähnliche Berichte
wie den vorliegenden aus recht vielen Punkten des Gebietes
zu erhalten, in welchem diese Blätter verbreitet sind, nebst
Beifügung der Angabe über die beiläufige Seehöhe des betref-
fenden Gebietes, sowie dessen Bodenbeschaffenheil im Allge-
meinen. Die sich nach Norden und Nordosten erstreckende
Ebene, auf welcher Lemberg Hegt, hat rund 800 Fuss alt.
par. M. , die nach SĂĽden und SĂĽdwesten anstossende erste
389
galizische Terrasse 1000—1100 F. vSeehöhe. Der Boden der
Ebene ist theilweise ein mittelguter Thonboden mit etwas
schwerem schwarzem und ein wenig moorigem Erdreich, der
der Terrasse ein ziemlicli stark sandiger leichter lehmiger,
streckenweise sehr f^andiger.
Unter die autfälligen und interessanten Lemberger Vor-
kommnisse gehört ohne Zweifel Pelopoeus destillatorius 111.
Seine Verbreitung geht über ungeheure Länderstrecken, von
Guinea nach SĂĽd-Europa und Westasien bis in die Vorberge
des Ural, wie es aber scheint vollkommen inselartig und mit
grossen Zwischenräumen. Das erste Exemplar erhaschte ich
hinter meinem Fenster am 10 Juli 1862. Vergebens schaute
ich mich nach seinem Bau um, der wohl in der Nähe an
einem Gesimse sein mochte, weil das Thier sich sonst wohl
nicht leicht bis in den 2. Stock verflogen hätte — ich konnte
trotz aller MĂĽhe nichts entdecken. V^enige Tage darauf er-
blickte ich ein zweites Exemplar, das nach einem kĂĽrzlich
gefallenen Regen mitten in der Stadt Lemberg von einer der
chaussirten Strassen den fein zerriebenen Koth zu seinem Bau
mit den Kiefern aufnahm; leider konnte ich seiner nicht hab-
haft werden. Ein drittes Exemplar fand ich unter allerlei ganz
gemeinen Insekten, die mir von einem beginnenden Sammler
zu Gebote gestellt wurden, der keine weitere Auskunft geben
konnte, als dass es aus Lemberg stamme. Er schien demnach
in jenem Jahre eben nicht selten zu sein, doch bekam ich
ihn später nie wieder zu Gesichte. Die Provinz Preussen, in
deren sandigen Gegenden so manches sĂĽdhche Insekt unver-
hofft auftaucht, könnte ihn leicht auch aufzuweisen haben, und
ich möchte hiemit die dortigen, sowie auch die oberschlesischen
Sammler auf ihn aufmerksam gemacht haben.
Von GIvptoma corticinum meint Dr. Kraatz in der
N. G. d. Ins. Deutschi. 11. p. 1049: „Das von Aube beobach-
tete Vorkommen des Käfers in der Gesellschaft von Ameisen
dürfte wohl nur ein zufälHges gewesen sein.'' Ich kann dieser
Meinung nach ineinen Erfahrungen nicht unbedingt beistimmen.
Ich fing diesen noch immer seltenen Käfer zwar nur einmal,
aber da auch gleich 66 StĂĽck, bei Wien im Prater, im Jahre
1848, jedoch nicht, wie Redtenbacher in seiner F. A. sagt, in
morschen Eschenbäumen, sondern in einer Weissbuche (Car-
pinus betulus), die auf einer Seite bis in ziemhche Tiefe von
390
einer in dem noch recht harten und festen Holze minirenden
Ameise zahlreich bewohnt war. Ich stemmte mit vieler MĂĽhe
das diirchminirte Holz auf etwa 1 1/2 Fuss Länge und einige
Zoll Tiefe heraus und hatte also Gelegenheit, den ganzen Bau
zu durchsuchen und das Thierchen in seinem Benehmen zu
beobachten. Wie Motschulsky richtig angiebt, ist es sehr trag
und langsam, lässt sich bei Berührung fallen und .stellt sich
mit ausgestreckten steifen Beinen lodt. Es sass oder spazierte
sehr gemächlich in allen, auch den tiefsten Gängen des Baues
herum, und nahm allem Anschein nach von den Ameisen eben
so wenig Notiz als diese von ihm. Dies scheint denn doch
anzudeuten, dass der Käfer, w^enn er auch nicht lediglich auf
die Ameisen angewiesen ist, doch unter ihnen am besten ge-
deiht; denn ich kann mich nicht erinnern, je von einem so
ausgiebigen Fange an irgend einem andern Orte gelesen zu
haben, und es ist wohl schwer anzunehmen, dass eine solche
Anzahl — die herabgefallenen und übersehenen nicht einmal
mitgerechnet — zufällig in den Ameisenbau gerathen sein
sollte.
Larven und Puppen fand ich allerdings keine, aber es
mochte Avohl die Zeit vorüber sein, wo der Käfer in diesen
Zuständen vorkommt.
"Wenn der Käfer sonst an verschiedenen Lokalitäten ge-
funden wurde — aber nie so massenhaft — so darf man
wohl muthmassen, dass diese wenigstens in manchen Fällen
entweder frĂĽher von Ameisen bewohnt, im Moment aber \'er-
lassen, oder dass Ameisen-Colonien in der Nähe waren, ohne
dass die Sammler die gehörige Aufmerksamkeit auf diesen
Umstand richteten. Immerhin mag zuweilen unter bestimmten
Verhältnissen der Käfer so zu sagen selbstständig ohne Amei-
sen leben können und leben, aber ohne Zweifel gedeiht er
bei in Holz minirenden Ameisen weitaus am besten.
Die Ameise, bei welcher ich ihn fand, ist Lasius brun-
neiis Ltr. Meine Bestimmung desselben ist von Dr. Mayr
bestätigt.
Sphindus dubius Gj'll. oder richtiger liis]iidus Payk.
(Anobium) ist in den Wäldern bei Lemberg gerade keine be-
sondere Seltenheit. Das eigentliche Wohn- und Kosthaus des-
selben ist eine grosse Lycogale, die ich aus Mangel an HĂĽli's-
mitteln nicht näher bestimmen konnte. Auch in einer andern
kleinern Species (aber nicht L. miniata) habe ich ihn schon
gefunden. Daselbst kam auch ein Colon vor; welche Art.
3P1
kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Es dĂĽrften die
Colon-Arten wohl mehrfach in unterirdischen Pilzen leben, wie
ich diess namentlich von den Anisotominen vermuthe. Mit
einem TrülT'elhimd wäre der Sache leicht auf die Spur zu
kommen. Dass die unterirdischen Schwämme von Insekten
bewohnt sind, weiss jedei- TrĂĽflelsucher und habe ich dies
als Knabe an frischen „madigen^' Trüffeln öfter gesehen; auch
erzog ich später aus unterirdischen Pisolithus arenarius den
f * r y p t o p h a g u s S c h m i d t i i Stm. Besonders häufige Bewohne r
mehrerer Lvcogale-Arten sind eine Anzahl Agathidien; doch
nähren sie sich auch oft von andern an Sporen sehr reichen
Pilzen, wie ich sie z. B. mehrfach an Stemonitis und Arcyria
fand. Wo man Agathidien hinter Rinden findet, fehlen Micro-
myceten nie. Auch an einer Sphaeria sind sie zu haben.
TTntersucht man den Inhalt des Darmkanals von einem Agathi-
dium. so findet man ihn grösstentheils aus Sporen bestehend.
Auch das seltene Syntomium aeneum fand ich Stemonitis
abweidend an einem Buchenstrunk im Waldschatten. Orchesia
micans ist bekanntermassen ein häufiger Bewohner von Poly-
porus rufus, die schönen und seltenern gebänderten Arten
fivsfiata Payk und undulata Kraatz kommen aber bei Lemberg
und in den Karpal hen im Waldschatten an abgestorbenen oder
geworfenen Birken hinter der sich ablösenden und zurückrol-
lenden weissen Rinde vor; ob sie nicht doch vielleicht Pilz-
bewohner, kann ich nicht unbedingt bestreiten; denn es wuchsen
auch harte Boleti an diesen Birken; aber an diesen sass nie
eine Orchesia; 0. minor Walk, klopfte ich von dĂĽrren Aesten
ab; der spätere Name von Rosenhauer — sepicola — deutet
ein ähnliches Vorkommen an.
Bei Capnodis tenebrionis giebt v. Kiesenwetter (Ins.
Deutschi. IV. 28) als Vaterland die sĂĽdlichsten Theile SĂĽd-
Deutschlands, namentlich SĂĽd-Tirol an, hat aber dabei ĂĽber-
sehen, dass ich in dieser Zeitung (XVI. S. 212) ihr Vordringen
weit nach Norden constatirt habe, indem ich berichtete, dass
ich sie bei Prag in sonnigen Lagen auf den Blättern von
Prunus spinosa und insititia fing, in deren Rhizom die Larve
lebt. Sie ist seit jener Zeit dort noch mehrfach gefangen
worden, und liegt mir aucli aus Ostgalizien vor, wo auch
Perotis lugubris vorkommt.
Von Anchomenus gracilipes berielitel v. Rottenberg
in der Berl. ent. Z. XI. 412, dass er in Schlesien im Hacheu
392
Lande ilbeivintert, während man ihn im Frühjahre nie daselbst,
sondern im Hochgebirge finde. Bei Lemberg traf ich ihn
nicht selten auch im Frühjahre an, während ich zu Ende
September 1852 im Stryer Kreise auf dem Gipfel der Paraschka,
in einer Seehöhe von etwa 4000 Fuss, ihn in Mehrzahl unter
Steinen sammelte.
Cryptoeephalus sericeus ^ traf ich am 23. Juli 1854
in voDständiger Copula mit Chrysomela varians 2- Leider
konnte ich das Paar nicht mit nach Hause nehmen, um das
Ergebniss abzuwarten; indessen wäre es ohne Zweifel gleich
Null gewesen.
Die Bombjlii sind entschieden Schmarotzer, und zwar
auch von Hymenoptern. Ich erzog eine der kleinern einfarbig
braungelblichen Arten, die ich bei meinen mangelhaften dipte-
rologischen Hülfsmitteln nicht ganz verlässlich bestimmen
konnte, und die mir ein Dipterologe, dem ich .sie mit der
Bitte um Bestimmung zusandte, nichl so freundlich war, zu
benennen, noch auch wiederzuschicken, aus den Puppen von
CoUetes fodiens, von welchem ich einmal eine lehmige Erd-
wand eines Hohlweges so besetzt fand, dass icli nicht den
Daumen aufsetzen konnte, ohne ein Eingangsloch zu bedecken.
Die Zeichnung in Westwood's Introd. mod. class. ĂĽ. p. 538,
Fig. 128. 14 ist zwar etwas roh, aber sonst richtig. Die von
Imhoff' in der Isis von 1832. V. kann ich leider nicht nach-
sehen.
Ocnera hispida F. ist in Stein's Cat. Col. Eur. nicht
aufgefĂĽhrt. Ich besitze sie jedoch schon seit mehr als 30 Jahren
aus Sicilien, von wo sie der verstorbene Dr. Helfer in mehre-
jen Exemplaren mitbrachte.
Vom Vorkommen des Lucanus cervus in Buchen wurde
schon einige Male (auch in diesen Blättern) berichtet; ich traf
ihn in den Vorbergen der Karpathen im Kolomeer Kreise in
alten Buchenwäldern, wo weil und breit keine Eiche vorkam,
in riesigen Exemplaren an. Indessen beschränkt sich seine
Larve nicht auf diese beiden Bäume. Mehreren meiner Zuhörer
aus dem östlichen Galizi,en und aus der Bukowina war gar
kein anderes Vorkommen bekannt als in und auf Weiden,
und zwar ziemlich liäulig. was auch für England gilt, wo sie
nach Westwood (Inlrod. 1. 188) hauptsächlich (chietly) in
Weiden und Eichen lebt. Schrank Fn. boic. I. 375 giebt fĂĽr
L. capreolus eine andere Amentacee oder Salicinee, die
Schwarzpappel an. Dallinger berichtet in Hoppe's ent. Taschb.
{'. 1797, p. 197, dass er drei frisch entwickelte StĂĽcke des
Käfers in einem faulen Wallnussstocke angetroffen , und Mul-
.stuit (Lamellic. " 588) erwähnt, dass Marquis Laferte die Larve
itn faulen Holz eines Kirschbaums gefunden. Mir brachte ein
Hörer Exemplare von Brzezany (Ostgalizien , in dessen Um-
gebung Eichen häufig sind), die aus wilden Birnbäumen stamm-
ten. Petagna (Instit. entom. I. p. 132) giebt von der var.
Dorcas an, dass sie in den Stämmen alter Eschen lebe, was
Schlotthauber (Rtzebg. Forstins.) von der Stammart berichtet.
Freyssler (Verz. böhm. Ins. p. 10) sagt: „bei uns in Böhmen
sehr gemein, in allen Fichten- und Eichenwaldungen", während
Ratzeburg alte Kieferwurzeln als ihren Wohnort anfĂĽhrt. Das
auflTälhgste Vorkommen giebt Kugelann in Schneiders neuest.
Mag. p. 255 an — „wird im Frühjahr und Herbst nicht sel-
.,ten an Brechstuben in den Flachs-Scheevenhaufen (dem Ab-
..fall der gebrochenen Leinptlanzen) gefunden". — Es dürfte
somit die Hirschkäferlarve Avahrscheinlich im faulen Holze
aller grossen Laubbäume mit Bevorzugung der Eichen und
Weiden und einio;er Nadelbäume w^ohnen.
Von Corymbites cruciatus L. sagt Redtenbacher F. A.
'.'>. i'd I. p. 547, er komme auf Equisetum vor. Dahin mag-
er wohl nur zufällig gerathen sein und ich habe ihn nie daraul'
MugetrotTen, wohl aber fing ich ihn jedes Jahr im Mai und
.)uni mehrfach auf den Plankenzäunen von Lembergs Gärten,
welche aus Kieferbrettern bestehen, die zwischen Fichten-
pfosten eingefalzt sind, so dass er wohl ohne Zweifel als ein
Holzbewohner angesehen werden muss. Jedoch konnte ieli
nicht ergrĂĽnden, welche der beiden Holzarten ihn eigentlich
beherbergt. Die Adelocera-Arten möchte ich nicht ohne wei-
teres als Nachtthiere ansehen, wie Redtenbacher das (p. 528)
Ihut, denn ich fing in OlmĂĽtz an einer aus Eiehenbalken ge-
bauten BrĂĽcke innerhalb einiger 'l'age 13 StĂĽck A. lepidoptera
beim hellsten Sonnenschein. A. fasciata und quercea Hbst.
Cvaria F.) traf ich allerdings im Innern hohler Eichen, also
vor der vollen Tageshelle geschĂĽtzt, in einigen Exemplaren in
Brandeis bei Prae- an.
394
Quedius dilatatus, der bekanntlich bei den Hornissen
wohnt, wnrde von mir einmal in 2 Exemplaren sĂĽdlich von
Prag (Königsaal) bei Aas gefunden. Wahrscheinlichst ging er
dort auf Raub aus.
Crj'ptocephalus sericeus ist öfter auf blühenden wil-
den Rosen verschiedener Speeies zu finden. Er beschäftigt
sich dort damit, die Staubfäden vollständig abzuweiden, mag
aber trotzdem die Befruchtung (Hier nicht verhindern, sondern
sogar befördern, indem durcli sein Herumwühlen zwischen den
Staubladen der Blumenstaub auf die Narben fällt.
Denops albofasciatus Charp. soll, wie Redtenbacher
(F, A. ed III. 549j berichtet, nach Hampe's Beobachtung
springen. Obwohl ich dieses schöne Thierchen im Jahre 1837
im Mai an den Flechtzäunen der serbischen Quaruntaine, in
welcher ich 11 Tage eingesperrt war, mit aller MĂĽsse in
einer Anzahl Exemplare fing, so konnte ich doch nichts der-
gleichen bemerken. Dagegen stellte es sich als höchst wahr-
scheinlich heraus, dass er als grimmiger Mörder die friedlich
zusammenwohnenden Apate Capucinas und Capucinos zu ihrem
geistigen und seinem leibhchen Heile ,,in ein bessei-es Jenseits*'
beförderte; denn er spazierte beständig schnüffelnd an den
Eichenpfählen des Zaunes herum, in welchen die Apate zahl-
reich vorhanden war, ging in den Bohrh'ichern derselben ein
und aus, und wurde von mir mehreremale sammt seinen
nmth masslichen Opfern durch Tabakrauch aus denselben heraus-
getrieben. Er scheint demnach eben so wenig Vegetarianer
zu sein, als mehrere seiner Verwandten.
Tropidoderes sepicola Hbsl. und Anthotribus (Ma-
crocepiuilus) albinus L., zwei Käfer, die in Lemberg an den
Flechtzäunen — der erstere an den aus Weiden-Knütteln und
Ruthen verfertigten — sehr häufig sind, machen jedoch, was
meines Wissens noch nicht beobachtet wurde, SprĂĽnge oder
wenigstens sprungartige Bewegungen. Statt sich nämlich bei
der Annäherung eines Feindes einfach fallen zu lassen, schnel-
len sie sich, nicht immer, aber häufig, von ihrem Sitze herab,
so dass sie in einem schwachen Bogen fallen. Wahrscheinlich
thun sie dies, um ihres Falles auf den Boden sicher zu sein,
wo sie ihren Verfolgern sichei-er enlzogen sind, als wenn sie
395
auf dem nächsten Knüttel des Zaunes liegen bleiben. Chora-
gus Sheppardi Kby., von dem ich an einem abgestorbenen
Ahorn nach und nach 60 sammelte, ist aber schon ein eigent-
licher Springer, wenn er sich auch nicht immer dieses Mittels
zur Flucht bedient und seine Sprünge höchstens etwa 2 Zoll
erreichen. Ob Ch. piceus Schm. ebenfalls ein Springer ist,
kann ich nicht sagen, da ich nur ein einziges Exemplar von
dĂĽrren Obstbaumzweigen bei Lemberg abklopfte. Tv. sepicola
fĂĽhrt ausserdem ein Manoever, so weit ich wahrnehmen
konnte, genau so wie Xestobium pulsator Schall, aus,
nämlich das Klopfen, das bei letzterem bereits von Schaller
und Späteren beschrieben ist , das ich aber hier doch wieder
erzählen zu dürfen glaube. Der Käfer klammert sich nämlich
mit den ziemlich gespreizten Hinterbeinen und mit den weni-
ger entfernten Mittelbeinen fest an das Holz an, hakt die
Klauen der Vorderbeine in irgend ein kleines Ritzchen oder
Höckerchen ein, hebt sich auf den Vorderbeinen so hoch als
möglich in die Höhe, und schlägt nuji, indem es sich mit
diesen plötzlich herabreisst, aus aller Macht mit den geschlos-
senen Oberkiefern auf die Unterlage, so dass es verwunderlich
ist, wie das Thier diese heftigen ErschĂĽtterungen \'ei'tiagen
kann. Die Zalil der Schläge mag in der Secunde immerhin
5 — 0 betragen und nach Je 15 — 20 Schlägen folgt eine län-
gere oder kĂĽrzeie Pause von einigen Minuten und endlich eine
lauge Unterbrechung, nach welcher es seine Klopferei an einem
andern Orte beginnt. Der klopfende Käfer iiess mich so nahe
kommen, dass ich ihm durch eine Lupe von 2 Zoll Brennweite
zusehen konnte, welcher Umstand mich lebhaft an das Balzen
des Auerhahns eiinnerte, mit welchem es auch offenbar den-
selben Zweck hatte, nämlich die Anlockung des Weibchens,
Trotzdem konnte ich keinen Schall wahrnehmen — ich habe
IVeilicli kein sehr feines Gehör — und das andere Geschlecht
mag die Schläge vielleicht mehr fühlen als hören. Tr. sepi-
cola, der viel scheuei' und obendrein nocli viel kleiner ist,
konnte ich nicht so genau beobachten, docli ist sein Verfahren
im Allsemeineii oanz dasselbe.
Pelecotonia J'ennica Pajl^- 'h'g '^'1' ^-^var nur dreimal,
einmal in Böhmen bei Leitmeiitz und zweimal in Galizien,
trotzdem möchte ich mir erlauben, eine Ansicht über seine
Oekonomie auszusprechen. Ich halte den Käfer nämlich für
einen Schmarotzer von den beiden bei uns vorkommenden
Arten von Ptilinus. Ich traf ihn jedesmal an niDrschen Par-
?.96
lien von Sehwaizpap])eln und Kopfweiden, in weiclien der
eine oder der andere der L'lilini seinen Wohnsitz au teeseh lagen
hatte, und zwar zu der Zeit, zu welcher die Ptilini so zu
sagen im vollen Flor standen und theils eben ausgeschlĂĽpft,
theils damit beschäftigt waren, zur Fortpflanzung neue Bohr-
löcher anzulegen. Das bellende Thierchen, das seiner Zartheit
halber gar nicht geeignet ist, als Holzbewohner selbst Bohr-
lĂĽcher anzulegen, trieb sich zwisehen den Ptilinen herum, kam
aus den Bohrlöchern derselben heraus und kroch auch wiedei*
in solche hinein. Wer in der Lage ist , mehrfach mit Ptilinen
besetztes Holz einzuzwingern , wird wohl auch einmal eines
StĂĽckes habhaft w^erden, in welchem Pelecotoma schmarotzt,
und so die Frage entscheiden können. Es wäre mir selbst
mit einer morschen Weide gelungen, hätte nicht ein der
Entomologie sehr fern stehender gewöhnlicher Holzbedüiftiger
die Weide ehei* abgeholt, als ich sie zu kaufen kam. Von
der sehr zarten und sehr Hinken Phloiotrya rufipes Gyll.,
die ich in den Vorbergen der Karpathen im Stanislauer Kreise
an mit Bohrlöchern versehenen Knütteln eines Flechtzaunes in
einigen Exemplaren fing, möchte ich dieselbe Vermuthung auf-
stellen. Die nahe stehende Abdera flexuosa Payk. schlĂĽpfte
mir (nebst Orchesia micans) aus Polyporus rufus aus, n)it
welchem ein in tiefem Waldesschatten stehender morschei-
Laubholz-Strunk besetzt war.
Ueber die Artrechte von Cryptohypnus dermestoides
Gmr. spricht sich schon v. Kiesenwetter (N. Gr. d. Ins. Deutschi.
IV. p. 367) zweifelnd aus. Sie sind in der That Cr. 4-gutta-
tus Cast. (tetragraphus Gmr.) gegenĂĽber nicht aufrecht zu er-
halten, da die von v. Kiesenwetter vernuitheten Uebergänge
faktisch vorkommen. Ich besitze die vollständige Uebergangs-
reihe aus Prag, OlmĂĽtz und Kolomea, wo deren Glieder wie
die Stammart an den sandigen Ufern der Moldau, dei- Mareli
und des Pruth einzeln vorkommen. Erst werden die Schulter-
Hecken kleiner, dann verschwinden sie, dann geschieht dasselbe
mit den hintern Flecken der B]lytra. Dabei hat ein Exemplar
ohne Vorderflecken die Fühlerbasis noch röthlich braun und
ganz gelbe Beine, ein anderes aber schon in der Mitte dunklere
Schenkel, während ganz ungefleckte das 1. Fühlerglied doch
nicht schwarz, sondern nur dunkelbraun oder an der Basis
schwarz und das 2. und 3. auch dunkel haben. Dass die
Flügeldecken im Verhältniss zum Thorax kürzer seien, kann
ich nur in einem sehr eerinaen Maasse, da aber auch bei
397
einzelnen Exemplaren von Cr. 4-guttatus finden. Wenn mau
diese Art mit vier Flecken (sovväe bei 4-pustulatus F.) als
Stammart annimmt, so mĂĽsste die Nomenclatur lauten: Cr.
4-guttatus Cast. var. a, elytris maeula tantum apicali pallida
var. b, elytris omnibus immaculatis. E. dermestoides Hbst. Käf.
X. 85. 96. taf. 165. F. 10'") — minimus Lacord. Faun.
Par. 660.
Allein lange vor Castelnau, nämlich im Jahre 1792 hat
Preyssler in Mayer, Sammlung physikal. Aufsätze 11. S. XXVII.
1 Tab. 3. 27. den Käier aufs ausführlichste und genaueste (auf
41 ('2 Seite) beschrieben und auf der dritten (unnumerirten) Tafel
stark vergrössert und gut abgebildet. Schönherr in seiner ^yn.
ins. in. 316 hat dies auch nicht ĂĽbersehen und bringt das
Citat als Synonym von El. 4-pustulatus Fabr. bei, wohin
ess aber keinesfalls gehört, da der Pre\'sslersche Käfer ganz
unzweifelhaft der 4-guttatus Gast. ist. UnglĂĽcklicherweise
aber wählte Preyssler den Namen 4-pustulatus, den Fabri-
ciuö in Ent. syst. Tl. 2. 235. 89. in demselben Jahre 1792
dem Elater gegeben hatte, den wir jetzt noch so nennen.
Eine Priorität für einen oder den andern Autor innerhalb des
Jahres 1 792 ist — wenigstens für mich — nachzuweisen nicht
möglich und so bleibt wohl nichts anderes übrig, als den
ziemlich allgemein angenommenen nomenclatorischen Gesetzen
entsprechend, zwei gleiche, nur durch den beigefĂĽgten Namen
des Autors unterschiedene Namen in demselben Genus bestehen
zu lassen, da schwerlich sich die Coleopterologen entschliessen
werden, Cryptohypnus mit Thomson in ein halb Dutzend Ge-
nera zu zerspalten und die in Rede stehende Art als Zorochrus
Thoms. (Skand. Col. VT. 116) hinzustellen. Zwei gleiche Namen
iĂĽ einem Genus kommen doch im Ganzen so selten vor, dass
mit dem Einprägen des Autornamens das Gedächtniss der
Coleopterologen nicht zu sehr in Anspruch genommen wird.
Es gäbe nur noch einen Ausweg, der aber wohl keinen An-
klang finden dürfte, nämlich einen der Namen 4-pustulatus zu
cassiren und den andern bestehen zu lassen, und zwar den,
welcher bei sonst gleichen Rechten durch eine genauere und
ausfĂĽhrlichere Beschreibung und eine beigefĂĽgte gute Abbildung
den Vorzug verdient, und diess wäre der Preyssler'sche. Statt
des Fabricischen könnte dann etwa der Zetterstedt'sche agri-
cola (Act. Holm. 1824 p. 155) eintreten. Doch hievou sei
*) Dieses Citat kann ich nur auf v. Kieseiiwetters Autorität hin
anfĂĽhren, da icli es nicht selbst nachsehen kann, indem mir Herbs
Käf. X. fehlt.
26
398
abgesehen — nach meiner unma«sge.bhehen Ansiciil iniiss e
nun heissen:
Cr. 4-pustulatus F. 1792
agrieola Zett. 1824
(juadrum Gyll. 1827 und
Cr. 4-pu8tuj"atus PreyssJ. 1792
4-pustulatu8 Payk. 1800
dermestoides Hbst. 1806
4-pustulatus var. Gyll. 1808
4-pustulatus Gast. 1835
minimus Lacord. 1835
tetragraphus Germ. 1844
tetragraphus Thoms. 1864.
Aromia rosarum Luc. erkannte ich im Jahre 1842 als
Varietät von Ar. moschala, indem ich sie in Copula mit der-
selben antraf, und zwar bei Böhmisch-Aicha im böhmischen
Mittelgebirge sĂĽdlich von Reichenberg. Bisher ist sie meines
Wissens noch nicht so Aveit nördlich gefunden worden, sondern
nur aus Sicihen, SĂĽd-Frankreich., SĂĽd-Russland und Daurien
bekannt. Sie wird sich wohl auch sonst noch auf deutschem
Gebiete auffinden lassen, wenn man nur erst der von den
Sammlern gering geschätzten und daher wenig beachteten
Stammart die volle Aufmerksamkeit zuwenden wird. An dieser
machte ich ĂĽbrigens im Sommer 1 874 in Lemberg eine wenig-
stens mir neue Erfahrung. Die Thiere w^aren grösstentheils
eben ausgeschlĂĽpft, was sich durch den besonders heftigen
Geruch kund gibt, den .sie auf ziemliche Entfernung verbreiten,
und durch welchen man sie frĂĽher als durch das Auge wahr-
nimmt. Ich Ihig aus purer Jagdiust einige Exemplare, die
nebenbei gesagt in Lemberg selten grĂĽn, sondern fast immer
violett kupfi'ig oder kuplVig gefärbt sind, und wollte eines, das
ich am Ende des Abdomens und an den Hinterbeinen hielt.
unter die Nase halten, als es mir auf etwa 4 Zoll Entfernung
eine Ladung einer wasserklaren FlĂĽssigkeit aus dem Maule in's
Auge sprĂĽtzte, die ziemlich beissend war, so dass ich ĂĽber
das Brennen und Thränen des Auges vergass, zu untersuchen,
welchen Geruch die aus dem Auge heraufgewischte FlĂĽssig-
keit hatte. Ich ling nun natĂĽrlich noch so viele Exemplare,
als ich eben auflinden konnte, um die Beobachtung zu wieder-
holen, allein keines mehr that mir den Gefallen, das Kunsl-
stĂĽck AA'ieder zu produciren. An andern Cerambycinen kam
mir etwas dergleichen bisher nie vor. Kirby (Introd. to cnt.
399
VII. ed. p. 420, deutsch. Uebers. II. p. 283) berichtet nach
Sheppard's Erzähhing, dass er die nacli Moschus riechende
FlĂĽssigkeit, wie die Carabi aus dem After sprĂĽtze, was aber
in dem eben ei-zähheii Falle ganz unmöglich war und somit
unrichtig iM.
Patrobus tatricus Mill.. den der Autor in der Tatra
auf der Seehöhe von 6500' und darüber antraf, erhielt ich
aus der Nähe von Sanox aus unbekannter, aber jedenfalls ge-
ringer Seehöhe, iing ihn auch in den Thälern der Karpathen
im Stanislauer Kreise in liöchstens 1000 — 1200' Höhe und
endlich sogar einmal hier bei Lemberg, wo auch mein Freund,
der frĂĽher hier stationirte Berghauptmann Jurasky ein Exem-
plar auffand. Er wurde jedesmal an Ufern von Bächen, in
schattigen Schhichlen unter Steinen angetroffen. Das Thier
besitzt somit eine bedeutende vertikale und horizontale Ver-
breitung, und dĂĽrfte nicht nur auf der ganzen ersten galizi-
schen Terrasse, sondern möglicherweise auch noch in OesteiT.
Schlesien, vielleicht sogar in Preuss. Schlesien, also auf
deutschem Gebiete vorkommen, wesshalb ich hier die schlesi-
schen Entomologen auf ihn aufmerksam mache.
Der A'on mir gleichzeitig mit Miller auf Myricaria ger-
manica bei Kolomea (und Weldzirz) häutig angetroffene Sty-
losomus Tamaricis dĂĽrfte vielleicht auch in Ober-Schlesien,
an den Ufern der Weichsel, und am Rhein bis Pforzheim
herab vorkommen, da seine Futterpflanze dort eben so zu
Hause ist, wie durch die ganze Alpenkette von der Schweiz
bis Oesterreich. Auffälliger Weise führen ihn aber Redten-
bacher und Gredler (Käf v, Tirol) nicht auf, und doch ist es
schwel- glaublich, dass er in seiner Verbreitung von den Mittel-
meerländern, wo er auf Tamarix gallica häufig ist, einen
Sprung bis auf den Nordabhang der Ivarpathen machen sollte,
den seine Futterpflanzen nicht machen. Die sehlesischen und
oberrheinischen Entomologen werden ihn wohl noch auffinden
und die deutsche Fauna durch ihn bereichern.
In den Karpathenthälern kommt auch der so gesuchte
Phryganophilus ruficollis F. vor, und zwar an älteren
gefällten Tannensiänunen bei Skole. Mein Freund Jurasky
erbeutete um Pfingsten einige Exemplare daselbst.
Silpha opaca ist. eine entschieden phytophage Art. Ich
fand sie mehrfach, al)er stets nur einzeln, Anfangs Mai auf
Hutweiden, an dem jungen zarten Grase eifrig fressend.
Silpha obscura dürfte gelegenthch einmal als Schädiger des
Roggens und dei' Gerste auftreten, ich traf sie in Lemberg
400
im Juni 1867 auf diesen beiden Getreidearten so häufig, dass
ich auf einen BHck in die Runde immer 12 — 15 Stück zählen
konnte. Sie frass am Halme und an den Blättern ziemlich
grosse Flecken der Oberhaut weg, so dass die Pflanzen krän-
kelten. Schon Schi-ank En. ins. Austr. p. 43 sagt „Frequens
in Ccrealium spicis*'. auf welch letzteren ich sie ĂĽbrigens nicht
sitzen sah.
Hie und da findet man in entomologischen Schriften noch
immer Zweifel ausgesprochen, dass Zabruw gibbus phytophag
sei und dem Weizen Schaden zufĂĽge. So spricht liedtenbaeher
F. A. ed. 111. noch mit ,,soll" von der Beschädigung des
Weizens durch den Käfer, und Kaltenbach (Pflanzenfeinde
p. 736) redet von „vorgeblichen Beschädigungen'-'' . Diesen
Zweifeln gegenĂĽber kann ich berichten, dass ich im Jahre 1851
bei OlmĂĽtz, wo viel Weizen gebaut wird, ihn auf einem
kleineu abgesonderten FeldstĂĽck von etwa 200 Quadr.-Klftr.
antraf, wo er von den schon ziemlich erwachsenen aber noch
grünen und weichen Körnern reichlich ein Drittel heraus-
gefressen hatte und noch so eifrig weiter frass, dass er, ohne
sich stören zu lassen, mir gestattete, ihn mit einer Lupe von
etwa 2 Zoll Brennweite zu beobachten und den ganzen Mecha-
nismus des Fressens wahrzunehmen. Von den tiefer innerhalb
der Spelzen gelegenen Theilen des Kornes Hess er die grössere
Parthie stehen und packte ein zweites von oben und seitwärts
an, um mit aller Bequemlichkeit zu schmausen. Auf dem
kleinen befallenen Felde that er also grossen Schaden, indessen
fand ich ihn auf andern nicht weit abgelegenen Feldern doch
nur in sehr massiger Anzahl, und so möchte ich glauben,
dass er sich bei seiner Unfähigkeit zum Fluge nui- in seltenen
Fällen auf gnissere Strecken ausbreiten dürfte, dagegen auf
den einmal befallenen Feldern arge VerwĂĽstungen anrichtet.
Er liebt schwere bündige Böden und scheint lockere, sandige
zu fliehen, wahrscheinlich weil sie nicht zur Anlage seiner
Röhren und Höhlen taugen. Auf sandigem Terrain kommt
er, auch auf Weizenfeldern, sehr sparsam vor, so dass ich
beispielsweise bei Lemberg, wo es freilich wenig Weizenfelder
giebt, in 23 .Jahren ein einziges Exemplar erbeutete.
Von PI)} tophagie einiger Amara -Arten liegen mehrfach
Meldungen vor. Auf den Aehren einiger Gramineen triill man
sie nicht selten an, besonders beliebt sind aber die Schötchen
von Capsella bui'.sa pasloris. ludessen begnĂĽgen .sie sich
401
nicht mit vegetabilischer Diät, sondern greifen auch nach
animalischer Kost. Es gelang mir einmal, eine Capsella, auf
welcher eine A. trivialis eifrigst frass, so abzureissen, dass
keine Erschütterung stattfand und ich der ungestört weiter fres-
senden Amara mit der Lupe zusehen konnte. Während ich
dies that, schwebte langsam eine MĂĽcke heran; ich fing sie
und langte sie mit gespitzten Fingern vorsichtig der Amara
hin. Diese wendete sich auch sogleich von ihrer Mahlzeit ab,
erfasste die MĂĽcke mit den Oberkiefern und verspeiste sie
..mit Haut und Haar", so dass zu dem Vollständigen von Bra-
ten und Salat nichts fehlte, als ein guter Trunk, den sie aber
bei der Saftigkeit der Kost wahrscheinlich verschmäht hätte.
Ueber die Befruchtung der nordamerika-
nischen Yucca -Arten.
Den Beiträgen zur Kenntniss der nordamerikanischen Nacht-
falter, besonders der Microlepidoptern, von Prof. P. C. Zeller
zufolge, soll nach sehr genauen Beobachtungen von Riley die
Befruchtung der verschiedenen nordamerikanischen Yucca-Arten
einzig und allein durch das Weibchen einer Motte, Pronuba
Yuccaella Riley, oder Tegeticula alba Zeller, bewirkt werden.
Prof Zeller glaubt, dass bei dieser höchst interessanten
Entdeckung noch nicht alles gesehen worden sei, um die son-
derbaren Vorgänge bei der Fortpflanzung der Motte ganz ge-
nügend zu erklären; welche Bemerkung mir Veranlassung gab,
während der nächsten Blütezeit der Pflanze diese bis jetzt
wohl in ihrer Art einzig dastehende Befruchtung etwas näher
zu beobachten.
Den 8. Mai fand ich die ersten blĂĽhenden Yucca und
gleichzeitig in den ganz überhängenden, taubeneigrossen, offenen
PerigonblĂĽten einige der zierlichen schneeweissen, ganz frisch
ausgekrochenen Motten. Des folgenden Tags besuchte ich eine
andere Stelle, an welcher die Pflanzen in Menge blĂĽhten, und
die Motten viel zahlreicher M'aren. Zwei Tage später ting ich
an einem dritten Platz eine weitere Anzahl, so dass ich gegen
100 Stück zusammenbrachte, von welchen ich die schönsten
Exemplare aufspiesste, eine grosse Zahl aber mit den BlĂĽten
lebendig mit nach Hause nahm, um ihr Treiben unter der
Glasglocke genauer beobachten zu können.
Ich sah nun folgendes. Die Weibchen bohrten mit ihrem
fein zugespitzten hornartigen Legestachel in das freilich nicht
ganz weiche, vielmehr ziemlich harte, meistens etwa eine
402
Linie dicke äiLtsevc Fleisch des Fiuchtknotens (Fig. 3 e) und
legten jedesmal ein Ei hinein. Nachher kletterten sie gewöhn-
lich auf die Antheren und kratzten mit den dazu sehr gĂĽnstig
gestalteten Maxiila rtastern aus der Antherenspalte fFig. 2 b) die
darin liegenden Pollenkörner heraus; hatten sie eine genügende
Masse zwischen dem eingerollten SaugrĂĽssel zu einem kleinen
KlĂĽmpchen geformt, so schoben sie dasselbe in das durch den
Legestachel hervorgebrachte Loch. Diese Operation wieder-
holten sie an ein und demselben Fruchtknoten ott mehrmals
und wanderten dann in eine andere BlĂĽte.
Wie nun Pi-of Zeller mittheilt, so beobachtete Riley das-
selbe in ganz gleicher Weise.
Aus dieser Operation wohl, wie ich es auffasse, schliesst
nun Rilej, dass das Insect die Befruchtung der Pflanze be-
wirke, und nimmt sogar an, dass eine natĂĽrliche Befruchlung
der Samen gar nicht voi-komme. Diese Ansicht kann ich nach
meinen Beobachtungen nicht t heilen, und zwar aus folgenden
Gründen: Die Frucht der Yucca ist eine grosse drcifächcrigc
Kapsel. Schon frĂĽher hatte ich zM'ar beobachtet, dass bei der
Reife der Samen sehr selten eine Kapsel gefunden wird, die
kein angebohrtes und ausgefressenes Fach hätte; dagegen habe
ich öfters Fächer gefunden, die ganz unversehrt waren, und
solche unversehrte Kapseln und Fächer können daher nicht
wohl dui'ch das Insect befruchtet worden sein. Dass solclier
im Jahre 1870 nach Europa, gebrachte Same wirklich keimte,
habe ich selbst gesehen. Zwar sollen die in Europa blĂĽhenden
Yucca bis jetzt noch keinen keimfähigen Saamen hervor-
gebi-acht haben; diese Erscheinung wird aber, wie ich glaube,
nicht sowohl durch die Abwesenheit der Motte, als vielmehr
durch die vei-änderten klimatischen und Kulturverhältnisse zu
erklären sein. So liefert z. B. die kultivirte Ananas in ihrem
eigenen Vaterlande keine fruchtbaren Samen, sondern dies
thut nur die wilde; ebenso thun dies die Datteln, Erdbeeren,
Feigen etc. Bei sehr vielen Yucca-Pflanzen fand ich die
Blüten abgefallen oder kränkelnd; an diesen sassen aber am
Stengel imd den noch stehenden BlĂĽten eine Menge grosser
Wanzen, Ani.soscelis cincta Hahn, welche mit ihrem starken
SaugrĂĽssel den BlĂĽtenstengel so verletzt hatten, dass die
Saftzirkulation, die während dieser Zeit in den Blüten am
stärksten ist, zu sehr gestört wurde, Avas das Abfallen der-
selben verursachte.
Abgesehen von diesen flrĂĽnden, sprechen die folgenden
Beobachtungen noch mehr gegen die Befruchtung durch die
Motte. Bei vielen Pflanzen kommt es vor, dass die Pollen-
i
403
körner schon auf die Narben gelangen, bevor die Blumen-
krone sich öffnet, und 8o ifst es bei der Yucc«. Als ich näm-
lich die unmittelbai' über den geöffneten betindlichen noch
geschlossenen PerigonblĂĽten auseinanderbreitete, fand ich
die Antheren derselben schon mit offener Spalte, und da die
GritVcl mit den Narben viel tiefer liegen, so kann eine Be-
fruchtung schon stattthiden . bevor es einer Motte möglich wird,
in das Perigon hineinzudringen. Aus physiologischen GrĂĽnden
Ivann aber auch keine Befruchtung durch die Pollenkörner bei
«lern von der Motte befolgten Verfahren stattfinden. Die Be-
tViK'htung der Samen geschieht einzig nur durch die Narben
hindurch; nur mit diesen stehen die Eierchen oder Samen-
knöspehen in Verbindung, und nur der auf die Narben kom-
mende und durch die Verbindungsschläuche gehende Pollen
lieviarkt die Befruchtung der Eier. Die Motte bringt aber die
Pollenkörner nicht auf die Narben, sondern schiebt sie
in das Loch, das sie am Fruchtknoten verursachte;
nicht um die Pflanze zu befruchten, sondern um die Wunde
â– /.u schliessen, damit das hineingelegte Ei durch den bald
heraustretenden Saft nicht herausgewaschen wird. Warum
nimmt das Thier aber gerade die Pollenkörner zu diesem Zweck?
Weil es dieselben mit grösster Leichtigkeit herausnehmen kann,
und die Pollen, sobald %ie mit dem Saft in BerĂĽhrung kommen,
stai-k anschwellen und das Loch nm so schneller und besser
\'erschliessen. Die Antheren fallen aber oft sehr leicht ab oder
schrumpfen bald zusammen nach der Entleerung des Pollen-
staubes; dann benutzt das Weibchen die weichen Borstenhaare
(Fig. 1 d, Fig. 2 a), mit welchen der Antherenstiel dicht
ĂĽberzogen ist, zum Verschluss. Mehrere solcher KlĂĽmpchen
habe ich aus den Tastern herausgenommen und unter dem
Mikroskop neben den Pollenkörnern immer mehr oder weniger
Antherenstielhaare gefunden.
Von mehreren Blüten habe icli die Staubgefässe alle ganz
weggenommen; die darauf ge!)rachten Weibchen legten ihre
Eier gleichwohl in den Fruchtknoten, und konnten dann die
Löcher niclit verstopfen. Nach kurzer Zeit sah ich schon mit
blossem Auge ein kleines, durchsichtiges Tröpfchen Saft heraus-
treten. WĂĽrde nicht die Oelfnung jedesmal dui'ch das Insekt
verschlossen, so mĂĽsste die Entwicklung des Samens gestiirt
>',erden und das Räupchen ktinnte nach dem Ausschlüpfen aus
dem Ei seine Nahrung nicht erhalten.
Beim Herauskralzen des Polleus durch die Motte werden
/.war ohne Zweifel öfters eine Anzahl Körner herunterfallen
und zufällig auf die Narben gelangen. Eine derartige Beför-
404
derung der Refruchtnng durch Insekten ist. vielfach bekannt.
Aber eine von Pflanzen ausschliesslich nur durch Insekten
verursachte Befruchtung ist meines Wissens noch nicht positiv
nachgewiesen; eine absichtliche aber, wenn man diese dafĂĽr
halten sollte, würde in's Reich der Fabeln gehören. Diese
Motte ist meines Erachtens also keine Pronuba, sondern eine
Corruptrix.
PerigonblĂĽte von Yucca.
Fig. 1. PerigonblĂĽte unmittelbar vor dem Oeffnen, beinahe
natürliche Grösse.
a Fruchtknoten.
l Griffel mit den Narben.
c Antheren den Pollen enthaltend.
d Antherenträger oder Stiele.
« Perigon.
Fig. 2, etwas vergrössert.
« Antherenstiel.
i Anthere.
c Antherenspalte, worin die Pollen liegen.
405
Fig. 3. Dnrc'hschnift der Frucht oder des Pistills. Vergrössert.
a Fruchtknoten.
1> Fächer, worin die Samen liegen, die an der Innen-Nath an-
gewachsen sind.
c Griffel, durch welchen die Verbindungsschläuche von den
Narhen aus an die Innen-Nath des Faches gehen.
d Narben als kleine Bläschen auf dem Griffel sitzend.
c Löcher, durch welche die Motte die Eier an den Fruchtknoten
legt.
Dallas, Texas, 14. Mai 1876.
J. Boll.
Anzeichnungen ĂĽber einige Coleoptera
Gordovana (Argentina).
Herr William Davis hat in dem Zeitraum von August
1871 bis März 1873 im Auftrage des Harvard College der
Universität Cambridge (Massachusetts) in der Umgegend der
ai'gentinischen Stadt (jetzt durch verdienstliche Anregung Bur-
meister's der Universität) Cordova Käfer gesammelt, und über
deren Fundort, Futterpflanzen, Erscheinnngszeit, Lebensweise
u. s. w. Bemerkungen notirt, welche theils neu sind, theils
wohl verdienen, als Fingerzeige fĂĽr Exploration der dortigen
Fauna in Erinnerung gebracht zu werden. Ich habe die mir
interessant dĂĽnkenden aus dem englischen Texte ĂĽbersetzt,
muss aber im Voraus bemerken, dass ich nicht sicher bin,
die Pflanzenbenennungen aus dei' mitunter nicht ganz deut-
lichen Handschrift richtig entziffert zu haben.
C. A. Dohrn.
Die Stefle, auf welcher ich für gewöhnlich Insecten sam-
melte, beginnt eine (engl.) Meile sĂĽdwestlich von dej- Stadt Cor-
dova bei dem National-Observatorium und erstreckt sich von
da etwas über eine Meile südlich und westlieh. Der grössere
Theil dieses Bezirks liegt 60 Fuss ĂĽber dem Thale des Flus-
ses Primero, wird aber durch tiefe Einschnitte unterbrochen,
die durch die heftigen Sturzregen im Sommer ausgewaschen
sind. Der Boden ist leicht und lehmig. Die Mehrzahl der
den Boden bedeckenden Gebüsche hat eine Höhe von vier bis
acht Fuss; die gewöhnlichsten darunter sind die „Jarilla^' und
die Varietäten des „Algarrobo".
406
Das riima sieht unverdient im Rufe «jiopser Dürre: im
Sommer vcn 1872 zu 1873 '') fielen schweie und lanije dauernde
Regengüsse. ••'•') Im Herbste ist es oft Avolkig mit viel leielitem
Rogen. Die Sommeriiitze ist selten intensiver als unsre grössto.
Im Winter bildet sich Nachts zuweilen Eis, das aber schon
frĂĽhmorgens schmilzt.
[Herr Davis hat die nun folgenden Noten auf die Num-
mern bezogen, mit welchen er die Species seiner Ausbeute
versehen hal. Die Bestimmung der so bezeichneten Arten
habe ich theils selber nach Anleit meiner Sammlung, theils
nach Auskunft meinei* darnach befragten, in einzelnen Gru})-
pen vorzugsweise bewanderten Freunde gegeben. Da mir
meistens mehr als ein Exemplar vorlag, mitunter sogar schätz-
bare Reihen, so darf ich annehmen, dass bei der Determina-
tion kein erheblicher lirthum vorgefallen sein wird. C. A. D.]
Stenodactylus (Eudinopus) dytiscoides Schreib.
Die Männchen kneten die Kothkugeln, rollen sie fünfzig
Fuss weit oder noch weite)', und scharren sie dann drei Zoll
bis zu einem Fuss tief ein. Ich habe wahrgenommen, dass
die Männchen eine Weile an der Stelle liegen bleiben, wo sie die
Kugel eingescharrt und mit lockrer Erde bedeckt haben. Bringt
man zwei zusammen, so kämpfen sie heftig mit einandei', und
versuchen es, mit ihren Vorderl)einen die FlĂĽgeldecken des
Gegners abzureissen. Sie fliegen gut und schnell.
'"') Die geehrten „Europäer" unter den Lesern werden durch
diese Bezeichnung daran erinnert, dass die Jahre&zeitcn jenseit des
Aequatoi's den iinsrigen diametral entgegengesetzt sind. Als ich um
Mitternacht — bei Tage wäre es kaum ausführbar gewesen — ■in der
Neujahrsnacht von 1835 zu 1836 in Rio de Janeiro einen Brief sehrieb,
beschränkte sich meine ganze Toilette auf eine baumwollene C'amisa.
und obendrein miisste ich nach je 10 ]\linuten Schreibens die rechte
Hand in eine SchĂĽssel mit Wasser tauchen . um ihre Transpiration zu
beseitigen. — Durch die stehende Wärme von einigen dreissig Grad
Reaumur von November bis P'ebruar war meine Epiderniis bereits so
verwöhnt, dass ihr im April 1836 die auf + 1'^'^ ge.sunkene Tempera-
tur fröstiich vorkam. C A. D.
**) Auch hier sei es mir vergönnt, eine persönliche Reminincenz
einzuflechten. l'nser hierlands ĂĽblicher, etwas hyj)erbolisclier Ausdruck
bei starkem Regen: „es giesst wie mit Kannen" passt oft genug auf
die Niederschläge bei tropischen (lewittei-n. Ich wohnte in Rio in
einem Gasthause in dei- Rua do Ou^idor. we'che wenig oder gar kein
Gefäll nach dem Hafen hat. Elin Freund, der mich Nachmittags be-
.suchte, war genöthigt, bei mir zu übernachten, denn nach dem
Gewitterregen, der von 3 bis 5 Uhr aus den ScUeuseu des Himmels
heruntergeprasselt war, stand das Wasser in der Strasse ĂĽber andert-
halb Fuss hoch und haUe sich erst am nächsten Morgen passirbar
verdunstet, C. A. D.
407
Eucraiiium arachnoides Rnille.
Diefr^c Käfef graben ihre, meist aus Viscaeha-Kotli gebil-
deten Kugeln einen Fiisis oder noch tiefer in trocknen Boden.
Legt man einen auf den RĂĽcken, so streckt er seine Hinter-
beine so weit als möglich von sieh, hebt den Kopf in die
Höhe und kommt so wieder ganz rasch auf die Beine. Das
wird ihm durch das kurze. Abdomen wesentlich erleichtert.
Canthon janthinus Blanch. var. melanocephalus Dej.
Recht häiiiig an warmen feuchten Tagen nach einenx
Regenguss. (^ft sieht man zwei oder drei Käfer dieselbe Koth-
kugel wälzen: jedoch rollen sie sie nur eine kui-ze Strecke,
ehe sie sie eingraben.
Bolbites onitoides Harold.
Diesen Käfer findet man häufig unter dem Koth von Haus-
thieren. Er macht schiefe Löcher, acht oder zehn Zoll lang,
niiect, unter dem Kothe. den er nicht in Ivugelform rollt,
sondern bloss in das Loch Ij-ägt mid dann mit zwei, drei Zoll
Erde ĂĽbei'deckt.
Phanaeus splendidiihis F.
Diese Art ist gemein unrl macht Löcher diiect unter
menschlichen Relicten.
Phanaeus Imperator Chevr.
Er wird in tiefen Lf'ichern unter derselben Materie nur in
den heissesten Tagen Decembers und Januars gefunden. Nicht
selten.
Oncideres impluviatus Germai'. (?)
[Unter diesem Namen wurde mir das Thier zugesandt:
ich kann es aber nicht fĂĽr die von Germar in den Tnsectorum
Species beschriebne Art halten, von der ich zwei mit der
Beschreibung vollkommen ĂĽbereinstimmende Exemplare aus
Montevideo besitze. Abgesehen von der legelmässigeren Rei-
henstellung der Fleckchen auf den FlĂĽgehU cken hat 0. implu-
viatus die von Germar angegebnen zwei grossen weissen Flecke
auf der Unterzeite der Brust, .und von diesen ist bei der
grossen mir voi-liegenden Zahl der Cordovaner Art auch keine
Spur zu sehen. Vielleicht ist es 0. Germari Thomson, was
ich nicht constatiren kann, weil mir dessen Beschreibung nicht
vorliegt. Jedenfalls ist die Art dem impluviatus sehr nahe-
stehend, und ihre Lebensweise wird eine ganz älinliche sein. D.
Davis bemerkt dazu:]
408
Diese Art erscheint von Neujahr bis Anfang März an den
Algarrobo-BĂĽsehen, und gleicht der Farbe ihrer Rinde. Die
Eier werden während des Januar gelegt und die Larven
kriechen nach etwa zwei Wochen aus. Den Cocon findet man
Anfang Decembers. Das Weibchen schneidet eine kleine Quer-
grube in die Rinde, bis das innere Holz bloss liegt, und schiebt
dann das Ei unter die Borke (ich glaube allezeit gegen die
Zweigspitze hin). Zehn bis zwanzig Eier werden an einen
Zweig gelegt, welcher dann beinah oder gänzlich durch einen
Einschnitt unter dem am niedrigsten gelegten Ei gekappt wird.
Solchergestalt werden Zweige von i|4 bis zu 1 Zoll Durch-
messer zum Absterben gebracht. Manche Eier liefern keine
Larven. Den Larven wird von einem Ichneumoniden und
einem ganz kleinen Parasiten nachgestellt: von letzterem leben
bisweilen 20 und mehr Individuen in einer einzigen Larve;
man findet ihre Cocons im Cocon des Wirthes. Ein Zweig,
aus welchem sich vollkommene Imagines dieses Oncideres ent-
wickeln, besteht dann in der Regel nur noch aus der blossen
Rinde.
Clytus spinifer Newm. (nebulosus Lap. Gory).
Die Larve lebt in Algarrobo-Bäumen; oft kriechen die
Käfer aus den Haufen Brennholz in der Stadt aus und schwär-
men um die Dämmerungsstunde.
Orion patagonus Gner.
lebt in den Algarrobo-Bäumen und ist ein Nachtthier.
Dorcacerus barbatus Oliv.
entwickelt sich in demselben Baume, fliegt bei Tage und ist
sehr gemein. [Ich erinnere mich noch sehr wohl, mit welchem
Behagen ich diesen ansehnlichen Bock auf einer Excursion
bei Rio fing; die goldnen Borten seines matt purpurnen Fracks
sind ebenso original, wie sein gelbseidner Bart, in den das
ganze Gesicht vergi-aben ist, und der mich auf der Stelle an
Bottom's ergötzliche Costum -Bedenken im Midsummernights
dream erinnerte, ob er den Pyramus ,,in either your straw-
coloured beard, your orange-tawny beard, or your perfect
yellow" spielen .soll. Leider dehnt sich sein Vorkommen ĂĽber
das ganze tropische und subtropische Südamerika östlich der
Cordilleras aus, und sein Exterieur distinguc kann ihm die
..Geringschätzung wegen gemeinen Auftretens^' nicht abwenden.
D.]
409
Oxymerus pallidulus Burm.
vom „Piquilliii".
Mallodon bonariensis Thoms.
von der lombardischen Papjjel, welche zahlreich im Thale
wächst. Nachtthier.
Naupactus sulfureosignatus Blanch.
Frische Exemplare haben glänzend gelbe Pubescenz auf
<ier Vorderseite des Thorax und längs der Sutur der Elytra,
welche sich leicht abreibt und im Alcohol fast vei-geht. Die
Art ist häutig auf Algarrobo und Jarilla.
Naupactus leucoloma Schönh.
Pantoinorus n. sp. elegans Dhn. coli.
beide häutig auf Klee (Lucerne) in der Nahe des Observatoriums.
Cratosomus Latreillei Lacord. Dej. cat.
eine auf den Algarrobo-BĂĽsclieu gemeine Art, welclie die Rinde
in den Knoten der Gelenke frisst.
Cratosomus sp. (lenis Dhn. coli.)
[Bekanntlich hatte Lacordaire fĂĽr den Grrafeii Dejean in
Tucuman gesammelt und hatte ihm auch diese, der vorigen
allerdings ziemhch ähnliche, aber nicht bloss durch die Klein-
heit (weniger als halb so gross), sondern aucii durch Sculptur-
differenz abweichende Art mitgebracht. Roelofs, jetziger Be-
sitzer der Dejean'schen Curculioniden, fand sie darin mit
Latreillei zusammengesteckt, ist, aber meiner Meinung, dass es
eine besondere Art ist. Damit stimmt auch die Notiz von
Davis ĂĽberein, dass sie nicht wie die vorige an Algarrobo,
sondern last immer auf Jarilla gefunden wird.]
Conotrachelus pullus Dej. cat.
war nie bei Tage zu sehen, kam aber häufig Abends geflogen,
wenn Licht angezĂĽndet war; stridulirt mit dem Abdomen gegen
die Elytra.
Centrinus sanguinicollis Schönh.
lebt auf Polello. Zwei andere Centrinus-Arten auf Selva del
campo, eine dritte ausschliesslich auf einer Asciepias.
Apion sp. (alpha Dhn. coli.)
wurde in tdten Gallen am Cliafiar angetroffeM.
410
Bruchus, zwei Sj).
waren sehr gemein in den HlĂĽlen und Samenkapsein des
Retamo. Viele von ihnen lallen einem Ohaleiditen zum Opier.
Die Larve des Käfers höhlt zwei odei' drei Samen aus und
hüllt sie gemeinsam in eine Röiire von zusammengeklebtem
Wurmmehl vor der Verwandlung. Zwanzig und mehr Samen
linden sich in einer Schote und öfters triH't man in einer ein-
zigen beide Aiten Bruchns saninit ihren Parasiten.
Psiloptera plagiata Cast. GorA .
Diesen Piachtkäfer (und noch zwei andre, weniger häulige
Arten) findet man an Algarrobo-BĂĽschen. Wenn man ihnen
nahe koniml , huschen ,sie eiligst nach der abgewendeten Seite
des Zweiges, woran sie sitzen. [Psil. plagiata, von welcher
mir eine reiche Zahl vorliegt, vai-iirt nicht nur bedeutend in
der Grösse, von 15 bis zu 27 Millimeter, sondern auch
in der grcibern f)der geringeren Sculptur und Punktirung, so
dass es durchaus verzeihlich wäre, aus den kleinsten, fast
cylindrischen, roth gerä)iderten und den grössten tlachbreiten,
bleifarbig eingefassten Exemplaren zwei Arten zu machen,
wenn nicht alle Uebergänge vorlägen.] D.
Castalia (Hvperantha) stigmaticollis Desmarets.
Diese Art ist häutig auf den gelben Blüten des Retamu
und hat dieselbe brillante Färbung, die aber durch Alkohol
sehr geschädigt wird. Sie ist ziemlich träge und schwerbeweglich.
Anthaxia sp. (tuniidula Dliu. coli.)
Diese und ähnliche kleine Arten lindet man, aber nur,
wenn die Sonne scheint, an kleineu t'acteen: i^ie sind ins-
gesamn)t sehr tlĂĽchtig.
Pyrophorus punctatissimus. Hlaneh.
Die Eingeborneu nennen ihn Juco. Ich ting ihn Nachts
durch das Herumschwingen einer glĂĽhenden Kohle. Ich konnte
mich seiner als Lampe bedienen, wenn ich Nachts die Theil-
zahlen eines aequatorialen Telescops ablesen Avollte: seine
Leuchtbläschen reichten dazu vollkommen aus.
Callirhipis sp. (liegt mir nicht vor. D.)
. Nur bei Soconcho an „Vara de San
Pilanze dem ,,Iron weed'' ähnlich gefunden. Obwohl dieselbe
bei Cordova recht
nie duiuul" iindeu.
Selten. Nur bei Soconcho an „Vara de San Jose", einer
:ej
bei Cordova recht liäulig wuchs, konnte ich hier das Thier
il 1
Astylus interruptus Gerniar.
Au warmen, sonnigen Tagen im September und Oetohev
häuKg auf den Blüten des Piquillin.
Arthrobrachus sp. vacillans Dhn. coli.
Gemein iuif den BlĂĽten eines kleineu ('actus und des
Ret am 0.
Cantharis sp. zebra Dhn. coli.
Diese schöne, gleichmässig grau und schwarz gestveitle
;■Art, lebt auf Retamo. Sie ist träge und lässt sich bei der
leisesten BerĂĽhrung sofort auf die Erde fallen. Nimmt man
sie in die Hand, so sondert sie aus den Spitzen der Femora
eine gelbe FlĂĽssigkeit ah.
Epicaiita atomaria Germ,
lebt auf Retamo.
Tetraonyx sp. ridens Dlui. coli.
Auf den BlĂĽten eines Cactus.
Megalostomis gazella Lacord.
Lebi auf Chanar.
Megalostomis histrionica Harold, Cosciiioptera tibialis Harold,
Cosc. sp. Eris Dhn. coli., Dachrys manca Harold, D. gracilis
Haiold. Stereoma laevicollis Haiold, Urodera hamatifera Harold,
Ur. Bergi Haiold
leben sämmtlich auf Büschen von Algavrobo.
Stereoma Biirmeisteri Haiold
auf Jarilla; macht ^ellen nur Versuch, davon zu iliegen.
Chlamys >p. der apricaria Lac. ähnlich, aber ausreichend
verschieden, aenigma Dhn. coli.
iindet man auf Retamo, dessen vertrockneten Knospen sie
ziemlieh ähnlich ist. ' \A'enn ersciireckl, lä.>st sie sich fallen
und ilieoi davon.
412
Bei folgenden Arten werden nur die Futteipflanzen an-
gegeben :
Chalcophana sp. (die angegebne Determination gemma Perty
ist irrig) auf Selva del campo; Plagiodera erythroptera Blaneh.
auf einer Weide; eine Lisonycha in den BlĂĽten der Platt-
Rebe (^^quash-vine), eine andere auf Hollunder, eine dritte
auf der Passions-Rebe (passion-flower vine); auf letzterer
leben auch zwei Arten Cacoscelis und Diphaulaca cordovana
Harold, während Diph. angularis Harold auf dem „Quebra-
rado" (sie) anzutreten ist. Vier Arten Poecilaspis, bonarieiisis
Bob., cancellata Bob., lĂĽ-pustulata Bob. und I2-verrucata
Bob. leben auf dem „Squasb'S ebenso Epilachna paenulata
Germ., während Eriopis connexa Germ, den Retamo bevor-
zugt.
Schliesslich bemerkt Herr Ăśa\is noch ĂĽber den viellacb
variirenden Clavicorn Camptodes vittatus Er., dass derselbe in
den Blüten des „kleinen Cactus'-' lebt, sehr scheu ist und es
liebt, sich in die Blumenblätter zu verkriechen, um dann auf
die Erde zu fallen.
Ueber das Vorkommen der gleichfalls von ihm gesam-
melten Carabicinen, des seltnen Calosoma armatum Dej., des
prachtvollen Eurjsoma festivum Dej. und des ansehnlichen
Prioniden Calocomus Desmaiesti Guer. fehlen zu meinem Be-
dauern alle Andeutungen.
C. A. Dobrn.
413
Zusätze und Bemerkungen zu der Ueber-
siclit der europäischen Arten des Genus
Iclmeumon,
vide Eilt. Zeit. (1873) XXXIV. S. 345, (187G) XXXVII. S. 273,
vom
Oberforstmeister Tisclibeln in Eutin.
(Scliluss.)
Wenn ich nun nach.stehend den Veisueh mache, die Arten
I 'cser Section in einer analytischen Reihenfolge zusammen zu
stellen, so muss ich um nachsichtige Beurtheilung bitten, zu-
mal ich nicht alle Arten vor mir habe, und die grosse Aehn-
lichkeit vieler Arten die Sache schwierig macht. Es soll diese
mĂĽhsame Arbeit aucli nur dazu dienen, die Bestimmung inso-
weit zu erleichtern, als auf eine kleinere Anzahl von Arten
hingewiesen wird, unter denen dann der Suchende die specielle
Beschreibung nachzusehen hat, um sich Gewissheit zu ver-
öciiaflen.
Beide Geschlechter in einer Tabelle zusammen zu lassen,
ist nicht wohl thunlich, und es wird das Auffinden sehr er-
leichtern, wenn die Geschlechter getrennt behandelt werden.
Tabelle zur Bestimmung der Männchen der Sect. 4. T.
i^Divls. 2. W. — Sect. 3. II.j
I. Hinterschenkel roth oder gelb.
A. Hinterleib schwarz.
A. Scutellum schwarz cessator. ,^ MĂĽller.
12-15 mm.
melanosomus. ,^ W.
12 — 14 mm.
B. Scutellum weiss quadrialbatus. ,j^ W.
10-12 mm.
quacsitorius. ,^ W.
12 — 15 mm.
27
414
B. Die mittleren Hinteileibssegmente
schwarz und gelb saicitorius. ^ W.
10-12 mm.
xanthorius. r^ Kriechb.
10—19 mm.
Lichtensteini. ^ Tisch b.
14 mm.
bellipes. ,^ W.
15 — 17 mm.
C Die mittleren Hinterleibssegm. gelb.
A. HinteihĂĽften mit wei.'^sem Fleck grossorius. (^ W.
20-22 mm.
tlavifemur. r^^ Tischb.
13 mm.
B. HinterhĂĽften schwarz, ohne weisse
Flecke.
ĂĽ. Segment 7 schwarz. croceipes r^ W.
12-19 mm.
ö. Segment 7 mit weissem Fleck venustus. (^ Tischb.
11-12 mm.
Ăś. Die mittleren Hinterleibssegmente
roth insidiator. ,^ Tischb.
11 mm.
septentrionalis. ,^ H.
12-18 mm.
II. Hinterschenkel schwarz.
A. Hinterleib schwarz.
A. Sentellum weiss oder mit weissem
Fleck.
((. Endsegmente des Hinterleibes mit
weissem Fleck.
a. FĂĽhler weiss geringelt Maeklini. ,^ H.
12-14 mm.
Huglandi. ,^ H.
12 — 16 mm.
Ăź. FĂĽhler nicht weiss geringelt â– perfidus. ,^ Tischb.
IG mm.
0- Endsegmente des Hinterleibes
nicht weiss gefleckt.
«. Hintertibien weiss geringelt- • •computatorius. ,^ var. W.
12-18 mm.
multiannulatiis. rj Gr.
12 — 10 mm.
edictorius. ,^ L. 12 mm.
415
ß. Hintertibien ganz schwarz • • • • languidus. (^ W.
15 — 19 mm.
B. Scutellum schwarz vafer. (^ Tischb.
13 mm.
B. Hinterleib schwarz, die mittleren
Segmente gelb oder roth.
A. Scutellum weiss oder weissgelb.
1. Hinterleibssegmente 2 bis 6 gelb.
a. Coxen schwarz divergens. ,^ H.
16-20 mm.
b. Coxen gelb ochraceus. ^ Tischb.
18 mm.
2. Hinterleibssegm. 2 bis 3 (4) gelb.
a. Die Segmente 2 u. 3 mit schwar-
zer Zeichnung.
a. Hinterrand des Segmentes 2
breit schwarz bisignatus. (^ Gr.
18-19 mm.
Ăź. Vorderrand des Segmentes 3
schwarz.
X Diese schwaize Zeichnung
besteht in einer schwarzen
Linie stramentarius. ^^ Tischb.
14 — IG mm.
(noch nicht beschrieben.)
terminatorius. ,j H.
12 — 18 mm.
nemorahö. (^ Tischb. var.
13-18 mm.
zonalis. ^ W.
8 — 9 mm.
X X Diese schwarze Zeichnung
besteht in einer nicht ab-
aekĂĽrzten schwarzen Linie,
auch sind gewöhnlich noch
sonstige schwarze Zeich-
nungen auf Segment 2 und
3 vorhanden molitorius. ,^. H.
12 — 18 mm.
y. Vorderrand des Segmentes 2
und Einschnitt zwischen Seg-
ment 2 und 3 schwaiz, Seg-
ment 1 in den Hinterecken
mit rundem, gelbem Punkt- bjevi^^. S'^ Tischb. il Mim.
27^^
416
b. Segment 2 und 3 (4) gelb,
ohne schwarze Ze'chnung.
a. Hintcrvand des Segmentes 5
breit und Segment 6 und 7
ganz weiss jucundus. ,^ Tischb.
9 mm.
Ăź Segment 7 mit gelbem Fleck
an der Valve mellinurus. (^ W.
11 — 13 mm.
y Segment 5 bis 7 schwarz.
X Segment 2, 3, 4 gelb strangulator. rj Tischb.
20 mm.
nemoralis. r^ Tischb.
13-18 mm.
vivacior. ^ Tischb.
7 — 13 mm.
gracilentus. ^ var. W.
10-12 mm.
X X Segment 2 und 3 gelb
(4 mitunter theilw. gelb).
" Segment 3 etwa so lang als
breit, also quadratisch oder
fast quadratisch terminatorius. ^ W.
12-18 mm.
giacilentus. ^ W.
10 — 12 mm.
tompestivus. f^ H.
10—12 mm.
luctatorius. ^ L.
12 — 16 mm.
confusorius. ^ H.
12 — 14 mm.
bucculentus. ,^ W.
12 — 18 mm.
suspieiosus. ^ H.
12 — 18 mm.
inquiuatus. ^ W.
11 — 14 mm.
oblongalus. ,^ Tischb.
15 mm.
417
öo Segment 3 entschieden brei-
ter als lang emancipatus. o H-
10—12 mm.
rugosus. ,^ Tischb.
8 mm.
caloscelis. ,^ W.
10-12 mm.
guttatus. ,^ Tischb.
7 mm.
000 JVIir unbekannt • • tubercuhpes. ,^ W.
18 mm.
albicollis. ,^. W.
13 — 16 mm.
thulensis. ,^ Riithe.
13 — 15 mm.
3. Hinterleibssegmente 2 bis 3 bis
7 roth oder gelbroth.
a. Segment 2 bis 4 bis 7 gelbroth,
Anus ohne weisse Flecke • • • • horridator. ,^ Ziegler.
20 mm.
ö. Segmente (1) 2 bis 3 bis 5
blutroth. Anus weiss punctus. (J Gr.
11 — 13 mm.
c. Segment 2 bis 3 roth.
a. Segment 3 mit schwarzem
Vorderrand.
X Anus ohne weisse Flecke ■• balteatus. ,^ W.
= zonellus H.
10—11 mm.
X X Anus mit weissen Flecken caedator. t^ Tischb.
11 mm.
decipiens. r^ H.
8—10 mm.
Ăź. Segment 3 ohne schwarzen
Vorderrand.
X Segment (6) 7 mit weissem
Fleck obsessor. ,^ W.
13—15 mm-,
septemguttatus. ,^ Gr.
13 mm.
gracilicornis. ,^ W.
12 — 16 mm.
X X Endsegmente ohne weissen
Fleck.
418
^ Segment 3 etwa so lang als
breit, also quadratisch oder
fast quadratisch.
""' Gastrocälen und Nadelrisse
sehr stark computatorius. ^ W.
12—18 mm.
"* Gastrocälen und Nadel risse
nicht sehr stark gradarius. ,^ H. = frac-
torius. r^ W.
12 — 16 mm.
suturalis. (^ H.
8—9 mm.
vicinus. ,^ H.
10-12 mm.
^^ Segment 3 breiter als lang gracilicornis. ,j var. W.
12-16 mm.
hircinus. ,^ H.
8—9 mm.
raptorius. ,^ H.
7 — 10 mm.
sculpturatus. rj H.
8—10 mm.
insidiosus. ,^ H.
9—12 mm.
proletarius. i^ W.
7 — 8 mm.
4. Segment 2 und 3 schwarz mit
rothen Zeichnungen.
a. Segment 2 dunkelbraun geran-
det mit rothen Hinterwinkeln;
Segment 3 an den Seiten dun-
kel rothbraun, am Hinterrande
heller, Segment 4 am Hinter-
randc verblichen rothgelb • • • • submarginatus. ,^
($ Gr.— W.=subrep-
torius. H.)
10—14 mm.
6. Segment 2 hinten rostfarben.
Segment 3 mit 2 rostfarbenen
Flecken piceatorius. .^. Gr.
18 mm.
//. Scutellum mit gelbem Punkt,
Hinterschenkei an der Basis gelb velatus. ,J W.
11-13 mm.
41*)
f. Sciitelliim schwarz oder roth.
1. Antennen weiss geringelt.
a. Hinterleibssegmente 1 bis 3 ganz
gelb fluvipetiolus. ,^ Tischb.
13 mm.
b. Hinterleibssegmente 2 bis 3 roth-
braun auxifer. ;^ Tischb.
14 mm.
2. Antennen nicht weiss geringelt.
a. Antennen auf der Unterseite
roth oder rothgelb.
a. Hinterleibssegmente 2 bis 4
roth latrator. ,^ H.
5 — 7 mm.
Ăź. Hinterleibssegmente 2 bis 3
roth incomptus. .^ H.
5 — 7 mm.
y. Hinterleibssegmente 2 und 3
roth mit schwarzem Fleck • • simulans. ,^ Tischb.
6 mm.
b. Antennen ganz schwarz.
a. Hinterleibssegmente 2 bis 4
roth delator. ,^ W.
10 mm.
Ăź. Hinterleibssegment 1 an der
Spitze roth, 2 und 3 roth mit
schwarzen Flecken, 4 schwarz
mit rothem Hinterrand, Scu-
tellum mitunter mit rothem
Fleck an der Spitze versiitus. ,^ H.
9 — 10 mm.
y. Hinterleibssegmente 2 bis 3
roth.
t Stigma schmutzig rothgelb • • manicatus. ^ H.
10-12 mm.
tt Stigma dunkelbraun. Scutel-
lum mitunter mit rothem Fleck
an der Spitze stigmatorius. ^ Zetters.
7 — 12 mm.
ttt Stigma schwarzbraun. Scu-
tellum mitunter nwt rothem
Fleck an der Spitze vulneratorius. S ^•
7 — 8 mm.
420
Tabelle zur Bestimmung der Weibchen der Sect. 4. T.
(Divib. 2. W. - Scct. 3. H.)
Subdiv. 1. Antennen fadenförmig, stark
oder am Ende ein wenig zugespitzt.
I. Sc'utellum weiss odei- gelblich (nur
ausnahmsweise schwarz).
A. HinterhĂĽften mit BĂĽrste.
A. Tarsen nicht verbreitert.
1. Hinterschenkel schwarz.
a. Die hinteren Tibien an der Ba-
sis weiss oder hellgelb.
a. Segment 7 mit weissem Fleck multiannulatus. $ H.
12 — 16 mm,
Ăź. Segmente 5 bis 7 mit weis-
sem Fleck,
t Gesicht ohne weisseZeichnung molitorius. $ L.
12-18 mm.
ttt Gesicht mit weissem Augen-
rand, Clypeus mit weissen
Flecken an den Seiten • • • • holsaticus. $ Tischb.
14 mm.
b. Die hinteren Tibien an der Ba-
sis röthlich.
a. Hinteileibssegmente 2 und 3
schwarz oder zum Theil dun-
kelbraun computatorius. $ M.
12—18 mm.
Ăź. Die Hinterleibssegmente 2 und
3 roth.
t Halskragen oben weiss albicoDis. $ W.
11 — 13 mm.
tt Haikragen oben nicht weiss.
X Hinterhüften mit Bürste • • retractus. $ Tischb.
11-12 mm.
X X HinterhĂĽften mit Tuberkel cerebrosus. $ W.
11 — 12 mm.
y. Die Hinterleibssegmente 2 bis
7 kastanienbraun diversor. $ W.
18 mm.
C. Die hinteren Tibien breit stroh-
gelb oder gelb.
o. Segment 2 und 3 gelb stramentarius. $ Gr.
13-18. mm.
421
Ăź. Segment 2 und 3 loth.
t FĂĽhler vor der Spitze stark- crasbicornis. $ Tischb.
0 mm.
ft FĂĽhler vor der Spitze nicht
ungewöhnlich stark confusorius. $ Gr.
12 — 14 mm.
retectus. $ Tischb.
8 mm.
d. Die hinteren Tibien schwarz •■cuneatus. $ Tischb.
12 mm.
2. Hinterschenkel rotli mit schwar-
zer Spitze sarcitorius. $ L.
10 — 12 mm.
B. Tarsen verbreitert gradarius. $ W.
12 — IG mm.
thulen.sis. $ Ruthe.
10-12 mm.
B. HinterhĂĽften ohne BĂĽrste.
A- Hinterschenkel schwarz oder zum
grössten Theil schwarz.
1. Der Rand der "Wangen unten
an der Basis der Mandibeln ver-
breitert u. etwas zurĂĽckgebogen.
a. Hintertibien an der Basis hellgelb.
a. Segment 5 bis 7 mit weissem
Fleck suspiciosus. $ W.
12-18 mm.
Ăź. Segment 6 und 7 mit weissem
Fleck mordax. $ Kriechb.
12 mm.
ö. Hintertibien an der Basis roth.
a. Die Flecken auf den letzten
Hinterleibssegmenten bläulich -
weiss glaucus. $ Tischb.
12 mm.
Ăź. Die Flecken auf den letzten
Hinterleibssegmenten weiss,
t Postpetiolus sehr schwach na-
delrissig, Segment 1 roth • ■• rufigena. $ Kriechb.
1 1 mm.
ft Postpetiolus stärker nadelris-
sig, Segment 1 schwarz.
422
X Segment 3 an der Basis
ohne schwarze Binde • • • • bueculentus. $ W.
12 — 18 mm.
gracilentus. $ W.
10-12 mm.
vicinus. $ H.
10-12 mm.
X X Segment 3 an der Basis
mit schwarzer Binde • • • decipiens. ^ H.
8-10 mm.
(caedator. $ H. ?)
2. Der Rand der Wangen unten an
der Basis der Mandibeln nicht
verbreitert und zurĂĽckgebogen.
a. Hintertibien hellgelb oder weiss-
gelb.
a. Segment 3 mit schwarzem
Vorderrand terminatorius. $ Gr,
12-18 mm.
/S. Segment 3 ohne schwarzen
Vorderrand.
t Antennen stärker als gewöhn-
lich .• • • validicornis. $ H.
10-12 mm.
ft Antennen nicht stärker als
gewöhnlich.
X Segment 1 roth oder roth
mit schwarzem Stiel vivacior. $ Tischb.
7-10 mm.
X X Segment 1 schwarz.
-|- Segment 2 und 3 kastanien-
braun melanotis. $ H.
14 — 16 mm.
— — Segment 2 und 3 roth • tempestivus. '^ H.
10-12 mm.
b. Hintertibien an der Basis roth,
gelbroth oder braunroth.
a. Hintertibien braunroth, Seg-
ment 2 und 3 entw. schwarz
oder braunroth inquinatus. $ W.
11 — 14 mm.
decurtatus. $.
11 — 13 mm.
423
Ăź. Hintertibien roth. Segment 2
lind 3 roth.
t Segment 1 roth.
X Mesonotum i-oth ruticolhs. 2 H.
10-13 mm.
XX Mesonotum schwarz- ••• multipictus. $.
6 — 7 mm.
tt Segment 1 schwarz aries. ,9 Kriechb.
11 — 12 mm.
luctatorius. $ H.(nonW.)
12-16 mm.
albiger. $ W.
10—12 mm.
firmipes. $.
9—10 mm.
obliteratus. $.
9 mm.
c. Hintertibien schwarz majusculus. $ Tisehb.
17 mm.
B. Hinterschenkel schwarz, aus-
nahmsweise roth.
1. Segment 1 bis 3 roth proletarius. ^ W.
7 — 8 mm.
2. Segment 2 bis 3 roth caedator. $ Gr.
9—11 mm.
C. Hinterschenkel roth.
1. Segment 1 bis 3 roth gratus. '^ W.
8 mm.
2. Segment 2 bis 3 i-oth.
a. Segment 6 und 7 mit weissem
Fleck rarus. l^. Tisehb.
10 mm.
/). Segment 5 bis 7 mit weissem
Fleck septentrionalis. '^ H.
12—18 mm.
subalpinus $ H.
14 mm.
D. Hinterschenkel gelb indiscretus. $ W.
13 mm.
U. Scutellum schwaiz oder roth oder
roth gezeichnet.
A. Hinterschenkel roth oder roth mit
schwarzen Knien
424
A. Soutellum rotli Thomsoni. $ H.
12-18 mm.
Ăź. Scutellum schwarz.
1. Segment. 2 und 3 roth nemorator. $ W.
7 mm.
2. Segment 1 bis 3—4 — 5 roth- -latrator. $ W.
5 — 7 mm.
B. Hinterschenkel schwarz (mitunter
am Grunde roth).
A. Segment 2 und 3 roth incomptus. $ H.
5 — 7 mm.
B. Segment 1 bis 3 roth.
1. Scutellum loth (var. schwarz) • perhicmatus. $ Tischb.
11 — 12 mm.
2. Scutellum schwarz alpestris. $ H.
5 — 7 mm.
spurius. $ W.
5 mm.
analis. $ W.
7 — 9 mm.
C. Hinterschenkel gelb luteipes. $ W.
13 mm.
Subdiv. 2. Antennen borstenförmig.
I. HinterhĂĽften mit Tuberkel oder BĂĽrste.
A. Hinterschenkel schwarz tuberculipes. $ W.
12 mm.
B. Hinterschenke] roth oder grössten-
theils roth.
A. Segment 2 und 3 roth, Segm. 3
mit schwarzem Vorderrand • • • »balteatus. $ W.
IC — 11 mm.
B. Segment 2 und 3 schwarz • • • • corniger. $ Tischb.
17 — 18 mm.
II. HinterhĂĽften ohne Tuberkel oder
BĂĽrste.
A. Hinterleibssegmente 2 bis 3 bis 4
roth oder gelbroth.
A. Scutellum gelb oder weiss.
1. Gastrocälen ziemlich gross, der
zwischenliegende Raum schmäler
oder so breit als das Mittelfeld
des Postpetiolus.
a. Hinterschenkel schwarz.
425
a. HinterhĂĽfteii mit gelbem Fleck grossorius. $ F.
20-22 mm.
Ăź. HinterhĂĽften ohne gelb. Fleck,
f Segment 2 bis 4 roth, 5 bis
7 schmutzigroth diveigens. $ H.
16 — 20 mm.
ff Segment 2 mit biaungelben
oder rothen Flecken, Seg-
ment 3 schwarz didymus. $ Gr.
18 mm.
Itt Segment 2 und Seiten des
Segmentes 3 roth immisericors. $ Tischb.
16 mm.
Ittt Segment 2 und 3 gelb mit
gelbrothen Vorderi-ändern silaceus. $ Gr.
9 — 11 mm,
ttttt Segment 2 und 3 roth.
X Segment 4 bis 7 mit weis-
sen Flecken emancipatus. $ W.
10-12 mm.
X X Segment 5 bis 7 mit weis-
sen Flecken suturalis. $ H.
8 — 9 mm.
ö. Hinterschenkel roth (ausnahms-
weise schwarz) gracilicornis. $ Gr.
12 — 16 mm.
bellipes. ? W.
17—19 mm.
2. Gastrocälen klein, der zwischen-
liegende Raum breit, wenigstens
breiter als das Mittelfeld des
Postpetiolus.
((. Hinterschenkel roth.
a. Antennen schwarz und weiss •erythromerus. 2. W.
13 mm.
ß. Antennen dreifarbig« ■eumerus. $ W.
8 mm.
b. Hinterschenkel schwarz.
a. Hinterschienen gelb caloscelis. $ W.
ß. Hinterschienen roth. 10—12 mm.
•[• Fühler meistens 3-farbig, roth,
weiss und schwarz.
426
X Segment 1 am Hinteirande,
2 und 3 ganz und Segni. 4
am Vordenande rotli • • • • rufolineatus. $ H.
9 mm.
XX Segment 2 und 3 voth iiiptorius. $ L.
7 — 10 mm.
exilicoruis. $ W.
7 — 8 mm.
insidiosus. $ W.
9-12 mm.
9-albatus. $ Kriechb.
10 mm.
hircinus. $ H.
8—10 mm.
sculpturatus. $ H.
8—10 mm.
tt FĂĽhler meistens zweifarbig,
schwarz und weiss.
X Segment 1 bis 3 dunkelbraun punctus. $ W.
10-12 mm.
X X Segment 1 bis 3 roth • • rutidens. f W.
8 mm.
XXX Segment 2 bis 3 roth.
" Segment 3 an der Basis
schwarz zonalis. $ Gr.
8 — 9 mm.
^'^ Segment 3 an der Basis
nicht schwarz.
^ Segment 6 und 7 mit weis-
sem Fleck phaeostigmus. $.
10 — 12 mm.
8** Segment 5 bis 7 mit weis-
sem Fleck.
(X Segment 2 und 3 roth medialis. $ W.
10—12 mm.
oo 30 Segment 2 und 3 kasta-
nienbraun, Seut. flach obsessor. $ W.
13—^14 mm.
ttt FĂĽhler zweifarbig, schwarz
und roth intricator. $ W.
5 — 6 mm.
427
y. Hinterschienen schwarz, selten
voth obscuripes. $ H.
10-12 mm.
melanobatus. $ (Gr.) W.
16 — 17 mm.
B- Scutellum ganz schwarz oder röth-
lich, zuweilen schwarz und an der
Spitze roth oder rothbraun.
1. Antennen ganz schwarz Fabricii. $ Schrank.
7 mm.
2. Antennen 2- oder 3-farbig.
a. Segment 7 mit weissem Fleck polyonomus. $ W.
7 — 8 mm.
b. Segment 6 und 7 mit weissem
Fleck.
a. Hintertibien gelbroth stigmatarius. $ Zetterst.
7 — 12 mm.
Ăź. Hintertibien roth.
t Segment 1—3 kastanienroth versutus. $ H.
9-10 mm.
tt Segment 1 — 3 roth, Meso-
thorax mit rothem Fleck- -vuJneratorius. $ Zetterst.
7 — 8 mm.
ttt Segment 2 und 3 loth • • -manicatus. $ H.
10-12 mm.
B. Hinterleibssegmente 1 bis 3 oder 7
gelb oder gelb gezeichnet.
A- Beine schwarz und gelb xanthorius. $ Forster.
12 — 17 mm.
/?. Beine schwarz und i'oth sexcinctus. $.
W — 13 mm.
C. Hinterleib schwarz, die Segmente
2 und 3 selten bräunlieh.
A. Hinterschenkel roth oder doch in
grosser Ausdehnung roth.
1. Scutellum schwarz cessator. $ W.
12-15 mm.
2. Scutellum weiss melanosomus. $ H.
12-14 mm.
quadriiilbatus. J Gr.
8—12 mm.
quaesitorius. J L.
12 — 15 mm.
428
/i. Hinteischenkel schwarz oder doch
grösstentheils schwarz Mäkhni. $ H.
12 — 14 mm.
laugiiidus. $ W.
14 mm.
siibmarginatus. $ Gr.
= subreptorius. H. W.
10—14 mm.
Haglundi. $ H.
12 — 16 mm.
trimaculatus. ^Taschenb.
12 mm.
Nochmals muss wiederholt werden, dass diese Tabellen
mir einen Anhalt, eine Erleichterung bei der Bestimmung
geben sollen. Wer sich länger mit den Ichneumonen beschäf-
tigt hat, wird wissen, wie schwankend manche Kennzeichen
sind. Die Uebergänge von iadenHirmigen zu borstenförmigen
Antennen, indem die fadenförmigen Antennen nach dem Ende
hin etwas spitzer werden, oder die Uebergänge von der star-
ken BĂĽrste an den HinterhĂĽften zu einer schwachen, oder zu
einer geringen Anhäufung von Haaren an der Stelle, an wel-
cher die BĂĽrste zu .stehen pflegt u. s. w. verwischen die
scharfen Grenzen. Bei den Farben sind die Uebergänge be-
kanntlich noch viel häufiger. Die Grösse habe ich, da sie
einigen Anhalt bietet, in Millimetern angegeben.
Die in der Tabelle aufgefĂĽhrten neuen Arten, welche mit
Kriechb. bezeichnet sind, wurden von Prof. Kriechbaumer in
MĂĽnchen aui'gefunden; derselbe wird sie in dem Correspondenz-
blatte des zoologisch-mineralogischen Vereins in Regensburg
beschreiben. Diese Arten haben mir zur Ansicht vorgelegen.
429
Neue Staphylinen,
beschrieben
von Dr. Ed. Eppelslieiiti in GrĂĽnstadt.
Bolitochara Brucki nov. »p.
Nigra, nitida, subtiliter griseo-pubescens, pedibus piceis
thorace elytrisque parcius fortiter punctatis, abdomine fere
laevigato. Long, l^/o ĂĽ"-
Mas: Abdominis segniento sexto dorsali posterius parce
fortiter granulato, medio tuberculo majore ornato.
Durch ihre gleichmässig tiefschwarze Färbung vor allen
übrigen Arten gekennzeichnet, von stari<em Glänze des ganzen
Körpers, welcher durch die nur massig dichte und feine grau-
gelbe Behaarung in nichts abgeschwächt wird. Der Kopf
sammt den Augen ist etwas breiter als das Halsschild, wenig
dicht, stark punktirt. Die Palpen sind pechbraun. Die FĂĽhler
sind auflallend schlank fĂĽr diese Gattung, einfarbig schwarz,
länger als Kopf und Halsschild, nach der Spitze zu nur sehr
wenig verdickt, vom 4. bis zum 10. Ghed an Länge nicht
ab-, an Breite nur wenig zunehmend, so dass die vorletzten
Glieder noch deutlieh so lang als breit sind, das 3. Glied wenig
kürzer als das 2., das letzte lang eiförmig zugespitzt, etwas
kĂĽrzer als die zwei vorhergehenden zusammengenommen. Das
Halsschild ist an seiner Basis halb so breit uls die FlĂĽgeldecken,
um gut ein Drittel breiter als laug, an den Seiten vor der
Mitte etwas aerundet erweitert, doch uacii hinten kaum mehr
als nach vorn verengt, oben n)ässig gewölbt, nicht dicht, aber
stark und tief punktirt, in der Mitte gegen die Basis zu etwas
abgeflacht, ohne deutliches GrĂĽbchen am Grunde. Die FlĂĽgel-
decken sind um die Hälfte breiter und um ein Drittel länger
als das Halsschild, an der Basis massig dicht und stark, je
mehr gegen die Spitze zu desto zerstreuter und gröber punktirt
mit glänzend glatten Zwischenräumen. Der Hinterleib ist gleich-
breit, breit und hoch gerandet, das 2. bis 4. Segment oben
an der Basis der Quere nach eingedrĂĽckt und nur in dieser
Rinne mit einzelnen gröberen Punkten besetzt, sonst glatt. Die
Beine sind pechbraun.
28
430
Beim rj ist der 6. obere Hinterleibsring auf seiner hinteren
Hälfte mit kleinen Höckerchen sehr zerstreut besetzt, ausser-
dem mit einem grüssereu Höckei- in der Mitte versehen, wel-
cher der Spitze des Segments etwas näher liegt als der Basis.
Vaterland: Granada. Ein einziges ^ in der Sammlung
des Herrn von BrĂĽck.
Der Käfer hat etwas Fremdartiges im Habitus und weicht
von den ĂĽbrigen Bolitochara-Arten vornemlich durch seine
schlanken FĂĽhler ab, dĂĽrfte aber kaum c^ner andern Gattung
angehören.
Leptusa pulchra nov. sp.
Elongata, linearis, tenuissinie llavo-pubescens , rul'a aut
rufo-brunnea, antennis, pedibus anoque testaceis, abdominis
cingulo nigro; capite subtriangulari densius sat eouspix-ue, tho-
race elytris latiore transverso medio canaliculato posterius
evidenter angustalo crebre subtihssime, elytris hoc subbrevioi-i-
bus disco subjmpressis crebre fortiter granuloso-punctatis,
abdomiue anterius })arcius ])unctato. postice fere laevigato.
Long. 3|^ lin.
Mas: Thorace profundius impresso, elytris basi secunduui
suturam elevato-tumidulis , margine laterali posterius praesertim
plicato-elevatis, abdomine segmento superiore quinto medio
tuberculo oblongo prominulo, sexto eodem paullo minore
tenuioreque ornato.
Schlank, beinahe gleichbreit, der Hinterleib auch beim $
kaum etwas nach der Basis zu verschmälert, roth oder roth-
l)raun mit breitem, schwarzem HinterleibsgĂĽrtel und gelbhchen
FüJilern, Beinen und After, mit lebhaftem Glänze der Flügel-
decken und des Hinterleibs, welcher auf Kopf und Halsschild
durch die dichte und feine Punktirung und Behaarung etwas
gedämpi't erscheint. Der Kopf ist rundlich, so breit als der
Vorderrand des Halsscliiids , von den kleinen schAvarzen Augen
nach hinten wenig, nach vorn ziemlich stark verengt, der
Scheitel der Quere nach gewölbt, die Stirn abgellacht, oben
dicht und fein aber deutlich punktirt. wenig glänzend, sehr'
fein und kurz gelblich beliaart. Die Füliler sind etwas länger
als Kopf und Halsschild, an der Basis ziemlich schlank, nach
der Spitze zu stark verdickt, Glied 2 und 3 länglich verkehrt-
kegelföi'mig, 3 ein wenig schlanker und kürzer als 2, 4 so
breit als 3 an der Spitze, beinahe so lang als breit, nach der
Basis nur sehr wenig verschmälert, 5 — 10 quer, allmählich an
Breite nicht nur, sondern auch an Länge zunehmend, so dass
431
Glied 10 beinahe doppelt so breit als lang ist, 11 so lang als
die beiden vorhergehenden zusammengenommen, kurz eiförmig
mit abgestumpfter Spitze. Das Halsschild ist etwa um ein
Drittel breiter als lang, an den Seiten vor der Mitte etwas
gerundet-erweitert und hier am breitesten, etwas breiter als
die FlĂĽgeldecken am Hinterrand, nach vorn wenig, nach hinten
deuthch verengt, die Vorderecken stark niedergedrĂĽckt und
dadurch, dass der wenig gerundete, beinahe gerade abgestutzte
Vorderrand gegen dieselben hin etwas ausgeschweift ist, schwach
spitzwinkelig vortretend, die Hinterecken sehr stumpf und sammt
dem Hinterrand in äusserst schwachem Bogen zugerundet; oben
ist es an den Seiten nur massig gewölbt, in der Mitte nieder-
gedrückt und hier der ganzen Länge nach von einer nach
hinten sich verbreiternden und in ein QuergrĂĽbchen endigenden
Längsrinne durchzogen, überall äusserst dicht und seicht
punktirt und wie der Kopf sehr dicht mit kurzen feinen an-
liegenden Härchen besetzt. Die Flügeldecken sind kaum etwas
kĂĽrzer als das Halsschild, so breit als der Hinterrand desselben,
an den Seiten fast gerade, am Hinterrand vor den Hinterecken
deutlich ausgebuchtet, um das Schildchen herum mehr oder
weniger aufgetrieben, auf dem RĂĽcken namentlich gegen den
Hinterrand hin schräg niedergedrückt, dicht und ziemlich stark
körnig-runzelig punktirt, dicht und etwas länger und weniger
fein behaart als das Halsschild. Der Hinterleib ist ziemhch
gleichbreit, auch beim .9 kaum etwas gegen die Spitze hin
verbreitert, an den Seiten breit und hoch gerandet, auf den
vordem Ringen am Grunde quer eingedrĂĽckt, voi'n seicht nicht
dicht punktirt, hinten ziemhch glatt, massig dicht und fein
behaart.
Beim ^^ ist der Längseindruck des Halsschilds tiefer, die
FlĂĽgeldecken sind hinter dem Schildchen beiderseits der Naht
zu einer deutliehen Beule aufgetrieben, auf dem Rücken stär-
ker niedergedrĂĽckt und am Seitenrand namentlich gegen hinten
zu einer kräftigen Falte aufgeworfen. Ausserdem befindet sich
auf dem 5. oberen Ring eine etwas vor der Mitte beginnende
und unmittelbai- vor dem Hinteri-ande endigende kielartige
Längslnberkel und auf dem 6. eine ebensolche, welche jedoch
etwas kleiner und schwächer ist.
Von Herrn vom BrĂĽck bei Ajaccio aufgefunden.
PhĂĽonthus tibialis nov. sp.
Niger, nitidus, elytri>^ densius punetatis viridi -aeneiö,
tibiarum basi tarsisque rufo- brunneis, capite suborbiculato,
28*
432
thorace antrorsum subangustato latitudine vix longiore seriebus
dorsalibus 5-punctatis, abdomine segmentis anterioribus basi
lateribusque parcius fortiter punctatis, apice medio segmentisque
posterioribus fere laevigatis. Long. S^jg ĂĽn.
Mas: segmento 7^ ventiali medio triangulariter exciso.
Von der Grösse und Gestalt der mittleren Stücke des
Philonthus ebeninus, Kopf und Halsschild schwarz und spiegel-
blank, die Flügeldecken dunkel erzgrün; durch die Färbung
der Beine und die eigenlhĂĽmliche Punktirung des Hinterleibs
in hohem Grade ausgezeichnet. Der Kopf ist in beiden Ge-
schlechtern etwas schmäler als das Halsschild, rundlich; neben
dem gewöhnlichen gi-össeren Punkt voin am Innenrande der
Augen befindet sich, quergestellt zu demselben, beiderseits ein
ebenso starker und tiefeingedrĂĽckter; vom hintern Innenrande
der Augen laufen beiderseits 4 etwas schwächere Punkte in
schräger Richtung gegen die Basis des Kopfes zu, der Raum
zwischen diesen und den abgerundeten Hinterwinkeln ist etwas
feiner zerstreut punktirt. Die FĂĽhler sind schlank, so lang als
Kopf und Halsschild, einfarbig schwarz, das dritte Glied etwas
länger als das zweite, von den folgenden die ersten etwas
länger, die letzten noch so lang als breit, das Endglied eiför-
mig, ausgerandet. Die Taster sind pechschwarz. Das Hals-
schild ist etwas schmäler als die Flügeldecken, kaum länger
als breit, nach vorn ein wenig verengt, mit niedergedrĂĽckten
etwas zugerundeten Vorder- und sehr stumpfen Hinterwinkeln,
vorn gerade abgeschnitten, hinten im Bogen gerundet, oben
massig gewölbt mit einer Rückenlinie von 5 gleichstarken
Punkten — nach der richtigeren Zählung von Thomson und
Fauvel, mit 6 nach der von Erichson und Kraatz — ausser
den Randpunkten noch mit 4 — 5 Seitenpunkten. Die Flügel-
decken sind etwas breiter als die Basis des Halsschilds, so lang
als dasselbe , massig dicht und stark punktirt und anliegend
gelbgrau behaart. Das Sohildehen ist schwarz, sehr dicht
punktirt und behaart. Der Hinterleib ist auf seinen vorderen
Segmenten an der Basis und gegen die Seiten hin wenig dicht
aber stark und tief punktirt, gegen den Hinterrand zu glatt,
so zwar, dass auf jedem nachfolgenden Ringe der punktirte
Raum kleiner M^ird, während der glatte sich mehr und mehr
ausdehnt, bis fchhesslich auf den letzten Ringen nur noch ver-
einzelte Punkte stehen. Oben ist der Hinterleib ĂĽberall wenig
dicht ziemhch lang gelbgrau behaart, auf den 4 ersten Seg-
menten am Grunde der Quere nach ziemlich tief eingedrĂĽckt,
unten in ähnlicher Weise punktirt und behaart. Die Beine sind
schwarz, die Basalhälfte der Schienen und die Füsse hell roth-
433
braun, alle Schienen bedomt, die VorderfĂĽsse in beiden Ge-
schlechtern nur massig erweitert, aber beim ^ mit viel
längeren goldgelben Haaren besetzt als beim $.
Beim ^ ist das 7. untere Hinterleibssegment in der Mitte
dreieckig ausgerandet, die Spitze der Ausrandung abgerundet;
oberhalb derselben ist eine kleine dreieckige glatte Vertiefung.
Bei einem der mir vorliegenden StĂĽcke fehlt in der
Rückenreihe des Halsschilds ein Punkt auf einer Seite, während
er auf der andern vorhanden ist, bei einem andern derselbe
Punkt — der 2. von unten — beiderseits.
Der Käfer könnte unter den Arten mit einer Rückenreihe
des Halsschilds von 5 resp. 6 Punkten höchstens mit fumarius
verwechselt werden, welcher sich jedoch auf den ersten Blick
durch eiförmigen Kopf, breiteres Halsschild, viel dichter und
feiner punktirte FlĂĽgeldecken und Hinterleibsringe und durch
einfarbig helle Beine unterscheidet. Am nächsten steht unsere
Art jedenfalls dem ebeninus, von welchem sie, abgesehen von
der Zahl der Halsschildpunkte, durch beim r^ kleineren Kopf,
schlankere FĂĽhler, etwas dichter punktirte FlĂĽgeldecken und
besonders durch viel gröbere und anders vertheilte Punktirung
des Hinterleibs abweicht.
Von Raymond bei Nauplia in Griechenland gesammelt.
Aus der Sammlung des Herrn vom BrĂĽck.
Lathrobium sibiricum nov. sp.
Latius, subconvexum, nigrum, nitidum, antennis piceis
basi apiceque rufis, palpis apice piceis, pedibus rufo-piceis,
capite suborbiculato parce subtilius, thorace coleopterorum
latitudine subquadrato elytrisque thorace subbrevioribus dense
fortiter punctatis. Long. 3 lin.
Fem: Abdominis segmento 7" medio acute triangulariter
producto, lateribus subsinuato.
Mas: latet.
Dem L. fovulum Steph. (punctatum Zett. Er.) sehr nahe
verwandt, aber bei gleicher Länge breiter, gedrungener und
gewölbter als dasselbe , Kopf, Halsschild und Flügeldecken sind
kürzer und die beiden letzteren dichter und stärker punktirt.
Der Kopf ist rundlich, fast so breit als das Halsschild, von
den abgerundeten Hinterwinkeln bis zu den Augen gleichbreit.
dann von da rasch nach vorn verengt — während er bei
punctatum an den Hinterwinkeln am breitesten ist und sich
von da nach vorn allmählich verschmälert — oben massig ge-
wölbt, in der Mitte der ganzen Länge nach sehr vereinzelt
434
massig stark, nur ein schmaler Raum zwischen den FĂĽhlern
dichter und kräftiger, an den Seiten und in den Hinterwinkeln
feiner und noch dichter punktirt, fein grau behaart, an den
Seiten mit einzelnen längeren schwarzen Haaren besetzt. Die
Maxillartaster sind röthlich, das 2. und 3. Glied in der Spitzen-
hälfte pechschwarz.
Die FĂĽhler sind schlank, so lang als Kopf und Halsschild,
pechfarben, das erste Glied, die Basis des 2. und 3. und das
Endglied rostroth, Glied 3 etwas länger als 2, Glied 5 bis
10 gleichlang, etwas länger als breit. Das Halsschild ist qua-
dratisch, kaum länger als breit, mit geraden Seitenrändern,
stark niedergedrĂĽckten stumpfen Vorder- und abgerundeten
Hinterwinkeln, oben etwas gewölbt, ziemlich dicht stark und
tief punktirt und fein, massig dicht graulich behaart, eine
schmale an der Basis und Spitze etwas verbreiterte Mittellinie
spiegelglatt. Das Schildchen ist mit einigen wenigen Punkten
besetzt. Die FlĂĽgeldecken sind nur so breit als das Halsschild,-,
an der Spitze schief nach innen abgestutzt, so dass sie an der
Naht deutlich kĂĽrzer sind als das Halsschild, etwas dichter-
aber nicht ganz so stark und tief punktirt wie dasselbe, mit.
etwas runzeligen Zwischenräumen, fein und ziemlich dichte
behaart. Der Hinterleib ist matt, äusserst dicht und fein
punktirt und behaart, das 6. Segment am Hinterrand schmal
rothbraun gesäumt. Die Beine sind braunroth, kräftig.
Beim ^ ist das 7. obere Hinterleibssegment in der Mitte
scharf dreieckig vorgezogen, an den Seiten etwas gebuchtet.
Das ,^ ist mir noch unbekannt.
Vaterland: Ost-Sibirien. In meiner Sammlung;.
435
Ueber die ZucM von Bombyx (Antheraea)
Pernyi Gu6r.,
von
[r. lielievre in Amboise.
[Der Sitzungshei-ioht vom 3. Juni 1876 der Soc. entomol.
de Belgique in Bruxelles enthält am Schlüsse den nachstehen-
den interessanten Vortrag. Ich habe ihn aus dem Französischen
ĂĽbersetzt, weniger fĂĽr die Leser dieser Zeitung, die dessen
kawm bedĂĽrfen werden, wohl aber in Bezug darauf, dasS sie
meine Uebersetzung Landschullehrern und solchen Personen
mittheilen können, denen es rathsam und ausführbar erschiene,
auf die anscheinend einträgliche und im grössten Theile von
Deutschland realisirbare Zucht des neuen Seidenspinners sich
einzulassen. Die als beste Nahrung bezeichnete Quercus
pedunculata lässt sieh ja überall, wo sie nicht schon wächst;
leicht anpflanzen. C. A. Dohrn.]
Herr Lelievre zeigt der Versammlung ein lebendes Exem-
plar von Bombyx (Antheraea) Pernyi Guer. aus dem nördlichen
China; es ist ein Weibchen, mit Eierlegen an die Wände der
Schachtel beschäftigt, worin es eingeschlossen.
H^rr Lelievre macht dazu folgende Mittheilung.
Diese schöne Art Bombyx wird seit lange in ihrer Hei-
mat zu einem Webestoff ausgenutzt, der ganze Völkerschaften
bekleidet und durch den Handel auch auf die Märkte von
Europa kommt.
Die Raupe iindet man vorzugSAveise in bergigen Gegenden.
Man verdankt ihre EinfĂĽhrung nach Frankreich dem Abbe
Perny, der dem verstorbenen Guerin eine grosse Zahl von
Eiern zustellte und 1855 zuerst ihre Zucht versuchte.
In China erhält man ohne Schwierigkeit zweimal jährlich
Cocons, zuerst im Sommer (Juli), dann im Herbst (September,
October). Die vollständige Entwicklung der Raupe kann inner-
halb sechs Wochen bis zu zwei Monaten geschehen. ";
Bald nach der Verpuppung, wenige Tage nachher, schliipfi
der Schmetterling aus, Begattung und Eierlegen erfolgen so-
436
fort; bei gewöhnlicher Temperatur kriechen die Räupchen 10
oder 12 Tage nachher aus.
Die Seide von B. Pernyi ist braun, wie die, welche unter
dem Namen Byssa bekannt ist, von den grossen Cocons der
Antheraea Mjlissa F. stammt, den Stoff fĂĽr die berĂĽhmten
Taschentücher (foulards) liefert und von den Engländern auf
den europäischen Markt gebracht wird.
Der Cocon von B. Pernji ist dem von B. mori ähnlich
geschlossen, folglich kann man ihn in derselben Weise ab-
haspeln.
Zum Erzielen guten Erfolges muss man das AusschlĂĽpfen
auS' den Eiern aufmerksam überwachen, das regelmässig in
der FrĂĽhstunde stattfindet.
Man muss für die Räupchen ganz frische Eichenblätter
bereit halten, denn sowie sie ausschlĂĽpfen, machen sie sich
behende an's Fressen. Zuerst sind sie schwarz und gleichen
auf den ersten Blick der Raupe unsrer gemeinen Saturnia
carpini. Später werden sie immer intensiver schön grün; die
Tuberkeln ihrer Ringe nehmen verschiedne Farben an. Bei
der ausgewachsnen Raupe vergehen diese Tuberkeln fast ganz:
auf den Seiten der drei oder vier Ringe hinter den Thorax-
Segmenten, welche die Krallen -FĂĽsse tragen, zeigen sich
glänzende Silberflecke, grösser oder kleiner, ähnlich denen,
welche man auf den vier FlĂĽgeln des ausgebildeten Thiers
findet.
Zur Förderung des Wachsthums und der Gesundheit der
Raupen, muss man, sobald sie grösser werden, und vor und
nach der jedesmaligen Häutung die Eichenblätter Morgens und
Abends mit einem Wedel tĂĽchtig besprengen. Man wird be-
merken, namentlich nach der dritten Häutung und nach heis-
sen, gewitterschwĂĽlen Tagen, dass die Raupen gierig die
Wassertröpfchen von den Blättern aufsaugen.
Anfangs versuchte ich es mit zwei Generationen, wie die
Chinesen; aber die zweite schlug fehl, weil die Mehrzahl
meiner Raupen noch in der dritten Häutung waren, als Ende
Septembers schon kalte Tage sich einstellten. Desshalb habe
ich es vorgezogen, die im Juh-August gesponnenen Cocons an
einen kĂĽhlen Ort, z. B. in den Keller zu stellen, und sie erst
im Mai-Juni des nächsten Jahres auskriechen zu lassen. Die
ersten krochen dann vom 10. bis 15. Mai aus.
Kaum ausgekrochen sucht das ,^ eifrigst die $. Die Be-
gattung erfolgt vorzugsweise des Abends, dauert 22 bis 24
Stunden, und nicht selten begattet sich dasselbe (^ drei-, vier-
mal mit andern $.
437
Beide Geschlechter gleichen sich durchaus, nur dass das
^ stark gekämmte Fühler hat. Das $ legt 150 bis 230 Eier.
Nicht genug kann ich anrathen, die Raupen an einem
warmen und gut gelĂĽfteten Ort zu halten und vor unreiner
Luft zu bewahren. Ich bediene mich mit Erfolg der „bibe-
rons" *) die ich mit frischem reinem Wasser oder mit feuchtem
Sande fĂĽlle; dahinein stecke ich die Eichenzweige, nachdem
ich sie von Ameisen, Spinnen und andern Raupenfeinden sorg-
fältig gereinigt habe. Vorzugsweise muss man Zweige von
einem altern Baume, nicht fleischige Triebe von Schösslingen
nehmen, denn die Blätter der letzteren sind zu wässrig und
machen die Raupen zu der abscheulichen Krankheit geneigt,
welche man „flat" (Blähsucht?) nennt. Auch haben diese
Schösslinge die schlechte Eigenschaft, dass sie rasch welken,
auch wenn sie im Wasser stehen.
Von allen Eichenarten scheinen die Raupen an Quercus
pedunculata am meisten Geschmack zu finden.
Man muss sich hĂĽten, die Raupen zu berĂĽhren, da sie
sofort eine gelbbraune FlĂĽssigkeit aus dem Munde absondern,
was sie schwächt. Wenn sie grösser sind, kann man sie ohne
sie zu verletzen nicht von dem Zweige losmachen, an den sie
sich angeklammert haben — eher würden sie sich die Füsse
ausreissen lassen.
Um diesem Uebelstande abzuhelfen, ist es gerathen, die
„biberons" in einem Kreise aufzustellen und das Centrum frei
zu lassen. Haben die Raupen die Blätter aufgezehrt, oder sind
diese welk geworden, -so stellt man andre biberons in die Mitte
mit frischen Zweigen, welche die älteren berühren: dann gehen
die Raupen eiligst auf die frische Nahrung ĂĽber.
So fahrt man fort und lässt sie alle Verwandlungs-Phasen
durchmachen und nach der vierten Häutung spinnen sie sich
ihren Cocon durch Umklappen eines Blättchens von dem Eichen-
zweige, auf dem sie gerade sitzen.
Von allen Seidenerzeugern, die man neuerlich nach Europa
gebracht, ist diese Art die am leichtesten zu cultivirende.
Soweit Herr Lelievre. Ich bedaure. dass er sich nicht
ausdrücklich darüber erklärt hat, ob und unter welchen Be-
dingungen er bereit ist, Eier von B. Pernyi abzulassen, muss
dies also den Herren anheimgeben, welche geneigt sind, diese
*) Biberon, Gefäss mit einem langen Halse, woraus man durch
Saugen trinken kann.
438
anscheinend leichte Industrie zu eultiviren, oder in ihren
Kreisen anzuregen. Jedenfalls wird ein Brief an
Monsieur Lelievre
membre de la Soc. d'hist, nat. d'Angers
a
wohl an die richtige Adresse kommen.
Amboise
C. A. Dohrn.
Ist der Kartoffelkäfer giftig?
Von
Aug. Grote und JLdolph Kaitner von BufTalo N. Y.
Wiederholentlich wurde in öffentlichen Blättern die Angabe
gemacht, dass der Kartoffel- oder Colorado-Käfer (Leptinotarsa
decemlineata) giftige Eigenschaften habe, besonders aber ge-
schah dieses in dem siebenten Berichte ĂĽber die Insekten
Missouri's von Prof. C. V. Riley. Es wird behauptet, dass
wenn man mit den Käfern in Contact kommt oder wenn man
dieselben verbrĂĽht oder verbrennt und den Rauch oder Dampf
einathmet, sich verschiedene Symptome von Haut- oder ner-
vösen Krankheiten zeigen.
Um die Sache zu untersuchen, wurde eine Anzahl Käfer
auf Feldern in der Nähe von Buffalo, wo man kein Arsenik
in Anwendung gebracht hatte, gesammelt, und der Destillation
mit Salzwasser, um eine erhöhte Temperatui' zu erreichen,,
unterworfen. Durch dieses Verfahren erhielt man von einem
Quart Insekten eine FlĂĽssigkeit von ungefĂĽhr 4 ITnzen Ge-
wicht. Diese> FlĂĽssigkeit war vollkommen klar, und es" ent-
strömte ihr ein sehr unangenehmer Geruch; sie ergab eine
alkahsche Reaktion, da sie eine gewisse Quantität freien
Ammoniaks und kolilensauren Ammoniaks enthielt.
Alsdann wurde eine gleiche Quantität der Käfer zur Be-
reitung einer Tinktur genonimen, welche auf folgende Weise
hergestellt wurde: Absoluter und chemisch reiner Alkohol
439
wurde '"über lebenden Käfern condensirt; nach einer vierund-.
zwanzigstĂĽndigen Digestion wurde der Alkohol bei einer
schwachen Hitze abgedampft. Diese erhaltene Tinktur hatte
eine säuerliche Rückwirkung, war braun von Farbe und nicht
unangenehm von Geruch.
Um die Wirkungen der FlĂĽssigkeit und der Tinktur auf
das thierische System zu erproben, wurde zum Versuche eine
Anzahl Frösche genommen. Ungefähr ein halber Cubik-Cen-.
timeter der FlĂĽssigkeit wurden getrennt in den Magen gebracht.
Weder die FlĂĽssigkeit noch die Tinktur zeigten eine wahr-
nehmbare Wirkung. Die Lebhaftigkeit der so behandelten
Frösche zeigte nicht die geringste Abnahme, obgleich sie die:
gegebenen Dosen bei sich behielten.
Dann wurden zwei frische Frösche genommen und ihnen
mit einer, gewöhnlichen hypodermischen Spritze die Flüssigkeit-
und die Tinktur in die hinteren FĂĽsse eingespritzt. Die Ein-
spritzung der destillirten Flüssigkeit zeigte keine schädlichen-
Folgen. Eine leichte Abneigung, den Hinterfuss zu gebrauchen,
zeigte sich zuerst, auch war dies bei einem anderem Frosche
der Fall, dem man eine Einspritzung von reinem Wasser ge-
geben hatte, um den hervorgebrachten Wirkungen Einhalt
zu thun.
Die Einspritzung der Tinktur erwies sich fĂĽr den Patien-
ten als tödtlich. Wenige Minuten nach der Einspritzung schien
das operirte Bein paralvsirt zu sein, und innerhalb dreissig
Minuten hörte das Herz auf zu schlagen. Während dieser
Zeit hatten sich die beiden andern Frösche wieder vollständig
von den Wirkungen der Operation erholt.
Die Tinktur, obgleich stark concentrirt, erhieh nur eine-,
kleine Menge thierischer Säure, die, wenn mit den Basen der
Pottasche und Soda geschwängert, unter dem Mikroskope sicht-
bare, sechsflächige leicht vergehende Crystalle bildete. Es ist
bekannt, dass solche Säuren in ihren Wirkungen auf das thie-
rische System sehr heftig sind. Dem Stiche eines Flohes oder
einer Wanze folgt die Einführung von Säure, welche eine
SchM'ellung durch das Gerinnen der eiweisshaltigen FlĂĽssig-
keiten des Körpers verursacht. Milch, der man einige Tropfen
der oben beschriebenen Tinktur während der angegebenen
Versuche zugesetzt hatte, gerann sehr rasch. In dem Falle
der obenangefĂĽhrten Insekten, sind besondere Organe mit der
Absonderung der Säuren beschäftigt, welche in dem Haushalt
der Insekten dazu dienen, diejenigen Theile des Blutes, welche
dem Insekt nicht zur Nahrung dienen, zum Gerinnen zu brin-
gen. Beim Kartoflelkäfer hat man keine derartigen Organe
440
entdeckt. Das Vorhandensein der Säuren leitet zu der An-
nahme solcher Organe, die aber allem Anscheine nach beim
Kartoffelkäfer nicht entwickelt sind. Die Säuren wurden in
so kleinen Quantitäten gefunden, dass der Schluss, der Kar-
toffelkäfer sei nicht giftig, nach den vorliegenden Versuchen
unabweisbar ist.
Es erscheint wahrscheinlich, dass die veröffentlichten An-
gaben des Gegentheils sich auf falsche Beobachtung grĂĽnden,
und es ist wahrscheinlicher, dass gewisse von den als sehr
gefährlich und umständlich erzählten Fällen der Vergiftung dem
Gebrauch des Arseniks (Pariser Griin's und arsenikhaltiger
Säuren), M'elches jetzt so bedeutend zur Zerstörung der Käfer
gebraucht wird, zuzuschreiben sind. Viele Metallsalze erzeugen
Jucken auf der Haut. Der durch Hitze erzeugte Dampf der-
selben eingeathmet, bringt nervöse Störungen hervor. Die
Wirkungen des Pariser Griin's sind für die des Kartoffelkäfers
gehalten worden.
Es ist jedoch wahrscheinlich, dass wenn man eine grössere
Menge Käfer durch Feuer zerstört, selbst wenn sie kein Ar-
senik enthalten, eine unvollständige Verbrennung stattfindet;
in diesem Falle wird kohlensaure« Oxyd (C. 0.) erzeugt,
welches die angegebenen ĂĽbeln Wirkungen zur Folge hat.
Ebenso mag hier bemerkt werden, dass vor dem Erscheinen
des Kartoffelkäfers, die Kartoffelpflanzen selbst nicht so häufig
berĂĽhrt wurden, als jetzt. Eine Untersuchung ĂĽber die Wir-
kung, die das Eindringen der feinen Haare der Blätter in die
Haut erzeugt, und der Eigenschaften der Pflanze, dĂĽrfte die
Ursachen der Symptome, ĂĽber welche man sich beklagt, er-
geben.
(Abgedruckt aus einem Buffalo Blatte fĂĽr Agricultur.)
44t
Nachtrag zu S. 336 dieses Jahrgangs,
von
C A. Dolirn.
[Von den Mittheilungeu des Herrn Piepers konnte ich
wegen damals abzudruckender frĂĽher eingegangener Artikel
nicht alles wörtHch oder im Auszuge übersetzen, was mir
und meinen Freunden interessant dĂĽnkte; dahin rechne ich das
Folgende.]
An dem erwähnten Wasserfalle von Maros *) war ich
noch Zeuge eines bemerkenswertheu Vorganges bei Tag-
schmetterlingen. Dass sich ihre Männchen (wie die meisten
Thiere in der Minnezeit) um die Gunst irgend einer Helena
balgen, halte ich für ausreichend bekannt — sonst aber stehen,
tjoviel ich weiss, diese Insekten als selir verträgliche, durch-
weg nicht streitlustige Geschöpfchen zu Buch. Um so mehr
erstaunte mich das, was ich einst mit Augen sah. Um und
auf die BlĂĽten eines Strauches flogen verschiedene Tagfalter
(Precis Iphita L. und etliche Pieriden), als plötzlich ein im
Vergleich mit ihnen riesiger Schmetterling, Papilio Remus Cr.
heranschwebte, um sich, wie zu vermuthen, auch an diesem
Festmahl zu betheiligen. War es nun bei den Kleinen die
Besorgniss, sie möchten bei etwa riesiger Esslust des unge-
betnen neuen Gastes zu kurz kommen, oder was sonst, genug
ich sah sie den Pap. Remus anfallen, veijageu und noch eine
Strecke verfolgen, bis dass sie sicher waren, dass er ernstlich
die Flucht genommen hatte, worauf sie zu ihren Blumen zurĂĽck-
kehrten. Dass Schwalben und kleine Vögel sich auf grössere
Raubvögel stürzen, wenn sie ihren Nestern Gefahr drohen,
weiss ich, und habe von den Kämpfen der Kohbri's mit
amerikanischen Sphinges gelesen; aber in beiden Fällen sind
ja die Angreifer und Sieger mit scharfen Schnäbeln ausgerüstet
und nicht, wie im vorliegenden Falle, scheinbar ganz wehr-
lose Falter.
Ist es vielleicht in der Insektenwelt „tout comme chez-
nous'-', und sind etwa viele von den lieben geflügelten, prächtig
gekleideten, scheinbar so sanftmĂĽthigen und wehrlosen Thierchen
*) Im SĂĽdwesteil von Celebes.
442
in ihrer nächsten Umgebung wahre Katzen? man kann nicht
verkennen, dass die eben besprochne Thatsache bei den be-
theiligten Faltern mehr Nachdenken voraussetzen lässl, als
man ihnen gemeinhin zutraut. Dass es ihnen an Erinnerungs-
vermögen nicht gebriehl, glaube ich aus folgender Thatsache
schliessen zu dĂĽrfen. In der halb ofllenen Veranda der Gesell-
schaft Harmonie zu Mangkasar bemerkte ich eines Abends den
bereits erwähnten, dort nicht seltnen P'alter Precis Iphita L.
Das Thierchen sass den ganzen Abend durch ungeachtet der
sehr starken Beleuchtung ruhig an der Zimmerdecke. Am
nächsten Tage kam ich in dieselbe Lokalität, aber bei Tage-
war das Thier nicht da, fand sich jedoch Abends auf derselben
Stelle wieder ein und sass dort ruhig. Und da die Bildung in
Mangkasar noch nicht so weit vorgeschritten, dass man es dort
für unerlässhch hält, jedes unschuldige Thierchen, das, sich in
menschliche Wohnungen wagt, ei-barmungslos zu tödten oder
zu verjagen, hatte ich das Vei-gnügen, das Gedächtnissvermögen
der Precis Iphita sechs Tage hinter einander zu bewundern.
Bei Tage war sie nie zu sehen; wahrscheinlich hatte sie aus-
wärts Geschäfte: aber sechs Abende hintereinander fand ich
sie genau auf derselben Schlafstelle. Dann ist sie vermuthlich
umgekommen, denn nachher bheb sie verschwunden.
Ich weiss nicht, ob alle Falter so regelmässige Nachtquar-
tiere inne halten; ĂĽber die der Lycaeniden und Micro's habe
ich folgendes zu sagen. Kommt man bei Tages Anbruch in
einen indischen Wald, während Gras und niedrige Kiäuter
noch nass sind vom nächtlichen Thau, so sieht man überall
an den Spitzen dieser Pflanzen Microlepidoptera sitzen. Sowie
die Wirkung der Sonnenstrahlen sich spĂĽrbar macht, was in
Indien rasch vor sich geht, und sowie die Pflanzen trocken
werden, kriechen die Motten langsam am Stengel hinunter,.
um sich im Moose und zwischen den Wurzeln zu verstecken,
und dort in Stille und Dunkelheit ihren Tagschlaf zu halten.
Eine Stunde nach Sonnen Aufgang sieht man keine einzige
mehr. Bei den Lvcaeniden dagegen findet gerade das Gegen-
theil statt. Sobald die Sonne bemerklich wirkt, kriechen sie
langsam an dem . Stengel der niedein Gewächse bis zur Spitze
hinauf, sonnen sich ein Weichen recht behaglich und fliegen,
dann aus. In Holland sieht man selbst in den längslen Sonuner-
tagen vor Morgens acht Uhr wenig Tagfalter fliegen, und
Liebhaber grosser Hitze, wie z. B. die Lvcaeniden, kommen
erst später zum Vorschein: in Ostindien ist eine Stunde nacli
Sonnen Aufgang die Schmetterlingswelt in voller Bewegung.
Dass die meisten von Linne's Crepuscularien nicht blos in
i
443
deiv Abend- und Morgen-Dämmerung schwärmen, sondern ächte
Nachtfalter sind, gilt jetzt als ausgemacht. Doch findet mau
in Indien lichtige Dämmerungsfalter, nicht zu den von Linne
als solche angesehenen Sphinges gehörig, sondern aus der
grossen Gruppe der Rhopalocereu. Kaum neigt sich die Sonne
zmn Untergange, so sieht mau in Java wie in Celebes die
CylloLedaL., Amathusia Phidippus L. nnd Casyapa Thrax L.
massenhaft herumfliegen: in Celebes auch Debis Europa F.
Doch habe ich diese Arten niemals Nachts im Mondenscheine
sich herumtummeln, oder wie andre zahlreiche ächte Nacht-
falter in erleuchtete Zimmer hineinfliegen sehen, während sie
doch bei Tage ganz still sitzen und, wenn aufgestört, nur eine
kurze Strecke .wegfliegen, um sich gleich wieder zu setzen.
Den gemeinsten dieser Schmetterlinge, Cyllo Leda L. sah ich
in Masse während der Morgendämmerung fliegen,- was ich ein-
mal auch bei Debis Europa F. constatirte. Vermuthlich ge-
höien auch verschiedene Arten Mycalesis und Elymnias fSais
Or. zu diesen ächten Dämmerungsschwärmern.
Dass manche Raupen nicht ohne Nachtheil berĂĽhrt werden
dĂĽrfen, weiss man; von Schmetterlingen gilt das im Allgemeinen
nicht. Auch in diesem Punkte muss ich der Wahrheit zur
Steuer diesen frommen Lämmern ihre traditionelle sanftmüthige
Reputation schmälern. Im Südwesten von Celebes fliegt eine
kleine weisse Motte (eine noch unbeschriebene Species Scir-
pophaga), als wahre Landplage in ganzen Schwärmen Abends,
in die erleuchteten Zimmer, setzt sich auf alles, auch auf die
Meiischen, und wo sie die blosse Haut berĂĽhrt hat, entstellt
sofort ein unleidliches Jucken. Zum Gratial beschmitzt sie
überall die Aveissen Wände durch Ablegen ihrer mit gelbem
Pelz ĂĽberzognen und angeklebten Eier.
Ich gehe nuii von den Faltern auf die Raupen ĂĽber und
habe meine Verwunderung darĂĽber zu verlautbaren, dass ich
in Indien, wo doch so viele verschiedene Schmetterlinge hau-
sen, so wenig Raupen angetroflen habe. Vermuthlich verbergen
sieh die meisten (wie auch so manche in den. gemässigten
Zonen) vor Hitze und Tageslicht in der Erde und besuchen
nur Nachts ihre Futterpflanzen. Ueberdies leben wohl nur.
wenige (analog den tropischen Gewächsen, verglichen mit
denen in temperirten Ländern) geselHg. Mit Ausnahme von
Bombyx Waringi Teysm., deren Raupen ich einmal auf einem
jungen Ficus Benjaminea -L. in Mehrzahl fand, traf ich nie
eine grössere Zahl beisammen.
Was man schon in Europa wahrgenommen, dass nehmhch
manche Raupen ihie ursprĂĽngĂĽchen Futterpflanzen aufgeben,..
444
um vorzugsweise sich von neu eingeführten zu nähren (ich
erinnere an Acherontia Atropos L., welche am liebsten Kar-
toffelkraut heimsucht), das trifl't auch in Batavia zu. Die dort
und in Celebes gemeine Raupe des häufigen Papilio Agamemnon
L. trißTt man stets auf den Blättern der aus Westindien ein-
gefĂĽhrten Anona muricata L. In Batavia fand ich die Raupe
von Euploea Midamus L. eben so oft auf einer einheimischen
Pflanze wie auf der aus Europa eingefĂĽhrten Ziei-pflanze , dem
Oleander. Und die Raupe von Cyllo Leda L. war auf dem
Pampasgras nicht selten, das ich in meinem Garten in Mang-
kasar (Celebes) aus SĂĽdamerika angepflanzt hatte, um es als
Pferdefutter zu nutzen.
Auch bei den ostindischen Raupen fielen mir die seltsamen,
zum Theil vielleicht als „Mimicry^^ zu deutenden, immerhin
merkwĂĽrdigen Verschiedenheiten und Aehnlichkeiten der Rau-
pen unter einander auf Bisweilen und anscheinend ohne irgend
feste Regel gleichen sich die Raupen naheverwandtei- Arten
auf das äusserste; bisweilen sind sie, auch bei Arten, die sich
autrallend ähnhch sehen (wie z. B. bei den europäischen
Acronycta tridens und psi) höchst verschieden. Bei den sehr
mit einander verwandten Papilio Memnon L. und P. Polytes L.
zeigen die Raupen, etwa mit Ausnahme der Grösse und der
Nahrungspflanze, keinen Unterschied 5 die kleine Pfeilsch\^ anz-
raupe der oben erwähnten Bomhyx Waringi Teysm. gleicht
vollkommen einer Miniatur-Ausgabe einer Sphinx-Raupej die
sehr weit auseinander stehenden Amathiisia Phidippus L. und
Lasiocampa Vishnu Guer. haben Raupen von sehr eigenthĂĽm-
licher Gestalt, die sich aber nur durch die Farbe und die
Nahrungspflanze unterscheiden. Von den Raupen der letzteren
Art, welche in Farbe und Zeichnung stark variiren, besass
ich einige Exemplare, welche mitten ĂĽber die ganze RĂĽcken-
länge eine schöne Zeichnung hatten, einem Streifen aus weisser
und gelber Flockseide vergleichbar. Auch auf beiden Seiten
dieser Raupen waren viele weisse und gelbe Haare sichtbar.
Jener Sti-eifen und die Seitenhaare verwandelten kurz vor der
Verpuppung, und ohne dass eine Häutung stattfand, ihr Weiss-
gelb in Violett.
Noch niehr befremdete mich . was ich an den Haaren der
Raupe von Miresa tdtens Walk, beobachtete, die HorsHeld als
Setora nitens abgebildet hat. Als ich diese sehr schöne Raupe
fand, war sie ganz mit sogenannten Dornen besetzt, ich zählte
an ihr 8 grosse und 24 kleine. Nach einigen Tagen häutete
sie sich , ohne dass sie ihr Aeusseres scheinbar veränderte.
Aber bei der nächsten Häutung nach einigen Tagen hatten sich
445
die Dornen in HaarbĂĽschel verwandelt, einige mehr steifen
Scheuerbürsten, andere mehr Pinseln ähnlich. Drei Tage später
vereinigten sich die BĂĽrstenhaare wieder in die Form von
spitzigen Dornen — wieder nach drei Tagen gingen sie in
BĂĽrsten und Pinseln auseinander. Die Dornform kehrte nun
nicht wieder, doch bis zur Verpuppung dauerte die fast täghclie
Veränderung der Haare bald zu Bürsten bald zu Pinseln.
Sofern ich mich während meines Weilens in Indien fast
ausscMiesslich um Schmetterlinge gekĂĽmmert habe, kann ich
ĂĽber Insekten anderer Ordnungen nicht viel berichten. Doch
kann ich die wenn schon nicht neue, doch sich aufdrängende
Wahrnehmung nicht verschweigen, wie viel gewaltiger das
Insektenleben in tropischen Gegenden sich offenbart im Ver-
gleich unsrer gemässigten Landstriche. Die überaus lästige
Frechheit der Fliegen lernt jeder Gast Indiens verwĂĽnschen;
jede Hausfrau weiss, dass sie vor unzähligen Ameisen fast
nichts schĂĽtzen und aufbewahren kann. Einmal war Nachts
meine Taschenuhr stehen geblieben: der befragte Uhrmacher
holte zwischen den Rädern eine kleine Ameise heraus, die sich
in den Feder-Spielraum eingeschlichen hatte, um von dem feinen
Oel der Werkschmiere zu naschen. Jede Abendlampe bringt
Hunderten kleiner Insekten aller Ordnungen den Tod; zahlreiche
Käfer kommen angeschwirrt, auch eine allerdings unschädliche,
aber von den Damen sehr gefĂĽrchtete, in der That auch gleich
Sphinx convolvuli durch ihre Dummdreistigkeit höchst lästige
Gryllotalpa, vom Lichte angelockt. Wem hätten nicht in Ost-
indien plötzlich ein- und austliegende Schwärme von Termiten,
oder noch ärger von übelriechenden Orthopteren oder von Jucken
erregenden Lepidoptern die Abendmahlzeit verstört? Wem haben
Kakerlaken oder Termiten durch ihre VerwĂĽstungen in Linnen-
schränken und Bibliotheken nicht die socialistische Verwünschung
abgerungen, lieber gar kein Privat -Eigenthum zu besitzen?
Besonders Leute, die nicht immer in den besser geschĂĽtzten
Wohnungen der grössern Städte übernachten, dürfen sich un-
vergesshcher indischer Nächte erinnern, in welchen Dichter und
Verhebte ihr Herz an Mondschein und Steruenllimmer in reich-
stem Maasse erlaben konnten, während arme ermüdete Menschen,
denen Schlaf vor allem nöthig war, durch blutgierige Moskiten,
krabbelnde Ameisen und andres Ungeziefer wie durch wahre
Quälteufel gefoltert wurden! Nun zum Schlüsse noch ein selbst
erlebtes Ereigniss.
In Batavia glaubte ich durch meinen Moskiten-Betthimmel
mich während der Nacht gesichert, wachte aber einmal durch
unerklärhch starkes Geräusch auf; meine Schlafstube schien
29
446
durch Gesumse in einen grossen Bienenkorb verwandelt. Das
Nachtlicht war erloschen , wahrscheinlich durch Insektenflug aus-
gelöscht; das Licht einer Gaslaterne vor dem Fenster reichte
aber aus, mich wahrnehmen zu lassen, ckiss die Aussenseite
meines Moskitovorhangs mit irgend einer Art Wespen dicht be-
setzt war. Begreiflich hatte ich kein GelĂĽst, mein Versteck zu
verlassen, aber zu meinem Schreck gewahrte ich, dass die
Schutzgardine nicht genau schloss, und dass schon einzelne
Tirailleurs der feindliehen Horde sich Eingang verschafft hatten.
Nun galt es einen heroischen Entschluss! Ich riss die Gardine
auseinander und warf meine Kopfkissen so, dass ich von einem
auf das andere springend die KammerthĂĽr erreichen konnte,
ohne mit nackten FĂĽssen auf die vermeintlich auf dem Fuss-
boden sitzenden Wespen zu treten. GlĂĽcklich gelangte ich hinaus,
rief meine Diener und Hess Licht bringen. Als diese die Thiere
sahen, erklärten sie dieselben für unschädlich und griffen sie
furchtlos mit den Händen. Es waren ausgewachsene, geflügelte
Termiten, welche sich zwischen den Steinen des Fussbodens
durchgearbeitet hatten und bei diesem Durchbruch herzlich wenig
sich um den dadurch um seine Nachti'uhe geprellten „Herrn
der Sehöpfung^^ bekümmerten. Es dauerte etwa anderthalb
Stunden, bis sie durch ein ausserhalb der Kammer hingestelltes
Licht alle bewogen waren, nach diesem hinzufliegen und mein
Schlafgemach zu räumen. Dasselbe Ereigniss wiederholte sich
in derselben Kammer ein Jahr später. Der Störenfried, den
ich an das Museum in Leyden gesandt habe, ist dort durch
Dr. Ritsema als Dorylus Klugi Hagen determinirt worden.
447
Sparostes africanus,
beschrieben von J. Putzeys.
Ater nitidissimus, palpis antennisque brunneis.
Clypeus truncatus, lobis lateralibus late rotundatis.
Caput in medio anguste et longe foveolatum, utrinque
longitudinaliter multistrigosum. Oculi prominuli nee
distincte petiolati. Prothorax brevissime transver-
sus, lateribus parallelis, margine antico emarginato,
angulis prominulis rotundatis; ante basim rotundatus,
supra convexus, antice transversim sulcatus, foveolis
basalibus nullis. Elytra elongata, basi truncata hume-
ris subdentatis, apice angustata; punetato-striata,
interstitio 3. pone striam 3. trifoveolato; stria prae-
scutellari longa, suturae pai-allela.
Long. 20 — El. 11. — Lat. 6 Mill.
Au premier aspect, il ressemble beaucoup au Sp. brevi-
collis. Comme j'ai decrit cette espece fort longuement (R6v.
g^n. des Clivin. p. 27) je me bornerai a signaler ici les diff^-
renees.
Les elytres sont plus retrecies k Textremite; la dent
humerale est moins niarquee; entre la suture et Ja premiere
strie, il existe une strie prescutellaire longue et droite; les
stries sont un peu moins profondes , plus distinetement ponctuees ;
on ne distingue que les 3 gros points posterieurs sur le 3. in-
tervalle. Le corselet est moins echanere au bord anterieur
qui est longe par un sillon profond oĂĽ s'arrete le sillon longi-
tudinal; les angles anterieurs sont moins avances. De ehaque
cöte des yeux, on ne nemarque qu'une seule carene, droite,
et non terminee par un tubercule en arriere des yeux; ceux-
ci sont egalement saillans, mais plus grands et beaucoup moins
enchässes posterieurement. L'epistome est plus nettement tronque
et ses prolongemens lateraux sont moins avances, bien moins
anguleux et meme arrondis: chez le brevicollis, ils depassent
le labre; ici ils sont beaucoup plus courts. La dent du menton
est completement arrondie et les lobes lateraux sont moins
tronques. L'abdomen est plus ponctu6; de meme que chez le
brevicollis, les trois derniers segmens sont longes par une
iigne enfoncee, un peu anguleuse vers le milieu. Les trochan-
ters posterieurs sont egalement attenues a leur extrdmite.
Zambese. 2 ind. communiques par Mr. Dohrn.
— 29*
448
Selbst-Kritik.
„Wenn's dem Denker (engl, donkey) zu wohl wird, so
wagt er sich aufs Eis/' Das ist der Eindruck, den mein
Aufsatz über: „Einige Beispiele von Nachahmung bei Insekten''
im Jahrgang 1871 dieser Zeitschrift, Seite 279, heute auf mich
macht.
Zunächst wäre der Ausdruck „Schützende Aehnlichkeit^'
als Uebersetzung des englischen Wortes mimicry besser gewesen.
Aber ganz abgesehen davon erscheinen mir die SchlĂĽsse, die
ich dort aus meinen Beobachtungen zog, durchaus nicht wohl
begrĂĽndet.
Da sich Niemand gefunden hat, der meiner am Schluss
ausgesprochenen Aufforderung, mich zu widerlegen, nachgekom-
men wäre, so übernehme ich selbst diese Rolle.
Von den allbekannten Fällen, wo Insekten wegen ihrer
Aehnlichkeit mit Ptlanzenlheilen odei- Theilen des Erdbodens
leicht übersehen werden können, habe ich damals nicht ge-
sprochen ; ich brauche mich daher nur über die Fälle auszu-
lassen, wo Insekten anderen systematisch fern stehenden
Insekten ähnlich sind und dadurcli mancher Nachstellung ent-
gehen. Hier hat die Phantasie den weitesten Spielraum. Ver-
blendet durch die wenigen Fälle, wo, wie bei den Volucellen
und Sesien, eine schĂĽtzende Aehnlichkeit wirklich besteht, ist
man so weit gegangen, l'hiere ein und derselben Gattung als
sich einander nachahmend anzusehen. Oder man hat uns auf-
getischt, es gäbe Macroglossa- Arten, die eine schützende
Aehnhchkeit mit Colibris hätten. Raupen, welche Schlangen
nachahmten u. s. w.
SEs lohnt sich nicht der Mühe, all den Blödsinn im Ein-
zelnen zu recapituliren und zu widerlegen. Gegen die Er-
klärung, wie die schützende Aehnlichkeit entstanden sei, lässt
ßich jedoch ein Wort einwenden. Die Anhänger der Darwin'schen
Theorie haben diese wunderbare Erscheinung als auf dem Wege
der natural selection entstanden betrachtet und fĂĽr sich aus-
gebeutet. Sie vergassen nur, und mir ist's auch passirt, Bei-
spiele, die gegen ihre Lelire sprechen, aufzusuchen.
Ein Naturgesetz muss sich nicht bloss auf Insekten, son-
dern auch auf die Pflanzen anv\'endcn lassen. Wem wĂĽrde es
nun einfallen zu sagen, Linaria vulgaris ahme Euphorbia
449
cyparissias nach? Wären Euphorbia und Linaria Thiere, so
wĂĽrde der Grund der Nachahmung vom Verfechter der Dar
win'schen Theorie schnell gefunden sein. Es wäre etwa der
ätzende Saft, welcher die eine schützt; somit könnte die an-
dere sich das Aussehen jener- angeeignet haben. Wollte man
gar die Crystalle in IVIitbetracht ziehen, so bekäme man noch
viel tolleres Zeug. Der Zweck dieser Zeitschrift gestattet es
aber nicht, von dem Bereich der Insekten zu lange abzu-
schweifen; es hätten sonst auch Säugethiere, Vögel u. s. w.
manchen Gegenbeweis geliefert.
Ich kann nun als mit der schĂĽtzenden Aelinlichkeit nichts
zu schaffen habend fast all die Beispiele nennen, die ich im
oben angefĂĽhrten Aufsatze fĂĽr vermeintliche Nacha]amungs-
Beispiele ausgab. Wenn Pterophorus ericetorum einer Dipteren-
Art und Chimab. phryganella einer Phryganea ähnlich sehen,
so wird ihnen das wahrscheinlich eher schaden als nĂĽtzen, da
die Vögel solche Thiere mit Vorliebe verzehren. Ueberhaupt
lässt sich in den meisten Fällen gar nicht ersehen, ob die
ĂĽbereinstimmende AehnHchkeit zwischen verschiedenerlei Thie-
ren den Zweck des Schützens hat. Oft können wir sogar
sagen, dass dieser Zweck sicher nicht vorliegt. So lebt z. B.
verborgen unter Steinen ein seltener Opilionide (nepeforme),
welcher dem glatten Wasserscorpion , von dem er den Wanzen-
Namen entliehen bekam, äusserst ähnlich sieht. Auch die
Raupe von CucuUia umbratica hat ihre auf schwarzem Grund
stehenden orangegelben Flecke, die sie der Salamandra macu-
lata ähnhch machen, nicht auf dem Wege der ,,freien Zucht-
wahl" erlangt. Ferner wird auch niemand behaupten können,
dass der Sack der Hehcinella das Gehäuse einer Helix wieder-
gebe, oder dass gewisse Coleophoren mit ihren Säcken die
Clausilien nachahmen wollten. Wären jedoch die so ähnlich
bekleideten Larven der Phryganeen und Psj^chiden zuerst im
Malaiischen Archipel oder am Amazonenstrom entdeckt worden,
so hätte man sie zweifelsohne sich einander adaptieren lassen.
Wir dürfen aber nicht hinter ähnlichen Erscheinungen
immer denselben Zweck suchen. Zudem ist die Zahl der
Insekten so gross, dass gleichartige Farbenzusammenstellungen,
die ja ausser der Form die grösstcn Aehnlichkeiten hervor-
rufen, sich öfters wiederholen können.
Ich halte es fĂĽr ĂĽberflĂĽssig, mich weiter gegen die falsche
Erklärung der sogenannten „Nachahmung'-^ auszusprechen.
Wer nicht mit Voreingenommenheit urtheilt, wird selbst er-
kennen, dass weder die Aehnlichkeit der Insekten mit anderen
450
Naturgegenständen, noch die Aehnliehkeit der Insekten unter
sich, auf dem Wege des Kampfes um's Dasein entstanden
sind. Denn Gott hat den Thieren diesen Schutz gerade
deshalb verliehen, damit sie nicht um's Dasein zu
kämpfen brauchen!
C. Dietze.
Inhaltis -Terzeichsiiss.
Januar — März.
Neujahrs- Note zum Reichs-Text S. 3. Rede zur Stiftungsfeier
S. 5. Mitglieder-Verzeichniss S. 26 Korb: Insekten -Beobachtungen
in der Libyschen Wüste S. 27. Möschler: Exotisches (Scudder's
Synon. List) S. 32. Ritaema: Paussus Woerdeni S. 42. Cornelius:
Eine neue Insektenquelle (Gasometer-Bassin) S. 43. Reitter: Nach-
trag zu Lathridiidfe S. 50. Wehncke: Dytiscus persicus n. sp. S. 52.
Stein: Neue Tenthredoniden S. 53. Keferstein: Lepidopterolo-
gisches S. 62. Lichten st ein: Zur Systematik von Phylloxera S. 64.
Dohrn: Literatur (Westwood's Thesaurus oxon.) S. 65. Koltze:
Englische Notizen S. 67. 'Brischke: Lepidopt. Notizen S. 63.
Emery: Ueber hypogäische Ameisen S. 71. Dohrn: Exotisches
(Liberiana) S. 77. Dohrn: Rhinocles, nov. Genus Calandr. S. 86.
Spängenberg: Ueber drei hochnord. Arten Cupido S. 91. Fuchs:
Lepidopt. Mitth. aus d. nassauischen Rheinthale S. 94. Haag: Aspila
Dohrni n. sp. S. 106. Haag: Zur Synonymie d. Melasomen Bur-
meister's S. 108. Dohrn: Pieris brassicse S. 108. Intelligenz S. 110.
April — Juni.
Vereins-Angelegenheiten S. 113. Dohrn: Exotisches (Liberiana)
S. 115. Zwei Longicornien S. 119. Ftiliomachie S. 12/. Grote:
Nordamer. Noctuiden S. 134. v. Kalchberg: Sicil. Lepidopteren S. 138.
Burmeister: Hymenopt. Mittheilungen S. 151. Schmiedeknecht:
Ein Ausflug S. 184. Vereins- Angel. S. 189. Kassen- Abschluss S. 191.
Backhaus: Puppenzucht-Apparat S. 192. Wehncke: Neue Dytisci-
den S. 194. Speyer: Anzeige von Grote's Check List S. 198. Biolog
Notiz ĂĽber L. Redtenbacher S. 205. Reitter: Camptodes vittatus
Er. S. 206. Frey u. Boll: Tineen aus Texas S. 209. Suffrian:
Synonymische Miscellaneen S. 229. Lichtenstein: ĂĽber Phj'lloxex'a
S. 231. V. Harold: Beschreibung einer neuen Enneamera S. 233.
Staudinger: Ueber Cupido Fylgia S. 235. Tischbein: Notiz S. 235.
Keferstein: Sphinx Atropos S. 236. Intelligenz S. 238.
451
Juli— September.
Burmeister; Argentin. Trox S. 241. Berg: Rogenhofera grandis
S. 268. Tischbein: Ichneumon (Zusätze u. Bemerkungen) S. 273.
Möschler: Exotisches S. 293. Doebner: Bostrychus amitinus S. 315.
Reitter: Neue exot. Nitidul. S. 317. Zeller: HĂĽbner's Samml. aus-
erlesener Vögel u. Scbmett. S. 321. Dohrn: Lebensweise d. Paussiden
S. 333. Zwei Leseblumen S. 336. Exotisches (Liberiana Schluss)
S. 339. Berg: SĂĽdamer. Pyralid. S. 342 Register dazu S. 355.
Wehncke: Neue Dytisciden S. 356. Möschler: Bericht über Bois-
duval's Spe^. General. S. 360. Reitter: Neue Clavicorn. S. 363.
Sintenis: Raupe von Hadena Aniica S. 368. Wacquant v. Geo-
zelles: Phegea aberr. Pfluemeri S. 370. Vereinsangelegenheiten S. 371.
Eichhoff: Synonymisches zu Tomicus S. 378. Intelligenz.
October — Deeember.
Vereinsangelegenheiten S. 381. Dohrn: Leseblume S. 382. Salve
Errore 383. Lichtenstein: Beobachtungen ĂĽber Phylloxera S. 386.
Schmidt-Goebel: Coleopt. Kleinigkeiten S. SS"^. Boll: Befruchtung
der Yucca-Arten S. 401. Dohrn: Coleopt. Cordovana S. 405. Tisch-
bein: Uebersicht d. Genus Ichneumon S. 413. Eppelsheim: Neue
Staphylinen S. 429. Lelievre: Zucht von Bombyx Pernyi S. 435.
Grote und Kaiser: Kartoffelkäfer giftig oder nicht? S. 438. Dohrn:
Nachtrag S. 441. Putzeys: Sparostes africanus S. 447. Dietze:
Selbst-Kritik S. 448. Inhalts-Verzeichniss. Alphab. Register.
Ausgegeben Ende August.
452
Alphabetisches Register
Seite
A.
Abdera flexuosa 396
Abia mutabilis 235
Abromus BruckĂĽ 51
Acanthophorusll9,ampMbolus341
Acidalia contiguaria 98, deter-
minata 141 , mutilata 140
Acrobasis singuiaris 144
Acronycta alni , funeralis .... 200
Aethiiiopa calva 363, rustica 364
Aglaope infausta 94
Agrotis augur 201, cuprea, for-
cipiĂĽa 97
Amasis concinna 34. 235, Kril-
peri 54
Amara trivialis 401
Amathusia Phidippus 443
Anacampsis basalis 147
Anceryx Ello 312
Anchomenus gracilipes 391
Anomaladiscordabilis79, vetiila 78
Anthaxia tiimidiĂĽa 410
Antlieraea Pernyi 435
Anthotribus albinus 394
Apion alpha : . . . 409
Aprostoma filum 383, planifrons 385
Archon Centaiirus 82
Argyresthia 4-strigolla 209
Arthrobracliiis vacillans 411
Aspila Dohrni 106
Astenoi'hina Turneri 82
Astylus interruptus 411
B.
Bolbites onitoidcs 407
Bolitochara Brucki 429
Bombylius 392
Bombyx aerugula 329, Pernyi
435, Waringi 443
Seite
Bostrychus alni 378, amitinus
315, decolor, fagi, Marshami,
oblitus, tachygraphus 378
Botis amiciilatalis 343, matuti-
nalis 348, phaeopteralis 347,
phoenicealis 344, pruinalis,
ruralis 348 , septentrionalis
378, suavidalis 345, tinctalis 346
Botys trinalis 105
Bruchus sp 410
Biiccidatrix angustata 218,
RUeyi 219
©.
Calleida ruficoUis 85
Callichroraa Sphinx 124
Calostega purpuripennis 116
Camptodes nigriventris , Stein-
heili 319, vittatiis 206 412
Cantharis zebra 411
Canthon janthinus 407
Capnodis tenebrionis .391
Cai'adrina superstes 98
Cardiogenius cicatricosus , hir-
sutus, subcostatus 108
Castalia stigmaticollis 410
Casyapa Thrax 443
Centrinus sanguinicollis 409
Centris 159, bimacidata 163,
coUaris 159, denudans 160,
lanipes 163, muralis 161, ni-
grescensl63, nigriventris, nu-
dipes 165, pectoralis, pulve-
rata 161. vulpeciila 164
Cephenoniyia grandis 270
Cephus albomaciilatus 59, spec-
tabilis 58, varicgatus 59
Chalopopeplub vorax 317
453
Seite
Chesas 264
Chlamys aenigma 411
Ohoragus Sheppardi 395
Chordodera pentachordia 83
( hromodes armeniacalis 349
Clirysocorys erythriella 214
Cliiysaiige bifasciata 343
Cimbex scapiilaris 53
Cleodora tanacetella 69
Clytus spinifer 408
Cnemidotus festivus 356
Coenostola apicalis 350
Colastus brunneus 317
Conotrachelus puUus 409
Coriscium paradoxum 212,
rhombiferelhim 213
Corymbites cruciatus 393
Coscinoptera Eris, tibialis . . . .411
Cosmopteryx Clemensella, gem-
miferella 214
Cratosomus Latreillei, lenis. . .409
Cryptarcha Klugii 320
('ryptocephalus BĂĽlardierii, san-
guinolentus 230, sericeus 392,
394, vaiians 392
Gry pt oliypnus der mestoides 396,
4-pustulatus 398
Cupido Alexis 92, Fylgia 91,
235, Chiron 93
Cyllo Leda 443
Cyphonistes Burmeisteri 80
D.
Dachrys gracilis, manca 411
Danais Chrysippus 28
Dasypolia templi 67
Debis Europa 443
Denops albofasciatus 394
Dorcacerus barbatus 408
Dorycera 119
Dorylus Klugi 446
Dryocoetes capronatiis 378
Dy tiscus persicus 52
Elacliista pusilla 215, texanica 216
Enicmus carpatbicus 51
Enneamera ornata 234, suma-
. trensis 233, variabilis 234
Epicauta atomaria 411
Seite
Epitritus Argiolus 75, Bau-
diieri 76
Eucranium arachnoides 407
Eupithecia indigata 101, luteo-
strigata 142, pusillata 99
Eiu-ycreon evanidalis, rantalis 349
Gelechia cauligenella 69
Geometra nullaria 329
Glyphodes sibUlalis 350
Glyptoma corticinum 389
Gracilaria auriferella 211, con-
simUella 210, desmodifoliella
212, interpositella 211, ob-
scuripennis 209
Grapliolitha Servillana 68
Grotea 312, longipes 313
H.
Hadena amica 368, gemina,
sectilis 204
Helotropba fibrosa, reniformis 202
Hemileuca Maja 309
Heterodes Ausonia 350
Hydaticus Daemeli 195, insig-
nis 194, maciilatus 196, phi-
lippensis 197, Riehli 195
Hypenodes Kalclibergi 139
Hypoborus mori 378
I.
Ichneumon 273, 413, anxifer
288, balteatus 289, bisigna-
tus 289, Bohemani 273, cae-
dator 282, coniger, cuneatus
294 , discriminator 278 , di-
versor 290, dubius 275, ex-
plorator 274, flavipetiolatus
287, funebris 275, glaucus
285, immisericors 285, insi-
diator 287, Lichtensteini 291,
luteipes 290, nemoralis 292,
percussor 274, retractus 285,
rugosus 289 , strangulator
283, vafer 286, venustus
286, vivacior 281, xantho-
rius 290
Iridotaenia 341
454
Seite
Lagopelus 265
Lasiocampa Vishnu 444
Lathrobium sibiricum 433
Leptanilla Revelierei 74
Leptinotarsa 10-lineata 438
Leptusa pulchra 430
Liberia (Monrovia) Käfer 77,
118 339
Lita punctata 146, singula . . .145
Litargus 6-notatus 363
Lithocolletis affinis 222, am-
brosiaeella 221, desmodiella
227, modesta 224, occitanica
224, pusillifoliella 226, robi-
niella 227, tenuistrigata . . . .225
Lithosia lutarella, pallifrons 96>
nnita 95
Lobesia permixtana 68
Lucanus cervus 392
M.
Macroceras oecophila 150
Mallodon bonariensis 409
Mamestra albifusa, ti'ifolii . . . .202
Mecedanum 385
Megalostomis gazella, histrio-
nica 411
Melolontha hippocastani , vul-
garis 388
Mesophleps acuminatus 148
Monachus peregrinus 229
Myoderma alutacea 85
Myzine 166, albosignata 179,
bipunctata 168, bonaerensis
182, carbonaria 168, cuyana
181, duplicata 172, elegans
178, erythropyga 169, fron-
talis 177, gemeUata 176, ma-
culatissima 173, pallidipennis
180, pai'anensis 171, robusta
175, sexcincta 170
W.
Naupactus leucoloma, sulfureo-
signatus 409
Nephopteryx maculata 143
Nepticula Dallasiana 228
Noctua alpina 324, birivia, can-
delisequa 328
Noctuiden-genera (N. america-
nische) 134
Seit«
O.
Ocnera hispida 392
Odontopus cupreus 116
Oncidei-es impluviatus 407
Opostega accessoriella 216
Orchesia micans 391
Orion patagonus 408
Orthopterus Lafertei 342
Oxymerup paUidulus 409
P.
Pachycephalus smyrnensis. ... 60
Pantomorus elegans 409
Papilio Aganaemnon, Polytes
444, Reraus 441
Parapoynx effrenatalis 354, in-
domitalis 352
Pararge Aegeria 63, Maera 138,
Xiphia 63
Patrobus tatricus 399
Paussiden ^. . .333
Paussus Woerdeni 42
Pegala 34
Pelecotoma fennica 395
Pelopoeus destillatorius 389
Phanaeus imperator, splendidu-
lus 407
Philonthus tibiaUs 431
Phloiotrya rufipes 396
Phoberus 264
Phryganophilus ruficollis 399
Phyllocnistis insignis 217
Phylloxera 64, 231 386
Pieris brassicae 108
Pilocrocis amissalis 351
Plesia 170
Pocadius breviusculus 318
Polygonia 38
Polyoncus 264
Popillia calĂĽpyga 79
Precis Ipliita 441
Pria affinis 318
Prioscelis serrata 117
Prioscliema Dohrni 367
Pronuba yuccasella 401
PsĂĽoptera plagiata 410
Pterocj'^cion longulum 378
Pycnocerus sulcatus 117
Pyrophorus punctatissimus , . .410
Pyrrhia anguJata, exprimens. .203
Q,uediu8 dĂĽatatus 394
455
Seite
R.
Rhinocles 86, Nasica 88
Rhizaphis 231
Rogenhofera grandis 268
Schreckensteinia festaliella .... 69
Sciaphila virgaureana 68
Setora nitens 444
Silpha obscura, opaca^. 399
Smerinthus excaecatus, pavoni-
nus 314
Solenopsis orbula 74
Sparostes africanus 447
Sphindus dubius 890
Sphinx Atropos 236, vitis....313
Stenodactylus dytiscoides 406
Stereoma Biirmeisteri, laevi-
collis 411
Stigmatomma 73, denticulatum,
impressifrons 74
Stylosomus tamaricis 399
Symmoca pallida 149
Synclera traducalis 352
Syngamia florella 352
Syntomis Phegea 370
Syntomium 391
T.
Tarpa albicincta 55, Loewii 56,
maculipennis 57
Teleia femoralis 146
Telmatophilus analis 364
Tetraonyx ridens 411
Tinea bipunctella, luctuella 322,
myella 327, pyropella 332,
quadripunctella 323, scalpella
328, strigeUa 331
Tischeria aenea,No]ckenii,quer-
citeUa 220, ZellereUa 219
Seite
Tithoes 121
Tortrix apiciana 327, noctuana
332, uncana 326
Trogus Godeffroyi 357, Haagi,
natalensis358,nigripes, Stein-
heUi 359
Trox 241, aeger 259, brevicol-
lis 260, ciliatus 258, gemmi-
fer 261, hemisphaericus 253,
pampeanus 255, pastillarius
250, patagonicus 254, pede-
stris 256, pillularius 262, su-
berosus 257
Tropidoderus sepicola 394
C.
unterirdische Ameisen 71
Urodera Bergi, hamatifera ...411
V.
Vatellus Haagi 357, lentus ...356
IL,
Xestobium pulsator 395
Xyela graeca 57
Xyleborus carinipennis 378
Xylina lambda, Thaxteri 203
Xylocopa 151, Augusti 153,
auralenta 156, Ăźrasilianorum
153, barbata 157, ciliata 158,
frontalis 152, grisescens 156,
serripes 156, splendidula 159,
teredo 153, virginica 156
Xyloterus bivittatus, quercus 378
Z.
Zabrus gibbus 400
Zanclognatha Zelleri 98
Extral)lättclieii
zum
Jahrgang 1876 der Stettiiier Entomologischeu Zeitung.
Da das letzte Heft, einschliesslich des alphabetischen
|- Index und Inhalts des Jahrgangs, schon abgeschlossen und der
letzte Bogen unter der Presse ist, und da es voraussichtlich
einige Zeit dauern wird, ehe wir das erste Heft fĂĽr 1877 in
Angriff nehmen, so gebe ich in der Frage der Kraatz'schen
Mitgliedschaft oder Nichtinitgliedschaft dem Herrn Doctor nach-
stehend das Wort. Er schreibt unter dem Datum Berlin 21. Juli
folgendes an meinen Freund Prof. Zeller:
Geehrter Herr Professor!
Obwohl der Stettiner Verein sich mit mir durch seine
Zeitung in Verbindung setzt und ich mich gern desselben
Weges bedienen werde, so erlaube ich mir doch heut, mich
beim Vereine und Ihnen hiermit durch den nachfolgenden
Passus aus einem Briefe des Herrn Dr. Dohrn vom 29. Ja-
nuar 1852 zu legitimiren.
„Ein Mitgheds-Diplom werde ich Ihnen nächstens mit
nacli Berhn nehmen.'-'
Ich wĂĽrde Ihnen das Original gleich mitsei.den, wenn
ich sicher wĂĽsste, dass mein Brief Sie zu Hause trifft.
WĂĽnschen Sie es?
Ich kann nun dieses Diplom, welches nie in meine
Hände gelangt ist, dessen Existenz und Existenz-Berechtigung
indessen von der Hand des Herrn-Vereins-Präsidenten gleich-
sam urkundlich constatirt ist, natĂĽrlich nicht einsenden,
sondern muss umgekehrt ergebenst bitten, mir dieses Docu-
ment einzusenden, und nicht länger vorzuenthalten, welches
fĂĽr mich eine erheiternde Wichtigkeit erhalten hat.
Gleichzeitig erlaube ich mir zu bitten:
1. um Zusendung von No. 1 — 9 des Jahrganges 1876 der
Stettiner Zeitung unter Kreuzband. Ich werde 6 Mark
40 Pfg. mit gewohnter PĂĽnktlichkeit an Herrn Gillet ein-
senden.
2. um den längst erbetenen Nachweis des Stettiner Vereins-
Vermögens.
Sollte Sie der Vergleich eines guten Ex. von HĂĽbner's
Schmetterl. und Vögel irgendwie interessiren, so steht es
gern zu Diensten.
Mit bestem Gruss
Ihr aufrichtig ergebener
G. Kraatz, Linkstr. 28.
Hierauf erwiedere ich dem Herrn" Dr. folgendes:
Seinem Beispiele gemäss suchte ich in seinen Briefen aus
jener Periode nach und fand ein Schreiben von ihm d. d.
^Heidelberg d. 18. Januar 52". Es ist zu lang, um es hier
wörtlich einzurücken, aber zur Klärung der damals zwischen
dem Hrn. Dr. und mir obwaltenden „persönlichen Beziehungen'^
wird es gestattet sein, folgende zwei Wendungen wörtlich
daraus zu entnehmen:
„Haben Sie mir vielleicht irgend welchen Rath in Be-
zug auf neue Tausch-Verbindungen zu geben?
— — Ich sammle Material zu einer tüchtigen Durch-
sicht der Homaloten, einer Gattung, in der noch viel (zu)
thun, viel Zeit und Sehkraft zu verlieren ist^ wenn Sie
Gelegenheit haben mich zu unterstĂĽtzen so vergessen Sie
nicht Ihres Schützlings zu gedenken. Sehr lieb wäre es
mir z. B. Mannerheim'sche Typen zu den Gattungen Homa-
lota und Oxypoda zu bekommen."
Speciell auf die jetzt vorliegende Diplom-Frage bezieht
sich auf der ersten Seite dieses Briefes das vierte Alinea.
„Ich erlaube mir weiter Ihnen eine oft vergessene
(d. h. von mir) Bitte vorzulegen, nämlich die: mir ein Mit-
glieds-Diplom zukommen zu lassen."
Die Authenticität der vorstehenden Brief- Excerpte wird
mein Mitcoi-rector Prof. Zeller dem Herrn Dr. bestätigen, falls
es dessen fĂĽr ihn bedarf.
Mir scheint nun meine Aeusserung in meinem Briefe vom
29. Januar 1852:
„Ein Mitgheds-Diplom werde ich Hinen nächstens mit nach
Berlin nehmen"
nichts weiter als d'.e nahe liegende Antwort auf die „oft ver-
gessene Bitte" des Hrn. Studiosus Kr. zu sein. Daraus mit ihm
(in seinem Briefe an Prof. Zeller) zu folgern, „dass die Existenz
und Existenz-Berechtigung jenes Diploms von der Hand des
Herrn Vereins-Präsidenten gleichsam urkundlich constatirt
ist", wäre nicht nur unjuristisch, sondern einfach thöricht,
wenn nicht der ganze Satz durch die eingemischten Wörter
„Existenz-Berechtigung" und „gleichsam'' auf Schrauben stände.
Factisch steht folgendes fest: Herr Stud. Kraatz hat um
ein Diplom gebeten, ich habe ihm „nächstens" eins verspro-
chen: er hat das nachher vergessen, ich auch. Und so ist er
ohne Diplom geblieben; sehr natĂĽrlich, da in der Sitzung vom
2. Februar 1852 zwar die von ihm in seinem Briefe vom
18. Januar empfohlenen Herren Dr. Stierlin (irrig von ihm als
Stierlein benannt) und Stud. Haag von mir zu IVIitgliedern vorge-
schlagen und in den Verein aufgenommen wurden, er aber nicht.
Dass Hr. Kr. sich bona fide auch ohne Diplom fĂĽr ein
Mitglied gehalten hat, wird ihm niemand verübeln können:
ausser meiner, von ihm ungenau gedeuteten , brieflichen Aeus-
Ăźerung hatte er das Mitglieder-Verzeichniss vor dem Jahrgang
1852 zu seiner Entschuldigung. Ich habe bereits S. 373 dieses
Jahrganges 1876 drucken lassen, „dass ich den Verstoss gegen
die Statuten bei Aufstellung jenes Verzeichnisses zu vertreten
und desshalb bei dem Vorstande des Vereins um Indemnität
zu bitten habe.'^
Mithin liegt die Frage, ob MitgHed oder nicht, genau in
der von mir S. 374 präeisirten Alternative, nur dass Herr
Dr. Kraatz eingeständlich kein Diplom besitzt.
Seine scherzhafte Unterschrift in einem spätem Briefe an
Prof. Zeller „honoris causa Mitglied des Stettiner Vereins^ wäre
demnach in „erroris gratia'-' zu berichtigen. Errare humanum.
Nicht dem mindesten Zweifel unterliegt es, dass der ge-
samjnte Vereins- Vorstand, mich mit eingeschlossen, in keinem
analogen Falle bei Andern solchen Wichtigkeits-Accent auf
die stricte Beobachtung der Form bei der Aufnahme oder
bei der nachzuholenden Ergänzung legen würde; dass es aber
gerade bei Hrn. Dr. Kraatz geschieht, dafĂĽr hat er ja selber
durch seine (S. 375 d. Ztg.) angefĂĽhrte Argumentation gesorgt,
welche von angeblich durch uns verletzten und missachteten
Vereinsgesetzen strotzt. Sic vos non vobis!
Freihch, Herr Dr. Kraatz ist eben „einer von den rich-
tigen gebornen Berhnern" — *} und ich hätte das füglich früher
bedenken sollen, dann würde ich mich über manches Spätere
weniger gewundert haben.
Dass er als (vermeintliches) Mitglied des unsrigen Titular-
Präsident des Oppositions-Vereins wurde und sich alle Mühe
gab, den neuen Verein auf Kosten des alten womöglich
zur Alleinherrschaft zu bringen, das braucht bei einem Neo-
phyten nicht Wunder zu nehmen. Aber dass der weiland
„Schützhng'-'' mir gegenüber sich auf das hohe Pferd der Ver-
mahnungen setzte, das ging mir denn doch ĂĽber den Spass,
und ich sagte ihm den reichlich verdienten Bescheid. Wenn
er darauf in seiner Berl. Zeitschrift Jahrg. 1869 S. V drucken
Hess, „der ganze Aufsatz zeigt allzuklar, dass Herr Dohrn auch
in anderer als fach wissenschaftlich er entomologiöcher Hinsieht
für nicht vollständig zurechnungsfähig zu erachten ist — " so
freute mich das herzlich, denn dieser Ton ĂĽberhob mich jeder
Antwort: auf solchen Defect an Verschämtheit giebt es in
decenter Polemik kein Echo.
Aber leider setzt sich Hr. Kr., wenn auch nicht immer
in einen Kasten mit Homalota, doch oft genug in die Nesseln,
*) Es giebt auch hochachtbare „unrichtige Berliner", darunter
mir sehr werthe Freunde , aber die leiden , wie sie mir oft eingestan-
den, oft genug unter dem in ganz Deutschland verrufnen Localhoch-
mutli der Majorität ihrer Landsleute.
und verlangt von dem, den er heute für unzurechnungsfähig
erklärt hat, morgen Auskunft über das, übermorgen über jenes,
als wenn wir in Stettin nichts besseres zu thun hätten, als
die Windeier eines Ueberläufers auszubrüttai. Der oben mit-
getheilte Brief liefert dazu den frappanten Beleg. Nachdem
ihm S. 376 Jahrg. 1876 mit dĂĽrren Worten gesagt ist, dass;
der Expedient unsrer Zeitung ihm keine schicken durfte,
nimmt er Zeller's Intervention in Anspruch, schickt aber das
schuldige Geld nicht an Zeller, der es aus Gefälligkeit für ihn
auslegt, sondern an Gillet. Und Avas seine Prätension wegen
der Specitication des Stettiner Vereinsvermögens betriff't (in
einem Briefe an Zeller d. d. 25. Juli erhebt er sich zu der
erheiternden Phrase: es muss jeden Unbefangenen gera-
dezu stutzig machen, dass der Vorstand eines Vereins sich I
weigert, Auskunft über dessen Vermögen zugeben!), so diene
ihm zur beruhigenden Abfertigung, dass der Vorstand des!
Vereins die Rechnungen prĂĽft, bevor er sie dechargirt, und i!
dass gegen die Rechenschaft, wie sie von Anbeginn bis heute
in der Zeitung alljährlich abgelegt wird, ausser i h m bisher
noch Niemand etwas zu erinnern gehabt hat. Da Hr. Dr. Kraatz j
nie einen Pfennig zu der Vereinskasse beigetragen hat, so wird j
er selbstverständlich auch keine Ansprüche daran begründen
können; vor krankhafter Neugier nach seinen angekündigten
Meliorationsplänen schützt uns unser pommerscher Gleichmuth,
auch abgesehen von des H. Kr. formaler Berechtigung, die an-
scheinend unerwiesen bleibt.
Die inzwischen an die Red. eingelaufene Anfrage des H. Kr.
„ob sie Berichtigungen ihrer irrthümlichen Angaben in der
Stett. ent. Zeit, auch gegenwärtig die Aufnahme in derselben
versagt ?"•'
bestätigt auf das Schlagendste, was ich oben über die Eigen-
thĂĽmlichkeit eines richtigen Berliners behauptet habe. Wenn
Hr. Kraatz glaubt, dass ii-gend ein Redacteur sich gefallen
lassen wird, was er (Kr.) frĂĽher beanspruchte, dass nehmlich
die Redaction hinter seine Artikel keine Bemerkung folgen
lassen dürfe — so ist das eben nur richtig berlinisch. Schickt
Hr. Kr. etwas an die Redaction (sogar wenn es lepidopterische
Leimruthen fĂĽr die Amateurs seiner Photographie .sind), was
irgend fĂĽr die Leser von wirklich Avissenschaftlichem oder
unterhaltendem Interesse sein kann, so wird er genau ebenso
tractirt werden, wie jeder Andere, aber es wird keinem
Artikel oder keiner Berichtigung von ihm im Voraus ein
Privilegium versprochen.
Noch weniger habe ich Zeit und Lust, mich auf diese uner-
quickliche Art Correspondenz einzulassen — es fehlt mir Gottlob
nicht an angenehmeren, die meine MĂĽsse erspriesslicher ausfĂĽllen.
Stettin, 29. Juli 1876. Dr. C. A. Dohrn.
'